Ein Leben im Licht

GeschichteAllgemein / P12
Christine Daaé Erik - das Phantom der Oper
04.08.2015
04.08.2015
1
2099
1
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Hallo zusammen!
Da ich von Chino irgendwie rücknominiert wurde und ich in meinen Sommerferien nicht groß etwas Besseres zu tun habe, habe ich noch einen kurzen OneShot bezüglich der Sommer Challenge 2015 verfasst. Dieser bezieht sich auf meine Geschichte "A life in light or darkness", ist also so etwas wie ein zweiter Epilog oder so. xD Man muss die Geschichte zwar nicht unbedingt gelesen haben, um diese hier zu verstehen, aber ich wollte nur darauf hinweisen.
Ich hoffe, es gefällt euch!
Liebe Grüße! <3
Jojo




„Maman!“
„Christine? Christine!“
Christine seufzte leise und schüttelte belustigt den Kopf. Anscheinend konnten die beiden keine zwei Minuten ohne sie zurecht kommen. Mit einem leisen Ächzen sammelte sie ihre Tochter vom Boden des Salons auf, die gerade auf einem Bogen Papier ihre Zeichenkünste austestete. Madeleine wurde inzwischen für sie fast schon zu schwer zum Herumtragen.
„Na, wollen wir mal sehen, was unsere beiden Männer so treiben?“, fragte Christine.
Madeleine lachte. „Unsinn, was sonst!“
„Ja, da hast du wahrscheinlich Recht“, schmunzelte Christine. Für ihre fünf Jahre hatte ihre Tochter schon so einiges begriffen. Christine und Erik hatten aber schon bemerkt, dass Madeleine eher nach ihrer Mutter kam. Sie war nicht weniger intelligent und ungewöhnlich als ihr Bruder, der beinahe in allen Punkten seinem Vater nach eiferte, doch sie war um einiges ruhiger und bei weitem nicht so stur. Wenn Lucien etwas tun wollte und es nicht durfte, könnte um ihn herum die Welt in Flammen stehen und er würde schmollend bleiben, wo er war.
Christine ging mit Madeleine auf die Veranda und hielt dort nach ihrem Mann und ihrem Sohn Ausschau. Es dauerte auch nicht lange, da rannte ein kleiner, blonder Blitz vor ihren Augen über das Gelände. Erik war Lucien dicht auf den Fersen.
„Ich will auch mitspielen“, rief da Madeleine und rannte einen Moment später bereits durch den Garten. Erik machte auf den Fersen kehrt und lief auf seine Tochter zu. Er hob sie hoch und wirbelte sie einmal herum, bevor er das kichernde Mädchen auf seine Hüfte setzte. Da sah Christine, dass auch Lucien wieder auf Erik zusteuerte.
„Erik, pass -“
Mit einem Aufschrei stürzte Lucien sich auf seinen Vater, der inklusive seiner Tochter in das Gras viel. Christine verfolgte das Schauspiel, dass sich ihr da bot. Wenn irgendjemand wüsste, dass das gefürchtete Phantom der Oper sich von seinem siebenjährigen Sohn und seiner fünfjährigen Tochter freiwillig besiegen ließ, wäre es wohl nicht mehr ganz so gefürchtet. Christine sah immer unglaublich gerne zu, wie Erik sich Spiele für seine Kinder ausdachte und dann mit Freuden selbst daran teil nahm. Sie hatte keine Ahnung, worum es gerade wieder ging, aber solange ihre Kinder strahlten und ihr Mann dafür sorgte, dass sich niemand verletzte, war alles in bester Ordnung. Ihr war zwar schleierhaft, wie sie bei dieser Hitze so herum rennen konnten, aber anscheinend machte es ihnen nichts aus. Den Kindern auf jeden Fall nicht, Erik, der ja sowieso eine Antipathie gegen Hitze hegte, könnte auf diesen Anfall von Hochsommer, der sich über Frankreich gelegt hatte, wahrscheinlich gut verzichten.
Lächelnd hob Christine den Blick gen Himmel. Die Sonne neigte sich bereits dem Horizont entgegen. Es war ein schöner Tag gewesen, aber recht schwül. Erik hatte schon am Morgen Gewitter voraus gesagt und normalerweise hatte er bei solchen Sachen immer recht. Es zogen auch schon ein paar dunkle Wolken auf.
Das schien auch Erik aufzufallen. Nach einer Weile hörte Christine ihren Mann laut lachend „halt, aufhören“ rufen und wie durch ein Wunder gehorchten die beiden Kinder, was sonst selten der Fall war. Erik hob Madeleine auf seine Schultern, während Lucien seine Hand in Beschlag nahm und ihn in Richtung Haus zog.
„Maman, Maman!“, rief er und bedeutete ihr, zu ihm zu kommen. Christine gehorchte nur liebend gern.
„Ja? Was willst du mir zeigen?“
„Ich kann auf dem Zaun balancieren!“ Lucien ließ die Hand seines Vaters los und rannte auf den Zaun zu, der den kleinen Garten umgab. Er stemmte sich darauf und balancierte tatsächlich darauf hin und her. Christine bekam einen kleinen Herzinfarkt und lief bereits auf ihren Sohn zu, doch da ergriff Erik ihr Handgelenk.
„Lass ihn, er kann das sehr gut.“
„Das hast du ihm beigebracht, nicht wahr?“, fragte Christine vorwurfsvoll.
Erik schüttelte mit unschuldiger Miene den Kopf. „Ich doch nicht. Der kommt von selbst auf solche Ideen.“
„Ich will auch“, rief Madeleine und wollte sich ebenfalls von Erik lösen.
„Oh nein“, sagte Erik allerdings und zog sie wieder zu sich zurück. „Du nicht, Liebling.“
„Aber warum nicht?“, fragte Madeleine. „Nur, weil ich ein Mädchen bin?“
„Schau, da hast du den Salat“, seufzte Christine, konnte aber ein belustigtes Schmunzeln nicht verkneifen.
Erik warf ihr einen kurzen Blick zu, bevor er sich wieder an seine Tochter wandte. „Nein, weil du gleich ins Bett musst. Und dein Bruder auch. Lucien?“ Diese Aussage erntete direkt Protest, woran Erik sich aber nicht sonderlich störte. Lucien sprang wieder vom Zaun und schlenderte zu ihnen herüber.
„Ich bin noch gar nicht müde“, sagte Madeleine, als Christine sie wieder hoch hob und auf ihre Hüfte setzte.
„Es ist aber schon sehr spät“, sagte Christine, als sie die Veranda betraten. Erik sorgte dafür, dass Lucien ihnen auch folgte.
„Und ein Gewitter zieht auf“, sagte er. Grinsend zog er Christine an sich, um sie kurz zu küssen.
„Uähh.“
„Uähh?“, wiederholte Erik lachend und sah Lucien an, der seine Eltern angewidert betrachtete.
„Mädchen sind so eklig.“ Der siebenjährige verzog das Gesicht.
„Jungs sind noch viel ekliger“, mischte sich Madeleine ein, die eher fasziniert als angeekelt wirkte.
Christine und Erik tauschten belustigte Blicke. „Wartet lieber noch ein paar Jahre“, sagte Christine lachend.
„Macht euch schon einmal bettfertig, ja?“, fügte Erik hinzu. Die Kinder waren davon immer noch nicht sonderlich begeistert.
„Nein, nein, fangt gar nicht erst an“, sagte Christine. „Ihr solltet eigentlich schon längst im Bett sein. Geht schon einmal vor, wir kommen auch gleich nach.“ Sie schob ihre Kinder sanft ins Haus, wo sie nachgaben und die Treppe hinauf stürmten. Christine drehte sich zu Erik um und beäugte ihn besorgt. Er hatte sich auf einen der Stühle auf der Veranda fallen lassen. Sie bemerkte, dass sein Atem flach und schnell ging. Er schien Schmerzen zu haben, die er aber noch recht gut versteckte. „Ist alles in Ordnung?“
Erik winkte ab. „Natürlich.“ Er lachte etwas atemlos auf. „Ich renne nur seit Ewigkeiten hier herum, und dann bei dieser Hitze. Ich muss mich nur einen Moment ausruhen.“
„Vielleicht wirst du langsam zu alt für solche Sachen“, sagte Christine sanft.
„Ach, Unsinn“, versetzte Erik. „Mach dir keine Sorgen, mir geht es prächtig.“
„Dein Bein?“ Christine wusste, dass Erik ab und zu immer noch mit den Nachwirkungen seiner Verletzung aus dem Brand der Oper zu kämpfen hatte.
„Dem geht es auch prächtig.“ Erik streckte die Arme aus. Christine setzte sich lächelnd auf seinen Schoß, worauf er zufrieden die Arme um sie schlang und sein Gesicht in ihren Haaren vergrub. Er lachte leise. „Mädchen sind eklig, hast du das gehört? Mit ihm wird es noch sehr lustig werden, wenn er erst einmal vom Gegenteil überzeugt ist.“
„Warte lieber ab, bis Madeleine sich in einen jungen Mann verliebt. Dann findest du das nicht mehr so lustig.“
„Madeleine?! Oh nein. Die hat noch gute zwanzig Jahre Zeit, bis sie sich verlieben darf.“
Der entschlossene Ton ihres Mannes brachte Christine zum Lachen. „Da übertreibst du aber. Sagen wir zehn Jahre.“
Erik schnaubte. „Vergiss es.“
Christine schmiegte sich an ihn. „Wir sind übrigens Sonntag zum Essen eingeladen.“
„Bei de Chagny?“
„Bei Raoul und Meg, ja.“
Erik stöhnte. „Grandios.“
„Madeleine freut sich schon. Sie hat Louise viel zu lang nicht mehr gesehen, sagt sie.“
„Die beiden verstehen sich wirklich gut, nicht wahr? Sie erinnern mich an Meg und dich.“
„Sie sind ja auch unsere Töchter“, murmelte Christine und legte den Kopf auf seine Schulter. Erik streichelte zärtlich ihren Rücken und drückte seine Lippen auf ihr Haar. Ihre Hand wanderte zu seinem Hinterkopf, um die Bänder seiner Maske zu lösen. Er trug sie immer noch, wenn er das Haus verließ. Christine hatte schon oft versucht, ihm das auszureden, doch das war ein Thema, worüber Erik nicht mit sich reden ließ. Sie erinnerte sich an die Zeiten, als Lucien und Madeleine noch viel jünger gewesen waren. Lucien hatte immer mit der Maske spielen wollen, Madeleine hatte sich immer vor der Maske gefürchtet. Das tat sie immer noch, und immer wenn Erik vor ihren Augen die Maske abnahm, sprang sie ihrem Vater erleichtert in die Arme. Erik wusste wahrscheinlich ganz genau, dass seine ganze Familie gegen die Maske war, doch irgendetwas in ihm sperrte sich wohl dagegen, sie endgültig zu den anderen Dingen in die Holzkiste zu verbannen. Christine wusste, dass er das nie tun würde und sie hatte gelernt, sich damit abzufinden. Schon lange.
„Meinst du, wir haben heute Nacht endlich wieder ein wenig Zeit für uns?“, murmelte Erik in ihr Haar.
Christine lachte. „Wenn es wirklich gewittert, dann wohl eher nicht.“
Erik seufzte nur leise. Christine wusste, dass er sich zunehmend nach ihrer Nähe sehnte, ihr ging es ja nicht anders. Die Kinder hielten sie ziemlich auf Trab, da hatten sie nachts nicht mehr wirklich die Nerven für gewisse Zärtlichkeiten. Jetzt, wo Madeleine und Lucien langsam älter wurden, wurde es wieder besser. Doch irgendwie löste es auch ein unglaubliches Glücksgefühl in Christine aus zu wissen, dass Erik sie nicht nur wollte, sondern wirklich brauchte. Zu erfahren, wie sehr er sie liebte, besonders wenn das letzte Mal eine Weile her war, war immer wieder etwas Fantastisches.
„Woran denkst du, Engel?“, holte Erik sie aus ihren Gedanken.
„An dies und das“, lächelte Christine. Als sie zu ihm hoch blickte, sah sie, dass er die Augenbrauen erhoben hatte.
„Dies und das, soso.“
Christine lachte und küsste ihn. Er ließ sich nur zu gerne auf dieses Spiel ein und zog sie fester an sich. Ganz genau so war es perfekt.
„Die Sonne geht unter“, sagte Erik nach einer Weile, nachdem er den Kuss unterbrochen hatte. Er lächelte Christine an. Diese wandte nun den Blick ab, um zum Himmel zu sehen. Die aufziehenden Gewitterwolken wurde in goldenes und violettes Licht getaucht, während die Sonne langsam im Horizont versank. In der Ferne konnten sie die Lichter von Paris sehen, rund herum nur Wiesen, Wald und Himmel. Ja, sie lebten auf einem wunderschönen Fleckchen Erde und Erik hatte das perfekte Haus für sie errichtet.
„Wunderschön“, sagte Christine ehrfürchtig.
„Ich glaube, die schönen Farben werden leider nicht all zu lang zu bewundern sein“, meinte Erik. „Es fängt gleich bestimmt an.“
Christine und Erik blieben sitzen und betrachteten weiterhin den Himmel. Es fing nicht an zu regnen, doch bald verdrängten die dunklen Wolken auch das letzte Licht der Sonne. Auf den ersten Blitz mussten sie auch nicht all zu lange warten. Christine zuckte leicht zusammen, worauf Erik nur lachte und sie fester umschlungen hielt. Da brach der Donner auch schon über sie herein.
„Sollten wir nicht ins Haus gehen?“, fragte Christine.
„Ja, das ist wahrscheinlich eine gute Idee“, stimmte Erik zu und Christine stand auf. Sie wusste, dass er liebend gerne hier sitzen bleiben und das Gewitter verfolgen würde, war er doch unendlich fasziniert von solchen Phänomenen. Seine Augen suchten den Himmel nach dem nächsten Blitz ab, auf seinen Lippen lag ein beeindrucktes Lächeln. Sie liebte es, ihn so zu sehen. Wahrscheinlich würde in ein paar Stunden die Töne der Orgel das Haus erfüllen. Ein Lied, das sich anhören würde wie ein Sommergewitter.
„Maman?“, erregte eine Stimme ihre Aufmerksamkeit. Christine und Erik drehten sich um, und erblickten ihre Kinder im Hauseingang. Lucien hatte einen Arm schützend um seine Schwester gelegt, die sich ängstlich an ihn drückte. „Madeleine fürchtet sich vor dem Donner“, sagte Lucien.
Sofort wandte sich Erik endgültig von dem Gewitter ab und hob seine Tochter auf seine Arme. Madeleine drückte sich an ihn und vergrub das Gesicht an seiner Brust. Erik strich ihr liebevoll über das dunkle Haar und küsste ihren Scheitel. „Es ist nur ein Gewitter, Liebes“, sagte er sanft. „Dir wird nichts geschehen, das verspreche ich dir.“
Christine strich Lucien über das Haar. „Du hast keine Angst, nicht wahr?“
„Papa hat mir erklärt, wie das passiert“, sagte er und zeigte auf den Himmel. „Es ist nicht gefährlich.“
Christine lächelte. „Na komm. Ab ins Bett.“
Erik war noch immer damit beschäftigt, Madeleine zu beruhigen, schenkte seiner Frau aber ein strahlendes Lächeln, als sie mit Lucien an ihm vorbei ins Haus ging. Erik folgte ihr mit ihrer Tochter auf dem Arm. Mit einem letzten Blick gen Himmel schloss er die Tür hinter sich.
Review schreiben