Pursuit Of Love [MMFF]

MitmachgeschichteDrama, Romanze / P16
OC (Own Character)
03.08.2015
03.08.2019
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P U R S U I T   O F   L O V E

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16. Juni 239O



Das glucksende Kinderlachen lässt ihn aufschrecken. Er eilt, natürlich mit der Anmut eines jungen Prinzen, der vielleicht bald König sein würde, die große Treppe hinunter. Seine rechte Hand gleitet dabei über das glänzende Geländer, das frisch poliert sein muss. Die Erkenntnis löst sofort ein schlechtes Gewissen in ihm aus. Schnell nimmt er seine Hand vom Geländer und hofft, keine Spuren hinterlassen zu haben, wegen derer das Personal die Geländer erneut polieren muss. Als er nach der Treppe links abbiegt und durch den großen Bogen in die Eingangshalle des Palasts geht, machen seine Bedenken purer Verwirrung Platz.

»Laine, was macht ihr denn hier?«, fragt er, während er schon die Arme ausbreitet, in die sich in der nächsten Sekunde die kleine Coralie wirft.
Delaine mustert ihren kleinen Bruder mit großen Augen. »Du weißt es noch nicht«, murmelt sie mit einem traurigen Blick, der nichts Gutes verheißt.
»Was, bitte, weiß ich nicht?« Der Prinz schiebt seine kleine Nichte von sich und kneift ihr beherzt in die Wangen, bis die Kleine eine Schnute zieht. »Sie ist so groß geworden. Wie lang wart ihr nicht mehr hier?«, fragt er, den Blick immer noch auf das kleine Mädchen gerichtet.
»Viel zu lange, Finn.« Mit diesen Worten geht seine Schwester auf ihn zu, zieht ihn hoch und dann in ihre Arme. Nach einer gefühlten Ewigkeit schiebt Delaine ihn von sich und betrachtet ihn. »Und wie groß bist du erst geworden«, triezt sie ihren kleinen Bruder, der ihr problemlos auf den Kopf spucken könnte. Ihr Lachen erstirbt und ein mitleidiger Blick verzerrt ihr hübsches Gesicht.
»Laine, bitte. Was ist los?«, fragt Finnian voller Erwartung, doch Delaine zieht nur entschuldigend die Schultern hoch und bedeutet ihm damit, dass es nicht in ihrer Macht steht, ihn einzuweihen.
Wie er das hasst. Diese Heimlichtuerei im Palast. Er ist fast 19 Jahre alt und soll bald der König werden, doch niemand hält es für nötig, ihm irgendetwas zu verraten. Delaine hat das Verbot sicher von seiner Mutter bekommen und diese wiederum hatte es direkt vom König erhalten.
Der König, sein Vater. Sein Vater, der ihm wohl nie freiwillig den Thron überlassen würde. Nicht ihm und schon gar nicht seiner Schwester, immerhin ist sie ein Mädchen und die sind in den Augen seines Vaters allesamt unfähig.

»Delaine, mein Schatz! Amandus! Und auch die kleine Coralie!« Auch ohne sich umzudrehen, identifiziert Finnian die klare, fröhliche Stimme sofort als die seiner Mutter.
»Wir freuen uns, dass du hier bist, Amandus«, sein Vater begrüßt Amandus, seinen Schwiegersohn, mit einem unpersönlichen Handschütteln. Seiner Tochter nickt er nur kurz zu und Coralie ignoriert er wie immer. Delaine ist die Diskriminierung ihres Geschlechts von Seiten des Königs schon so gewöhnt, dass sie inzwischen nichts mehr dazu sagt. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, Greg Schreave in irgendeiner Weise belehren zu wollen.
»Also, was macht ihr hier?«, versucht der junge Prinz noch einmal sein Glück, was ihm einen tadelnden Blick seines Vaters und einen mitleidigen Blick von seiner Schwester einbringt.
Die Hand des Königs legt sich schwer auf Finnians Schulter, der sich unter der Hitze, die von dem Fremdkörper ausgeht, windet. Mit einem Räuspern bedeutet sein Vater ihm, zu folgen.
Nachdem die Hand von seiner Schulter rutscht, entweicht Finnian ein erleichtertes Aufatmen, das seine Mutter direkt registriert. Besorgt wie immer, schließt sie zu ihrem Sohn auf und tätschelt ihm leicht den Rücken, während sie ihn zuversichtlich anlächelt. Im Speisesaal angekommen, wartet Greg Schreave noch, bis auch das letzte Mitglied der Königsfamilie eingetreten ist und dann wendet sich der König an einen Kammerdiener: »Lassen Sie die Wachen abziehen und schließen Sie die Tür.«
Das bedeutet nichts Gutes, dessen ist sich Finnian sicher.
Greg nimmt Platz und bedeutet seiner Frau, sich neben ihn zu setzen, während der Prinz für das private Gespräch einen Platz an der Tafel einnimmt, der so weit wie möglich von seinem Vater entfernt ist. Die Stille, die herrscht, macht dem Prinzen zu schaffen und droht ihn zu erdrücken.
Während Amandus sich gelangweilt wenige Plätze neben dem König niederlässt, setzt Delaine sich als moralische Unterstützung zu ihrem Bruder. Die kleine Coralie zieht sie auf ihren Schoß.

»Finnian, Amandus und seine Familie sind aus einem bestimmten Grund hier.« Es ekelt Finnian regelrecht an, wie sein Vater von Delaine und Coralie spricht, als gehörten sie nicht zur Familie. Immer wieder fragt sich der junge Prinz, warum sein Vater seine Kinder nicht von Herzen lieben konnte oder eher wollte. Liebe bezeugt Schwäche, wäre wahrscheinlich die Antwort des Vaters auf die stille Frage seines Sohnes.
»Willst du dazu gar nichts sagen?«, reißt sein Vater ihn aus seinen Gedanken.
Finnian ist versucht, seinen Blick peinlich berührt auf seine Füße zu richten, doch er strafft seine Schultern und gesteht seinen Fehler ein: »Entschuldige Vater, ich war gerade … woanders.«
»Diese Träumerei immer«, seufzt sein Vater genervt. »Amandus und seine Familie sind hier, weil wir ein Casting veranstalten werden.« Das Wort Casting hallt unangenehm in Finnians Ohren nach. »Ein Casting für dich. Währenddessen wollte deine Mutter ihre Familie geschützt wissen. Du weißt schon, das Gerücht um die neuen Rebellen«, ob dieser Offenbarung zieht Finnian die Luft scharf ein. »Um dein Casting zu sichern und gleichzeitig deine Mutter zu beruhigen, haben wir deine Schwester, Amandus und das Kind in den Palast eingeladen. Sie werden für die Dauer des Castings in den Zweitgemächern deiner Großeltern wohnen.«
Hilfesuchend blickt Finnian zu seiner Schwester, die ihren Blick reuevoll senkt. Der einzige, der ebenso erstaunt scheint, wie Finnian selbst, ist Amandus.
»Die Briefe an die Töchter Illeás sind bereits fertig, sie werden in drei Tagen losgeschickt, sodass sie am Morgen nach deinem 19. Geburtstag ankommen. Bei deiner Geburtstagsfeier werden wir es verkünden.«

Finnian macht sich keine Gedanken über die Konsequenzen, die ihn erwarten werden, als er wie ein geölter Blitz aus dem Speisesaal flieht. Er schaltet seine Gedanken aus und seine Füße führen ihn zu einem Platz im Palast, den sein Vater nie aufsuchen würde.

Als er aufblickt, erkennt er, dass er sich im Gang der Ahnen befindet. Hier sind alle Schreaves, die je über Illeá geherrscht haben, verewigt. Gemalte oder fotografierte Portraits der Männer mit ihren Frauen schmücken beide Wände des Ganges, in den sich Finnian schon oft geflüchtet hat, weil er weiß, dass sein Vater ihn hier nie vermuten würde. Die alten Zeiten und ihre Könige, die laut seinem Vater allesamt nur Fehler in ihrer Regentschaft gemacht haben, zu ehren, ist eine Schwäche für seinen Vater, weshalb er diesen Gang meidet.

Finnian steht vor dem großen Gemälde, das den blonden Mann zeigt, den er schon unzählige Male bewundert hat. Dieser hat seine Hand liebevoll und behutsam um die Taille einer wunderschönen Rothaarigen gelegt und strahlt mit ihr um die Wette. Der Schriftzug Maxon Calix Schreave und America Schreave ist in geschwungener schwarzer Schrift in den fein verzierten goldenen Rahmen eingelassen.
Maxon Schreave war der König, der der Mittelpunkt des letzten Castings gewesen ist. Gemeinsam mit seiner Frau hat er die Kasten abgeschafft und später auch das Casting, hat Illeás Bewohnern eine Zukunft gezeigt, die sie mit Freude begrüßt haben und alles für sein Volk getan. Er hat so viel erreicht und heute, 77 Jahre später, sind nicht nur die Kasten wieder ein Teil Illeás, sondern bald auch noch das Casting.
Wir treten sein Andenken mit Füßen, denkt Finnian entsetzt.

Seine Mutter hat ihm die Geschichte von der Entwicklung von Maxon bis hin zu Greg, seinem Vater, oft erzählt.
Kurz vor dem 21. Geburtstag von Finnians Großvater Osten brach in mehreren Räumen des Palastes ein Feuer aus, das sich rasend schnell ausbreitete, sodass ihm niemand Herr wurde. Das Chaos war nicht zu beschreiben, panische Schreie und lodernde Flammen erfüllten den schönen Palast, der nach mehreren Stunden komplett niedergebrannt war. Es dauerte mehrere Wochen, die Trümmer zu beseitigen und die Leichen zu bergen. Fünf Wochen später stand fest, dass Maxon, seine Frau America sowie ihre drei ältesten Kinder Eadlyn, Ahren und Kaden im Feuer umgekommen waren.
Einzig und allein Osten, das jüngste Kind Maxons und Finnians Großvater, hatte das Feuer überlebt und wurde im jungen Alter von 21 Jahren zum König Illeás gekrönt. In den folgenden Jahren wurde der Palast neu erbaut, die Politik Illeás vollkommen revolutioniert und eine neue Generation der Königsfamilie geboren.

Finnian steht nun vor großen Foto, aus dessen himmelblauen Rahmen der Schriftzug Osten Schreave und Siobhan Schreave wie ein Relief heraustritt. Es zeigt seinen Großvater im jungen Alter und neben ihm steht seine Frau, Finnians Großmutter, die wie immer aus vollem Herzen lacht. Vermutlich hat sein Großvater mal wieder einen Witz erzählt. Obwohl sein Vater immer sagt, dass dieses stümperhafte Foto einem Königspaar nicht würdig sei, findet Finnian es gerade deshalb schön. Es zeigt seine Großeltern, wie sie wirklich sind. Und es zeigt Liebe – wahre Liebe, wie Finnian sie bei seinen Eltern schon ewig nicht mehr gesehen hat.
Vater hat noch nie nette Worte für seine Schwiegereltern gefunden, fällt es Finnian ein. Schon immer hat sein Vater erzählt, dass Osten Schreave kein guter König für Illeá war und er daher sehr froh gewesen ist, als dieser abgedankt hatte.

Nur einen Schritt weiter nach rechts und der Prinz steht vor einem Ölgemälde, das von prunkvoll verziertem Holz umrahmt wird. Auf dem Rahmen sind die Namen Rayna Schreave und Greg Schreave in geschnörkelter Schrift eingraviert.
Dass der Name der Frau zuerst genannt wird, muss Vater tierisch stören, denkt Finnian belustigt.
Sein Blick fällt auf die junge Frau mit den dunkelblonden Haaren und den rehbraunen Kulleraugen, die sich an den Mann, der neben ihr steht, schmiegt. Der schwarzhaarige Mann hat seinen Arm liebevoll um ihre Schulter gelegt.
Weder die lockere Pose noch das nette Lächeln erinnern Finnian an seinen Vater. Lediglich der eiskalte, berechnende Blick aus den meerblauen Augen ähnelt dem Mann, der Greg Schreave heute ist.
Hoffentlich habe ich diesen Blick nicht geerbt, betet Finnian, der die gleichen meerblauen Augen wie sein Vater hat und verzieht sein Gesicht.

»Finn, du machst es schon wieder«, erklingt die zarte Stimme von Delaine, doch ihr Tadel ist nicht ernst gemeint. Sie tritt neben ihren Bruder und streckt sich auf die Zehenspitzen, um ihren Kopf auf seine Schulter betten zu können.
»Er musste es tun.«
Ruckartig schwingt Finnians Kopf zu seiner Schwester, die wegen seines fragenden Blicks seufzt.
»Marian«, ist das einzige Wort, das seine Schwester hervorbringt.
Seine Tante Marian weilt seit 5 Jahren nicht mehr unter ihnen. Damals war die gesamte königliche Familie im Palast versammelt, damit alle die Geburt der kleinen Coralie, die schon sehnlichst erwartet wurde, miterleben konnten. Wenige Stunden, nachdem bei Delaine die Wehen einsetzten, wurde der Palast angegriffen. Marian stellte sich den Angreifern, um ihre Nichte und deren noch ungeborenes Kind zu beschützen und wurde dabei getötet. Kurze Zeit später trafen zusätzliche Wachen aus Angeles ein und konnten die Angreifer verscheuchen.
Noch heute halten sich die Gerüchte, dass es eine Gruppe neu formierter Rebellen war, doch man hatte nie einen Verantwortlichen finden können.
»Es hat seitdem keine Angriffe mehr gegeben. Vater hat die Kasten wieder eingeführt, um das Volk in Schach zu halten. Es ist nicht mehr als eine vage Vermutung«, sagt Finnian eher im Tonfall einer Frage.
»Das mit den Kasten war falsch.« Beide nicken ob dieser Erkenntnis nur und Delaine fährt fort: »Es gibt neue Aufstände in den Provinzen. Schon sehr viel länger, Finn.« Davon weiß Finnian nichts. Wie immer. Sein fragender Blick genügt, damit seine Schwester ihn aufklärt: »Vater hat mit Amandus darüber gesprochen und Amandus stört es nicht, wenn ich seine Unterlagen lese.«
»Du spionierst, Laine.« Delaine lächelt und zuckt nur mit den Schultern.
»Das Casting sollte das Volk damals schon beruhigen«, stellt Finnian ernüchtert fest. Wieder nickt seine Schwester, dieses Mal jedoch ohne zu lächeln.
»Er benutzt mich und opfert meine Zukunft«, angesichts dieser Erkenntnis lehnt Finnian seinen Kopf an die Wand, bevor er an ihr heruntergleitet und auf dem Boden sitzt.
»Das Casting bedeutet nicht das Ende deiner Zukunft«, ermahnt Delaine ihn schnell .
»Ein Leben wie ihres, ohne richtige Liebe. Das bedeutet es doch, keine Zukunft zu haben, oder?«
»Es tut mir so leid«, ist das einzige, das seine Schwester dazu noch zu sagen wusste. Seine Frage lässt sie unbeantwortet.

Die Geschwister sitzen eine ganze Stunde still da, in der Delaine ihrem kleinen Bruder beruhigend über den Arm streicht.
»Du hast keine Wahl, aber du wirst ein tolles Mädchen finden«, ergreift sie endlich das Wort.
»Das muss ich wohl«, erwidert Finnian monoton, nachdem er sich ihr zuliebe zu einem kleinen Lächeln gezwungen hat.



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VORINFORMATIONEN

» die Kasten waren für etwas mehr als 60 Jahre abgeschafft, bevor sie vor 5 Jahren (nach dem Angriff auf den Palast) wieder eingeführt wurden – die Meisten wurden automatisch in die Kaste ihrer derzeitigen Tätigkeit eingestuft, einige wurden wegen kleiner Vergehen dann herabgestuft
» das Casting wurde durch Maxon und America abgeschafft, da sie ihren Kindern eine freie Wahl ermöglichen wollten

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DIE ERWÄHLTEN

Allens
  Quinn Kingsley  
Angeles
  Jules Cassadee Blackwood (AndoraEngel)  
Atlin
Megmara Allison Morel (Taquaria)
Baffin
  Emilá Wark (Lou18 » nicht mehr hier aktiv)  
Bankston
  Organza Tux  
Belcourt
  Yvonne Utters  
Bonita
Olivia Jacobs (Bella-Rina)
Carolina
  Fariba Aghaeipour  
Calgary
Cassiopeia Warren (Calla-x3)
Clermont
Namida Yara Charville (Mer)
Columbia
Gwendolyn Loar (Hana-Yumi)
Dakota
  Melanie Zoë Hunter (Girlaftermidnight)  
Denbeigh
Valerie Impalla
Dominica
  Makani Kato (firin13)  
Fennley
Theresa Oxford (BlairWaldorf)
Hansport
  Amelie Kline  
Honduragua
  Imara Marilize Velakazi (Flowerpot)  
Hundson
  Patricia Ida Zayne  
Kent
  Savannah Jamesson  
Labrador
  Faye Marquess (Lou18 » nicht mehr hier aktiv)  
Lakedon
  Nevia Ballaton (Herzblutzauber)  
Likely
  Giulia Petrelli  
Midston
Claire Geoffrey (frozenrose » inzwischen eine Lückenfüllerin)
Ottaro
  Xia Rogue  
Paloma
Posy Montrose (Flowerpot)
Panama
  Evy Quentin  
Sonage
Rose Casper (firin13 » inzwischen eine Lückenfüllerin)
Sota
  Kristine Susanne Little  
St. George
  Jeannine Kades (Lou18 » nicht mehr hier aktiv)  
Sumner
  Zira Yehuda  
Tammins
  Sallie Fossil  
Waverly
Annabelle Sutherland (Hooded Roses)
Whites
  Liora Rae Dearing (Calla-x3)  
Yukon
  Anastasiya Wolodja  
Zuni
  Luca Samantha Johnson (Thalia Potter)  



NACHRÜCKERINNEN AUS DER GERMAN FEDERATION
– ab Kapitel 74 –

Belgrad
Zorica Gordana Ilic (Komachi)
Budapest
Benicna Szilágyi (M i n a » inzwischen eine Lückenfüllerin)
Meyenburg
Wilhelmine von Meyenburg (Lou18 » nicht mehr hier aktiv)
Wien
Eden Csilla Bletchfield (Hooded Roses)
&
Lanya-Malou Gbadamosi
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