Feuer der Magie

GeschichteFantasy / P12
Ritter & Krieger Zauberer & Hexen
02.08.2015
01.11.2019
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„Dadurch erhoffen wir unsere Familie stärker zu machen und unser Wissen zu mehren. Dich zum Beispiel würde meine Familie gerne aufnehmen, weil Du viele seltene Talente besitzt, die in meiner Heimat nur rar gestreut sind.“ Mit aller Deutlichkeit spürte er, wie der Widerstand von Melissa langsam zerbröselte. Ohne eine Spur Überheblichkeit zu zeigen schaute er sie einen Moment lang an. „Uns geht es dabei niemals um das Geschlecht, Äußerlichkeiten oder andere dumme Dinge, sondern einfach nur darum stets von den Besten zu lernen, um stetig selbst besser zu werden. Ja, ich gebe es gerne zu. Wir können nicht alles und daher versuchen wir bei jeder Gelegenheit Neues zu erlernen.“ Er ersparte sich die vielen Feinheiten der Familiengesetze, weil sie möglicherweise zu verwirrend für Melissa waren. „Schau Dir beispielsweise Nasira an. Wir haben sie ohne Vorbehalt in unsere Familie aufgenommen, weil sie eine Vielzahl besonderer Talente besitzt. Sie ist die jüngste Hochmeisterin, die es jemals aus Imrim gab. Sie entstammt einer fremden Familie und dennoch haben wir sie aufgenommen und wenn sie sich weiterhin so positiv entwickelt, dann kann sie sogar unser Familienoberhaupt werden, obwohl sie nicht einmal unserer Familie entstammt. Du, Melissa, mit Deinen feinen Gaben in der Mentalmagie und den Wandlungen bist bei uns sicher willkommen, denn diese Gaben sind in unserer Familie eher selten. Falls Du also irgendwann mal nach einem Platz für Dich suchst, der Dir Sicherheit und Schutz bietet, dann spreche bitte mit mir.“ Melissas Nachdenklichkeit steigerte sich bis zu einem ersten Verstehen. Sie bewegte manchen Gedanken in ihrem Kopf, den sie noch nie zuvor gehabt hatte. Dann fragt sie unverblümt. „Nasira stammt nicht aus Deiner Familie und trägt dennoch voller Stolz Euer Familienwappen. Ich sehe es, aber verstehen kann ich es nicht, weil es bei uns so etwas nicht gibt. Wie funktioniert so etwas? Ich meine gibt es dort keine Streitigkeiten, weil sie nicht von Eurem Blut ist?“ Ein Schmunzeln zog über das Gesicht von Argyr. „Es gibt bei uns strenge Familienregeln und einen Familienzauber, der Streitigkeiten weitestgehend verhindert. Schau Dir Nasira an, oder frage sie einfach. Sie schildert Dir sicherlich alles aus ihrer Sicht über unsere merkwürdige Familie.“

Er genoss es Melissa den Mund mit einer sicheren Zukunft wässrig zu machen. „In unserer Familie leben mindestens Hexen und Magier aus acht verschiedenen Völkern. Der Geburtsname ist für uns unwichtiger, als das Können in jedem Mitglied unserer Familie. Was bei uns zählt sind die positiven Tugenden, die jedes Mitglied unserer Familie verkörpert. Unsere Familie strebt schon seit Generationen danach die besten Hexen und Magier der Neidur hervorzubringen. Nenne es Eitelkeit oder naiven Stolz, aber wir sehen darin nur die Umsetzung der alten Schriften, die uns dazu anleiten. In den alten Büchern steht, dass wir stets bestrebt sein sollen unser Wissen zu mehren. Wie wir es machen sollen steht leider nicht in den Büchern, so dass wir diesem Wunsch unserer Ahnen auf diesem unkonventionellen Weg nachkommen.“ Mit einem heiteren Augenaufschlag schaute er zu Melissa. „Oder, Melissa hast Du mich auch nur ein einziges Mal dabei erwischt, wie ich mich hochmütig über andere Personen stellte?“ Melissas Reaktion erfolgte sofort. „Nein, hochmütig seid ihr wahrlich nicht, sondern eher das gesamte Gegenteil davon. Aber was macht Ihr beispielsweise, wenn ich später aus irgendeinem Grund Heimweh bekomme? Würdet Ihr mich vorbehaltlos ziehen lassen? Wärt Ihr in so einem Fall nicht sauer auf mich?“ Argyr schaute ihr tief in die Augen, damit sie seine Gedanken unbefangen aufnehmen konnte. „Wir wissen, dass wir keinen an uns fesseln dürfen oder zu sehr an uns binden können. Wenn es Dein Wunsch ist uns zu verlassen, dann müssen wir auch das hinnehmen. Vorwürfe würde Dir keiner machen, darauf gebe ich Dir mein Ehrenwort. Dazu solltest Du ebenfalls Nasira befragen, denn sie sollte bereits wissen, wie wir wirklich sind! Sie kann es Dir aus ihrem Blickwinkel erzählen. Sie brauchte ihre Zeit, aber ich denke sie hat erkannt, was an unserer Familie gut ist und was vielleicht nicht so perfekt an den Regeln ist. Sie hat sogar erkannt, dass Frauen bei uns genauso geachtet werden wie Männer. Sie haben absolut die gleichen Rechte, Pflichten und Möglichkeiten. Ich habe erst vor Wochen einen Schwager aus der Familie gekegelt und eine Hexe zu unserer obersten Kriegsmagierin gemacht, die auch nicht aus unserer Blutlinie entstammt. Mein Platz im Familienrat nimmt eine hochbegabte Hexe ein, die ebenfalls nicht aus unserer Familie stammt. Für mich ist das nicht ungewöhnlich, sondern es entspricht nur einer alten und gut bewährten Tradition.“ Nasira kam gerade jetzt auf sie zu. An ihrem Arm war ein Verband zu erkennen. Sie lächelte bereits wieder. „Das ist vielleicht ein Mist. Hat mich doch tatsächlich so ein dummer Stein meinen Knochen angekratzt.“ Argyr wusste nicht, was er antworten sollte. Dennoch gab er eine flapsige Antwort. „Besser so eine kleine Blessur, als eine wirklich ernsthafte Verletzung. Hat sich Marsch darum gekümmert?“

Nasiras Blick wurde ein wenig missmutig. „Leider! Es hat ganz schön gezwiebelt, als er mit seinem Messer in der Wunde herumstocherte. Das Andenken hat er mir mitgegeben. Schau ein schöner Malachitsplitter. An anderer Stelle hätte er gereicht, um mich ernsthaft zu verwunden.“ Nasira zog einen gut vier Zentimeter langen Gesteinssplitter aus der Tasche. Ohne Scham präsentierte sie den kleinen Gesteinssplitter, wie eine Trophäe. „Noch schlimmer war jedoch, dass er mir mit einer Nadel die Haut zusammengenäht hat, nachdem er die Wunde mit so einer stinkenden Tinktur beträufelte.“ Sie schien zu schmollen. „Selbst diese blöde Tinktur brannte, wie Feuer, nur Flammen waren keine zu sehen. Dafür hat es heftig geblutet. Schöner Mist, jetzt muss ich wegen so einer Lappalie vermutlich eine Woche lang einen Verband tragen.“ Nasira tat so, als sei es ein riesiges Drama für sie, obwohl sie dabei lächelte. Für Argyr war es jedoch ernster. „Glück gehabt Nasira! Der Malachit hätte Dich binnen einer Woche umgebracht, wenn er nicht entfernt worden wäre. Malachit ist ein giftiges Kupfererz, welches uns langsam vergiftet. Nur gut, dass Marsch ein guter Heiler ist, der viel von Lela gelernt hat. Wurden noch mehr Hexen und Magier verwundet?“ Nasira nickte zuerst nur. „Natürlich, wir wurden ja die ganze Zeit über mit diesem blöden Zeug bombardiert.“ Argyr schüttelte den Kopf. „Das war also der oder einer der Gründe des Angriffs. Die Hexen und Magier sollten heimtückisch vergiftet werden. Wacht auf! Marsch soll sich um alle verwundeten Hexen und Magier kümmern, ansonsten fallen uns die anderen Hexen, Magier, Nasak und Menschen um wie die Fliegen, die zu viel von einem Bluttäubling genascht haben.“ Argyr stand auf, schaute sich um. „Nasira, in welchem Zelt arbeitet Marsch und danach gehst Du bitte zu den anderen Zelten und erklärst den anderen Heilern was der unscheinbare Malachit bewirkt, wenn er langsam das Blut vergiftet.“ Argyr drehte sich rasch zu Melissa. „Kannst Du bitte eben eine Runde um die Festung drehen und nachschauen, wo Du Malachit findest? Ich denke, Malachit wird überwiegend im Süden zu finden sein. Ich vermute ferner, dass Malachit auch die Kristalle angreift, die die Festung schützen. Es bedarf nur eines Regengusses, um genügend Kupfer freizusetzen. Das Kupfer beschädigt sämtliche Kristalle oder schwächt ihre Leistung.“ Melissa schaute erstaunt zurück. „Ihr macht Euch über Dinge Gedanken. Aber was hat das zu bedeuten?“

Für Argyr war die Antwort ernüchternd. „Liebe Melissa, ich kenne die Handschrift der Gegner bereits recht gut. Ich bin überzeugt, sie sind keine mutigen oder tapferen Krieger, sondern höchst mittelmäßige Magier. Ich weiß, sie scheuen direkte Konfrontationen und gleichzeitig sind sie Hinterhältig. Also, was liegt in so einem Fall näher, als in all ihren Aktionen nach durchdachter Heimtücke zu suchen. Die meisten Vögel hatten Kristalle dabei, die die Festung schädigen sollten. Ihr wollt mir erzählen, dass ausgerechnet einige Vögel anstatt Kristallen rein zufällig Malachit dabei haben. Das ergibt in meinen Augen keinen Sinn, weil es die Taktik des Angriffs schwächen würde. Nein, solche banalen Fehler begehen unsere Gegner nach über dreitausend Jahren der Kriegsführung nicht. Dazu kenne ich sie bereits viel zu gut!“ Melissa tat einen Moment lang so als sei sie zufrieden, aber dann rutschte ihr doch noch eine vage Mutmaßung heraus, was ihre Unsicherheit und ihre noch ausgeprägtere Unwissenheit offen zu Tage förderten. „Warum kann es nicht nur ein dummer Zufall sein! Schließlich verfügen unsere Gegner auch nicht über unbegrenzte Möglichkeiten. So ein dummer Vogel hat vielleicht ja nur einen falschen Stein aufgehoben und ist damit bis hier her geflogen, ohne es zu merken.“ Argyr zog die Augenbrauen kurz hoch, weil er noch ein Stück weiter ausholen musste um die Frage zu beantworten. „Zufälle gibt es in der Magie nicht und bei den Gegnern schon gar nicht. In der Schule lernen vermutlich sämtliche Magier dieser Erde das Selbe! Sie lernen zielgerichtet ihre Magie einzusetzen und Zufälle darf es dabei niemals geben, sonst passieren höchst gefährliche Unfälle bei den Zaubern. Wer seit fast viertausend Jahren Krieg führt, der weiß zu jeder Zeit sehr genau was er tut. Selbst der größte Narr verbirgt unter einer Million Angriffskristallen einige Überraschungen, weil jeder Gegner damit überfordert ist, an alles zu denken. Und genau das entspricht wiederum dem hinterhältigen Spiel der Gegner. Weil sie nicht stark sind, wenden sie jeden erlaubten und unerlaubten Trick an, um uns zu schaden.“ Er hob nun, so wie es Lehrer öfters taten die Augenbrauen. „Verehrte Kollegin! Selbst, wenn ich mich in diesem Punkt irre, rechne ich noch mit hundert anderen Hinterhältigkeiten, die uns der Gegner versucht unterzuschieben. Vertraut einfach meiner Intuition! Eine Kunst, die ich übrigens von den Menschen lernte.“ Melissa gab auf, sie wandelte nachdenklich schauend ab und stieg nach ihrer Wandlung in den Himmel auf. Nasira kam erst jetzt ihrer Aufgabe nach, während Argyr einen Blick zu Evis warf, die immer noch in einer Art Trancezustand vor dem Palast zu verharren schien.
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