Feuer der Magie

GeschichteFantasy / P12
Ritter & Krieger Zauberer & Hexen
02.08.2015
13.01.2019
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Der Müll und die  Vogelkadaver wurden von diesen Wächtern eingesammelt und danach in einem magischen Feuer verbrannt. Steine wurden von Magiern herbeigezaubert, die in jegliche Lücke fast fugenlos passten. Die Hexen und Zauberer, die das machten mussten versierte Könner in ihrem Fach sein, denn mit dieser Geschwindigkeit diese Zauber zu wirken erforderte ein Höchstmaß an Konzentration und Energie. Bei diesem hohen Bautempo würde die Ausbesserung der Festung bestenfalls einen Tag dauern. Damit war zumindest ein gravierendes Problem beseitigt. Wenn die Zauber und Kristalle mit der gleichen Geschwindigkeit erneuert oder wiederhergestellt werden konnten, dann bestand durchaus Hoffnung die Festung selbst bei einem tagelangen Angriff halten zu können. Kurz vor der Palasttreppe machte er Evis zwischen den vielen Leuten aus. Sie saß fast reglos auf einem großen Stuhl mit geschlossenen Augen, vermutlich um den magischen Wächtern alle notwendigen Anweisungen zu übermitteln. Mit ihrer Konzentration schien sie sämtliche Arbeiten in der Festung mental zu lenken. In dieser Phase der Konzentration wollte er sie nicht stören, da die Reparatur der Festung die dringendste Aufgabe war, um ein Überleben aller zu gewährleisten. In einiger Entfernung sah er Melissa erschöpft auf dem Rand eines Brunnens sitzen. Da nichts zu erledigen war gesellte er sich vorerst zu Melissa. Melissa ran immer noch nach dem Kampf der Schweiß von der Stirn. Mit der Hand schöpfte sie sich kühles Wasser ins Gesicht. Erst als sie ihn bemerkte unterbrach sie die Erfrischung. „Nasira hat was abbekommen, Marsch kümmert sich schon um sie. Sie wurde von einem Gesteinssplitter getroffen, als einer der vielen Kristalle in der Nähe einschlug. Ist nichts Ernstes, außer, dass die Hand oder der Arm ein wenig geblutet hat. Mir geht es vermutlich schlechter, denn durch die vielen Zauber brauchte ich fast meine gesamte Kraft auf.“ Argyr zog einen Kraftstein aus der Tasche, der zumindest für eine kleine Erfrischung sorgen sollte. Melissa nahm den Stein, um ihn auf ihren Unterarm zu legen. „Danke, leider hab ich nie genug magische Energie. Ich weiß nicht, aber ich scheine ein Loch zu besitzen, aus der die Energie einfach so abfließt, wie Wasser aus einem kaputten Eimer.“ Sie zog entschuldigend die Schultern hoch. Argyr deutete ihr an sich auf eine Gedankensynthese einzulassen. „Ich schaue es mir mal an. Entspanne Dich bitte!“ Er griff mit seinen Händen ihren Kopf und drückte seine Stirn gegen ihre. Die Reise durch die Energiebahnen war nicht schwer, dennoch war es anstrengend.

Dieses Mal suchte er nicht nach Blockaden sondern folgte einfach den Energiebahnen, die den gesamten Körper ähnlich den Blutbahnen durchzogen. Die Ströme im Kopf waren klar, stark und genau so strukturiert, wie sie sein sollten. Die vier Hauptbahnen waren gut entwickelt. In den Armen gab es die ersten deutlichen Abweichungen, da manche Energiebahnen an nutzlosen Punkten endeten. Gestaltwandler hatten nun mal veränderte Energiebahnen, insbesondere, wenn sie als Vögel unterwegs waren. Ungewöhnlich war an Melissa nur, dass die Energieströme schnell in dem stetig feiner werdenden Geflecht aus Gefäßen an Kraft verloren. Dieser bedeutsame Aspekt blieb zunächst unberücksichtigt, weil die Physis von Vögeln eine andere war, als bei Menschen. Im Rumpf schien bis auf einige erklärbare Abweichungen alles in Ordnung zu sein. In den Beinen jedoch gab es zig verschiedene Probleme. Es gab unnütze Knoten in den Energiebahnen, die die Energieaufnahme behinderten und dazu führten, dass Energie einfach ungenutzt verpuffte. Mit kleinen Veränderungen verlegte er die Bahnen, kappte einzelne Knoten und schuf ein wenig mehr Ordnung. Danach folgten die Organe und hier gab es dieselben unnützen Knoten. Erneut wurden einzelne Bahnen getrennt, verschoben und Knoten aufgelöst. Die Prozedur war anstrengender, als erwartet. Zum Schluss wurde die Haut untersucht. Wie nicht anders zu erwarte war floss hier tatsächlich Energie ungehindert durch viel zu viel Knoten unnütz ab und die Aufnahmeknoten waren schwächer als erwartet entwickelt. Es sah so aus, als hätte an Melissa bereits in frühester Jugend eine Hexe herumgepfuscht. Viel zu viel Energie wurde unnütz in die Haut abgeleitet. Damit war Melissa nicht in der Lage Energie dauerhaft zu speichern. Und sie konnte gleichzeitig nur wenig Energie aufnehmen. Sie war damit eigentlich zu einem prädestinierten Opfer für die Dragon Noir gemacht worden. War sie wissentlich als Opfer auserkoren worden, damit sie vorrangig von den Gegnern gejagt wurde? Oder, hatte ein Magier bei ihrer Ausbildung einen gravierenden Fehler begangen? Er trennte unzählige der Knoten ab, die sinnlos Energie in die Haut entließen. Andere Knoten, die vorrangig der Regeneration dienten wurden dafür aus einem Dämmerschlaf erweckt, der nicht zufällig war. Nach der hundertfachen Wiederholung der kleinen Zauber reichte es Argyr, denn so wie es aussah war noch vieles bei Melissa nicht in Ordnung. So zumindest konnte Melissa länger überleben, sie erholte sich schneller und sie fiel nicht länger als potente Hexe auf.

Denn nichts anderes bedeutete dieses Chaos in Melissas Energiebahnen, die sie unfreiwillig zu einem lohnenden Ziel der Gegner machte. Er löste sich langsam von Melissa und merkte erst jetzt, dass er schmutzig und verschwitzt war. Kurz vor dem Ende übergab er ihr noch seine Fragen, weil es unmöglich war, diese Dinge kurz und bündig mit wenigen Worten zu erklären. Irgendjemand musste für das Chaos in ihrem Körper verantwortlich sein, denn zufällige Veränderungen in dieser Häufung gab es nicht. Melissa spürte zunächst kaum eine Veränderung, außer, dass sie sich leichter regenerierte. Das Erste, was sie sagte war. „Eine interessante Erfahrung, wenn ein fremder Magier durch einen hindurch fährt und fast überall in meinem Körper kleine Zauber anwendet. Ich bekam manches mit! Ja, und es ist richtig! Ich bin eine Auserwählte! Ich musste mein Volk schützen, aber mir wurde nie gesagt, was mit mir gemacht wurde.“ Er schüttelte den Kopf, weil es für ihn an Dummheit grenzte die guten Magier eines Landes zu opfern, damit die weniger begabten Zauberer leben konnten. Direkt an diesen Gedanken schloss er seine Frage an. „Warum wählt Euer Volk stets diejenigen aus, die stark sind? Es ist dumm, die starken zu opfern, damit die Schwachen und weniger Guten überleben. Es ergibt keinen Sinn, außer das Volk wollte gemeinschaftlichen Selbstmord begehen!“ Sie sah ihn fragend an. „Wie meinst Du das? Jede Familie ist froh eine gute Schützerin zu stellen. Nur so gelingt es unseren Familien als Gesamtheit zu überleben.“ Argyr fasste sich an den Kopf, da er überlegen musste, wie er diesen Missstand möglichst elegant vortragen konnte. Vorsichtshalber stellte er eine Frage, um seinen Verdacht zu bestätigen. „Du warst immer schon eine gute Hexe, oder irre ich mich in diesem Punkt?“ Melissa blickte fragend auf. „Natürlich, ich war immer eine der besten Hexen und genau darum wählte man mich aus eine Schützerin zu werden.“ Seine Mienen zeigte offene Kritik. „Genauso zerstört sich ein Volk selbst! Ich weiß nicht, ob Euer Volk Ackerbau oder Viehzucht betreibt. Sollte es so sein, dann wüsstest Du, dass man für die Vermehrung immer nur das Beste Zuchtmaterial nutzt. Krumme Kühe, die wenig Milch geben werden nicht zur Zucht verwendet. Zur Zucht wählt man nur die besten Tiere. Indem Dein Volk die besten Schüler opfert, verkümmert es langfristig, weil die guten Erbanlagen in Dir nicht weitergegeben werden. Stattdessen pflanzen sich nur noch die dummen und weniger begabten Hexen und Magier fort. Erkläre mir bitte den Sinn, der hinter diesem Wahnsinn steckt?“

Melissa schien einen Moment ratlos zu sein. Sie dachte lange nach, weil es ihr peinlich war offenbar diesen simplen Fehler nicht schon längst erkannt zu haben. Dennoch, widerspruchslos wollte sie Argyrs Argumente nicht gelten lassen. „Bei verschiedenen Völkern gibt es nun mal differente Ansichten über die Ausbildung von Hexen und Magiern.“ Sie grübelte noch einen Moment, um ihre Argumente zu untermauern. „Wir sind ein friedliches Volk und daher müssen die fähigsten Hexen und Magier das Volk beschützen! So ist nun Mal unsere Philosophie in unserem Volk.“ Sie merkte bereits beim Sprechen, wie schwach ihre Argumente waren. „Die Schwachen können diese Aufgabe schließlich nicht erfüllen, da ihnen dazu das Potenzial fehlt.“ Er wusste, dass es nur ein hilfloser Versuch war die Realität umzukehren. „Melissa, ich möchte Dir nicht zu nahe treten, aber selbst Du solltest erkennen, dass es dümmlicher Quatsch ist, den Du von Dir gibst. In der Natur reißen die Raubtiere immer nur die kranken und schwachen Tiere. Die besten Hexen und Magier eines Volkes sollten immer gefördert werden, damit sie die Nachkommen unterrichten können. Wird es nicht so gemacht, dann verkümmert die magische Potenz eines Volkes binnen weniger Generationen. In meiner Heimat war es genauso, weil die Dragon Noir dieses dumme Spiel auch bei uns probierten. Meine Familie übersahen sie dabei glücklicherweise oder tasteten uns nicht an, da sie merkten welche Stärke in uns wohnte. Schon seit Generationen fördern wir die klugen Köpfe in unserer Familie und unserem Volk. Herausgekommen ist dabei eine Familie die stark und mit magischen Talenten gesegnet ist. Selbstverständlich sorgen wir auch für die weniger begabten in unserer Familie, aber wir achten immer darauf, dass die klügsten Köpfe bestens von weniger befähigten Hexen und Magiern beschützt werden. Die weniger Begabten bilden wir selbstredend auch aus und fördern sie, so lange wir glauben, dass es Sinn macht. Nicht alle Mitglieder unserer Familie sind Großmeister. Vielmehr ist es so, dass nur wenige Hochmeister sind und viel mehr von uns sind nur Meister. Indem wir versuchen aus jedem das Beste herauszuholen sind unsere Meister zumeist besser als Hochmeister anderer Familien und unsere Hochmeister besser als fast alle deren Großmeister. Bei uns gibt es sogar Meister die an Universitäten unterrichten, da sie mit ihrem Fachwissen in manchen Fachbereichen weit über das Wissen anderer herausragen. Es kommt bei uns sogar vor, dass wir Mitglieder aus den Nebenlinien in den Familienrat berufen.“
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