Feuer der Magie

GeschichteFantasy / P12
Ritter & Krieger Zauberer & Hexen
02.08.2015
13.01.2019
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Spitzbübisch lächelnd ergänzte er seine Gedanken. „Sie haben Dir den Ehrennamen Mortak, oder in unserer Sprache - das Monster zukommen lassen. Sie wissen immer noch nicht, gegen wen sie eigentlich kämpfen. Das ist schon die beste Nachricht, die ich für Dich habe. Die Archäer haben die Hosen gestrichen voll, die Nasak lernten in den letzten Stunden ordentlich dazu und wir kamen mit nur wenigen Kratzern davon.“ Toram wischte sich vielsagend den Schweiß von der Stirn. „Aus den Gedanken der Dragons las ich die Aufgabe, die sie haben. Sie sollten Mortak jagen und nach Möglichkeit Informationen über Dich in die Heimat tragen, damit sie Dich mit einem Blutzauber jagen können. Die hohlen Idioten denken immer noch, Du wärst eine ganze Armee von Magiern. Ich weiß nicht, ob es hilft, dennoch sage ich es Dir, weil es einfach aus mir raus musste.“ Toram schaute nun erheitert zu ihm, ohne eine Miene zu verziehen. „Rümus zündelt immer noch eifrig mit seiner Lava im Wald herum. Werden halt ständig neue Höhlen von den Archäern gefunden. Über vierhundert blutleere Dragones haben wir in den letzten Stunden abgemurkst. Na und der Verlust ihrer Späher hat die Würmer schier vor Wut zerfressen.“ Er nickte dabei Argyr zu. „Schließlich gingen sie davon aus, dass ihre gefiederte Armee die ganze Gegend vernichten würde. Eigentlich haben sie bisher nichts erreicht, außer einige hundert Magier und Nasak zu demoralisieren.“ Torams Grinsen wirkte verschlagen und so, als würde er noch das eine oder andere Körnchen seiner Meinung zurück halten. Toram hatte sich verändert. Aus dem verdreckten Junker war ein selbstbewusster junger Kriegsmagier geworden. Listig fragte er nach, denn es roch geradezu nach einer faustdicken Überraschung. „Ist noch etwas Toram?“ Toram nickte, traute sich aber offenbar nicht mit der Sprache rauszurücken. Stattdessen druckste er herum wie ein blasser Junker, der Rat suchte. Sein Blick senkte sich auf den Boden und er verwob seine Arme vor der Brust. Argyr kannte dieses Verhalten nur von verliebten Junkern, die er in Hanlars Haus kennen gelernt hat. Argyr wollte nicht mit der Tür ins Haus fallen, daher versuchte er es mit einer blumigen Umschreibung. Gelassen blickte er zu Toram. „Toram, Du siehst aus, als würdest Du schon bald sehr krank werden. Ich kenne die Symptome genau. Zuerst machen sich die Junker lächerlich. Danach bekommen sie die Wangenröte gefolgt von der Verblödung!“ Toram schüttelte den Kopf. „Richtig, dennoch kein Volltreffer. Sicher manche Mädels und Junghexen betrachten mich und ich hab ein Gefühl entwickelt, das mir neu ist. Dennoch, vorerst kann ich meine Gedanken noch im Zaum halten. Die Dragons verrieten mir noch was. Ich schicke Dir jetzt ein Bild von einem dieser Blutbarone. Ich konnte seine Heimat erkennen, wo er aufwuchs, wo er lernte und wo er seine Arbeit für diese Mörder verrichtete. Ich sah vermutlich auch die Festung der Türme oder wie die Burg heißt.“

Jetzt schaute er auf den Boden. „Ich habe sein Klüs genommen und erst danach begriff ich, dass es der erste Dragon war, der eigene Gedanken und Erinnerungsbilder mit sich trug. Er hatte sogar einen Namen! Ajot Rut Tawaras. Ich denke ich beging einen Fehler, weil ich ihn vermutlich hätte verschonen sollen.“ Toram sandte ihm erst jetzt die Bilder. Der fremde Schwarzmagier wuchs in einem wahrlich vornehmen Haus auf, das mehr Pomp aufwies, als Argyrs Haus jemals besaß. Er lebte im Luxus, das war überdeutlich zu erkennen. Dann wandelten sich die Bilder. Das Land wurde zerstört und die magischen Sippen wurden unterworfen. Er war einer der wenigen, die nicht verstümmelt wurden, weil sich die Dragon Noir viel von dem Magier erhofften. Die Bilder wurden immer düsterer, die Gefühle in dem Mann schienen wie eine Blume zu welken. Die Ausbildung war hart und brutal. Ohne Gefühle zu zeigen bewältigte der ehemals feinsinnige Magier die Torturen und zerbrach dabei innerlich. Nur Gelegentlich flackerte ein Hauch von Gefühlen und Wissen um die Verbrechen auf, die dem Junker von innen her langsam aber stetig zerfraßen. Die Jahre in den Türmen zehrten ihn stetig weiter aus und dennoch versuchte sich der Mann immer noch an eine bessere Zeit zu erinnern. Der Versuch menschlich zu bleiben war an vielen Details deutlich zu spüren. Mehrfach hatte Argyr den Eindruck, als würde der Mann nach einem Ausweg für sich suchen, den es für diese geschundene Seele nirgends zu finden gab. Argyr kam genauso wie Toram ins Grübeln, da dieser Mann tatsächlich eine erste Ausnahme zwischen den verkommenen Magiern darstellte. Kein anderer Gegner hatte bisher überhaupt positive Gedanken gehabt. Der Magier hat sich lieber selbst aufgegeben und den Tod gewählt, als noch größeres Unheil anzurichten. Der Magier sollte nur eine Aufgabe erfüllen, das war deutlich zu fühlen, denn er sollte einzig mich angreifen und töten. Dafür war der Magier über Jahrzehnte hin ausgebildet worden. Dann folgten die Bilder der Schlacht und das Ende. Feindliche Gedanken waren nirgends in den unzähligen Bildern enthalten sondern nur der Wunsch endlich von dem Bösen erlöst zu werden.

Argyr nickte zu Toram, der ungewohnt still wirkte. „Ich neige mein Haupt vor dem Mann. Ich danke Dir Toram für diese Bilder und Deine Gefühle, die Du der verlorenen Seele hast zukommen lassen. Damit gabst Du mir mehr als nur einen Funken Hoffnung zurück. Ich kann einfach nicht glauben, dass alle Blutmagier schlecht und nur abgrundtief böse sind. Es widerspricht der Natur, nicht auch in der schlechtesten Lage und bei den ärgsten Gegnern nach dem Guten zu suchen. Wenn es möglich ist solltest Du die Leiche bergen und danach bestatten wir ihn würdig. Ich weiß nicht, aber ich habe das Gefühl, als könnten wir damit manchem Gegner die Chance geben sich von dem Bösen abzuwenden.“ Das Gefühl von Reue überkam Argyr nur einen zarten Moment lang. „Und vielleicht hilft es den Hexen und Magiern der Archäer neuen Mut für die Zukunft und den Kampf zu schöpfen. Hanlar lehrte mich sogar großen oder bedeutenden Gegnern den nötigen Respekt zu zollen. Ich denke, Ajot Rut Tawaras war so ein Gegner, dem wir mit dem nötigen Respekt begegnen sollten. Wir alle werden sterben und möglicherweise in der Erinnerung einiger Menschen weiter leben, falls wir gute Charaktere waren.“ Toram nickte verlegen. „Ich dachte es mir, dass Ihr so denkt. Ich habe den Magier geborgen und Abseits, also an unserem Lagerplatz im Westen aufgebahrt. Ich hab ihm sogar sein Klüs gelassen, da es mir so vor kam, als sei es in diesem Fall Diebstahl.“ Argyr strich Toram durch die Haare, weil er Torams Gefühle samt der Zweifel spürte. „Gut gemacht! Jeder von uns sieht in den Dragon Noir nur blutrünstige Bestien. Verlernen wir es jedoch, unsere positiven Gefühle zu bewahren, dann wären wir kaum besser als unsere Gegner, die wir nur allzu gerne als Bestien sehen. Wir nennen uns Krieger des Lichts und daher müssen unsere Gefühle auch dieses hell leuchtende Licht der Hoffnung jederzeit ausstrahlen. Noch eines Toram. In gewisser Weise ähnelte der Magier mir. Daher fühle ich mich diesem Mann auf gewisse Weise verbunden. Lass uns nachher ein Grab für Ajot Rut Tawaras anlegen. Es wird uns helfen zu erkennen was unsere Aufgabe ist und wofür wir kämpfen. Doch zuerst will ich mit Evis darüber sprechen! Nicht nur für Dich oder mich ist dieser Gegner etwas Besonderes, sondern für uns alle sollte der Mann etwas Besonderes sein, der uns Kraft gibt weiter zu machen, um möglichst viele verlorene Seelen zu erlösen oder sogar zu retten.“ Toram wirkte erleichtert aber auch irgendwie beklommen. Die Gedanken, die Argyr auch ohne Magie aufnahm, ließen auch für Toram ein Umdenken erkennen, was ihn hoffentlich zu einem guten Charakter formte. So positive Gefühle, wie der gegnerische Magier erkennen ließ, berührten einen, solange man kein herzloser Eisklotz war.

Er blickte immer noch auf den Boden. „Werden mir meine Götter zürnen? Ich habe vermutlich einen schweren Fehler begangen.“ Argyr hatte so eine Frage nach dem Gesichtsausdruck erwartet. „Toram ich kenne Deine Götter nicht. Und ich glaube kaum, dass Deine Götter Dich strafen werden. Schwerer wiegt jedoch, ich meine zum Positiven, dass Du eine Erfahrung gemacht hast die Dich tief berührt. Dein Gewissen wird Dich leiden lassen. Ich hoffe, Du lernst daraus die Gegner auch als Wesen zu achten, die nicht alle den Tod verdienen. Hoffentlich entdeckst Du bei noch viel mehr Gegnern diese positiven Wesenszüge. Und hoffentlich finden wir auch noch einen Weg, um diese Seelen vor dem Untergang zu retten.“ Toram verstand zumindest halbwegs, was Argyr andeutete. Die Gegner nur unterschiedslos zu töten reichte nach dieser Erfahrung nicht mehr, weil er erst jetzt sah, dass es auch andere Gegner gab. Argyr dachte einen Augenblick lang nach. „Ich hoffe Toram zieht daraus die richtigen Schlüsse. Immerhin sollten gerade wir, wir Krieger des Lichts bedeutend menschlicher sein, als unsere Gegner. In jedem Krieger musste ein fester Charakter wohnen, der Recht von Unrecht unterschied und der jedem zeigte, wo Milde angebracht ist. Die Aufgabe besteht nicht nur darin Leben zu zerstören und Gegner zu töten, sondern auch wertvolles Leben zu schonen. Nur dadurch kann selbst auf einem blutigen Schlachtfeld Hoffnung auf eine bessere Zukunft aufkeimen. Selbst wenn es nur ein gradueller Unterschied ist, so verstehst Du hoffentlich, was uns von den Dragon Noir unterscheidet. Ohne diesen feinen Unterschied wären wir kein Deut besser, als die Dragon Noir, die einzig den Tot verbreiten.“ Toram wiegte seinen Kopf, um sich danach von Argyr abzuwenden. Argyr suchte nun vornehmlich nach Evis, um mit ihr diesen Fall und die nächsten Schritte zu besprechen. Mit den Augen und allen anderen Sinnen forschte er nach Evis, die sich zumeist in der Umgebung des Palastes aufhielt. Nachdenklich überwand er die Wege um sich dem Palast zu nähern. Überall huschten magische Wächter in verschiedenfarbigen Kostümen herum. Einige transportierten verwundete Hexen und Magier, oder betteten verstorbene Hexen und Magier in Särge. Andere besserten bereits die Mauern aus. Grau gekleidete Wächter, räumten Trümmer, Schutt und die  Vogelkadaver beiseite.
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