Verlangen

KurzgeschichteAllgemein / P18 Slash
02.08.2015
02.08.2015
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Ich bin’s, lieber Freund, dein unsittlicher Kumpel, Patrick,

habe ich dir schon von meiner elenden Prüfungszeit erzählt? Bestimmt nicht!
Du hättest sicherlich immer noch rote Ohren, wenn du davon wüsstest.
Es ist heftig, so heftig – aber ich erzähl’s dir trotzdem. Irgendjemandem muss ich es erzählen.

Charlie meinst du? Oh nein, lieber nicht. Der brennt mir durch vor lauter Scham, da kannst du mir glauben. Der versinkt im Erdboden, ehrlich!

Also, wo war ich stehen geblieben? Bei meiner Prüfungszeit….
So ein verdammter Mist, so eine Schinderei! Drei Wochen am Stück –pauken, pauken, pauken, schwitzen, schwitzen, schwitzen.
Ich kam kaum noch dazu, Luft zu holen. Und verdammt, ich hatte keine Zeit mehr für Colin. Null, niente, nichts. Nicht für heiße Küsse, nicht für Umarmungen, nicht für Sex. No Way!

Drei elende Wochen, dann war es vorbei. Alles abgeliefert, jetzt hieß es nur noch warten auf die Ergebnisse.
Warten und noch mal warten! Und Colin? Der war im Illusions und schuftete seinerseits.
Meine Hormone fuhren Achterbahn mit mir. Ich drohte verrückt zu werden.
Wir hatten keinen gemeinsamen Abend gehabt. Colin kam spät nachts nach Hause, wenn ich bereits schlief und ich musste früh aufstehen, wenn er noch pennte. So ging es die ganze Zeit. Niemand, der für ihn einspringen konnte und für mich ja auch nicht.

Frag mich nicht, wie Colin damit klar kam, aber ich litt wie ein Hund. Mir fehlte alles – seine Küsse, seine Zärtlichkeiten, sein Körper, sein lustvolles Stöhnen.
Wenn ich nur daran dachte, wurde ich fast verrückt, aber wann immer ich zu Hause war, war er es nicht. Ich ging auf dem Zahnfleisch. Und ehrlich, ich weiß nicht, was Colin dagegen unternahm, aber ich konnte nicht anders, als es mir ständig selbst zu machen. Ein schwacher Trost, aber ohne das hätte ich es nicht überlebt.

Am Abend nach der letzten Prüfung verabredete ich mich mit ein paar meiner Freunde und Freundinnen in der Bar. Wenn ich Colin schon nicht haben konnte, dann musste ich ihn wenigstens sehen. Wobei das die Ganze Sache nur noch schlimmer machte.

Colin! Oh Jesus, er sah so verdammt gut aus. Enge, ausgewaschene Jeans und ansonsten ein lässiges, graues eng anliegendes T-Shirt. Ich verschlang ihn mit meinen Augen. Zog ihn vor allen förmlich aus. Trotz der fünf Meter Entfernung konnte ich ihn buchstäblich fühlen.
Seine Zunge in meinem Mund, seine Hände an meinen Hüften, seine Härte gegen meine gedrückt.

Und was er mit dem Cocktailshaker anstellt, ließ mich erzittern. Kannst du dir das vorstellen?
Woran mich das erinnerte, wenn der Kokosmilch aufschüttelte und in ein Glas goss?
Ich war am Durchdrehen. Konnte den Blick nicht von ihm abwenden und am liebsten wäre ich losgerannt, über den Tresen gesprungen und hätte ihn an Ort und Stelle gevögelt.
Nichts in meiner Umgebung nahm ich mehr wahr. Nicht die Gespräche der anderen, nicht ihr Lachen oder wenn sie mich ansprachen. Sie existierten nicht mehr für mich - nur Colin!

Und dann sah ich, wie er sich eine Zigarette hinters Ohr steckte mir zuzwinkerte und verschwand. Meine kleinen grauen Zellen reagierten augenblicklich. Ich schnorrte mir eine von Robs Kippen und lief zum Hinterausgang.

Colin lehnte lässig an der Backsteinwand und sog den Rauch tief in seine Lunge. Sein Blick war so dunkel und undurchdringlich, dass mir fast das Herz stehen blieb. Er sah aus, als wartete er hier auf Kundschaft. Und dieser eine, dieser Besondere – der es gleich mit ihm machen würde, der war zweifelsfrei ICH.

„Mr. Farmer“, raunte ich ihm ins Ohr, während ich mit zitternden Fingern die Knöpfe seiner Jeans öffnete. „Jetzt gehören Sie mir!“, fügte ich noch hinzu. Und in einer einzigen, ruckartigen Bewegung, streifte ich ihm die Jeans von den Hüften, drehte ihn um, öffnete meine Jeans und brachte mich in Position. Ich zitterte vor unerfüllter Lust. Und Colin ging es kaum anders.
Es blieb keine Zeit für Zärtlichkeiten, für Küsse oder dafür, ihn ein wenig zu dehnen.
Eine ordentliche Portion Spucke musste genügen, dann drängte ich mich an ihn.
Colin sog die Luft ein und schob sich mir entgegen. So langsam, wie ich nur konnte, drang ich in ihn ein.
Ich fühlte, dass es nicht lang gut gehen würde, dazu war ich viel zu geil auf ihn.
Colin röchelte und stöhnte, aber er streckte sich mir entgegen und machte meine Bewegungen mit, als wären wir eine einzige Person. Ein einziger Schatten im Schummerlicht der kargen Beleuchtung. Dunkel genug, um nicht sofort entdeckt zu werden, aber hell genug, um meinen Geliebten zu sehen.
Ich legte ihm meinen Arm um die Hüfte und fuhr an seiner Härte entlang. Ekstatisch und schnell. Genauso, wie meine Bewegungen, wie mein Keuchen, mein Flehen um Erlösung, die nicht lange auf sich warten ließ.
Ich stöhnte haltlos auf, ergoss mich mit voller Wucht in ihm und drängte ihn noch ein wenig mehr an die kalte Mauer vor ihm. Dann zog ich mich zurück, drehte ihn liebevoll um und ging vor ihm in die Hocke, um zu beenden, was meine Hände angefangen hatten.
Er sollte einfach nur kommen. In meinem Mund, so ekstatisch wie möglich.
Colin packte meine Haare und gab den Takt vor, in dem ich ihn verwöhnte. Schneller und immer schneller, während er stöhnte und sich wand um mich schließlich an sich zu pressen, als er kam.

Danach ging alles mindestens ebenso schnell. Ein tiefer, feuchter Kuss, eine feste Umarmung und das Versprechen in unseren Augen, dass diese Nacht noch nicht zu Ende war.

Seufzend ließ ich mich neben Jessica auf die Bank fallen.
„Hey, was ist los mit dir, warst ja lange weg?“, fragte sie neugierig.
Ich strahlte sie an und flüsterte ihr ins Ohr: „Ich hab Colin da draußen vernascht. Einfach so – zack wumm. Vernascht!“

Jessica sog langsam die Luft ein. Dann grinste sie, stupste mich an und atmete wieder aus.
So einfach war das. Wenn man die richtigen Leute kannte. Keine Heimlichkeiten, kein Verstecken. Klare und deutliche Ansage. Vernascht!

Daheim spielt ich Saxophon und wartete auf Colin. Die Nacht war noch nicht zu Ende.
Diesmal würde ich es ihm nicht durchgehen lassen, dass er völlig erschöpft sei. Dieses Mal nicht. Zwar hatte unser heimlicher Fick im engen Flur des Hinterausgangs meine Lust ein klein wenig gesättigt, aber andererseits, wenn ich nur daran dachte, dann wurde ich steif wie sonst was. Ich würde Colin noch nicht mal in die Nähe des Bettes lassen. Weiter als bis zum Wohnzimmer würde er nicht kommen.

Als ich den Schlüssel im Schloss hörte, hatte ich augenblicklich das Bild von ihm und mir im Kopf: ich war der Schlüssel gewesen und er das Schloss. Und dieses Mal sollte es umgekehrt sein. Ich wollte ihn so sehr.

Im Wohnzimmer brannten etwa hundert Kerzen. Und ich mittendrin. Ich und mein Saxophon, sonst nichts. Nackt, nur mein Sax und ich. Und Colin.
Und dann spielte ich sein Lieblingslied. ich begann es romantisch und sinnlich und dann steigerte ich es bis zu einer Rockbalade, die vor Sehnsüchten nur so strotzte.

Während ich spielte, zog Colin sich aus. Hier, vor mir, bis er völlig nackt vor mir stand.
Und das meine ich wort- wörtlich.
Er knöpfte das Saxophon vom Band ab und lehnte es vorsichtig an die Couch.
Dann zog er mich an sich, küsste mich zuerst sanft, dann immer leidenschaftlicher und drängte seinen Schwanz gegen meinen.

Was immer er vorhatte, war mir egal. Ich wollte ihn in mir fühlen und zwar sofort.
In dem Moment, als er Luft holen musste, drehte ich mich um, lehnte mich gegen die Sessellehne und raunte ihm zu: „Nimm mich, sofort!“

Colin atmete hörbar aus. Ich bekam noch mit, wie er seinerseits mit Spucke nachhalf, dann spürte ich etwas unsagbar Hartes, das sich drängend und stoßend in mich schob, sodass ich gleichzeitig die Luft anhielt und versuchte, mich nicht zu verkrampfen.

Und dann begann er, sich rhythmisch in mir zu bewegen und in meinem Körper machte sich alles bereit, zu einem gigantischen Feuerwerk. Ich zog seine Hand nach vorne – denn dieses Mal wollte ich, dass wir zusammen kamen.

Colin stöhnte immer schneller und lauter, ich ebenfalls und ich spürte, dass er gleich soweit war. Mit meiner Hand drückte ich seine noch etwas enger um meinen Schwanz, erhöhte die Frequenz, in der er mich rieb. Ich wollte so sehr, dass wir gleichzeitig fertig wurden. In dem Moment, in dem er sich ergießen würde, wollte ich in seiner Hand ebenfalls kommen.

Nur noch wenige Stöße trennten ihn davon, das fühle ich. Und nur noch wenige Handbewegungen trennten mich.

Und dann kam er. Stöhnte mir den höchsten Punkt seiner Lust ins Ohr, während er sich in mir ergoss und ich kam augenblicklich in seiner Hand. Sekundenlang atmeten wir heftig, zuckten wir noch immer, fest im Griff unserer abebbenden Lust und spürten ihren Wellen nach, deren Kreise sich langsam ausdehnten, um schließlich, nach unendlicher Zeit auszuklingen.

Colin drehte mich wieder um, fand meinen Mund, küsste mich schwindelig, vermischte seinen Schweiß mit meinem, so wie auch alles andere an uns vermischt schien.
In dieser Nacht hätte ich mich totvögeln können. Aber ich tat es nicht.
Wozu gab es denn einen Morgen?
Und ich wusste schon zu genau, was ich da mit meiner Zunge und ihm anstellen würde!
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