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BioShock: Das (inoffizielle) Buch

von CL Bell
GeschichteAngst, Sci-Fi / P18
Andrew Ryan Atlas Brigid Tenenbaum Dr. J.S. Steinman Jack Sander Cohen
01.08.2015
02.08.2015
2
2.353
 
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02.08.2015 1.524
 
Langsam aber beharrlich fuhr die Tauchkugel den Tunnel hinunter. Wie weit es ging, konnte Jack an den beleuchteten Aufschriften an den äußeren Wänden sehen. Es stoppte bei 18 Klaftern, also 48 Fuß, also etwa 14 Meter. Geht ja noch. Dann erschien  zur Überraschung Jacks ein kleiner Bildschirm. Erst wurde ein eindeutiges Symbol, der Turm, gezeigt, dann ertönte Musik und kurz Werbung. Werbung gibt's auch unterm Meer. "Plasmide von Ryan Industries." Jack hatte keine Ahnung, was das zu bedeuten hatte. Dann begann eine Art Rede. Wenigstens verstand er, wem Ryan Industries gehörte.
Ich bin Andrew Ryan und ich möchte Sie eines fragen: Steht einem Menschen nicht das zu, was er sich im Schweiße seines Angesichts erarbeitet? Nein, sagt der Mann in Washington: Es gehört den Armen. Nein, sagt der Mann im Vatikan, es gehört Gott dem Allmächtigen. Nein, sagt der Mann in Moskau: Es gehört allen. Ich konnte keiner dieser Antworten akzeptieren. Stattdessen entschied ich mich für etwas Anderes, für etwas Unmögliches. Ich entschied mich für ... Rapture.
Während der Ansprache wurden stets symbolische, gezeichnete Bilder gezeigt. Dann ging der Bildschirm aus und die Tauchkapsel wurde aus dem unterirdischen Turm auf eine vorgegebene Strecke durch das Meer gezogen. Aus dem Fenster konnte der fassungslose Jack sehen, was man sich nicht einmal in Träumen vorstellte: Eine Stadt wie L.A. oder sonst was ... auf dem Meeresboden. Fische und Waale schwammen umher.
Eine Stadt, in der der Künstler keine Zensur fürchten, der Wissenschaftler sich keiner engstirnigen Moral beugen muss, in der diejenigen, die zu Großem bestimmt sind, nicht durch die kleinen Lichter gebremst werden. "Man kann sich alles schönreden", murmelte Jack, der immer noch erstaunt auf die große Ansammlung von Wolkenkratzer-artigen Gebäuden blickte, welche durch große Glasröhren verbunden waren. Einmal sah er eine gewaltige Person in einem Anzug, der an einem der Röhren offenbar etwas reparierte ... hinter ihm lief ein kleines, dreckiges Mädchen her. Mehr Anzeichen von Leben sah er nicht. Hier stimmt doch was nicht.
Die Kapsel setzte ihren Weg beständig fort und in der Dunkelheit des Meeres konnte Jack nur die beleuchteten Gebäude anstarren, die sich wie ein endloses Meer vor ihm erstreckten. Wenn auch Sie im Schweiße Ihres Angesichts dafür kämpfen, kann Rapture auch Ihre Stadt werden. Jack runzelte die Stirn. So überwältigend das alles war, so misstrauisch starrte er auf die dunklen Fenster. "Das ist doch alles zu schön, um wahr zu sein", sagte er., während er die leuchtenden Werbeschilder an den Gebäuden betrachtete.
Dann schreckte er auf: Ein Funkgerät neben ihm sprang an und er konnte zwei Männer reden hören. "Keine Ahnung, was da los ist ... der Leuchtturm ist vom Feuerschein hell erleuchtet. Da muss 'n Flugzeug abgestürzt sein ...", sprach eine gefasste Stimme. Eine verunsicherte aufgeregte antwortete: "Aber wir sind mitten im verdammten Atlantik. Ich meine ... ich kapier das nicht ..." Wenigstens leben hier noch Menschen. "Mach dich auf den Weg, aber schnell, die Splicer kommen", meinte erstere, während Jack einen Tunnelweg zu einem Eingang in eines der Gebäude entlang glitt. In periodischer Entfernung stand dort "Alle guten Dinge dieser Erde fließen in die Stadt." Da steht wohl jemand auf Symbole.
"Atlas, wie kommst du drauf, dass überhaupt jemand kommt?", fragte der eine aufgeregt.  "Weil hier eine Tauchkugel ist, die auf den Weg nach unten ist. Wir haben Gesellschaft." Jack lächelte nickend, blickte aber sofort wieder ernst. "Die Splicer kommen"? "Rapture" bedeutet doch Glückseligkeit, was ist das hier? Auf einen Schlag wandelte sich sein misstrauisches Staunen in Angst um. Schönreden, sagte ich's doch. Scheiße, was geht hier ab? Im Gebäude angekommen fuhr die Tauchkapsel eine Weile nach oben. Werbung für ein ominöses Telekinese-Plasmid stand direkt vor der Kapsel und sollte wohl noch einmal als Mahnmal darauf hinweisen, dass man auch Unterwasser nicht ohne Geld klar kommen kann. Die Männer hörte er nicht mehr. Jack tippte auf ein Funkloch.
Nun glitt die Kapsel schon etwas schneller hinauf. Dann ging das Funkgerät wieder an. "Nur eine Minute noch ... ich seh sie schon! Die Tauchkugel kommt jetzt hoch!", rief die verunsicherte Stimme nun, wo sie wohl am Ziel war, selbstsicherer. Die vorhin gefasste Stimme rief angespannt: "Johnny, das Sicherheitssystem ballert alles über den Haufen. Beweg' dich endlich!" Offenbar war Jacks Angst nicht grundlos ... er schluckte. Dann hörte er einige Zeit wieder nichts, bis die Kapsel aus dem Wasser stieß.
Vor sich sah er annähernd in nahezu vollkommener Dunkelheit nur durch das nächtliche Leuchten des Wassers, welches durch gewaltige Fenster in den großen Saal kam, den Mann, der wohl Johnny hieß. Er stand mit eingezogenen Kopf und erhobenen Armen da,  vor ihm konnte Jack eine kauernde Gestalt im Schatten ausmachen. "B..bitte, Lady. I..ii...ich wollte hier nicht einbrechen ... Bitte tun Sie mir nichts ..." Der Mann sprach sehr schnell und stotterte. Panik. Jack konnte kein Mitleid empfinden. Er dachte nur daran, was mit ihm geschehen würde, wenn die Kapsel plötzlich aufgeht. Das ist offenbar einer dieser ... "Splicer". Johnny fing an, unkontrolliert und angstvoll zu weinen. "Lassen Sie mich bitte gehen! S...Sie können m..meine Waffe behalten!" Jack sah den Mann nun unmittelbar vor ihm. Die Gestalt trat langsam aus dem Schatten, Jack konnte jedoch nur ausmachen, wie sie einen Arm hob ... im Arm einen ... großen Haken. Im flackernden Licht konnte Jack nicht viel ausmachen. An die hintere Seite der Kapsel gepresst starrte auf auf das undeutliche Spektakel.
Ein unmenschlicher Schrei ertönte, als die schemenhafte Gestalt ebenjenen Haken in den Bauch von Johnny rammte. Dieser machte ein fast noch unmenschlicheres Geräusch. "B...b..itte... Sie können ..." Er ging auf die Knie und hielt sich wohl beide Hände an den Bauch. Direkt vor dem Fenster der Kapsel schlug die Gestalt, dieser Splicer, beide Haken, im anderen Arm hat er noch einen, wie Jack nun erkennen konnte, direkt unter die Kehle des schluchzendes Mannes und hob die Arme in einer daraus schließenden wohl sehr großen Kraft in die Höhe, sodass die Haken sich tief in den Kopf von Johnny bohrten. Mein Gott ... Ein lautes, gurgelndes Geräusch brachte Jack beinahe zum Kotzen. Dann schleuderte die Gestalt den Mann auf den Boden, dort, wo kein Licht hin kam. Da keine Geräusche ertönten, wusste Jack, dass nun nur noch er im Raum lebte.
Er hörte den sogenannten Splicer schwer keuchen und in die Kapsel starren. Er, oder besser sie, wie er feststellte, stand vielleicht einen Meter weit von ihm entfernt. Jack hielt entsetzt den Atem an. Im flackernden Licht konnte er das Gesicht der ... Frau ... erkennen. Das ist doch kein Mensch ... Das gesamte Gesicht war von Narben und roten Geschwülsten überdeckt, die Kleidung dreckig und zerrissen und der Körper drahtiger als der eines Teenagers. "Ist das jemand Neues!?", flüsterte sie in einer bedrohlichen Tonlage. Scheiße... Er wusste, das Glas konnte sie definitiv nicht zerbrechen, wenn es in der Tiefe des Meeres nicht zerbrochen war ... aber er konnte kaum in der Kapsel leben. Wo ist der Schalter für den Rückwärtsgang!? Hektisch blickte er sich um, während der Splicer laute hechelnde Geräusche machte, die im Saal widerhallten. Dann hörte Jack auf, als er realisierte, dass er bei dem ... Leuchtturm ... genauso sterben würde. Er hatte noch das Funkgerät...
Während er noch die entstellte Frau entsetzt anstarrte, die die beiden Haken fest umklammert hielt, begann diese, so laut zu schreien wie Jack es noch nie gehört hatte. Er fuhr in sich zusammen, dann sprang sie weg. Schwer atmend stützte er sich an die Wand der Kapsel .... dann hörte er die Schritte auf dem Dach der Kugel. Laute, peitschende Geräusche ertönten und die Kapsel begann, stark zu wackeln. Funken flogen, während Jack laute Brechgeräusche hörte und die Kapsel nach stark nach unten sackte. Die Geräusche hallten gewaltig im Saal wider und Jack hatte Todesangst, dass noch mehr dieser Kreaturen kommen würden.  Das dürftige Licht der Kapsel flackerte, dann ging es aus. "Scheiße! Lass mich in Ruhe!", rief Jack entgeistert. Die Frau sprang von der Kapsel, starrte ihn noch einmal an und rannte dann weg. Die Scheißfrau hat die verdammte Kapsel zerstört. Ich bin im Arsch ... wenigstens hat sie sie nicht aufbekommen ...
Schwer atmend setzte sich Jack auf den Sitz in der Kapsel. Dann sprang das Funkgerät wieder an. "Wärst du so freundlich, das Funkgerät da zu nehmen?", hörte er den Mann von vorhin sagen. Völlig aus der Fassung geraten nahm er es an sich. "Keine Ahnung, wie du den Absturz überlebt hast, aber wo die Vorsehung im Spiel ist, stell' ich keine Fragen. Ich heiße Atlas, und ich will, dass du am Leben bleibst. Mach erstmal, dass du hier wegkommst. Wir müssen dich ein Stück nach oben bringen ..." Schön, deine Bekanntschaft zu machen, Kumpel ... "Atme tief durch ... und geh aus der Tauchkapsel raus. Keine Sorge, ich lass dich nicht hängen." Die Lichter des Saals gingen an und er machte einen Gang aus, der zu dem erwähnten großen Fenster führte. Links und rechts führten symmetrisch zwei Wege entlang. Dass die Frau noch irgendwo war, wusste er genauso gut wie dieser Atlas. Na, hallo, Rapture ...
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