BioShock: Das (inoffizielle) Buch

von CL Bell
GeschichteAngst, Sci-Fi / P18
Andrew Ryan Atlas Brigid Tenenbaum Dr. J.S. Steinman Jack Sander Cohen
01.08.2015
02.08.2015
2
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01.08.2015 829
 
BioShock


1960.

Der mittlere Atlantik.


Als mich meine Eltern in das Flugzeug nach England setzten, wo ich meine Verwandtschaft besuchen sollte, sagten sie mir: „Sohn, du bist etwas Besonderes. Du wirst große Taten vollbringen.“ Glauben Sie mir … sie hatten recht.



Jack saß immer noch in dem Flugzeug nach England … das tat er schon seit einiger Zeit. Er hatte durchaus versucht zu schlafen, aber fliegen war einfach nicht sein Fachgebiet – mit anderen Worten: Er hasste es. Nun war es bereits Nacht und er beinahe der einzige, der noch wach war. Unweit von ihm waren zwei Jungen, die sich gefühlt seit Stunden über Batman und anderen Superhelden unterhielten. Tatsächlich musste er der Versuchung widerstehen, ins Cockpit zu gehen und mit den Piloten zu quatschen … oder sie dazu zu zwingen, irgendwo zu landen.
Dabei war er nicht einmal gesprächig, sondern eher einer der Sorte, die so gut war gar nichts sagten, wenn sie nicht gefragt wurden.
Jack wollte einfach abgelenkt werden.
Wenigstens war er nicht der Typ Mann, der bei jeder Kleinigkeit anfing, seinen Mageninhalt herauszuwürgen. Dafür bräuchte es schon mehr als das immer wiederkehrende Ruckeln des Flugzeugs.
Er blickte ungeduldig auf das Geschenk seiner Eltern, das er erst im Flugzeug öffnen sollte, wie es auf der Verpackung stand, während er eine Zigarette rauchte. Er konnte beim besten Willen nicht sagen, wieso sie ihm überhaupt ein Geschenk mitgegeben hatten.
Ein Herzschlag später war alles anders.
Deshalb hasste er fliegen so. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Flugzeug abstürzt, ist unfassbar gering“, sagten immer alle. Das half denen, die in einem abstürzenden Flugzeug saßen, auch nichts mehr.
„Oh scheiße!“, rief jemand entsetzt. Jack stand im Gang, wo er sich vor kurzem hinbegeben hatte … und das Flugzeug … stürzte ab. Ein gewaltiger Ruck hatte jegliche Passagiere aufgeweckt und sie entnervt Beleidigungen gen Cockpit rufen lassen.
Jene Beleidigungen hörten schnell auf, als die vorderen Leute das Blut im Cockpit sahen, so wie Jack es tat.
Das war’s dann wohl. Wieso immer ich?
Dann ging alles blitzschnell. Jack war ruhiger als jemals zuvor; er würde sterben. Diese Erkenntnis macht alles so viel einfacher. Dummerweise war er der einzige, der so dachte, wenn er an die hysterisch schreienden Mitflieger dachte.
Im nächsten Moment wurde er hart an die Wand geschleudert. Intuitiv hielt er sich an einer Stange fest, während das Flugzeug einen starken Sinkflug … Absturz … machte.
Dann ein gewaltiger Aufprall, der ihn hart an die Wand aufprallen ließ. Das Wasser war offenbar erreicht worden. Zeit zu denken hatte er gerade allerdings nicht.
Ohne zu wissen, wie er dorthin gekommen war, fand Jack sich einige Meter vom untergehenden Flugzeug entfernt jauchzend im Meer und kam langsam zu sich. Überall schwamm Gepäck und hier und da konnte er eine Leiche sehen. Benommen wie er war konnte er sich darüber jedoch nicht aufregen.
Wild strampelnd hielt er sich in der Dunkelheit an der Oberfläche. Das brennende Flugzeug war ein Anhaltspunkt, doch was, wenn es untergegangen war? Er befand sich mitten im Atlantik und war nicht unbedingt ein Profischwimmer.
Dann sah er ihn. Aber unter all der Aufregung fand er nicht die Zeit, sich über den Zufall zu wundern. Er freute sich jedoch auch nicht. Jack schwamm einfach gezielt aber verunsichert auf den gewaltigen Turm zu, der in den Nachthimmel ragte und fast direkt neben dem abgestürzten Flugzeug lag.
Er würde also doch leben.
War das Glück?
Schwer atmend kam er beim Turm an und stieg die eng anliegenden Stufen hinauf, während seine vom Wasser schwere Kleidung triefte und den Boden nass machte. Er wusste nicht einmal, ob dort noch jemand lebte … und wenn ja, was für Leute es wohl waren, die mitten im Atlantik einen Turm bauten.
Jack klopfte am gewaltigen Tor. Keine Reaktion. Es war allerdings nicht abgeschlossen und mit wenig Mühe konnte er einen Flügel leicht aufschieben und hineinflitzen.
Dunkelheit. Er sah nicht mal seine Hand vor Augen.
Bumm! Die Tür schlug in einem laut hallenden Geräusch zu und ließ Jack stark zusammenfahren. Dann gingen plötzlich Lichter an. Er stand vor der goldenen Statue eines Mannes, während schöne Musik ertönte. Vor der Statue war ein großes, rotes Tuch aufgespannt, auf welchem in goldener Schrift stand: Keine Götter oder Könige. Nur Menschen.
Stirnrunzelnd blickte er sich um. Was ist das hier?
Es gab keinen Weg nach oben; dort war nur ein gewaltiger Hohlraum; was das Hallen des Tors erklärte. Es führten jedoch in nahezu perfektionistischer Symmetrie zwei Treppen weiter hinunter. Sehr weit ging es nicht; er fand sich schnell vor einem runden Gefährt wieder, das eindeutig dazu gedacht war, in die Tiefe zu fahren. Eine Tauchkapsel.
Verunsichert blickte er noch einmal durch den Raum. Drei goldene, runde Platten waren an den Wänden zu sehen. Bei den linken Stufen, bei den rechten und auch zwischen den beiden. Auf ihnen waren Dinge eingraviert, die die darunterstehenden Wörter repräsentieren sollten: Wissenschaft, Industrie, Kunst.
Wo sind wir hier? Im Amerika des 18. Jahrhunderts?
Jack seufzte.
Scheiß drauf.
Entschlossen stieg er in die Tauchkapsel und legte einen Schalter um. Sie setzte sich in Bewegung …
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