Schönheit finden

GeschichteAllgemein / P12
OC (Own Character)
31.07.2015
31.07.2015
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Ich erinnere mich an den Moment als ich die wahre Macht der Schönheit entdeckte.
Natürlich wußte ich Schönheit zu finden, wie es jeder Künstler oder Kunstliebhaber vermag.
Aber in Gänze begriffen hatte ich sie bis dahin noch nicht.
Selbst mein Sire, der mich eine Menge lehrte und alles dafür tat, daß ich seine Lektionen auch verstand, hielt sich in dieser Sache zurück: „Dies Eine kann ich Dir nicht beibringen, Du wirst es eines Tages selbst erfahren müssen. Nur eins noch: Schönheit findet man bisweilen an den ungewöhnlichsten Orten.“ Damit war das Thema für ihn beendet und er sprach nicht mehr darüber.

So vergingen die Jahre meiner Kindheit, in denen ich lernte, Schönheit mit allen Sinnen aufzunehmen und ihr Loblied auf jede mir mögliche Art zu singen.

Eines Tages, ich ging am Arm meines Sires eine Straße entlang, sah ich einen Mann an einer Ecke stehen. Aus der Entfernung meinte ich zu erkennen, daß er etwas zu betrachten schien, war mir aber nicht sicher.
Als wir näherkamen, sah ich, daß er tatsächlich etwas in der Hand hatte und er hielt es so vorsichtig fest als sei es etwas ungemein Wertvolles.

Der Mann selbst war alles andere als schön. Er war schon sehr alt und hatte zotteliges graues Haar. Sein ganzes Gesicht war faltig und seine Nase erinnerte doch sehr an eine Knolle.
Plötzlich fiel mir auf, wie unhöflich ich wirken mußte und ich wollte gerade weitergehen, als er aufsah.
Und dann sah ich sein Lächeln.
In diesem Moment blieb die Welt stehen und ich war gefesselt.
Er strahlte vor Freude, seine Augen leuchteten und er wirkte auf einmal um Jahrzehnte jünger.
Für mich zählte in diesem Moment nur noch dieses Lächeln, alles andere war nebensächlich.
Nichts konnte mich in irgendeiner Weise erreichen, weder die Geräusche der Kutschen noch die Gespräche der Leute um mich herum. Nicht einmal mein Sire, der mich am Arm zog und mir Vorhaltungen machte.

Ich weiß nicht, was danach passiert ist, nur, daß ich auf einer Bank im Park saß und mein Sire mich anlächelte: „Ich habe Dir ja gesagt, daß Du es eines Tages erfahren wirst. Jetzt weißt Du, warum wir Toreador sind.“
Ich konnte nur nicken, immer noch gefangen von dem, was sich mir offenbart hatte.

Wahrscheinlich werden sich jetzt die meisten fragen, warum ich diese Geschichte ausgerechnet hier erzähle.
Mein Sire hat nie wieder mit mir über diese Erfahrung gesprochen, bis auf eine Sache: Er erzählte mir einige Tage später, daß der Mann, dieser Mann der mir gezeigt hat, was die wahre Macht der Schönheit ist, ein Gangrel war.
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