Love Is Forever

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
30.07.2015
30.07.2015
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„Was hältst du davon?“. Lucky hielt mir ein Farbmuster unter die Nase und wartete gespannt auf meine Reaktion. Seit nunmehr fünf Tagen war er schon damit zu Gange, unsere Hütte neu einzurichten und umzugestalten. Eigentlich hatte mir das alte Einrichtungsdesign gut gefallen, ich hatte lediglich die Farbe der Zimmerwände bemängelt. Knalliges Gelb war mir eben einfach zu grell. Am ersten Tag hatte er sich auch nur darum gekümmert und mir die verschiedensten Farbtöne und Muster vorgelegt. Doch bereits am Tag darauf meinte er, dass wir, wenn wir schon einmal dabei sind, gleich die ganze Hütte renovieren und neu gestalten könnten. Zwar habe ich beteuert, dass das wirklich nicht nötig sei, doch er hatte sich um nichts in der Welt davon abbringen lassen und war kurzerhand losmarschiert, um ein paar neue Einrichtungsgegenstände, darunter zum Beispiel ein neues Sofa und ein nagelneuer Flachbildfernseher, zu besorgen. Zugegeben, das war, wie ich fand, ein bisschen übertrieben, trotzdem freute ich mich sehr darüber, da es mir wieder einmal zeigte, dass er großen Wert auf meine Meinung legte und meine persönlichen Wünsche und Vorstellungen berücksichtigte. „Hm, zeig noch einmal das andere“, antwortete ich, während ich mich darum bemühte, mich für eines der beiden Muster zu entscheiden. Natürlich hatte Lucky mir nicht nur diese beiden vorgelegt, im Gegenteil: Ich glaube, es waren fast dreißig verschiedene Farbtöne und -kombinationen, die wir durchgearbeitet hatten, bis ich mich schließlich für zwei Favoriten entscheiden konnte. Zum einen hatte ich einen dezenten Magentaton ausgewählt, zum anderen zartes Limettengrün. Beides passte zur neuen Einrichtung und zu meinem persönlichen Stil und traf vollstens meinen Geschmack. „Hm, ich weiß nicht“, sagte ich und überlegte. „Wofür würdest du dich denn entscheiden?“. „Das spielt keine Rolle, mein Engel“, antwortete Lucky mit einem Lächeln. „Mir gefallen beide Farbtöne, aber das wichtigste ist, dass du damit zufrieden bist“. „Hm“, sagte ich noch einmal und sah mir noch einmal beide Muster genaustens an. „Ich kann mich einfach nicht entscheiden“. „Okay, dann machen wir es eben anders“, erwiderte Lucky und kam zu mir. „Schließ bitte mal deine Augen“. „Was hast du denn vor?“, fragte ich irritiert. „Ich möchte endlich wissen, für welche Farbe du dich entscheidest“, antwortete er und lachte. „Und bevor du hier weiter herumspekulierst, deute einfach mal mit der Pfote auf einen Farbton und den nehmen wir dann“. „Mit geschlossenen Augen?“, fragte ich nach. „Darum geht es ja“, erwiderte er und kicherte. „Wenn du es anders machst, wird das Zimmer in fünf Jahren noch nicht fertig sein“. Ich musste lächeln. „Also“, sagte Lucky. „Ich halte mal beide Farben hoch. Links oder rechts?“. „Links“, sagte ich intuitiv. „Nein, warte, rechts. Nein, links“. „Blaze“, sagte Lucky und stöhnte. „Entschuldige“, erwiderte ich und kicherte. „Also, was jetzt?“, wollte Lucky wissen. „Links oder rechts?“. „Rechts“, antwortete ich und öffnete meine Augen. „Also Limette“, verkündete Lucky und atmete tief durch. „Damit hätten wir das nun endlich geklärt“. „Hm, vielleicht wäre Magenta doch schöner“, sagte ich und konnte mir ein Kichern nicht verkneifen. „Du machst mich wahnsinnig“, entgegnete Lucky und schüttelte hilflos den Kopf. „Okay, okay“, erwiderte ich. „Dann eben Limette“. „Also Limette“, sagte Lucky. „Ganz sicher?“. „Naja...“, setzte ich an. Lucky vergrub den Kopf in den Pfoten. Daraufhin musste ich heftig lachen. „Blaze, bitte. Eine Farbe, eine einzige Farbe. Ist denn das wirklich so schwer?“. Er stöhnte laut und setzte sich auf den Boden. „Ich bewege mich nicht mehr vom Fleck, bis du mir endgültig gesagt hast, was du willst“. „Entschuldige, Süßer“, antwortete ich und nahm neben ihm Platz. „Es fällt mir eben nicht leicht, mich für eine Sache zu entscheiden“. „Ohja, das habe ich mittlerweile auch gemerkt“, antwortete er und legte mir seine Pfote um die Schultern. „Ich bin eben sehr vielseitig“, entgegnete ich schulterzuckend. „Das hat nichts mehr mit Vielseitigkeit zu tun, das ist reiner Wahnsinn“, entgegnete er kopfschüttelnd. Ich grinste. „Tut mir Leid, Liebling. Ich wollte dich wirklich nicht nerven“. „Ach was, schon gut“, antwortete er und lächelte. „Aber jetzt bitte – bitte, bitte, bitte – sag mir eine Farbe. Magenta oder Limette?“. „Limette“, antwortete ich. „Dieses Mal ganz sicher“. „Limette, ganz sicher“, wiederholte Lucky und stand auf. „Damit steht es fest. Limette soll es werden. Und wehe dir, wenn du mir jetzt nochmal mit Magenta daherkommst“. Er knuffte mich sanft in die Seite und gab mir einen Kuss auf die Wange. Dann wandte er sich ab und fing damit an, das Zimmer in Limettengrün zu streichen. „Kann ich dir vielleicht behilflich sein?“, fragte ich zuvorkommend und ging zu ihm hinüber. „Nein, mein Engel“, lehnte er ab. „Das kriege ich schon hin. Jedenfalls hoffe ich, dass ich es hinkriege“. Wir lachten beide auf und er küsste mich noch einmal sanft auf die Wange. „Heute ist so herrliches Wetter. Warum gehst du nicht ein bisschen raus und machst dir einen schönen, entspannten Tag?“, setzte er hinzu. „Das kann ich schon machen“, antwortete ich und legte zeitgleich einen Schmollmund auf. „Aber ohne dich ist alles doch nur halb so schön“. „Och, süß“, sagte Lucky und lächelte mich an. „Außerdem werde ich dich schrecklich vermissen“, fügte ich hinzu. „Ich dich auch, mein süßer Engel“, erwiderte Lucky und streichelte mir über den Kopf. „Aber trotzdem. Es gibt doch an so einem herrlichen Tag schöneres, als mir beim Malen zuzusehen“. „Nicht unbedingt“, antwortete ich und zwinkerte ihm zu. „Wusstest du, dass Männer in Overalls als sexuell anziehend empfunden werden?“. „So?“, fragte Lucky nach und grinste. „Mhm“, antwortete ich mit einem Zwinkern. „Aber ich finde dich immer sexy, egal was du anhast“, fügte ich hinzu und zwinkerte erneut. Lucky grinste noch breiter. „Ich dich auch“, sagte er. „Und am besten gefällst du mir, wenn du gar nichts anhast“. Dann brach er in lautes Lachen aus. „Du“, sagte ich leicht verlegen und wandte mich ab. „Dann mache ich mich mal auf den Weg, damit du in Ruhe weiterarbeiten kannst. Wir sehen uns dann später“. „Bis später, Engel“, sagte Lucky lächelnd. „Lucky?“, rief ich und drehte mich noch einmal um. „Ja?“, wollte er wissen und wandte sich mir zu. „Ich liebe dich“, antwortete ich. „Ich liebe dich auch, Engel“, erwiderte er und lächelte ebenfalls.
Nachdem ich mich ein Weilchen am See entspannt hatte, beschloss ich kurzerhand, mal wieder bei unseren Freunde vorbeizuschauen. Obwohl sie auf derselben Farm wohnten wie Lucky und ich, hatte ich sie schon ewig nicht mehr gesehen, da ich die letzte Zeit ausschließlich mit Lucky verbracht hatte. Ich war mir noch nicht einmal sicher, ob die drei überhaupt darüber im Bilde waren, dass bei uns gerade renoviert wurde. Soweit ich wusste, hatte Lucky ihnen davon beim letzten Treffen nichts erzählt. Ich lief zur alten Weide hinüber, wo ich die drei vermutete. Dort verbrachten sie die meiste Zeit des Tages und dort war auch stets unser gemeinsamer Treffpunkt gewesen. „Blaze!“, rief Rolly mir zu, als ich die Weide erreichte. Wie ich erwartet hatte, lagen sie unter einer großen Eiche und entspannten sich. „Hi Blaze“, riefen Goliath und Spot wie aus einem Munde und fielen mir sofort um den Hals, als ich bei ihnen ankam. „Hi Leute“, erwiderte ich ihren Gruß. „Alles gut bei euch?“. „Bei uns immer“, antwortete Rolly. „Blaze, wie geht es dir? Wo hast du denn Lucky gelassen?“, wollte Spot wissen. „Der spielt heute mal Heimwerker“, antwortete ich und kicherte. „Nanu?“, wunderte sich Goliath. „Wir renovieren“, klärte ich sie auf. „Lucky ist gerade dabei, unsere Wände neu zu streichen“. „Ah, wie das?“, fragte Spot. „Ich dachte, ihr hättet euch erst vor kurzem neu eingerichtet“. „Haben wir auch“, antwortete ich, während ich mich zu den dreien setzte. „Aber Lucky hat darauf bestanden, erneut zu renovieren“. „Hat euch das alte Design nicht mehr gefallen?“, fragte Rolly neugierig. „Oder wie kommt es, dass ihr euch schon wieder neu einrichtet?“. „Witzige Geschichte eigentlich“, antwortete ich. „Lucky und ich haben vor kurzem zusammengesessen und uns unterhalten. Dabei habe ich ihm, eigentlich mehr im Scherz, gesagt, dass mir die Wandfarbe nicht wirklich gefällt. Und wie ihr ihn kennt, hat er mich natürlich beim Wort genommen und kurzerhand dutzende von neuen Farbmustern besorgt“. „Ja, so ist er“, unterbrach mich Goliath und lachte. „Und als wäre das nicht genug, hat er auch gleich einen neuen Fernseher und ein neues Sofa angeschafft“. Nun fingen alle drei an zu lachen. „Typisch Lucky“, erwiderte Spot. „So was fällt auch nur ihm ein“. „Das habe ich ihm auch gesagt“, erwiderte ich. „Aber er hat sich um nichts in der Welt davon abbringen lassen“. „Ja, das ist unser Lucky, wie er leibt und lebt“, sagte Spot mit einem Grinsen. „Wenn wir fertig sind mit Renovieren, laden wir euch gerne mal ein, damit ihr euch selbst ein Bild von Luckys wundervoller Arbeit machen könnt“, schlug ich ihnen vor. „Gerne. Sehr gerne“, antwortete Goliath zustimmend. „Aber jetzt erzähl mal. Wie geht es dir denn?“. „Mir geht es wunderbar“, antwortete ich zufrieden. „Ich bin so unendlich glücklich mit meinem Lucky“. Die drei lächelten. „Das freut uns“, sagte Rolly. „Das freut uns wirklich sehr für euch. Verzeih mir bitte meine Neugier, aber habt ihr denn auch Kosenamen füreinander? Also sowas wie Schatz, Maus oder ähnliches?“. „Natürlich“, antwortete ich grinsend. „Ich nenne ihn immer meinen kleinen Prinzen“. „Och, ist das süß“, sagte Spot berührt. „Und wie nennt er dich?“, wollte Goliath wissen. „Soll ich euch das wirklich verraten?“, fragte ich. „Ja, unbedingt“, antwortete Spot gespannt. „Er hat sich doch bestimmt einen süßen Namen für dich ausgedacht. Also sag schon, wie nennt er dich?“. „Engel“, antwortete ich ein bisschen verlegen, da mir dieser Kosename alles andere als zutreffend erschien. „Och, wie süß“, stießen die drei gleichzeitig hervor und lächelten mich an. „Engel – das ist echt unheimlich süß“, sagte Spot und klopfte mir sanft auf die Schulter. „Bist du denn ein Engel?“, wollte Rolly wissen und kicherte. „Ich? Ganz bestimmt nicht“, antwortete ich und lachte. „Ihr könnt mir glauben, Lucky und ich haben schon die ein oder andere Sünde ausprobiert“. „Oooh“, stießen die drei überrascht und zugleich interessiert hervor. „Zum Beispiel?“, wollte Goliath neugierig wissen. „Tut mir Leid, aber das ist privat“, antwortete ich und grinste. „Ich verrate euch nur so viel: Die Nächte, die ich mit Lucky verbringe, sind unter Garantie alles andere als langweilig“. Rolly grinste. „Genauer wollten wir das eigentlich auch gar nicht wissen“, sagte er und zwinkerte mir zu. Dann fingen wir an, uns über alles mögliche zu unterhalten und natürlich verlor ich dabei die Zeit völlig aus den Augen.

Es war schon ziemlich spät, als ich zu Hause ankam. Ich hatte mich mit Rolly, Goliath und Spot so angeregt unterhalten, dass ich völlig das Zeitgefühl verloren hatte. Erst kurz vor 22:00 hatten wir uns verabschiedet und ich musste mich ziemlich beeilen, da Lucky mit Sicherheit schon auf mich wartete. Eilig stürzte ich zur Tür hinein und verlor dabei beinahe das Gleichgewicht. Im Flur konnte ich hören, dass der Fernseher an war. Lucky war somit also entweder noch wach oder er war bei laufendem TV eingeschlafen. In letzterem Fall hielt ich es für besser, mich so leise wie möglich zu verhalten und ihn seelenruhig weiterschlafen zu lassen. Schließlich hatte er einen harten Arbeitstag hinter sich und war ganz bestimmt ziemlich erschöpft. Und ihn nur deshalb aufzuwecken, um ihm kurz mitzuteilen, dass ich wieder zu Hause war, empfand ich als überflüssig. So leise es ging schlich ich zu ihm ins Wohnzimmer, welches, mal abgesehen von dem flimmernden Bild des Fernsehers, stockdunkel war. Auf Zehenspitzen huschte ich zum Sofa hinüber und legte mich hin, darauf bedacht, nicht aus Versehen mit Lucky zusammenzustoßen. Obwohl auch ich schon ziemlich müde war, entschloss ich mich dazu, noch ein bisschen fernzusehen und Lucky beim Schlafen zuzusehen. Auch wenn es vielleicht albern klingt, aber das ist eine meiner liebsten Beschäftigungen. Lucky beim Schlafen zusehen. Das liegt daran, dass er dabei so unglaublich niedlich aussieht. Da ich morgens meist als Erster aufwache, habe ich sehr oft die Gelegenheit dazu. Ich setze mich dann meistens auf, kuschle mich so dicht es geht an ihn heran, selbstverständlich sehr vorsichtig, und beobachte ihn, wie er friedlich schläft. Manchmal kommt es auch vor, dass er im Schlaf spricht. Dabei könnte ich ihm oft stundenlang zuhören. Denn er träumt ziemlich oft von mir, was ich daraus schließe, dass er im Schlaf immer wieder meinen Namen sagt. Wenn er dann aufwacht, weiß er natürlich nichts mehr von dem, was er mir da manchmal, wenn auch ungewollt, erzählt. Und natürlich sage ich ihm auch nie etwas davon, schließlich muss er ja nicht alles wissen. Ich sehe das immer als Kompliment an, auch wenn er gar nicht weiß, dass er mir damit eines macht. Aber jeder braucht schließlich auch seine Geheimnisse. „Gute Nacht, kleiner Prinz“, hauchte ich ihm zu, jedoch bewegte ich dabei nur meine Lippen. Denn natürlich wollte ich vermeiden, dass er jetzt aufwachte. Dann drehte ich mich vorsichtig um und schlief schließlich irgendwann ein.
Am nächsten Morgen war ich wie üblich vor Lucky aufgewacht. Das erste Morgenrot drang bereits ins Zimmer herein und warf etwas Licht in den Raum. Lucky schlief noch immer. Tief und fest. In dieser Nacht musste er allerdings einen entweder sehr schlimmen oder sehr schönen Traum gehabt haben, denn er hatte sich die ganze Zeit hin- und hergewälzt. Mehrmals konnte ich spüren, wie er sich mit der Pfote an mir festkrallte und dabei irgendetwas vor sich hinmurmelte, das ich aber nicht richtig verstand. Ich hoffte jedoch, dass es kein Albtraum gewesen war, da er danach meistens ziemlich aufgewühlt ist und auf alles sehr impulsiv reagiert. Ich versuchte, mich vorsichtig aufzusetzen, doch er hielt sich mit der Pfote an meiner Schulter fest. Und auch jetzt wollte ich ihn nicht wecken und solange schlafen lassen, bis er selbst aufwachte. Wieder fing er an, irgendetwas vor sich hinzumurmeln und ich versuchte erneut, es zu verstehen. So nah ich konnte drückte ich meinen Kopf an ihn heran und lauschte. „Genau so“, konnte ich verstehen und sah, dass sein gesamter Körper zuckte, als er diese Worte aussprach. Ihm entfuhr ein tiefes Stöhnen, was mich wiederum zum Schmunzeln brachte. Vermutlich träumte er von mir, das heißt, genauer gesagt von uns. Er stöhnte erneut und krallte sich mit der Pfote noch stärker an mir fest. Ich atmete tief durch. Zum einen konnte ich einen Albtraum nun beruhigt ausschließen, zum anderen war ich geschmeichelt darüber, dass er anscheinend wieder von mir träumte. „Du bist der Beste“, hörte ich ihn flüstern und bemühte mich, nicht aus Verlegenheit zu kichern. „Du weißt genau, was ich will. Schneller, Mooch“. Was hatte er da gerade gesagt? Wie hatte er mich gerade genannt? Hatte er tatsächlich gerade Mooch gesagt? Träumte er doch nicht von mir? Aber die Geräusche, die er machte, waren doch mehr als eindeutig. Warum rief er dann nicht meinen Namen? Und wer zum Teufel war dieser Mooch? Tausend Fragen und Gedanken schossen mir in diesem Augenblick durch den Kopf. Was hatte das zu bedeuten? Wer war Mooch? Hatte er etwa einen anderen? Nein, sagte ich mir. Niemals. Lucky war so treu wie Gold. Niemals konnte es sein, dass er mich betrog. Es gab mit Sicherheit eine ganz plausible Erklärung dafür. Da war ich mir sicher. Es gab eine vernünftige Begründung dafür, dass er diesen Namen gesagt hatte. Die Frage war nur, welche.
Nachdem ich mir noch endlos lange den Kopf darüber zerbrochen hatte, was ich von Luckys merkwürdigem Geflüster halten soll, hatte ich beschlossen, mir erst einmal eine Tasse Kaffee zu machen und mich dann langsam auf den Tag vorzubereiten. Zudem entschied ich, Lucky nicht auf diesen seltsamen Traum anzusprechen und die Sache einfach zu vergessen. Denn ich war mir sicher, dass es dafür eine simple Erklärung gab, egal wie auch immer sie aussehen mochte. Vielleicht hatte er gar nicht von einer Liebesnacht geträumt, sondern von etwas ganz anderem. Vielleicht von einem Wettrennen oder einem Spaziergang. Tausend Dinge fielen mir ein, die das seltsame Geplapper von Lucky erklären konnten. Wirklich überzeugt war ich zwar nicht, dass es in Luckys Traum um etwas anderes als eine Liebesnacht ging, aber ich wollte auch nicht weiter darüber spekulieren. Es war ja schließlich nur ein Traum gewesen. Also angenommen, Lucky hatte wirklich von einem anderen geträumt, was war dann bitte so schlimm daran? Er hatte es doch immerhin nur geträumt. Selbst wenn es in seinem Traum einen anderen gab, musste ich mir doch deswegen keine Sorgen machen. Es gab ihn ja schließlich nicht wirklich. Er existierte nur in Luckys Fantasie. Jedenfalls habe ich das damals geglaubt.

Auch wenn ich beschlossen hatte, nicht weiter über Luckys Traum nachzudenken, ließ es mir einfach keine Ruhe. Immer wieder musste ich daran denken, was er alles vor sich hingemurmelt hatte. „Du bist der Beste“ hatte er gesagt. Und er hatte diesen Namen erwähnt. Mooch. Wer war das? War das wirklich ein Fantasiegebilde von Lucky? Oder gab es ihn wirklich? Und wenn ja, in welcher Beziehung stand er zu ihm? Wieder gingen mir die eigenartigsten Gedanken und Ideen durch den Kopf. Dieser Name wollte einfach nicht aus meinem Gedächtnis verschwinden. Was war, wenn es ihn nun tatsächlich gab? Wenn er nicht nur eine Einbildung war? Bedeutete das, dass Lucky mich wirklich betrogen hatte? Nein. Nein, niemals, sagte ich mir und verbannte diesen Gedanken aus meinem Kopf. Lucky liebte mich. Er sagte mir jeden Tag, wie endlos glücklich er mit mir war. Nie und nimmer hatte er einen anderen. Trotzdem wollte und wollte mich diese Sache nicht loslassen. Um ein für alle Mal Klarheit zu haben, ob es diesen Mooch wirklich gab oder nicht, beschloss ich, mich bei unseren Freunden mal ein bisschen umzuhorchen. Vielleicht konnten sie mir sagen, wer das war. Vielleicht sagte ihnen dieser Name etwas. Oder vielleicht kannten sie ihn sogar. Wenn sie ihn allerdings nicht kannten und ihnen dieser Name noch nie zu Ohren gekommen war, entschied ich, handelte es sich lediglich um eine Einbildung von Lucky. Tief in mir hoffte ich sogar, dass letzteres der Fall sein würde. Doch da sollte ich mich täuschen.
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