Even The Devil Has Been An Angel

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
OC (Own Character)
30.07.2015
16.06.2019
31
60935
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Anmerkung: Diese Geschichte wurde durch Morthinels  „Ungeschehen“ inspiriert. Sie brachte mich dazu weiter über die Tatsache zu philosophieren wie Gewalt Gegengewalt erzeugen kann, es nicht immer leicht  zu bestimmen ist, wer Täter und wer Opfer ist und was schwere Zeiten aus Menschen machen können.
Ich möchte keine Gewalttaten schönreden, aber ich möchte versuchen aufzeigen, dass es ein Fehler ist seine Mitmenschen zu schnell zu verurteilen, weil man nie weiß, was sie zu ihren Handlungen bewegt hat und es durchaus möglich ist, dass sie geglaubt haben das Richtige zu tun, als sie schreckliche Dinge taten.
In meiner Geschichte werden folgende Dinge thematisiert werden: Terrorismus, Religion, psychische Erkrankungen, Selbstverletzung, Missbrauch (psychischer und sexueller), Mord sowie Selbstmord.
Mein Dank geht an Morthinel, da sie mich nicht nur inspiriert hat, sondern mir auch gestattet hat mir ihren Leon sowie seine Cousine Yara und ihre Tochter Alessa auszuleihen. Zudem möchte ich mich auch bei meiner Freundin Fin bedanken, die es mir erlaubt hat ihren Robin in meiner Geschichte auftauchen zu lassen.


Even The Devil Has Been An Angel



I hold a beast, an angel, and a madman in me.

-Dylan Thomas


Schwer hingen die Wolken am grauen Himmel von Distrikt 4. Es würde nicht mehr lange dauern, bis es anfing zu regnen. Lily war versucht ihr Vorhaben eine Weile hinauszuzögern, um noch ein Mal den Regen auf ihrer Haut zu spüren. Sie war nie ein sonderlich großer Freund von Regen gewesen, aber spontan konnte sie sich nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal in einen Schauer geraten war und hatte das Gefühl, dass es vielleicht schön sein könnte erneut und vollkommen bewusst die Nässe auf ihrer Haut zu spüren. Allerdings würde sie damit riskieren, dass die Umsetzung ihres Plans scheitern würde. Sie würden es ihr nicht verzeihen, wenn die Feuchtigkeit das Vorhaben scheitern ließ und sie selbst würde sich auch Vorwürfe für ihr törichtes Verhalten machen. Weiter zu gehen war eindeutig die bessere Alternative. Wenn sie weiterhin einen Fuß vor den anderen setzen würde, dann würde sie es noch schaffen und dem Regen entkommen.
Ihre Bewegungen fühlten sich an, als würden sie in Zeitlupentempo erfolgen und ihre Glieder schienen tonnenschwer zu sein. Lilys Augen brannten vor Müdigkeit. Sie war erschöpft, so sehr erschöpft. Am liebsten hätte sie sich jetzt hingelegt und mehrere Jahre am Stück geschlafen, aber sie konnte nicht schlafen, durfte auch nicht schlafen. Sie hatte eine Aufgabe zu erfüllen und sobald diese Sache erledigt war, würde sie nie mehr müde sein. Es würde ihr besser gehen. Oder doch nicht? Es kam darauf an, ob er sie bestrafen würde. Vielleicht hatte er Glück und würde sie verschonen, weil sie sich schon selbst bestraft hatte. Und wenn nicht? Dann wartete die Verdammnis auf sie. Aber wie viel schlimmer konnte die Hölle schon sein, als das Leben, welches sie führte?
Kopfschmerzen machten sich breit. Das dumpfe Pochen hinter ihren Schläfen war ihr vertraut, aber dennoch eine Belastung. Lily wollte das es endlich aufhörte. Womit hatte sie das nur verdient? Sie hatte doch immer versucht ein guter Mensch zu sein. Stets hatte sie versucht freundlich zu sein und ein anständiges Leben zu führen. Sie hatte sogar versucht ihre Ängste zu besiegen, um daran zu wachsen. Ja, sie hatte es so sehr versucht, aber war dennoch an dieser Prüfung gescheitert. Aber rechtfertigte das all diese Strafen? Das war einfach viel zu viel. Die Einsamkeit, diese schreckliche Einsamkeit. Sie hatte kaum noch jemanden in ihren Leben. Ob es anders gekommen wäre, wenn sie ihn nicht verlassen hätte? Es hätte funktionieren können, sie hatten die selben Ansichten gehabt, sie hätte sich nur nicht von seiner radikalen Art abschrecken lassen sollen. Wenn sie sich bemüht hätte, hätte sie auch so werden können. Jetzt war sie schließlich auch an diesem Punkt angekommen. Aber im Grunde war das Zerbrechen ihrer Bindung ihre gerechte Strafe gewesen. Sie hätte sich nicht von ihn verführen lassen dürfen. Was sie getan hatten, war falsch gewesen.
Falsch. Was sie gerade tat war auch falsch. Nicht richtig. Sie würde dabei nicht nur sich verletzen. Man tat so etwas nicht. Sie würde dafür bestraft werden.
Aber was sie taten, war auch nicht richtig. Sie sagten, dass alles besser werden würde, jetzt, da die Rebellion beendet war und sie an der Macht waren, aber Lily vertraute diesen Leuten nicht. So lange, so, so lange hatten sie sich unter der Erde versteckt und hatten mit angesehen, wie die anderen Distrikte litten und Kinder in den Hungerspielen verloren. Es war ihnen unter der Oberfläche wesentlich besser gegangen, als dem Rest des Landes und dann tauchten sie plötzlich auf und taten so, als würden sie etwas von Leid verstehen? Heuchler. Sie waren solche Heuchler! Dafür mussten sie bezahlen. Sie mussten erkennen, dass sie im Unrecht war und andere Leute an die Macht gehörten.
Lily zog die Tür des Lazaretts auf. Während der Rebellion hatten sich wesentlich mehr Menschen in den Räumen dieses Gebäudes aufgehalten. Mehr Lebende und auch mehr Tote. Doch das spielte keine Rolle. Es würde dennoch reichen. Hier ging es nicht um Zahlen, es ging um eine Botschaft, die sie zu übermitteln hatte. Eine Botschaft, die sie unter ihrem Mantel trug und ihnen bald überreichen würde. Bald, wenn die Zeit gekommen war.
Tick.
Tick.
Tick.
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