Doremis Abenteuer

GeschichteFreundschaft / P12
30.07.2015
11.09.2019
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27. Der Badmintonchampion

„Ich hasse Sport“, sagt Doremi frustriert, als sie am Montagmorgen mit ihren Freundinnen auf dem Weg zur Sporthalle ist. „Ich nicht“, meint Sophie fröhlich, aber ihr Gesicht wird finster. „Obwohl Sport mit unserem Sportlehrer echt eine Strafe ist.“ „Wieso haben wir nicht mehr Frau Seki?“, sagt Doremi verzweifelt. „Sie hat niemandem eine schlechte Note in Sport gegeben. Aber bei Herrn Nure haben wir bald Prüfungen. Und ich wette, er bewertet genau so streng wie vor zwei Monaten im Fußball.“
Bei ihrem Sportlehrer, Herrn Nure, ist es so, dass er ungefähr vier große Themen pro Schuljahr durchnimmt und am Ende jedes Themas gibt es eine Prüfung, die benotet wird. Die Fußballprüfung hatte Doremi schon ziemlich verhauen und auch Emilie hatte Herr Nure nur eine vier gegeben. „Was kann ich denn dafür, dass ich nicht sportlich bin?“, sagt Emilie. „Immerhin habe ich mein bestes gegeben, ich finde es gemein, dass das nie anerkannt wird.“
„Yeah Sport“, hören sie plötzlich eine fröhliche Stimme und bereits im nächsten Moment läuft Tasso strahlend an ihnen vorbei. „Dich hat niemand gefragt“, ruft Doremi, aber er grinst nur und verschwindet in der Turnhalle.

Doremi, Emilie und Sophie betreten die große Turnhalle. Netze für das Badmintonfeld werden bereits vom SOS Trio, Susumu und Tasso aufgebaut, aber das Netz fällt Susumu aus der Hand, über Shiros Kopf und er verfängt sich darin. „Hilfe. Ich bin gefangen. Wo ist das Licht? Ich seh das Licht nicht mehr.“ Rike sitzt am Rand des Feldes und egal, wie sehr Marina versucht sie zu überreden, sie möchte definitiv keinen Finger rühren. Die fünf Regenjungs befinden sich ebenfalls weit weg vom Badmintonfeld und scheinen irgendeinen neuen Auftritt zu proben.
„Ich bin wenigstens froh, dass wir nicht mehr Fußball spielen“, sagt Doremi und setzt sich ebenfalls auf den Boden. Sophie läuft zu dem Badmintonfeld hinüber und hilft, Shiro daraus zu befreien. „Ich finde Badminton eigentlich ganz cool“, sagt Emilie. „Es graust mich nur jetzt schon vor dieser Prüfung. Denkst du, wir müssen gegen Herrn Nure spielen?“ Doremi sieht sie schockiert an. „Hoffentlich nicht, sonst ist meine Sportnote wirklich im Keller.“
Der Lehrer erscheint in der Halle. Aber nicht nur er, sondern auch die Nachbarklasse. Verwirrt sehen alle zu ihnen hinüber. „Wir haben doch jetzt Sport“, murmelt Doremi. Herr Nure bleibt in der Mitte der Halle stehen. „Wir treffen uns im Kreis“, sagt er und alle setzen sich, wie immer am Anfang der Sportstunde, in einem Kreis zusammen. Auch die Nachbarklasse setzt sich. Herr Nure wirft einen Blick über das Feld und lächelt. „Ihr habt ja schon alles aufgebaut. Find ich super, dann geht uns nicht so viel Zeit verloren. Wie ihr sicher bereits gemerkt habt, ist die Nachbarklasse heute auch hier. Ihre Sportlehrerin ist krank und wird es wahrscheinlich auch noch eine ganze Weile sein, deswegen werden wir in dieser Zeit alle zusammen Sportunterricht haben. Eigentlich ist euer Thema ja gerade Leichtathletik, aber für ein paar Wochen werdet ihr sicher mit uns Badminton spielen können, oder?“ Ein Mädchen aus der Nachbarklasse strahlt. „Ich liebe Badminton.“ Emilie hebt den Arm. „Ja?“ „Wie viele Stunden haben wir noch bis zu der Prüfung?“ Herr Nure überlegt. „Ein paar Stunden sicherlich noch, vielleicht zwei Wochen.“ Er wendet sich an die Nachbarklasse. „Ihr werdet die Prüfung übrigens auch mitmachen.“ Schockiert sehen sie ihn an. „Ist alles mit eurer Sportlehrerin abgesprochen, damit sie auch ein paar Noten von euch hat. Keine Sorge, ihr werdet genug Zeit zum üben haben. Also würde ich mal sagen, schnappt euch einen Schläger, sucht euch jemanden, mit dem ihr spielen möchtet und los geht’s.“

Sophie und Emilie haben schon die letzte Stunde zusammen gespielt und eigentlich hat Doremi da noch mit Naomi gespielt, aber die ist heute krank. Sophie grinst, als sie sieht, wer ebenfalls noch keinen Partner hat. „Doremi...“ Da fällt es auch Doremi auf und sie läuft zu ihren Freundinnen aufs Spielfeld. „Nein. Vergesst es. Können wir nicht zu dritt spielen, das merkt Herr Nure sicher nicht...“ Da geht bereits ein Junge aus der Nachbarklasse auf Doremi zu, der aus ihr unerfindlichen Gründen im Gesicht bunt angemalt ist und über beide Ohren grinst. „Hallo lustiges rothaariges Mädchen. Spielen wir zusammen Badminton? Aber ich sag dir gleich, ich hab keine Ahnung davon.“ Schockiert sieht Doremi ihn an. „Tasso“, ruft sie. „Wir spielen zusammen.“ Und sofort läuft sie zu ihm hinüber.

Überall spielen zwei Schüler zusammen Badminton, während Herr Nure herumläuft, alles beobachtet und Tipps gibt. Manche können bereits ziemlich gut spielen, anderen fällt es schwer, den Aufschlag überhaupt ins Feld zu treffen. Doremi ist eine davon. „Kannst du jetzt mal endlich den Ball treffen?“, ruft Tasso genervt. „Ich muss in ein paar Wochen eine wichtige Prüfung bestehen.“ „Denkst du etwa ich nicht?“, ruft Doremi wütend zurück. Ok Doremi Konzentration, du kannst das. Sie schlägt den Ball und er fliegt tatsächlich übers Netz. „Ich habs geschafft“, strahlt sie. Tasso wirkt auch überrascht darüber, läuft los, spielt den Ball zurück. Doremi rennt ebenfalls los, erwischt den Ball und lässt ihn so leicht über das Netz fliegen, dass er knapp dahinter auf dem Boden landet. „Juhu“, ruft sie und springt auf der Stelle umher. „Ich hab einen Punkt gewonnen. Siehst du Tasso, so spielt man Badminton du Amateur.“
Plötzlich bleibt Doremis Blick an jemandem hängen. Tasso dreht sich ebenfalls um und sieht einen Jungen aus der Nachbarklasse, der zum Federball hinaufspringt, ihn über den Kopf seines Gegners spielt, dieser ihn nur mit einem Sprung zurückspielen kann und der Junge, als wäre es gar nichts, den Ball knapp über das Netz fliegen lässt. „Yeah“, ruft der Junge strahlend. „Ich bin der wahre Badmintonchampion.“ Sein Gegner verdreht die Augen. „Hör auf anzugeben Kei.“ Doremi sieht den Badmintonchampion bewundernd an. „Der spielt echt toll.“ Tasso wirft ihm einen finsteren Blick zu. „So toll spielt der gar nicht.“
Sophie spielt auch ziemlich gut Badminton und als sie einen besonders schweren Ball über Emilies Feld in eine Ecke spielt und Emilie versucht, ihn zu erwischen, knickt sie mit dem Fuß um. Sie kann nicht mehr weiter spielen, ihr Fuß tut weh und sie setzt sich an den Rand der Spielfelder. Doremi und Sophie laufen sofort zu ihr. Herr Nure verdreht nur die Augen, tut so, als hätte er nichts gesehen. „Mein Fuß tut weh“, sagt Emilie. „Ich glaub, ich bin umgeknickt.“ „Sollen wir dich zur Krankenschwester bringen?“, fragt Doremi. Emilie schüttelt den Kopf. „Nein, spielt ihr nur, es wird bestimmt gleich besser.“ Doremi geht zu Tasso zurück, Sophie steht ziemlich verloren umher. Sie hat keinen Partner mehr, mit dem sie spielen kann. „Herr Nure“, ruft sie ihrem Sportlehrer zu. „Ich habe keinen Partner mehr.“ Herr Nure sieht sie genervt an, wirft einen Blick über das Badmintonfeld. „Wer von den Schülern aus der Nachbarklasse könnte jetzt eben eine Liste mit allen Namen eurer Schüler für mich anfertigen? Damit ich die für die Prüfung weiß.“ „Ich“, ruft der Junge sofort, der bisher gegen den Badmintonchampion gespielt hat und läuft zum Sportlehrer hinüber. „Gegen den hat man sowieso keine Chance.“ Kei grinst und Herr Nure sieht Sophie an. „Jetzt hast du einen Partner.“ Sophie wirkt nicht gerade begeistert, geht aber zu Kei aufs Spielfeld. „Viel Glück Sophie“, ruft Doremi und Sophie lächelt ihr zu.
Obwohl Sophie wirklich gut Badminton spielen kann, hat sie gegen den Badmintonchampion keine Chance. Er kriegt jeden Ball, es scheint, als würde er über den Platz fliegen. Am Ende hat Sophie gerade mal zwei Punkte gewinnen können. „Tut mir Leid“, grinst Kei ihr zu. „Vielleicht gewinnst du ja nächstes Mal.“

„Ich bin sowas von sauer.“ Wütend zerknüllt Sophie ihre ganzen Glücksbringer, die sie an diesem Nachmittag gebastelt hat und Doremi und Emilie sehen sie ängstlich an. „Was denkt sich dieser eingebildete Idiot überhaupt? Vielleicht gewinnst du ja nächstes Mal. Dem würd ich am liebsten den Ball so um die Ohren hauen, dass er sich zu einem nächsten Mal gar nicht trauen würde...“ „Ganz ruhig Sophie“, murmelt Doremi. „Es war ja nur ein unbedeutendes Spiel.“ „Ich seh schon, dass ich bei der Prüfung auch gegen ihn spielen muss... Ich werde ihn fertig machen, darauf könnt ihr euch verlassen. Doremi.“ Sie sieht ihre Freundin entschlossen an. „Du wirst mit mir trainieren.“ Schockiert sieht Doremi sie an. „Was? Wieso ich?“ „Wer sonst? Emilie kann nicht mit mir trainieren, ihr Fuß tut noch weh. Und ich möchte nicht, dass sie wieder umknickt.“ „Aber...“ Plötzlich strahlt Doremi. „Ich hab eine Idee.“

Doremi hat sich die Badmintonschläger ihrer kleinen Schwester ausgeliehen und steht nun mit Sophie im Garten des Magic Shops. Emilie, Mahorka und Lala sitzen am Tisch und trinken Milchshakes. „Ich bin neidisch“, murmelt Doremi. „Können wir nicht mal alle zusammen ein Fest feiern?“ „Wir haben doch erst ein Fest gefeiert“, sagt Sophie. „Als wir den Test zum achten Grad bestanden hatten.“ „Ja, aber das ist schon ewig her. Außerdem gab es da keine Steaks.“ „Du hast kein Fest verdient“, sagt Mahorka entschieden. „Du bist gemein“,antwortet Doremi. „Immerhin haben wir schon den neunten und achten Grad bestanden.“ „Wäre ja auch noch peinlicher, wenn ihr durchgefallen wärt.“ „Wie war das?“ „Doremi“, versucht Sophie den Streit zu beenden. „Du hattest doch eine Idee.“ „Ach ja.“
Doremi verwandelt sich und lässt ihren Zauberstab erscheinen. „Für was willst du denn jetzt schon wieder deine Magical Balls verschwenden?“, fragt Mahorka. „Ich werde sie nicht verschwenden. Du wirst sehen, was für eine tolle Hexenschülerin ich geworden bin.“ Mahorka wirkt nicht gerade überzeugt. „Da bin ich ja gespannt.“ „Perekala Papurena Pekelatu Pepelato, verwandle Sophie in einen begabten Badmintonstar.“ Ein helles Licht erscheint und bereits im nächsten Moment sieht Sophie komplett anders aus. Sie trägt coole Sportklamotten, eine Käppi auf dem Kopf und in der Hand hat sie einen goldenen Badmintonschläger. „Wie cool“, strahlt Sophie und schlägt mit dem Schläger ein paar unsichtbare Bälle. „Egal wer gegen mich antreten will, ich mach sie alle fertig. Du bist echt klasse Doremi.“ Doremi lächelt verlegen. „Ach was...“
Mahorka grinst, Doremi sieht sie finster an. „Was hast du denn schon wieder zu grinsen?“ Mahorka antwortet nicht, schnippst mit dem Finger und ein Federball fliegt auf Sophie zu. Sie springt zu ihm hin, schlägt ihn zurück, da fliegt er erneut auf sie zu. Sophie schlägt daneben, neue Bälle rasen auf sie zu, aber kaum welche kann sie erwischen. Verwirrt sieht Doremi Sophie an, dreht sich mit finsterem Blick zu Mahorka um. „Du zauberst doch irgendwas, damit Sophie nicht perfekt spielen kann.“ Mahorka lacht. „Ganz sicher nicht. Dein Zauber hat einfach nicht so funktioniert wie du gehofft hast.“ Lala lächelt Doremi zu. „Ihr könnt mit der Zauberei euer äußeres verändern aber niemals euer inneres.“ Frustriert lassen Doremi und Sophie die Köpfe hängen. „Du wirst es trotzdem schaffen Sophie“, sagt jedoch Emilie zuversichtlich. „Du darfst nur nicht aufgeben. Du bist eine super Badmintonspielerin und eine klasse Sportlerin und ich kenne niemanden, der so entschlossen ist und so viel Kampfgeist hat, wenn er etwas erreichen will wie du.“ Sophie lächelt. „Danke. Danke Emilie, wirklich, wenn ich euch beide nicht hätte...“ Sie sieht Doremi entschlossen an. „Schlag auf Doremi. Aber ich sage dir, ich werde es dir nicht leicht machen.“

Die nächsten Tage haben die Mädchen einen vollen Terminkalender. Unterricht, Badminton üben und nebenbei müssen sie sich auch noch um den Magic Shop kümmern. Mahorka ist am Rande der Verzweiflung, da Doremi und Sophie jeden Nachmittag Badminton üben. „Dieses Spiel macht mich wahnsinnig“, sagt sie. „Ihr solltet euch lieber um den Magic Shop kümmern, immerhin brauch ich Geld, um euch Magical Balls zu kaufen.“ „Emilie kümmert sich doch um den Shop“, ruft Doremi und versucht einen schwierigen Ball von Sophie zu erwischen, aber er fliegt an ihr vorbei. Sophie grinst. „Du bist besser geworden Doremi.“ Doremi strahlt. „Findest du?“ „Na klar. Herr Nure muss verrückt sein, wenn er dir in der Prüfung keine gute Note gibt.“ „Das ist er sowieso...“

In der nächsten Sportstunde spielt Sophie nicht gegen den Badmintonchampion, aber sie beobachtet ihn fast jede Sekunde. Er spielt gegen einen anderen Jungen aus seiner Klasse, weil der von letzter Woche nicht mehr gegen ihn spielen will, aber auch dieser Junge hat kaum eine Chance.

„Der ist bestimmt in irgendeinem Verein oder so“, sagt Doremi, als sie in der Pause über den Schulhof gehen. „Sonst könnte er niemals so gut Badminton spielen. Ich finde es unfair, dass er dann überhaupt bewertet wird, es kann doch keiner so gut sein wie er.“ „Vielleicht weiß Herr Nure ja gar nicht, dass er im Verein spielt“, meint Emilie schulterzuckend und Doremi strahlt. „Das ist es. Wir müssen beweisen, dass er auch in seiner Freizeit Badminton spielt und dass es dann absolut unfair wäre, wenn er bewertet werden würde. Und dann erzählen wir alles dem Direktor.“ „Glaubst du wirklich, das interessiert den?“, fragt Sophie skeptisch. „Egal, wir müssen es wenigstens versuchen. Immerhin geht es hier um Gerechtigkeit.“ „Am besten gehen wir in seine Klasse und fragen jemanden, der mit ihm befreundet ist, ob er wirklich Nachmittags Badminton spielt“, schlägt Emilie vor. „Und dann gehen wir zum Direktor. Und du musst definitiv bei der Prüfung nicht gegen ihn spielen Sophie.“ Sophie wirkt unsicher. „Jetzt hab ich so viel trainiert, nur um ihn zu besiegen...“ „Es wäre doch nie und nimmer fair gewesen, wenn er vielleicht schon seit Jahren spielt“, sagt Doremi. „Wir werden aufdecken, dass der wahre Badmintonchampion ein wahrer Betrüger ist.“

Doremi, Emilie und Sophie betreten den Klassenraum der Nachbarklasse und sofort drehen sich alle zu ihnen um. Die Pause ist gerade zu Ende und Kei scheint zum Glück noch nicht da zu sein. „Ihr seid doch aus der Klasse, die mit uns Sport hat“, sagt ein Mädchen und der Junge mit der Kriegsbemalung grinst Doremi zu. „Du bist doch das lustige Mädchen mit der coolen Frisur.“ Oh nein, dieser Irre. Doremi beachtet ihn nicht, sieht über die anderen hinweg. „Ist jemand von euch zufällig mit diesem Kei befreundet oder kennt ihn ganz gut?“ Alle drehen sich zu einem Jungen um, der auf einem Platz in der ersten Reihe sitzt. Doremi, Emilie und Sophie gehen zu ihm hinüber. „Wir müssen wissen, ob Kei ein Betrüger ist“, sagt Doremi und der Junge sieht sie verwirrt an. „Wieso?“ „Er spielt auch in seiner Freizeit Badminton“, sagt Doremi. „Und es ist unfair, dass er dann überhaupt benotet wird. Er kriegt sowieso eine eins und alle, die gegen ihn spielen, sehen dann schlecht aus. Gegen ihn hat keiner eine Chance und das ist nicht fair.“ Der Junge wirkt total verwirrt. „Kei spielt in seiner Freizeit kein Badminton. Aber Sport war schon immer sein Lieblingsfach, egal was wir in Sport machen, in allem ist er unschlagbar. Dafür hat er in allen anderen Fächern Probleme. Der Unterricht interessiert ihn nicht, es ist ihm egal, dass er nur schlechte Noten hat und auch, dass er schon oft Nachsitzen musste und Strafarbeiten gekriegt hat. Aber in Sport war er schon immer gut, auch im Badminton, er scheint irgendwie ein Talent dafür zu haben.“ Frustriert sieht Doremi Sophie an. „Na super. Dann kann er ja doch bei der Prüfung mitmachen.“ Sophie sieht sie entschlossen an. „Und ich werde mein bestes geben, um ihn zu besiegen.“

Bald ist der Tag der Prüfung da und Doremi, Emilie und Sophie machen sich gemeinsam mit ihrer Klasse und der Nachbarklasse auf den Weg zur Turnhalle. Sophie wirft einen Blick zu Kei hinüber, der sich mit dem Jungen unterhält, der ihnen von ihm erzählt hat. „Auch wenn ich untergehe, ich werde nicht kampflos untergehen“, sagt Sophie. Doremi klopft ihr auf die Schulter. „Keine Sorge Sophie, du hast so viel geübt in letzter Zeit, Herr Nure wird dir eine eins geben und dieser Typ aus der Nachbarklasse wird einsehen, dass du eigentlich der wahre Badmintonchampion bist.“ „Wundert mich, dass er nicht von der Schule geflogen ist“, hören sie plötzlich eine Stimme und drehen sich um. Tasso unterhält sich mit dem SOS Trio. „Ich hab gehört, er muss nachsitzen“, antwortet Sammy. „Er hat wohl eine Menge Ärger gekriegt und ganz viele Strafaufgaben.“ „Wer?“, fragt Doremi neugierig. „Dieser Kei“, murmelt Tasso und wirft einen Blick über die Schulter, ob er auch nicht in der Nähe ist. „Hat wohl Kinder aus der anderen Klasse geärgert. Hat sie mit einem Feuerzeug bedroht und gesagt, er würde ihnen die Finger abfackeln.“ Entsetzt sieht Doremi ihn an. „Niemals, das glaub ich nicht.“ „Es ist die Wahrheit. Jemand, den ich kenne hat es mir erzählt und dem hat es jemand erzählt, der wohl dabei gewesen ist.“ Doremi, Emilie und Sophie sehen zu Kei hinüber. Er redet mit dem Freund aus seiner Klasse, besser gesagt der Freund redet. Kei wirkt eher gelangweilt und uninteressiert, sieht niemanden an... „Ich hab Angst“, murmelt Emilie. „Du brauchst keine Angst zu haben“, sagt Sophie. „Wenn er wirklich so schlimm wäre, würden die Lehrer ihn gar nicht mehr hier lassen. Die meckern doch schon, wenn sie jemanden erwischen, der Hausaufgaben abschreibt.“

Alle Schüler betreten die Turnhalle, außer seinem Freund machen alle einen großen Bogen um Kei. Aber auch schon die letzten Sportstunden hat kaum jemand mit ihm geredet. Ein aufgetakeltes Mädchen, die die Nase so weit oben trägt, dass Doremi sich wundert, wie sie es schafft, nicht zu stolpern, meinte „Kei ist so eingebildet, er ist einfach unausstehlich“ und Doremi denkt nur Die muss es ja wissen.
Die Schüler aus Frau Sekis Klasse und der Nachbarklasse setzen sich zu Herrn Nure in einem Kreis zusammen, wie immer bei Beginn einer Sportstunde. „Heute ist die große Prüfung“, sagt Herr Nure und ein Mädchen aus der Nachbarklasse wirkt so nervös, dass Doremi befürchtet, sie verliert gleich das Bewusstsein. „Ihr braucht euch aber keine Sorgen zu machen“, sagt Herr Nure. „Zumindest die aus der Nachbarklasse nicht. Für euch wird diese Note sicher nicht besonders wichtig sein.“ Das nervöse Mädchen strahlt. „Aber meine Klasse weiß, wie wichtig diese Prüfung ist, besonders da es bei mir nur vier Prüfungen in einem Schuljahr gibt.“ Ich hab Angst. Ich will diese Prüfung nicht machen. Ich bin krank. Genau, was hab ich? Badminton Phobie. Gibts das überhaupt? „Ich habe mir überlegt, wir losen einfach, wer gegen wen spielen muss“, sagt Herr Nure. „Obwohl das sowieso egal ist, ich bewerte eure Leistung und nicht, ob ihr den Gegner schlagen könnt. Ihr werdet jetzt einen von den Zetteln ziehen, die ich mitgebracht habe. Auf diesen Zetteln stehen Nummern und jede Nummer gibt es zweimal. Die, die die gleiche Nummer haben, spielen zusammen.“ Doremi lächelt Emilie zu. Hoffentlich kann ich mit ihr zusammen spielen. Sophie möchte doch sicher am liebsten gegen den Badmintonchampion spielen. Jeder zieht einen Zettel, Doremi hat die Nummer 13 gezogen. „Welche Nummer hast du?“, fragt sie Emilie und sieht auf ihren Zettel. 21.
Alle laufen herum und suchen ihre Partner. Doremi spielt gegen das aufgetakelte Mädchen und sie ärgert sich darüber, dass sie immer den falschen Zettel zieht. „Ich hoffe, du kannst gut Badminton spielen“, meint das Mädchen und wirft ihre langen Haare zurück. „Ich möchte nämlich echt nicht gegen so eine Niete spielen, wo dann der Sportlehrer überhaupt nicht mein Talent erkennen kann.“ Bitte hör einfach auf zu reden. Emilie hat totales Losglück gehabt und spielt mit Marina. Die Regenjungs wurden komplett auseinander gerissen, sind deswegen total beleidigt und spielen absichtlich schlecht. Und Sophie... für sie schlägt jetzt ihre große Stunde. Sie gegen den Badmintonchampion.


Herr Nure läuft von einem Spielfeld zum nächsten, beobachtet eine Weile, wie die Schüler spielen, macht sich Notizen und bespricht dann kurz mit ihnen die Noten. Doremi ist dank ihres Trainings mit Sophie zu einer ganz guten Badmintonspielerin geworden und ihre Gegnerin, die noch große Töne gespuckt hat, läuft nicht wirklich viel über den Platz, aus Angst, ihre Frisur könnte ruiniert werden. „Du bist wirklich gut geworden Doremi“, sagt Herr Nure. „Du kämpfst um jeden Ball, das finde ich toll und du hast sogar mit Taktik gespielt. Ich gebe dir eine zwei minus.“ „Im Ernst?“, fragt Doremi überrascht. „Vielen Dank.“
Emilie und Marina spielen beide ungefähr gleich gut und Herr Nure gibt ihnen eine drei. Auch Riekes Badminton ist in den letzten Wochen viel besser geworden und sie schafft zu ihrer absoluten Überraschung ebenfalls eine drei. Sophie trifft nun viel mehr Bälle gegen den Badmintonchampion als noch vor zwei Wochen... trotzdem gewinnt sie kaum einen Punkt. Sophie rennt über das ganze Feld, kämpft um jeden Ball, aber er spielt immer die perfekten Punkte. Sophie gibt nicht auf, obwohl sie erst vier Punkte gewinnen konnte und er siebzehn... sie versucht alles, um ihn irgendwie ausspielen zu können, aber er scheint über das Feld zu fliegen und hat auf jeden Ball von Sophie die noch bessere Antwort. Herr Nure beobachtet ihr Spiel und Sophie hofft, dass ihr Badminton neben dem Champion nicht zu schlecht aussieht. „Du schaffst es Sophie“, ruft Doremi ihr zu. Sophie kann tatsächlich noch einen Punkt gewinnen, der Champion hat einen Ball knapp ins aus gespielt. Er schüttelt den Kopf, als hätte dieser Fehler seine absolute Niederlage bedeutet. Aber die nächsten Punkte gewinnt alle er. Egal wie sehr Sophie auch kämpft, egal wie sehr sie für ihre Note einen guten Eindruck machen will, sie hat keine Chance.
„Ok“, sagt Herr Nure. „Bitte kurz zu mir zur Besprechung.“ Er wird eine eins kriegen, denkt Sophie. Da ist sie sich ganz sicher. Doremi sieht neugierig zu ihnen hinüber. „Wenn ich nur was verstehen würde“, murmelt sie. „Sophie, du spielst echt toll“, sagt Herr Nure und Sophie sieht ihn überrascht an. „Du hast so viel dazugelernt in den letzten Wochen, ich bin echt beeindruckt. Klar, hier und da waren die Schläge noch nicht ganz perfekt, aber ich gebe dir eine eins minus.“ Sophie strahlt. „Echt? Vielen Dank.“ „Kei, du bist zweifellos der beste Spieler hier von allen, aber ich habe auch von dem gehört, was heute passiert ist. So ein Benehmen finde ich wirklich absolut unmöglich und nicht zu tolerieren.“ Kei sieht zu Boden. „Und deswegen kann ich nicht anders, als dir eine fünf zu geben.“ Schockiert sieht Sophie ihn an. „Das können Sie nicht machen.“ „Das kann ich sehr wohl. Ich bin der Lehrer.“ Sophie springt auf. „Sein Verhalten da draußen und seine Leistungen im Sport sind ja wohl zwei verschiedene paar Schuhe. Er ist der beste Badmintonspieler den ich kenne und obwohl ich die ganze Woche wie eine Verrückte trainiert habe, konnte ich ihn nicht besiegen. Ich hatte keine Chance, nicht den Hauch einer Chance.“ Alle sehen Sophie sprachlos an, auch Kei. „Wenn sie ein fairer Lehrer wären, dann würden Sie ihm die Note geben, die er verdient hat, nämlich eine eins. Und da Sie mir eine eins minus gegeben haben, müssten Sie ihm eigentlich eine eins plus geben... denn er spielt Milliarden Klassen besser als ich.“
Alle Schüler in der Halle beginnen zu klatschen und brechen in Jubelrufe aus. Doremi geht zu Emilie hinüber und grinst. „Das ist doch typisch Sophie. Sie hat zwar die ganzen letzten Wochen trainiert, um den Champion zu besiegen, aber sie kann auch anerkennen, wenn jemand einfach besser spielt als sie.“ Emilie nickt. „Und sie kann Ungerechtigkeit überhaupt nicht ausstehen. Eben typisch unsere Sophie.“

„Ich hab immer noch Angst vor ihm“, murmelt Doremi, als sie am Ende der Sportstunde der Nachbarklasse nachsehen, die alle in verschiedene Richtungen verschwinden. Kei hat kein Wort zu Sophie gesagt und sie weiß nicht, ob Herr Nure seine Note noch geändert hat... trotzdem bereut sie nichts von dem, was sie gesagt hat. „Tut mir übrigens Leid, dass du ihn nicht besiegen konntest“, murmelt Doremi. „Er hat einfach besser gespielt als ich“, antwortet Sophie. „Aber wer weiß, vielleicht spielen wir ja eines Tages erneut gegeneinander.“ Sie lächelt. „Und vielleicht kann ich dich dann besiegen, Badmintonchampion.“
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