Doremis Abenteuer

GeschichteFreundschaft / P12
30.07.2015
11.09.2019
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26. Der Versager

„Der Prinz muss verschwinden“, sagt Doremi entschlossen, als sie am nächsten Morgen mit Emilie und Sophie bei Frau Seki im Unterricht sitzt. „Das schaffen wir niemals“, meint Sophie. „Freiwillig wird der Prinz sicher niemals verschwinden. Und allein seine ganzen Diener sind viel mächtiger als wir. Er würde uns umbringen, wir hätten keine Chance.“ „Aber wir können die ganzen Leute in der Hexenwelt doch nicht leiden lassen“, sagt Doremi. Emilie nickt. „Natürlich nicht. Aber wenn wir sterben, haben die anderen aus der Hexenwelt davon auch nichts. Wenn wir nur schon den ersten Grad geschafft hätten... dann wären wir stärker und könnten ihn vielleicht verjagen.“ „Niemals“, sagt Sophie hoffnungslos. „Höchstens, wenn alle aus der Hexenwelt uns helfen würden... Wenn wir ihn alle zusammen angreifen, vielleicht hätten wir dann ja eine Chance...“ Nun wirkt auch Doremi hoffnungslos. „Wenn nicht nur alle so viel Angst vor ihm hätten...“

„Wieso gibt Frau Seki uns eigentlich immer so viele Hausaufgaben auf?“, meckert Sophie, als sie in der Pause mit ihren Freundinnen über den Flur geht. „Ich glaube, sie hasst uns“, sagt Doremi verzweifelt. „Weiß sie eigentlich gar nicht, dass wir uns auch um unseren Magic Shop kümmern müssen? Und für den siebten Grad müssen wir auch üben...“ „Erinner mich bloß nicht daran“, meint Emilie. „Ich bin froh, dass wir den achten Grad überstanden haben.“
„Hey du, du läufst ja noch“, hören sie plötzlich eine Stimme und sehen auf. Ein großer Junge schubst gerade einen kleineren zu Boden. Seine ganzen Bücher verteilen sich auf dem Flur. Der große Junge und seine Freunde lachen sich fast tot. „Du solltest aufpassen, wo du hintrittst, Jesper“, meint er uns geht davon. Jesper versucht seine ganzen Sachen einzusammeln, viele Schüler gehen grinsend und kopfschüttelnd an ihm vorbei.
Doremi läuft sofort los, Emilie und Sophie ebenfalls und sie helfen dem Jungen, seine Bücher aufzuheben. Überrascht sieht der Junge auf. „Vielen Dank“, murmelt er. „Kein Problem“, antwortet Doremi lächelnd und reicht ihm sein Buch. „Diesem Idioten würd ich wirklich gern die Meinung sagen“, meint Sophie mit finsterem Blick und Emilie klopft ihr beruhigend auf die Schulter. „Er wäre es doch überhaupt nicht Wert.“
„Wieso ärgert dieser Junge dich?“, fragt Doremi, während sie mit Jesper über den Flur gehen. Jesper zuckt mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Er hat mich schon immer geärgert. Schon seit Anfang des Schuljahres. Ich hab ihm überhaupt nichts getan. Aber aus irgendeinem Grund kann er mich nicht leiden.“ „So darf er dich auf keinen Fall behandeln“, sagt Doremi entschieden. „Sollen wir mal mit dem reden?“ „Genau“, stimmt Sophie ihr zu. „Wir würden ihn fertig machen.“ Mit Zauberei könnten wir ihm sicher irgendwie beibringen, dass er sich gefälligst zu benehmen hat. Aber Jesper schüttelt den Kopf. „Es ist wirklich nett von euch, dass ihr mir helfen wollt, aber wenn ich irgendjemand anderen schicke, wird er nur noch wütender... Außerdem ist es mein Problem, ich werd das alleine lösen. Irgendwie.“ „Hey, du könntest doch mal in unserem Magic Shop vorbeischauen“, schlägt Doremi vor. Verwirrt sieht Jesper sie an. „Magic Shop?“ „Ja, wir verkaufen Zauberartikel, die Wünsche erfüllen können. Vielleicht wäre ja einer für dich dabei.“ Jesper strahlt. „Das wäre super. Ich werd gleich nach der Schule vorbeischauen.“

„Glaubt ihr, Jesper taucht wirklich auf?“, fragt Sophie, als sie am Nachmittag mit ihren Freundinnen im Magic Shop sitzt und sie neue Glücksbringer basteln. „Ich hoffe es“, meint Emilie besorgt. „Er tut mir so Leid.“ „Diesem Jungen könnte ich...“, sagt Sophie sauer und zerknüllt ihre Knete. Sie hasst es, wenn jemand ungerecht behandelt wird. „Und wenn wir doch zaubern?“, schlägt Doremi vor. „Damit er von der Schule verschwindet?“ „Aber du hast doch Jesper gehört“, sagt Emilie. „Er möchte das allein regeln...“
„Hallo.“ Sie sehen zur Eingangstür hinunter. Jesper steht im Laden und lächelt zu ihnen hinauf. „Hey“, freuen sich die Mädchen und laufen zu ihm. „Ist ja toll, dass du da bist“, sagt Sophie. „Sieh dich nur um, du kannst jeden Glücksbringer haben, den du möchtest.“ „Und die funktionieren wirklich?“ „Na klar“, sagt Doremi. „Egal, welchen Herzenswunsch du hast, er wird ihn dir erfüllen.“ Jesper geht im Raum umher, als sein Blick an einem Glücksbringer hängen bleibt. Eine Feder, die in zwei Hälften geteilt wurde. Eigentlich ein Freundschaftsarmband. Aber er scheint es toll zu finden. „Das Armband ist total schön“, sagt er. „Die Federn sind echt toll. Habt ihr das etwa gebastelt?“ Emilie strahlt. „Ich hab das gebastelt“, ruft Doremi, aber Sophie packt sie finster am Ärmel. „Erzähl nicht so nen Mist. Emilie hat das gebastelt.“ Nun aber wirft Jesper einen schockierten Blick auf das Preisschild. „Das Armband ist ja total teuer.“ Eigentlich ist es gar nicht besonders teuer, aber Jesper scheint nicht viel Geld zu haben. „Du kriegst einen Rabatt“, sagt Doremi und sie sieht Mahorkas finsteren Blick, die sich neben einer Blumenvase versteckt hat. Aber sie beachtet sie überhaupt nicht. Doremi nennt ihm einen neuen Preis, aber der Junge wirkt weiterhin nicht glücklich. „Ich habe kaum Geld. Ich hab in den letzten Tagen alles für Süßigkeiten ausgegeben. Aber nächste Woche krieg ich neues Taschengeld, könnt ihr den Glücksbringer für mich zur Seite legen? Dann kauf ich ihn nächste Woche.“ „Natürlich.“
Plötzlich bemerken sie jemanden in der Tür. Ein Junge, der neugierig zu ihnen hinüber sieht. Der Junge, der Jesper heute geärgert hatte. Ängstlich sieht Jesper ihn an. „Was suchst du denn hier Luke?“ Luke grinst, zuckt mit den Schultern. „Wollte nur sehen, ob du irgendeinen süßen Anhänger für deine Mami kaufst...“ „Sei bloß still“, ruft Doremi, Jesper sieht ihn finster an und verlässt das Geschäft. „Was ist eigentlich dein Problem?“, fragt Sophie. „Wieso bist du so gemein zu Jesper?“ „Das geht euch ja wohl gar nichts an.“ Luke schlendert im Geschäft umher, sein Blick bleibt ebenfalls an dem Glücksbringer mit den Flügeln hängen. „Der ist cool, den kaufe ich“, sagt er und nimmt den Anhänger. „Das geht nicht“, sagt Doremi sofort. „Er ist nicht zu verkaufen.“ Luke zieht etwas Geld aus seiner Tasche und legt es auf den Tisch. „Das ist doch ein Geschäft hier und ich habe Geld und ich bezahle, also kann ich den Glücksbringer ja sehr wohl kaufen.“ „Du willst ja nur Jesper verletzen“, sagt Sophie wütend. „Wie gesagt, es geht euch nichts an. Bis dann.“ Und ohne ein weiteres Wort verlässt er das Geschäft.

„Wir haben Jesper enttäuscht“, sagt Doremi. Sie sitzen am Tisch, aber keiner denkt mehr daran, irgendwelche Glücksbringer zu basteln. „Da hat gerade sein größter Feind den Glücksbringer gekauft, den er eigentlich haben wollte. Und wir haben ihn nicht aufhalten können.“ „Immerhin habt ihr gutes Geld verdienen können“, sagt Mahorka glücklich und zählt ihre Scheine. „Was sagen wir denn jetzt Jesper, wenn er nächste Woche nach dem Glücksbringer fragt?“, sagt Emilie zu ihren Freundinnen. „Auf keinen Fall die Wahrheit“, antwortet Sophie. „Wir sagen, er ist kaputt gegangen, verloren, irgendwas... Aber wir können ihm auf keinen Fall sagen, dass wir seinen Glücksbringer gerade an Luke verkauft haben. Hoffen wir nur, dass Luke es ihm nicht sagen wird.“

„Na du Kröte, lernst du mal wieder?“, hören sie am nächsten Morgen eine bekannte Stimme und sehen, wie Luke Jespers Buch, in dem er gerade gelesen hat, auf den Boden wirft. „Ups, du solltest besser auf deine Bücher aufpassen, du Versager.“ Sofort hebt Jesper sein Buch auf, Luke verschwindet lachend davon. „Ich kann ihn echt überhaupt nicht leiden“, sagt Sophie, sie gehen zu Jesper hinüber. „Alles ok?“, fragt Emilie. Jesper nickt. „Ja, alles ok.“ „Wieso kann er dich nicht einfach in Ruhe lassen?“ Jesper zuckt mit den Schultern. „Irgendwie hat er ja Recht. Ich bin ein Versager.“ „Nein, bist du nicht“, sagt Sophie sofort. „Hör gar nicht auf diesen Idioten, er ist der einzige, der ein Versager ist.“ „Aber ich bin in nichts gut, außer im Lernen. Und das nur, weil mich vieles interessiert und ich gern lerne. Aber sonst bin ich ein absoluter Versager. Ich bin nicht gut im Sport, so wie Luke, der total gut in Basketball ist, mit Leute reden kann ich auch nicht gut, weil ich viel zu schüchtern bin, was bringt es mir, dass ich gut lernen kann? Alle lachen sie mich nur aus, keiner interessiert sich für mich.“ „Aber gut in der Schule zu sein ist auch eine Stärke, glaub mir“, sagt Doremi. „Ich wünschte, ich wär auch gut in der Schule...“ Jesper schüttelt traurig den Kopf. „Mir bringt es jedenfalls gar nichts“, murmelt er und verschwindet über den Flur.

„Irgendwie müssen wir ihm klar machen, dass er kein Versager ist“, sagt Doremi entschlossen, als sie bei Frau Seki im Unterricht sitzen. Shiro aus dem SOS Trio wirft sie bereits die ganze Zeit mit Papierkugeln ab und sie versucht es eisern zu ignorieren. „Und wie?“, fragt Sophie. „Er hört ja nicht auf uns. Und seinen Glücksbringer kann er jetzt auch vergessen.“ Nachdenklich sieht Emilie auf den Tisch. „Würd echt gerne wissen, wieso dieser Luke ihn so ärgert...“ Plötzlich sieht Sophie sie strahlend an. „Das ist es. Das müssen wir herausfinden. Vielleicht können wir ja irgendwie helfen. Irgendwie müssen wir es einfach schaffen, dass Luke Jesper in Ruhe lässt.“ „Ich befürchte, in seinem Kopf ist nichts außer Luft“, sagt Doremi, hebt mit finsterem Blick die Papierkugel auf, mit der Shiro sie erneut abgeworfen hat. „Den mach ich fertig.“ Sie entfaltet den Zettel, macht etwas Kleber auf die eine Seite, geht zu Shiro hinüber und klebt ihm den Zettel auf die Stirn. „So, jetzt siehst du ausnahmsweise mal gut aus.“ Alle müssen lachen, auch Tasso. „Die hats dir aber gezeigt, Shiro.“

Nach dem Unterricht warten Doremi, Emilie und Sophie auf dem Schulhof auf Luke. „Ich finde die Idee echt bescheuert“, sagt Sophie. „Dieser Typ ist total gemein zu Jesper, er hat sogar seinen Glücksbringer gekauft, nur um ihn zu ärgern und wir sollen ihm jetzt helfen?“ „Wir sind doch die Guten Sophie. Die jedem helfen, egal wie wenig er es auch verdient hat“, sagt Doremi. Emilie nickt zustimmend und lächelt Sophie zu. „In Wahrheit würdest du doch sicher auch gerne wissen, was mit Luke los ist, gib es zu.“ Sophie schüttelt eisern den Kopf. „Niemals.“
Die drei Freundinnen warten und warten, Schüler gehen an ihnen vorbei, aber niemand von ihnen ist Luke. „Vielleicht hatte er eher aus“, murmelt Emilie. Sophie stampft wütend mit dem Fuß auf den Boden. „So finden wir doch niemals heraus, was genau dieser Luke für ein Problem hat.“ „Ich habs“, sagt plötzlich Doremi und strahlt. Sophie verdreht die Augen. „Ich ahne nichts gutes.“ Aber Emilie sieht sie neugierig an. „Welche Idee hast du?“ Doremis Grinsen wird noch breiter. „Zauberei.“

Kurze Zeit später stehen die drei Hexen auf dem verlassenen Lehrerparkplatz in einem Kreis zusammen. „Wehe, das funktioniert nicht“, murmelt Sophie. „Für diesen Typen möchte ich ja nur ungern Magical Balls verschwenden.“ „Ach was, glaub einfach an die Macht des Zauberkreisels“, sagt Doremi zuversichtlich und jede der Mädchen sagt ihren Zauberspruch. „Zauberkreisel hilf uns. Sag uns, wieso Luke so gemein zu Jesper ist.“ Ein helles Licht erscheint, etwas fällt auf den Boden. Ein Blatt Papier. Neugierig hebt Emilie es auf und Doremi und Sophie sehen über ihre Schulter. Ein Stadtplan. Auf diesem Plan ist ein Weg eingezeichnet. „Ich wette, wir sollen diesem Weg folgen“, sagt Doremi. Sophie grinst. „Blitzmerker.“

Sie laufen durch die Stadt, bis sie irgendwann das Haus erreicht haben, zu dem der Plan sie bringen wollte. „Und was sollen wir jetzt hier?“, fragt Doremi verwirrt, wirft einen neuen Blick auf die Karte. „Vielleicht wohnt hier ja jemand, der uns helfen kann“, meint Emilie nachdenklich. „Der uns irgendwas über Luke erzählen kann.“ Nachdenklich gehen sie um das Haus herum, als Doremi in einem der Fenster jemanden zu erkennen scheint. „Ist das nicht Luke?“, sagt sie und ihre Freundinnen folgen ihrem Blick. „Tatsächlich, das ist er“, sagt Sophie.
Sie sehen Luke an einem Bett sitzen, eine Frau liegt darin und sieht ziemlich schwach aus. Unauffällig gehen sie näher an das Fenster heran. „Keine Sorge“, hören sie Luke sagen, da das Fenster einen Spalt geöffnet ist. „Du wirst wieder gesund. Das weiß ich. Das hat der Arzt auch gesagt.“ Die Frau lächelt ihm zu. „Es reicht mir ja schon, dass du dich so gut um mich kümmerst Luke. Du bist die beste Medizin von allen.“ Überrascht sieht Sophie Doremi und Emilie an. „So kennt man ihn ja überhaupt nicht.“ Ein Mann erscheint im Raum, legt eine Hand auf Lukes Schulter. „Wie war es in der Schule mein Sohn?“, fragt er. Luke sieht unglücklich aus. „Furchtbar wie immer. Ich versteh einfach kein Wort von dem, was die Lehrer da erzählen. Ich kann mich auch überhaupt nicht konzentrieren, ich muss immer an Mutter denken.“ Sein Vater lächelt ihm zu. „Es würde sie sicher sehr freuen, wenn du in der Schule gut zurecht kommst.“ Seine Mutter nickt. „Das würde es wirklich.“ „Ist doch egal“, meint Luke. „Das wichtigste ist jetzt, dass es dir bald wieder besser geht und du gesund wirst.“ Sein Vater wirft einen Blick auf seine Armbanduhr. „Du hast gleich Basketballtraining Luke.“ „Ach ja.“ Luke springt auf, lächelt seiner Mutter zu. „Wir sehen uns später.“ „Bis später. Und wirf ganz viele Körbe.“ Er muss lachen. „Ich werde es versuchen.“ Da ist Luke bereits aus dem Zimmer hinaus verschwunden.
Nachdenklich sehen Doremi, Emilie und Sophie einander an. „Hätte ja nicht gedacht, dass er sich so um seine Mutter kümmert...“, murmelt Emilie. „Können wir ihr nicht irgendwie helfen? Sie gesund zaubern?“ „Du weißt, dass das verboten ist“, antwortet Doremi. „Wer soll uns bestrafen?“, meint Sophie. „Der Prinz sicher nicht, ich wette, dem ist es egal, was für Zauber wir anwenden.“ „Aber Mota und Mota Mota sicher nicht“, sagt Doremi.
Sie gehen zurück zur Straße, folgen ganz in Gedanken dem Weg. „Sollten wir Jesper davon erzählen?“, meint Sophie. „Von Lukes Mutter?“ Aber Doremi schüttelt den Kopf. „Nein, das wäre unfair. Luke möchte sicher nicht, dass irgendjemand davon erfährt. Aber ich hätte eine andere Idee. Luke scheint ja nicht gerade gut in der Schule zu sein. Dafür wissen wir, dass Jesper ziemlich gute Noten hat. Vielleicht könnte er Luke ja helfen. Und vielleicht würden die beiden ja sogar Freunde werden.“ Sophie schüttelt grinsend den Kopf. „Die und Freunde? Nie im Leben.“

„Was?“ Schockiert sieht Jesper Doremi, Emilie und Sophie an. „Ich soll Luke Nachhilfeunterricht geben? Da wird er doch niemals zustimmen.“ „Wir wissen, es ist viel verlangt“, sagt Sophie, „aber in Wirklichkeit ist er gar nicht so schlimm wie man denkt. Er hat auch ganz andere Seiten und wir denken, dass er nur einen richtigen Freund braucht, der für ihn da ist und ihn versteht.“ „Aber... Ich denke nicht, dass ich der richtige wäre, um sein Freund zu sein.“ „Er braucht Hilfe in der Schule“, erklärt Sophie. „Er versteht nichts, wenn die Lehrer ihm was erklären.“ „Genau“, sagt Doremi. „Weil er immer an seine kranke Mutter denken muss.“ Sophie und Emilie sehen sie finster an. „Schuldigung.“ Jesper wirkt überrascht. „Seine Mutter ist krank?“ „Das ist natürlich keine Entschuldigung dafür, wie er dich behandelt hat“, sagt Emilie, „aber zumindest wäre es eine Erklärung.“ Nachdenklich sieht Jesper auf den Boden. „Wenn ich das eher gewusst hätte... Vielleicht hätte ich ihm helfen können.“ „Du kannst ihm immer noch helfen“, sagt Doremi grinsend. „Und ich habe auch bereits einen Plan.“

„Der Plan wird niemals funktionieren“, sagt Sophie, als sie zum Klassenraum von Luke hinüber sehen. Eigentlich ist gerade Unterricht, aber die Mädchen haben sich damit entschuldigt, dass Doremi plötzlich ganz furchtbare Bauchschmerzen gekriegt hat und sie unbedingt zur Krankenschwester müssten. „Glaub einfach an unsere Zauberkraft“, sagt Doremi. „Wir haben immerhin schon den achten Grad.“ „Emilies Zauberkraft vertrau ich auch, aber deiner...“ „Was hast du gesagt?“ „Emilie zauber du lieber“, sagt Sophie, die Doremis Gemecker überhaupt nicht beachtet. Emilie wirkt unsicher. „Ich weiß nicht, so gut kann ich doch gar nicht zaubern.“ „Besser als Doremi allemal, also...“ „Willst du Streit?“ Sophie lächelt ihr zu. „Ich mein das doch nicht so, das weißt du.“ „Ok“, sagt Emilie. „Ich versuchs. Pilli Pilli Popalora Popalu, Double des Hausmeisters erscheine.“
Im nächsten Moment erscheint tatsächlich ein echtes Double des Hausmeisters auf dem Flur. Emilie strahlt. „Ich habs geschafft.“ Doremi wirkt beleidigt. „Das hätte ich auch hingekriegt.“ Sie erklären dem Hausmeister genau ihren Plan und er klopft an die Tür von Lukes Klassenraum. „Entschuldigung, aber ich habe gerade die Bibliothekarin getroffen, die unbedingt Luke sprechen möchte. Es scheint wohl sehr wichtig zu sein, er sollte sofort zu ihr in die Bücherei gehen.“ Sophie strahlt. „Du kannst klasse zaubern Emilie.“ Luke geht aus dem Raum hinaus und Richtung Bücherei davon. Die Mädchen möchten ihm folgen, aber der Hausmeister sieht sie ziemlich verwirrt an. „Was soll ich denn jetzt machen?“ „Was weiß ich?“, meint Doremi. „Gehen Sie einen Kaffee trinken.“ Er strahlt. „Kaffee, Kaffee, Kaffee“, murmelt er und verschwindet davon.
Doremi, Emilie und Sophie folgen Luke unauffällig über die Flure bis zur Bücherei, verstecken sich unter dem großen Fenster, durch das man in die Bücherei sehen kann, während Luke den Raum betritt. Überrascht sieht er den Jungen an, der dort am Tisch sitzt. Jesper lächelt ihm leicht zu. „Hi.“ Luke verdreht die Augen, dreht sich um und geht davon. Jesper läuft ihm nach. „Warte. Ich möchte mit dir reden.“ „Was haben wir uns schon zu sagen?“
„Da ist ja unser kleines Mamasöhnchen.“ Sie drehen sich um, eine Gruppe von Jungs grinst Luke überheblich zu. „Hab gehört, deine arme Mutter soll krank sein“, sagt einer der Jungs, der vermutlich der Anführer der Gruppe ist, denn die anderen stehen etwas abseits. „Andy hat erzählt, sie soll richtig hässlich aussehen, wie so ein Skelett.“ Luke wirkt total schockiert, Tränen schimmern in seinen Augen. „Sie soll aussehen wie so ein Monster. Aber die gute hats ja sowieso nicht mehr lang.“ „Hör sofort auf sowas zu sagen“, ruft Jesper. Alle sehen ihn überrascht an, auch Luke. Der Junge grinst. „Wow, bist du mutig du Zwerg. Und ganz schön dämlich. Du hast keine Chance gegen uns.“ „Lasst ihn in Ruhe.“ Die Jungs lachen. „Oder was?“ Jesper wirkt unsicher. „Dann... dann... dann werdet ihr schon sehen.“
„Wir müssen ihnen irgendwie helfen“, ruft Doremi und zaubert. „Perekala Papurena Pekelatu Pepelato, tu was du willst, aber bitte hilf ihnen.“ Jesper hat neuen Mut gefasst, geht entschlossen auf die Jungs zu. Und auf einmal erhebt sich ein Schatten hinter ihm. Als wäre da noch eine andere Person. Eine große, mächtige, angsteinflößende Person. Auf einmal scheinen die Jungs tatsächlich Angst zu kriegen. „Wir... ähm... ach was interessiert uns deine Mutter.“ Und bereits im nächsten Moment laufen sie über den Flur davon. Luke strahlt Jesper zu. „Vielen Dank für deine Hilfe... Ich wüsste echt nicht...“ Er sieht zu Boden. „Ach was, kein Problem“, meint Jesper. „Tut mir Leid“, murmelt Luke. „Alles, was ich dir angetan hab... Ich war furchtbar zu dir. Es tut mir Leid. Wenn ich du wäre, würde ich ja kein Wort mehr mit mir reden.“ Jesper lächelt ihm zu. „Zum Glück bin ich nicht du.“

Niemand hätte wohl jemals damit gerechnet, aber Jesper und Luke werden tatsächlich Freunde. Sie werden sogar sehr gute Freunde. Jesper hilft Luke mit den Schulaufgaben und bald ist Luke kein schlechter Schüler mehr, sondern kann dem Unterricht problemlos folgen. Und Jesper hilft Luke, sich um seine Mutter zu kümmern. Seine Mutter freut sich sehr für ihn, dass er jetzt einen so guten Freund gefunden hat. Luke hat Jesper eine Hälfte seines Armbands geschenkt, welches er bei Doremi, Emilie und Sophie im Magic Shop gekauft hat und die beiden tragen sie nun als Freundschaftsarmbänder.
„Ich wette, unser Armband hat geholfen, dass die beiden wirkliche Freunde geworden sind“, sagt Sophie, als sie Jesper und Luke an ihrem Klassenzimmer vorbeilaufen sieht, die sich über irgendwas unterhalten. Emilie lächelt. „Ganz bestimmt.“ Auch Doremi strahlt. „Wir haben eine weitere gute Tat vollbracht. Eigentlich sollte uns mal jemand dafür einen Orden verleihen.“ „Doremi.“ Doremi zuckt zusammen. Diese wütende Stimme kennt sie nur zu gut. „Wie wäre es, wenn du statt guter Taten lieber mal an Mathe denken würdest. Deine Antworten in dem Mathetest waren wirklich unterirdisch.“ Doremi sieht schockiert auf ihren Test. „Was? Nur zwei Punkte? Das kann ja wohl nicht wahr sein.“ „Leider ist es wahr Doremi, obwohl ichs auch kaum glauben kann.“ „Oh nein. Wieso muss es nur Mathe geben? Ich bin das unglücklichste Mädchen auf der ganzen Welt.“
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