Doremis Abenteuer

GeschichteFreundschaft / P12
30.07.2015
11.09.2019
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1. Die neue Hexenschülerin

Müde sitzt Doremi am Frühstückstisch, während ihr Vater sie grinsend ansieht. „Montag ist doch der tollste Tag der Woche, oder?“, meint er und nimmt sich ein neues Brötchen. „Ja, ich liebe Montag“, antwortet Doremi und legt ihren Kopf auf den Tisch. „Wieso kann nicht für immer Samstag sein.“ „Ich geh jetzt zur Schule“, hört sie ihre Schwester Bibi und sieht auf. Ihre Mutter lächelt ihr zu. „Hast du auch alles eingepackt?“, fragt sie. Bibi nickt. „Na klar. Mein Frühstück und meine Puppe Marie.“ Dass Bibi sich traut, allein in die Schule zu gehen, wundert Doremi. Aber sie traut sich schon viel mehr zu, als ich mir in ihrem Alter zugetraut habe. „Bis heute Nachmittag“, verabschiedet sie sich, winkt ihrer Familie zu und verschwindet aus dem Haus. Ihre Mutter sieht Doremi lächelnd an. „Du könntest dir ruhig ein Beispiel an deiner kleinen Schwester nehmen.“ „Nö“, antwortet Doremi und lässt ihren Kopf wieder auf den Tisch fallen. „Zu müde.“ „Doremi, es ist übrigens schon zehn vor acht.“ „Was?“ Erschrocken setzt sie sich auf. „Wieso sagt mir denn keiner, dass es schon so spät ist?“ Sie springt auf, schnappt sich ein Brötchen, packt es in ihre Tasche und verschwindet zur Tür hinaus. „Bis später.“

Jetzt muss sie mal wieder zur Schule rennen, was sie eigentlich vermeiden wollte. Wieso aber muss die Schule auch schon so früh morgens beginnen? Wieso nicht erst Mittags? Dann könnten alle in der Schule zusammen Mittag essen und nach dem Essen könnte man wieder nach Hause gehen. Ja, das wäre doch ein guter Plan. Doremi hatte gehofft, auf dem Schulweg noch ihrer besten Freundin Emilie zu begegnen, aber die war natürlich nie so spät dran. Deswegen musste sie alleine den Berg hinauf stapfen. Morgen gehe ich früher los und wenn ich aufs Frühstück verzichten muss. Dann werde ich in der Schule eben vor Hunger sterben, vielleicht lassen sie mich dann ja nach Hause gehen. „Na, mal wieder spät dran?“ Diese fiese Stimme kennt sie doch irgendwoher. Finster dreht sie sich um und steht Tasso gegenüber, der grinsend an ihr vorbeigeht. „Wenn ich so eine lahme Kröte wäre wie du, dann würde ich wohl schon um fünf losgehen.“ „Na warte du Idiot.“ Sie rennt ihm nach, den Berg hinauf und tatsächlich erreicht sie dank Tasso das Klassenzimmer noch vor Beginn des Unterrichts. „Hey Doremi, da bist du ja“, grüßt sie Emilie, die schon auf ihrem Platz sitzt. „Ich hab unten am Berg auf dich gewartet, aber da du nicht aufgetaucht bist, bin ich lieber schon mal los gegangen.“ „Ja, ich... hab bisschen die Zeit vergessen“, meint sie. „Hast es ja trotzdem noch rechtzeitig geschafft.“
Frau Seki betritt die Klasse und sieht Doremi etwas verwundert an. Wahrscheinlich kann sie es gar nicht glauben, dass Doremi mal pünktlich ist. Frau Seki führt eine Liste über alle Verspätungen der Schüler und Doremi liegt auf dieser Liste ganz klar auf Platz 1. Nicht mal Tasso hat eine Chance gegen sie, was die Verspätungen betrifft, dabei bemüht er sich wirklich, sie zu überholen. „Guten Morgen“, sagt Frau Seki. „Bitte schlagt eure Hefte auf. Ich würde gern die Hausaufgaben kontrollieren.“ Schockiert sieht Doremi nach vorn. Hausaufgaben? Hatten sie denn welche auf? Sie dreht sich zu ihrer besten Freundin um, die ihr Heft bereits aufgeschlagen hat. „Emilie. Was hatten wir für Hausaufgaben auf?“ „Diese Seite im Buch zu Ende rechnen.“ Ach verdammt. Das war ja diese Seite, die Doremi während des Unterrichts noch nicht mal angefangen hatte zu rechnen, weil sie keine einzige Aufgabe verstanden hatte. „Hast du die Hausaufgaben nicht gemacht?“, fragt Emilie besorgt. Doremi schüttelt den Kopf. „Hab ich vergessen.“ „Keine Sorge, ich hab schon einen Plan“, antwortet Emilie und sieht zu Frau Seki hinüber, die gerade bei Tasso am Tisch stehen bleibt. Ihre wütende Stimme hallt durch das ganze Klassenzimmer. „Was denkst du, wie oft ich dir noch glauben soll, dass der Hund deine Hausaufgaben gefressen hat?“ „Wenn es aber wirklich so ist? Ich weiß nicht, wieso sie meine Hausaufgaben so gerne mag. Ich kann wirklich nichts dafür.“ Kopfschüttelnd notiert sich Frau Seki etwas in ihr Buch und geht weiter. Oje, denkt Doremi nervös. Ich hab bei ihr schon so oft die Hausaufgaben vergessen. Ich wette, bald ist ein Brief an meine Eltern fällig. Und die werden mich garantiert umbringen. „Emilie, du hast die Hausaufgaben natürlich gemacht“, lobt Frau Seki ihre beste Freundin. „Von dir habe ich auch nichts anderes erwartet.“ „Vielen Dank Frau Seki.“ Die Lehrerin geht weiter, als Emilie plötzlich aufspringt. „Oh nein Frau Seki, da werfen Schüler mit Steinen gegen die Fenster.“ „Was?“ Schockiert geht Frau Seki zum Fenster, während Emilie Doremi ihr Heft reicht. „Danke“, sagt Doremi. „Ich sehe niemanden“, meint Frau Seki frustriert. „Wo sind die denn?“ „Vielleicht habe sie gemerkt, dass Sie sie gesehen haben und sind abgehauen“, antwortet Emilie. „Sollten die es noch mal wagen, unsere schöne Schule zu ruinieren, dann können die aber was erleben.“ Frau Seki geht weiter und bleibt überrascht neben Doremis Tisch stehen. „Doremi. Du hast die Hausaufgaben?“ Stolz nickt Doremi. „Bist du krank? Bist du es auch wirklich oder hast du eine Zwillingsschwester?“ „Nein, ich bin es. Ich dachte mir, dass ich vielleicht langsam mal anfangen sollte, etwas für Ihren Unterricht zu tun, damit ich am Ende des Jahres noch die Chance auf eine gute Note hab.“ „Na besser man sieht es spät ein als nie.“
Sie geht wieder zur Tafel zurück und Doremi reicht Emilie grinsend ihr Heft. „Gut und jetzt rechnet alle die Aufgaben auf der nächsten Seite.“ Doremis Hand schnellt in die Höhe. „Ja Doremi?“ „Dürfen wir auch zu zweit arbeiten?“ Frau Seki nickt. „Ja, ausnahmsweise. Aber nur, weil wir bald den Test schreiben und ihr anderen, die die Aufgaben vielleicht noch nicht verstanden haben, erklären könnt, was man rechnen muss. Also die, die das Thema nicht verstanden haben, dürfen die fragen, die es verstanden haben. Z.B. Doremi.“ Was? Schockiert sieht Doremi Frau Seki an und da läuft auch schon die halbe Klasse zu Doremis Tisch hinüber. Glücklicherweise erklärt Emilie sich ebenfalls bereit, den anderen zu helfen und Doremi nickt immer wissend, wenn Emilie irgendwas erklärt, obwohl sie eigentlich gar keine Ahnung hat.

Nach Mathe hat die Klasse Geschichte, wo Doremi auch überhaupt kein Wort versteht, deswegen stellt sie einfach ihr Buch auf, so dass der Lehrer sie nicht sieht und legt den Kopf auf den Tisch. Emilie sieht sie grinsend an. Typisch. Die letzten beiden Stunden des Tages sind Englisch. Emilie ist sehr gut in Englisch, Doremi überhaupt nicht. Das liegt aber größtenteils daran, dass Doremi einfach zu faul ist, die ganzen Vokabeln zu lernen. Heute soll jeder mit ein paar Sätzen erzählen, was er am Wochenende gemacht hat und Doremi überlegt fieberhaft, wie sie das nur auf Englisch erzählen soll. Emilie erzählt viel mehr als ein paar Sätze. Dass sie mit ihren Eltern im Zoo war, dass sie Geigenunterricht hatte und dass sie mit Doremi im Café war und sie Eis gegessen haben. Den letzten Satz könnte ich vielleicht kopieren, aber wie ging der noch mal? „Doremi, would you like to tell us something about your weekend?“ Was? Was hat er gesagt? Ich versteh kein Wort. Hilfslos sieht Doremi Emilie an. „Erzähl was über dein Wochenende“, murmelt sie. Ach so. „Ähm... I was sleeping. Mindestens twelve hours. And... I was in the Café. With Emilie. And meine sister ging mir auf die Nerven. Because sie hat versucht, all meine pictures zu zerstören, die ich gemalt hab.“ Der Lehrer lächelt. „That was very mean of your sister.“ Doremi nickt, obwohl sie überhaupt nichts verstanden hat. Der Lehrer nimmt den nächsten Schüler dran, ohne Doremi auf ihr schlechtes Englisch anzusprechen. Er ist echt nett. Vielleicht sollte ich doch mal einen Blick in meine Bücher werfen.

„Wir können zusammen Englisch lernen, wenn du willst“, schlägt Emilie vor, als sie nach dem Unterricht den Berg hinuntergehen. Doremi nickt. „Ja, das wäre echt nett von dir. Aber nicht heute, ok? Wir können ja starten, wenn das Wetter nicht mehr so gut ist.“ Emilie muss lachen. „Na gut.“ „Wollen wir uns vielleicht später im Café treffen?“, fragt Doremi. „Hast du nicht am Wochenende erwähnt, dass dein Taschengeld alle ist?“ Ach ja, hab ich total vergessen. Aber wenn ich meinen Dad ganz lieb frage... und meine Ma nicht anwesend ist... „Irgendwie krieg ich das schon hin. Geld für einen Kakao werde ich schon noch zusammenkratzen können.“ „Na gut. Wir müssen ja noch Hausaufgaben machen...“ Erinner mich bloß nicht daran. „Wollen wir uns dann so um vier treffen?“ Doremi nickt. „Na gut.“ „Und vergiss nicht, wenn du bei Mathe Hilfe brauchst oder so, dann kannst du mich immer anrufen.“ Kannst du mir nicht einfach die Lösungen diktieren? Doch Doremi nickt. „Ok.“

Verzweifelt sitzt Doremi an ihren Hausaufgaben. Die Aufgaben in Geschichte waren leicht, da musste sie einfach nur alles aus ihrem Buch abschreiben. Und den Text in Englisch hat sie einfach in Deutsch im Internet eingegeben, übersetzen lassen und dann abgeschrieben. Emilie meinte zwar mal, dass die Texte dann immer noch falsch sind, weil man Grammatik nicht immer genau übersetzen kann, aber das ist Doremi momentan ziemlich egal. Das einzige, was ihr jetzt noch Kopfschmerzen bereitet, ist Mathe. Sie überlegt schon die ganze Zeit, ob sie Emilie anrufen soll, aber die würde ihr niemals die Lösungen verraten, sondern nur versuchen, ihr die Aufgaben zu erklären, die sie sowieso nicht versteht. Plötzlich wirft ihr Vater einen Blick ins Wohnzimmer. „Na Doremi. Machst du Hausaufgaben?“ „Ja. Aber ich könnte Hilfe gebrauchen.“ Ihr Vater lässt sich neben sie an den Tisch fallen und wirft einen Blick auf ihr Heft. „Ah Mathe. Mathe fand ich schon immer toll.“ „Wirklich?“ Er nickt. „Die Aufgaben sind eigentlich ganz leicht. Pass auf, ich erklärs dir.“ Doremi und ihr Vater rechnen die Matheaufgaben zusammen und als sie alles fertig hat, hat sie wirklich das Gefühl, es wenigstens etwas besser verstanden zu haben. „Danke Dad.“ „Kein Problem“, meint er lächelnd. Unsicher sieht Doremi auf ihr Heft. „Du Dad?“ „Hmm?“ „Krieg ich vielleicht etwas Geld?“ „Wieso? Was ist mit deinem Taschengeld?“ „Na ja. Das ist irgendwie weg. Es ist weggelaufen. Einfach so.“ Ihr Vater muss lachen. „Kein Wunder, dass es vor dir flüchtet, so schnell, wie du es ausgibst.“ Doremi sieht ihn finster an. „Wozu brauchst du es denn?“ „Ich wollte mit Emilie ins Café.“ Er lächelt, kramt in seiner Tasche und legt ein paar Münzen vor ihr auf den Tisch. „Ich freu mich doch, wenn du dich mit deiner besten Freundin triffst.“ „Danke Dad.“

Emilie und Doremi bestellen einen Kakao und setzen sich an ihren Platz draußen auf der Terrasse, wo sie immer zusammen sitzen. „Hast du die Hausaufgaben schon alle fertig?“, fragt Emilie. Doremi nickt. „Ja. War eigentlich gar nicht schwer, oder?“ „Fand ich auch nicht. Mit Mathe hattest du auch keine Probleme?“ „Ach quatsch, war doch kinderleicht.“ Emilie lächelt. „Oh nein, was macht ihr denn hier?“ Die Mädchen drehen sich um und sehen Tasso mit ein paar Freunden, die sich wohl auch gerade an einen Tisch setzen wollten. „Muss ich dich auch noch außerhalb der Schule ertragen Doremi? Dann gehen wir doch lieber woanders hin“, meint er und geht davon. „Dann geh doch du Idiot. Ich bin froh, wenn ich dich nicht sehen muss“, ruft Doremi ihm nach und schon ist er wieder verschwunden. „Wieso ist Tasso eigentlich immer so unfreundlich?“, fragt Emilie. „Besonders zu dir. Zu mir ist er eigentlich ganz nett.“ „Wahrscheinlich, weil er mich noch nie ausstehen konnte. Und ich ihn auch nicht.“ Die Bedienung taucht wieder an ihrem Tisch auf. „Möchten Sie noch etwas trinken?“ Doremi zählt ihr Geld. „Ja, ich nehme noch einen Kakao.“ „Ich auch“, sagt Emilie. „Du hast es gut“, sagt Doremi, als die Bedienung wieder verschwindet. „Du kannst dir alles bestellen, was du willst, ohne nachzudenken. Ich wär auch gern so reich wie du.“ Traurig sieht Emilie auf den Tisch. „Und ich hätte manchmal gern so eine chaotische Familie wie du.“ „Wieso? Willst du im Ernst meine nervige Schwester? Oder meine Mutter, die immer meckert, wenn sie was zu meckern findet?“ „Geld ist eben nicht alles“, meint Emilie. Doremi sieht sie nachdenklich an. „Hier sind eure Getränke“, sagt die Bedienung, die wieder am Tisch aufgetaucht ist und stellt die Getränke vor ihnen auf dem Tisch ab. „Danke“, antwortet Emilie und stochert mit dem Löffel in ihrem Kakao herum. „Hab ich irgendwas falsches gesagt?“, fragt Doremi. Emilie schüttelt den Kopf. „Nein, es ist nur... vielleicht geh ich jetzt besser.“ Sie lässt den Kakao einfach stehen, steht auf und verschwindet zwischen den anderen Menschen.

Ich versteh das nicht. Was hab ich denn nur falsch gemacht? Ich hab doch nur die Wahrheit gesagt. Ich würde manchmal schon gerne mit Emilie tauschen. Nie mehr das Problem, zu wenig Taschengeld zu haben. In schönen Restaurants essen gehen, in den Urlaub fahren... das wäre toll. Plötzlich bleibt sie stehen. Verwirrt dreht sie sich im Kreis. Wo bin ich denn hier? Jetzt war ich so in Gedanken, dass ich überhaupt nicht gemerkt habe, wo ich hingelaufen bin. Ihr Blick bleibt an einem großen Haus rechts von ihr hängen. Magic Shop, steht auf dem großen Schild. Was soll das denn sein? Kann man da etwa zaubern lernen? Das wäre meine Rettung. Wenn ich zaubern könnte, dann könnte ich mir unendlich viel Geld herzaubern. Und Steaks. Und ich könnte Bibi bestimmt davon abhalten, dass sie mich immer ärgert. Doremi springt die Stufen hinunter, rennt zur Tür und öffnet sie. Doch sofort überfällt sie ein ungutes Gefühl. Hier sieht es ziemlich gruselig aus. Es ist dunkel, nur an manchen Stellen schimmert eine kleine Kerze. Von irgendwoher hört sie ein Quietschen. Ok, es sieht sehr nett aus hier, aber ich glaube, ich drehe wieder um. Sie möchte die Tür schon wieder schließen, als sie eine Stimme hört. „Warte.“ Neue Gänsehaut überfällt sie. Die Stimme klingt genau so gruselig, wie das Geschäft gruselig aussieht. Doch sie dreht sich trotzdem um, betritt den Laden. Ihre Neugier ist einfach zu groß. Da entdeckt sie einen Schaukelstuhl. Einen Schaukelstuhl, in dem eine in ein dunkles Gewand gekleidete Person sitzt. „Ich habe ganz viele Zauberartikel, die dir alle Wünsche erfüllen können.“ „Im Ernst?“, fragt Doremi begeistert. „Ist da auch einer dabei, der mir unendlich viel Geld bringt?“ Die Gestalt lächelt finster. „Ganz bestimmt.“ Doremi möchte schon losstürzen, um sich die Gegenstände an den Tischen anzusehen, als sie plötzlich stehen bleibt. Neue Angst taucht in ihr auf, als sie zu der Gestalt hinüber sieht. „Warten Sie mal. Wenn diese Gegenstände wirklich Wünschen erfüllen können, dann müssen Sie ja...“ „Nein, sag es nicht“, ruft die Frau und springt schockiert auf. Erst jetzt erkennt Doremi ihren spitzen Hut. „Dann sind Sie ja... dann müssen Sie ja...“ „Nein nein, ich bin es nicht, sag es nicht, bitte.“ „Dann müssen Sie ja eine Hexe sein.“ Eine große Rauchwolke erscheint, von einer Sekunde auf die andere und schon steht da, wo eben noch die Hexe gestanden hat, ein kleiner grüner Klops. „Aber was?“ Verwirrt dreht Doremi sich im Kreis. „Wo ist denn die Hexe hin?“ „Hier bin ich du Idiot.“ Doremi schaut noch unten, von wo sie die Stimme gehört hat und sieht, dass der Klops sie finster anstarrt. „Aber... wieso haben Sie sich in einen grünen Klops verwandelt?“ „Das war ich nicht, das warst du. Du hast mich als Hexe enttarnt. Und jetzt bin ich wegen dir so ein ekliger Frosch geworden.“ „Das tut mir Leid.“ „Das ist auch das mindeste.“ „Ich glaube, ich verschwinde lieber.“
Sie flitzt zur Tür, doch der Klops springt los und stellt sich ihr in den Weg. „Vergiss es, du gehst nirgendwo hin.“ „Aber was... was haben Sie denn jetzt mit mir vor?“, fragt Doremi ängstlich und fällt zu Boden. „Wollen Sie mich etwa umbringen?“ „Wäre ein Gedanke.“ „Nein, bitte bitte nicht, es tut mir doch so Leid.“ „Aber das kann ich nicht. Es gibt nur einen Weg, wie ich wieder ich selbst werden kann. Ich muss dich zu einer Hexenschülerin machen.“ Überrascht sieht Doremi sie an. Jetzt versteht sie gar nichts mehr. „Was? Hexenschülerin?“ Auf einmal schwebt etwas neues in den Raum. Ist das eine Fliege? Nein, es sieht viel schöner aus als eine Fliege. „Du kannst ebenfalls eine Hexe werden“, sagt dieses etwas, das offenbar sprechen kann. Doremi ist total begeistert. „Ich kann auch eine Hexe werden? Wirklich? Juhu. Wie geht das?“ „Auf jeden Fall nicht von heute auf morgen“, sagt der grüne Klops. „Ich bin übrigens Mahorka und das ist meine Elfe Lala. Und wie heißt du?“ „Wow, eine Elfe?“ Doremi geht näher an Lala heran. „Ich will auch eine Elfe haben.“ „Rede nicht so viel sondern hör zu“, sagt Mahorka wütend. „Ich muss jetzt erst mal überlegen, wie du Nichtsnutz den neunten Hexengrad überstehen kannst.“ „Hexenwas?“ Mahorka zieht einen kleinen Schrank aus einer Ecke hervor. „Hexengrad“, sagt sie. „Du musst mehrere Prüfungen bestehen, um eine Hexe zu werden. Das fängt mit dem neunten Grad an und geht bis zum ersten Grad. Wenn du den ersten Grad bestanden hast, bist du eine vollwertige Hexe.“ „Super. Kann ich die Prüfung sofort machen?“ Mahorka verdreht die Augen. „Du hättest doch keine Chance, sie zu bestehen.“ Sie öffnet den Schrank, in dem drei runde Gegenstände umherschwirren. „Wow, sieht das toll aus“, sagt Doremi begeistert. „Du darfst dir jetzt ein Trainingstap aus dieser Box holen.“ Doremi tut, was Mahorka sagt und hat im nächsten Moment ein Tap in ihrer Hand. Es ist weiß, mit einem gelben Notenschlüssel in der Mitte und bunten Punkten drumherum. „Wenn du gleich in der Mitte auf den Knopf drückst, ertönt eine Melodie. Du musst das Hexendress, was erscheint, ankriegen, bevor die Musik zu Ende ist, klar?“ Doremi nickt. „Glasklar.“ Sie drückt den Knopf und die Musik und das Hexendress erscheinen. Doremi schafft es aber einfach nicht, dass Dress über den Kopf zu ziehen. „Das ist viel zu eng“, murmelt sie, als die Musik auch schon wieder vorbei ist. „So ein Tollpatsch“, hört sie Mahorkas Stimme. „Das war nicht meine Schuld“, versucht Doremi sich zu verteidigen. „Das Dress war zu eng und die Musik viel zu kurz.“ „Immer die Schuld auf andere schieben, das hasse ich. Jetzt pass mal auf.“ Ernst sieht Mahorka Doremi an. „Das wird zu Hause so lange geübt bis es klappt, klar? Und wenn du die ganze Nacht üben musst.“ Doremi sieht finster zurück. „Und morgen sehen wir uns dann wieder hier.“ „Alles klar du Meckerziege.“ „Ich bin keine Meckerziege.“ Lala muss lachen. „Wie ich sehe, versteht ihr beide euch bereits blendend.“ „Halt die Klappe Lala“, meint Mahorka. „Dann bis morgen“, sagt Doremi und geht zur Tür, als Mahorka wohl noch was einfällt. „Warte. Es gibt ein paar wichtige Dinge, die du noch wissen musst. Das wichtigste, du darfst niemandem von unserem Treffen erzählen oder was du bist, es sei denn, du willst auch als kleiner Klops enden.“ Doremi schüttelt den Kopf. Auf jeden Fall nicht. „Und was noch wichtig ist, du darfst weder Verletzungen anderer heilen noch Tote zum Leben erwecken.“ „Und wenn ich es doch tun sollte?“ Mahorka funkelt sie finster an. „Ich sag dir lieber nicht, was dann passiert.“ Ok, alles klar, hab verstanden. „Bis morgen“, verabschiedet sich Doremi und verlässt den Magic Shop, den sie jetzt schon gar nicht mehr so gruselig findet.
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