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Nicht gesucht, aber gefunden

von Leopawtra
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Het
Kapitän Archibald Haddock OC (Own Character) Schultze Schulze Struppi Tim
28.07.2015
30.01.2019
15
38.626
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21.08.2015 4.183
 
๑⊱☆⊰๑


Den Weg zurück zum Hotel hatten sie die meiste Zeit geschwiegen. Lediglich die eine und andere Idee wurde besprochen, wie sie im Palast vorgehen würden, um das Modell zu finden. Erst als die Sonne vollständig untergegangen war, waren die Drei mit Fox Terrier Struppi im Hotelzimmer angekommen. Ihr Zimmer war groß, sauber, sehr geräumig und bot sogar einen separaten Raum für ihre drei Betten. Kaum waren sie im Hotelzimmer, hatte Tim beobachtet wie Haddocks Tochter im Nebenraum verschwand und ihr Kleid im Kleiderschrank verstaute. Sie wollte es wohl unbedingt bis zum morgigen Tag unter Verschluss halten und sicher gehen, dass weder ihr Vater noch Tim schmulen.
Haddock hatte sich auf das etwas ältere Sofa gesetzt und seine Mütze vom Kopf gezogen. Es lastete ihm etwas auf der Seele, das sah der Reporter ihm nur zu deutlich an. Auch Christin schien das zu bemerken, weswegen sie an seine Seite trat, ihre Hand liebevoll an seine Schulter legte und ihn mit besorgter Miene bedachte. „Was ist los, Papa?“ Der Kapitän griff nach der Hand seiner Tochter, strich sanft über diese und sah ebenso besorgt in ihr Gesicht.
„Ich frage mich nur, warum der Sauertopf dich heiraten will, mein Seestern. Du hingegen scheinst das gar nicht zu wollen.“
Tim lehnte am Türrahmen zum Nebenraum in welchem die Betten standen und sah der Szenerie wortlos zu, wenn gleich sein Blick ernst geworden war. Er war froh, dass Haddock diese Frage offenlegte und er Christin darauf ansprach. Er fühlte wie dieses kalte, scheußliche Gefühl der Eifersucht erneut begann durch seine Adern zu kriechen und ihm dabei ein unangenehmes Herzklopfen machte. Unbewusst blickte Tim dadurch angesäuerter drein und auch seine Körperhaltung wirkte viel angespannter als vorher. Er verabscheute den Gedanken, dass Christin und Sakharine verlobt waren.
Haddocks Tochter lächelte ihren Vater aufmunternd an, strich mit der anderen Hand über seine Wange und entgegnete lieb: „Natürlich möchte ich ihn nicht heiraten. Er ist ein furchtbarer Mann. Außerdem hat er mir das Warum nie genannt. Liebe seinerseits kann es kaum sein. Es muss auch irgendetwas mit Red Rackham und Ritter Franz zu tun haben. Mir erschließt sich nur nicht was.“
Der Kapitän nahm nun auch die andere Hand seiner Tochter, sah ihr fest ins Gesicht und sagte ernst zu ihr: „Egal, was es ist. Er wird dich nicht heiraten, Bomben und Granaten. Das schwöre ich dir, Christin.“
Auf seine Worte hin musste Christin leise lachen, beugte sich zu ihrem Vater vor und hauchte ihm einen kleinen Kuss auf die Stirn. „Ich danke dir, Papa.“, hatte sie ihm zugeflüstert, ehe sie ihn herzlich umarmte und fest drückte. Einen kurzen Augenblick später löste sich seine Tochter wieder von ihm und schenkte ihm ein warmes Lächeln, was der Kapitän erwiderte.
Nur zu gut konnte Tim den Kapitän verstehen, denn auch er würde alles dafür tun, dass Sakharine sie nicht heiraten würde. Viel zu sehr hatte er sich in sie verliebt und würde alles daransetzen, sie nicht an ihn zu verlieren. Allerdings war es schwer vorstellbar, dass Christin sich von ihm tatsächlich ehelichen lassen würde, ohne sich mit aller Macht dagegen zur Wehr zu setzen.
Tims Gedanken kreisten im Moment sehr, wirklich sehr viel um Christin, Sakharine und die Angst sie doch an ihn verlieren zu können. Nicht dass sie freiwillig zu ihm gehen würde, sondern dass ihnen im Palast etwas Schreckliches passierte. Etwas das Sakharine die Chance geben könnte Christin zu verschleppen. Eine solche Angst hatte er früher immer nur um Struppi gehabt, da sein geliebter Hund sein Ein und Alles war. Es war für den Reporter vollkommen neu diese Angst nun einer Person gegenüber zu empfinden. So temperamentvoll und taff Christin auch war, so wirkte sie im selben Augenblick auch zart und zerbrechlich. Ein bislang unbekannter Beschützerinstinkt war in Tim erwacht. Aus diesem Grund schwor er sich, genau wie der Kapitän, sie zu beschützen. Der Reporter schwor sich dies allerdings für jede Gefahr, die auf Christin lauern könnte.
Tim hatte gar nicht bemerkt wie lange er seinen Gedanken nachgehangen und auf den Fußboden vor sich gestarrt hatte. Erst die verkündenden Worte von Haddock ließen ihn mit großen Augen wieder aufblicken und feststellen, dass Christin den Raum verlassen und auf den Balkon gegangen war. „Ich werde mich hinlegen, Schiffsjunge. Der Tag war lang und anstrengend. Zeit den verlorenen Schlaf etwas nachzuholen.“ Die Worte ließen den Reporter leise lachen. „Erholen Sie sich gut, Kapitän.“ Dankbar lächelnd hob der Kapitän die Hand und verschwand schließlich im Nebenraum, wo er sich auf eines der Betten setzte. Kurz hatte Tim ihn beobachtet und noch einen Moment am Türrahmen gelehnt. Seine Gedanken glitten jedoch rasch wieder zu Christin hinüber, wobei sein Kopf seinen Gedanken folgte.
Sie stand an der breiten Steinbrüstung des Balkons, hatte ihre Unterarme auf diese gelegt und blickte gen Himmel. Die seichte Nachtluft zupfte sanft an ihrem vollen Haar und dem weinroten Rock. Lautlos und verliebt seufzte der Reporter auf, als er sie dort so stehen sah und ihre Schönheit betrachtete. In seinem Bauch tanzten die Schmetterlinge herum, während ihm ein wohliger Schauer über dem Rücken floss. Das spärliche Licht der Deckenlampe erhellte nur wenig vom Balkon, doch leuchtete es ihre wohlgeformte Kehrseite genug an, um sie betrachten zu können.
Ein sachtes Drücken an seiner Wade ließ ihn kurz, erschrocken zusammenzucken, woraufhin er sofort ertappt neben sich sah. Seine blauen Augen sahen zu dem Kapitän, der bereits auf dem Bett lag und leise vor sich hin schnarchte. So blickte Tim an sich hinunter und entdeckte dort seinen Fox Terrier, welcher ihn mit seinen großen, braunen Augen ansah. „Was ist denn, Struppi?“, fragte er leise seinen Hund, wandte sich ihm nun gänzlich zu und legte den Kopf schief. Die Antwort war ein erneutes Drücken mit dem Kopf gegen sein Schienenbein und einem anschließenden Blick in Richtung Christin. Tim wurde augenblicklich klar was Struppi ihm damit sagen wollte. Ein sanfter Blick schlich sich nun auf seine feinen Gesichtszüge. Er hockte sich zu seinem Hund, streichelte liebevoll über seinen Kopf und flüsterte ihm zu: „Du hast Recht, Struppi. Ich sollte die Gelegenheit nutzen.“
Ein letztes Mal strich er ihm lieb über Kopf und Rücken, ehe er sich wiederaufrichtete und zu Haddocks Tochter blickte. Tief atmete Tim nun durch, rief sich innerlich zur Ruhe und versuchte nicht nervös zu werden oder zu wirken. Sein Herz klopfte bereits schneller in seiner Brust und er spürte wie die ersten Schmetterlinge heftiger in seinem Bauch zu flattern begannen. Er straffte sich, ging zielstrebig auf die Balkontür zu und atmete ein letztes Mal tief durch. Dies erforderte Mut und er hoffte, dass Christin nicht auf dem Balkon war, um vor allem und jedem ihre Ruhe zu haben.
Langsam trat er hinaus auf den steinernen Balkon, von welchem man beinahe ganz Bagghar und das Meer überblicken konnte. Für den Bruchteil von Sekunden bestaunte er die herrliche Umgebung und die Tatsache, dass sie für so wenig Geld ein wirklich annehmliches Zimmer und einen so wundervollen Ausblick bekommen hatten. Doch schon wenige Sekunden später rief Tim sich wieder ins Gedächtnis warum er auf den Balkon getreten war. Seine Augen erfassten die Frau seiner Begierde erneut und mit langsamen Schritten trat er näher an sie heran, um an der Brüstung neben ihr zu stoppen. Er versuchte dabei ganz locker zu wirken und so zu tun, als wolle er nur die Aussicht genießen.
Aus dem Augenwinkel sah er wie Christin den Kopf in seine Richtung drehte, woraufhin er nun ebenfalls zu ihr sah. Mit einem freundlichen Lächeln bedachte sie ihn und doch bemerkte Tim mühelos, dass es ihre Augen nicht im Geringsten erreichte. Er erkannte in ihren Iriden Besorgnis. Auch die Tatsache, dass sie nur ein paar Wimpernschläge später wieder zum Firmament aufblickte, ließ ihre Sorge deutlicher werden. „Was bedrückt dich, Christin?“ Tims Stimme klang freundlich, jedoch schwang auch Fürsorge darin mit. Er konnte zwar ahnen, dass ihr dieses Abenteuer Fragen aufwarf und sie vermutlich heftig aus der Bahn warf, doch wollte er gern die Antwort von ihr selbst hören. Mutmaßen konnte immerhin jeder.
Ein missmutiges Seufzen verließ ihre vollen Lippen, wobei sie den Kopf senkte und hinab auf die tiefblaue Stadt sah. Nur die Lichter in einigen Häusern und der Silberschein des Mondes ließen die Hafenstadt in der Nacht erstrahlen. „Dieses ganze Abenteuer bereitet mir Kopfzerbrechen. Sicher es macht Spaß Sakharine hinter her zu jagen, zu versuchen das letzte Pergament vor ihm zu bekommen und dadurch das Rätsel um den Schatz der Einhorn zu lösen. Ich habe noch nie zuvor in meinem Leben ein solch aufregendes Abenteuer erlebt.“, begann sie mit einem Lächeln auf den Lippen zu erzählen, welches dieses Mal sogar ihre Augen erreichte. Tim konnte nicht anders, als bei ihren Worten zu schmunzeln. Er fühlte sich an sich selbst erinnert, bevor er Reporter wurde und dadurch in die haarsträubendsten Abenteuer geriet. Es war offensichtlich, dass Christin denselben Durst nach Abenteuern hatte wie er selbst. Etwas, das sie direkt noch anziehender für ihn machte.
Im nächsten Augenblick war dieses Lächeln jedoch wieder aus ihrem Gesicht gewischt und sie gestand ihm leiser: „Es ist aber auch sehr beängstigend, Tim, wenn ich ehrlich bin. Immerhin versucht er unser Familienerbe an sich zu reißen und würde dabei sogar über Leichen gehen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ebenso lässt mich der Gedanke, der Zwangshochzeit mit ihm gerade so entkommen zu sein, immer wieder eisig schaudern.“
Gebannt hatte Tim an ihren Lippen gehangen und ihrer sanften Stimme fast schon genießend zugehört. Wovon sie sprach ließ ihn allerdings noch besorgter dreinblicken. Wobei das giftige Gefühl der Eifersucht wieder begann in seinen Gedärmen zu brodeln. Dies versuchte er allerdings im Moment zu ignorieren, so gut es eben ging. „Er wollte dich hier in Bagghar heiraten?“ Bei seiner Frage musste Tim sich allerdings zusammenreißen nicht erneut in dem stärker werdenden Schwall von Eifersucht zu ertrinken.
Wieder sah Haddocks Tochter zu ihm und nickte zustimmend. „Ja, dadurch, dass hier Zwangsehen nichts Ungewöhnliches sind, hatte er die Chance nutzen wollen mich hier vor den Altar zu zerren.“ Mit einer Schulter zuckte Christin leicht, schloss kurz die Augen und fügte erleichterter hinzu: „Aber daraus wird nun nichts mehr.“ Ihren Kopf wandte sie wieder der Küstenstadt zu und Tim glaubte zu erkennen wie ihr Gesichtsausdruck sanfter wurde. Oder täuschte er sich auf Grund der Lichtverhältnisse nur?
„Ich lasse mich nicht zur Hochzeit zwingen. Ich möchte gefragt werden und selbst entscheiden, ob ich den Mann heiraten möchte oder nicht.“ Ihre sanfte Stimme war nicht mehr als ein Flüstern in der angenehmen Nachtluft, während sie ihre Iriden dabei nicht von Bagghar genommen hatte. Die Schmetterlinge in Tims Bauch flatterten auf ihre Worte hin noch stärker und auch sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Ohne es beeinflussen zu können stellte er sich vor, wie er um ihre Hand anhielt und sie seinem Antrag glücklich zustimmte. Dies mochte zwar etwas überstürzt sein, doch er musste gestehen, dass ihm die Idee sehr gefiel.
Schließlich rief er sich gedanklich wieder zur Ordnung und lächelte Haddocks Tochter zuversichtlich an. „Mach dir darum keine Sorgen, Christin.“ Verwundert sah sie nun in seine Richtung, blickte ihm dabei in die Augen und legte den Kopf fragend schräg. „Er wird dich nicht heiraten und das Geheimnis der Einhorn werden wir vor ihm lösen. Damit du und dein Vater wieder in Ruhe leben könnt.“
Auf seine Worte hin wanderte eine ihrer Augenbrauen auf ihre Stirn. Christin lehnte sich anschließend mit ihrer Seite an die Steinbrüstung und fragte ihn leicht lächelnd: „Was macht dich da nur so sicher, Tim?“ Einen langen Moment sah er sie einfach nur an, betrachtete ihre Schönheit im silbrigen Mondschein und dem goldfarbenen Licht der Lampe aus dem Gästezimmer. Das Licht von Mond und Lampe vermischte sich herrlich zart auf ihrem Leib, weshalb er den Anblick einen kurzen Moment einfach nur auf sich wirken ließ.
Leise begann er kurzdarauf zu lachen, zuckte mit den Schultern und gestand ihr ehrlich: „Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich nicht aufgeben werde dem Geheimnis nachzujagen und die Wahrheit herauszufinden. So wie ich es auf meinen Reisen immer getan habe. Außerdem werde ich es zu verhindern wissen, dass Sakharine dich zur Hochzeit zwingt. Zuerst muss er an mir und deinem Vater vorbei.“
Die Worte des Reporters schienen sie zu erheitern, denn er konnte ihr damit ein aufrichtiges Lächeln und sogar ein kleines Kichern entlocken. Jedoch hatte ihm sein letzter Satz Überwindung gekostet, da er wusste das dies als Wink mit dem Zaunpfahl wahrgenommen werden könnte. Abgesehen davon hatte er sich dabei kurz angespannt und gespürt wie ein knallheißer Stromstoß durch seinen Körper ging. Ihr Lachen jedoch hatte Tim schnell wieder entspannen lassen.
Christin drehte sich nun mit ihrer Kehrseite an die Brüstung, stützte sich mit den Händen darauf ab und setzte sich kurzerhand auf diese. Ihren Blick ließ sie nach wie vor auf Tim ruhen. Sie lächelte ihn warmherzig an und meinte schließlich neckend zu ihm: „Weißt du, für einen Journalisten bist du gar nicht so übel, wie ich dachte.“
Ihre Aussage ließ ihn nun triumphierend grinsen, eine Augenbraue spielerisch heben und den Kopf interessiert zur Seite neigen. Weitere Schmetterlinge schienen die Flügel in seinem Bauch auszubreiten und fröhlich mit diesen zu schlagen, während sein Herz einen gewaltigen Hüpfer machte. Es schien so, als hätte er ihr bewiesen, dass er keiner dieser verlogenen Journalisten war, die sie vor ihm kennengelernt hatte. Doch um ganz sicher zu gehen, wollte er die Wahrheit von ihr wissen. „Ich habe dir also bewiesen, dass ich anders als die anderen Journalisten bin?“
Seine Augen hatte Tim dabei nicht von ihr genommen. Noch immer sah er in ihr hübsches Gesicht und er konnte deutlich erkennen wie ihre Züge sanfter wurden. Auch ihre dunklen Augen blickten ihn noch ein wenig warmherziger als zuvor an. Ihre vollen Lippen umspielten dabei ein verschmitztes Lächeln. „Ja. Du hast mir aber nicht nur bewiesen, dass du anders bist als die anderen. Sondern auch besser.“
Erstaunt blickte Tim sie im ersten Moment an, wobei er noch immer lächelte, und fühlte wie ihm heiß und kalt zugleich wurde. Er war in ihren Augen sogar besser? Hatte sie das gerade wirklich gesagt? Wusste Christin eigentlich was sie damit in ihm auslöste? Er war in diesem Moment so beflügelt und konnte gar nicht aufhören vor sich hin zu grinsen. Sie streichelte damit sogar sein Journalistenego, doch in erster Linie war es eine sehr positive Aussage, die sie auf seinen Charakter bezogen hatte. Deutlich spürte er wie seine Wangen sich heiß anfühlten und er daher davon ausging, dass sich eine leichte Röte auf diese gelegt hatte.
Ihr Kompliment ging ihm runter wie Öl, weswegen er sich die Freiheit nahm dieses für den Augenblick ungeniert zu genießen.
Noch immer sah er sie erstaunt lächelnd an, doch so langsam begann sich ein glückliches Grinsen auf sein Gesicht zu stehlen. Seine blauen Augen waren auf Haddocks Tochter gerichtet, die ihn verlegen schmunzelnd, aber dennoch voller Warmherzigkeit, betrachtete. Nur allzu gut konnte auch er auf ihren Wangen diesen herrlichen, rosa Hauch der Verlegenheit entdecken, weshalb sein Herz einen weiteren Hüpfer machte und das Kribbeln in seinem Bauch noch wohliger wurde.
Einen Wimpernschlag später wandte Christin noch immer schmunzelnd den Blick von ihm ab. Vermutlich war sie so verlegen geworden, dass sie lieber woanders hinsah. Zu schade, dabei fand Tim ihren scheuen, verlegenen Blick jedes Mal zum Niederknien. Haddocks Tochter sah über ihre Schulter hinweg und besah sich dabei die Stadt, das Meer und den sternenklaren Himmel. Tim hingegen konnte von ihrem Anblick nicht genug bekommen. Aus diesem Grund besah er sie sich immer wieder von Kopf bis Fuß und verweilte am längsten stets bei ihrem Puppengesicht. Sie war eine wahre Augenweide und alles in ihm schrie nach ihr. Er wollte sie ganz allein für sich haben und sie nie wieder gehen lassen.
„Du hast gesagt, dass du viel herumgekommen bist, Tim.“ Auf ihre Aussage hin gab er nur einen bestätigenden Laut von sich, während sich seine Augen an ihren schlanken Beinen, ihrer gebärfreudigen Hüfte, ihren großen Brüsten und ihrem hübschen Antlitz labten. „Aber hast du jemals etwas so Schönes gesehen?“, fragte sie ihn einen Herzschlag später mit lieblicher Stimme und deutete dabei mit einer Handbewegung auf die nächtliche Szenerie. Für den Augenblick folgte er beiläufig ihrer Deutung, besah sich die erleuchtete Stadt, das Meer, auf dem sich der Silbermond spiegelte, und das Firmament mit all seinen funkelnden Sternen. Die Szenerie war wirklich wunderschön anzusehen und er verweilte länger mit dem Blick als er gewollt hatte. Dabei musste Tim gestehen, dass er selten eine solch schöne Szenerie gesehen hatte. Doch das Schönste, was er je gesehen hatte, saß auf der breiten Steinbrüstung neben ihm und blickte zum Firmament empor.
Der Reporter konnte Christin nicht länger nur aus der Ferne anhimmeln. Seine Iriden ruhten neuerlich auf ihr und er konnte das brennende Verlangen in sich brodeln spüren. Er wollte sie mit Leib und Seele. Also folgte er seinen Gefühlen. Mutig und beflügelt von ihrem Kompliment, ihren Signalen und der romantischen Atmosphäre dieser Nacht, stellte sich Tim nun direkt vor sie und damit zwischen ihre leicht geöffneten Beine. Sein Herz hämmerte ihm heftig in der Brust, er fühlte sich zittrig und ihm war die ganze Zeit unsäglich heiß. Er hoffte nur, dass er sich keinen Korb einfing, weil er ihre Signale falsch gedeutet hatte und sie nicht so empfand, wie er für sie. Zärtlich legte er nun seinen Zeigefinger unter ihr Kinn und zwang sie mit sanfter Gewalt dazu ihn anzusehen.
Ohne Weiteres ließ sich Christin lenken und sah ihn einen Moment lang verwundert in die Augen. Ihm schwindelte, als ihre Blicke sich verschmolzen und er fühlte das Verlangen nach ihr heftiger in sich aufbegehren. Tim konnte wenige Atemzüge später in ihrem Blick lesen, dass ihr sein Handeln mehr als recht war. Ihre großen, rehbraunen Augen blickten ihn treu und sanftmütig an, während er einfach nur zurücksah. Ihm wurde erneut heiß und kalt zu gleich. Sein Herz sprang ihm in die Halsgegend und schlug so laut, dass er sicher war, dass sie es hören konnte. Das Kribbeln, das die umherschwirrenden Schmetterlinge in seinem Bauch verursachten, wurde stärker und fühlte sich dabei unsagbar angenehm an. Er ließ seinen Gefühlen endlich freien Lauf und blendete alles um sie herum aus.
Tims Lippen umspielte nun ein ganz verliebtes Lächeln, während er ihr aufrichtig gestand: „Ja, habe ich. Doch es gibt etwas auf der Welt, dass alles was ich bisher an Schönheit sah bei weitem übertrifft.“ Für den Moment ließ er seine gesagten Worte auf sie wirken und erkannte, dass ihre Augen neugieriger zu funkeln begannen und sie leicht ihre Stirn furchte. Noch bevor sie ihn fragen konnte was er meinte, kam er ihrem Gesicht mit Seinem näher und flüsterte ihr hauchzart zu: „Dich.“
Tim nahm ein letztes Mal seinen ganzen Mut zusammen, um den kleinen Abstand zwischen ihren Lippen zu überwinden. Zärtlich, fast schon scheu, versiegelte er ihre weichen Lippen mit Seinen und wurde augenblicklich von einem elektrisierenden Gefühl durchzuckt. Auf dieses folgte ein heißer Schauer, welcher herrlich angenehm über seinen Rücken floss und auf seiner Haut eine prickelnde Gänsehaut hinterließ. Sein Herz tanzte Samba und die Schmetterlinge in seinem Bauch schienen zu einer Armada geworden zu sein, die nun schnell mit den Flügeln schlug, weshalb das wohlige Kribbeln in seiner Magengegend noch intensiver wurde.
Tim genoss ihre köstlichen Lippen auf Seinen, hielt die Augen voller Hochgenuss geschlossen und hatte das Gefühl, dass die Zeit für sie den Atem angehalten hatte. Etwas mutiger und dennoch sehr aufgeregt, legte er seine Arme um ihre Taille und ihren Rücken. So kam er ihrem Körper mit Seinem näher und spürte ihre weiche Front an Seiner. Sie fühlte sich in seinen Armen perfekt an. Als wäre sie nur für ihn gemacht worden.
Noch hatte Christin den Kuss nicht erwiderte, weshalb ihn ein leiser Zweifel beschlich, dass er die Zeichen unfassbar falsch gedeutet hatte. Angst hemmte nun seine aufkeimenden Glücksgefühle, doch noch bevor der Zweifel keimen und erblühen konnte, legte sie vorsichtig ihre Arme um seine Schultern und erwiderte seinen zärtlichen Kuss. Christin schmiegte sich sogar ein wenig mehr an ihn, woraufhin seine Glücksgefühle und seine Verliebtheit zu voller Blüte erstrahlten.
Ein Feuerwerk der Superlative brach in Tim los, als Christin seinen Kuss sanft erwiderte und sich sogar an ihn drängte. Beflügelt von all diesen wunderschönen Gefühlen, der Tatsache, dass sie sein Handeln guthieß und sogar erwiderte, wurde sein Kuss nun etwas inniger. Tim nahm ihre Lippen etwas mehr in Beschlag und drückte sich dabei an ihren Körper. Genießend aufbrummend nahm er ihr Tun an, als sie mit ihren Fingern durch sein Haar strich und mit der anderen Hand liebevoll über seine Schulterblätter streichelte.
Liebend strich nun auch er mit seinen Händen über ihren Rücken, während er seine Lippen inniglich gegen Ihre bewegte. Ihre Lippen hatten einen ganz süßlichen Geschmack, weshalb Tim es gar nicht erst in Erwägung zog den Kuss jetzt zu lösen. Schließlich hatte er zu oft davon fantasiert und verlor sich nun lieber gänzlich in dieser Herrlichkeit, als dass ihm in den Sinn käme ihre Lippen freizugeben. Ungeniert und in vollen Zügen genoss er es Christin in seinen Armen zu halten, sie zu berühren und vor allem endlich ihre Lippen zu kosten.
Am liebsten hätte er nie wieder damit aufgehört. Es begann ihm jedoch etwas unermesslich Wichtiges wie Feuer auf der Seele zu brennen. Das Verlangen, sie wissen zu lassen wie er für sie fühlte, schürte sich mit jeder Sekunde, die dieser innige Kuss andauerte. Tim musste es ihr nun endlich sagen, sonst würde er vermutlich wahnsinnig werden. Daher ließ er den schönen Kuss ganz sachte abklingen und löste schließlich seine Lippen nur wenige Herzschläge später, mehr als widerwillig, von Ihren.
Er hörte Christin tief ausatmen und öffnete aus diesem Grund langsam seine Augen, woraufhin er zusah wie auch sie, wie aus einer Trance erwachend, ihre Augen öffnete, um ihn anzusehen. Schlagartig wurden ihre Wangen feuerrot, was Tim angetan schmunzeln ließ. Ein glückliches Lächeln legte sich auf ihr Puppengesicht, welches dennoch Verlegenheit aufwies. Noch immer strichen seine Hände liebevoll über ihren Rücken und auch ihre Finger glitten nach wie vor sachte durch sein Haar, was er wirklich sehr gern hatte.
Für einen sehr langen Moment sahen Tim und Christin sich einfach nur in die Augen. Ein Moment, der ihm wie eine Ewigkeit vorkam. Der Reporter genoss dabei ihre Nähe und ihr Streicheln unendlich. Er selbst konnte einfach nicht den Blick von ihr nehmen und schon gar nicht hörte er auf ihren Rücken mit seinen Händen zu liebkosen, da er deutlich spüren konnte wie sehr sie seine Berührungen mochte. Wieder brodelte dieses Verlangen, ihr seine Gefühle zu gestehen, heftig in ihm auf, weswegen er sein Blau mit ihrem Rehbraun intensiv verschmelzen ließ. „Ich liebe dich.“ Nun war es seine Stimme, die nicht mehr als ein Hauch in der warmen Nachtluft war.
Die Veränderung in Christins Gesicht trat augenblicklich ein. Ihre dunklen Augen begannen zu funkeln und ein überglückliches Lachen zierte binnen weniger Wimpernschläge ihr Antlitz. Noch immer waren ihren Wangen ganz rötlich, doch die Glückseligkeit in ihrem Gesicht überwog nun die bis dato verbliebende Verlegenheit. Tim sah ihr nur zu deutlich an, dass sie über sein Geständnis mehr als erfreut war und er konnte an ihrer Körperspannung fühlen wie sie sich vollständig in seinen Armen zu entspannen begann.
Ich liebe dich auch, Tim.“, hauchte sie ihm verliebt entgegen und schmiegte sich daraufhin fest in seine Arme. Ihren Kopf bettete sie dabei an seine Schulter, woraufhin er seinen Kopf an Ihren lehnte. Auf ihr Anschmiegen hin legte Tim seine Arme enger um ihren Körper und hielt sie fest in seinen Armen.
Noch nie zuvor war Tim so glücklich gewesen, wie in diesem Moment. Es war für ihn eine ganz neue Erfahrung, die er hier gerade machte. All diese wunderschönen Gefühle, diese herrliche Glückseligkeit, diese zuckersüßen Berührungen und diese starke Zuneigung zu Christin, fühlten sich unbeschreiblich gut an. Tiefe Verbundenheit knüpfte sich in diesem Augenblick zwischen ihnen und Tim schwor sich Christin nie wieder gehen zu lassen. Sie gehörte zu ihm und er würde alles dafür tun, um sie zur glücklichsten Frau der Welt zu machen. Es sollte ihr an nichts mangeln. Er hatte sich mit Christin nun in ein ganz neues und vollkommen unbekanntes Abenteuer gestürzt. Tim genoss dieses neue Abenteuer jedoch bereits jetzt schon und war fest in dem Glauben, dass dies sein größtes und schönstes Abenteuer werden würde, dass er je erlebt hatte.
Vorsichtig zog Christin nun ihren Kopf von seiner Schulter zurück und sah verliebt lächelnd in sein Gesicht, als er sie mit liebevoller Miene bedachte. Seine Freundin überraschte ihn einen Wimpernschlag später mit ihrer forschen Art. Dieses Mal war nämlich sie es, die den Abstand zwischen ihren Gesichtern überwand und ihre Lippen auf Seine presste. Glücklich ging der Reporter auf ihren lieblichen Kuss ein und ließ diesen rasch inniger werden. Sie ließ diesen schönen Kuss gern geschehen, blieb an ihn geschmiegt und schien diese Zweisamkeit, im Schein des Mondes, genauso zu genießen wie er.

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Noch eine ganze Weile hatten Tim und Christin auf dem Balkon zugebracht, sich immer wieder geküsst, Zärtlichkeiten ausgetauscht und sich aufrichtige Liebeschwüre zugeflüstert. Erst zu sehr später Stunde hatten sie Arm im Arm diesen verlassen und waren in den Nebenraum gegangen, um zu Bett zu gehen. Sie schliefen zwar in getrennten Betten, doch bis sie eingeschlafen waren, hatten sie sich einander zugewandt und verliebt Händchen gehalten.

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