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I don't care about expensive Things...

KurzgeschichteFamilie / P12 / Gen
28.07.2015
28.07.2015
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Hey Leute!!!

Ja, hier kommt schon wieder eine kleine Geschichte zu einer Figur aus Chicago - und dieses Mal mit persönlichem Hintergrund.
Ich liebe Billy Flynn.
Ich meine, ich finde Richard Geer wirklich toll - und ich liebe seine Art zu spielen. Und dann singt er in diesem Film auch noch - ich bin wirklich beeindruckt von ihm.
Und jetzt wollte ich gern ein bisschen was zu Billys Vergangenheit schreiben. Und da ist der OS.

Ich hoffe, er gefällt Euch auch. Ich würde mich sehr über einige Rückmeldungen freuen - ich beiße auch nicht. Ehrlich. Ihr könnt mir gern auch ein negatives Review schreiben, wenn es Euch danach besser geht.

So, jetzt aber viel Spaß beim Lesen.
LG
Shira


___***___

„William, jetzt komm endlich rein. Das Essen steht gleich auf dem Tisch!“, schallte es über den Hof zwischen den Arbeitersiedlungen in Dublin. Ein kleiner Junge schaute zu den Fenstern hoch und wusste, er sollte seinen Vater nicht mehr lange warten lassen – und das wollte er eigentlich auch nicht.
Schnell nahm er seine Spielsachen zusammen und rannte zum Haus, wo schon einer seiner Brüder wartete und ihm half. Sie verstanden sich untereinander sehr gut, doch mit den anderen Kindern kamen sie einfach nicht klar.

Durch das karge Treppenhaus rannten sie nach oben und kamen in der Wohnung an. Ihr Vater schaute sie streng an.
„Ihr kommt spät. Charles, geh und hilf deinem Bruder schnell beim Waschen, dann gibt es essen, Kinder.“
„Was ist mit Mutter, Vater?“, fragte William.
„Die kommt heute später!“
Bildete er sich das ein oder wurden die Augen seines Vaters unmerklich trauriger? Er verstand, dass seine Mutter arbeiten musste, aber warum machte das Vater so traurig?

Als er mit seinem Bruder im Bad stand, schaute er diesen fragend an. Vielleicht würde er ihm erklären, was das mit ihrer Mutter auf sich hatte. Doch er schaute nur stur nach unten und half ihm beim Händewaschen.
„Charly, was ist mit Mutter?“, fragte er deshalb.
„Ach Kleiner, das verstehst du noch nicht!“
„Ich will aber…“, schoss er zurück, doch sein Bruder schüttelte nur den Kopf und brachte ihn dann zurück in die Küche. Der Rest der Familie wartete schon, nur seine Mutter war immer noch nicht da. Sein Vater sprach ein Tischgebet und danach wurde gegessen. Wie immer kam es zu einer kleinen Quengelei, als es um das Gemüse ging, denn keiner der Brüder mochte das wirklich gern.
„Ihr werdet es essen!“, meinte ihr Vater streng „Oder wollt ihr, dass eure Mutter wieder weint?“
Sofort fingen sich die Jungen wieder, denn keiner wollte, dass ihre Mutter weinte – und alle aßen ihr Gemüse.

„Charles, könntest du William bitte ins Bett bringen?“, fragte ihr Vater, als sie alle aufgegessen hatten.
„Sicher, Vater.“
„Aber was ist mit Mutter? Sie bringt mich doch immer ins Bett?“ William schaute seinen Vater groß an, doch der schüttelte nur den Kopf.
„Nein, du bleibst nicht länger wach, nur weil deine Mutter noch nicht hier ist. Du gehst jetzt ins Bett. Charles wird dich bringen!“, bestimmte ihr Vater und William fügte sich, dabei sehnte er sich doch so sehr nach der Umarmung seiner Mutter. Sie war immer liebevoll und gütig und sie kuschelte immer mit ihm. Bei ihr fühlte er sich wirklich gut.
„William?“
„Ja…“
„Frag nicht immer nach Mutter…“, bat Charles ihn und nahm ihn noch einmal kurz in den Arm.
„Warum nicht?“
„Mama…geht es momentan nicht so gut…“
„Ist sie krank?“, fragte William weiter.
„Ja…ja, sie ist krank…und wir wissen nicht, wann sie wieder gesund wird…“
„Is gut…“
„William!“, wurde er auf Grund seiner fehlerhaften Aussprache ermahnt.
„Ist in Ordnung!“, gab er berichtigend zurück.
„Du weißt doch, wie viel Wert Vater auf gute Aussprache legt. Nur weil wir Arbeiter sind, muss das nicht gleich jeder wissen!“
„Sicher!“
„Schlaf gut, Kleiner!“
„Du auch!“
William drehte sich auf die Seite, rollte sich leicht zusammen und starrte dann noch einige Augenblicke die Wand an, ehe er einschlief und seine Mama vermisste. Sie fehlte ihm einfach, wenn sie nicht hier war – und er war sich sicher, dass er niemanden so sehr lieben könnte, wie seine Mama.

In dieser Nacht wurde er wach, weil es laut im Flur wurde. Leise stand er auf und schlich zur Tür, um sie leicht zu öffnen. Durch den kleinen Spalt fiel das Licht des Flurs und er sah seine Eltern. Doch seine Mutter so zu sehen erschreckte ihn. Sie trug nicht viel mehr als ein halbdurchsichtiges Kleid und klammerte sich an seinen Vater.
„Ich schaff das nicht mehr lange…“, hauchte sie gerade.
„Ich weiß, Liebste…“, gab sein Vater zurück und strich ihr vorsichtig eine Strähne des langen dunklen Haares zurück. „Wir werden eine andere Lösung finden!“
„Und welche? William war ein Junge zu viel. Was sollen die vier nur später einmal machen? Wir können ihnen nicht allen ein Studium bezahlen.“
„Ich weiß…und Christian weiß das auch schon. Er wird nach London gehen!“
Er hörte seine Mutter leise seufzen und erschrak. Sein großer Bruder würde gehen, aber das konnte er doch nicht machen. Er konnte doch nicht einfach so verschwinden, besonders nicht jetzt, wo gerade Sommerferien waren.
Und ihre Familie gehörte noch zu denen, die es besser hatten – sie hatten eine kleine Wohnung und die Kinder konnten zumindest halbtags zur Schule gehen. Ihr Bruder hatte es sogar geschafft sein Matura abzulegen und sollte nun eine Ausbildung beginnen. Er verstand nicht, warum seine Eltern sich so viele Sorgen machten.
„Was ist heute passiert?“, fragte sein Vater leise.
„Nicht viel, das gleiche eigentlich, wie immer…gut, dieses Mal hat er zugeschlagen, aber es nichts Schlimmes…“, meinte ihre Mutter, immer noch mit Tränen in den Augen. Sein Vater schien zu wissen, dass es schlimmer gewesen war, denn er zog sie dicht an sich. William zog sich leise von der Tür zurück und dachte darüber nach.
Ging es seiner Familie vielleicht doch nicht so gut, wie er immer dachte? Und wie könnte er helfen? Dann kam ihm die Idee und damit ging er in sein Bett zurück und schlief gleich ein.

Am nächsten Tag machte er sich daran diese Idee umzusetzen. Er nahm sich seine Schiebermütze und zog sich sonst normal an. Doch mit dieser Mütze könnte er gut das Geld verstauen und es würde ihm nicht so einfach gestohlen werden.
„William, frühstücke doch erst einmal, bevor du wieder die Straßen unsicher machst!“, lachte seine Mutter. Ein bisschen erschreckend fand er den blauen Fleck, der auf ihrer Wange schimmerte. Doch sie schien ihn regelrecht wegzulächeln.
„Warum bist du eigentlich schon auf? Deine Brüder schlafen doch noch.“ William zuckte mit den Schultern und schaute seine Mutter einfach nur einen Moment an.
„Konnte nicht mehr schlafen!“, meinte er dann überzeugt.
„Nun, dann guten Appetit!“
William aß nicht viel und verabschiedete sich dann mit einer Umarmung von seiner Mutter. Sie roch wieder so vertraut und er liebte es so nah bei ihr zu sein. Doch dann rannte er los.

Auf den Straßen Dublins war schon eine Menge los, viele Menschen strömten durcheinander, die meisten auf dem Weg zur Arbeit. Doch von diesen konnte er nicht viel erwarten, die meisten hatten nicht einmal genug, um davon zu leben. Er musste weiter in die Viertel der Reicheren.
In diesem waren ebenfalls viele Menschen unterwegs, doch sie sahen irgendwie anders aus. Nicht ganz so gehetzt, nicht ganz so müde und fertig. Die Augenringe waren hier nicht ganz so dunkel.
Er ließ sich an einer Straße auf einer Bank nieder und stellte die mitgebrachten Utensilien neben sich. Eine alte Bürste, ein bisschen schwarze Schuhcreme und ein Tuch. Daneben ein Schild. ‚Schuhe putzen – 1$‘
Hoffentlich würde das einige Kunden anziehen – und tatsächlich. Schon nach einigen Augenblicken kam der erste Mann bei ihm an.
„Junge, mach mir meine Schuhe. Ich habe gleich noch einen Termin!“
„Sicher.“
William sprang auf und kniete sich vor den Mann, um mit seinen Schuhen anzufangen. Viel war zum Glück nicht zu tun, also konnte er sich nicht allzu dumm anstellen – und seine Eltern wären stolz auf ihn, da er ihnen half.
„Sehr gut. Du bist besser, als die dahinten und die verlangen mehr als du. Bitte!“
Der Mann reichte ihm zwei Dollar und William wollte schon protestieren.
„Wieso? Stimmt doch…1$…“
„Ja, für beide!“
„Nun, das würde ich nicht machen. Verlang immer nur nach Stück. Zwei Schuhe, zwei Dollar…vertritt als Anwalt eine Mörderin, die zwei umgebracht hat, nimm immer für beide ein!“, riet ihm der Mann…


…und das tat er.
Wieder stand er auf einer Straße und putze Schuhe eines Mannes. Doch er war nicht mehr in Dublin. Inzwischen putzte er die Schuhe der Menschen in Chicago, der Stadt, die niemals schläft, wie es schien.
„Guten Abend, Billy…meine Schuhen könnten wieder einen Schliff brauchen!“
„Sicher, Berny!“, gab er zurück. Mit diesem Mann verstand er sich eigentlich ziemlich gut, er war ein alter Kunde und schien immer noch nicht so recht zu wissen, wer er wirklich war. Aber das war gut, so konnte er sich ungezwungen mit ihm unterhalten.
„Und wie läuft das Geschäft?“, fragte er ihn.
„Naja, kein Alkohol trifft besonders die Arbeiter sehr hart. Sie hätten mir heute beinahe zum zweiten Mal einen Stein ins Fenster geworfen!“, erzählte der Ladenbesitzer. Er führte einen Lebensmittelladen.
„Wenn sie noch mal kommen, ruf mich an, dann zerr ich sie vor Gericht!“
„Sicher, mein Junge!“, lachte der Mann. Er wusste nicht, dass Billy das wirklich konnte – und vermutlich wollte er es auch gar nicht wissen. Für ihn würde er immer der kleine Billy bleiben, der einmal bei ihm über dem Laden gewohnt hatte – und seine Schuhe für zwei Dollar putzte.
Heute verlangte er eigentlich mehr, doch bei ihm waren es immer noch die zwei Dollar.
„Berny, ich habe heute leider nicht ganz so viel Zeit wie sonst. Ich habe noch einen Termin!“
„Sicher, Billy. Geh ruhig. Danke für die blanken Schuhe!“
Billy nahm das Geld und steckte es sich unter die Schiebermütze. Dort lagen schon zehn Dollar, die er heute Abend eingenommen hatte. Doch nun musste er zu seinem richtigen Job zurück – und sich um die Frauen kümmern.

Zu Hause schlüpfte er wieder in den steifen Anzug, lächelte seinem Spiegelbild zu und machte sich dann auf den Weg ins Chicagoer Gefängnis. Heute sollten die Neuen ankommen und er wollte schauen, was für Frischfleisch darunter wäre. Aber zuerst musste er noch einmal mit Velma Kelly sprechen, die er momentan vertrat.
Doch gerade als er gehen wollte, kam ein Brief an. Schnell griff er noch danach.

Hallo Billy.
Wir vermissen dich auch und hoffen, dir geht es ebenso gut, wie uns. Das Geld ist bei uns angekommen.
Charles arbeitet jetzt als Buchhalter und verdient ebenfalls viel Geld. Dein Vater flirtet mit der Nachbarin, aber ich weiß, dass er ohnehin nur mich liebt.
Edwin geht es auch langsam wieder besser und er erholt sich von den Verletzungen. Ich soll dich lieb grüßen von den dreien.
Ich war gestern noch an Chris‘ Grab. Maria hatte Blumen hingestellt, sonst war es eingeschneit. Es sah wirklich schön aus, es hätte dir gefallen. Doch ich will dich nicht traurig stimmen.
Morgen feiere ich meinen sechzigsten nach und es ist schade, dass du nicht kommen kannst, aber ich habe mich sehr über den Morgenmantel gefreut. Heb doch morgen dein Glas für mich, um achtzehn Uhr stoßen wir an.
Ich hoffe, du kommst irgendwann wieder nach Hause!
Mama.


Billy lächelte leicht. Immer noch machte seine Mutter sich solche Sorgen um ihn – und er liebte sie dafür. Jeden Monat überwies er seiner Familie in Dublin 1.000 $ zum Leben, was seine Familie für viel zu viel hielt. Doch er wollte es so, nur aufgrund seiner Familie verlangte er so viel von seinen Klientinnen – gut, und weil sie Profit bedeuteten.
Für Frauen bezahlten die meisten ein bisschen mehr, um sie aus dem Gefängnis zu bekommen, als für die Männer. Deswegen hatte er sich auch auf Frauen spezialisiert. Er wollte, dass es seinen Eltern gut ging – und nicht noch so eine Tragödie passierte, wie mit Christian, der in Deutschland im Krieg gestorben war. Wochenlang hatten sie gebangt, er war sogar nach Hause gefahren, doch schließlich hatten sie Gewissheit gehabt. Immerhin Edwin war zurückgekommen.

Doch nun musste er wirklich los, er wurde sicher schon erwartet. Er setzte das professionelle Lächeln auf, nahm seinen Hut und den Stock und verließ das Haus. So wie erwartet, wurde er auch gleich von einer Reporterin abgefangen.
„Mister Flynn, was glauben Sie, wann Velma Kelly ihre Verhandlung bekommen wird?“
„Das weiß ich noch nicht, Miss Sunshine, aber sobald ich es weiß, werden Sie die erste sein, die es erfahren wird!“, versprach er.
„Und wie zuversichtlich sind Sie?“
„War ich jemals nicht 100% sicher?“, fragte er freundlich, doch er sah es in ihren Augen aufblitzen. Er kannte sie einfach schon viel zu lange.
„Ich erinnere mich an einen Fall…“
„…den ich verloren habe, weil es ein Mann war!“, beendete er ihren Satz. Sie lachte leicht und ließ ihn dann ziehen. Nur bei ihr war es so einfach sie abzuwimmeln, weil es kein wirkliches Abwimmeln war.

Im Gefängnis angekommen, grüßte er Matron ‚Mama‘ Morton freundlich und bahnte sich dann seinen Weg zu Velma. Selbstverständlich sprachen ihn auch andere an, aber das war nicht weiter verwunderlich, immerhin wollten sie alle freikommen.
„Not guilty!“
„Genau Süße, aber du weißt, was es kostet…“, meinte er charmant. Dann blieb sein Blick an einer unscheinbaren Blonden hängen, die doch irgendwie wunderhübsch war. Sie erinnerte ihn fast ein bisschen an seine Mutter. Sie hatte auch immer so zerbrechlich gewirkt. Er wusste nicht warum, aber etwas zog ihn doch zu dieser Frau und er verstand nicht, warum gerade sie hierher gebracht worden war.
„Mister Flynn, die Pressekonferenz war perfekt!“, wurde er unterbrochen und sah in die dunklen Augen von Velma.
„Ich weiß! Doch Sie müssen sobald wie möglich die nächste geben!“, erwiderte er, immer noch mit seinen Gedanken noch nicht ganz bei ihr.
„Warten Sie kurz, Miss Kelly.“

Er verschwand noch einmal zu Mama Morton.
„Wer ist die Neue?“
„Roxie Hart! Unschuldiges Ding, vermutlich vom Land und wurde in die Großstadt geschmissen. Hat ihren Liebhaber getötet…vielleicht im Affekt, vielleicht auch so…“
„Bringen Sie sie dazu sich mit dem Gedanken anzufreunden mir 5.000 $ zu zahlen, damit ich sie hier raushole!“, meinte er noch, ehe er zurück zu Velma ging, doch an sich ging es ihm doch wirklich nur um das eine: …all I care about is Love!
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