Badespaß

GeschichteAllgemein / P12
Christine Daaé Erik - das Phantom der Oper Monsieur Reyer
27.07.2015
27.07.2015
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Hey!
Soo, da ich zur Sommer Challenge 2015 nominiert wurde, kommt hier mein OneShot. Ich warne euch, es ist wahrscheinlich ziemlicher Schwachsinn. Dennoch, vielen Dank an OnceUponADream für die Nominierung! Die vorgegebenen Tags waren: Südfrankreich, Mankini (was für Erik wirklich grausam war) und wasserscheu.
Ich hoffe, die Geschichte macht irgendeinen Sinn und ist wenigstens ein bisschen unterhaltsam. xD Ach, und ignoriert einfach, dass man im Neunzehnten Jahrhundert wahrscheinlich nicht so "freizügig" im Meer planschen gegangen ist.
Liebe Grüße! <3
Jojo




Erik saß missmutig auf dem Doppelbett und starrte die ihm gegenüber liegende Wand an. Er hatte sich bereits geschworen, die ganzen zwei Wochen genau so zu verbringen. Keine zehn Pferde würden ihn über die Türschwelle bringen, geschweige denn dazu, dieses grauenhafte Ding anzuziehen. Auch seine liebe Ehefrau nicht. Es reichte schon, dass er überhaupt hier war. Das hatte ihn schon genügend Überwindung gekostet. Aber jetzt noch darin dieses verfluchte Hotelzimmer verlassen? Oh nein. Nicht mit ihm.
„Erik?“, erklang da die Stimme seiner Frau aus dem angrenzenden Badezimmer. Trotz seiner miesen Stimmung brachte ihn ihre Stimme zum Lächeln. Da trat Christine auch schon aus dem Badezimmer. Eriks Augen weiteten sich ein Stück. Sie trug nur ein leichtes Sommerkleid, was mehr Haut zeigte, als es Erik im Moment lieb war. Er musste ja irgendwie einen klaren Kopf behalten, um sich weiterhin wehren zu können, aber das machte sie ihm so nicht gerade leicht.
„Ich bin... Du bist ja immer noch im Anzug!“
Erik hob eine Augenbraue. „So wird es auch bleiben, meine Liebe.“
„Du kannst doch nicht so zum Strand gehen“, sagte Christine. „Weißt du, wie heiß es draußen ist?“
„Ich habe nicht vor, dieses Zimmer zu verlassen.“
Christine seufzte. „Du hast es versprochen.“
„Ich habe versprochen, dass wir Urlaub machen, ja“, gestand Erik ihr ein. „Dazu gehört aber nicht, mich da draußen vor versammelter Mannschaft bloß zu stellen.“
„Ach, Liebling“, seufzte Christine und setzte sich neben ihn auf das Bett. „Schau mal, ich kann verstehen, dass dir das Ganze nicht behagt, aber... Jetzt sind wir doch hier. Was bringt uns das, wenn wir die ganze Zeit hier im Zimmer hocken?“
„Ich werde dieses Zimmer nicht verlassen,“ sagte Erik erneut und betonte jedes Wort.
Christine legte den Kopf auf seine Schulter und sah mit ihren Engelsaugen zu ihm hoch. „Och, Erik, bitte. Für mich.“
„Auch für dich werde ich dieses scheußliche Etwas nicht anziehen.“
„Erik, bitte.“
„Nein.“
„Aber...“
„Nein.“
„Du bist ein Spielverderber.“
„Ich weiß.“
Christine seufzte. „Gut, dann gehe ich eben allein.“
„Was?“, fragte Erik alarmiert. „Du lässt mich hier allein?“
Christine erwiderte seinen Blick ruhig. Oh, sie wusste ganz genau, was sie sagen musste, um ihn dahin zu bringen, wo sie ihn haben wollte. „Das ist Erpressung“, knurrte Erik.
Christine zuckte die Schultern. Ihre Hand strich liebevoll durch sein Haar. „Sei nicht so griesgrämig, Liebling. Deine Maske darfst du ja anbehalten.“
„Wie großzügig von dir“, sagte Erik sarkastisch. Gott, diese Frau trieb ihn noch in den Wahnsinn. Dennoch ließ er sich von ihr auf die Füße ziehen.
„Wir müssen ja auch nicht lange bleiben“, sagte Christine, während sie ihm verführerisch das Jacket von den Schultern streifte. „Mir ist nur so warm. Ich würde gerne schwimmen gehen.“
„Schwimmen?! Oh nein. Du kriegst mich nichts ins Wasser.“
Christine lachte leise. „Mal sehen.“ Sie zog ihm die Weste aus und legte sie zu dem Jacket auf das Bett. Sie löste seine Krawatte und knöpfte ihm schließlich das Hemd auf. Da Erik wusste, dass sie gewiss auf nichts aus war, was auch ihm Freude bereiten könnte, blieb er nur beleidigt stehen und starrte an ihr vorbei.
„Muss ich dir auch die Hose ausziehen?“, fragte Christine. Erik verschränkte die Arme. Christine seufzte, doch bevor ihre Hände sich an seinem Gürtel zu schaffen machen konnten, hielt er ihre Handgelenke fest.
„Christine.“
„Ja?“
„Du treibst mich in den Wahnsinn, Liebes.“
„Das liegt gewiss nicht in meiner Absicht.“ Ihr Grinsen sagte jedoch etwas ganz Anderes. Sie sah ihn mit ihren liebreizenden Augen an, bis Erik wusste, dass er verloren hatte.
Erik stöhnte auf. „Ja, ja, gut. Meinetwegen. Gib es her.“
Christine quietschte erfreut auf und fiel ihm um den Hals. „Ich wusste es! Ach, Erik, das wird bestimmt wunderbar! Wir werden ganz viel Spaß haben.“
„Das bezweifele ich“, murmelte Erik. Christine drückte ihm das verhasste Kleidungsstück – wenn man es denn so nennen wollte – an die Brust und trat ein paar Schritte zurück. „Christine“, startete er den gefühlten hundertsten Versuch, „warum hast du mir ausgerechnet so etwas gekauft?“
„Ich fand es lustig. Komm, wenigstes ist es schwarz.“
„Das macht es nicht besser“, knurrte Erik, öffnete aber seinen Gürtel und zog sich aus. „Wie zum Teufel soll ich das...“
„Warte. Du musst...“
„Finger weg!“
„Gott, Erik, jetzt tu nicht so, als hätte ich dich noch nie...“
Finger Weg!
„Du musst es...“
„Christine!“
„Dann zieh es einfach an.“
„Christine, das ist...“
„Siehst du, es geht doch.“ Christine klopfte ihm zufrieden auf die Schulter. „Es ist wirklich... ähh... einmal etwas Anderes, findest du nicht?“
Erik starrte in den Spiegel. Er glaubte, sich noch nie so sehr beim Anblick seines Spiegelbildes erschrocken zu haben. Etwas Anderes war es definitiv, da hatte Christine Recht. „Das ist furchtbar“,  sagte er mit leiser, verzweifelter Stimme.
„Ach, so schlimm ist es nicht.“ Christine pikste ihren Ehemann zwischen die Rippen. „Du solltest wirklich mehr essen, Liebling.“
„Wie heißt es, hattest du gesagt?“, fragte Erik, ohne sie zu beachten.
„Mankini.“
„Welcher Schwachkopf war der Meinung, das sollte man tragen?!“
„Ich weiß nicht. Können wir?“
„Oh nein. Niemals. Du kriegst mich nicht hier raus. Nicht in dem Ding!“
„Du kannst ja noch deine Hose drüber ziehen, wenn du magst“, schlug Christine unbeschwert vor.
„Ich werde mich so keiner Menschenseele zeigen“, sagte Erik entschlossen, während Christine ihm seine Hose reichte und er sie wieder anzog. Auch sein Hemd gab sie ihm wieder. „Das geht gegen meine Prinzipien..“ Christine gab ihm die Tasche, in die sie Handtücher und dergleichen gepackt hatte. „Ich glaube, ich werde einfach hier bleiben. Ich wünsche dir viel Spaß.“
Christine lächelte, nahm seine Hand und einen Moment später standen sie vor ihrem Hotelzimmer auf dem Flur. Sie verließen gemeinsam das kleine Hotel. Christine machte munter einen Schritt nach dem anderen, während Erik eher hinter ihr her trottete und von ihrer Hand weiter gezogen wurde.
„Ich hasse Urlaub“, murmelte er in sich hinein.
„Ach, jetzt sei doch nicht so“, sagte Christine. „Wir sind ja extra in Frankreich geblieben, damit du dich ein wenig wohler fühlst.“
„Wohler fühlst?!“, wiederholte Erik. „Wie soll ich mich bitte wohl fühlen? In diesem... Wie heißt es?“
„Mankini, Erik.“
„Ja. Sage ich doch.“
„Jetzt komm, beweg dich.“
Wenig später gelangten sie zum Strand. Ein schöner Sandstrand mit klarem, blauen Wasser. Über ihnen prangte ein leuchtend blauer Himmel. Christine hatte ihnen absichtlich eine ruhige, kleine Bucht in einem noch recht unbesuchten Fleckchen Südfrankreichs ausgesucht. Sie waren auch kilometerweit von der nächsten größeren Stadt entfernt. Hier reisten nur Leute hin, die wirklich ihre Ruhe haben wollten, oder verliebte Paare, die es als romantisch erachteten, weit weg von der Zivilisation zu sein. Oder Menschen wie Christine, die einen menschenscheuen Operngeist dazu bringen wollten, den Sommer zu genießen. Aber davon gab es vermutlich nicht all zu viele.
„Es ist zu heiß“, jammerte Erik.
„Schau mal, dahin?“ Christine suchte ihnen einen Platz im Sand, einige Meter von den anderen Menschen entfernt, die sich bereits am Strand befanden.
„In unserer Wohnung unter der Oper wäre es jetzt schön kühl“, sagte Erik mit einem sehnsüchtigen Seufzen. „Da hätten wir unsere Ruhe und ich könnte wie immer ganz in schwarz herum laufen.“
„Du bist jetzt auch ganz in Schwarz“, sagte Christine fröhlich, während sie die Handtücher im Sand ausbreitete.
Erik schnaubte nur und betrachtete Christine dabei, wie sie sich ihr Kleid über den Kopf zog.
Gut, dieser Anblick war es vielleicht doch wert.
„Und wie heißt das, was du da trägst, Liebes?“, fragte er neugierig.
„Bikini, Liebling.“
„Das gefällt mir.“
„Das habe ich mir schon gedacht“, schmunzelte Christine.
Erik ließ sich auf die Handtücher fallen. Er kam sich schrecklich fehl am Platz vor. „Christine, können wir wieder gehen?“
„Schau mal, wie schön es hier ist“, sagte Christine begeistert und zeigte auf das Meer. „Ich liebe das Meer.“
„Es ist nur eine große Pfütze“, erwiderte Erik missmutig. „Unser See ist viel schöner. Nächstes Jahr können wir ja da Urlaub machen.“
„Witzbold.“
„Das war kein Witz.“
Christine setzte sich neben ihn. „Ach, Erik, du bist doch sonst immer so ein Romantiker.“
„Das kommt auf meine Stimmung an“, sagte Erik. „Gerade nicht.“
„Ja, ich merke das schon. Komm, zieh dich aus, du fängst schon an zu schwitzen.“
„Vergiss es. Mir geht es gerade ganz gut so.“
„Möchtest du nicht mit mir ins Wasser gehen?“
Erik verzog das Gesicht. „Nein.“
„Aber warum denn nicht?“
„Ich will nicht. Darum.“
„Du hast doch nicht etwas Angst?“, fragte Christine erstaunt.
„Was?“, sagte Erik ertappt. „Ich habe keine Angst. Ich mag nur... das Meerwasser nicht.“
„Ich verstehe dich manchmal nicht, weißt du das?“
„Es ist so... salzig. Und so... voller Zeug.“
„Zeug?“
„Ja. Zeug.“
„Dein See ist auch voller Zeug“, sagte Christine. „Ich persönliche finde den viel ekliger als das hier.“
„In meinem See ist aber Zeug, das ich kenne“, meinte Erik trotzig.
„Erik, du bist heute irgendwie besonders schwierig.“
„Kein Wunder“, murmelte Erik.
Christine küsste ihn kurz und stand dann auf. „Also, ich gehe jetzt ins Wasser.“
„Ich bleibe hier und passe auf die Sachen auf.“
„Ich glaube nicht, dass das nötig ist.“
„Ich glaube doch.“
„Kommst du jetzt?“
„Nein. Bleib bitte hier.“
„Du kannst ja mitkommen.“ Christine grinste und spazierte dann durch den Sand durch das Wasser. Erik seufzte, als er sie so sah. Wahrscheinlich war sie sich ihrer Wirkung auf ihn ganz genau bewusst. Diese verfluchte, unwiderstehliche Verführerin.
Mit einem weiteren Seufzer stand er auf und zog sein Hemd aus. Einen Moment überlegte er, einfach in der Hose ins Wasser zu gehen.
Brrrr.
Wasser.
Er verzog das Gesicht und zog widerwillig auch die Hose aus. Er war sich in seinem ganzen Leben noch nie so lächerlich vorgekommen. So sehr geschämt hatte er sich auch noch nie. Und das sollte schon etwas heißen, fand er.
Dennoch stapfte er durch den Sand hinüber zum Meer. Er hatte keine Ahnung, wie Christine sich so anmutig hier bewegen konnte. Erik, der ja sonst ebenfalls die Anmut in Person war, blieb auf dem Weg zum Wasser gleich zwei Mal im Sand stecken.
Ein Kind, ein kleines Mädchen, rannte an ihm vorbei, erschrak aber, als sie den unheimlichen Mann mit der Maske sah. Sie fiel direkt vor seinen Füßen in den Sand. Erik sah ein wenig hiflos auf sie hinunter. Normalerweise, wenn er in besser Stimmung gewesen wäre, hätte er sich nach dem Wohlergehen des Mädchens erkundigt. Doch da rappelte die Kleine sich auch schon auf und floh vor ihm. Erik seufzte. Gut, wer würde vor einem skelettartigen Mann in einem – wie hieß es noch mal? - Mankini und mit Maske nicht weg rennen.
„Erik?“
Erik richtete seinen Blick wieder geradeaus. Er entdeckte Christine, die schon bis zum Bauch im Wasser stand und ihm winkte. Erik hob nur kurz grüßend die Hand und wagte sich schließlich bis zum Wasser vor, wo der Sand feucht und dunkel und nass war. Recht angewidert wich er wieder zurück, als eine Welle seine Füße umspülen wollte. Das Wasser sollte mal schön von seiner Haut fern bleiben.
„Kommst du jetzt oder was?“, rief Christine ihm zu.
„Ich... Ich bleibe hier stehen, glaube ich“, rief er zurück. „Und... äh... betrachte den Horizont. Oder so.“
„Sei kein Feigling, Erik!“, lachte Christine. „Komm schon!“
Erik schüttelte den Kopf und blieb, wo er war. „Ich will nach Hause“, jammerte er in sich hinein.
Er mochte den Sommer nicht. Der Winter war ihm schon immer lieber gewesen. Er war einfach nicht der Typ, der freudestrahlend am sonnigen Strand im Wasser herum planschte. Seine Frau schien das allerdings zu sein, wenn er sie so betrachtete. Gut, vielleicht lag das auch daran, dass sie um einiges jünger war als er. Christine hatte sich anscheinend in das Wasser verliebt.
Grandios. Dann konnte Erik ja eigentlich gehen.
Gerade als er sich umdrehen und zurück zur Decke marschieren wollte, traf ihn ein Schwall eiskaltes, nasses, furchtbares Wasser im Gesicht. Er stieß einen Wutschrei aus, doch als er sich vom ersten Schock erholt hatte, blieb er wie erstarrt stehen. Seine Haare waren pitschnass und hingen vor seiner Maske, von der auch bereits Wasser in den Sand tropfte. Grimmig und innerlich Rache schwörend sah er seine Frau an, die mit einem breiten Grinsen vor ihm im Wasser stand.
„So, jetzt bist du sowieso nass, jetzt kannst du auch ganz rein kommen“, sagte sie.
„Du hast mich nass gespritzt“, sagte Erik.
„Wirklich? Das habe ich gar nicht mitbekommen.“
„Ich mag es nicht, wenn man mich nass spritzt.“
„Ich weiß.“
„Das wird ernste Folgen haben, Mädchen!“
Christine sah ihn nur skeptisch an. „Was soll denn der gereizte Ton, hm? Ich bleibe ja extra hier stehen, damit du es mir heimzahlen kannst.“
Erik atmete tief durch und versuchte, sich zu beruhigen. Er verschränkte die Arme hinter dem Rücken. „Das wäre unter meiner Würde.“
Christine lachte so sehr, dass sie beinahe ins Wasser fiel.
Erik fuhr sich angewidert durch die Haare. „Uäh“, machte er, als er feststellte, dass Christine ihn nicht nur mit Wasser, sondern auch mit einer grünen Alge erwischt hatte.
„Du solltest dich mal sehen“, brachte Christine heraus, die immer noch kicherte wie wild. Erik sah sie einfach nur böse an und wich weiterhin den Wellen aus, die am Strand ihr tragisches Ende fanden. Schließlich kam Christine zu ihm herüber.
„Oh nein. Ich bin schon nass“, sagte Erik und wich vor ihr zurück.
„Nicht nass genug“, grinste sie, nahm seine Hände und küsste ihn. Erik seufzte leise, gab aber nach, schlang die Arme um sie und erwiderte den Kuss. Irgendetwas Positives musste dieser Strandbesuch ja auch haben, oder?
Er war zu beschäftigt, um zu merken, dass Christine ihn geschickt in Richtung Wasser manövrierte. Das nächste, was er mitbekam, war ein kräftiger Stoß gegen seine Brust und dann etwas Nasses, Kaltes, das über ihn herein brach. Er schnappte nach Luft, was unter Wasser eher kontraproduktiv war.
Als er schließlich prustend und nicht gerade amüsiert wieder über Wasser war, funkelte er Christine böse an. Er saß vor ihr im Wasser, welches ihm jetzt bereits die Brust umspülte. Jetzt war er jedenfalls nass genug, hoffte er. „War das wirklich notwendig?“, knurrte er.
Christine kriegte sich vor Lachen kaum noch ein. „Ja“, brachte sie zwischendurch heraus. „Definitiv.“
Nun gut. Erik sah sich am Strand um. Ein paar Meter von ihrem Platz entfernt saß die Familie, zu der das kleine Mädchen gehörte, welches vorhin vor ihm geflohen war. Ein Mann, eine Frau und die Kleine, die gerade am Strand spielte und irgendein Loch buddelte. Dann waren am Strand noch ein Paar und ein einzelner Schwimmer. Sonst war es leer.
Das war eigentlich zu verkraften.
Erik seufzte leise, dann pfiff er auf seine Würde, sprang auf und schon hatte Christine ebenso wie er vorher einen Schwall Wasser ins Gesicht bekommen. Entgegen zu ihm schien sie das aber eher zu amüsieren und sie schlug lachend zurück. Erik war bewusst, dass das so gar nicht das war, was er für den heutigen Tag geplant hatte. Generell war er weit davon entfernt, im Hotelzimmer auf dem Bett zu sitzen und die gegenüber liegende Wand anzustarren.
Und wenn schon.
Sie lieferten sich eine ausgiebige Wasserschlacht. Im Laufe dessen stellte Erik fest, dass er zwar stärker und größer war als seine liebe Frau, Christine aber um einiges flinker und geschickter im Wasser war als er. Wahrscheinlich hatte sie so etwas auch schon öfter gemacht. Als er zum er-wusste-nicht-wie-vielten Mal im Wasser landete und dieses widerliche Salzwasser schluckte, hatte er genug.
„Christine!“
„Ja.“
„Hör auf. Bitte.“
„In Ordnung“, sagte sie. Und spritzte ihn noch ein Mal nass.
So, das reichte. Erik hatte keine Lust mehr. Er wollte nach Hause. Er fand das Wasser eklig und es war zu heiß und er sah lächerlich aus.  Christine zu Liebe hatte er nachgegeben, sie waren zur Küste gefahren und hatten sich ein Zimmer in einem kleinen Hotel gemietet. Er hatte seine Oper, hatte Paris verlassen, nur für sie. Er hatte dieses scheußliche Etwas angezogen und war mit ihr zum Strand gegangen. Er war sogar ins Wasser gegangen. Nun, mehr oder weniger freiwillig. Das war bei Weitem genug erst einmal. Für diesen Tag auf jeden Fall.
„Ich gehe jetzt“, murrte Erik und marschierte an Christine vorbei in Richtung ihrer Handtücher.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte Christine besorgt und folgte ihm.
Erik winkte ab. „Ich hasse den Sommer.“
„Erik, ich...“
„Ich hasse diese Hitze. Ich hasse den Strand. Und ich hasse – und ich meine wirklich abgrundtief hassen – dieses Ding, diesen...“
„Mankini.“
„Ja. Und ich hasse dieses widerwärtige Wasser und...“
„Erik, pass...“
„Ich ha-“
Erik fiel kopfüber in den Sand. Gleichzeitig hörte er einen schrillen Schrei, Christine, die ihren Satz mit einem resigniert klingenden „auf“ beendete und sich gleich darauf eilig bei der Kleinen entschuldigte, in deren Loch Erik anscheinend getreten und deswegen gestolpert war.
Erik blieb einfach liegen und beschloss zu versuchen, nicht mehr zu existieren, was ihm anscheinend nicht gelang.
„Erik?“
„Löcher“, murmelte er in den Sand hinein. „Ich hasse Löcher.“
„Hast du dir weh getan?“
„Nein.“
„Ich habe versucht, dich zu warnen.“
„Ich war gerade in meine Schimpftirade versunken.“
„Das habe ich bemerkt.“
Erik schwieg.
„Möchtest du nicht aufstehen?“, fragte Christine nach einer Weile.
„Nein. Lass mich einfach hier liegen.“
„Wirklich ausgesprochen schwierig“, hörte er Christine murmeln. „Komm, beweg dich.“ Sie drehte ihn auf den Rücken.
Erik spuckte ein wenig Sand. „Dir ist bewusst, dass ich das alles nur mache, weil ich dir keinen Wunsch abschlagen kann?“
„Deswegen bist du in dieses Loch getreten?“
„Deswegen bin ich überhaupt hier.“
Christine, die neben ihm hockte, lächelte ihn an. „Du bist ein wundervoller Mann.“
Erik seufzte und legte sich den Unterarm über die Augen, um nicht direkt in die Sonne zu sehen. „Ich liebe dich“, hörte er Christine sagen.
„Ich liebe dich auch.“
„Du hast überall Sand.“
„Woher kommt das nur?“
„Komm, steh auf.“ Christine zog ihn mit großer Mühe auf die Füße. „Lass uns noch ein Mal ins Wasser gehen und ein paar Runden schwimmen.“
„Ich will nicht wieder ins Wasser“, murrte er.
Christine küsste ihn liebevoll, bevor sie sich wieder auf den Weg Richtung Wasser machte. Sie warf ihm über die Schulter ein Lächeln zu und sagte: „Dein Mankini ist verrutscht.“
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