Die Berührung

von ACZHS
OneshotDrama, Romanze / P12 Slash
Donna Paulsen Harvey Specter Michael "Mike" Ross
26.07.2015
26.07.2015
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Hallo in diesem Oneshot. :)
Zum ersten Mal bin ich im Suits Fandom, mit einem Oneshot zu einem soulmate AU, also einer Welt, in der es Seelenverwandte gibt. Das wird im Text weiter erläutert. Ich liebe es solche soulmate AUs zu lesen, habe zum ersten Mal selbst einen geschrieben und hoffe, dass es mir gelungen ist.
Kann mir vorstellen, noch einmal zu Suits zurückzukehren, dann aber wohl eher, um die tatsächliche Story weiter auszuführen oder zu interpretieren. Ich liebe die Serie immerhin. *_*
Aber nun erst einmal das hier. Der Großteil der wörtlichen Rede ist im Übrigen original aus Suits 1x01. Nur ein oder zwei der Sätze nicht. Und ich habe ihre Kennenlern-Szene nur ganz leicht am Anfang geändert. :)
Nun wünsche ich viel Freude beim Lesen. :)

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Sein Vater hatte ihm immer von Seelenverwandten erzählt. Von Seelenverwandten, von Liebe und von Farben.
Die Berührung des Seelenverwandten gab einem Menschen Farben. Vorher war für jeden die ganze Welt in verschiedenen Grautönen. Nach Treffen des Seelenverwandten, mit ihm zusammen, war die Welt farbenfroh und bunt.
Harvey hatte nie verstanden, was das heißen sollte. Niemand, der seinen Seelenverwandten getroffen hatte, konnte es je verstehen. Denn es gab vorher schlicht keine Möglichkeit, Farben zu sehen und zu wissen, was es bedeutete.
In Kleidungsstücke war stets eingenäht, welche Farbe sie jeweils hatten, ebenso wie es an Polstern und Kissen und allem irgendwo geschrieben war, und es gab ganze Fernsehshows, Schulkurse und Clubs, die sich damit auseinandersetzten, welche Farben wo und wie zu kombinieren waren, wie es gut auf Menschen wirkte, die die Farben sehen konnten.
Manche, die es nicht sehen konnten, machten regelrecht einen Sport daraus und ließen ihre Outfits gerne von Menschen bewerten, die es sehen konnten. Andere interessierte es nicht, verstanden auch nicht, was an bestimmten Kombinationen so verkehrt sein sollte – häufig verstanden sie selbst, wenn sie endlich Farben sahen.
Nicht jeder Mensch traf seinen Seelenverwandten. Doch es waren genügend.
Es wurde vermutet, dass die meisten auf irgendeine Art auch mehrere Seelenverwandte hatten. Weil viele Menschen das Glück hatten, einen zu treffen, auf dieser großen Welt. Und weil es manchmal nach dem frühen Tod eines Partners geschah, dass der Hinterbliebene auf einen neuen Menschen traf und dem ebenso Farben schenkte. Es geschah nie, dass jemand das tat, wenn sein erster Seelenverwandter noch lebte.
Ganze Wissenschaften beschäftigten sich mit diesem Phänomen. Mit Seelenverwandten generell. Es war nie anders gewesen und doch ein so großes Mysterium.
Man munkelte, dass es auch Experimente gab, schon Kindern Farben zu schenken, unabhängig von Seelenverwandtschaft – manche betrachteten dies aber auch als unethisch, denn wie sollte man dann wissen, wann man seinen perfekten Partner gefunden hatte?
Einige Menschen trafen ihren Seelenverwandten auch nie. Konservative Menschen hielten nicht viel davon, wenn zwei Menschen sich in ihrer grauen Welt dennoch liebten und heirateten, eine Familie gründeten.
Harveys Vater hatte auch nie Farben gesehen. Aber er hatte Harvey stets erzählt, dass seine Mutter seine Welt definitiv bunt gemacht hatte.
Harvey hatte damals immer lächeln müssen und war sich allein deswegen sicher gewesen, dass er auch sein Glück finden würde.
Er hatte nie wirklich daran geglaubt, seinen eigenen Seelenverwandten zu treffen, war die Welt so groß mit Milliarden von Menschen – und wer sagte überhaupt, dass jeder Mensch einen Seelenverwandten hatte? Aber sein Vater war auch so glücklich gewesen und dann konnte er auch so glücklich werden.
Dann hatte er seine Mutter mit einem anderen erwischt; und nicht einmal mit ihrem eigenen Seelenverwandten, was vielleicht noch zu verstehen gewesen wäre.
Seitdem glaubte er nicht mehr an Liebe. Er glaubte definitiv nicht mehr, dass er seinen Seelenverwandten finden würde, hatte er es auch viel weniger verdient als sein Vater, der ein so viel besserer Mensch gewesenw ar. Und er, Harvey, würde niemals jemand anderes lieben, sich niemals in der Form auf jemanden einlassen, wenn es nicht die Person war, die absolut für ihn bestimmt wäre.
Wobei er mittlerweile verstand, was sein Vater gemeint hatte, als er gesagt hatte, seine Mutter würde seine Welt bunt machen. Er konnte keine Farben sehen, wusste immer noch nicht genau, was mit dem Begriff überhaupt gemeint war, aber er wusste, dass seine Welt auch irgendwie mehr Farbe hatte, seit Donna darin war.


Mikes Eltern hatten alles versucht, ihn an ihrer farbenfrohen Welt teilhaben zu lassen.
Sie hatten ihm regelmäßig erzählt, wie sie sich das erste Mal gesehen hatten. Wie ihre Augen gegenseitig schon anders aufeinander gewirkt hatten.
Manche Menschen konnten angeblich beim ersten Sehen ihres Seelenverwandten schon die fremden Augen in Farbe sehen, konnten es nur noch nicht definieren, bis die ganze Welt bei Berührung in Farbe explodierte.
Seinen Eltern war es so geschehen. Sie hatten bemerkt, dass irgendetwas anders an dem jeweils anderen gewesen war, als sie sich bei einer Fortbildung gesehen hatten. So hatten sie angefangen zu sprechen, aber es war erst am zweiten Tag gewesen, dass Mikes Vater seiner Mutter in der Pause einen Kaffee gereicht hatte, ihre Hände sich dabei nur beiläufig und kurz berührt hatten und die Zeit einen Moment für sie stehen geblieben war, plötzlich Farbe in der Welt gewesen war und sie sich irritiert umgesehen hatten, ob der plötzlich unbenennbaren Veränderung.
Seine Mutter hatte stets in liebevollem Detail von allen Farben gesprochen und manchmal war Mike sich sicher gewesen, sie allein durch die Beschreibung sehen zu können.
Sie hatte ihm erklärt, wie warm Farben wirken konnten, wie Rot für sie immer mit dem knisternden Lagerfeuer zusammenhing, an dem sie beim dritten Date mit seinem Vater gesessen hatte.
Sie hatte ihm auch von kalten Farben erzählt, die aber auch wunderschön waren, wie der Himmel und das Wasser in unendlichem Blau. Von seinen Augen, in denen sie sich so gerne verlor.
Sein Vater hatte ihm erklärt, in was für Farben der Regenbogen unterteilt war und warum, wie bunt Lichter jederzeit wirken konnten, wie unglaublich schön die Natur strahlen konnte.
Mike hatte sich immer für all das interessiert. Teilweise hatte er die Grautöne sogar besser einordnen können als jeder seiner Klassenkameraden, hatte ihnen den richtigen Farbton zuordnen können, den manche sahen.
Dann waren seine Eltern plötzlich nicht mehr da gewesen. Von einen Tag auf den anderen hatte er sie verloren. Mit ihnen hatte er jeden Sinn für Farben verloren.
Er hatte es angefangen zu hassen, wann immer er jemanden über Farben hatte sprechen hören.
Er hatte sich aber intensiver mit Seelenverwandtschaft beschäfigt. Bücher darüber gelesen, wie die Wahrscheinlichkeiten lagen, seinen zu treffen, wie es war, ihn getroffen zu haben. Er hatte dabei meist an seine Eltern gedacht und an alles, was sie ihm immer erzählt hatten.
Er hatte nicht an sich gedacht und daran, ob er jemals seinen Seelenverwandten finden würde. Seine Welt war plötzlich so leer gewesen und das endlose Grau hatte ihn merkwürdig erschlagen, dass er nie daran gedacht hatte, dass eines Tages ein Mensch seine Welt wahrhaftig mit Farbe füllen würde.
Seine Großmutter redete es ihm auch nicht ein. Es ging in Wahrheit nicht um Seelenverwandtschaft. Es ging um das Kind, das seine Eltern verloren hatte und alle schönen Dinge des Lebens alleine mit ihnen verband – und alles mit ihrem Tod verloren hatte.
Sie hatte versucht, ihm ebenso wundervoll zu erzählen wie seine Eltern. Nicht nur über Farben, sondern über das ganze Leben.
Doch es hatte seine Welt nur trister und grauer gemacht.

Machmal wusste er selbst nicht, wie er geschehen war, aber an irgendeiner Stelle war er gänzlich abgerutscht. Gelegentlich wollte er Trevor dafür die Schuld geben, aber er wusste, dass es seine eigene war. Er selbst war es, der immer wieder rauchte, aus der Realität flüchtete. Er hatte zugestimmt, den Mathetest zu verkaufen. Er legte seitdem Prüfungen für andere ab, verdiente so sein Geld. Er war es, der es nicht schaffte, wieder auf die Beine zu kommen.
Manchmal redete er sich selbst ein, dass er nicht am Boden war, sondern einfach sein Leben genoss. Auf Harvard und danach als Anwalt hätte er hart arbeiten müssen. Nun lebte er einfach in den Tag hinein, verbrachte viel Zeit mit seinem besten Freund und verschiedenen Frauen. Es war gut so, oder? Besser als die harte Arbeit?
Doch er wusste, dass er jeden Tag mit harter, aber dafür zufrieden stellender Arbeit, mit fordernder Arbeit mehr genießen würde.
Er wusste nur nicht, wie er je zurückkommen sollte.
Wann immer er zugekifft war, dachte er auch nicht mehr an das, was er verloren hatte, was er hätte erreichen können oder vielleicht auch noch erreichen konnte, wenn er sich anstrengen würde. Seine Welt mochte nach genug Drogen sogar fast bunt wirken.
Wenn er nüchtern war, wurde die Welt aber stets grauer und trostloser. Und jegliche Ziele schienen unerreichbar.
Er wusste: Würde ihm jemand die Hand reichen, ihm irgendeine Möglichkeit auf mehr geben, er würde die Hand nehmen. Doch wer würde sie ihm je reichen?
Die Idee von dem Drogendeal war idiotisch. Aber er brauchte das Geld. Für seine Großmutter, die so viel für ihn getan hatte.
Doch es kam anders. Ehe er es sich versah, stand er vor einer Frau, die er noch so gut kennenlernen sollte, und wurde erwartungsvoll als „Rick Sorkin“ angesprochen.
Er war ehrlich, als sie ihn fragte, warum sie ihn überhaupt reinlassen sollte – er wollte nicht in den Raum, er wollte nur die Bullen loswerden.
Dass die Frau ihn daraufhin kurze Zeit später weiter in den Raum leitete, verwirrte ihn so sehr, dass er nicht bemerkte, wie anders und... warm die Augen des Mannes waren, der ihn dort empfing.


Im Alter von 39 Jahren war Harveys Leben praktisch perfekt. Er hatte eine unglaubliche Karriere, war mit sich selbst im Reinen, stand gut zu seinem Bruder und dessen Familie, hatte Donna und Jessica... und war nun endlich auch Senior Partner. Es würde nicht mehr lange dauern, bis auch noch sein Name an der Wand wäre.
Und ja, seine Welt war vielleicht noch grau, aber er brauchte keine Farben. Er brauchte keinen Seelenverwandten. Er hatte immerhin alles sonst.
Wobei er wirklich nicht sonderlich begeistert davon war, nun einen Harvard-Alumni einstellen zu müssen – er arbeitete besser alleine. Aber wenn es so war und Jessica es erwartete...
Die Vorstellungsgespräche dauerten ihm jetzt aber schon viel zu lange und kein einziger von ihnen überzeugte ihn auch nur annährend.
Doch bei diesem jungen Mann zwinkerte Donna ihm zu, bevor sie ihn durchließ – das weckte sofort seine Neugierde.
„Hallo, äh, Rick Sorkin“, sagte der Mann, fast ein wenig zögerlich.
Harvey war zu abgelenkt von den hellen Augen des Mannes, als dass er das Zögern bemerkte. Irgendetwas war an ihnen anders.
„Harvey Spector“, sagte er aber, während sie beide aufeinander zutraten. „Freut mich, Sie kennenzulernen.“
Ihre Hände waren kurz davor, sich zum Gruß zu berühren, als der junge Mann noch einen Schritt vortat, dabei mit dem Bein gegen den eigenen Aktenkoffer in der Hand stieß und der aufklappte und seinen Inhalt auf dem Boden verteilte.
„Hoppla“, kam es Harvey über die Lippen und er schob seine Hände wieder beide in seine Hosentaschen. „Was ist denn das?“
Der Mann mit den ungewöhnlichen Augen sah hinunter, wieder hoch, wieder auf die Drogen, wieder in Harveys Augen. „Ich... Ich kann es erklären.“
Kurz darauf saßen sie zu beiden Seiten des Schreibtisches und der Mann erklärte. Er erklärte, dass sein Name eigentlich Mike Ross war, dass er diesen Freund hatte, Trevor, der mit Drogen dealte. Dass er 25.000 Dollar für seine Großmutter gebraucht hatte und die für den Deal bekommen hätte. Dass es in diesem Hotel hatte geschehen sollen, es aber offensichtlich eine Falle gewesen war, zumindest war er auf diese zwei Typen getroffen war, die Polizisten gewesen waren.
Harvey wusste nicht genau, warum er so ausgiebig erzählte, warum er nicht einfach möglichst schnell die Flucht ergriffen hatte – hatte immerhin noch niemand seinen richtigen Namen gekannt. Aber vielleicht hatte er vermutet, dass Harvey ihn irgendwie festhalten würde und an die Polizei ausliefern würde. Zumal die Polizisten, in deren Falle er fast getappt wäre, offenbar hinter ihm her waren und vielleicht gerade in diesem Moment hinter der Tür warteten.
Aber Harvey hatte ohnehin nicht vor, ihn zu verpfeifen. Ihn amüsierte die Geschichte eher. Und der Mann, der sie erzählte.
Belustigt fragte er nach, wie er wissen konnte, dass sie von der Polizei waren, und er erzählte tatsächlich von einem Buch, das er einst gelesen hatte!
„Sie haben etwas gelesen? Damals, in der Grundschule“, sagte er dementsprechend und Mike war mittlerweile auch wesentlich entspannter und musste leicht lächeln: „Was? Ich lese gerne.“
„Wieso haben Sie ihn nach der Uhrzeit gefragt?“, forschte Harvey weiter nach und auch die Antwort war so unglaublich, dass er einfach sagen musste: „Wir sollten Sie anstellen.“
Doch auch wenn Mike es natürlich sofort bereit war anzunehmen... Er hatte nicht nur nicht in Harvard studiert, sondern offenbar überhuapt kein Jura.
Aber Mike behauptete, er hatte die Anwaltszulassung bestanden, und konnte tatsächlich Wort für Wort etwas aus dem BarBri-Jura-Skript zitieren, was Harvey zufällig auswählte. Er habe gelernt, für die Zulassung als Anwalt, sagte er.
Es war unglaublich, auch wie selbstbewusst Mike dabei war, wie er ausdrückte, dass er alles konnte.
Natürlich musste Harvey ihn herausfordern. Aber auch das konnte Mike. Mike schlug ihn, obwohl er selbst auch nicht im Laptop nachsah. Er hatte einfach Fälle und Regeln für Rückdatierung von Aktienoptionen im Kopf.
„Wie können Sie all das wissen?“, fragte Harvey fasziniert nach.
„Das sagte ich doch“, antwortete Mike, „ich lese gerne. Und wenn ich was gelesen habe, dann verstehe ich es. Und wenn ich es verstehe, vergesse ich es nicht.“
„Wieso haben Sie die Prüfung gemacht?“, fragte Harvey weiter
Mike erklärte auch das: „So ein Idiot hat gewettet, ich könnte sie nicht bestehen, ohne studiert zu haben.“
Es war wirklich einfach unglaublich. Wie nachlässig er es sagte...
Aber es änderte nichts. Er hatte kein Jura studiert und Harvey konnte ihn nicht einstellen. Auch wenn es ihn wahnsinnig reizte und er durchaus das Gefühl hatte, mehr von Mike wissen zu wollen, mehr Zeit mit ihm verbringen zu wollen. Weil er im Gegenteil zu so vielen anderen Menschen wahrhaftig interessant wirkte – und zweifelsohne wahnsinnig intelligent, was Harvey stets genoss.
Aber er konnte ihn nicht einstellen. Das hatte er jedoch kaum gesagt, als er einen Blick hinauswarf... da sah er, was ihm noch zur Auswahl stand, die eifrigen Menschen vor der Tür, die sich sofort Mühe gaben, so ordentlich auszusehen, wie sie konnten, als sie ihn sahen. Eindeutig reine Ja-Sager, die vielleicht weit kommen konnten, aber niemals annährend so weit wie er.
Er wandte sich wieder um, sah wieder zu Mike und trat langsam wieder auf ihn zu: „Wenn Sie den Job so unbedingt wollte, wieso haben Sie nicht Jura studiert?“
Auch das erklärte Mike ihm offen und drückte aus, wie sehr er sich einen Weg zurück wünschte.
Und es war Wahnsinn. Die Idee war absoluter Wahnsinn, aber was, wenn er Mike eine Chance geben würde?
Mikes Antwort auf die vage Andeutung war schon genial. Dass er der beste Anwalt werden würde, den er kannte. Das war es, was er suchte. Selbstbewusstsein. Überzeugung.
Und auch auf weitere Zweifel hatte Mike eine Antwort: „Ich bin auch gern mit Leuten zusammen, die nicht so clever sind. Um zu sehen, wie die andere Hälfte so lebt.“
Harvey verkniff sich ein Grinsen. Mehr brauchte er nicht.
„Sie haben mich überzeuge. Ich schreibe eine E-Mail, dass wir unseren neuen Mitarbeiter gefunden haben“, sagte er und Mike machte ihm mit fassungslosem Gesichtsausdruck Platz, sodass Harvey an seinen Laptop konnte.
Er schrieb die Mail, während er Anweisungen gab. Wann Mike anfangen würde, dass er keine Drogen mehr zu nehmen hatte, dass er keinen Kontakt mehr mit Trevor haben sollte, dass er neue Anzüge kaufen würde...
„Dann sehen wir uns Montag nächste Woche“, sagte er final, als er wieder aufstand und auf Mike zutrat. Er reichte ihm die Hand, wollte sie noch schütteln und ihn dann hinausgeleiten. Er musste Donna sagen, dass sie die anderen Kandidaten wegschicken könnte – vielleicht hatte sie das aber auch schon getan, kurz nachdem sie Mike hineingeschickt hatte.
Doch es war in dem Moment, in dem Mikes Hand seine berührte, in der er alles vergass, was er eigentlich vorhatte.
Irgendetwas geschah. Die Welt änderte sich. Nicht auf einen Schlag, aber es begann bei den Händen, auf die sie beide verwundert hinabblickten. Es zog sich über ihre Körper, durch den Raum und dann durch den Rest der Welt.
Sie ließen einander nicht los; es war, als wenn sie es auch nicht konnten. Sie sahen hoch, einander in die Augen, dann blickten sie um sich.
Zum ersten Mal in ihrem Leben sahen beide tatsächlich Farben. Niemand musste es ihnen erklären. Sie wussten, was sie plötzlich sahen – und was das bedeutete.
Ihre Blicke trafen sich wieder und Harvey realisierte, dass die Augen Mikes schon Farbe gehabt hatten, als er in den Raum gekommen war, noch bevor sie sich berührt hatten, eine unglaublich schöne helle Farbe.
Fassungslos sahensie sich zu lange an, nahmen einander mehr auf als die Umgebung, die Welt der Farben, die sich ihnen soeben eröffnet hatte. Die Farben schienen so viel uninteressanter als der Mensch, der sie ihnen gegeben hatte.
„Wow“, kam es irgendwann endlich über Mikes Lippen.
Unwillkürlich drückte Harveys Mikes Hand, die noch immer in seiner lag, und beide lächelten leicht.
Sie hatten einander gefunden.
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