. all good things come to an end

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Apocalypse / En Sabah Nur Magneto / Eric "Magnus" Lehnsherr Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier
25.07.2015
25.07.2015
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Erik war noch ein Kind, als er versuchte seine Schwester zu retten. Kleine, kranke Ruth, die die Flucht kaum so weit überlebt hätte. Erik hatte versucht sie warm zu halten, hatte versucht sie am Leben zu halten, aber als er am Morgen neben ihrem kalten, reglosen Körper aufgewacht war, da wusste er, dass er versagt hatte. Die Decke war in der Nacht von ihrem kleinen Körper gerutscht und war offen für die Kälte der Nacht gewesen. Selbst Eriks eigene Wärme, die er ihr so verzweifelt versucht hatte zu schenken, hatte sie nicht retten können.

Er hatte sie nicht begraben dürfen.

Das zweite Mal, dass er es nicht geschafft hatte die Person, die er liebte zu beschützen, war als er hatte beobachten müssen, wie sein Vater im Camp von Nazis niedergeschlagen wurde. Einfach mit Stöcken und Steinen immer weiter und weiter bearbeitet worden war. Erik erinnerte sich daran, wie er selbst in den Armen einer der Wachen gehangen hatte, wie er sich gewehrt hatte, geschrien und geweint hatte, irgendwie zu seinem Vater gewollt hatte. Gott, er hatte sogar gehofft, dass diese unheimliche Macht, die er letztes Mal gespürt hatte, wieder von ihm Besitz nehmen würde, aber nichts war passiert. Nur das Knacken der Knochen in der Nacht.

Er hatte ihn nicht begraben dürfen.

In welche Richtungen die Asche seines Vaters verstreut worden war, wusste Erik bis heute nicht.

Als er seine Mutter hatte retten wollen, da hatte Erik versagt. Egal, wie oft Charles ihm später sagen würde, dass es nicht seine Schuld gewesen war... Es war seine Schuld. Man musste Erik nichts vormachen. Wenn er stärker und besser gewesen wäre, dann hätte er seine Mutter retten können und die Münze schon damals durch Shaws Stirn drücken können. Einen Weg früh beenden können, der nur Kummer bringen würde. Aber er war nicht stark genug gewesen. Nie war er stark genug gewesen.

Er hatte sie nicht beerdigen dürfen und wenn er den Wachen glauben durfte, dann waren mit der Leiche seiner Mutter noch schlimmere Dinge geschehen, als mit ihrem lebendigen Körper.

Er hatte sie alle umgebracht.

Das vierte Mal hatte er versagt, als er die Kugeln in Kuba hatte abwehren wollen. Es war so einfach gewesen das Metall durch die Luft zu schicken, von sich selbst abzuwenden. Er hätte es auch aufhalten können, die Raketen hatte er schließlich auch im Nichts halten können, aber er hatte sich dazu entschieden sie nach hinten abzulenken. Hatte sich dazu entschieden sie zwar in einer Höhe, wo Charles nach dem Schlag nicht gewesen war, abzulenken, aber dennoch in seine Richtung. Gott, er hatte nie angenommen, das Charles so viel vertrauen – trotz allem – zu ihm hatte, dass er aufstand. Sich auf seine naive, dumme Art so sicher, dass Erik die Kugel auch um ihn herum lenken würde.

Erik hatte versagt.

Genau wie heute, als er neben den Leichen seiner Frau und seiner kleinen Tochter stand, auf sie hinab sah. Sie waren nicht die einzigen Leichen, die heute den Waldboden schmückten. Zwölf weitere Menschen lagen bei ihnen...

Sie waren clever gewesen. Hatten ihn hier in Polen gefunden. Magneto. Magneto, der schon seit knapp zehn Jahren nicht mehr existierte. Magneto, der einst für die Rechte der Mutanten gekämpft hatte und sich in Europa verstecken musste... Magneto, der zu Erik Lehnsherr und schließlich wieder zu Max Eisenhardt geworden war. Max, der Magda das Ja-Wort gegeben hatte. Max, der sich vergeblich nicht mehr an Charles zu erinnern versuchte.

Max, der ein anderer Mensch war...

Er kannte Magda noch von damals. Aus dem Lager. Kleine Magda... Er hatte nicht angenommen, dass sie überleben würde, aber sie in der seltsamen, kleinen Bar mit dem schlechten polnischen Schnaps wieder zu sehen... Eriks Herz war aufgeblüht. Mit was, das konnte er nicht so genau sagen. Vielleicht war es Hoffnung gewesen? Oder einfach nur die Chance etwas Neues anzufangen.

Max war ihr ein guter Mann gewesen in diesem seltsamen kleinen Dorf, das mitten im Nichts lag. Er hatte eine normale Arbeit gehabt, zwar keine Freunde, aber... sie hatten zu Essen und ein sicheres zu Hause.

Zumindest hatte er das angenommen.

Er hatte, ohne Magdas Wissen, noch einige, wenige Mutanten befreit aus den Händen der Regierung. Hatte geholfen, wo es zu helfen gab, aber je mehr Rechte die Mutanten im Laufe der Zeit erhielten, umso... ruhiger wurde es in ihm. Die See seines Verstandes war immer von Stürmen gezeichnet gewesen. Aber mit Magda an seiner Seite, da war sie immer seichter und seichter geworden. Weit unter der Oberfläche, tief in den Schatten seiner Selbst, war immer noch das Chaos gewesen. Hatte immer noch der alte Hass gelauert.

Aber er war nicht mehr sichtbar gewesen.

Und an schönen Tagen hatte Erik ihn sogar vergessen können.

Eben bis heute.

Bis die Menschen – Extremisten, Monster, Dämonen – ihn gefunden hatten. Sie mussten ihn gesehen haben, wie er seine Gabe benutzt hatte, vielleicht als er die Axt mit ihr aufgenommen hatte, vor einigen Wochen? Er wusste es ehrlich nicht mehr. Was zählte war, dass sie... es gewusst hatten.

Sie hatten ihn in den Wald gelockt.

Anya als Köder gehabt. Magda war mit gekommen, auch wenn Erik versucht hatte es ihr zu verbieten, aber... Magda konnte man nichts verbieten. In ihren Schlafsachen war sie Erik nachgelaufen, tief und tiefer hinein in den Wald. Gott, er hatte die Menschen nicht gespürt. Nichts hatten sie an sich gehabt, was sie hätte verraten können. Kein Metall.

Und doch hatten sie Waffen gehabt.

Primitiv aus Holz. Aber auch ein hölzerner Pfeil konnte den Schädel von einer Frau und einem kleinen Mädchen durchschlagen. Es war schneller gegangen, als er hatte reagieren können. Seine Sinne waren eingerostet von Jahren ohne Kämpfen. Sein Blutdurst war eigentlich in Trauer ertränkt worden... Eigentlich.

Erik war gut darin letzte Worte zu behalten. Sein Vater hatte nur um Gnade gebettelt, seine Mutter hatte gesagt, dass alles gut sei. Charles hatte ihm gesagt, dass sie nicht das selbe wollten und Anya hatte... Anya hatte nur „Bitte, Papa“ geschluchzt, ohne eine Ahnung um was sie bat. Magda... Magda schließlich hatte ihm in die Augen gesehen.

Wilde, braune Augen, die ihn durch die Alpträume der letzten Jahre geleitet hatten. Ihn gerettet hatten, wenn immer er schreiend aufgewacht war. Wann immer er in seinen Träumen an einem sonnigen Strand gewesen war, oder mit den Füßen im Dreck und Regen. Sie war immer da gewesen, die letzten Jahre... Und gerade als Erik reagieren wollte, etwas tun wollte um wenigstens sie zu schützen, hatte sie nur leise gesagt: „Alles wird gut.“ Dann war sie leblos zusammen gebrochen.

Ein Pfeil genau zwischen ihren Augen.

Erik hatte nicht geschrien. Hatte keinen Laut von sich gegeben, als der Mensch – der Mörder – die Waffe schließlich auch auf ihn gerichtet hatte, gelacht hatte, dass er vielleicht doch nicht Magneto sei, schließlich habe er nichts unternommen. Und ehrlich? Magneto, der eine Menschen-Frau heiratete? Lächerlich. Dennoch, er müsse jetzt sterben.

Die einzigen Personen die gestorben waren, waren die Männer gewesen. Wie eine Explosion hatten die unterdrückten Kräfte in ihm sich ausgebreitet, waren wie ein Feuer aus ihm geschossen und hatten alles verbrannt,was in ihrem Weg gewesen war.

Tief, tief im Boden waren noch alte Waffen aus dem Krieg gewesen, verschüttet von der Zeit. Rostig und in den Händen der Menschen zu nichts zu gebrauchen, aber in Eriks Händen absolute Massenvernichtung. Bombensplitter, einfach alles. Erik hatte sie gespürt, gepackt und nach oben gerissen, sie alle einfach mit seinen Kräften zerdrückt, bis das Blut den erdigen Boden getränkt hatte.  

Sie kaum mehr als Menschen zu erkennen waren.

Und jetzt?

Jetzt stand er hier und durfte eine weitere Kerbe in seine Liste machen. In die Menschen, an deren Untergang er nichts hatte tun können Er stand einfach nur da, sah zu Magda und Anya hinab, beide mit weit aufgerissenen Augen, als wäre der Tod eine Überraschung gewesen.

Aber wenn man sich mit Erik einließ, dann war er niemals eine Überraschung.

Immer noch sagte Erik nichts. Starrte auf die beiden Menschen, die er geliebt hatte hinab, während die Wut in ihm sich nicht wieder legen wollte. Zu oft hatte er versucht sie zu bändigen, zu halten, aber er konnte nicht mehr. Die Menschen verdienten es nicht anders. Niemand verdiente es am Leben zu sein, nicht wenn sie zu... so etwas fähig waren.

Gott, seine kleine... kleine Anya.

Er begrub sie. Das Metall formte sich zu Schaufeln und hob zwei tiefe Gräber aus, in die er sie hinab ließ, alles in der gefährlichen Stille, die einem Mord nachfolgte. Vielleicht waren heute nicht nur Magda und Anya gestorben, dachte er voller Schmerz, als das Metall Erde auf die blassen Körper schaufelte.

Vielleicht war Max Eisenhardt heute auch gestorben.

Und Erik Lehnsherr.

Nichts war zurück geblieben, außer Magneto. Man konnte den Menschen nicht trauen, man konnte niemanden trauen und... Erik würde Polen den Rücken kehren. Es war an ihm das Schicksal der Mutanten wieder in die Hand zu nehmen, sich selbst einen Weg und ein Ziel zu geben.

Und vor allem einen Grund sich selbst nicht die Kugel zu geben.


Ξ



Erik hatte mitgezählt. Es waren fünf Gelegenheiten gewesen, in denen er versagt hatte, die zu schützen, die er mit seinem Herzen liebte. Er war sich sicher gewesen, dass es niemanden mehr gab, den er verletzen könnte, nicht noch ein Fehler den er begehen konnte. Aber eine Sache vergaß er dabei:

Er hatte Charles Xavier nie getötet.

Verletzt, im Stich gelassen, in den Rollstuhl gebracht und emotional geschädigt. Alles wahr. Er hatte ihn für seine eigenen Ziele missbraucht, wie eine Figur in seinem Schachspiel wieder und wieder in einer neuen Position aufgebaut und hingestellt... Aber er hatte ihn nie getötet und er liebte ihn immer noch wie am ersten Tag. Vielleicht war das der Grund, wieso er ihn wieder sehen musste... Weil er ihm noch nicht das letzte genommen hatte, was er konnte:

Sein Leben.


Ξ



Apokalypse.

En Sabah Nur.

Erik war niemand, der gerne folgte, aber hier war er. Einer der vier Reiter des Mannes. Er hatte seine Rache alleine durchziehen wollen, er hatte es alleine schaffen wollen, aber noch in Polen hatte er ihn abgefangen. Eingeladen, mehr oder weniger... Erik war sich sicher, dass En Sabah kein Telepath war, er hätte es gemerkt, wenn er versucht hätte in seinen Kopf einzudringen. Und doch... hatte jedes seiner Worte Sinn auf eine Art ergeben, wie er es noch nie erlebt hatte.

Seine Pläne die Welt auszulöschen und aus ihrer Asche eine neue Welt zu bauen. Eine bessere Welt.

Ja, das klang besser, als Eriks Plan die Fehler dieser Welt zu bereinigen, oder? Es klang einfacher alles niederzutreten und... und einfach dann neu aufzubauen. Von Anfang an alles richtig zu machen... Oder?

Irgendwas in seinem Hinterkopf, eine drückende Nadel, die nicht vollkommen eindrang, aber die Haut genug reizte, als das es weh tat, sagte ihm, dass er nicht die selben Ziele wie dieser Mutant verfolgte. Er wusste, dass er ein Detail übersah, irgendwas... Aber... Die Dinge, die ihm versprochen worden waren, waren einfach zu süß, als das er sie nicht verfolgen wollen würde.

Eine neue Welt.

Eine bessere Welt.

Auslöschung der Menschen. Auslöschung der Schande. Auslöschung der Gefahr, dass die Geschichte sich wieder wiederholen würde und sich wieder gegen Erik und seinesgleichen stellen würde.

Eine Chance.

Und doch... Dinge schienen zu gut, um wahr zu sein. Wo genau der Haken lag, das sollte er noch herausfinden.


Ξ



„Erik.“ En Sabah Nurs Stimme war ruhig. Beinahe schon sanft, als sie die Türe zu Cerebro blockierten. Es war so seltsam hier unten zu sein, wieder in der Schule zu sein und doch vollkommen auf der anderen Seite. Er hatte sich nicht in Charles Zimmer geschlichen, wie so viele Nächte nach Kuba, hatte nicht den schlafenden Professor beobachtet und sicher gestellt, dass er noch atmete. Nein.

Jetzt war er wie der Dorn im Finger, spürbar, sichtbar und sicherlich alles nur nicht angenehm.

Er war ein Fremdkörper, ein Parasit der eingedrungen war, aber es war... Charles mit seinen Schülern, Hank und Raven auf der anderen Seite. Peter war auch hier... Erik schluckte die Nostalgie hinab. Er war kein Mann, der in der Vergangenheit hing, er war kein Mann, der das brauchte. Was er brauchte war die neue Welt, die Apokalypse ihnen allen liefern konnte und dafür brauchten sie Charles.

Nicht nur, dass er einer der wenigen Telepathen auf der Welt war, er war so mächtig, dass selbst En Sabah Nur Respekt vor ihm hatte. Beinahe schon Angst. Sie mussten Charles aufhalten, bevor er ihr Magnum Opus selbst verhindern konnte.

Erik sah nicht von Charles weg, von seinen Freunden, ballte nur die Hand neben dem Körper zu einer Faust und nickte. Knapp. Abgehakt.

„Hilf dem werten Professor hier her.“

Es ging los. Die erste Phase. Die wichtigste Phase. Erik durfte nicht versagen.

Erik streckte eine Hand aus, beinahe wie fremdgesteuert und doch vollkommen aus seinem freien Willen hinaus. Immer wieder hatte er sich gesorgt, dass er manipuliert wurde, aber nichts. Er war immer noch er selbst... Er wollte das hier.

Metall löste sich aus der Wand, schlug gegen Charles Schläfe. Nicht hart genug, um Schaden anzurichten, aber hart genug, als das sein Körper schlaff wurde. Nur einen Moment verhindern, dass er seine volle Macht gegen sie einsetzte. Gut, Erik war sicher, er trug den Helm, aber die Anderen mussten geschützt werden. Es war nie richtig gewesen, Charles aus seinem Hirn auszuschließen, aber heute war es besonders grausam. Er fühlte sich, als würde er wieder ein Mal einen Teil aus sich selbst reißen, egal, wie weh es eigentlich tat.

Aber er musste es tun.

Wenn nicht er, wer dann?

Oh ja, Erik hörte Raven schreien. Er sah wie die Kinder in Angriffsstellung gingen, wie Peter loslaufen wollte, aber das alles blendete er aus, als er Charles metallenen Rollstuhl griff und ihn in einer fließenden Bewegung zu sich zog. Charles Körper wirkte, als würde er vorne über fallen, einfach aus dem Rollstuhl kippen, so wenig Kontrolle hatte er über sich, aber Erik verhinderte das. Band ein kleines Stück Metall um seinen Bauch um ihn sicher zu halten.

Es war wie die Perversion einer Umarmung.

Ihm war schlecht, Charles so zu sehen, ihm war schlecht, dass er ihm das antat, aber es war für das größere Gut. Es war...

Erik zerrte ihn in Cerebro, folgte auf Apokalypse Nicken hin Charles ins Innere und schloss die Türe, ehe einer der Schüler folgen konnte. Die Stille, die ihm in dem gigantischen, runden Raum empfing war beinahe wie in einem Mausoleum.

Einzig Charles gequältes Stöhnen, als er ich an die Schläfe fasste,brach die Illusion, dass die Zeit stehen geblieben war. Blut lief sein Gesicht herunter und Erik musste mit all seiner Macht widerstehen die Hand nach ihm auszustrecken und es wegzustreichen, es besser zu machen. Irgendwas besser zu machen.

Aber dafür war er nicht konzipiert.

Zerstören, das war seine Gabe.

Erik sah sich um.

Cerebro war ähnlich wie Eriks Helm gebaut. Niemand konnte eindringen, aber gleichzeitig konnte auch keine Energie von Charles nach außen, außer er setzte sich Cerebro selbst auf... Was ihn wohl nicht davon abhielt es dennoch zu versuchen. Als Charles seine Gabe frei ließ, war es beinahe wie eine Explosion. Erik konnte sehen, wie Charles das Gesicht verzog, als er seine Telepathie in alle Richtungen ausschwärmen ließ und doch immer wieder und wieder von den harten Wänden abprallte.

Ja, Erik konnte sogar spüren, wie Charles Gabe gegen seinen Helm drückte und kratzte. Wie ein wildes Tier, nur das er in den Käfig wollte.

„Du hast schon viel Scheiße in deinem Leben gemacht, Erik. Aber das ist die Krönung. Lass mich gehen!“, fauchte Charles, während die blauen Augen Funken sprühten... Erik würde lügen, wenn er sagen würde, dass es ihn nicht erleichterte. Das letzte Mal, als sie sich gesehen hatten war das Blau seiner Augen trüb gewesen. Die Drogen und der Alkohol hatten jedes Bisschen Leben, jedes Bisschen Charles aus ihnen genommen.

Aber jetzt war es wieder da.

Der Zorn, der Kampf... Charles.

„Es tut mir leid, alter Freund.“, entgegnete Erik nur leise, echte Reue auf seinen Zügen, bevor er Charles Rollstuhl wieder anhob und ihn in Richtung der Schaltzentrale gleiten ließ. Oh Gott, er spürte, wie Charles sich wehrte, er spürte seine geballte Kraft gegen den Helm donnern, während er irgendwie versuchte sich aus dem Rollstuhl zu befreien, aber selbst wenn... Wohin wollte er?

Von der Plattform in die Tiefe fallen? Erik würde ihn fangen.

Wollte er weglaufen?

Nein, das konnte er auch nicht mehr, auch das hatte Erik ihm genommen.

„Erik, was tust du? Was zum...“ Er hörte Angst in Charles Stimme. Wie konnte er auch keine Angst haben, wenn man bedachte, was Erik im Begriff war zu tun? Erik würde ihm weh tun, er würde ihn wieder für seine eigenen Spielchen missbrauchen, aber konnte er nicht sehen, dass es das Beste war? Dass es keinen anderen Weg gab, oder Erik würde ihn beschreiten. Vorsichtig, als habe er Angst Charles zu zerbrechen, stellte er ihn vor dem ganzen Komplex ab.

Wie weit war Cerebro gekommen seit den erbärmlichen Anfängen 1963? Es war mittlerweile ein beeindruckender Apparat, der Charles Geist weiter tragen konnte, als je zuvor. Manchmal, in besonders dunklen Nächten in Polen, hatte Erik sich sogar eingeredet, dass er ihn spüren konnte. Seinen Charles. Oh Gott, seinen Charles.

„Ich werde gleich Cerebro einschalten, du musst nichts tun, Charles. Ich... es wird nicht weh tun.“ Charles schrie in hilfloser Wut, schmiss seinen Körper gegen den Rollstuhl, während Erik vorsichtig mit dem Metall ihn fixierte. Dünne Streben wickelten sich um seine Glieder, glitten über die warme Haut und nahmen alles ein, was sie finden konnten. „Ich... ich will dir nicht weh tun.“

„Dann verschwinde, Erik. Geh. Gott, geh einfach wieder nach Polen zu deiner Frau, deinem Kind ich...“ Charles gab ein ersticktes Schluchzen von sich, warf den Kopf zurück, so feste, als hoffte er sich das Genick zu brechen. Eriks Magen zog sich zusammen, formte einen kleinen Knoten, bevor er vorsichtig durch das braune Haar strich. Die verklebten Strähnen zwischen seinen Fingern teilte.

„Du weißt von ihnen?“

Charles Gesicht war nass. Blut und Tränen standen ihm nicht. Sonnenschein war immer das einzige gewesen, was Charles Gesicht berühren sollte. Die kleinen Sommersprossen, ein Lachen. Aber nicht die Dinge, die Erik selbst nur zu gut kannte.

„Natürlich. Gott, glaubst du ich habe nie nach dir gesehen? Glaubst du wirklich, du wärst mir so egal, Erik? Aber du hast es mehr als ein Mal klar gemacht, dass ich dir egal bin. Nie habe ich von dir gehört, nur von Magneto gelesen und sieh an, wer wieder da ist... Magneto.“ Er spuckte die Wörter beinahe gegen Eriks Brust und sah wütend zu ihm auf. Verletzt.

Aber konnte er nicht verstehen? Er hatte es nur getan, um ihn zu beschützen, um ihn vor sich selbst sicher zu halten. War das... war das so schwer? Erik hielt inne, ließ langsam Cerebro ansteigen, ließ den Helm in der Luft schweben.

„Dann... muss dir entgangen sein, dass sie beide ermordet wurden. Von Menschen.“ Charles hielt inne in seinem Toben, wurde für einige Sekunden ganz still und sah zu Erik auf, der seine Hand von ihm nahm, in die Tasche seines neuen Anzugs griff. Die Stimme blieb dabei so monoton, als würde er ein Rezept vorlesen und nicht von der Ermordung der zwei Personen berichten, die er hatte beschützen wollen.

„Sie haben sie wegen mir getötet, Charles. Weil ich ein Mutant bin. Ich weiß nicht, wie sie es raus bekommen haben, aber... Sie haben es. Und... Sie mussten dafür bezahlen.“ Seine Kehle war trocken, als er eines von den Unterdrücker-Halsbändern aus der Tasche holte, die noch aus Trasks Zeit existierten. Sie mussten Charles Kraft hemmen, damit En Sabah Nur ohne Probleme seinen Geist übernehmen konnte, sobald er in Cerebro war.

Ansonsten würde Charles ihn einfach vernichten, wie er es gesagt hatte.

Charles hielt still, wie ein Kaninchen in der Falle, als Erik ihm das Band um den Hals legte und spürte zeitgleich wie ein Schauer durch den Jungen ging. Auch wenn Charles mittlerweile ein erwachsener Mann war, so war er immer noch... der Junge. Der dumme Junge, der zu Erik ins Wasser gesprungen war, anstatt ihn absaufen zu lassen, wie er es verdiente hatte. Ob Charles oft darüber nachdachte, was wäre wenn...?

Das Hämmern gegen seinen Helm hörte auf und Charles Körper wurde schlaffer, sackte in sich zusammen.

„Darum muss ich das tun. Mit Apokalypse kann ich eine neue Welt aufbauen. Damit... damit wir endgültig nicht mehr in Angst leben müssen... Charles, kannst du das nicht verstehen?  Du... du könntest auch frei sein, deine Schule müsstest du nicht mehr inoffiziell mutantenexklusiv halten. Es wäre... es wäre endlich gut, Charles.“ Konnte er es nicht sehen?

Konnte er es nicht einsehen? Oh Gott, es wäre so viel einfacher ihn ein Mal auf der eigenen Seite zu wissen, ein Mal mit ihm und nicht gegen ihn. Einfach... mit ihm? Aber Charles sah ihn wieder mit diesem kritischen Ausdruck an. Diesem Blick, den er schon in Kuba gesehen hatte und jedes Bisschen an Hoffnung sank in Eriks Bauch hinab.

„Und du denkst wirklich, dass ein Mann, der sich selbst Apokalypse nennt die Welt wieder aufbauen wird? Erik, das ist nicht, was eine Apokalypse ist. Sie zerstört. Sie nimmt, aber sie baut nie wieder auf...“

Etwas in Erik wusste, das Charles Recht hatte. Etwas sehr tief in ihm wusste es mehr als genau, aber er war den Weg zu weit gegangen, als das er noch aufhören konnte. Nicht mehr. Nicht... nicht mehr.

„Ich weiß.“, antwortete er darum nur leise und setzte Charles Cerebro auf und startete die Maschine.

Er hörte, wie die Energie in den Apparat floss, er spürte die Elektrizität, spürte das innere Vorgehen und doch interessierte ihn das alles nicht, während er gebannt auf Charles Gesicht starrte. Seine blauen Augen hielten dem Blick von Erik stand, eine beinahe sakrale Ruhe auf seinen Zügen... bevor sein ganzer Körper anfing zu zittern und zu beben.

Es wirkte beinahe, als hätte er einen Krampfanfall. Seine roten Lippen öffneten sich, ein Schrei – tonlos und doch lauter, als alles was Erik je gehört hatte, breitete sich im Raum aus. Als würden Fingernägel über eine Tafel gezogen und Erik wollte nur brechen, das Ding von seinem Kopf reißen, irgendwas...

Einfach irgendwas...

Er war sogar kurz davor es zu tun, konnte den Anblick nicht ertragen, als Charles Körper mit einem mal aufhörte zu Zucken. Um genau zu sein hörte in diesem Moment jedes Bisschen Leben im Raum auf, die Elektronik flackerte, summte und brach dann mit einem lauten Knall zusammen, dass nur noch der Notstrom aktiv war.

Es war, als wäre Charles gestorben und mit ihm die Welt.

Unsicher stand Erik einfach nur da, starrte auf Charles hinab, dessen Brust sich viel zu schnell und viel zu abgehakt hob und senkte. Langsam öffnete Erik die Fesseln ein wenig, wollte ihm nicht aus Versehen das Blut abschneiden und ihm einen minimalen Bewegungsfreiraum lassen.

Im ersten Moment geschah nichts, nur Charles Kopf, der etwas nach vorne ruckte, als er den Helm von seinen braunen Locken zog, die Lider, die einen Moment zufielen, bevor er seine Augen aufriss... Es war, als könnte Erik beobachten, wie Tinte in seinen Kopf floss. Das schwarze der Pupille breitete sich aus, über die ganzen Augen und Charles Lippen verzogen sich zu einem beinahe grausamen Lächeln.

Was... was ging vor? Hatte Apokalypse ihn übernommen?

„Ich habe noch nie in meinem Leben so eine Kraft gespürt.“, hauchte Charles, die Augen so schwarz wie die dunkelste Nacht. Erik stand weiter neben ihm, die Hand sanft auf seiner Schulter, wenngleich er wusste, dass er es nicht ein Mal verdiente ihn zu berühren. Er war es nicht würdig, hatte diesen Körper, seinen Geist zu oft gebrochen, als das er noch in seiner Nähe erlaubt sein sollte.

„Charles?“, fragte er leise, wusste nicht, was er damit meinte. Langsam, beinahe als würde es zu viel Arbeit sein, die Muskeln dazu zu motivieren sich zu bewegen, sah Charles zu ihm auf. Sichte Wimpern umrandeten das Schwarz. Er blinzelte. Es wirkte beinahe... mechanisch... fremdgesteuert und unecht... Als würde er ein Kind beobachten, dass gerade erst Motorik lernte.
„Es ist kein Charles mehr in diesem Körper...“ Erik erlag einer Gänsehaut.

„Charles gehört jetzt mir.“ Der Akzent... es... war das Apokalypse? Hatte er... Er hatte Charles Körper und Geist übernommen, als Charles ihn in Cerebro geöffnet hatte. Er war eingedrungen wie Gift in Wasser und hatte sich verteilt, hielt Charles im eigenen Kopf gefangen... Erik sollte nicht die Wut spüren, die in diesem Moment durch seinen Körper flutete, aber er tat nichts, sah nur weiter auf Charles hinab, der absolut nichts mehr von Charles hatte.

„Und er ist in der Tat... mächtiger, als ich es je für möglich gehalten hätte. Mit ihm können wir den Plan vollenden.“ Ja, das war es doch, was Erik gewollt hatte, oder? Das war es, worauf er hingearbeitet hatte... Wieso sein Mund wie ein Aschenbecher schmeckte... das wusste er auch nicht.


Ξ



Erik achtete genau darauf Charles nicht zu schneiden, als er ihm vorsichtig Strähne für Strähne das Haar vom Haupt rasierte. Es wäre einfacher, so Sabah, ihn zu kontrollieren. Es wäre einfacher zur Not ihn an die mobile Cerebro-Einheit anzuschließen, die sie dabei hatten, falls es Probleme gab... Schließlich sei Charles zu stark, als das er es darauf ankommen lassen wollte.

Wenngleich... es keine Probleme bisher gegeben hatte.

Charles trank, was auch immer Erik an seine Lippen legte und er aß, was auch immer er ihm gab. Wie eine Puppe, deren Glieder von Apokalypse gezogen worden. Jedes Einzelne. Jeder Arm, jeder Wimpernschlag. Er roch noch nicht ein Mal wie Charles...

Vergangene Nacht hatte En Sabah Nur Erik zur Seite gewunken. Sie planten ihren großen Angriff auf die letzte Verteidigung der Erde morgen in Kairo. Seiner alten Operationsbasis vor vielen tausenden von Jahren. Von dort aus würden sie der Welt, wie sie existierte ein Ende setzen und aus ihren Ruinen einen neuen Himmel schaffen... Und Charles wäre an seiner Seite, endlich an seiner Seite...

Apokalypse hatte mit Erik geredet, über seine Aufgabe am morgigen Tag und gerade als Erik hatte gehen wollen, hatte er ihn am Arm festgehalten. So schnell, dass Erik nicht ein Mal seine Hand hatte kommen gesehen.

„Du liebst den Telepathen.“ Es war keine Frage gewesen, eine reine Feststellung... Wie immer wusste der Andere genau, was in Erik vorging und was er fühlte. Vielleicht lag es jetzt wirklich daran, dass er sich Charles Fähigkeiten zu eigen gemacht hatte... Oder er war einfach gut. Egal was es war, Erik hatte nur knapp genickt, ohne dem Blick auszuweichen.

„Wenn du ihm die Haare genommen hast, gehört sein Körper für die Nacht dir... Er wird alles tun, was du sagst. Das ist mein Geschenk an dich, Erik. Für deine treue Hilfe in diesem Krieg.“ Damit hatte er Erik alleine im Raum stehen lassen, ihn seinen Aufgaben überlassend.

Seine Worte waren ihm nicht mehr aus dem Kopf gegangen und auch jetzt während er die letzten Strähnen der braunen Locken von Charles Kopf rasierte – er sah besser mit Glatze aus, als er angenommen hatte – kreisten sie so eng, wie nur möglich um seinen Verstand.

Er würde alles tun, was er ihm sagte. Er würde Erik gehören.

Wie schön es einfach wäre seine Lippen wieder zu schmecken, Charles Körper mit nichts Anderem als dem Eigenen wahnsinnig zu machen. Ihn zu nehmen, auf die qualvollste und schönste aller Arten... ihn zu zerstören.

„Du tust alles, was ich dir sage, oder?“, fragte er leise die Hülle vor sich und wieder lächelte Charles einfach nur, nickte. Das Schwarz seiner Augen schien alles Licht einzusaugen. Nicht wie sonst zu strahlen und den Raum zu erleuchten. Gott, Erik wollte nichts mehr als seinen perfekten Körper aus den Klamotten zu schälen und von ihm zu kosten, alles wieder wie damals zu machen, alles wieder perfekt und gut zu machen. Charles, der ihm die Kehle präsentierte, Eriks Zähne, die davon kosteten.

Münder die kollidierten, verzweifeltes Stöhnen, das im Raum hing, zu gut um nicht noch ein Mal gehört zu werden.

„Wenn ich dir sagen würde, dass ich in deinem Mund kommen will... Du würdest es zulassen?“

„Natürlich, Erik...“

Erik ging langsam näher auf ihn zu, strich mit spitzen Fingern über den nun nackten Kopf. „Und wenn ich dir befehlen würde mich zu lieben? Könntest du das, Charles? Nur heute Nacht?“ Seine Liebe war immer rein gewesen. Weiß. Nicht jungfräulich, das nicht, aber mit einer Intensität, wie sie noch nie ein Gefühl auf diesem Planeten gewesen war. Erik vergrub das Gesicht in einer Hand, atmete schwer ein und aus.

Was tat er hier? Was...

„Ich liebe dich. Gestern, heute und morgen...“

Die Tränen die unter Erik verkrampften Lidern hervorquollen waren sicherlich genauso falsch wie die Worte von Charles, die mehr wie eine Bandansage klangen, als wie die Worte eines echten Menschen. Und doch brannten sie schlimmer als Feuer.


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Der Schweiß klebte auf Eriks Haut, während die unbarmherzige Sonne Kairos ihn in seinem Anzug kochte. Aber das war nicht wichtig. Wichtig war Charles neben ihm, immer noch beinahe  leblos. Seitdem Apokalypse seinen Geist übernommen hatte... schien es so, als wäre er tot. Seine Gabe funktionierte für seinen Anführer, aber... es war nicht mehr Charles. Er diente nur noch als Marionette, als... Laborratte. Erik erinnerte sich bissig an damals zurück, als er ihn das erste Mal in Cerebro gesehen hatte. Wie er ihn als Laborratte bezeichnet hatte... Und wozu hatte er ihn gemacht?

Mit jeder Sekunde tat es Erik mehr und mehr weh ihn so zu sehen.

Er hörte den Kampflärm von weiter weg. Wusste, was Apokalypse machte, wusste, dass er mordete. Aber wer war Erik, als das er dort einschreiten durfte? Wer war er, dass er Charles von Apokalypse Einfluss nehmen würde und den Studenten von Charles, Ravens Team aus der mentalen Kontrolle lösen würde, damit sie zurück kämpfen konnten? Oh ja, er wusste, was dort draußen vor sich ging. Er hatte den Plan entworfen, dass sie Charles etwas abseits positionieren würden, bewachen würden... Damit er jeden einfror, der Apokalypse stoppen wollte.

Sie offen ließ um von den anderen Reitern ermordet zu werden...

Seine Hand strich sanft über Charles Schulter.

„Es tut mir so leid, mein Freund.“, murmelte er leise. Er musste ihn beschützen, sollte sicherstellen, dass niemand die Quelle der Massenlähmung fand und Charles ausschaltete. Ja, Erik wäre hilfreich im Kampf, aber... Das war kein Kampf. Nicht, wenn keiner der Anderen sich wehren konnten. „Es tut... mir alles so leid.“

Charles konnte ihn nicht hören. Seit Tagen war er in der telepathischen Verbindung zu Apokalypse gefangen, unfähig auszubrechen. Weil es ihm nicht erlaubt wurde. Sein Geist war in dem von Apokalypse eingesperrt und wurde gezwungen all das zu tun...

Wurde gezwungen einen Massenmord an seinen Freunden hinzunehmen, weil es am Ende eine bereinigte und bessere Welt hervorbringen würde... Er wurde gezwungen... Anders konnte man es nicht sagen. Das würde Charles niemals tun. Er wusste, dass er das niemals tun würde. Er war immer schon der Meinung gewesen, dass die Welt, in der sie im Moment schon lebten, die beste war, die sie haben konnten. Er hatte immer an das Gute in jedem Monster geglaubt... selbst in Erik...

Und jetzt tat er das hier.

„Fuck.“, zischte Erik, marschierte durch den kahlen Raum in dem sich mehr Sand sammelte als in der ganzen Stadt. Durch das eingerissene Dach schien die Sonne unbarmherzig hinab und er konnte Charles kaum noch im Schatten eines kleinen Vorsprungs halten. Er sah blass aus, beinahe als würde er fiebern. Schweiß stand auf seiner Stirn und er wirkte so... deplatziert.

Armer Charles.

Jetzt musste er einen Kampf kämpfen, den er nie für nötig gehalten hatte, den er nie für möglich gehalten hatte. Der Ekel auf sich selbst wurde in Erik größer und größer, während er in dem halb verfallenen Gebäude auf und ab ging. Immer wieder vor Charles hin und her, der weiter mit dunklen Augen in das Nichts starrte.

Es war nicht richtig, oder?

Aber es war genau das, was man von Erik erwartete. Man erwartete von ihm, dass er die Menschen, die ihm viel bedeuteten, tötete. Verletzte. Man erwartete, dass er sie für die eigenen, dunklen Wünsche missbrauchte. Man erwartete, dass er sie enttäuschen würde.

So, wie er es schon ein Mal bei Charles getan hatte. Ein Mal bei seiner Mutter. Ein Mal bei seinem Vater. Ein Mal bei Magda und Anya. Erik biss sich auf die Unterlippe. Sein Leben war von Anfang bis Ende davon gezeichnet worden, dass er das Falsche tat. Immer wieder und wieder. Und immer wieder und wieder hatten alle in seiner Umgebung dafür bezahlen müssen, sich opfern müssen.

Vielleicht war es an der Zeit, dass er ein Mal, ein einziges Mal das Richtige tat? Auch wenn es nicht das war, was er tun wollte. Nicht, wenn er eine neue Welt begründen wollte. Nicht, wenn er der Alte bleiben wollte, oder am Leben...

Und doch...

Vielleicht war es nach einem langen Leben aus Fehlern an der Zeit ein Mal das Richtige zu machen.

Er ging mit langen Schritten auf Charles zu und kniete sich vor ihn, nahm sein Kinn in seine Hand, dass er ihn ansehen musste. Es war sein Charles. Nicht mehr so jung und naiv wie damals, als er ins Wasser gesprungen war, um ihn zu retten. Aber immer noch so schön... Nein, es wurde Zeit, dass er Charles Geist wieder in seinen Körper zwang. Erik Lehnsherr würde zum ersten Mal in seinem Leben das richtige Tun... Er wartete nur noch auf den Moment in dem er erbärmlich scheitern würde. „Ich liebe dich... Immer noch.“, murmelte Erik heiser, bevor er ihn losließ und den eigenen Helm packte.

Er hatte ihn beschützt, ein Leben lang vor etwas beschützt, dass er eigentlich liebte. Es war an der Zeit ihn aufzugeben... Für das größere Gut.

Er atmete ein, zwei Mal sehr tief durch und schloss die Augen, bevor er ihn von seinem Kopf zog und auf Charles setzte. Etwas anderes fiel ihm nicht ein, um die Verbindung zu Apokalypse zu trennen. Er hielt den Atem an, eine feine Schweißperle rann über seine Stirn. Das Herzchen wummerte viel zu laut in seiner Brust.

Einige Sekunden passierte absolut nichts und Erik fürchtete, dass sein Plan, ein einziger Plan, zum Scheitern verurteilt war, bevor...

Es war wie ein Lichtschalter, der umgelegt wurde. Die Schwärze, die seine Augen leblos gemacht hatte, verschwand, zog sich bis zu der Pupille wieder zurück. Ein Ruck ging durch den Körper, die Lider flatterten.Er holte rasselnd und laut Luft, als wäre er am Ertrinken gewesen und tauchte gerade erst wieder auf.

Die Augen riss er auf, viel zu weit und ungläubig.

Nie hatte Erik ein schöneres Blau gesehen. Nie in seinem Leben zuvor.

Die Schreie von draußen wurden lauter, Explosionen wurden laut und Erik rann ein Schauer über den Rücken. Der Krieg hatte jetzt wohl begonnen. Die Welt gegen das mächtigste Wesen aller Zeiten. Mutanten gegen Apokalypse, endlich frei von der mentalen Sperre, mit der Charles sie gehalten hatte. Charles vor ihm öffnete und schloss den Mund immer wieder, als müsste er erst wieder lernen zu atmen, während die Tränen sich in seinen Augen sammelten, nur um ohne Halt die Wangen hinab zu laufen. Hatte er Schmerzen? Oder war es der Schock?

Kein Ton, kein Wort, nichts stand zwischen ihnen, als Erik sich vorbeugte und seine Stirn gegen seine Knie drückte.

„Ich weiß, dass du keinen Grund hast mir zu vergeben. Ich weiß, dass ich an all dem Schlimmen Schuld bin, was dir passiert ist, aber... ich verspreche dir, dass ich es in Ordnung bringe...“

Ein Mal in seinem Leben das Richtige tun. Ein Mal. „Sollte ich das hier überleben... ich werde nie wieder in dein Leben treten.“ Er wusste nicht ein Mal, ob Charles ihn hören konnte, so brutal, wie er wieder in seinen eigenen Kopf gezerrt worden war. Aber es war nicht wichtig. Wichtig war es nur, dass die Worte Eriks Mund verließen, in der Leere zwischen ihnen standen und sich vielleicht im unendlichen Sand Kairos verloren.

„Bleib hier, Charles. Versprich mir, dass du hier bleibst.“ Erik sah auf, sah in Charles Gesicht, das Schmerz, Verwirrung und in Eriks dummer Phantasie auch Sorge anzeigte. Die Lippen standen leicht offen, während der Atem sich irgendwie zu normalisieren versuchte. „Ich liebe dich... Ich... bleib hier, ich werde dem ganzen ein Ende setzen, aber bitte... bitte bleib hier. Dir darf nichts wegen mir passieren. Nicht schon wieder.

Ein Mal das beschützen, das er liebte. Er hielt inne und beugte sich zu einem Kuss hoch, einen kurzen, kleinen. Nichts zu den ersten stürmischen Küssen, die er mit Charles geteilt hatte. Nichts zu den Momenten voller Feuer. Das hier war kein Kuss, der auf Wiedersehen versprach. Dieser Kuss schmeckte nach Abschied in der brutalsten Form, nämlich für immer. Er wusste, dass er nicht überleben würde, aber fuck... Er war nicht Erik Lehnsherr, wenn er nicht mindestens einen mit in den Tod reißen würde.

Und das mit Charles Geschmack in seinem Mund.


Ξ



Charles kam unter keinen Umständen aus dem halb verfallenen Gebäude raus. Das war wichtig. Er würde nicht auf das Schlachtfeld kommen, er würde... er würde sicher sein.

Das war alles was zählte, dachte Erik, als er sich durch das verfallene Dach in den Himmel erhob, die Sonnenluft einatmete, einen Moment die Augen schloss. Die Welt vibrierte um ihn herum, das Eisen im Blut war durch die ganze Stadt verteilt, während Apokalypse jeden Angreifer seine Macht am Rande der Stadt schmecke ließ.

Ein Mal beschützen.

Ein Mal gut sein.

Erik wusste nicht, ob er gut darin war, aber er war bereit es auszuprobieren.


Ξ



Erik hatte in vielen Kriegen gekämpft, aber das hier... war etwas vollkommen anderes. Es war immer die eine Seite, gegen die Andere gewesen. Immer zwei Parteien, aber das hier war Wahnsinn. Es war... in der Tat die reinste Form einer Apokalypse. En Sabah Nur hatte sich selbst mehrere hundert Meter auf einer Art Sandpyramide in den blauen Himmel erhoben und ließ die Angreifer nicht ein Mal nahe genug an sich heran, als das sie Schaden anrichten konnten. Der Boden zu seinen Füßen war vom Blut getränkt, es bildete sogar schon Pfützen und Erik wollte nur brechen.

Leichen, wohin man sah.

Zerstörung.

Eigentlich sein Fachgebiet.

Er schwebte selbst in der Luft, überlegte sich, wie genau er es angehen sollte, als sein alter Meister seine Aufmerksamkeit auf Erik richtete. Dunkle Augen starrten in die Tiefe von Eriks Seele und er wusste, dass Apokalypse sich im Klaren darüber war, dass Erik ihn verraten hatte. Kein Vorspiel, kein so tun als ob. Das hier war Krieg, das hier war ihr Kampf und nur einer würde am Ende leben.

Und Erik würde alles daran setzten, dass es nicht dieses Monster war.

Apokalypse Augen verengten sich.

Natürlich, wie sollte er es auch nicht wissen. Er hatte Charles Geist sich zu eigen gehalten, wie ein Haustier. Aber Charles Verstand war so viel mehr als ein Schoßhund, dem man ein paar Tricks beibringen konnte. Charles Kopf war die Krone der Schöpfung und es gab nichts Besseres, nichts Reineres und er sollte für immer in der Hölle schmoren dafür, dass er ihn für sich missbraucht hatte.

Genau wie Erik.

„Du!“, knurrte Apokalypse und ballte die Faust um einen Energiestoß in Eriks Richtung abzusenden. Die Aufmerksamkeit auf ihn konzentrierend. Oh ja, er wusste, wie stark Erik war, er wusste, wozu er in der Lage war und auch, dass keiner der anderen Reiter ihm gerade helfen konnte. Storm, Psylocke und Archangel hatten mehr als genug zu tun Raven und ihr Team aufzuhalten, jetzt wo sie wieder mobil waren.

Aber sie hatten Erik nicht zu interessieren. Er hatte eine Aufgabe, ein Ziel... Und er würde es verfolgen. Aber erst brauchte er eine Waffe. Er wusste nicht wo er all das Metall heraus riss. Er wusste nicht, wie viele Häuser er zerstörte, als er es auf sich zufliegen ließ und einen weiteren Angriff von ihm abblockte. Sie beide hatten ich nichts zu sagen. Es hieß nur Kampf.

En Sabah Nur wusste, das Erik ihn verraten hatte und Erik wusste, was die Konsequenzen waren. Und er würde sie alle mit Ehre tragen, so viel war klar. Er griff an. Metall schnellte vor, aber wurde von dem Monster ohne Probleme abgewehrt. Es war kaum als Kampf zu bezeichnen, sondern mehr als ein Tanz auf Leben und Tod. Wer es zuerst nicht schaffte auszuweichen, würde sterben.

So einfach war das.

So grausam war das.

Es war anstrengender, als er angenommen hatte, vor allem wenn er die kräftige Schläge blockte, dass das ganze Metall vibrierte.

Und nach nur wenigen Minuten in denen Erik mal um mal spitze Metallgebilde auf ihn geschleudert hatte, versucht hatte eine Glieder mit Fesseln zu fixieren, ging ihm auf, dass er Derjenige sein würde, der sterben würde. Es war kein Pessimismus, das hier war absolute Realität. Es wirkte beinahe, als würde sein Gegner jeden Schlag bereits vorher kennen, als wüsste er genau, was Erik planen würde und war ihm einen Schritt voraus.

Seine Angriffe selbst waren hart, wohl platziert und erbarmungslos.

Es gab nur einen Weg, dachte Erik, als er sich selbst in eine kleine Metallkugel schloss um einen besonders brutalen Angriff abzulenken. Jeder seiner Knochen tat ihm weh, er war sich sicher, dass mindesten einer gebrochen war und er blutete grausam von einer Platzwunde an der Stirn. Er wollte brechen, die Hitze machte ihm zu schaffen und wenn er noch fünf Minuten überlebte, dann wäre das schon ein Wunder, wie er fand.

Aber er musste auch nicht überleben. Wichtig war es nur, dass er Apokalypse dazu brachte auch nicht zu überleben.

Als der Angriff abbrach, Apokalypse zu einem neuen Schlag ausholte, ließ Erik seinen Schutz fallen und schnellte in der Luft auf den Mann zu, warf sich mit all seiner Kraft gegen ihn um ihn von seinem sicheren Stand herunter zu bringen, nach hinten weg zu brechen. Sie mussten fallen, sie beide mussten fallen. Einen kleinen Moment war es so, als würde keine Schwerkraft existieren, einen kleinen Moment war es, als würden sie schweben, bevor Erik sie beide herum riss und sie zu Boden stürzten.

Der Aufprall alleine wäre für seinen Gegner nicht tödlich, aber daran konnte er etwas ändern, musste er etwas ändern. Er war unter Apokalypse, krallte seine Finger in seiner Rüstung fest, damit er ihm nicht entkommen konnte, während sie zu Boden rasten.

Erik, nicht!

Das war Charles Stimme. Charles Stimme in seinem Kopf und Erik wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte, während er seine Finger fester in das Oberteil seines Gegners bohrte, nach unten raste. Das Metall sammelte sich unter ihm und für jeden würde es so aussehen, als würde er versuchen sich abzufangen, aber... er wusste es besser.

Und Charles.

Erik schloss die Augen, wollte nicht das wutverzerrte Gesicht des Bösen vor sich sehen in seinen letzten Atemzügen. Er rief Bilder von Charles wieder auf. Charles lachend, Charles in seinen Armen. Versuchte sich an die schönen Momente zu erinnern. Oh, er wusste noch, wie er Emma eines Abends, wenige Monate nach Kuba, gebeten hatte, die schönste Erinnerung aus seinem Kopf zu ziehen, damit er sie wieder sehen konnte. Aber sie hatte ihm nicht die Erinnerung an seine Mutter gezeigt. Sondern Charles, wie er sich lachend – nachdem er angetrunken eine Runde Schach verloren hatte – über das Brett gebeugt hatte und Erik geküsst hatte.

Daran erinnerte er sich.

An seine Stimme, seinen Körper und die Liebe, die immer um ihn geschwebt war, Erik in ihren Bann gezogen hatte.

Charles... Weißt du noch, was du mir als aller Erstes gesagt hast, als wir uns kennen lernten?

Der Boden kam näher und Erik wusste, dass er nur die eine Chance hatte, nur diese eine um den Krieg hier und jetzt zu beenden. Tränen lösten sich aus seinen Wimpern, mussten gegen Apokalypse Gesicht fliegen, aber es kümmerte ihn nicht. Kein Bisschen.

Du hast mir gesagt, dass ich loslassen soll. Du hast mir gesagt, dass ich einfach nur loslassen muss und... das Selbe sage ich dir, Charles. Lass los. Es wäre besser für dich.

Er war nicht bereit zu sterben, aber das hier war das Enzige, was er tun konnte. Sein Tod würde der Welt das Leben retten. Ein letzte, schneller Atemzug, bevor er das Metall unter ich zu langen, grausamen Dornen werden ließ. Spitz. Brutal.

Es krachte gegen den Boden, die tödlichen Enden ihnen beiden entgegen gereckt. Oh, sein Gegner sah es nicht kommen, wie sollte er auch? Niemand rechnete damit, dass man sich selbst aufspießen würde um den Anderen zum Erliegen zu bringen. Sicherlich niemand, der einen Hauch auf sich gab, aber es kratzte Erik nicht. Apokalypse konnte sich nicht wehren, konnte das Metall nicht abwehren, also war Erik alles andere egal. Nichts kümmerte ihn noch.

Nicht als vier Speere seinen Körper durchstießen, als wäre er nichts.

Ein fünfter glitt knapp über seinem Kopf vorbei, bohrte sich zwischen die Augen des Monsters, bevor sie beide aufschlugen. Erik spürte Schmerz. Sein Geist, sein Körper alles explodierte in Schmerz und er schrie aus voller Kehle. Etwas steckte in seinem Bein, in einer Brust, überall. Er konnte sich nicht bewegen, ein schweres Gewicht drückte sich auf ihn und der Schmerz... Oh Gott, der Schmerz...

Er war überall, ertränkte ihn, raubte ihm alles und...

Verschwand.

Er verschwand einfach und machte etwas bekanntem Platz. Etwas, das Erik nicht kannte. Einer Wärme, einer Person, dem Gefühl von Heimat... Charles... Charles... nahm den Schmerz aus seinem Kopf? Er wusste es nicht, seine Gedanken hatten keinen Halt mehr, während sein Bewusstsein aus seinem Körper gerissen wurde.

Wenn das Sterben war, dann wusste Erik nicht, wieso er es nicht früher versucht hatte.

Dann wurde alles schwarz.


Ξ



„Hank! Hank, du musst etwas machen!“

„Ich bin ein Arzt, Charles, kein Handwerker.“

Die Stille, die folgte machte Erik Angst, ohne das er das Gefühl noch wirklich zuordnen konnte. Er wusste nicht, wo er war, was los war. Er konnte sich nicht ein Mal mehr daran erinnern, woher er die Stimmen kannte.

„Er stirbt! Tu etwas.“

„Ich... ich versuche es.“

Erik wollte der verzweifelten Stimme sagen, dass sie sich keine Sorgen machen sollte. Die Welt wäre ohne ihn besser dran. Die Welt, und vor allem Charles. Aber mehr als ein raues Stöhnen kam nicht über die eingerissenen Lippen, bevor er wieder in der Finsternis versank.

Keine Angst.

Oh, er hatte Angst.


Ξ



Der erste bewusste Atemzug zerriss ihn fast. Erik hatte das Gefühl, als würde ein Hebel in ihm stecken, genau in seinem Brustkorb und versuchen ihn aufzubrechen. Vielleicht war es ja auch so? Er erinnerte sich daran, wie sein alter Freund das Metall ihn durchbohrt hatte. Seinen Körper beinahe auseinander gerissen hatte.

Langsam, als habe er Angst vor dem, was er sehen würde, öffnete er die Augen, konnte einige Sekunden absolut nichts sehen. Finsternis. Ließ sie ihn immer noch nicht los? Vielleicht war das für immer sein Schicksal? Tod und doch noch in der Lage zu fühlen? Den Schmerz zu fühlen?

Seine Strafe?

Er verdiente es, so war es nicht.

Sein Körper atmete hektisch und der Schmerz wurde nur noch schlimmer. Stumpf versuchte er seine Glieder zu bewegen, irgendwie dem Schmerz zu entkommen, irgendwas zu tun, aber er konnte nicht. „N...Nghh...“ Er konnte nicht ein Mal einen Ton aus sich heraus kriegen, er...

Keine Angst, Erik... Keine Angst.

Wieder die Stimme. Wieder... Charles. Oh Gott, Charles. Erik wusste nicht wieso, vielleicht half er nach, aber sein Körper entspannte sich in der Tat ein wenig, wurde weicher, sanfter und der Atem regulierte sich. Selbst die anfängliche Dunkelheit wich ein wenig aus seinem Blick und er starrte hoch gegen eine hölzerne Decke...

Eine Decke wie in Westchester.

Eine Decke, die er schon so oft angestarrt hatte.

Was war hier los? Der Himmel sollte nicht wie Westchester aussehen.

Verdammt, er kam noch nicht ein mal in den Himmel.

Er zuckte zusammen, als er eine sanfte Hand an seiner Wange spürte, drehte den Kopf unter größten Schmerzen zur Seite und sah... Das hier war Charles Bett. Und wie es so war, konnte man in Charles Bett Charles vorfinden. Erik kümmerte es nicht, dass er selbst an irgendwelchen Apparaten hing, alles was für ihn zählte war Charles.

Charles blaue Augen.

Charles Nase, die von Sommersprossen gezeichnet worden war.

Charles müdes Lächeln.

Charles.

„Ich... ich bin tot.“, hauchte Erik fassungslos und lehnte die Wange in die Berührung. „Oh Gott, ich bin tot.“ In keiner Realität, weder in dieser, noch in irgendeiner anderen würde Charles freiwillig neben ihm im Bett liegen. Es gab nur eine Erklärung, er war tot und würde gleich in die Hölle geworfen, nachdem er einige, wenige Minuten hatte kosten dürfen, wie der Himmel hätte sein können. „Bitte, lass mich hier, ich will nicht hier weg, nehmt ihn mir nicht weg.“ Er wusste nicht, was für Schmerzmittel seinen Körper im Moment lahm legten, aber er war dankbar für jedes Einzelne.

Charles Augenbrauen zogen sich ein wenig zusammen, bevor er sich entspannte. Wirkte er verwirrt? Auf jeden Fall, als habe er schon lange nicht mehr geschlafen.

„Keine Angst... du kannst schlafen und wenn du aufwachst bin ich immer noch da, ja? Du brauchst die Kraft.“ Aber er durfte nicht aufhören Charles anzusehen, er durfte nicht aufhören ihm nahe zu sein, er durfte nicht... Was, wenn er log? Er brauchte ihn, ansonsten wurde er wahnsinnig.

Die Wärme tat ihr Übriges und die Augen fielen zu.

Charles Präsenz blieb.


Ξ



Das zweite Mal wurde er wach, als der Duft von Charles Lieblingstee das Zimmer erfüllte und blinzelnd öffnete er die Augen. Er war immer noch da. Oh Gott, er war immer noch da.Ganz langsam streckte Erik seine verbundene Hand nach ihm aus, wollte ihn wieder berühren. Diese Gestalt, die nicht echt sein konnte und doch echt war.

Das Charles ihm auf halben Weg entgegen kam, trieb Erik beinahe die Tränen in die Augen.

Die Hand ließ er nicht mehr los.


Ξ



Die nächste Woche tanzte Erik zwar nicht zwischen Leben und Tod, aber zwischen wach sein und Schlaf. Immer noch glaubte er nicht vollkommen, dass das hier die Realität war, aber je mehr man ihm erklärte, umso... echter schien es zu sein.

Er hatte es überlebt. Nur dank Hank, Logan und einem kleinen Mädchen namens Rogue, die neu an Charles Schule gewesen war und Logan in den Krieg gefolgt war. (Ohne sein Wissen und mit großem Ärger.) Sie hatte seine Selbstheilung auf Erik übertragen, beide dabei beinahe umgebracht, aber es hatte funktioniert das Gröbste zu richten.

Den Rest hatte Hank übernommen, hatte ihn zuerst in Kairo selbst, dann auf dem Rückflug und schließlich in Westchester versorgt. Zusammengeflickt, was es zu flicken gab, genäht und wie er es ein Mal gesagt hatte 'gebastelt'. Aber sie hatten Erik hinbekommen. Immer dicht an der Grenze zum Tod, aber er hatte es geschafft.

Charles war bei ihm gewesen. Die ganze Zeit, wie Hank ihm schließlich offenbarte. Hatte an seiner Seite gelegen und über seinen Geist gewacht, Hank gerufen, wenn er zu weit in die dunkle Richtung gestolpert war. Nun... wenigstens war sein Plan aufgegangen. Apokalypse war tot, seine Leiche verbrannt und die Asche unterwegs in die verschiedensten und entlegensten Ecken dieser Welt. Nichts, aber auch absolut nichts sollte je wieder ihn zur Macht kommen lassen.

Erik ging es nur langsam besser, aber weder er, noch Charles wollten, dass er aus dem Bett verschwand. Keiner sprach es an. Einzig ihre Hände waren jede Nacht miteinander verbunden.


Ξ



„Wie viel hast du mitbekommen, als er... dich unter Kontrolle hatte.“

Charles antwortete einige Sekunden nicht.

„Alles.“

Erik wurde blass und sah von dem Schachspiel, das zwischen ihnen beiden stand, auf. Er hatte alles mitbekommen, auch das... All die Worte, die Erik gesagt hatte, die Liebesbekundungen... Einfach... alles? Er wurde blass, blasser als das weiße Laken auf dem sie beide lagen und starrte wieder hinab, machte seinen Zug.

„Und... ich bin dir dankbar, Erik.“

Moment. Was?

„Mir? Dankbar? Charles, du weißt, dass das alles meine Schuld war? Du weißt, dass ich dir das angetan habe? Es zugelassen habe? Gott, ich... ich verstehe nicht, wieso du mich noch hier lässt, geschweige denn am Leben.“ Es waren Worte, die lange in ihm gegoren waren. Worte, die er zu lange hatte ausspucken wollen, ohne die Chance dazu zu haben. Seine Hand zitterte viel zu stark, als er seinen Zug machte, traute sich nicht Charles auch nur anzusehen.

„Weil du die Situation nicht ausgenutzt hast, Erik. Du hättest alles mit mir machen können.“

Erik schnaubte. „Und? Kriege ich einen Orden, weil ich dich nicht vergewaltigt habe? Das ist nichts Gutes, Charles. Es ist nur eine Schandtat, derer man mich nicht anklagen kann.“ Er hasste sich selbst.

Von all den Dingen, die er getan hatte, von all seinen Fehlern, war das der Schlimmste. Charles benutzen... Fuck. Er spürte nicht, wie Charles sich über das Brett zu ihm beugte, einen Kuss auf seine Schläfe hauchte. Ich habe deine Liebe, deine Angst und deine Verzweiflung gespürt. Ich weiß, wie schwer dir der letzte Schritt gefallen ist und ich weiß, dass du es bereust, Erik.

Charles Stimme in seinem Kopf war immer ein besonders grausamer Genuss, dem er sich selbst so lange entsagt hatte.

„Ich kann nicht sagen, dass ich dich genau so liebe, Erik. Nicht nach all dem, was passiert ist, aber ich sehe immer noch das Gute in dir. Ich sehe immer noch das Licht. Und ich weiß, dass du mir immer mehr bedeutet hast, als es gesund für mich ist.“ Er strich eine kleine Strähne aus Eriks Stirn, lächelte mit der selben Wärme, die immer hinter seinen Zügen geschlummert hatte, bevor er ihm noch einen Kuss schenkte.

Erik reckte sich nach seinen Lippen, wie die Blume nach der Sonne.

„Ich kann dir nicht sagen, dass es wie damals wird. Dafür sind... wir beide zu kaputt. Aber ich biete dir an, dass du hier wohnen bleibst, mit mir unterrichtest. Viele der Kinder sehen dich als einen Helden, weil du Apokalypse besiegt hast... Und ich... ich denke, wir beide wollen immer noch das Selbe, oder Erik? Seite an Seite? Auf die eine, oder eben andere Art...“

Das... Vielleicht war Erik doch tot. Vielleicht war er doch tot, denn er konnte nicht glauben, dass Charles das ernst meinen konnte. Ungläubig sah er ihn an, ihre Gesichter nur Zentimeter voneinander getrennt, so dicht, dass er, wenn er wollte, alle Sommersprossen zählen konnte, die sich über seine Haut ergossen.

Jeden Lichtstrahl, der seine Augen zum Leuchten brachte.

Und Gott, er wollte.

„Meint du... das ernst?“

„So lange es dieses Mal ein 'Für immer' ist, bist du sehr gerne eingeladen zu bleiben. Kein Töten, kein... kein Weglaufen, keine Kugeln. Nur hier sein und die Kinder auf die Welt vorbereiten. Sie lehren wie sie in der echten Welt überleben können und...“ Charles zögerte, bedeckte mit seiner kleinen, weichen Hand die raue von Erik. „... Und wie sie im Krieg am Leben bleiben können.“

Sie wollten das Selbe...

Und eigentlich, wenn Erik ehrlich war, dann war es ihm beinahe egal. Er wollte einfach nur bei Charles bleiben.

„Ich... ich würde gerne hier bleiben...“


Ξ



Vielleicht waren es Monate, vielleicht auch Jahre, Erik hatte keine Ahnung. Aber wer hätte gedacht, dass die Zeit so einfach und schnell vergehen konnte, wenn man keine Angst haben musste. Wenn keine Sorge in einem Hinterkopf war, wenn einfach... wenn einfach das Leben im Mittelpunkt stand.

Erik war als taktischer Trainer eingesetzt worden. Er brachte den Kindern bei, wie sie ihre Fähigkeiten als Verteidigung nutzen konnten, er brachte ihnen bei, wie man kämpfte um zu überleben. Währenddessen brachte Charles ihnen eine gute Schulbildung, eine Möglichkeit einen Job zu finden, die Möglichkeit in der Gesellschaft zu leben.

Und Erik brachte ihnen bei der Gesellschaft in die Fresse zu hauen, wenn sie es wagte sie anzugreifen. Sie wollten wirklich das Selbe. Und Erik liebte jede Sekunde davon... Vor allem die Tatsache, dass er immer noch nicht aus Charles Bett ausgezogen war, wenngleich er sein eigenes Zimmer schon lange erhalten hatte.


Ξ



„Noch fünf Minuten, Erik.“, murmelte Charles, als er den Wecker ausschlug und wieder Stille in dem Schlafzimmer einkehrte. Oh ja, manche Dinge änderten sich nie, dachte Erik, während er grinsend zu seinem Verlobten sah. Keine wirkliche Verlobungsfeier hatte stattgefunden, mehr ein Versprechen unter ihnen beiden, ganz still und heimlich um Schutz der Dunkelheit, dass sie heiraten würden, sobald sie es durften. Immerhin waren es die 90er. Wie lange konnte es da noch dauern?

Die feinen Ringe aus Tafelsilber trugen beide immer sicher bei sich.

Erik grinste ein wenig, als Charles dramatisch den Unterarm über das Gesicht legte, um das Bisschen Sonne abzublocken, das es wagte an seine Augen zu kommen. Er hasste den Morgen, er hasste ihn wie die Pest und noch mehr hasste er Erik dafür, dass er morgens tatsächlich zu etwas in der Lage war. Irgendwas, neben Atem. Gott, sah er schön aus.

Absolut perfekt, noch mit den Zeichen von Eriks Lippen auf seiner blassen Haut.

Sie beide waren mittlerweile gestandene Männer Mitte und Anfang Fünfzig und wenn Erik es mal ohne eingebildet zu klingen, so sagen durfte: Sie beide hatten sich atemberaubend gehalten. Charles sah immer noch so jung und weich aus und Erik hatte das, was Raven liebevoll als 'Hot Dad'- Syndrom bezeichnet hatte. Er war mit den Jahren nur noch heißer geworden.

Und ehrlich?

Das merkte man.

Damals in den 60ern hatten sie beide es oft krachen lassen, so viel war klar. Aber jetzt? Gott, Erik erinnerte sich an kaum eine Nacht, seitdem sie beide es wieder miteinander versuchten, in der sie es nicht getrieben hatten. Was gut war. War ein fantastisches Training und auch wenn es lange gedauert hatte herauszufinden, wie er Charles trotz seiner Behinderung zum Kommen bringen konnte... Das war es wert gewesen.

„Mh, fünf Minuten bis wir aufstehen? Ich wüsste, wie wir die Zeit besser verbringen könnten.“, lachte Erik leise, beugte sich vor und hauchte ein paar Küsse auf seinen Hals, bevor er aus einer Schublade eine kleine Metallkugel und ein wenig Gleitmittel fliegen ließ. Beides landete in seiner ausgestreckten Hand, während Charles das schönste Stöhnen von sich gab.

Erik war nie ein Mann großer Worte gewesen, aber wenn er es vergleichen müsste, dann war es wie der Duft von einem frischen, warmen Baguette an einem Sonntagmorgen.

„Tu, was du willst, Erik. Ich werde hier liegen und maximal stöhnen. Mehr musst du nicht von mir erwarten.“, murmelte Charles müde, aber die Röte, die sich seinen Hals hinab fraß war ein eindeutiges Zeichen, dass es ihm nicht vollkommen kalt ließ. Sehr gut.

Weiter seine Mutation für nicht vollkommen jugendfreie Zwecke missbrauchend, öffnete Erik den Verschluss des Gleitmittels und ließ ein wenig auf die kleine Kugel, kaum größer als eine Murmel, tropfen, bewegte sie leicht, damit es sich verteilte.

„Ich liebe dich, Charles.“

„Mh, du hast es in den letzten 24 Stunden noch nicht oft genug gesagt.“ Oh, der weiche Spott. Die klare Zuneigung, Erik konnte nicht anders als wie ein Idiot zu grinsen, bevor seine Zähne über den Hals kratzten. Wieder ein Stöhnen, Charles Körper der sich unter ihm ein wenig verselbstständigte.

Es war so schön, was er mit ihm anstellen konnte.

Es war gut, das Erik so viele Dinge auf ein Mal machen konnte, dachte er, während er die Kugel zwischen Charles Beine gleiten ließ und seine Hand an seinen Penis legte. Langsam kletterte er über ihn, sah auf Charles hinab und brachte ihre beiden semiharten Erektionen aneinander, spürte wie Charles leicht unter ihm zuckte.

Eigentlich war er sehr unempfindlich dort. Folge seiner Behinderung, aber Erik wusste genau, wie er ihn zum Kommen bringen konnte. Und das in nur fünf Minuten. „Du siehst wunderschön aus.“ Er ließ die Kugel gegen Charles Eingang drücken und als sie kaum Widerstand fand, glitt sie in ihn hinein. Charles schauerte am ganzen, schlanken Körper, stöhnte sachte. Oh ja, das war gut, das war sehr gut, dachte Erik, umfasste sie beide etwas fester, während er sich vorbeugte und fing an gegen die empfindliche Haut zu stoßen.

Charles war immer so wunderbar offen für seine Berührungen, für das, was er mit seinem Körper anstellte. Er küsste ihn. Küsste ihn mit Liebe und Passion aber gleichzeitig mit einer ungemeinen Sanftheit, als hätte er Angst, das Charles blasse Haut unter seinen Lippen zerbrechen könnte.

Charles schmeckte wie immer perfekt.

Die Kugel glitt durch Charles Inneres, hin zu diesem wunderbaren Nervenpunkt, der eigentlich immer dafür sorgte, das Charles kam. Immer dafür sorgte, dass er es genoss. Und oh, das er stöhnte. Charles Stöhnen war so wunderschön und rein und gerade als Erik gegen diesen Punkt in ihm drückte bekam er es wieder.

Ein Seufzen direkt in seinen Kuss hinein, voller Verlangen, voller Lust, die noch gezeichnet von Müdigkeit war.

Genau so mochte er seinen Charles. Weich und sanft und so willig, dass er nicht anders konnte, als seine Hüfte vorschnellen zu lassen. Sein Schwanz glitt über den von Charles, ein wenig Gleitmittel half nach und binnen von wenigen Sekunden – schließlich hatten sie nur fünf Minuten – baute er einen Rhythmus auf.

Passte die kleine Kugel in Charles Inneren daran an, stieß gegen seine Haut, die Eichel strich über Charles flachen Bauch, während der Junge unter ihm härter und härter wurde. Küsse, Berührungen und süße Unsinnigkeiten, die er in seine Ohren flüsterten machten die Sache noch besser. Die Lust lag schwer in der Luft, gezeichnet von der Wärme des Morgens und Erik kam gleichzeitig mit seinem Freund. Beide kamen auf Charles Bauch, ihr Sperma vermischte sich und Charles ganzer Körper zitterte.

Bäumte sich gegen Erik auf.

Lippen haschten nach den seinen.

Bissen ihn.

Die Kugel zog sich aus Charles zurück, aber Erik hörte nicht auf gegen ihn zu stoßen, sein Stöhnen zu trinken, bis die Überreizung zu stark wurde und er sich neben ihn fallen ließ, schwer atmend, Schweiß gebadet.

„Fünf Minuten sind um.“, lachte Erik und hauchte einen Kuss auf die verschwitzte Stirn, bekam nur ein glückliches Seufzen als Antwort. Charles hasste den Morgen, aber so konnte er selbst ihn dazu überreden ihn zu mögen.

„Fünf Minuten mehr werde uns nicht umbringen. Komm her.“ Charles hielt seine Arme auf und mehr als bereitwillig schlüpfte Erik in sie hinein, legte seine Stirn gegen die von Charles und sah ihm einfach in die Augen.

Ja, wenn das hier Sterben war, dann wusste er nicht, wieso er es nicht schon vorher probiert hatte, dachte er träge, während er sich einen langen Kuss stahl.


Ξ



٩(•౪•٩)三

Und noch ein OS :D Wie man ahnen kann, ist alles rein auf Vermutungen und Hoffnungen zum kommenden X-Men-Film. Hoffnungen, von denen ich mir sicher bin, dass sie enttäuscht werden, weil Singer die Film macht :'D Das Ende ist absolut vom Canon gelöst, weil es nicht Charles 'Reborn' Ding hat, also nicht, wie ich denke, dass es im Film präsentiert wird :D Aber das ist ha auch ne Fanfiktion, von daher :D

Hochachtungsvoll,

Wir
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