Dunkles Schicksal

von Exita
GeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
21.07.2015
20.09.2016
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Dunkles Schicksal


Kapitel 1

Hallo! Wieder eine Geschichte, die etwas anders ist. Ich denke, einigen wird sie gefallen und bitte...lasst ein paar Reviews hier. Würde mich riesig freuen und ich möchte wirklich gerne von euch ein Feedback.
Danke!



Sevilla im achtzehnten Jahrhundert....



Merlin kam die geschwungene, pompöse Treppe hinunter. Er trug die neuste Mode seiner Zeit; Hose, Stehkragenhemd und Gehrock, dazu schwarze polierte Stiefel. Er kam in die großzügige Lobby des Herrenhauses und ging in die Bibliothek. Auf dem kleinen Tisch standen diverse Spirituosen und er schenkte sich einen Brandy ein. Ein Bediensteter kam herein und sagte untertänigst.

„Conde del la Vega, es ist angerichtet.“

„Danke“, antwortete Merlin, der Diener verschwand.

Merlin war nicht arm, entstammte er doch aus einer spanischen aristokratischen Familie, die sehr vermögend war. Sein Vater war Conde Rodrigo del la Vega, verheiratet mit Contessa Cecilia, seiner Mutter. Doch beide waren tot und sie starben keinen natürlichen Tod. Merlin erbte seinen Titel und sein Vermögen, das großzügige Herrenhaus, Land und verschiedene Immobilien in Sevilla. Doch er selbst lebte in dem Herrenhaus, etwas außerhalb der Stadt mit großzügigen Gärten.

Und er lebte nicht allein hier, seine Schwester, die drei Jahre jünger wie er war, behütete er wie einen kostbaren Schatz. Sie war die einzige Familie, die er noch hatte; nach dem Tod seiner Eltern. Er war einer der jüngsten Conde, was so ähnlich wie ein Graf war...nach außen hin. Doch Merlin hatte auch noch ein geheimes Leben, das realistisch wurde, als seine Eltern starben.

Und noch realistischer, wenn die Sonne unterging.

In der Sterbeurkunde stand ein Unfall, aber Merlin wusste es besser. Man hatte beide in einer dunklen Gasse in Sevilla gefunden, als sie in der Oper waren und sie wurden ermordet. Und niemand außer Merlin wusste es besser, wer ihre Mörder waren...Vampire.

Niemand glaubte daran, zumindest nicht in der Stadt. Aber ging man auf das Land in die kleinen Dörfer, da war der Glaube an Vampiren sehr real. Die Einwohner hatten Knoblauch aushängen und Kreuze. Niemand ging spät nachts aus dem Dorf, es sei denn, sie mussten. Merlin wusste es genau, das sie existierten, er hatte schon welche gesehen, die sich an Menschen vergriffen und er hatte schon einige getötet.

Merlin war also außer der Conde del la Vega auch noch etwas anderes...Vampirjäger. Seit dem Tag, an dem seine Eltern ihnen zum Opfer fielen, jagte er sie und würde nicht eher ruhen, bis diese Kreaturen ausgelöscht waren. Doch er hatte wenig Hoffnung, sie wurden immer mehr und immer bösartiger und verwegener.

Er würde den Mörder seiner Eltern zur Strecke bringen und er wusste sehr genau, wo sich dieser aufhielt.

Merlin war ein Jäger und ein guter noch dazu. Er trainierte hart und hatte auch schon einige getroffen, die auch Jäger waren, Hennessy aus England, Leo aus Deutschland und Sergio aus Italien. Sie waren eine zeitlang in Sevilla seine Gäste gewesen, doch nun wieder verstreut in der Welt, denn diese Blutsauger beschränkten sich nicht nur auf Spanien.

Doch er konnte jeden kontaktieren, wenn er sie brauchte. Sie waren eine kleine eingeschworene, geheime Truppe, die ausgelacht wurden, wenn sie laut sagen würden, das Vampire existierten.


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Er saß schon am Tisch, als die Tür aufging und eine junge, hübsche Frau hereingestürmt kam. Sie hatte langes dunkles Haar und trug ein weinrotes Kleid. Seine Schwester Maria war wie ein kleiner Wirbelsturm, temperamentvoll und so lebensfroh und sie wollte alles auf dieser Welt erleben.

„Hallo, Brüderlein...bin ich zu spät oder du zu früh“, sagte sie frohgelaunt und küsste ihn auf die Wange, die Diener ignorierend. Sie war eine Contessa, aber sie gab sich nie so, war natürlich und mochte nicht das gehobene Getue von den sogenannten Damen der aristokratischen Gesellschaft.

„Hallo Maria, hattest du einen schönen Tag?“

„Ich war ausgeritten...du...der neue Hengst ist so toll“, schwärmte sie „Ich habe es gewusst, als ich ihn zum ersten Mal sah.“

Merlin lächelte, sie hatte ihn so lange genervt, den schwarzen Hengst zu kaufen, bis er nachgab. Sie liebte Pferde und das Reiten und sie war eine ausgezeichnete Reiterin, wie Merlin. Sein Vater sagte immer, das Leute wie sie in allem das Beste sein sollten. Er hatte seinen Kinder das Reiten beigebracht und Merlin das Kämpfen, was ihm nun zugute kam, wenn er auf der Jagd war.

Er hatte eine strenge Etikette geführt, seine Kinder gelehrt, in der feinen, gehobenen Gesellschaft zu verkehren. Seine Mutter, die Contessa Cecilia del la Vega war eine vollendete Dame gewesen und gab ihnen den letzten Schliff. Doch hier waren sie wie sie waren. Junge Menschen, die in ihrem Heim nur Merlin und Maria waren. Maria hatte es immer verstanden, ihren Vater um den Finger zu wickeln, das bei Merlin nicht anders war. Er liebte sie und wollte sie glücklich machen, war sie doch erst dreiundzwanzig und Merlin mit sechsundzwanzig der Herr im Haus.

Drei Jahre waren vergangen, als sie ihre Eltern verloren hatten, doch Maria ging immer noch davon aus, das sie einen Unfall hatten. Sie hatte es sehr schwer genommen und war am Boden zerstört gewesen. Merlin wollte nicht, das sie die grausame Wirklichkeit kannte, er wollte nicht, das sie in Kontakt mit den Kreaturen kam oder von ihnen wusste, die beiden ihre Eltern auf so grausame Weise nahmen.

Sie nahm ihre Gabel und begann zu essen, was der Diener ihr auf den Teller servierte, doch sie schaute Merlin fragend an.

„Und du? Du kamst gestern Nacht sehr spät nach Hause. Was hast du getan?“

„Geschäfte in der Stadt; sie hatten mich aufgehalten“, antwortete er ausweichend.

Doch in Wirklichkeit war er auf der Jagd gewesen und erfolgreich. Er hatte zwei von ihnen erwischt, erst mit der Armbrust und danach gepfählt. Doch sein Hauptmerkmal war der Vampir, den er für den Tod seiner Eltern verantwortlich machte. Er lebte in Sevilla in einem großen Haus, vermögend und anscheinend Edelmann...Conde Arthur Pendragon. Doch dieser verfluchte Vampir war nicht aus seiner Gesellschaft, doch anscheinend hatte er sich seinen Titel gekauft oder derjenige, der Conde war getötet.

Doch er war alles andere als aristokratisch, er war ein verfluchter Vampir und der Anführer seiner Spezies. Und...verdammt schwer zu erwischen.

Maria lächelte ihn an und sagte.

„Nächste Woche ist der Frühlingsball und wir sind eingeladen. Es ist ein Maskenball. Wir werden so schöne Masken tragen wie auf den Bildern von Venedig. Ich freu mich so.“

Maria liebte Bälle und wurde auch umworben, doch Merlin hielt ein Auge auf sie. Und er mochte es nicht, wenn sie in die Stadt ging, sie war gefährlich, vor allem in der Dunkelheit. Wenn sie fuhr, dann am Tag und musste zurück sein, bevor die Sonne unterging. Sie hatte das nie verstanden, aber fügte sich und beherzigte, was ihr Bruder wollte; zumal sie nie allein in die Stadt fuhr. Meistens war der Verwalter und das Hausmädchen bei ihr und begleiteten sie. Es schickte sich nicht für eine junge Contessa, allein in die Stadt zu gehen, ohne Begleitung.

„Ich weiß nicht, Maria. Ich denke...“

„Merlin, bitte“, fiel sie ihm ins Wort „ Du erlaubst nicht, das ich in die Stadt fahre, zumindest siehst du es nicht gerne und ich halte mich überwiegend daran.Aber ich kann doch nicht immer hier auf dem Land sitzen, bis ich alt und grau bin und niemand mehr nach mir schaut. Und ich liebe Bälle, alle meine Freundinnen werden dort sein und...alle unverheirateten Männer.“

Merlin lächelte...ja, sie war hübsch und hatte keine Probleme bei Bällen ihre Tanzkarte voll zu bekommen. Und ja, er konnte sie nicht einsperren, wenn er das auch wollte. Sie war ein junges Mädchen, das etwas erleben wollte, Feste feiern, auf Bällen tanzen und mit den besagten Männern flirten. Aber mehr nicht. Merlin achtete auf sie, obwohl er kein gesittenes Leben als Edelmann führte. Aber Maria war eine Contessa und kein Mädchen für gewisse Nächte.

Er war dem weiblichen Geschlecht zwar nicht abgeneigt, doch hatte er noch ein Geheimnis. Er mochte auch die Männer, was er wirklich vorzog,  doch in ihrer Gesellschaft war das etwas Unmögliches. Und so fröhnte er seinen Leidenschaften im Geheimen, wenn er in der Stadt diverse Orte aufsuchte, die ihm gaben, was er suchte. Und die sehr verschwiegen waren, was das Geschlecht seiner Leidenschaft anging, überwiegend männlich. Dafür wurden sie reich entlohnt und nicht nur von ihm. Viele der aristrokratischen Gesellschaft hatten solche brisante Geheimnisse.

„Merlin“, sagte sie wieder sanft und flehend, schaute ihn unter ihren langen Wimpern fast unschuldig flehend an. Unschuldig? Sie wusste genau, was sie hier tat und das Merlin ihr keinen Wunsch abschlagen konnte, genauso wie sein Vater es nie konnte.

Er seufzte.

„Also gut...Frühlingsball.“

Sie sprang auf und umarmte und küsste ihn stürmisch.

„Ja...ja, schon gut...iss jetzt.“

„Ich habe ja noch so viel zu tun, muss Carmen fragen, was sie anzieht und...“, sie schaute ihn erschreckt an „Ich habe nichts zum Anziehen.“

Merlin lachte.

„Maria, deine Schränke platzen bald von den vielen Kleidern. Ich bin sicher, das da eines dabei ist, das du anziehen kannst. Denn ohne ein Kleid nehme ich dich nicht mit.“

Sie kicherte und errötete leicht, dann widmete sie sich wieder dem Abendessen.

Sie aßen zusammen und unterhielten sich. Später ging sie in ihre Räume, sie musste ja schließlich überlegen, was sie zum Ball trug. Maria hatte wunderschöne Kleider und ihr Schneider machte ihr regelmäßig ein Neues; Frauen eben. Merlin ließ sie und war immer amüsiert, wenn sie ihm das Neuste vorführte. Und doch schien sie nie genug zu haben. Carmen müsste kommen und sie beraten. Sie war ihre beste Freundin und ihr Vater war ein vermögender Geschäftsmann, der in den gehobenen Kreisen verkehrte.

Merlin trank in der Bibliothek noch einen Brandy und schaute aus dem Fenster in den schönen Garten, der jetzt im Dunklen lag. Ja...Frühlingsball, er würde auch dort sein. Dieser Vampir ließ kein Fest aus und Beute gab es dort genug. Er würde ihn endlich mal an einen Platz haben und die Gelegenheit, ihn zu erwischen.

Er war, so wie er hörte sehr beliebt, konnte sich wohl gut verstellen, besonders in der Damenwelt. Es kam ihm zu Ohren, das er ein Händchen für Geschäfte hatte. Er arbeitete mit den bekanntesten Geschäftsleute und wie man munkelte, deren Frauen arbeiteten unter ihm. Angeblich war er jung und sehr gutaussehend, was Merlin so hörte und was seinen Verdacht bestätigte...

Niemand sah ihn am Tag, erst in den Abendstunden ging er unter Menschen. Merlin lächelte böse...tja, die Sonne mochte keine Vampire.

Ein Plan schmiedete sich in seinem Kopf zusammen. Er trank aus und machte sich fertig, in die Stadt zu reiten. Dort, in einem seiner Häuser hatte er seinen Unterschlupf und seine Waffen. Schwarze Kleidung und einen Gürtel mit diversen Waffen, für Vampire bestens geeignet, auch seine Armbrust.

Danach verließ er das Haus in Richtung Ställe. Er stieg auf seinen dunkelbraunen Hengst, den der Stallbursche schon gesattelt hatte und ritt den Weg entlang. Merlin warf noch einen Blick zum Herrenhaus, bevor er durch den großen Garten zum Tor hinaus galoppierte mit Ziel Sevilla.

Er würde auf die Jagd gehen.



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Conde Arthur Pendragon kam aus dem unteren Kellergewölbe, als die Sonne unterging. Er hatte geruht und danach gelesen. Als Vampir musste er nicht den ganzen Tag schlafen, sondern nur im Dunkeln verweilen. Und natürlich schlief er nicht in einem Sarg, er lächelte als er daran dachte, das die Menschen glaubten, er würde in einem grausigen Sarg schlafen.

Die Kellergewölbe seines herrschaftlichen Stadthauses waren keine Keller. Dort waren prunkvolle Räume, sein Schlafzimmer und Wohnbereich. Natürlich hatte er das oben auch, wenn er Gäste hatte. Arthur war sehr alt und kein gewöhnlicher Vampir. Er war klug und weise, was sich dadurch bestätigte, das er immer noch existierte, trotz Jäger und er war ein Meistervampir und der Anführer seines kleinen Clans.

Natürlich waren fast alle Bediensteten Vampire, doch auch Menschen arbeiteten in seinem Haus. Sie waren den Vampiren ergeben und diese brauchten sie, denn manches musste am Tag erledigt werden. Sie waren Anhänger und es lockte das ewige Leben, sollten sie gut gedient haben.

Arthur kam in den schönen Wohnraum und ging zum Fenster, noch war er im Morgenrock oder Abendrock in seinem Fall. Er goss sich einen Bourbon ein und schaute wieder aus dem Fenster. Sein Haus lag im feinsten Viertel von Sevilla und draußen gingen die betuchten Herrschaften auf der Straße, die dieses Viertel bewohnten. Er schaute zum Himmel, der jetzt langsam dunkel wurde, doch die Sonne war schon untergegangen.

Er fragte sich oft, wieso er in solch einem Land lebte, ein Land...in dem fast immer die Sonne schien. Er könnte auch im Norden leben, in dem die Sonne ein seltener Besucher war und die Dunkelheit länger anhielt. Doch er liebte diese Stadt, ihr ständiges Treiben; diese Stadt schlief nie. Und er liebte die Wärme, war sein Körper doch kalt wie Eis, der etwas warm wurde, wenn er Blut trank, doch das hielt nicht lange an.

Er ernährte sich von Blut, keine Nahrung, doch Getränke mochte er, wie seinen teuren Bourbon, den er in der Hand hielt.

Die Tür ging auf und sein Freund kam herein, so alt wie er selbst. Lance wurde an dem Tag zum Vampir wie Arthur; sie teilten das gleiche Schicksal, als vor langer Zeit dieser Vampir sie biss. Lance war dunkelhaarig und trug das Haar bis zu seinen Schultern, seine blasse Haut kam daher mehr zum Vorschein, sowie seine braunen Augen. Arthur sagte immer zu ihm, das er gut nach Sevilla passte, denn er sah fast wie ein Spanier aus, wenn er nicht so blass wäre.

Arthur dagegen hatte hellblondes Haar, das er nicht lang trug und schöne stahlblaue Augen, eher untypisch für südländische Einwohner. Er kam auch nicht von hier, er war in England geboren...vor sehr langer Zeit. Beide waren sehr gutaussehend und die Damen schauten sich nach ihnen um. Und sie hatten diese typische Anziehungskraft. Menschen fühlten sich von ihnen angezogen, was das Jagen vereinfachte. Beide hatten das Flair von mysteriös, was Menschen wohl sehr ansprechend fanden. Eigentlich hatte das jeder Vampir, doch Arthur zog sie an, wie die Motten das Licht, Lance ähnlich.

Lance hielt ihm ein Briefkuvert hin und grinste.

„Deine Einladung zum Frühlingsball; ein Maskenball. Wirst du hingehen?“

Arthur nahm einen Schluck von der goldenen Flüssigkeit, schaute Lance nach, der sich auch etwas einschenkte.

„Die Damen würden enttäuscht sein, sollte ich nicht gehen“, sagte er schließlich. Lance drehte sich um.

„Wir wissen beide, das Damen nicht deine Leidenschaft sind, wenn du sie auch manchmal in dein Bett nimmst. Es sind die Männer, die dich eigentlich mehr interessieren. War das eigentlich schon so...“, fragte er, als er auf ihn zuging „als du noch gelebt hast?“

Arthur nickte und grinste.

„Ja, manches ändert sich auch nicht, wenn man tot ist.“

Lance lachte und blieb jetzt vor ihm stehen.

„Tja...für Tote haben wir aber ein leidenschaftliches Temperament, im Bett mit den Damen...Mmh, beziehungsweise Herren, was dich angeht. Vielleicht mehr als Menschen, weil wir das alles intensiver erleben als sie. Aber ich halte mich da lieber an die Ladys.“

Beide in London geboren und dort aufgewachsen, unterhielten sie sich, wenn sie allein waren in englisch. Es hatte sich einfach so ergeben, das sie automatisch in ihre Muttersprache fielen, wenn sie unter sich waren.

„Ich denke nicht, das du Probleme hast, was die Ladys angeht.“

„Mit Sicherheit nicht“, antwortete er und musterte einen Moment Arthur.

Lance wurde ernst, er musste mit ihm reden.

„Zwei sind nicht nach Hause gekommen; gestern Nacht. Sie waren noch nicht lange Vampire, Erik und Sven.“

„Der Jäger?“

Lance nickte grimmig.

„Ich vermute, der verfluchte Bastard hat sie erwischt. Wir sollten ihn auslöschen, er ist hinter dir her, das weißt du hoffentlich.“

Arthur lächelte und einen Augenblick sah man seine spitzen Zähne.

„Dafür muss er mich erst erwischen. Und ich habe hohes Ansehen hier in Sevilla und habe einen aristokratischen Titel, den der alte Conde mir großzügig hinterließ, nachdem er...nun ja...ihn mir überließ.“

„Ja, wenn auch unfreiwillig“, meinte Lance, doch griff wieder das Thema auf.

„Ich denke, wer du bist...interessiert ihn nicht, wenn er dich pfählt. Gib acht, Arthur, du solltest ihn nicht unterschätzen.“

„Unterschätzen? Ich kenne ihn noch nicht mal; noch nie gesehen.“

Lance nickte wissend.

„Aber anscheinend weiß er was du bist. Ich selbst habe ihn auch noch nie gesehen. Die Vampire, die ihn gesehen haben und noch leben ,sagen das er jung und gutaussehend und aristrokratisch ist. Dunkle Haare und groß, schlank und angeblich einer der reichsten Familien hier. Er lebt etwas außerhalb von Sevilla in einem großen Haus. Anscheinend weißt du nichts über den Jäger.“

Arthur schenkte sich noch Bourbon ein, während er sagte.

„Du scheinst ja Nachforschungen angestellt zu haben, was?“

„Wenn du das alles so locker siehst, dann muss ich wenigstens wissen, mit wem wir es zu tun haben, Arthur. Der will deinen Kopf und du siehst das ziemlich locker.“

Arthur drehte sich herum, er lächelte.

„In meinem langen Leben wollten das viele und...“. Er machte eine Bewegung mit seiner Hand an sich herunter „Ich stehe immer noch hier. Er ist ein Jäger mehr, der es auf mich abgesehen hat, einer in einer langen Reihe.“

„Er wird auf dem Ball sein, du solltest ihn dir mal anschauen. Oder besser gesagt...ihn ausschalten.“

„Auf dem Ball?“, fragte Arthur überrascht und kam auf ihn zu „Lance...wir leben so lange, weil wir nie impulsiv gehandelt haben. Und weil wir im Verborgenen geblieben sind, was unsere Existenz angeht. Da werde ich bestimmt nicht auf einem Ball, wo so viele Menschen sind, einem Aristokraten das Licht ausblasen und dazu noch jemand, der im Rampenlicht der Gesellschaft steht. Weißt du seinen Namen?“

Er nickte.

„Paolo sagte, er wäre ein Conde; sehr jung und er erkundigte sich insgeheim über ihn. Er fand heraus, das er Conde Merlin del la Vega heißt, beide Eltern tot. Und sehr vermögend.“

„Das bin ich auch und hat nichts zu sagen.“

Lance trat einen Schritt auf ihn zu, sprach eindringlich.

„Arthur, nimm das nicht so leicht und schau ihn dir mal an. Und verdammt...sei wachsam, denn ich denke er hat keine Probleme damit, dich auszuschalten, ob Ball oder nicht. Wenn er dich richtig erwischt, wird nichts als ein Häufchen Staub übrigbleiben. Gib bitte Acht, wenn du auf diesen Ball gehst.“

Arthur schaute ihn fast gerührt an, er machte sich wirklich Sorgen um ihn. Schließlich nickte er.

„Ja, ich werde aufpassen.“

Lance nickte und stellte sein leeres Glas auf den Tisch, er grinste.

„So...treffe mich mit einer Lady, wir sehen uns.“

„Warst du schon jagen?“, rief ihm Arthur nach. Er drehte sich um.

„Nein, aber das verbinde ich damit...Blut und Sex? Hört sich doch gut an.“

Arthur lächelte und schaute zur geschlossenen Tür, als Lance weg war. Seine Gedanken kehrten zu dem Jäger zurück, der ihnen auf die Schliche kam. Jung, männlich, gutaussehend? Er kannte genug Jäger in seinem langen Leben...alte, hässliche, hartnäckige und alle gefährlich. Doch alle teilten das gleiche Schicksal; sie waren tot, als sie versuchten, ihm den Garaus zu machen. Das würde diesem Jäger auch passieren, er war sich da sicher.

Lance hatte unrecht. Er unterschätzte sie nie und die Vampire, die das locker nahmen, existierten nicht mehr. Gwaine hatte das immer locker gesehen und einer der verdammten Jäger hatte ihn erwischt. Arthur tötete ihn, der einer seiner Freunde getötet hatte. Gwaine war der Dritte im Bunde gewesen, Lance, er und Gwaine. Sie waren im Leben Freunde und später als Untote. Sein Tod traf sie beide hart und war schon lange her.

Arthur nickte, als würde er sich bestätigen. Ja, er würde sich diesen Jäger ansehen. Er drehte sich um und ging in sein Schlafzimmer im ersten Stock und in sein Ankleidezimmer. Er suchte sich Kleider heraus und zog sich an.

Er hatte ein Meeting mit einigen Geschäftsleuten und später würde er jagen.



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Der junge Mann stöhnte wohlig, als Arthur ihm in den Hals biss und sein Blut saugte. Er schloss die Augen, genoss den feinen Geschmack des Blutes, das warm seine Kehle herunterlief. Augenblicklich wurde ihm warm, sein ganzer Körper erwärmte sich und Arthur liebte diesen Moment, wenn er Körpertemperatur hatte. Das Fatale daran war, es hielt nicht allzulange an.

Er spürte, wie der Körper des Menschen in seinen Armen nachgab, als der Mann besinnungslos wurde. Er war einer der Burschen, die in der berüchtigten Gegend seinen Körper für Geld anbot. Arthur hatte ihn angesprochen und er war bereitwillig mitgegangen, als er das Geld sah...in diese dunkle Gasse, die er nicht mehr verlassen würde.

Der Vampir hob den Kopf, als er ein leises Geräusch hörte,  jemand war hier. Sein Vampirgehör war sehr fein und hörte eine Mücke husten. Das Zurren des Pfeils war laut, als Arthur den leblosen Körper des Mannes zu Boden fallen ließ und zurückzuckte. Er spürte den Lufthauch, als der Pfeil Millimeter an ihm vorbeirauschte und mit einem dumpfen Geräusch in den Holzbalken des Hauses schlug und stecken blieb.

Das war knapp und nur seiner übermenschlichen Reaktion hatte er zu verdanken, das der Pfeil ihn nicht traf. Er spähte in die Dunkelheit, hoch wachsam, doch er sah den Angreifer nicht. Er wusste, das es der Jäger war, von dem Lance gesprochen hatte und er würde ihn wirklich gerne mal sehen, doch er hielt sich bedeckt. Wieder hörte er das Zurren und sprang in Vampirgeschwindigkeit um die Ecke. Der Pfeil fiel zu Boden, als er auf die Steinmauer traf, wo Sekunden zuvor noch Arthur gestanden hatte.

Arthur nickte grimmig...er war gut, verflucht gut, hatte sich fast herangeschlichen, aber nicht gut genug. Und er sah ihn nicht, er verschmolz gekonnt mit den Schatten. Er grinste.

„Daneben!“, rief er in die Dunkelheit „ Du musst noch ein wenig üben.“

„Muss ich nicht...früher oder später hab ich dich und es wird mir eine Freude sein...Vampir.“

Arthur grinste, seine Stimme hörte sich gut an; weich, männlich und bestimmt. Und er spürte Neugier, diesen Mann zu sehen...nun ja, nächste Woche auf dem Ball. Bis dahin musste er sich gedulden und verdammt vorsichtig sein, wenn er Nahrung aufnahm. Lance hatte recht, er war gefährlich.

„Bis dahin...verabschiede ich mich, Jäger. Wünsche eine angenehme Nacht.“

Und Arthur fiel in unmenschliche Geschwindigkeit, indem er nur noch ein Schatten wurde, als er mit der typischen Vampirgeschwindkeit in der Dunkelkeit verschwand.

Der Mann, der auf dem Boden lag war tot. Merlin kam näher und beugte sich hinab, er war ganz in schwarz gekleidet, die Armbrust über dem Rücken. Er steckte den Dolch an den Gürtel, an dem sein Schwert hing und andere Dinge, wie ein spitzer Pfahl.

„Fast gehabt, verdammter Blutsauger“, murmelte er und stand auf, schaute auf den Mann, dem niemand mehr helfen konnte.

Dann sah er sich prüfend um und verschwand in der Dunkelheit, verschmolz mit den Schatten.

Die Nacht war noch nicht zu Ende, nicht für ihn und nicht für die Vampire.
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