Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Lone Ranger - Das Red's steht auf dem Spiel

GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Danny Reid John Reid / Lone Ranger Rebecca Reid Red Tonto
20.07.2015
29.09.2019
18
36.383
5
Alle Kapitel
9 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
29.09.2019 1.865
 
Seine Männer rechneten nicht mit einem Überfall und wenn Joseph es getan hatte, dann hatte er diese Furcht nicht mit ihnen geteilt. Red hatte erwartet, dass er nicht die schlauesten Handlanger angefüttert hätte, aber dass sie so entspannt um ihr riesiges, wirklich sehr auffälliges Lagerfeuer sitzen würden hatte sie nicht erwartet.
„Irgendetwas stimmt nicht“, äußerte auch Rebecca ihre Bedenken als sie sie aus ihrem Wagen befreite. Der Mann der ihn bewacht hatte war dem Revolver zum Opfer gefallen, aber weil sie ihn nicht abfeuern konnte ohne die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Verbrecher auf sich zu ziehen, hatte sie ihm den Schädel damit eingeschlagen.
Er war ein Hüne von einem Mann, aber trotz ihrer Verfassung war Red in Bestform.
„Ich bin ganz deiner Meinung“, flüsterte sie im Schutze der Dunkelheit, während sie Pamod einen Arm um die Schultern legte, Danny klammerte sich an den Rock seiner Mutter. Trotz aller Erwartungen waren sie noch immer Kinder, die soeben eine nicht unerheblich lange Zeit in einem Wagon verbracht hatten, der das letzte hätte sein können, das sie in ihrem kurzen Leben zu Gesicht bekämen.
Aber jetzt waren sie wieder auf freiem Fuß, das durften sie nicht aufs Spiel setzen.
„John und Tonto werden kein Feuer entfachen“, meinte Red schulterzuckend. „Wir haben keine Möglichkeit sie aufzuspüren. Wenn John sich nicht anders entscheidet, werden sie bald angreifen.“
„Aber vermutlich sind sie ebenso skeptisch wie wir“, wandte Rebecca ein. Red holte tief Atem und überlegte einen Moment. Lautes Gelächter ertönte aus der Richtung, in der sich das Lagerfeuer befand. Sie versammelten sich alle an einer Stelle. Entweder das alles war ein ausgeklügelter Plan oder blanke Dummheit.
Wenn sie nur eine Möglichkeit fänden, sie alle auf einmal auszulöschen…
Sie sah auf. „Das Dynamit.“
Rebecca musterte sie eingehend. „Wie bitte?“
„Was denkst du wollten sie tun, wenn sie das Red’s ausgehoben haben? Ganz sicher wollte er die ganze Stadt in die Luft jagen. Zumindest das Bordell. Für beides bräuchte man eine nicht unerhebliche Menge Sprengstoff.“
„Woher willst du das wissen?“, fragte Rebecca nachdenklich und drückte Danny an sich. Die Aussicht in die Luft gesprengt zu werden war nicht besonders schmeichelhaft. Red winkte mit der Hand. „Ich kenne ihn und seine Leute. Und mein Mann war nicht anders. Dynamit ist die einzige Waffe, die ihre Spuren zuverlässig verwischt und niemanden zurücklässt. Was auch immer seine Männer planen – wenn sie denn überhaupt so etwas wie einen Plan haben – das hier ist die perfekte Möglichkeit, sie alle auszulöschen. Wir müssen nur den Wagen mit dem Dynamit finden. Er wird nicht einfach so herumstehen. Wahrscheinlich ist er gut bewacht, schließlich müssen sie mit einer Bedrohung wie dieser rechnen. Aber ich kann mir vorstellen welcher es ist.“
Sie sahen sich um. Alle Wagen und Kutschen die sie mitgebracht hatten – an der Zahl etwa zehn, höchstens zwölf – standen in einem Ring um das Lagerfeuer herum, aber bloß einer war weit genug entfernt, um den Funken auszuweichen. Schließlich könnte eine winzige Flamme die ganze Düne in die Luft jagen hinter der sich das Lager verbarg.
Rebecca und die Kinder begannen zu zittern. Es war dunkel und dementsprechend kalt. Sie mussten sich beeilen. Die Explosion würde, wenn alles gut ginge, John und Tonto anlocken und ihre Pein beenden.
Red wollte sich nicht ausmalen wie es danach weiterginge, weil sie gerne auf Enttäuschungen vorbereitet war, um sie besser ertragen zu können, doch die Aussichten standen gut. Es sei denn ihre Peiniger waren nicht so dumm wie sie sich stellten.

Ein Mann stand vor dem Wagen und hielt Wache. Immer wieder sah er zum Lagerfeuer hinüber. Wahrscheinlich wollte er sich wie alle anderen genug Essen für drei Monate und Alkohol in dreifacher Menge in den Rachen schieben, aber irgendjemand musste den Türsteher spielen.
Red gebot den anderen hinter den übrigen Wagen zu warten, um nicht entdeckt zu werden. Dann schlich sie voran. Zwischen ihr und dem Wagon lagen ungefähr fünf Schritt über den offenen Sand. Sie musste sich von hinten anschleichen, um nicht bemerkt zu werden. Zum Glück verschluckte der Wüstensand die Geräusche ihrer Schuhe, doch sie musste ihr Kleid anheben, um tatsächlich vollkommen lautlos voranzukommen.
Dann musste auch sein Schädel mit der Pistole Bekanntschaft machen. Es war einfacher jemanden mit einer Waffe zu erschlagen, wenn man ein wenig Übung darin fand. Außerdem wollte sie die Kugeln nicht verschwenden. Sie hatte schon oft den ein oder anderen mit einer Waffe bewusstlos geschlagen, aber das reichte nicht aus. Jetzt musste sie auf Nummer Sicher gehen, weshalb sie dafür sorgte, dass er niemals wieder das Licht der Welt erblicken würde, ebenso wenig wie sein Freund. Sie hatten der falschen Sache gedient. Das musste bestraft werden.
Red hatte schon ein paar Männer umgebracht, aber es war jedes Mal eine nicht unerhebliche Gräueltat. Sie musste an den Häuptling denken, der sein Leben im Zuge dieser Reise gelassen hatte, aber wie viele Opfer ihre Flucht tatsächlich gekostet hatte entzog sich ihrer Kenntnis.
Wenn all das vorüber war würde sie sich ein neues Leben aufbauen. Nun, vielleicht nicht so brandneu wie John und Rebecca es aufziehen würden, aber zumindest neu genug, um gegen ihre alten Dämonen anzukommen. Sie wollte ihre Beine nicht länger für alle möglichen Trottel breitmachen. Ihre Liebe sollte allein Tonto gehören. Mit ihm könnte sie glücklich werden und ihm angemessenes Englisch beibringen.
Während sie sich ihr besseres Leben ausmalte, begutachtete sie das Schloss an dem Wagen. „Das bekommen wir nicht auf ohne Aufsehen zu erregen“, erkannte sie, während Rebecca die Jungs dazu animierte, den toten Mann nicht anzustarren, der mit eingeschlagenem Schädel im Sand lag. Red ging um den Wagen herum. Er war nicht besonders marode und man konnte nicht einsehen, was sich darin befand. Sie suchte nach einem Astloch oder einem Brett, das durch Wind und Wetter ein wenig verzogen war, wurde aber erst nach mehreren Minuten fündig.
Mittlerweile krabbelte sie schon auf dem Boden herum und spürte den Sand in ihrem Schuh und unter ihren Fingernägeln. Obwohl sie so viel durchgemacht hatte und sich über alle möglichen Grausamkeiten beklagen konnte, wollte sie gerne die Wüste und ihre Unannehmlichkeiten verfluchen.
Durch das Astloch, das sie ungefähr dreißig Zentimeter über dem Metallbeschlag des Bodens fand, konnte sie vorerst überhaupt nichts erkennen. Erst als sich ihre Augen nicht nur an die Dunkelheit der Nacht, sondern auch die Dunkelheit im Innern des Wagens gewöhnt hatten, konnte sie Kisten mit schwarzen Stempeln ausmachen.
Die genaue Aussage des Stempels konnte sie nicht ausmachen, aber sie meinte ein besonderes Logo zu erkennen, das für Sprengstoff sprach.
„Ich hab eine Idee.“ Sie richtete sich auf und ihr Körper protestierte gegen die Bewegung. Joseph war ein schwerer Mann und obwohl sie robust war hatte er es doch geschafft, ihr nicht unerheblichen Schaden zuzufügen.  
Rebecca schien nicht sehr angetan von einer Idee, die mit Sprengstoff und vielen verlorenen Leben in Verbindung stand, aber auch sie wusste, dass sie keine andere Wahl hatten als es diesen Schlächtern ein für alle Mal heimzuzahlen. Es würde nicht lange dauern bis sie Josephs Leiche fanden und dann würden sie sowieso als Freiwild deklariert.
Noch glaubten alle er vergnüge sich mit Red, doch egal wie viel Zeit sie ihm dafür geben wollten, im Wagen war es doch verdächtig still.
„Also…“ Red klopfte den Sand von ihrem Rock. „Sie sind vielleicht weit von diesem Wagen entfernt, aber so viel Dynamit wie in diesem Ding steckt, wird ein Loch weit größer als diesen Abstand in den Sand reißen. Wenn wir sie damit nicht alle töten, können wir sie zumindest lange außer Gefecht setzen. Auf diese Entfernung kann die Explosion ihnen die Trommelfelle zerfetzen. Wird sie.“
Rebecca verzog das Gesicht. „Und was werden wir derweil tun? Uns einbuddeln?“
Red grinste. „Gar keine schlechte Idee. Aber ein so tiefes Loch können wir nicht in einer Stunde schaufeln. Nein. Wir schleichen uns auf die andere Seite hinter die Düne dort. Dann werde ich auf den Wagen schießen und ihn in die Luft jagen. Wenn sie uns auf dem Weg nicht entdecken, haben wir leichtes Spiel.“
Pamod Jr. grinste. „Das klingt gut“, flüsterte er zuversichtlich und sah sich um. „Am besten wir gehen im Schatten der Wagons bis zu den Pferden. In deren Schutz können wir uns bewegen ohne verdächtig zu wirken.“
„Kluger Junge.“ Red klopfte ihm auf die Schulter.

Der Weg war länger als erwartet und mit Hindernissen verbunden. Obwohl es keine weiteren Wachen gab wäre Red beinahe über einen Stapel ungewaschener Messingtöpfe neben dem Küchenwagen gestolpert, weil ihr Bein für einen Moment den Geist aufgab.
Der Sand verschluckte ihre Schritte, doch ihre Kleidung raschelte trotz allem. Natürlich waren die Männer zu betrunken, um ihr Gewisper zu hören, doch man konnte niemals vollkommen sicher sein. Als sie die Pferde erreichten, atmete Red erleichtert auf. Pamod streichelte eine der Stuten und es war als würde seine Hand allein ihr versichern, dass alles in Ordnung war.
Er war ein wahrer Pferdeflüsterer.
Rebecca ergriff Reds Hand. „Bist du sicher, dass wir nicht ebenfalls in Gefahr sind, wenn du den Wagon in die Luft sprengst?“, fragte sie flüsternd. Red schüttelte den Kopf. „Das könnte ich niemals sein, aber ich bin zuversichtlich, dass wir nicht sterben.“
„Und wenn es uns die Trommelfelle zerfetzt?“ Die Bordellbesitzerin lächelte schief. „Wohl ein weiteres Handicap mit dem ich leben muss. Jetzt lass uns keine Zeit mehr verlieren. Sicher vermissen sie Joseph schon.“  

Hinter der Düne, im Schutz der Dunkelheit war es so kühl, dass ihr Atem in weißen Wolken zwischen ihren Lippen hervortrat. Sie lagen im Schutze des aufgeworfenen Sandes und der Nachthimmel lag wie ein riesiges, schwarzes Laken über ihnen, das sie beschützen würde. Red war sich tatsächlich nicht sicher, ob diese Entfernung ausreichen würde und sie wünschte sich, Tonto wäre bei ihr, um ihr einen guten Rat zu geben.
Sicher wusste er wie man einen Wagon so in die Luft jagte, dass man eine Bande Schläger damit außer Gefecht setzen konnte. Zu wissen dass er unterwegs war, um sie wiederzusehen und zu retten, gab ihr Kraft. Sie wünschte sich in seine Arme und stellte sich vor, er würde jetzt neben ihr im Sand liegen.
Es ging ihr nicht allein um den Sex. Sicher, ihr Leben bestand fast ausschließlich aus körperlichen Gefälligkeiten, aber kein Mann hatte sie mit seiner Anwesenheit allein jemals so erfüllt wie Tonto. Er gab ihr das Gefühl, nicht einmal in einem fensterlosen Bunker 200 Meter unter der Erde oder gefesselt in einem Wagon allein sein zu müssen.
Diese Gedanken trieben ihr fast die Tränen in die Augen, doch sie riss sich zusammen und lud die Pistole. „Ich habe vier Schuss. Wenn ein paar Männer überleben, könnte ich sie erledigen. Aber aus dieser Entfernung und bei solchen Lichtverhältnissen wird ein tödlicher Treffer wohl schwierig.“
Sie kniff ein Auge zu und das Lagerfeuer brannte fast ein Loch in ihre Hornhaut. In dieser pechschwarzen Nacht war es von einer so schmerztötenden, grellen Farbe, dass sie sich sicher war, keinen der Schatten mit einhundertprozentiger Sicherheit als Kopf oder Rumpf ausmachen zu können.
„Also schön. Wir sollten anfangen. Irgendwelche letzten Worte?“
„Soll das ein Scherz sein?“, wisperte Rebecca aufgebracht und umklammerte Dannys Hand. Red lächelte schief. „Ich wollte nur aufmunternd sein, tut mir leid. Jedenfalls liegt mein letzter Wille in der rechten Schublade meines Schreibtisches.“
„Das ist nicht witzig!“, zischte Rebecca.
Red legte die Pistole an.
„Das war kein Witz.“
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast