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Lone Ranger - Das Red's steht auf dem Spiel

GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Danny Reid John Reid / Lone Ranger Rebecca Reid Red Tonto
20.07.2015
29.09.2019
18
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25.06.2018 2.303
 
Als sie ihn losließ sackte sie in sich zusammen und er musste sie auffangen. Schluchzend klammerte sie sich an ihm fest und schließlich saßen sie nebeneinander im Sand. John trat zu ihnen. Red sah zu ihm auf. „Wo sind die anderen?“, fragte sie. „Was ist mit Rebecca, Danny und Pamod? Habt ihr sie nicht gefunden?“
Er ließ sich vor ihnen nieder und seufzte. „Wir müssen von hier verschwinden. Wahrscheinlich haben sie uns entdeckt. Sie haben Tonto hinter dem Wagen hergezogen und Rebecca, Danny und Pamod waren darin eingesperrt. Ganz bestimmt werden sie bald bemerken, dass er verschwunden ist.“ Red schluckte und spürte, wie Tonto ihr einen Arm um die Schulter legte. Erst jetzt bemerkte sie tatsächlich die vielen Hämatome, die sich blau und violett über seinen Körper zogen. „Was haben sie dir angetan?“, fragte sie daraufhin und berührte eines davon vorsichtig mit ihren Fingern. Er zuckte zusammen. „Nichts Schreckliches“, sagte er und strich ihr das Haar aus der Stirn. „Dich wiederzusehen kann es aufheben.“ Sie lächelte und schließlich konnte sie sich zusammenreißen, um nicht noch heftiger zu weinen. Dann wandte sie sich zu John um.
„Bist du sicher, dass sie uns finden werden?“, fragte sie. Er nickte. „Bestimmt. Wir haben allzu deutliche Spuren hinterlassen. Wenn wir nicht schneller sind als sie haben wir verloren. Wir müssen sofort aufbrechen.“ Er erhob sich und wollte zu seinem Pferd hinübergehen, als Red eilig aufsprang und beinah nach hinten kippte, hätte Tonto sie nicht festgehalten. „Warte, warte!“
John wandte sich um. „Sie wollen mich! Er will nur mich.“
Sein Gesichtsausdruck wurde hart. „Was soll das heißen? Wir haben uns alle gegen ihn verschworen. Sein Rachedurst gilt nicht dir allein.“ „Das ist wahr“, gab sie zu, „aber ich allein weiß, wo das liegt, was er sucht. Er braucht euch nur, um mich in Schach zu halten. Nur mich allein kann er nicht töten. Euch würde er nach Belieben die Kehle aufschneiden, aber meinen Hals muss er wohl oder übel zusammenhalten, bis wir wieder im Red’s sind. Ich könnte hier zurückbleiben und wir bilden einen Hinterhalt oder etwas dergleichen…“
John rückte seinen Hut zurecht. „Er ist nicht so dumm wie er aussieht. Er würde es ganz sicher bemerken.“ Red hob die Schultern. „Möchtest du etwa, dass Rebecca und Danny in seiner Gewalt bleiben? Oder Pamod? Ich könnte mich stellen. Sagen, dass ich es nicht ertrage. Vermutlich kann ich ihnen beistehen und wir reiten zurück nach Colby. Wir müssen mindestens einmal rasten, allein der Pferde wegen. Das wäre eine Möglichkeit zuzuschlagen. Wenn ihr uns im Auge behalten könntet-“ „Auch das würde er bemerken“, unterbrach er sie unwirsch. „Das ist lächerlich. Wir haben uns nicht befreit, um ihm nun wieder in die Arme zu laufen.“
„Nein“, stimmte sie ihm zu, „wir haben uns befreit, um diese Männer hier anzuheuern und damit seinen Andrang aufzuwiegen. John, wir können ihn nur mit mir ködern. Etwas anderes würde er nicht akzeptieren. Wenn er mich nicht bald zurückbekommt wird er Rebecca, Danny oder Pamod etwas antun, das schwöre ich dir. Gib mir eine Chance. Bitte.“
„Es würde deine letzte sein“, beharrte er. „Sie kommen bald“, warf Tonto ein und legte Red eine Hand auf die Schulter. „Ich vertraue dir“, sagte er zuversichtlich und versuchte ein Lächeln. „Aber sie werden dir wehtun. Sie werden dir Schmerzen bereiten.“ „Das ist mir egal! Ich will mich nicht verkriechen und warten, bis irgendjemand stirbt. Lasst mich hier zurück. Sie werden sowieso kommen. Ich lasse das Feuer brennen, dann finden sie mich. Wenn er hier ist werde ich mich ergeben und ihrer Karawane anschließen. Dann reiten wir zurück und wenn wir das erste Mal rasten, könnt ihr uns überfallen.“ „Er würde uns erwarten, das sollten wir nicht riskieren“, sagte John, der noch immer starke Zweifel hegte.
Red rieb sich die Stirn. „Dann kehren wir ins Red’s zurück. Dort kenne ich mich aus. Wenn ich ihm das Silber zeige, könnte ich ihn übermannen. Ihn zwingen allein nachzukommen oder Homer bitten mir zur Hand zu gehen. Egal wie herum wir es drehen, es wird stets ein Risiko geben. Das ist euch doch bewusst. In eurem Metier gibt es nichts, das nicht mit Schmerzen oder dem Tod einhergeht. Du musst dir eingestehen, dass es keine andere Möglichkeit gibt, die drei in Sicherheit zu wissen, John.“
Der Lone Ranger rieb sich den Nacken. „Und du bist dir sicher, dass du dir eine solche Bürde auferlegen willst?“ Red schnaubte verächtlich. „Butch Cavendish hat mir ein Bein abgeschnitten und mich zurückgelassen, in der Hoffnung ich würde verbluten. Und jetzt sieh mich an! Ich stehe hier, oder etwa nicht?“

Die Sonne stand bereits hoch, als sie noch immer mit einem Stock in der zurückgebliebenen Glut stocherte, die einmal ein hochloderndes Feuer gewesen war. John, Tonto und die anderen Männer hatten schließlich nachgegeben und sie hier in der Ebene zurückgelassen. Die hohen Steine boten etwas Schatten und Deckung vor Windböen, doch Red fühlte sich trotz allem schutzlos.
Sie fragte sich, ob Joseph wirklich auftauchen und sie abholen würde, wie sie es sich vorstellte. Oder ob er dem Rauch des Feuers oder ihrem Lager keinerlei Beachtung schenkte. Eigentlich hatte sie schon viel früher mit ihm gerechnet und jetzt ließ er sich Zeit. Sie könnte hier in der Wüste verhungern oder in der Nacht erfrieren. Die Vorstellung war nicht sonderlich angenehm.
Seufzend zeichnete sie mit dem Stock ein Muster in den Sand. Red Harrington hatte bereits so viele Schicksalsschläge überlebt. Sie hatte ihren Ehemann unvorhergesehener Weise an Joseph verloren, während ihr einziger Sohn sie vor einigen Wochen zum ersten Mal zu Gesicht bekommen hatte. Sie hatte ihre gesamte Familie binnen eines Wimpernschlages in ein schwarzes Loch stürzen sehen. Butch hatte ihr in jener Nacht ihr Bein abgetrennt und in seinem blutdurstigen Wahn beinahe Pamod Junior entdeckt, den sie übereilt in ein Laken gewickelt und versteckt hatte. Ihr Ehemann hatte das Bündel schließlich an sich genommen und in Sicherheit gebracht und daraufhin hatte Red ihn niemals wiedergesehen.
Der Schmerz war verblasst, in all den Jahren. Doch die Erinnerung blieb wie eine Narbe. Und sie konnte zahlreiche Narben vorweisen.
Auf dieser Reise hatte sie ihren Körper aufs Neue auf die Probe gestellt und bewiesen, dass es sehr schwierig war, sie zu töten. Doch sie war sich nicht sicher, wie lange sie dem psychischen Druck nach standhalten könnte. Allein Josephs Gesicht zu sehen drehte ihr den Magen um und die Vorstellung, dass er gewinnen könnte, wenn er sich nicht allzu dumm anstellte, machte es nur noch schlimmer. Sie wusste, dass ihre Chancen so gering waren wie die eines Papierschiffchens in einem Hurrikan.
Der Stock zerbrach in der Mitte, als sie ihn unvorhergesehen in den Sand bohrte.
Sie hörte Pferde in der Ferne. Jemand rief etwas durch die flirrend warme Luft und die Hufgeräusche näherten sich erstaunlich schnell. Red holte tief Atem, um sich zu beruhigen. Sie dachte an all die Strapazen zurück, die sie durchlitten hatte und versuchte sich vorzustellen, wie sie Joseph schließlich und endgültig den Schädel wegblasen würde. Dieser Gedanke gefiel ihr.

Wie erwartet erreichte ihr neuer Erzfeind das Lager mit einem Trupp bewaffneter Männer. Er schien überrascht, sie allein vorzufinden und ließ das Gelände auskundschaften, um einem Hinterhalt vorzubeugen. Red erhob sich von ihrem Schattenplatz und sah herausfordernd zu Joseph auf.  „Ich habe nicht vor, dich anzugreifen“, erklärte sie und er grinste. „Das hatte ich auch nicht erwartet.“
Sie schluckte herunter, was auch immer auf dem Weg in ihren Mund gewesen war. „Ich bin hier, um mich dir zu stellen“, sagte sie laut und deutlich, sodass keine Unklarheiten aufkamen. „Ich will die Ermordung eines Unschuldigen vermeiden und habe beschlossen, dich zum Red’s zu begleiten und dir zu geben, was du verlangst.“
Joseph neigte den Kopf. „Es hat zwar eine Weile gedauert, aber ich bin trotzdem froh, dass du dich entschieden hast. Es erspart dir eine Menge Schmerzen. Obwohl, dabei bin ich mir noch nicht sicher… Trotzdem“, er strich mit Daumen und Zeigefinger über sein schlampig rasiertes Kinn, „ich vertraue dir nicht. Das habe ich noch nie. Du bist die Frau dieses Gauners, den ich vor ein paar Monaten weggeblasen habe. Das ist mir nicht geheuer. Ich würde dich gerne dazu bringen, mir deine vollkommene Unterwürfigkeit zu beweisen.“
Red holte tief Atem. „Ich tue alles, solange du den drei Gefangenen in deinem Wagen kein Leid zufügst.“
Joseph lachte auf. „Stimmt ja, einen habt ihr mir schließlich geklaut.“ Das Lachen verschwand. „Fein, hier ist meine Forderung. Wir werden noch knapp eine Woche brauchen, wenn wir Colby erreichen wollen. In dieser Woche wirst du in meinem Wagen residieren und du wirst meine persönliche Hure sein. Das kannst du schließlich am besten.“
Red spürte einen seltsamen Schmerz in ihrer Brust. Diese Forderung ließ sie erblassen und eine Gänsehaut überkam sie mit einem Schlag.
Die Hure dieses Mannes zu werden war etwas, an das sie keinen einzigen Gedanken verschwendet hatte und das sich nun zu ihrer größten Angst manifestierte. Natürlich, sie war die Hure vieler Männer gewesen, ob es nun ein angenehmes Handwerk war oder nicht, doch Joseph… Sie wollte ihn nicht einmal mit behandschuhten Händen berühren und nun seine primitiven Bedürfnisse mit ihrem Körper zu befriedigen… Das war ein Ding der Unmöglichkeit.
Sie senkte den Kopf beinahe unterwürfig. „Wenn das der Preis ist, den ich zahlen muss“, murmelte sie und brachte die Worte kaum über die Lippen. Joseph grinste verwegen und scheinbar zufrieden. „Also gut, legt sie in Ketten und lasst uns losziehen!“, rief er vergnügt. Zwei seiner Männer brachten Eisenketten heran, mit denen sie Reds Hände fesselten.
Noch nie in ihrem gesamten Leben hatte sie sich machtloser gefühlt.

Man brachte sie nicht zu Rebecca, Danny und Pamod in den kleinen Wagen, sondern sofort in Josephs große Residenz, die sich aus einem Zirkuswagen und zwei schwarzen Pferden zusammensetzte. Mit vier großen Kutschenrädern wirkte er äußerst unhandlich und nicht wirklich für einen Ritt durch die Wüste geeignet, doch jetzt erklärte sich ebenfalls, weshalb sie noch eine Woche bis nach Colby brauchen würden.
„Ich habe ihn in einer kleinen Stadt vor ein paar Tagen erstanden“, erklärte Joseph stolz, als er sie an ihren Ketten zu dem Wagen hinüberzerrte. „Bringt die Frau her!“, rief er durch den Tumult der anderen Reiter hindurch. „Sie wird dich angemessen herrichten.“
Red schluckte schwer und spürte wie entsetzlich trocken sich ihre Kehle anfühlte. Joseph riss die kleine Tür zu ihrem vorübergehenden Gefängnis auf und stieß sie kurzerhand die kleine Holztreppe hinauf, die in das Innere des Wagens führte. So schnell wie er sie hineinbefördert hatte, so schnell schloss er auch die Tür und ließ sie im Inneren des Holzkastens zurück.
Da er ihn erst kürzlich erstanden hatte, beinhaltete der Wagen nicht viele Möbel. Ein Ohrensessel von bescheidener Größe und ein Bett reichten aus, um sich einzurichten. Eine kleine Kommode unter dem einzigen Fenster ließ vermuten, dass Joseph einige Habseligkeiten hier unterbringen wollte.
Red stolperte zur Seite, als sich der Wagen in Bewegung setzte, und stieß gegen die Wand. Als sie nach vorn fiel landete sie auf den Knien und konnte sich gerade mit ihren gefesselten Händen abfangen. Die Eisenketten klapperten verheißungsvoll und sie kroch unbeholfen über den Boden neben die Kommode, um sich dort rastlos hinzuhocken, die Knie an den Leib gezogen.
Es dauerte eine schiere Ewigkeit, bis Rebecca kam, wie Joseph geordert hatte. Sie wurde nicht weniger unsanft in den Wagen gestoßen und Red erkannte, dass sie eine kleine Tasche in Händen hielt. „Beeil dich“, rief einer der Männer, der sie offenbar hergebracht hatte, und schloss die Tür.
Rebecca eilte zu ihr hinüber und ging vor ihr in die Knie. „Was zum Teufel tust du hier?“, fragte sie flüsternd und öffnete die Tasche. Red holte tief Atem. „Ich habe mich gestellt. So kann ich verhindern, dass Joseph euch umbringt. Er hätte es getan, wenn ich nicht freiwillig zurückgekehrt wäre.“
Tiefe Trauer und Niedergeschlagenheit spiegelten sich in Rebeccas Zügen und es wärmte Red das Herz, dass sie sich um sie sorgte. Sie nahm das Gesicht der jungen Frau in ihre Hände und versuchte aufmunternd zu klingen. „Wenn wir Colby erreicht haben, dann werde ich alles beenden, das verspreche ich dir. Den Kindern wird nichts geschehen und alles wird wieder so sein, wie es früher war.“
Jemand hämmerte gegen die Tür. „Jetzt mach schon!“
Rebecca griff in die Tasche und nahm einen roten Lippenstift hervor. Sie drehte ihn auf. „Er will, dass ich dich herrichte. Was hat das zu bedeuten?“ Red senkte den Blick. Sie schämte sich schon jetzt, obwohl sie Joseph ihre Dienste noch nicht einmal zuteil hatte werden lassen. Doch sie ihm zugesagt zu haben reichte aus, um sich furchtbar zu fühlen. „Nichts weiter“, versicherte sie und klang zuversichtlicher als erwartet. „Mach dir keine Sorgen. Noch eine knappe Woche und all das wird mit ihm sterben.“
Rebecca schien zu ahnen, was Joseph vorhatte, doch sie sprach es nicht aus. Stattdessen begann sie damit, Red zu schminken. Obwohl sie selbst nicht viel Wert auf all das zu legen schien, stellte sie sich geschickt mit Rouge und Puder an. Sie zog einen scharfen Rand mit dem Lippenstift und band Reds Haar zu einer lockeren Frisur, nachdem sie es unbeholfen gekämmt hatte. Gegen die Knoten, die die Wüste ihr ins Haar geflochten hatte, konnte sie nichts unternehmen.
„Das sollte ausreichen“, meinte sie und betrachtete ihr Werk. Red versuchte ein Lächeln. Es musste überzeugender wirken als sie angenommen hatte. Johns große Liebe erhob sich und versuchte diese Szene nicht wie einen Abschied wirken zu lassen. Red spürte einen tiefliegenden Schmerz in ihrer Brust und einen Kloß in ihrem Hals. Sie wollte nicht, dass Rebecca sie verließ. All das jagte ihr Angst ein und die Aussicht, von Joseph vergewaltigt zu werden, machte es nicht besser.
„Es wird nicht mehr lange dauern, das verspreche ich dir.“ Rebecca nickte knapp und wandte sich ab, um die Tür zu öffnen. Während sie hinausging sah sie noch einmal über ihre Schulter zurück. „Viel Glück“, flüsterte sie, als man sie auch schon zur Tür hinauszerrte.
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