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Lone Ranger - Das Red's steht auf dem Spiel

GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Danny Reid John Reid / Lone Ranger Rebecca Reid Red Tonto
20.07.2015
29.09.2019
18
36.383
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30.05.2016 1.907
 
Sie verschnauften wenige Minuten, bevor sich Red wieder in der Lage fühlte nach Hilfe zu suchen und sie aufbrachen.
John sah zu den Sternen auf und bald schon hatte er sich heil Wegs orientiert, um sie in eine grobe Richtung zu lotsen. Schnell kamen sie ohne Pferd nicht wirklich voran, doch Josephs Männer hatten sie bisher noch nicht entdeckt und so entfernten sie sich weiterhin unbemerkt.

Eine lange Zeit liefen sie schweigend nebeneinanderher und John musterte Red von der Seite eine Weile. Sie war dünner geworden und ihre Augen waren von Schatten gezeichnet. Das fahle Licht des Mondes, der am Himmel hing und sich wie eine Sichel neigte schnitt ihre Gesichtszüge gespenstisch aus.
Ihre Lippen waren so blass, dass sie sich nicht mehr vom Rest ihres Gesichtes abhoben und sie zitterten. John kam sich schuldig vor. Hätte er den Kurs nicht verloren, hätten sie es vielleicht geschafft Joseph zu entkommen.
Doch in der Stadt, die sie beide nun ansteuerten, hätten sie Rast gemacht und er hätte sie dennoch eingeholt. Die Lage war beinahe aussichtslos. Selbst wenn sie Zivilisation fanden; wer würde bereit sein ihnen zu helfen?

Die Nacht wurde eisig kalt und bald schon bildeten ihre Atemzüge weiße Wolken vor ihren Lippen. Sie beide begannen zu frösteln und John bot Red seine Jacke an, doch sie lehnte ab. Schließlich sahen sie kleine, gelbe Lichter am Horizont. „Das muss die Stadt sein!“, sagte John, sichtlich froh darüber, endlich einen Lichtblick entdeckt zu haben. Red lächelte schwach und sagte: „Dann müssen wir nur noch jemanden finden, der naiv genug ist uns zu glauben.“ John atmete langsam aus. „Da findet sich ganz sicher jemand“, sagte er, doch es klang wenig zuversichtlich.

Sie betraten die lange, typische Straße, die die Stadt in zwei Hälften teilte und warfen jeweils einer Seite einen skeptischen Blick zu. Das einzige Haus, das zu dieser Zeit noch hell erleuchtet und belebt war, war ein großes, alle überragendes … Bordell.
Automatisch breitete sich auf Reds Gesicht ein Lächeln aus. „Das ist ein Absteiger der Malinowskys aus Wyoming“, sagte sie. „Tridip Malinowsky, die Tochter von den Inhabern des großen Hauses in Cheyenne, hat mal bei mir gearbeitet. Sie hat unglaublich gut getanzt, das schwöre ich dir.“
John legte die Hand an seine Pistole. „Und, kennst du jemanden von denen?“, fragte er. Die Besitzerin des Red’s leckte sich die Lippen. „Ich habe Jozef und Vallera in Nebraska auf einer ihrer Geschäftsreisen getroffen und sie haben mich nach ein paar anständigen Mädchen gefragt. Ich hab ihnen zwei verkauft und seitdem sind wir ganz gut aufeinander zu sprechen. Sie haben mir damals verraten, dass Valleras Cousin, Leif, sein eigenes Haus eröffnen will und ich wette, dass es das hier ist.“
John neigte den Kopf. „Und du bist dir sicher, dass es nicht das … große Haus von den Malinowskys ist?“, fragte er unsicher.
Red schüttelte den Kopf. „Das Mutterhaus hat vier Stockwerke und einen ähnlichen Eingang wie meins. Sie haben es erst fünfeinhalb Jahre nach dem Red’s hochgezogen. Die haben sogar mehrere Luxusbäder inbegriffen. Stell dir bloß nicht einen dummen Abklatsch unter den Malinowskys vor. Das hier ist das teuerste Bordell, das du betreten kannst.“
Daraufhin ließ der Lone Ranger die Schultern hängen. „Und wie sollen wir dann da rein kommen?“, fragte er. Red zuckte mit den Schultern. „Mal sehen, ob mich jemand erkennt“, sagte sie und gemeinsam setzten sie sich wieder in Bewegung.

Der Eingang sah aus wie der einer normalen Kneipe mit den kleinen Flügeltüren voran. Über der Eingangstür und der davor angebrachten Veranda erstreckte sich ein Balkon von einer Seite zur anderen und warf an einem brennend heißen Tag ganz sicher angenehmen Schatten.
Jedes Fenster war mit Fensterläden und Verzierungen ausgestattet und man konnte die Musik, die einem entgegenströmte, bereits von Weitem vernehmen.
Sie traten durch die Tür und erreichten einen abgegrenzten Eingangsbereich, der doppelt so groß war, wie der des Red’s. Die Methoden beider Häuser standen sich jedoch in nichts nach, da auch an diesem Tresen ein großer, bulliger Mann mit dunkler Haut stand, der Homer recht nahekam. Red ergriff sofort unheimliches Heimweh. Sie vermisste ihr Red’s schon seit Tagen, doch nichts konnte schlimmer sein, als derartig daran erinnert zu werden.
Der Türsteher erhob sich mit einem Schnaufen und sagte: „Habt ihr Geld?“ John und Red warfen sich einen kurzen Blick zu, bevor Red sagte: „Wir würden gern wissen wem dieses Haus gehört.“ Der Gesichtsausdruck des Riesen veränderte sich nicht. Er schwieg.
Red holte tief Atem. Dann trat sie näher, sah dem Mann direkt in die Augen und sagte gedämpft. „Ich hatte vor mich hier vorzustellen und vielleicht bei Mr. Malinowsky anzufangen. Denken Sie, da lässt sich was machen?“
Diesmal zog der Türsteher die Augenbrauen nach oben, sodass sie über seine Stirn wanderten. „Mr. Malinowsky ist zurzeit sehr beschäftigt und ich denke nicht, dass er-“ „Ich bitte dich, Quinton“, sagte plötzlich eine ölige Männerstimme. Der Vorhang, der in den Hauptraum des Bordells führte, war beiseitegeschoben worden und ein hochgewachsener, drahtiger Mann kam zum Vorschein. „Leif Malinowsky“, stellte er sich vor und reichte John die Hand. Dann wandte er sich Red zu und wirkte auf einmal voller Erkenntnis. „Sie sind Red Harrington, nicht wahr! Meine Eltern haben mir von Ihnen berichtet und ich habe sofort das Red’s besichtigt, als ich in Colby war! Was für eine Überraschung Sie hier anzutreffen.“
Red wollte zu einer Antwort ansetzen, doch Leif unterbrach sie kurzerhand. „Kommt doch in mein Arbeitszimmer. Wollt ihr etwas Whisky, du und dein Begleiter?“ „Wasser wäre mir lieber“, sagte Red. „Sehr viel Wasser.“

Leif führte sie zu einer Tür neben dem Vorhang, hinter der eine Treppe eng und in einer Kurve nach oben führte. Dann traten sie auf einen langen Gang, der drei Türen auf jeder Seite beherbergte. „Die nobelsten Schlafzimmer im ganzen Haus“, verkündete Leif und ging ihnen voran zum Ende und somit zur siebten Tür, die er öffnete und in deren nachfolgendes Zimmer er trat.
Red und John folgten ihm wortlos und er bot ihnen einen Sitzplatz an.
Die beiden musterten das Zimmer. Red hatte stets alle möglichen Kleinigkeiten aufbewahrt und ihre Gemächer damit zugestellt, weil sie das Detail schon immer recht reizvoll fand. Doch Leif Malinowsky schien offensichtlich etwas penibler zu sein. Er achtete unheimlich auf Ordnung. Auf den Regalen an der Wand standen nach der Größe sortierte Bücher und ein Kronleuchter hing von der Decke. Das gesamte Zimmer war mit dunklen Holzdielen ausgelegt und ein Tisch aus Mahagoni mit passenden, gepolsterten Stühlen stand in der Mitte.
Mr. Malinowsky ging zu einer Vitrine auf der anderen Seite des Zimmers, neben einem roten Vorhang in der Wand, und nahm eine Kanne gefüllt mit oranger Flüssigkeit heraus. Er füllte John ein Glas. Dann ging er wieder hinüber und nahm eine weitere Kanne heraus.

Als er Red das Wasserglas vor die Nase stellte musste sie sich redlich zusammenreißen, um es nicht mit einem Mal auszutrinken. Sie nahm drei Schlucke, die ihren Hals weniger kratzen ließen und ihr Denkvermögen etwas hochschraubten. Wenigstens war ihr nun nicht mehr schwindelig. Mr. Malinowsky setzte sich auf den übrigen der drei Stühle und verschränkte die Finger beider Hände auf der Tischplatte.
„Wie geht es dir?“, fragte er, als würde er Red schon ewig kennen. Sie räusperte sich trocken. „Ganz akzeptabel“, sagte sie schließlich. John musste sich einen entsprechenden Gesichtsausdruck verkneifen. „Und wer ist dein netter Begleiter, du hast uns noch gar nicht vorgestellt.“ Red sah zu John auf, der seinen Hut abgenommen hatte. „Oh, natürlich. Das ist John Reid, ein … Freund der Familie.“ Mr. Malinowsky puhlte mit der Zunge etwas zwischen seinen Backenzähnen hervor. Zumindest sah es so aus.
„Was soll die Maske?“, fragte er. John seufzte. „Wissen Sie“, begann er, „das ist eine verdammt lange Geschichte.“ Mr. Malinkowsky zuckte mit den Schultern. „Wie auch immer, was hat Sie zu mir geführt, Mrs. Harrington?“ Red setzte das Glas ab, aus dem sie nun ein weiteres Mal getrunken hatte, und leckte sich die Lippen. „Mein Begleiter und ich sind … auf der Flucht, wenn man es so nennen will“, sagte sie. Mr. Malinowsky hob beide Augenbrauen. „Auf der Flucht?“, fragte er. Red nickte. „Ja. Das Red’s wurde von mehreren feindlichen Gruppen terrorisiert, wenn du verstehst, was ich meine, und ein paar meiner Mädchen wurden überfallen oder hinterrücks erschossen. Man hat auch mich angeschossen.“ Sie nickte wissend. Mr. Malinowsky lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Das ist ja fürchterlich“, sagte er. „Das muss ein unglaubliches Massaker gewesen sein.“
Red presste die Lippen aufeinander. „Das ist noch nicht alles“, sagte sie. „Meine Ersparnisse befinden sich im Red’s. Eine nicht unbedingt geringe Menge Geld, summiert durch das Erbe meiner Eltern und meinen eigenen … Zurücklegungen, und ich habe sie recht gut versteckt. John, ich und seine Familie mussten fliehen, da die Anführer der Gruppe nach dem Geld auf der Suche waren und uns beinahe ermordet haben. John war gerade bei mir, er hat mit mir über die anfallenden Kosten aufgrund der fehlenden Mädchen gesprochen, als man uns überfallen hat. Schrecklicherweise wurden wir auf unserer Flucht eingeholt und seine Familie und ein Indianer, der uns behilflich ist, wurden gefangen genommen, um uns zu erpressen. Es geht nicht mehr nur um das Red’s, Leif. Sie wollen mein Vermögen, das Haus und Johns gesamten Besitz.“ Sie hielt inne und trank den Rest des Wassers aus. „Nachdem wir beide knapp entkommen waren haben wir uns nach einer Stadt umgesehen und dich gefunden.“
John staunte nicht schlecht aufgrund der perfekten Lügengeschichte, die Red aufgetischt hatte. Er hielt sich mit jeglichen Kommentaren zurück und überließ ihr das Reden. Das hier war definitiv ihr Territorium. Und offensichtlich war es Sitte unter den Inhabern der Lusthäuser sich sofort zu duzen...
Mr. Malinowsky schwieg eine ganze Weile. Dann meinte er: „Warum kommst du ausgerechnet zu mir?“ Red seufzte. „Weil ich hier niemanden sonst kenne und uns all unser Geld abgenommen wurde, sodass wir niemanden anheuern können, um uns zu helfen.“ Leif Malinowsky neigte den Kopf. „Und jetzt bittest du mich?“, fragte er.
Red senkte den Blick. „Ich wäre dir lediglich verbunden, wenn du uns mit geldlichen Mitteln behilflich sein könntest. Ich würde mit meinem Leben dafür bürgen, dass du alles zurückerstattet bekommst.“
„Und was würde für mich dabei herausspringen?“ Red kniff die Augen zusammen und lehnte sich zurück. „Drei Mädchen“, sagte sie. „Plus zwanzig Prozent meiner Ersparnisse.“ Mr. Malinowskys Blick verhärtete sich. „Ich weiß nicht, auf welche Summe sich deine Ersparnisse belaufen“, sagte er. Red lächelte. „Du erhältst fünftausend Dollar“, sagte sie. „Cash.“
John sah seine Begleiterin fassungslos an, doch diese schien recht zufrieden, als sie Mr. Malinowskys überzeugten Gesichtsausdruck bemerkte. „Na schön“, sagte er. „Ich werde zehn Männer für euch anheuern und sie werden euch behilflich sein.“
Red und John wechselten einen triumphierenden Blick, bevor sie sich überschwänglich bedankten.

Nachdem Mr. Malinowsky ihnen nachgeschenkt hatte sagte er: „Es ist wirklich ein Jammer, wie brutal manche Menschen uns verurteilen.“ Red nickte langsam und nippte an ihrem Glas, das nunmehr ebenfalls Whisky enthielt. „Meine Eltern“, fuhr ihr Gegenüber fort, „haben selbst unheimliche Hürden überwunden.“ Red seufzte leise.
„Ihr könnt gern eine Nacht hier bei mir bleiben“, sagte Mr. Malinowsky schließlich. Red hob beide Augenbrauen. „Würden Sie das tun?“, fragte sie überrascht. Er nickte. „Aber sicher. Ich habe drei freie Zimmer und eines davon kann ich euch sicher vermachen.“
„Eins?“, fragte John sofort. Red stieß ihn unter dem Tisch mit dem Fuß gegen den Knöchel. Er schloss hastig den Mund. „Das ist unglaublich nett von Ihnen, wirklich“, sagte Red. John nickte. „Ja. Unglaublich höflich.“ Er räusperte sich und stürzte dann seinen Whisky hinunter.
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