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The Trial

von Lini26
GeschichteDrama, Angst / P16
Ben Gally Minho Newt Teresa Agnes Thomas
20.07.2015
23.12.2015
59
94.067
6
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20.07.2015 1.295
 
1. Kapitel




Alles um mich herum wackelt. Es ist dunkel und egal wie sehr ich mich bemühe, ich kann nichts erkennen. Es ist vergeblich. Meine Beine zittern wie verrückt. Verzweifelt und orientierungslos versuche ich mich an irgendetwas zu klammern, was sich in meiner Gegenwart aufhält, doch da ist nichts. Das einzige was ich fühle ist die kalte Luft, die meine Haut hinaufkriecht und ihre Wurzeln in mir schlägt. Ich fröstle.

"Hallo!", schreie ich völlig außer mir, beginne jedoch sofort lautstark zu husten, da meine Kehle so trocken ist.
Was ist hier los? Wo bin ich hier? Voller Panik schwenke ich den Kopf in alle Richtungen, drehe mich um mich selbst, doch da ist nichts. Nichts, außer dem klaffendem schwarzen Loch der Dunkelheit.
"Hilfe!", brülle ich erneut, in der Hoffnung das hier irgendwer ist. Doch das wäre zu schön.

Ein lautes Knallen wirft mich von den Beinen. Metall knirscht mit unangenehmen Kreischen aufeinander. Scharf ziehe ich Luft ein, denn ich krache schmerzhaft mit dem Kopf gegen eine- scheinbar doch vorhandene- Wand.
Dieses etwas in dem ich mich befinde, ich habe keine Ahnung, was es ist, schwankt- wie ich fühle- hin und her. Mir schlägt das Herz unglaublich schnell in der Brust. Mein Magen fühlt sich an als wäre er mit Steinen gefüllt.

Tausende Fragen schwirren mir durch den Kopf. Doch auf keine einzige kann ich eine Antwort finden. Das Knirschen und Quietschen wird immer lauter und mir immer schlechter.
In all der Verwirrung in meinem Kopf gibt es nur eine Sache, von der ich felsenfest überzeugt bin, sie zu wissen. Meinen Namen. Marie. Ich heiße Marie.

Da ich keine Lust habe mich ein weiteres Mal zu stoßen, rutsche ich soweit an die kühle Wand wie nur möglich und ziehe die Knie an. Das Rattern ist ohrenbetäubend und trotz der Dunkelheit kneife ich meine Augen fest zusammen und drücke die Hände auf meine Ohren. Ich fühle mich absolut komisch, habe ein merkwürdiges Kribbeln im Bauch und außerdem tut mein Kopf von dem harten Aufprall weh.

Es kommt mir vor als würde ich seit Stunden hier drin sitzen. Und mit jeder verstreichenden Sekunde fühle ich mich unwohler. Der Knoten in meiner Brust scheint größer zu werden.
"Hey!", rufe ich noch einmal, doch mir ist klar wie dämlich das ist. Eine Antwort bekomme ich sowieso nicht. Als ich die Augen wieder schließe, blitzen hinter meinen Lidern Bilder auf.

Lachende Kinder, die Eis essen. Herbstblätter, die von den Bäumen fallen.
Schnee, der langsam vom Himmel hinabrisselt. Glückliche und auch verängstigte Gesichtsausdrücke. Alte Männer, die auf einer Bank sitzen und in Zeitungen lesen. Und doch kommt mir keines der unzähligen Bildern bekannt vor. Keinen davon kenne ich und zu ordnen kann ich auch niemanden.

Meine Hände liegen flach auf dem Boden des Raumes, in dem ich mich befinde. Wenn es denn überhaupt ein Raum ist, aber anders kann ich mir das hier nicht erklären. Vielleicht ist es auch eine Box? Ich habe keinen blassen Schimmer.
Ein lautes Krachen lässt mich unwillkürlich zusammenfahren, während ein erschreckter Schrei meine Kehle verlässt. Unter Anspannung ballen sich meine Hände zu Fäusten und schließen sich um etwas, dass sich anfühlt wie ein Blatt, ein Zettel, oder sowas. Ich runzle die Stirn. Doch da ich sowieso nichts erkennen könnte, gebe ich mir auch keine Mühe.
Wie auch? In einer solch düsteren Umgebung kann kein Mensch lesen. Trotzdem schlucke ich schwer. Ich weiß nicht, was hier vor sich geht und doch habe ich ein ungutes Gefühl im Bauch, so als würde etwas schreckliches geschehen.

Schwerschluckend lege ich den Kopf in den Nacken. Erst jetzt wird mir richtig klar, dass sich dieser merkwürdige und dunkle Raum nicht mehr bewegt.
Mein Herz schlägt immer heftiger und meine Zähne sind fest zusammen gebissen. Ein klitzekleiner Spalt in der Decke lässt ein wenig Licht in die Box fallen.
Panisch spanne ich mich an und zerknülle den Zettel in meinen Händen, wenn es denn wirklich einer ist. Allzu sicher kann ich mir da nicht sein.

Ein paar Minuten rührt sich nichts mehr, aber ich habe das Gefühl, Stimmen zu hören. Irritiert schüttle ich den Kopf. Das geht nicht. Ich muss mich irren. Doch dann mit einem ohrenbetäubendem lautem und schabendem Geräusch wird der Spalt über mir größer und größer.
Das helle Licht, das mir nun entgegen strömt, lässt mich die Augen zusammen kneifen. Die Kälte scheint mit einem Schlag wie davon geblassen zu sein, aber ich fröstle immer noch. Sonnenstrahlen kitzeln mich.

"Was ist das denn?", höre ich eine Stimme und hebe den Blick. Ich muss ein paar Mal wie verrückt blinzeln, ehe ich wirklich etwas erkennen kann.
Da steht ein Junge, mit schwarzem, recht fettig aussehendem Haar, was ihm wirr in die Stirn fällt. Seine Hände sind auf die Oberschenkel gestützt. Er hat sich ein ganzes Stück nach vorn gebeugt.
"Das siehst du doch, du Neppdepp", schaltet sich eine andere Stimme ein. Sie gehört einem muskulösem Jungen mit blonden Haaren, die ihm auf die Schultern fallen. "Das ist ein Mädchen."

Mittlerweile fühle ich mich ziemlich unwohl, weswegen ich unsicher auf die Beine komme und den Kopf in den Nacken lege, um besser zu sehen.
Fast schon erleichtert atme ich auf. Dort eben lauert keine Gefahr- zumindest nicht auf den ersten Blick. Da oben steht eine Horde Jungs, auf den ersten Blick sehen sie alle aus wie Jugendliche. Und sie alle sehen reichlich verdaddert aus.

"Klonk.", sagt noch ein anderer Junge. Viele von ihnen tuscheln und belegen mich mit komischen Blicken. Was sollen überhaupt diese merkwürdigen Worte? Neppdepp? Klonk?
Was sind das für merkwürdige Typen?
Da sie alle keine Anstalten machen mit mir zu reden, senke ich für ein paar Sekunden den Kopf, um den Inhalt meiner rechten Hand zu betrachten. Es ist- tatsächlich- ein Zettel, der durch meine schwitzige Hand ganz knüllig ist.
Mit gerunzelter Stirn sehe ich darauf hinab. Doch ehe ich ihn auseinander pullen kann, lässt mich eine recht tiefe und befehlerische Stimme inne halten und wieder aufsehen.

"Was hast du da?"
Ich schlucke schwer. Auch wenn ich etwas beruhigt bin, geht mir die Düse.
"Wo bin ich hier?", stelle ich eine Gegenfrage, was mir einen strengen und ziemlich wütenden Blick von einem Jungen mit dunkelm Haar und Haut einbringt. Meine Hand schließt sich fest um das Papier.
"Wenn ich dich was frage, dann antwortest du mir.", meint er knapp.
Leise räuspere ich mich. "Ich möchte, aber auch eine Antwort." Meine Stimme klingt ziemlich schwach und zittert ein wenig, aber dagegen kann ich nichts tun. Wie sollte man in so einer Situation auch übermäßig selbstbewusst sein?
Ein paar der Jungen tuscheln miteinander, ehe sich der schwarzhaarige Junge, den ich als aller erstes zu Gesicht bekommen habe, dazu entscheidet mir aus der Box zu helfen.

Wenn auch etwas grob, packt er meine Arme und zieht mich nach oben. Zwei andere Jungen helfen ihm schließlich dabei, bis ich wieder auf den Beinen stehe. "Danke.", murmle ich kaum hörbar.
Aus irgendeinem Grund mache ich ein paar Schritte zurück, da es mir nicht ganz geheuer ist so allein zu sein. Einen Moment lang denke ich darüber nach einfach das Weiter zu suchen, doch ich fühle mich wie festgeklebt.
"Was steht auf den Zettel?", fragt der Junge, mit den langen blonden Haaren. Für ein paar Sekunden  treffen sich unsere Blicke. Seine Augen, die zu misstrauischen Schlitzen verengt sind, bohren sich tief in meine. Doch ich schaue nicht fort, stattdessen antworte ich ihm mit ziemlich ruhiger, aber zittriger Stimme. "Ich weiß es nicht."
Auf einer Weise wirkt er angespannt. Entweder, weil ich das einzige Mädchen hier bin, oder wegen dem bescheuertem Zettel in meinen Händen.
Seine Erwiderung ist barsch und grob. "Dann guck nach."
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