Jeder will die Welt beherrschen

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
Haytham Kenway Hope Jensen Liam O'Brien OC (Own Character) Shay Patrick Cormac
20.07.2015
17.11.2019
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Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rouge gehören Ubisoft und ich verdiene  kein Geld damit, sondern leihe mir sie nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.






New York kam langsam am Horizont in Sicht. Endlich wären wir wieder zu Hause, doch meine Freude darüber war ein wenig getrübt. Wir hatten mittlerweile den 27. Oktober und Lady Melanie war bestimmt schon in der Stadt. Ich hoffte ihr nicht so oft zu begegnen. Obwohl sie meine Großmutter war, hatten wir ein recht kühles Verhältnis miteinander. So sehr ich mich auch anstrengte, dieser Frau konnte ich es einfach nicht recht machen. Manchmal fragte ich mich, warum sie mich vor ein paar Jahren überhaupt zu sich geholt hatte.


*****




London, Freitag der 13.Juni 1749



Es war kurz nachdem ich mit John in London angekommen war. Meinen Meister erreichte ein Brief, in welchem er von Lady Melanie eingeladen wurde. Er sollte mich mitbringen, denn beide hätten etwas zu besprechen. Es war ein kühler Sommermorgen, als ich mich mit John durch die überfüllten Straßen der Stadt schlängelte. Ich war immer noch überrascht wie so viele Menschen in einer Stadt zusammen leben konnten. Überall waren Häuser und Gassen, welche vor Unrat nur so trieften. Die Leute warfen einfach alles auf die Straße, egal ob verfaultes Essen, Abfälle oder ihren Nachttopf Inhalt. Ich war gerade mal zwei Tage in der Stadt und vermisste schon meine alte Heimat. Mein Meister kam vor einem großen Haus zum Stehen und drehte sich zu mir um. „Kleine Lady, bleib hinter mir und sprich nur wenn du angesprochen wirst, verstanden?“, sagte er ein wenig nervös. Ich nickte und fragte mich warum mein Meister so anders war als sonst.

John war eigentlich die Ruhe in Person,doch heute an diesem Freitagmorgen wirkte er wie ein aufgescheuchtes Huhn. Hatte es etwa mit diesen Brief zu tun, den er vor kurzen bekommen hatte. Gleich darauf waren wir aufgebrochen und jetzt standen wir hier vor diesem riesigen Haus in Mayfair, einem der reichen Vierteln der Stadt. Hier sah alles ganz anders aus, als da wo unser Versteck war. Ich sah mich unauffällig um, auf der anderen Seite der Straße war ein riesiger Park und einige Damen schlenderten mit ihren Kindern umher. Die Wege waren sauber, nirgends lag Unrat rum, selbst die Luft war hier angenehmer als in Cheapside, einem Viertel der nicht ganz so Reichen in der Nähe der Themse.


John klopfte an die Tür und nach einem kurzen Moment wurde diese durch einen alten Herren geöffnet. „Master Williams, welch eine Ehre. Die Lady erwartet Euch bereits“, sagte er und verbeugte sich vor ihm. John trat durch die große Eingangstür und deutete mir ihm zu folgen. Ich trat ein und schaute mich mit offenen Mund um. Dieses Haus war riesig. In der Mitte der Eingangshalle hing ein riesiger Kronleuchter. Am Ende des Raums ging eine Treppe nach oben und diese führte um den oberen Teil der Halle. Die Einrichtung war schlicht. Einzelne kleine Tische standen an den Wänden, darauf waren Vasen mit verschiedenen Blumen darin. Über den kleinen Tischen hingen Porträts von verschiedenen Menschen, aber sie sahen sich irgend wie ähnlich. Alle hatten diese eisblauen Augen, fast so wie meine. Wo war ich hier nur gelandet? „Komm“, meinte John und zog mich hinter sich her. „Zum Staunen hast du später noch genug Zeit“, sagte er und hielt vor einer weißen Tür. Was meinte John schon wieder damit?


Das Klopfen von John holte mich in das hier und jetzt zurück. „Herein“, hörte ich die Stimme einer Frau und schon öffnete mein Meister die Tür. „Lady Melanie“, sagte John und verbeugte sich vor einer älteren Dame. „John ist sie das?“, fragte sie und schaute mich mit ihren grünen Augen herablassend an. „Ja“, sagte mein Meister knapp und schob mich vor sich. Die Dame stand auf und kam auf mich zu. Ich kam mir gerade ein wenig vor wie auf einem Markt, so als wäre ich die Kuh, welche gleich verkauft wurde. Die Dame mit den grünen Augen war fast so groß wie mein Meister, was wirklich selten war. Ihre Haare hatte sie hochgesteckt und es fiel doch tatsächlich eine weiße Strähne aus ihrer strengen Frisur. Ihr Gesicht war geschminkt und ließ sie so noch blasser wirken. Die Augenbrauen waren gezupft, sie hatte eine schmale Nase und für meinen Geschmack war ihr Mund zu rot. Ihr schmaler Körper steckte in einem cremefarbene Kleid, welches mit verschiedenen Blumenmustern verziert war.


„Bist du Faith?“, sprach sie mich auf einmal an und dadurch schreckte ich aus meinen Beobachtungen. „´S mi“, antwortete ich ihr in gälisch. Sie schaute mich entsetzt an. „Faith“, hörte ich hinter mir John knurren. „Ja“, sagte ich nochmal brav auf englisch. „Wer hat ihr diese barbarische Sprache beigebracht?“, fragte sie John. „Weiß nicht? Faith wer hat dir das beigebracht?“, fragte er jetzt mich und ich sah ihn leicht lächeln. „Zuerst meine Mama, dann meine Tante und zum Schluss Geilles“, antwortete ich und grinste ihn dabei an. „Du wirst das ab sofort unterlassen, kleine Lady. Du sprichst nur englisch und diesen Dialekt gewöhnen wir dir noch ab“, befahl mir die Frau.

„Setzt euch John und du...“, redetet sie wieder in diesem kühlen Ton zu mir. Ich schaute sie an und hielt ihrem Blick stand. Wenn diese Frau dachte, sie könnte mich so behandeln, dann hatte sie falsch gedacht. Trotzig hob ich mein Kinn noch ein Stück höher. Die Frau drehte sich um und zog an einer Schnur, welche an der einen Wand war. Ich hörte ein leises Klingel und kurz darauf kam eine Frau herein. Sie knickste vor der alten Dame. „Was kann ich für euch tun, Herrin?“, fragte sie und starrte dabei auf den Boden. „Zeig Faith ihr Zimmer und ziehe sie um, damit sie zum Tee ordentlich aussieht“, befahl sie dem Dienstmädchen in einem herrischen Ton.


Die Bedienstete führte mich aus den Raum und zusammen liefen wir die Treppen nach oben. „Dein Zimmer ist im Ostflügel, genau gegenüber von den Räumen der Herrin. Keine Ahnung warum, die Schülerinnen sind sonst im Westflügel untergebracht“, sagte sie mir freundlich. „In Ordnung. Ach ja ich bin Faith und was meinst du mit Schülerin?“, fragte ich sie einfach. „Du bist hier um zu lernen wie man eine richtige Dame wird. Mit dir sind es dann insgesamt fünf Schülerinnen. Komm wir müssen uns beeilen“, antwortete sie nur und zog mich hinter sich her.

Während sie mich auszog und neu einkleidete erfuhr ich, dass die Dame des Hauses Lady Melanie hieß und sie in der Oberschicht von  London eine angesehene Persönlichkeit war. Als mir Maggie, so hieß das Dienstmädchen, mir das Korsett zuzog, hatte ich das Gefühl zu ersticken. „Du wirst dich daran gewöhnen und in ein paar Tagen kannst du das auch ohne meine Hilfe. Die Lady legt sehr viel wert auf Selbstständigkeit“, erklärte sie. Als Maggie mich endlich fertig angezogen hatte, erkannte ich mich nicht wieder. Im Spiegel sah ich ein Mädchen, das viel zu dünn war und mich überrascht aus großen blauen Augen anschaute. War das wirklich ich, die in einem blass-rosa Kleid steckte, welches bestimmt viel zu teuer war. „Ihr seht bezaubernd aus, junge Lady. Kommt noch die Schuhe und ich stecke euch noch schnell Eure Haare hoch“, meinte Maggie und strahlte mich dabei an.


Wir erreichten den Salon ein paar Minuten später und ich wünschte mir schon jetzt meine bequemen Stiefel wieder. Wie konnte Frau nur in solchen Schuhen laufen. Ich hatte das Gefühl auf Eiern zu gehen und so sah es bestimmt auch aus. Maggie öffnete die Tür und schubste mich in den Salon. Zehn Augenpaare starrten mich an. An einem Tisch saßen vier Junge Frauen in etwa meinem Alter. Langsam und wackelig ging ich auf Lady Melanie zu. „Kopf gerade, Brust raus“, sagte sie streng zu mir und deutete auf den Stuhl neben sich. Ich setzte mich und schaute sie trotzig an. „Wo ist...“, „Er ist gegangen, du bleibst hier“, meinte Lady Melanie und schaute mich kalt an. „Warum?“, fragte ich sie einfach und ein Keuchen von den anderen Mädchen sagte mir, dass ich gerade einen schlimmen Fehler in ihren Augen gemacht hatte. „Weil er weg musste, nun sitze gerade und halte deinen Mund. Eine Dame spricht nur, wenn man sie dazu auffordert“, befahl sie. „Dann müsst ihr auch den Mund halten, keiner hat euch zu sprechen aufgefordert“, antwortete ich ihr frech. Der Blick von Lady Melanie war Gold wert. Sie schaute mich ganz perplex an. Schnell stand sie auf und zog ein weiteres Mal an der Schnur. Ein Mann betrat den Raum, kam nach einem Wink von der Lady auf mich zu und zog mich hoch. „Wasch ihr den Mund mit Seife aus und dann drei Stunden in die Ecke mit ihr. Ich werde dir schon noch Benehmen beibringen“, fauchte sie mich an.


Das war mein erster Tag bei Lady Melanie und noch viele solcher Tage folgten. Es gab keinen Tag an dem ich nicht eine Strafe für mein Benehmen bekam. In der Ecke stehen, Bücher auf dem Kopf und in jeder Hand einen Wassereimer halten war die gängigste. Mit jedem Tag hasste ich diese Frau mehr und ich fragte mich, warum ich es ihr nicht recht machen konnte. Wenn die anderen vier es genauso gut machten, war sie zufrieden, doch ich sollte immer die beste sein. Mein Schwerttraining hatte ich gegen Sticken und Sprachen lernen getauscht. In der Nacht trainiert ich heimlich meine Fähigkeiten und las die medizinischen Bücher aus der Bibliothek. Ich würde nie im Leben so eine verzogene Gans wie die anderen Vier. Der Luxus war zwar schön und gut, doch in Schottland war ich glücklicher als in dieser verfluchten Stadt.


*****


„Hey mein Engel, was bedrückt dich so?“, fragte mich die Stimme meines Templers und holte mich zurück in die Realität. „Ich musste nur an etwas denken“, antwortete ich ihm und drehte mich zu ihm um. „Kannst du mich einfach in den Arm nehmen?“, fragte ich Shay und versuchte meine Tränen zurück zu halten. Ich spürte Shays Arme um mich und fühlte mich sofort geborgen. Bei ihm konnte ich so sein, wie ich war. Ich musste ihm niemals etwas vorspielen. „Was ist los, so ich kenne dich gar nicht“, flüsterte er mir leise zu. „Ich will Lady Melanie einfach nicht begegnen“, nuschelte ich. „Und warum?“, hakte Shay nach. „Ein andern mal, in Ordnung?“, meinte ich nur und vergrub mich an Shays Brust. „Ist schon in Ordnung. Wie wäre es mit einem heißen Bad, sobald wir angekommen sind?“ „Das wäre super“, antwortete ich und grinste ihn an. Shay wusste einfach wie er mich aufheitern konnte.


Wir erreichten den Hafen eine Stunde später und ein Blick an den Kai ließ mich hoffen. Dort stand niemand der uns erwartete. Also wusste Lady Melanie noch nicht, das ich wieder in der Stadt war. Gist übernahm das Abladen der Morrigan und ich zeigte Aminata ihr Zimmer. „Es ist zwar ein wenig staubig, aber es wird hoffentlich gehen“. „Das ist mehr als ich jemals hatte, danke Faith“, lächelte sie mich an und begann die weißen Laken von den Möbeln zu ziehen. „Morgen werden wir dir noch neue Sachen besorgen“, grinste ich und half ihr beim Putzen.


Es war bereits später Nachmittag als ich endlich in den Genuss meines versprochenen Bades kam. Ich entspannte mich im heißen Wasser. Oder lag es doch an den Händen meines Templers? Ich suchte gierig seine Lippen und wir kämpften einen kleinen Zweikampf mit unseren Zungen. Shay hob mich auf den Wannenrand und drang mit einem Stoß in mich ein. Wir liebten uns und vergaßen die Welt um uns herum. Für uns zählte nur der andere. „Was zur Hölle?“, hörten wir einen Schrei und unterbrachen unser Liebesspiel. Wir schauten zur Tür des Badezimmers und dort stand Lady Melanie und sah uns geschockt an. „Ich glaube, du weißt was wir machen“, knurrte ich sie an. Das war zu viel für sie. Lady Melanie drehte sich auf der Stelle um und verschwand. Kaum war die Tür laut ins Schloss gefallen, da lachte ich wie eine Irre. War ja klar, dass so was nur uns passieren konnte. Ich schaute Shay an und auch auf seinen Zügen hatte sich ein Grinsen gebildet. „Ich glaube, jetzt wird sie dich noch mehr hassen“, meinte ich. „Solange du mich liebst, ist es mir egal“, sagte er nur und fing wieder an mich zu küssen.


Als wir unser Bad beendet hatte, erwartete uns meine liebe Großmutter mit Haytham im Salon. Der Großmeister begrüßte uns steif, aber da er hier war, hatte er wohl unsere Warnung erhalten. „Master Cormac, wie ich höre seid ihr Lady Melanie schon begegnet. Lady Melanie darf ich Euch Master Cormac vorstellen, unser neuestes Mitglied im Orden“, sagte der Großmeister und ich bemerkte wie unangenehm ihm diese ganze Situation war. „Lady Melanie“, sprach Shay höflich und verbeugte sich sogar ein Stück vor ihr. „Master Cormac. Dürfte ich nun mit meiner Enkelin unter vier Augen sprechen“, meinte sie kühl. „Aber natürlich, Lady Melanie. Master Cormac muss mir noch den neuesten Bericht über seine letzte Mission geben“, antwortete Haytham und verließ mit Shay den Salon.


Nun war ich allein mit ihr. Ich hörte sie durchatmen, dann...„Wie kannst du nur? Dich einfach einem Mann an den Hals werfen. Mit ihm das Bett teilen und dann auch noch in der Badewanne, am helllichten Tag! Bist du von allen guten Geistern verlassen. Du bringst Schande über deine Familie! Du wirst auf der Stelle diese Liaison beenden!“, keifte sie mich an. „Nein, werde ich nicht und wenn du es genau wissen willst, ich bin mit Shay verheiratet“, fauchte ich zurück. Lady Melanie schaute mich überrascht an. „Ich darf also mit meinem Ehemann das Bett teilen, auch wenn wir nur mit Handschlag geheiratet haben... und außerdem liebe ich ihn... und du wirst Shay mit mehr Respekt begegnen!“, schrie ich schon. „Per Handschlag, das ist nichts wert. Eine heidnische Tradition. Solange es nicht vor Gott ist, bist du nur seine Hure“, schrie sie zurück. Ich schaute sie an und merkte wie mir langsam Tränen in die Augen kamen. Wie konnte sie nur so etwas über mich sagen. Ich drehte mich um und verließ den Salon. Auf der Treppe kam mir Aminata mit Haytham und Shay entgegen. Ich rannte an ihnen vorbei, lief ins Schlafzimmer und fing an meinen Ornat anzuziehen. Kaum das ich das gute Stück an hatte, schrieb ich noch eine Nachricht an Shay, das er wisse, wo er mich finden könnte. Über das Fenster verließ ich die Villa. Im Stall sattelte ich meine treue Gefährtin und schon galoppierte ich durch das Tor des Fort.







Anmerkung: Und wieder ein neues Kapitel für euch. Hoffe es hat Spaß gemacht es zu lesen und danke an Chaoshexe für die Korrektur und das liebe Review.

Bis zum nächsten Kapitel

euer kleiner Todesengel



- eine riesigen Stapel Schokolade für euch hinstell-
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