Ich hasse Regen

von Lindapony
GeschichteAllgemein / P16
20.07.2015
01.08.2015
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Disclaimer: Die meisten der hier verwendeten Personen sind Eigentum von CW.



Ich hasse Regen! Okay, normalerweise finde ich ihn eigentlich eher lästig, aber heute geht er mir so richtig auf den Keks. Bei einer Verfolgung quer durch Starling City habe ich dummerweise nicht auf meine Tankanzeige geachtet und jetzt steht mein Motorrad mehr schlecht als recht in einer verlassenen Garage versteckt irgendwo in einem Vorort von Starling City. Dass es dort wohl eher niemand finden wird weiß ich, weil das Haus Freunden meiner Mutter gehört, die im Moment irgendwo im Skiurlaub sind. Auf jeden Fall bin ich jetzt der Dumme. Dig ist schon zu Hause und Felicity hat sich nach meiner Meldung, dass ich mit Mr. Kippling fertig und selber in Ordnung sei auch auf den Heimweg gemacht. Ergo muss ich alleine zusehen, wie ich wieder nach Hause komme, zumal ich morgen früh um 9 schon wieder ein Meeting mit Isabel habe. Ich habe zwar meine grüne Lederkluft gegen Jogginghose und Sportjacke vom Ehemann von Mum‘s Freundin getauscht und sie gemeinsam mit Bogen und Köcher in einem ebenfalls „geliehenen“ Rucksack verstaut, aber es wäre trotzdem etwas auffällig gewesen, wenn Oliver Queen mit Bus oder Taxi zu einer Gasse in den Glades gefahren wäre. Somit musste ich wohl oder übel in den sauren Apfel beißen und jogge seit nun fast einer Stunde immer mehr oder weniger im Schatten der Häuser wieder in Richtung Stadtzentrum zurück. Vor einer halben Stunde fing es an zu regnen und mittlerweile bin ich nass bis auf die Haut. Der einzige erkennbare Vorteil an dem ganzen Wasser ist, dass es mir die Schminke aus dem Gesicht wäscht. Durch das Wasser wiegt der Rucksack mittlerweile eine gefühlte Tonne, die Träger tun ihr Bestes um mir die Schultern wund zu reiben und trotz der Bewegung wird mir langsam kalt. Außerdem tropft mir permanent das Wasser von den Haaren in die Augen. Alles in einem: Ich HASSE Regen!
Endlich erreiche ich den Club und betrete den Keller durch die Hintertür. Nach einer raschen Dusche und der Suche nach einigermaßen trockenen Klamotten überlege ich, wie ich jetzt dafür sorgen soll, dass mein Motorrad wieder nach Hause kommt. Bevor ich mich endgültig für einen meiner sinnlosen Pläne, die leider alle mit einer Menge Lauferei im Regen zu tun haben entscheiden kann, kommt die Lösung für all meine Probleme die Treppe herunter und rutscht prompt in einer der nassen Pfützen, die ich hinterlassen habe, aus und begrüßt mich daraufhin mit einem empörten: „Olliver, was zum Geier treibst du hier? Wenn du einen Pool haben willst, dann bau dir einen, aber hör auf unseren Keller zu fluten.
Mit einem Lächeln trete ich auf Felicity zu und helfe ihr auf.
„Hallo Felicity. Entschuldige bitte, ich bin noch nicht zum Aufwischen gekommen. Alles in Ordnung?“
„Ja ja passt schon. Wo warst du vorhin eigentlich noch so lange? Du hast nur gesagt, es würde spät werden und ich solle schon mal fahren…“
Ich werde rot. Das wollte ich eigentlich nicht erzählen, aber der kleine rote Fiat meiner Assistentin könnte es mir vermutlich ersparen noch mal über eine Stunde durch den Regen zu laufen.
„Ganz ehrlich? Mein Tank ist leer. Das Motorrad parkt in einem Vorort und ich bin von da aus hier her gelaufen.“
„Du spinnst! Also ich meine du spinnst bestimmt nicht, aber warum läufst du durch den Regen? Da wirst du doch ganz nass und du könntest doch auch ein Taxi nehmen oder einen Bus…“
„Feliciy!“
So langsam platzt mir der Kragen. Schön und gut, ich war ein Idiot als ich sie nach Hause geschickt habe und normalerweise finde ich ihr Geplapper auch eher niedlich, aber mittlerweile bin ich tot müde und will nur noch schlafen. Außerdem habe ich, selbst wenn ich Felicity dazu bringe mich hinzufahren, immer noch einen Heimweg von einer Dreiviertelstunde auf dem Motorrad vor mir, bei dem ich garantiert noch einmal bis auf die Haut durchweichen werde. Ergo wird es wohl Zeit die Sache in Angriff zu nehmen.
„Sag mal… Meinst du ich kann dich überreden mich da hin zu fahren, damit ich das Motorrad heute Abend noch abholen kann? Oder hast du noch was vor?“
Offensichtlich genervt verdreht Felicity die Augen
„Nein, ich habe nichts mehr vor. Ich bin auch eigentlich nur noch wach, weil ich dummerweise meine Haustürschlüssel hier liegen gelassen habe, aber ich könnte ja auch noch kurz Chauffeurin für meinen Boss spielen, nachdem der seinen fahrbaren Untersatz irgendwo in der Pampa stehen gelassen hat…“
Ihr Tonfall sagt mir, dass sie wirklich keine Lust mehr hat, stundenlang durch Starling City zu kurven. Ich verlege mich also auf einen Tonfall den man eigentlich nur noch als reuig bettelnd bezeichnen kann und versuche sie mit eben dem schiefen Lächeln um den Finger zu wickeln, mit dem ich bei ihr eigentlich immer zum Ziel komme.
„Es tut mir wirklich leid Felicity, aber wenn ich jetzt noch mit einem Reservekanister dahin laufen muss, werde ich noch nasser und komme heute gar nicht mehr zum Schlafen und dann beschwert Isabel sich morgen wieder, wenn ich in der Sitzung einschlafe…“
Jetzt muss sie tatsächlich grinsen. Vermutlich erinnert sie sich an das letzte Mal, dass Isabel mir eine Standpauke wegen mangelnder Arbeitsmoral gehalten hat. Damals hat sie mich als Murmeltier mit Narkolepsie-Problem beschimpft und gemeint, dass sie mir ein Nagelbrett an die Stuhllehne schrauben würde, wenn ich es noch einmal wagen würde während einer Sitzung einzuschlafen. Zu meinem Pech muss ich leider sagen, dass sie durchaus in der Lage sein dürfte diese Drohung wahr zu machen.
„Na gut dann komm halt…“
Mit diesen Worten wendet Felicity sich wieder dem Ausgang zu. Ich greife rasch nach meine Helm und der Motoradjacke, dann jogge ich ihr hinterher. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie schnell diese Frau auf ihren High Heels laufen kann. Als ich sie einhole, sind wir schon fast an ihrem Auto.
„Soll ich fahren? Ich kenne den Weg oder erinnerst du dich von vorhin daran?“
„Nein ich erinnere mich nicht, aber ich hoffe dass du mir die Adresse sagen kannst. Ich habe nämlich ein Navi und wenn du mein Auto fährst, brauche ich nachher wieder ein halbes Jahrhundert um alle Sitzeinstellungen wieder auf meine Größe einzustellen. Außerdem will ich meinem armen kleinen Auto deine Raserei nicht antun.“
Ich lächele. Normalerweise beschwert sich Felicity nicht über meinen zugegebenermaßen eher schnellen als langsamen Fahrstil. Andererseits ist ihr ihr Auto heilig. Ich gehe also gehorsam zur Beifahrertür. Beim Einsteigen gebe ich ihr genauere Anweisungen.
„Whitebookriver Road Hausnummer weiß ich nicht, ich glaube vier.“
„Whitebookriver Road reicht schon. Damit komme ich klar. Anschnallen bitte, ich möchte keinen Ärger mit der Polizei, nur weil du dich gewohnheitsmäßig nicht an irgendwelche Gesetze hältst.“
Ich lasse den Verschluss des Sicherheitsgurtes einrasten und weise noch einmal darauf hin, dass wir zuerst noch eine Tankstelle ansteuern müssen, um Sprit für mein Motorrad zu kaufen. Ihr genervter Blick bringt mich zuerst zum Schweigen dann zum Grinsen.
Nach einem kurzen Zwischenstopp an einer Tankstelle auf dem Weg fahren wir immer weiter aus Starling City heraus, bis wir den Vorort erreichen, wo ich vorhin mein Motorrad stehen gelassen habe. Als Felicity jedoch in die entsprechende Straße einbiegt bekomme ich beinahe einen leichten Nervenzusammenbruch. Überall stehen Polizeiautos. Insgesamt parken über die ganze Straße verteilt bestimmt zehn der schwarz-weißen Wagen mit den bunten Lampen auf dem Dach. Felicity hält knapp vor einem Parken-verboten Schild und ich stöhne unwillkürlich auf.
„Na klasse heute steht auch alles gegen mich. Unter diesen Umständen ist es bestimmt extrem leicht das Motorrad abzuholen…“
„Wieso? Ich meine du gehst zum Haus holst deine Maschine und wir fahren beide nach Hause. Das ist doch wohl nicht so schwer, oder? Du bist schon in Iron Heights Prison eingebrochen und jetzt hast du Probleme ein Motorrad aus einer Garage zu holen? Das soll mal einer verstehen…“
„Das Problem ist nicht das Motorrad, das Problem ist, dass ich bis in den zweiten Stock klettern muss, weil die Fenster erst ab da nicht mehr alarmgesichert sind. Und ich könnte mir vorstellen, dass die Polizei nicht unbedingt begeistert darauf reagiert, wenn ich hier anfange auf einem verlassenen Haus rum zu turnen... Und dann müsste ich noch die Garage aufmachen, das Motorrad aus einem Reservekanister tanken und eine Erklärung dafür anbieten, dass ich aus diesem Haus komme, das nicht mir gehört und für das ich auch keinen Schlüssel habe…“
„Mhm schwieriges Problem, aber wenn du so tust als wäre das alles völlig normal, könnte es vielleicht sogar klappen. Was mich mal interessieren würde ist, warum die eigentlich hier sind… Aber warte mal da ist ja noch die Sache mit dem klettern… Welche Seite des Hauses würdest du dafür nehmen wollen?“
Ich sehe das blonde IT-Girl neben mir erstaunt an. Ihre Miene hat diesen grüblerischen Ausdruck angenommen der meistens von einer ziemlich genialen Idee gefolgt wird. Allerdings können diese Ideen auch ziemlich schnell ziemlich verrückt werden. Etwas misstrauisch erkundige ich mich: „Was hast du vor Felicity?“
„Ich habe, wenn du entschuldigst, eine Idee, wie du eventuell unbemerkt ins Haus kommen könntest.“
Ihr schnippischer Tonfall überrascht mich. Aber vermutlich ist sie einfach nur genauso übermüdet wie ich.
„Sorry, ich wollte nur fragen. Ich denke ich werde, wie vorhin auch schon die Rückseite des Hauses nehmen…“
„Also müsste ja nur der Polizist an der Ecke da problematisch sein, oder?“
„Mhm, prinzipiell schon.“
„Okay, hör zu. Ich fahre bis nach da vorne und halte an. Dann steige ich aus und erkundige mich höchst aufgebracht bei dem Polizisten, was denen überhaupt einfällt hier alles zuzuparken. Wenn ich mich einigermaßen beruhigt habe quetsche ich ihn noch aus, was hier eigentlich los ist…“
„…und ich nutze diese Phase in der er abgelenkt ist um ins Haus zu kommen! Felicity du bist genial!“
Sie lächelt geschmeichelt und ich steige aus um den Kanister aus dem Auto über den Zaun zu heben. Anschließend ziehe ich Lederjacke und Helm an und klettere selbst hinterher. Danach schleiche mich im Schatten der Bäume und Büsche soweit wie möglich an mein Zielobjekt heran. Das prasseln des Regens macht mir die Arbeit leicht, weil es sämtliche Geräusche überdeckt. Als ich Felicity auf dem Handy anrufe, bin allerdings auch schon wieder nasser als mir lieb ist. Außerdem muss ich höllisch aufpassen, damit mir das Visier des Helmes nicht zu sehr beschlägt. Nach einem tuten meldet sich die vertraute Stimme.
„Ja Oliver?“
„Alles klar leg los. Danke, dass du dich für mich nass regnen lässt.“
„Dafür schuldest du mir einen vernünftigen Kaffee und Kuchen. Big Belly Burger ist zwar lecker aber am Sonntag hätte ich gerne was Ordentliches!“
„Alles klar!“
Ich lege auf und spähe durch die Zweige. Felicity startet den Wagen und fährt zwischen die parkenden Polizeiautos. Dort hält sie mitten auf der Straße an, steigt aus und geht direkt auf den für mich gefährlichen Polizisten zu. Er ist fast anderthalb Köpfe größer als sie und gebaut wie ein Schrank. Dennoch weicht er unwillkürlich einen Schritt zurück als sie beginnt ihn anzuschreien.
„Was fällt ihnen eigentlich ein hier alles zuzuparken? Wo soll ich jetzt mein Auto lassen? Ich muss massenweise Einkäufe ins Haus tragen und es gießt in Strömen! Meinen sie eigentlich ich finde das lustig?!?“
Felicitys Stimme wird mit jedem Wort lauter und schriller. Ich verkneife mir ein Lachen und nehme Anlauf. Mit einem kräftigen Sprung erreiche ich einen Vorsprung in der Mauer, an dem ich mich weiter hoch ziehe. Glücklicherweise bietet die Villa von Mums Freunden genug Griffmöglichkeiten und ich erreiche schnell das Fenster, das ich vorhin schon geknackt habe.
Leise klettere ich durch das Fenster, deaktiviere die Alarmanlage für die Garage und schiebe meine Maschine ins Freie. Im Schutz des Vordaches fülle ich den Tank auf und fahre vom Hof. Den Kanister verzurre ich provisorisch mit einem Stück Schnur auf dem Sozius. Im Wegfahren bemerke ich Felicity, die sich mittlerweile deutlich ruhiger mit dem Polizisten unterhält. Einige Straßen weiter halte ich an um sie anzurufen und mich bei ihr zu bedanken. Als sie ans Telefon geht überrascht sie mich mit ihrem aggressiven Tonfall.
„Was willst du?!“
„Ich wollte mich nur bedanken. Was habe ich dir denn getan?“
„Wie bitte? Ich soll dir noch nen Kasten Bier besorgen? Um diese Uhrzeit? Sag mal spinnst du?“
Bei der Frage nach dem Kasten Bier wird mir klar, das Felicity dem Polizisten etwas vorspielt und um es ihr leicht zu machen, nehme ich ebenfalls eine passende Tonlage an.
„Pass mal auf du kleines Flittchen. Ich habe jetzt echt keinen Bock auf diese Scheiße. Was meinst du wofür ich dich geheiratet habe? Ich war bei Thea’s und wenn du nicht das Bier geholt hast bis ich zu Hause bin, gibt es gewaltigen Ärger!“
Ich hoffe, dass ich nicht zu dick aufgetragen habe. Aber als Felicity antwortet überschlägt sich ihre Stimme vor Wut.
„Nein, ich passe nicht auf! Das ist jetzt mal dein Part du fettes Schwein ich lasse mich scheiden! Ich schlafe heute Nacht bei einer Freundin! Du hast mich das letzte Mal gesehen! Und richte deiner Geschäftsfreundin aus, sie kann dich gerne haben!“
„Das werden wir ja noch sehen. Du hörst von meinem Anwalt!“
Mit diesen Worten lege ich auf. Und das ist auch gut so, weil ich kaum noch an mich halten kann. Mit einem Kichern stecke ich das Telefon zurück in die Tasche und warte noch, bis Felicitys Auto an mir vorbeifährt. Anschließend folge ich ihr durch die verlassenen Straßen zu ihr nach Hause und warte, bis sie Sicher im Innern ihres Hauses ist. Danach muss ich nur noch zum Verdant um mein Arrow-Motorrad gegen meine private Maschine zu tauschen und dann mache ich mich auch endlich auf den Heimweg. Um halb eins liege ich auch schon im Bett und schlafe.
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