Die große Verschwörung

von Tell
GeschichteHumor, Krimi / P12
19.07.2015
10.09.2018
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Bericht 0.1.

Ort: Resurrection
Zeit: Noch 8 Tage bis Tag X

Autorisiertes Treffen zwischen Agent Ice und Agentin Butterfly.
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Sie trafen einander in einer Bar, wie das Klischee es verlangte. Es war eine Kellerbar, die betont unauffällig wirkte, doch jeder Tisch war so positioniert, dass man die Gäste in dem großen Spiegel an der Wand hinter dem Tresen beobachten konnte.

„Lange nicht mehr gesehen“, sagte sie lächelnd, nahm ihre Sonnenbrille ab und ließ sich auf einem der Stühle nieder.

Er hob den Kopf ein wenig, und das künstliche Licht reflektierte sich in den Gläsern seiner Brille. „Es ist schön, dich wiederzusehen“, gestand er, wenn seine Stimme auch kühl blieb. „Wie war deine Reise?“

„Ganz gut soweit.“ Sie stützte einen Ellbogen auf den Tisch und musterte ihr Gegenüber sorgfältig. „Aber ich bin eigentlich nicht hier, um Smalltalk zu betreiben.“

„Ich eigentlich auch nicht.“ Er lächelte ernst, faltete die Zeitung zusammen, in der er bisher gelesen hatte, und legte sie mit einem abschätzigen Blick weg. Es stand sowieso nichts Neues darin; die Titelgeschichte lautete Familien werden aufgerufen, die Evakuierung vorzubereiten. Diese Zeiten waren längst vorbei. „Möchtest du dennoch etwas trinken? Der Kaffee ist zu empfehlen.“

„Ich trinke nur Tee, das weißt du doch“, erwiderte sie etwas pikiert, und als er eine fast schon entschuldigende Geste machte, winkte sie ab. „Kommen wir zum eigentlichen Grund unseres Hierseins“, begann sie sachlich. „Die Zeit ist nun fast abgelaufen.“

„Und dein Boss wird langsam ungeduldig, richtig?“ Er lachte leise. „Er hatte immer schon diese dumme Angewohnheit, alles auf einmal machen zu wollen.“

„Das hat damit nichts zu tun“, schnitt sie ihm das Wort ab. „Dein Chef ist es doch, der am liebsten immer alles hübsch geordnet hat, nicht wahr?“ Ihre Mundwinkel zuckten ironisch. „Wobei es zur Zeit aussieht, als würde unsere Seite gewinnen.“

„Sagt wer?“ Er hob skeptisch eine Braue. „Unseren Informationen nach haben wir ebenso viele Leute auf diesem Schiff wie ihr.“ Seine Augen glitzerten spöttisch. „Mehr noch: Einer unserer Leute steuert es.“

„Du siehst immer nur die reinen Fakten“, tadelte sie amüsiert. „Das ist dein großer Fehler, mein Liebling.“

„Wir werden ja sehen, wohin mich meine Fakten bringen und wohin dich deine Ahnungen führen, mein Schatz“, erwiderte er distanziert, wenn auch seine Augen glänzten.

Sie beide hatten das Versteckspiel genossen, zu dem sie einst eine Weile lang gezwungen gewesen waren. Es war immer schon eine der herrlichsten Aspekte des Daseins der Saboteure und Verräter gewesen, seinem Gegenüber nicht anzusehen, für welche Seite es arbeitete, und es konnte sehr viel Vergnügen bereiten, es herauszufinden zu versuchen.

„Zunächst einmal wird es uns dazu führen, dass wir die Ehre haben werden, Zeugen zu sein, wenn die Brüder sich treffen.“ Sie zog einen Umschlag aus der Manteltasche und schob ihn über den Tisch. „Dies ist der Vorschlag meines Bosses.“

Er nahm den Umschlag entgegen, warf einen Blick hinein und nickte anschließend. „Ich werde ihn meinem Chef unterbreiten“, erklärte er. Seine Stirn runzelte sich, als er das Datum bemerkte. „Das ist ja schon in acht Tagen!“

Elegant erhob sie sich und sah ihn herausfordernd an. „Ist das etwa zu rasch? Wo doch einer eurer Agenten das Boot steuert...“ Sie klimperte ironisch mit den Wimpern.

Er stand ebenfalls auf, und seine Miene drückte reine Gelassenheit aus, als er mit dem Kopf schüttelte. „Wir werden da sein.“ Seine Stimme wurde leiser und nahm einen fast bedrohlichen Unterton an. „Und wir werden als die Sieger vor euch stehen.“

„Wir werden sehen.“ Sie nickte ihm zu und wandte sich ab. „Der Sieger wird erst verkündet, wenn das Spiel vorüber ist.“ Ihre Hand winkte ihm über ihre Schulter hinweg zu, während sich ihre Blicke im Spiegel trafen. „Man sieht sich“, verabschiedete sie sich.

Er sah ihr nach, bis sie den Mantelkragen hochschlug, in den diesigen Nachmittag auf die Straße glitt und sich die Tür der Bar hinter ihr schloss. Nachdenklich presste er die Lippen aufeinander. Sie war so siegessicher - das bereitete ihm fast ein wenig Sorge. Vielleicht sollten sie noch einmal Kontakt zum Boot aufnehmen. Womöglich lief etwas ja nicht nach Plan.
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