Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

The Edge of Breaking

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Bunnymund Jack Frost Pitch
18.07.2015
29.05.2019
15
45.240
47
Alle Kapitel
54 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
18.07.2015 2.306
 
Autorisierte Übersetzung
Original Autor: FrostInTheWarren
Original Story: https://www.fanfiction.net/s/10131402/1/The-Edge-of-Breaking
Übersetzer: Alisu


The Edge of Breaking

Kapitel 1: Anybody out There?


Wie der Knochen im menschlichen Körper und das Rad am Wagen und das Lied eines Vogels oder der Wind in den Flügel, so ist die Freiheit eine Quelle des Lebens. Was auch immer ohne sie getan wird, ist nicht perfekt.

Jose Marti, d. 1895, quoted by William Pfaff, The New Yorker, May 27, 1985



Vergangenheit:


"Du bist Jack Frost", sagte die Stimme.

Diese Worte halten in Jacks Kopf wieder, als er am Rande eines kleinen Dorfes auf den Boden aufsetzte, glucksend und voller Energie. Er war Jack Frost. Er wusste nicht, woher die Stimme das wusste oder warum Jack selbst das nicht gewusst hatte, doch die Stimme war so ruhig und warm gewesen, dass er ihr glaubte.

Es war so kalt und dunkel und furchterregend gewesen. Jack musste wieder lernen, was es hieß Luft in seinen Lungen zu haben, falls er es überhaupt jemals gewusst hatte. Er konnte sich nicht daran erinnern, jemals geatmet zu haben. Hatte es sich schon immer so toll angefühlt? Wie das Leben?

Da waren auch noch andere Dinge. Kleine Dinge, bei denen er sich nicht sicher war, woher er es wusste. Wenn er einen Baum anfasste, so fühlte sich dieser rau und bekannt unter seiner Hand an. Wenn er einatmete, so roch er das Holz und die Kälte des Eises. Woher wusste er, wie sich ein Baum anfühlte. Woher wusste er überhaupt, dass es ein Baum war, oder das der Geruch der Rinde ihn beruhigte? Bis er aus dem See gekommen war, glaubte er noch nie einen Baum gesehen zu haben.

Er war dennoch froh darüber. Er wollte sich nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, wenn er aus dem See gekommen wäre und nichts gekannt hätte.

Jack wischte den Schnee von sich, den Stab fest in der Hand. Der Stab war das bekannteste aller Dinge, die er sah. Die Huckel und Kurven kamen ihm so richtig in seiner Hand vor; es war fast, als hätte er sie selbst dort gesetzt. Er mochte es, ihn in der Hand zu haben.

Mit diesen Gefühlen betrat Jack das Dorf, lachte freudig, als er jeden grüßte, der ihm über den Weg lief. Schließlich beugte er sich zu einem laufenden Kind runter. "Entschuldige bitte, kannst du mir so sagen, wo ich-"

Oh.

Jack atmete schwer, die Schultern zuckten, als das Kind durch ihn durch rannte. Dann kam jemand von hinter ihm und er ging rückwärst, während noch einer und noch einer durch ihn liefen, bis er schließlich aus dem Dorf raus war.

Warum waren sie - was war - wie waren - er war doch real! Warum waren sie durch ihn durch gegangen? Verängstigt drückte er den Stab - den beruhigenden Stab, den bekannten Stab, an seine Brust, ging sicher, dass er ihn in seiner Hand hielt, ihn berührte und er so echt war, wie er selbst.

Ein leichter Schneefall setzte ein, als er sich vom Dorf abwandte. Er suchte nach dem Energieball, den er auch vorhin gefunden hatte, als er geflogen war, und der Wind kam, wie er ihn gerufen hatte. Er hob ihn über die Bäume, doch landete schon bald darauf wieder, nur auf halben Weg zum See. Er war zu aufgebracht, um den ganzen Weg zurück zu fliegen, nie könnte er den Wind lange genug unter seiner Kontrolle halten.

Jack taumelte durch die Bäume und unter deren Ästen war es dunkel. Nur an wenigen Stellen kämpfte sich das Mondlicht bis zum Waldboden; berührten den Schnee und ließen ihn strahlen. Jack ging durch diese Stellen, als er sich weiter zum See bewegte. Sein Atem war ruhig, ein stetiges Ein- und Ausatmen, um die Panik zu dämpfen, die Besitz von ihm ergriffen hatte.

Jack fand eine größere Stelle und stellte sich ins helle Mondlicht. Er sah hoch in den Nachthimmel und seine Augen fanden das helle Licht des Vollmondes. Er biss sich auf die Lippe und fragte dann mit leiser Stimme: "Warum?"

Er wartete einige Momente, lauschte nach der warmen, sanften Stimme, die ihm seinen Namen gesagt hatte. Als sie nicht mit ihm sprach, sah er überrascht aus. Er runzelte die Stirn. Vielleicht hatte der Mond ihn nicht gehört? Er sprach lauter: "Warum? Warum können sie mich nicht sehen?"

Der Mond blieb still.

Jack atmete frustriert aus. "Warum antwortest du mir nicht? Du kannst mich hören! Ich weiß... Ich weiß, dass du das kannst." Seine letzten Worte waren ohne Sicherheit.

Stille blieb. Jack bereitete sich darauf vor zu Schrein, als hinter ihm ein Ast zerbrach. Jack wandte sich um, seine Augen durchsuchten die Dunkelheit, die sich hinter dem Mondlicht erstreckte. "Hallo?", rief er. "Wer ist da?"

Eine Form löste sich aus den Schatten, helle Haut mit einer gräulichen Note. Helle, goldene Augen sahen ihn schockiert und verwirrt aus einem scharfen, hohen Gesicht an. Schwarze Haare, nach hinten gekämmt, so schwarz wie die Roben, die er trug.

"Hallo!" Jack lächelte erleichtert und sprang vor Freude, als er bemerkte, dass die Person ihn ansah. "Kannst du mich sehen?"

Der Mann sah Jack an, seine Augen sprangen alle paar Sekunden zurück zu Jacks Grinsenden Gesicht. Erkenntnis legte sich in seinen Blick und langsam legte sich ein Lächeln über seine Lippen. "Jackson", sagte er schließlich.

"Nur Jack, eigentlich Jack Frost", sagte Jack. "Das hat mir der Mond gesagt."

"Der Mond?" Der Mann trat näher, doch betrat niemals das Mondlicht. "Hat er dir sonst noch etwas erzählt?"

"...nein." Jack sah ihn für einen Moment verwirrt an, doch dann kam sein Grinsen zurück. "Sag, woher wusstest du, dass mein Name Jack ist? Naja, du sagtest Jackson, aber ich denke, dass ist nah genug dran..."

"Oh." Der Mann legte eine Hand über sein Herz. "Wir sind gute Freunde, du und ich."

"Wirklich?" Jack lehnte sich auf seinen Stab, legte den Kopf schief, so dass auch seine Wange an dem Holz lag. "Woher weißt du das?"

"Der Mond hat mir das gesagt", versicherte ihm der Mann und nickte dazu noch.

"Hat er?" Jack riss seinen Kopf zurück und sah verwundert zum Mond auf. "Warum erzählt er es dann nicht auch mir?"

Der Mann zuckte mit den Schultern, in seiner Stimme lag Verständnis. "Wer weiß? Ich fürchte der Mann im Mond ist manchmal wirklich still. Er spricht auch selten mit mir und ich kenne ihn schon am längsten."

"Das ist irgendwie unhöflich."

Der Mann lächelte langsam. "Ist es, nicht wahr?" Er hielt Jack seine Hand hin. "Komm mit mir, Jack. Ich bringe dich nach Hause."

"Nach Hause."

"Mit mir."

Jack zögerte, Unsicherheit legte sich über ihn, als er die gebotene Hand anstarrte. "Ich bin mir nicht sicher... Ich - Ich will dir keinen Last sein."

"Es ist kein Problem, Jack." Die goldenen Augen des Mannes drückten nichts außer Ruhe aus. "Ich wäre mehr als glücklich dich bei mir zu haben. Wir sind immerhin so gute Freunde. Oder zumindest werden wir welche sein."

Die Unsicherheit blieb, doch wurde von Jacks Wunsch nach Kontakt mit Jemanden, der ihn sehen konnte, übertroffen. Diese Welt war ihm so bekannt und doch fremd und er wollte einfach nicht allein sein. Er streckte seine Hand aus, doch stoppte am Rand des Mondlichts. "Wie ist dein Name?", fragte er.


"Pitch Black", antwortete der Mann und Jacks Hand bewegte sich schlussendlich aus dem Mondlicht und in die Hand des anderen. Er lächelte. "Der schwarze Mann."

Pitchs Finger schlossen sich um Jacks.

Aus irgendeinem Grund verängstigte diese Geste Jack mehr, als die Kälte und die Dunkelheit. Doch als er endlich verstand, was es bedeutete, war es längst zu spät.





Gegenwart:

Der Junge, der ihn aus dem Spiegel anstarrte war ein erbärmliches Wesen, dachte Jack. Er starrte in seine eigenen Augen, matt und blau, die anscheinend für immer mit dicken Ringen unterstrichen waren. Wann war das letzte Mal gewesen, dass er ohne Albträume hatte schlafen können? Es musste Monate her sein, mindestens.

Er hatte sich seine eigenen Lippe blutig gebissen und war dafür bestraft worden. Pitch mochte es nicht, wenn Jack blutete. Bissspuren und blaue Flecken von Händen und Seilen, waren dabei natürlich etwas anderes. Das waren Spuren des Besitztes. Pitch sagte, sie bewiesen ihren Bund. Jack wusste es besser, als sich dagegen zu wehren.

Gekleidet war er in einen schwarzes Hemd mit schwarzen Knöpfen und langen Ärmel, eine schwarze Hose rundete es ab und ließ seine Haut noch heller erscheinen. Als er sich so ansah, konnte er nicht weiter als bis zur Hüfte blicken, so Eitel wie er war, entschied er, dass er ausgewaschen aussah. Nein, mehr als nur das. Jack sah erneut in den Spiegel.

Der Junge im Spiegel sah tot aus.

Nicht zum ersten Mal war Jack sich sicher, er hasste diesen Jungen.

Er atmete zögerlich ein und war schon fast erleichtert, dass er immer noch atmen konnte. Wann hatte Atmen aufgehört sich wie Leben anzufühlen?

Er seufzte und schloss seine Augen, versuchte seinen Nerven, die deutlich und doch nur am Rande seines Bewusstseins pochten, zu beruhigen. Bald, versicherte er sich. Der Plan war bereits aufgestellt. Dreihundert Jahre und nach dem heutigen Tag würde er frei sein. Zumindest solange Rime sein Versprechen halten würde und es keine Probleme geben würde, würde er endlich aus diesem Ort entkommen. Er hatte die Worte immer und immer wieder geübt. Er war sich sicher, er würde sie richtig erinnern.

Es gab einen Moment der Sorge, als er sich erinnerte, von welchem Zufall sein Plan abhing. Nur wenn die Not groß und der Wille gut, hatte das Buch gesagt. Jack beruhigte sich selbst wieder. Sein Wille war gut und seine Not mehr als groß. Es würde funktionieren.

Es musste funktionieren.

"Jack?"

Jack sah durch den Spiegel zur Tür und Pitch lächelte ihn an. "Ja?"

"Bist du bereit?" Pitch ging durch ihr Schlafzimmer und legte seine Hände auf Jacks Schultern. "Du musst aufgeregt sein, rauszukommen."

"Bin ich", sagte Jack ruhig.

"Du bist so ein guter, kleiner Gemahl", merkte Pitch an. "Ich bin froh, dass ich dich so belohnen kann."

Jacks Antwort war automatisch. "Ich danke dir."

Pitch nickte. Er hob die Bürste vom Schminktisch auf. "Hast du dir schon die Haare gekämmt?" Jack schüttelte seinen Kopf. "Dann werde ich das für dich tun."

Er fing an Jack Haare zu kämmen, diese Handlung war nicht unbekannt. Pitch genoss es diese kleinen Dinge zu übernehmen und Jack sie nicht machen zu lassen. Pitch behauptete, es war für ihren Bund. Zu einer Zeit hätte Jack es ihm sogar geglaubt.

Für eine Weile war das Bürsten das einzige Geräusch im Raum, das rhythmische Ziehen an seinen Haaren zähmten seine kurzen, wilden Haare.

Während er mit seiner Aufgabe weitermachte, erhob Pitch seine Stimme. "Du erinnerst dich an die Regeln, nicht wahr?" Jack nickte. "Wiederhole sie laut."


"Ich habe nicht die Erlaubnis, zu sprechen."

"Gut. Was sonst noch."

"Ich habe nicht die Erlaubnis, mich von deiner Seite zu entfernen."

"Sehr gut, Jack. Und die letzte Regel?"

"Ich habe nicht die Erlaubnis, den Mantel abzunehmen."

Pitch machte ein zufriedenes Geräusch. "Du bist so ein guter Gemahl, Jack." Pitch sah Jack über den Spiegel an. "Erinnerst du dich daran, warum wir die Regel haben?"

Diese Worte waren natürlich, geübt und immer dagewesen. Er hatte sie zu oft gesagt, um sie nicht zu erinnern. "Weil ich eine Gefahr für die anderen bin. Wenn ich nicht vorsichtig bin, könnte ich sie ausversehen verletzten. Oder sie könnten mir weh tun wollen."

"Warum sollten sie dir weh tun wollen, Jack?", fragte Pitch ruhig.

"Weil sie mich fürchten würden und denken, ich bin ein Monster. Und weil ich wunderschön bin und sie eifersüchtig sein würden."

"Ja, das würden sie." Pitch legte die Bürste hin. Er nahm Jacks Kinn in seine linken Hand und drehte dessen Kopf. In dieser Position war Jack dazu gezwungen Pitch anzusehen. Mit der rechten Hand fuhr er durch Jacks Haare, fasste dabei die Strähnen sanft, aber sehr fest. "Und der letzte Grund?"

"Weil du mich vor ihnen beschützt und ich dir vertrauen kann."

Pitch lächelte. "Ich mache nur, was für dich das Beste ist." Er schwieg kurz. "Liebst du mich Jack?"

"Ich liebe dich." Jack fragte sich, wann diese Worte ihre Bedeutung für ihn verloren hatten.

Pitch küsste Jack auf die Stirn, dann ließ er ihn los, aber nicht ohne mit der linken Hand über Jacks Kehle zu streichen. "Werd fertig", befahl er. "Wir werden bald aufbrechen."

Pitch blieb noch einmal in der Tür stehen, zeigte auf das Bett oder besser gesagt auf das, was darauf lag, eine stumme Warnung lag in der Luft. Es war ein Mantel. Pitch hatte ihn extra für Jack gemacht. Er war groß, schwarz, dick und mit einer Kapuze. Er würde Jacks Körper verbergen und mit der Kapuze würde er ihn noch mehr einhüllen. Solange er niemanden direkt in die Augen sah, würde niemand sein Gesicht sehen können. Wenn man Jacks Gewohnheit, auf den Boden zu gucken, bedachte, so würde so eine Handlung sehr ungewöhnlich sein. "Vergiss den Mantel nicht, Jackson", erinnerte er ihn.

"Werde ich nicht."

Pitch ging. Jack sah wieder in den Spiegel und der tote Junge starrte zurück.

Er wünschte sich nichts mehr, als den Spiegel zu zerbrechen.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast