Der Abschied

KurzgeschichteSchmerz/Trost / P12
Maxwell Sheffield
16.07.2015
16.07.2015
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16.07.2015 1.990
 
Ich habe in diese Geschichte von "Unheilig - An Deiner Seite" mit einfließen lassen.

https://www.youtube.com/watch?v=au6FETHlcyk



Der Abschied

Maxwell kam wie gesagt am nächsten Tag wieder ins Krankenhaus um seine Frau Sarah zu besuchen. Wieder ging er den langen weißen Flur entlang zu dem Zimmer seiner Frau. Er klopfte an die Tür und trat dann leise ins Zimmer. Sarah hatte die Augen geschlossen und schien zu schlafen. Maxwell setzte sich an ihr Bett und betrachtete seine Frau. Er nahm ihre Hand in seine. Sarah sah noch erschöpfter aus als gestern, als er und Maggie sie besucht hatten. Und es war etwas anders, dass spürte er. Ein ungutes Gefühl machte sich in ihm breit  und ließ ihm einen Schauer über den Rücken laufen. Sarah öffnete die Augen und sah ihren Ehemann an. „Hallo Darling“, sagte Maxwell leise.

Bleib still liegen mein Herz,
erschreck dich nicht.
Ich bin ein Freund
der zu dir spricht

Sarah lächelte ihren Ehemann an und beugte sich dann zu ihm, um ihn liebevoll zu küssen. Maxwell erwiderte diesen Kuss voller Liebe. „Liebster, ich habe mich gestern sehr gefreut, dass Du Maggie mitgebracht hast. Wie geht es ihr?“ Ihre Stimme war schwach und leise. „Sie hatte den ganzen Weg nach Hause von Dir geredet und..“ Maxwell guckte seine Frau nicht an, als er weitersprach. „Und sie hatte sich sehr gefreut.“ Sarah kannte ihren Gatten genau und wusste, dass er ihr nicht die Wahrheit sagte. „Max, sieh mich bitte an und sag mir die Wahrheit.“ Zärtlich drehte sie sein Gesicht zu sich und sah Schmerz und Tränen in seinen Augen.

Ich hab gewartet und gehofft,
dass der Moment vielleicht niemals kommt.
Dass er einfach vorübergeht.
Oder vielleicht niemals geschieht.

Zärtlich strich Sarah ihrem Mann über die Wange, der den Kopf wieder gesenkt hatte. „Ich kann mir denken, wie es gelaufen ist“, sagte sie leise. Wie sollte ein Kind auch damit fertig werden, das seine Mama bald nicht mehr da sein würde. Sie wollte Maxwell nicht noch weiter damit quälen und änderte das Thema. „Weißt Du, woran ich gerade denken muss?“ Maxwell sah auf und sah Sarah fragend an. „An unsere Hochzeit. Ich erinnere mich noch genau, wie Du verzweifelt die Ringe gesucht hattest. Dabei waren sie in Deiner Smokingtasche gewesen. Du warst so nervös gewesen. So nervös warst Du nicht mal, als Du eines Deiner Stücke vorgestellt und vor hunderten von Leuten eine Rede halten musstest. Es kommt mir so vor, als wäre es gerade erst gestern gewesen, dass wir uns das Ja-Wort gegeben haben.“ Sarah musste lachen, obwohl es sie sehr anstrengte. Maxwell lachte mit. „Ja, und Du warst Dir nicht mehr sicher, ob Du auch wirklich alle eingeladen hattest und wolltest noch mal bei jedem anrufen.“ Maxwell seufzte: „Es war eine wunderschöne Hochzeit und ich war und bin so stolz, eine Frau wie Dich geheiratet zu haben.“

Ich schau zurück
auf eine wunderschöne Zeit.
Warst die Zuflucht
und die Wiege meines Seins.
Hast gekämpft
und jeden Moment mit mir geteilt.
Ich bin stolz
auch jetzt bei dir zu sein.

Sarah sah ihren Liebsten an. „Ich bin auch stolz, Dich als Ehemann und mit Dir 3 wunderbare Kinder zu haben.“ Tränen traten in ihre Augen, als sie auf das Familienfoto auf ihrem Nachttisch sah. Es war an Weihnachten aufgenommen worden. Gracie war noch ein Baby und lag schlafend in Sarahs Armen. Brighton saß bei Maxwell auf dem Schoss und Maggie saß zwischen ihren Eltern und hielt ihre neue Puppe, die sie bekommen hatte in dem Arm. Alle waren so glücklich und sorgenlos gewesen. Sie wusste, dass sie die Kinder nie wieder sehen würde und schluchzte auf.

Ich fang ein Bild von dir
und schließ die Augen zu.
Dann sind die Räume nicht mehr leer.
Lass alles andere einfach ruhen.
Ich fang ein Bild von dir
und dieser eine Augenblick
bleibt mein gedanklicher Besitz.
Den kriegt der Himmel nicht zurück.

Maxwell setzte sich zu Sarah aufs Bett und drückte sie an sich. Mit einer Hand wischte er ihr vorsichtig die Tränen von den Wangen. Er wollte so nah wie möglich bei ihr sein und sie spüren. Sarah schmiegte sich eng an ihren Mann und genoss seine Wärme und Nähe. „Du hast mein Lieblings-After-Shave genommen“, sagte sie lächelnd und streichelte zärtlich über seinen nackten Arm und spielte mit den Härchen. Selten hatte sie ihren Gatten in einem kurzärmeligen Hemd gesehen, da er meist arbeitete und zu Geschäftsterminen immer Hemd, Krawatte und Jackett trug. „Max, ich liebe Dich und ich bin froh, dass Du bei mir bist.“

Du kamst zu mir
vor jedem allerersten Ton.
Als das Zeitglas unerschöpflich schien.
Du hast gelebt,
in jedem Sturm mit mir gekämpft.
Nie etwas verlangt,
nur gegeben und geschenkt.

Maxwell hatte seinen Kopf auf ihren sinken lassen und genoss die Zweisamkeit. „Ich liebe Dich auch“, hauchte er und küsste Sarah auf das kurze Haar. Die Ärzte hatten die Chemotherapie vor Monaten abgesetzt, da sie nicht mehr anschlug und Sarah auch keine mehr wollte. Sarah man die Hand ihres Mannes und strich über seinen Ehering. „Ich weiß noch genau, wie wir uns kennengelernt haben. Du warst noch nicht lange in den Staaten und kanntest Dich hier überhaupt nicht aus. Anstatt Dir ein Taxi zu nehmen, bist Du verzweifelt durch die Straßen gelaufen und hast den Broadway gesucht. Du warst so in Deiner Suche vertieft, dass Du mich fast umgerannt hast.“ Maxwell musste kurz auflachen. „Stimmt. Ich glaubte, dass es ja nicht so schwierig sein konnte, den Broadway zu finden. Immerhin ist das eine sehr berühmte Straße in New York. Also warum ein Taxi nehmen.“ Er schmiegte sich noch enger an Sarah und küsste sie zärtlich. „Und dann ist mir die schönste Frau der Welt über den Weg gelaufen. Bei Deinem ersten Anblick war es um mich geschehen. Es war Liebe auf den ersten Blick.“ „Max, Du Charmeur.“ Sarah stieß ihn zärtlich in die Seite. „Du hattest mich freundlich nach dem Weg gefragt und ich hatte Dir angeboten, Dich dahin zubringen, damit Du auch wirklich ankommst. Und es war auch bei mir Liebe auf den ersten Blick.“

Hast mir gezeigt
was wirklich wichtig ist.
Hast ein Lächeln gezaubert
mit deinem stillen Blick.
Ohne jedes Wort,
doch voll von Liebe und Leben.
Hast so viel von dir
an mich gegeben.

Beide hingen den Erinnerungen ihrer ersten Begegnung nach. „Ich war so überwältigt, dass Du mich gebeten hattest, Dich zu Deinem so wichtigen Termin zu begleiten, ohne das Du mich wirklich kanntest. Und danach hast Du mich zum Essen und ins Musical eingeladen.“ „Du warst meine Glücksfee Darling. Ohne Dich hätte ich den Termin nicht einhalten und somit mein Stück niemals produzieren können. Und ich hätte hier in New York nie damit den großen Durchbruch geschafft. Da war es das Mindeste, dass ich Dich an diesem Abend ausführe.“

Ich schau zurück
auf eine wunderschöne Zeit.
Warst die Zuflucht
und die Wiege meines Seins.
Hast gekämpft
und jeden Moment mit mir geteilt.
Ich bin stolz
auch jetzt an deiner Seite zu sein.

„Wir hatten so eine schöne Zeit gemeinsam gehabt.“ „Ach Sarah. Meine geliebte Sarah. Nur durch Dich habe ich es zu dem gebracht, was ich jetzt bin. Du hast immer an mich geglaubt. Auch wenn ich so manche Fehlentscheidung getroffen habe. Du warst immer an meiner Seite.“ Sarah lächelte ihren Mann an. „Und Dein Lächeln verzaubert mich auch jetzt noch“, sagte Maxwell leise. „Hör auf Liebster. Ich werde ja ganz rot.“ Sarah strich erneut über den Arm ihres Mannes. „Du glaubst gar nicht, wie sehr ich Dich liebe. Dich und unsere Kinder“, sagte sie ebenso leise.

Ich fang ein Bild von dir
und schließ die Augen zu.
Dann sind die Räume nicht mehr leer.
Lass alles andere einfach ruhen.
Ich fang ein Bild von dir
und dieser eine Augenblick
bleibt mein gedanklicher Besitz.
Den kriegt der Himmel nicht zurück.

„Ich liebe Dich mehr, als alles andere auf der Welt. Und wenn ich Dir irgendwie helfen könnte, würde ich alles dafür tun.“ Sarah sah ihren Gatten an. „Das weiß ich Liebster. Aber mir kann keiner mehr helfen“, sagte sie leise. „Die Ärzte wissen nicht mehr weiter und ich habe nicht mehr die Kraft zu kämpfen.“

Ich schau zurück
auf eine wunderschöne Zeit.
Warst die Zuflucht
und die Wiege meines Seins.
Hast gekämpft
und jeden Moment mit mir geteilt.
Ich bin stolz
auch jetzt an deiner Seite zu sein.

Immer wieder hauchte er Küsse auf Sarahs Haar und legte sich zu ihr ins Bett, um ihr ganz nah zu sein. Sarah legte erschöpft ihren Kopf auf seine Brust und lauschte seinem Herzschlag. Liebevoll strich sie mit ihrer Hand über seine Brust und schloss die Augen. So lagen die Beiden eine ganze Zeit und genossen die Wärme und Nähe des anderen. Und Beide kämpften mit den Tränen. „Max, versprich mir, dass Du immer auf unsere Kinder aufpassen wirst“, durchbrach Sarah die Stille. „Das werde ich Darling. Ich werde immer für unsere Kinder da sein und auf sie aufpassen“, sprach er leise und man könnte hören, dass ihm das Reden schwer fiel. „Liebling, denk an unsere schöne Zeit, die wir hatten“, versuchte Sarah ihren Mann zu trösten.

Ich fang ein Bild von dir.
Ich schau zurück
auf eine wunderschöne Zeit.
Warst die Zuflucht
und die Wiege meines Seins.
Hast gekämpft
und jeden Moment mit mir geteilt.
Ich bin stolz
auch jetzt an deiner Seite zu sein.

Sarah sah Maxwell an und sah, dass er erneut Tränen in den Augen hatte. Liebevoll wischte sie diese von seinen Wangen. „Ich bin so froh, dass ich Dich kennenlernen und lieben durfte. Ich werde Dich immer lieben und in meinem Herzen tragen Darling.“ Zärtlich küssten die Beiden sich. „Ich werde Dich auch immer lieben Max. Ich habe nie zuvor einen Mann so geliebt, wie Dich. Und Du musst mir eines versprechen.“ Maxwell sah sie an und nickte. „Versprich mir, dass Du Dich irgendwann wieder in eine Frau verlieben wirst und mit ihr glücklich wirst.“ Ihr fiel es nicht leicht, dass zu sagen. „Sarah, was verlangst Du da von mir?“, fragte er mit brüchiger Stimme. „Bitte versprich es mir Liebster.“ Maxwell senkte den Kopf und sah seine Frau an. „Ich verspreche es Dir Sarah.“

Ich lass dich gehen
und wünsch dir alles Glück der Welt.
In diesem Augenblick
bist du das Einzige was zählt.
Lass dich fallen
und schlaf ganz einfach ein.
Ich werde für immer an deiner Seite sein.

Sarah sah ihren Mann noch einmal an und küsste ihn liebevoll. Er erwiderte diesen ebenso liebevoll. „Vergiss dieses Versprechen niemals. Ich möchte, dass Du und auch die Kinder irgendwann wieder glücklich seid und lachen könnt.“ Sie legte ihren Kopf wieder auf seine Brust und schloss die Augen. Maxwell streichelte liebevoll ihre Wange und hielt seine Frau fest. „Ich liebe Dich Max.“ Bevor Maxwell etwas darauf erwidern konnte, spürte er, wie ihr Kopf in seine Hand sank und sie aufgehört hatte zu atmen. Maxwell spürte ein Stich im Herzen und fing bitterlich an zu weinen. Seine überalles geliebte Frau hatte den Kampf gegen den Krebs verloren und ihn und die Kinder zurückgelassen.

Noch einige Stunden blieb Maxwell bei seiner verstorbenen Frau sitzen. Es war, als wäre ein Teil von ihm im gleichen Moment gestorben. Immer wieder strich er ihr über das wunderschöne Gesicht und ließ seinen Tränen freien Lauf. Eine tiefe Leere machte sich in ihm breit. Noch einmal strich Maxwell Sarah über die Wange. Sie sah aus, als würde sie schlafen. „Warum Du Sarah?“, fragte er immer wieder in die Stille hinein und ließ seinen ganzen Schmerz raus. Sein Kopf sank auf ihre Brust seine Tränen durchtränken ihr Nachthemd.

Jetzt musste er seinen Kindern sagen, dass ihre Mama nie wieder kommen würde. Wie Maxwell ihnen das sollte, wusste er nicht. Eine Schwester führte ihn von seiner Frau weg und bat ihm, doch nach Hause zu gehen. Maxwell nickte abwesend und verließ voller Schmerz und Trauer das Krankenhaus. Nichts um sich herum nahm er wahr als er nach Hause fuhr, um die traurige Nachricht seinen Kindern zu überbringen.


ENDE
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