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Von fliegenden Reihern und Burgzinnen

OneshotHumor, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Cecily Herondale Jem Carstairs Will Herondale
14.07.2015
14.07.2015
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1.965
 
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14.07.2015 1.965
 
So, ich konnte es nicht lassen, einen Heronstairs OS zu schreiben ^^
Es geht um die Verlobung der beiden, die geheim ist und es auch bleiben soll. Allerdings schöpft jemand Verdacht, was also tun?
Ich hoffe, es gefällt euch!

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„Henry, was hältst du davon, wenn du jetzt mal anfangen würdest zu frühstücken?“ Charlotte bedachte ihren Mann mit einem intensiven Blick, den dieser jedoch nicht wahrzunehmen schien. Er brummte etwas mehr oder weniger Verständliches ohne von seiner Lektüre aufzusehen. Der Titel lautete „Elektrischer Strom“, was keiner am Tisch besonders aufschlussreich fand. Es schien allerdings auch keinen zu interessieren, dass Henry am Frühstückstisch Bücher mit verwirrendem Titel las statt zu essen. Also gab Charlotte sich schließlich geschlagen, seufzte und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück.
Viel wurde nicht gesprochen. Gabriel und Gideon saßen wie immer schweigsam Seite an Seite und sahen nicht so aus, als würden sie sich sonderlich wohl fühlen, was man ihnen jedoch kaum übel nehmen konnte. Cecily, die sonst sehr gesprächig war, war zu sehr damit beschäftigt, ihren Bruder zu beobachten. Will verhielt sich seltsam in letzter Zeit, fand sie. Ganz besonders den gesamten letzten Tag. Er hatte durchgehend gute Laune gehabt, hatte Cecily sogar ein wenig trainiert und ihr den Umgang mit einem Langschwert gezeigt und war nicht genervt gewesen, als sie es anfangs dauernd falsch gehalten hatte. Das war ganz untypisch für ihn. Auch zierte die ganze Zeit ein Lächeln sein Gesicht- eine weitere Tatsache, die Cecily stutzig machte, denn normalerweise lächelte Will nur selten.
Will schien jedoch nicht aufzufallen, dass seine Schwester ihn die gesamte Zeit misstrauisch musterte, viel zu sehr war er mit essen beschäftigt. Auch Jem, der neben seinem Parabatai Platz genommen hatte, schwieg, doch das war nichts Untypisches für ihn. Wie immer saß er mit seiner Tasse Tee in der Hand da, doch anders als sonst grinste er die gesamte Zeit, was jedoch keinem der Anwesenden aufzufallen schien, da er das Grinsen ziemlich geschickt hinter seiner Teetasse versteckte.
Auch Charlotte sagte nichts. Es gab nichts, was sie hätte sagen können. Keine Neuigkeiten, kein Pläneschmieden, kein Redebedarf. Henry war sowieso vollkommen in sein Buch versunken und Tessa schien ziemlich in Gedanken zu sein. Normalerweise redete die Braunhaarige gerne und viel, aber heute beschäftigte sie etwas, weshalb sie den Mund hielt und einfach schweigend aß.
Jem setzte seine Tasse ab. Das Geräusch, das dabei erzeugt wurde, klang beinahe unnatürlich laut in der Stille, die am Tisch herrschte. Etwas Silbernes blitzte an Jems Finger auf, als er die Hand wieder zurückzog. Trug er etwas einen Ring? Aber er hatte seinen Familienring doch immer in der Tasche, nicht am Finger wie Will ihn immer trug. Jetzt bedachte Cecily ihn mit einem misstrauischen Blick. Hatte er etwa etwas mit Wills seltsamen Verhalten zu tun? Die Schwarzhaarige schüttelte den Kopf über ihre Idee. So ein Quatsch, nur weil er einen Ring trug…
Will erhob sich. Anscheinend war er fertig mit essen. Ohne ein Wort, wie es seine Art war (Cecily war froh, dass er wenigstens das beibehalten hatte), verließ er den Raum, schenkte nur Jem noch ein flüchtiges Lächeln. Das tat er zwar sonst nicht, aber darüber zuckte Cecily nur die Schultern. Jem war schließlich sein Parabatai, er stand ihm näher als allen anderen anwesenden Personen, auch als ihr selber, wie sie sich eingestehen musste.
Irgendwann erhoben sich auch Gabriel und Gideon vom Tisch und zogen sich auf ihre Zimmer zurück, auch Jem war bald fertig mit essen und ging, während Cecily sich noch immer den Kopf darüber zerbrach, was mit Will los sein könnte. Hunger hatte sie sowieso keinen mehr, also schob schließlich auch sie ihren Stuhl zurück und verließ nach einem kurzen Gruß den Raum. Sie machte sich auf den Weg zu Jems Zimmer. Wenn jemand wusste, was mit Will los war, dann er.

Bereits auf dem Gang hörte sie Geigenmusik. Allerdings kein ganzes Stück, sondern immer nur kurze Stellen, manchmal auch nur einzelne Töne. Cecily vermutete, dass Jem gerade komponierte.
Vor der Tür blieb sie stehen, nun unsicher ob sie wirklich stören sollte, aber sie wollte endlich wissen was mit Will los war. Sie klopfte also und wartete. Die Musik verstummte, die Tür öffnete sich. Überrascht musterte Jem sie. Natürlich, schließlich hatte sie in seinen Augen ja auch keinen wirklichen Grund hier aufzutauchen.
„Kann ich reinkommen?“, fragte sie und erntete einen weiteren verwirrten Blick, bevor Jem sich schließlich fing und zur Seite trat. „Setz dich“, bat er sie, nachdem er die Tür geschlossen hatte und deutete auf einen großen Sessel, der neben seinem Bett stand. Er verschloss das Tintenfässchen, das auf einem kleinen Tisch stand, damit es nicht austrocknete und erneut fiel Cecily der Ring an seinem Finger auf. Sie wusste nicht, was darauf eingraviert war, aber aus der Nähe betrachtet waren es ganz sicher nicht die Burgzinnen der Familie der Carstairs. Was war es dann?
„Ich wollte dich etwas fragen“, begann sie, noch während Jem sich ihr gegenüber auf dem Bett niederließ. Er musterte sie erwartungsvoll und freundlich und die Schwarzhaarige nahm das als Zeichen fortzufahren. „Weißt du vielleicht, was in letzter Zeit mit Will los ist? Er verhält sich so seltsam…“ Fragend legte Jem den kopf schief. „Seltsam? Was meinst du mit seltsam?“, fragte er. „Du hast es nicht bemerkt?“, rief Cecily überrascht aus, schließlich war Jem Wills Parabatai. „Na, er lächelt die ganze Zeit, ist viel freundlicher und geduldiger und so. Gestern zum Beispiel hat er mir beigebracht, wie man mit einem Langschwert umgeht und nicht die Beherrschung verloren, als ich nach dem fünften mal immer noch nicht kapiert hatte, wie man es richtig hält.“
Jem lächelte und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Tja, vielleicht…“, setzte er an, doch Cecily hörte nicht zu. Jetzt konnte sie erkennen, was in den Ring eingraviert war. Und nein, es waren ganz sicher nicht die Burgzinnen der Carstairs. „Dein… Dein Ring“, hauchte sie atemlos und verwundert hielt Jem inne, bevor er schnell die Hand von ihrer Schulter nahm, fast als hätte er sich an ihr verbrannt. Überrascht über die heftige Reaktion musterte Cecily ich eingehend.
Nein, es waren nicht die Burgzinnen der Carstairs gewesen. Es waren Vögel gewesen. Fliegende Reiher, fein säuberlich in das glänzende Silber geritzt. Der Ring der Herondales.  
„Warum trägst du den Ring der Herondales?“, fragte sie, die Augen zu Schlitzen verengt. „Ist das nicht Wills Ring?“ Sie hatte nicht vorgehabt, ihre Stimme bedrohlich klingen zu lassen, doch in Jems Ohren hörte sie sich so an.
Betont gleichgültig zuckte er mit den Schultern. „Anscheinend haben wir unsere Ringe nur aus Versehen vertauscht. Ist mir noch gar nicht aufgefallen“, meinte er, doch er war nie ein guter Lügner gewesen, selbst Cecily durchschaute ihn, und sie kannte ihn erst seit einigen Wochen. „Ich glaube dir nicht“, behauptete sie und verschränkte die Arme vor der Brust. Sie würde sich nicht aus diesem Sessel bewegen, bis sie nicht die Wahrheit gehört hatte. „Ich gehe nicht, bis ich nicht die Wahrheit weiß“, meinte sie trotzig und Jem behauptete: „Du bist genauso stur wie dein Bruder.“ In einer verzweifelten Geste fuhr er sich durchs Haar.
„Schön, warte hier kurz“, waren seine Worte, bevor er verschwand.

Cecily rutschte ungeduldig im Sessel umher. Wo ging Jem hin? Irgendwann war ihr so langweilig, dass sie begann, die Noten auf dem Papier zu zählen, das noch immer auf dem kleinen Tischchen lag. Es waren 115.
Sie sah auf, als die Türe sich öffnete. Will kam herein, dicht gefolgt von Jem. Beide setzten sich ihr gegenüber auf das Bett und musterten sie ernst. Cecily schluckte. Sie fühlte sich, als würde sie vor dem Gericht stehen, obwohl es ja eher andersherum sein sollte, schließlich hatten Will und Jem ihr etwas zu erklären, nicht sie ihnen.
„Hör mir zu, Cecy“, begann Will und beugte sich zu ihr vor. Sogar sein Dauergrinsen war verschwunden. Er sah absolut ernst aus. „Ich werde dir die Wahrheit sagen, aber du darfst es niemandem erzählen, hörst du, niemandem. Versprich mir das zuerst.“ Cecily kniff die Augen zusammen, sah dann aber ein, dass sie sonst gar nichts erfahren würde. Jem hatte Recht, Will war stur und sie wusste, er würde ihr nichts erzählen, wenn sie nicht tat, was er verlangte.
„Ich schwöre es beim Erzengel“, sagte sie und hörte, wie Will erleichtert die Luft ausstieß. „Dann hör mir zu“, hob er an, und Cecily hörte zu.
„Pass auf, das ist jetzt vielleicht etwas verwirrend für dich und wahrscheinlich wirst du es nicht gut heißen, aber trotzdem wirst du es akzeptieren, weil du nämlich gar nichts daran ändern könntest, verstanden?“ Wills Ton klang scharf und befehlend und Cecily nickte wie in Trance. Sie konnte gar nicht anders. Das alles erschien ihr wie ein Traum. Und sie war zu neugierig, um aufwachen zu wollen.
„Dann“ Will holte tief Luft, bevor er Jems Hand mit seiner verschränkte und verkündete: „Wir sind verlobt.“

Cecily schnappte nach Luft und sprang auf. Sie hätte aufwachen sollen, als sie noch konnte. Jetzt fühlte sich das alles mehr als real an. „Was?, zischte sie durch zusammengebissene Zähne, zu mehr war sie nicht im Stande. Verlobt? Ihr Bruder hatte sich verlobt, mit… seinem Parabatai? Das konnte nicht sein, nein, es konnte einfach nicht sein! Es durfte nicht sein, es war gegen das Gesetz.
Doch Will blieb angesichts ihrer Aufgebrachtheit ganz ruhig, stand auf und drückte sie sanft wieder in den Sessel. „Wie gesagt, du wirst es akzeptieren müssen, etwas daran ändern kannst du nämlich sowieso nicht“, meinte er und ließ sich wieder neben Jem sinken. Seinen Verlobten, dachte Cecily, noch immer vollkommen perplex.
„Nein, aber ihr könnt es.“ Ihre Stimme klang gefasst, aber ihre Hände zitterten so stark, dass sie nach einer Zeit die Finger ineinander verschränkte, um es zu unterdrücken. „Wir werden es aber nicht tun.“ Jetzt hatte zum ersten Mal Jem gesprochen und seine Stimme klang ebenfalls ruhig und gefasst, keinerlei Anspannung war darin zu erkennen. Cecily starrte ihn mit großen Augen an, nicht fähig etwas zu erwidern. Jem seufzte, stand auf und kniete sich dann vor den Sessel, in dem die Schwarzhaarige noch immer saß, um auf einer Augenhöhe mit ihr zu sein.
„Verstehst du das denn nicht, Cecily?“, hob er an und Cecily konnte nicht anders, als ihn anzustarren. „Ich liebe deinen Bruder, das Gesetz ist egal. Du bist die einzige, die es weiß und glaub mir, niemand wird es herausfinden.“ „Aber… die müssen es doch nur wie ich machen und auf eure Ringe achten“, versuchte die Jüngere zu protestieren, aber Will erwiderte darauf nur: „Niemand sieht so genau hin. Wir passen schon auf, keine Sorge, und außerdem können wir immer noch sagen, wir hätten sie nur vertauscht.“
„Aber warum musstet ihr euch verloben?“, meinte Cecily verzweifelt, ihre Hände hatte sie unbewusst in die Armlehnen des Sessels gekrallt. „Hätte es nicht auch… so gereicht?“, versuchte sie sich auszudrücken, doch Jem, der noch immer vor ihr kniete, schüttelte nur lächelnd den Kopf. „Du wirst es noch verstehen. Und keine Sorge, wir haben schließlich nicht vor, vor versammelter Schattenjägergemeinschaft zu heiraten“, beruhigte er sie.
„Wie wollte ihr dann heiraten?“, fragte sie, den Kopf in den Händen vergraben. Sie fühlte sich
müde, nur unendlich müde. Sie wünschte, die hätte es nie erfahren, dann müsste sie sich jetzt nicht damit befassen. Andererseits, ihren Bruder so glücklich zu sehen… „Ohne jemanden, der euch traut, ohne Hochzeitsgesellschaft, ohne…“ „Langsam“, lachte Jem. „Wir brauchen keine Hochzeitsgesellschaft. Und wir dachten, Magnus könnte vielleicht…“
„Magnus?“, fragte Cecily aufgeregt und hob ruckartig den Kopf. „Weiß er es?“ Sie fixierte erst Will, dann Jem mit ihrem Blick. „Magnus weiß alles“, gab Will trocken zur Antwort. Cecily atmete tief durch. „Wenn das so ist…“, sagte sie und holte tief Luft. Dann grinste sie. „Bin ich eingeladen?“

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Und, wie war es? Ich hoffe, nicht allzu unrealistisch? Ach, und was haltet ihr von einer Fortsetzung? Ich hab zwar schon eine Idee, weiß aber nicht, ob ich es wirklich schreiben soll. Reviews?
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