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Fringes Deal

KurzgeschichteHumor, Freundschaft / P16
Jesse Pinkman Walter White
12.07.2015
12.07.2015
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Danke dass du meine BrBa Geschichte angeklickt hast ^^
Viel Spaß beim Lesen, yo ;I

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Mr. White nahm sein Handy (sein zweites), seine Autoschlüssel, seinen Hausschlüssel und seine Brieftasche und verstaute alles an die richtigen Plätze seiner Jacke.

Während er nach draußen ging, abschloss, warf er einen Blick auf seine Armbanduhr; es war 14:46; um 15:00 war er mit Jesse und seinem Arbeitgeber Gustafo Fringe im Los Pollos Hermanos verabredet.

Skyler war noch in der Arbeit und würde dann zur Maniküre gehen. Walter Junior übernachtete heute bei seinem Freund Luis. Wenn das Treffen eine Stunde dauerte war er noch immer zwei Stunden vor Skyler Zuhause. Einer Ausrede für seinen Verbleib bedurfte es also gar nicht erst.

Mr. White hörte nebenbei die Nachrichten im Radio, doch er konzentrierte sich mehr auf die Fahrbahn und vor allem auf seine eigenen Gedanken.

Das letzte mal als er Jesse gesehen hatte, war er etwas neben sich gewesen. Zur zeit wohnte er im RV (also in ihrem alten Methlabor - Mr. White konnte es noch immer nicht fassen und schnaubte jetzt. Der Junge soll sich endlich mal befleißigen.) Der RV stand auf einem öffentlichen Campingplatz. Als Mr. White das Wohnmobil auf Jesses Beschreibung hin gefunden und aufgemacht hatte, hatte er Jesse mit einer Zigarette im Mund schlafend aufgefunden. Sowas ärgerte Mr. White, da die Einfältigkeit von Jesse ihn in dem Fall in Gefahr gebracht hätte.

Das war aber auch schon wieder eine Woche her. Mr. White summte jetzt zu Journey im Radio und parkte vor dem Fast-Food Restaurant. Er zog den Schlüssel und stieg aus dem Auto.

Die Wüstensonne prallte auf seine Glatze und blendete etwas seine Sicht. Er blickte sich am Parkplatz um aber Jesses rotes Auto stand noch nicht da. Er blickte auf die Uhr - es war 14:58.

»Wäre doch gelacht wenn er mal pünktlich käme.« brummte Mr. White, »Naja, zwei Minuten hat er ja noch.«

Mr. White wog gerade ab ob er drinnen warten sollte oder hier am Parkplatz, da rollte ein roter Wagen die Straße rauf, driftete quietschend auf den Parkplatz und hielt schief an.

Jesse stieg aus. Er trug weite, dunkle Hosen, eine rote Weste in die zwei von ihm reinpassen würden, ein schwarzes Gelee darüber (Gott, dem musste warm sein, Mr. White schwitzte mit seinem dünnen Hemd und seiner Übergangsjacke) große weiße Schuhe, und eine schwarze Haube.

Mr. White seufzte als Jesse sich am Kopf kratzend auf ihn zu schlenderte.

»Yo, hi, Mr. White.« sagte er.

»Hallo Jesse. Gehen wir rein?«

»Klar, yo.«

Sie gingen ins Los Pollos Hermanos hinein und traten an die Theke. Sie mussten ganz normal bestellen, wie normale Kunden. Fringe würde dann unauffällig zu ihnen treten. So wurde es Mr. White am Handy erklärt.

»Willkommen im Los Pollos Hermanos, was darf ich ihnen bringen?«

»Ein kleines Hühnchen, gegrillt und eine Diätcola.« bestellte Mr. White.

»Yo, das mit der Diät haben Sie echt nicht nötig, Mr. White. Ich meine, sie sind schlank und alles, da können sie ruhig-«

»Danke Jesse, bitte bestelle.« sagte Mr. White und schmunzelte die Bedienung an.

»Schon in Ordnung.«

»Okay... Ich nehm auch ne Cola - aber die normale, yo. Und - die Unterhaxen, yo.« bestellte Jesse.

Die Bedienung nickte und Jesse und Mr. White setzten sich an einen Tisch im Eck, der abseits lag.

»Yo, vielleicht könnten sie das heute für mich zahlen, wenn's nichts ausmacht, ich hab kein Geld.« sagte Jesse unsicher.

»Geht in Ordnung, Jesse.« sagte Mr. White ruhig. Er nahm Platz und blickte sich um - Gus war nirgends zu sehen.

»Und suchst du nach einer Wohnung? Oder wie lange willst du noch im RV wohnen?«

»Ich suche, yo, ist aber nicht so einfach. Am Campingplatz ist es aber voll okay, yo, die machen da viel, Grillfeste und so nen Scheiß.«

»Aha.«

Mr. White blickte auf seine Uhr. 15:09.

»Hier bitte, einmal kleines Hühnchen gegrillt, einmal Unterhaxen und zwei Cola, eine Diät, eine normal. Lassen Sie es sich schmecken.« die Bedienung stellte ein Tablett mit dem Essen ab und ging wieder.

Sie begannen zu essen. Mr. White überlegte ob Gus warten wollte bis sie fertig waren oder ob er überhaupt schon gesehen hatte dass sie da waren. Da es aber schon zehn Minuten nach der vereinbarten Zeit war, tippte er auf ersteres.

»Yo, ich hab mir gedacht, Mr. White« begann Jesse mampfend und riss Mr. White aus seinen Gedanken, »Wir könnten nachher ja ein Bier trinken gehen, oder so.«

»Was, ja - ich meine nein, leider Jesse. Nicht heute.«

Jesse hörte kurz auf zu kauen und wirkte enttäuscht. »Is cool, yo, ein andern mal dann.« sagte er dann und aß weiter.

Sie hatten fertig gegessen und Jesse aß bereits seine Schokoladentorte als Nachspeise. Mr. White war wütend. Es war bereits 15:46. Er war also schon fast eine Stunde weg und hatte Fringe noch nicht mal aus der Ferne gesehen. Er dachte an Skyler und fing leicht zu schwitzen an - um 16:00 hatte sie heute Feierabend - sollte sie aus irgendeinen Grund nicht zur Maniküre gehen, wäre sie vor ihm zu Hause.

»Alles zu ihrer Zufriedenheit?« ertönte plötzlich eine männliche Stimme hinter ihm. Er blickte auf und sah wie Jesse mit offenen Mund starrte - man sah den Schokoladenkuchen darin. Mr. White drehte sich um - er blickte in die Augen von Gustafo Fringe.

»Ehm, ja alles in Ordnung. Das - Essen war vorzüglich.« sagte Mr. White. Er blickte Gus fragend an, und fragte mit diesem Blick etwa "Was jetzt? Besprechen wir alles hier und jetzt?" doch Gus lies nicht von seinem netten Angestelltenlächeln ab.

»Guten Tag, Herr Fringe!« grüßte ein Mann mit Kappe der gerade hereinkam, um offenbar nach der Arbeit ein schnelles Mahl zu sich zu nehmen.

»Guten Tag, Jeff!« grüßte Gus freundlich, »Das übliche heute? Scharfes-«

»-Hähnchen in Chili!« beendete der Mann den Satz, »Ganz genau, mein Freund!«

Mr. White wurde wütender, denn er kam sich jetzt ignoriert vor und gerade machte er den Mund auf, da sprach Gus.

»Sie, junger Mann.«

Er blickte zu Jesse?

»Ich?« Jesse hielt die Gabel mit dem Kuchen mitten in der Luft an und schaute ungläubig auf. Sein Mund war Braun verschmiert. Mr. White ärgerte sich schon wieder.

»Ja, Sie.« Gus schmunzelte, »Sie haben diesen Schokoladenkuchen bestellt? Das ist der Hundertste in diesem Monat - herzlichen Glückwunsch! Wenn Sie fertig sind, kommen sie bitte in mein Büro um sich ein kleines Präsent abzuholen?«

»Yo, den hat aber Mr. White bestellt.« sagte Jesse, »Und überhaupt, wollten wir nicht eigentlich«

Gus Augen funkelten und Jesse schwieg.

»Achso... ja, danke.«

»Der liebe Herr Vater möchte Sie vielleicht begleiten?« Gus legte seine Hand auf Mr. Whites Schulter und schmunzelte jetzt wieder sein Angestelltenlächeln. »Ich warte dann, zweite Tür, mein Name ist daran angebracht, Sie dürften es nicht verfehlen.«

Mit diesen Worten lies er von ihnen ab und ging mit gerader Haltung zurück in sein Büro.

»Jesse!« flüsterte Mr. White wütend, »Denk - doch - bitte - mit!« er beugte sich über den Tisch und fasste Jesse mit beiden Händen am Kopf.

»Yo, lassen Sie das!« Jesse wich verärgert zurück und einige Köpfe wandten sich um.

»Alles in Ordnung.« versicherte Mr. White und grinste übertrieben unschuldig - die Köpfe wandten sich schnell wieder ab und Mr. White blickte zu Jesse.

»Ich war schon auf der Straße yo, da haben sie noch brav Formeln an die Tafel geschmiert!« flüsterte er aufgebracht, »Wenn Sie wüssten-«

»Ja, ja!« Mr. Whites zweites "Ja" war schon fast wieder gerufen, »Verstanden. Iss jetzt den bescheuerten Kuchen und wir holen dein Präsent.«

Jesse blickte finster auf und aß von seiner Torte.

»Yo, Sie sind doch jetzt mein "Vater", in diesem - Rollenspiel oder was. Da können Sie ruhig ein bisschen netter zu mir sein, yo! Sonst glaubt das wieder keiner!«

»Keine Sorge, Jesse. Ich kenne die Rolle des Vaters sehr wohl.« flüsterte Mr. White, »Und jetzt iss. Sohnemann.«

Als Jesse fertig war bezahlte Mr. White und sie standen auf und gingen in den hinteren Bereich.

»Gustafo Fringe - Geschäftsleitung« stand auf einem Schild an der Tür. Mr. White klopfte an.

»Wer ist derjenige der klopft? Kommen Sie rein.«

Mr. White machte die Tür auf. »Ich bin der der klopft.« Sie traten ins Büro und Mr. White machte wieder zu.

»Walter White.« sagte Gus und zum ersten mal heute redete nicht der Fast-Food-Restaurant Leiter sondern der Drogenboss. »Und der Partner - ich vergesse immer den Namen.«

»Jesse Pinkman.« sagte Jesse.

»Ach ja- Pinkman wie... Pinker Mann.«

Jesse runzelte die Stirn. »Na und?«

Gus erhob sich aus seinem Sessel und Jesse wich zurück, doch nun wandte sich Gus an Mr. White.

»Wie auch immer Walter.« redete er und faltete die Hände hinter seinem Rücken. »Heute gebe ich Ihnen einen Spezialauftrag. Sie müssen ein wenig - niederere Arbeit erledigen. Werden aber reichlich bezahlt.«

»Weniger Arbeit für mehr Geld, sagen Sie?« Mr. White blickte ungläubig. »Wie geht denn das?«

»Niederere Arbeit ist nicht gleich weniger Arbeit. Es ist etwas, wo man sich die Hände schmutzig macht und bei Zeiten kann es sogar gefährlich werden.«

»Gefährlich? Wovon reden wir?«

»Ein Käufer - ein Großkäufer - in einem Problemviertel. Er verkauft unsere Ware an die Leute dort. Sie müssen sie nur zu ihm liefern. Er macht den Rest.«

»Und was ist daran der Haken? Was ist gefährlich?« fragte Mr. White.

»Zum ersten.« sagte Gus, »Ist das nicht die Art von Arbeit die sie normalerweise verrichten. Mein Mann dafür ist in Mexiko, und muss dort unerwartet - länger verweilen. Deshalb werde ich Ihnen auch großzügig zahlen. Und die Gefahr - in solchen Vierteln kann doch immer was passieren. Ich sagte, es kann gefährlich werden - es muss nicht zwingend passieren, verstehen Sie?«

»Wie viel zahlen Sie?« fragte Mr. White.

»Fünftausend Dollar. Pro Kopf.«

»Einverstanden.«

»Dann sind wir uns einig?«

»Das sind wir.«

»Nun denn - Auf Wiedersehen, Walter White.«

»Auf Wieder-«

»Krieg ich jetzt ein Geschenk, yo? Für den hundertsten Kuchen, wissen Sie noch?«

Mr. White blickte zu Jesse und überlegte ob er sein Gehirn heute eingeschalten hatte.

»Das Geschenk« Gus Augen leuchteten auf, »Existiert natürlich nicht. Mr. Pinkman. Auf Wiedersehen.«

Mr. White und Jesse machten die Tür auf.

»Und noch etwas!« hörten sie noch Gus Stimme ehe sie gingen, »Einer meiner Männer erwartet sie am Parkplatz.«

Mr. White schloss die Tür. »Ein Geschenk... Jesse... Wie auch immer - was sagst du? Extraarbeit für mehr Kohle? Ist in Ordnung, oder?«

»Ja, ist cool, yo. Für nen Tausender echt wenig Arbeit.«

Sie traten ins freie - die Hitze wallte.

»Was für ein Mann erwartet uns jetzt?« fragte Jesse.

»Wahrscheinlich der.« Mr. White nickte zum einzigen der sich am Parkplatz befand.

Sie gingen auf ihn zu. Als sie nur noch wenige Schritte von ihm entfernt waren erkannte Mr. White ihn wieder - es war der gute alte Freund und Stammkunde Jeff mit der Kappe.

»Hallo. White?«

»Richtig.«

»Pinkman?«

»Yo.«

»Ich bringe sie zum Viertel und außerdem transportiere ich die Ware. Können wir?«

»Moment - ich möchte meinen Wagen hier nicht stehen lassen.« sagte Mr. White.

»Dann fahren sie meinem Wagen in ihrem Wagen hinterher.«

»Aber Hey - Mr. White - in solchen Vierteln... da ist der Wagen hier sicherer, glauben Sie mir.« warf Jesse ein.

»Und wie soll ich ihn dann wieder von hier abholen?«

»Hören Sie zu.« sagte Jeff, »Wir machen es so: jeder von ihnen bringt seinen Wagen nach Hause oder wo immer sie auch wollen. Und um 17:00 - es ist jetzt 16:35 - treffen wir uns im Stadtpark von Albuquerque. Von dort an fahre ich.«

»Alles klar.« sagte Jesse.

»Moment - 17:00 - da wollte ich schon zu Hause sein!« rief Mr. White dem das gerade erschrocken bewusst wurde.

Jeff zuckte mit den Schultern. »Ich bin dort.« Dann ging er zu seinem Wagen.

»Weicheier.« murmelte er.

»Yo, dann schreiben Sie ihrer Alten einfach schnell eine SMS, wo Sie sind!« sagte Jesse.

»Und wo wäre das mein lieber Jesse? In einem Problemviertel, wo ich Drogen abliefere?!«

»Nein... Überlegen Sie... Sie haben einen alten Freund getroffen und sind ins reden gekommen. Schreiben Sie, Sie sitzen im Kaffeehaus und kommen später!«

Mr. White dachte nach. »Na gut... Okay. Wir sehen uns im Park.«

Jesse winkte und lief zu seinem Auto. Mr. White stieg ein und nahm sein Handy aus der Jacke.

"Hey Schatz - Rate mal wen ich heute in der Stadt getroffen hab: Michael Adams. Mein alter Kollege aus Graymatters-Zeiten! Ich wollte dich nur wissen lassen, das ich mit ihm in ein Kaffeehaus gegangen bin - du glaubst ja nicht, was es alles zu erzählen gibt! Könnte heute später werden - ich liebe dich, Kuss."

Mr. White überflog die Nachricht zweimal und klickte auf senden. Dann schluckte er den Kloß in seinem Hals runter und fuhr los.

Nachdem er das Auto Zuhause abgestellt hatte - Skylers Wagen war dem Himmel sei dank noch nicht da, begab er sich schnellen Schrittes in den Stadtpark von Albuquerque. Dort stand ein schwarzer Wagen, in dem Jeff und Jesse saßen. Mr. White stieg vorne ein.

»Können wir losfahren?« fragte Jeff.

»Fahren Sie.« Mr. White blickte unbehaglich aus dem Fenster.

Während der Fahrt wurde weder Radio gespielt noch ein Wort gewechselt. Bald erreichten sie das Viertel. Jeff hielt an einem großen, dreckigen Haus.

»Ich halte hier an. Nehmen Sie die Ware und gehen sie immer weiter die Straße entlang, bis zur Brücke. Unter der Brücke läuft der Deal. Ich warte hier.«

Mr. White und Jesse stiegen aus und nahmen das Meth aus dem Kofferraum - jeder von ihnen trug einen Sack.

Sie gingen schnellen Schrittes durch das verdreckte Viertel. Der Himmel war bedeckt. Katzen schrieen und aus der Ferne hörte man wie eine Mülltonne umkippte. Am Gehsteig waren wenige Leute, keine Autos fuhren auf der Straße.

Mr. White war nervös. Er merkte, das seine Hand schwitzte, und umfasste den Sack mit dem Meth fester. Er hoffte inständig das sie an der Brücke ankamen, dort ein sympathischer Kerl auf sie wartete, das Meth nahm und sie wieder gingen und er kurz darauf in seinem Wohnzimmer saß und mit Skyler die Abendschau im Fernsehen ansehen konnte. Genauso würde es ablaufen...

»Halt!« rief plötzlich eine krächzende männliche Stimme.

Jesse fuhr zusammen.

»Geh einfach weiter.« murmelte Mr. White.

Sie gingen noch schneller, doch Mr. White merkte bald das der Urheber der Stimme sie verfolgte. Er wurde immer schneller und schließlich musste er direkt hinter ihnen sein, also hielt Mr. White an und drehte sich um.

»Brauchen Sie etwas?«

Der Mann war so überrascht das Mr. White anhielt das er fasst ihn in hineinrannte - er kam seinem Gesicht so nahe das Mr. White überdeutlich die Alkoholfahne und das Nikotin roch.

Der Mann sah schmuddelig aus, hatte fettendes, kümmerliches Haar, von Narben gegerbte Haut und - als er den Mund zu einem Grinsen öffnete, sah man es - schwarze, faulende Zähne.

»Brauchen Sie etwas?« wiederholte Mr. White bemüht höflich. Er spürte wie Jesse dicht neben ihm stand und leicht zitterte. Er verstand es - so dämlich armselig dieser Mann auch wirkte, er könnte eine Machete eingesteckt haben die ihm mit einem Schnitt den Kopf abtrennen würde.

»Ich, ja, ich brauche etwas!« lallte der Mann.

»Und das wäre? Wenn ich ihnen dabei nicht helfen kann, dann lassen sie mich um Himmels Willen bitte in Frieden.«, sagte Mr. White - seine Stimme klang fest, das Zittern darin war kaum zu vernehmen.

»Ich will das da!« der Mann zeigte auf Jesse.

Jesse schnappte nach Luft.

»"Das da" ist mein Partner, und den gebe ich dir nicht.« sagte Mr. White. Er wünschte er hätte irgendetwas womit er sich verteidigen könnte.

»Nicht den, das was er anhat - das Schwarze, das da!« er rülpste und betatschte Jesses Gelee.

»Hey, verpiss dich, yo!« rief Jesse und wich zurück.

»Kein Grund durchzudrehen! Alles Easy!« der Mann nahm die Hände weg, »Aber du ziehst das jetzt besser aus, du Pisser, sonst-« und er tat das wovon es Mr. White von Anfang an gegraut hatte: er griff in seine Hosentasche und zog ein Stanley-Messer heraus.

»Oh, oh.« machte Jesse.

»Halt, halt, halt - lassen Sie das!« sagte Mr. White panisch, »Das bringt doch nichts!« Und dann plötzlich fiel es ihm ein - er griff in seine Jacke, nahm den Schlüsselbund, formte eine Faust und stach dem Mann damit ins Gesicht.

»Ahh!« der Mann schrie und ließ das Messer fallen - Mr. White trat mit dem Fuß darauf. »Und jetzt verschwinde!« sagte er finster. Der Mann ließ sich das nicht zweimal sagen und rannte - ohne seinem Messer - davon.

Mr. White blickte zu Jesse, der ihn mit offenem Mund anstarrte. »Gehen wir? Wir haben einen Deal zu vollführen.«

Und sie gingen weiter. Mr. White mit einer großen Portion Selbstvertrauen mehr.

Bald sahen sie die hohen steinernen Pfeiler der Brücke. Darunter war Dunkelheit. Mr. Whites Zuversicht bröckelte wieder ein wenig.

Unter der Brücke war es feucht und man konnte fast nichts sehen. Wasser tropfte herab und ein Tropfen erwischte Mr. White genau im Nacken. Er schauderte und wünschte sich an einen anderen Ort - "Komm schon! Reiß dich zusammen!" dachte er dann, tat einen Schritt vorwärts und sagte:

»Hallo? Jemand hier?«

»Bist du einer von Gus Leuten?« kam die Antwort. Der der sprach verbarg sich in der Dunkelheit und musste links hinter ihnen stehen. Es war eine raue Männerstimme. Mr. White drehte sich um.

»Zeig dich bitte. Wir sind von Gus geschickt worden ja.«

»Ihr habt also das Zeug.« der Mann trat aus der Dunkelheit. »Sehr gut. Gus hat gesagt Jimbo wäre noch in Mexiko? Ich hoffe es geht ihm gut...«

»Das weiß ich leider nicht. Hier.« Mr. White reichte ihm das Meth, Jesse tat es ihm nach.

»Sehr gut... Reinste Ware.« sagte der Mann und schulterte die Säcke.

»Das Zeug ist der Bringer, yo, voll die Bombe.« sagte Jesse.

»Du musst mir den Stoff nicht schönreden, Kleiner. Ich weiß wie gut er ist. Also... Fünftausend für dich, und fünftausend für dich. Zählt schnell nach, ich muss weiter.«

Mr. White zählte die Scheine rasch ab und kontrollierte zur Sicherheit auch das Päckchen von Jesse. Dann verabschiedete er sich von dem Mann und sie gingen. Der Deal war vollbracht.

»Es ist jetzt 17:38!« sagte Mr. White als sie schnellen Schrittes zurück zu Jeff gingen, »Dann bin ich - warte mal, sieben Minuten zum Auto, zehn Minuten zum Park, zehn Minuten vom Park zu meinem Haus - spätestens um 18:15 zu Hause. Na schön.« er zückte im gehen sein Handy um nachzusehen, ob Skyler ihm eine Nachricht geschickt hatte, doch dem war nicht so. Gerade packte er es wieder weg, da grölte jemand und durchriss die Stille.

»Da - da sind sie! Die beiden!«

Mr. White riss den Kopf nach oben. Vier männliche Gestalten - bewaffnet mit Schlägern und Messern - stürmten auf ihn und Jesse zu. Unter ihnen war auch derjenige, den er mit dem Schlüsselbund abwimmeln konnte. Doch jetzt waren es vier - doppelt so viele wie er und Jesse - und sie hatten die Waffen bereits gezückt.

»Verfluchte Scheiße, Mann!« rief Jesse, »Lauf, Mr. White, lauf!«

Sie stürmten los. Mr. White rannte vor, Jesse zunächst neben ihm, dann knapp hinter ihm. Die wütende Meute verfolgte sie weiter und brüllte wüste Beschimpfungen.

Mr. Whites Lungen stachen und er hustete doch er rannte trotzdem weiter - in der Ferne sah er bereits Jeffs Auto. Es blinkte! Jeff hatte gesehen was los war - er würde ihnen helfen können.

Mr. White wollte seine letzte Ausdauer gerade für einen finalen Sprint hinlegen, da vernahm er einen dumpfen Aufprall hinter sich am Boden.

Er wandte sich um - Jesse lag, den Kopf nach unten, alle viere von sich gestreckt, auf der Straße - neben seinem Kopf lag ein Baseballschläger - einer der Männer musste ihn nach vorne gepfeffert haben. Unter seinem Kopf rann Blut zu einer kleinen, glänzenden Lacke zusammen.

Mr. Whites Kopf war wie betäubt. Er hörte ein Rauschen in seinen Ohren, er nahm Jesse, der sämtliche Gliedmaßen schlaff hängen ließ, unter den Armen und rannte so weiter zum Auto.

Er wusste nicht mehr genau wie und was aber er schaffte es, Jesse auf den Rücksitz zu legen und die Schlägertypen mit Jeffs Hilfe abzuwimmeln (Jeff drohte mit seiner Schusswaffe).

»Wie ist das passiert? Warum haben diese Typen euch gejagt?« fragte Jeff immer wieder während er schnell mit dem Auto durch die Stadt fuhr. Mr. White hörte nicht zu - in seinen Ohren lag ein schriller Pfeifton. Er saß auf der Rückbank und hatte Jesses Kopf auf seinem Schoß.

Jesse. Warum immer er? Er nahm vorsichtig die Haube von seinem Kopf. Seine blonden Haare waren verschwitzt und an der einen Stelle blutrot. Da war eine kleine Platzwunde. Er atmete ruhig. Mr. White spürte den Atem auf seiner Handfläche.

»Soll ich euch ins Krankenhaus fahren?«

»Nein.« sagte Mr. White und seine Stimme klang nun fremd und laut für ihn, »Fahr mich nach Hause - nicht direkt. Ich sag dir den Weg an. Eine Straße zu früh lässt du uns raus.«

»Wenn Sie so wollen.«

Mr. White hatte es sich gründlich überlegt. Er fühlte sich schuldig für das was Jesse passiert war - er hätte vielleicht nicht so voraus stürmen dürfen, oder den Mann erst gar nicht verletzten - er hatte sich entschlossen, Jesse mit nach Hause zu nehmen und sich dort um ihn zu kümmern.

Was er Skyler sagen würde, hatte er noch nicht so genau im Kopf. "Jesse Pinkman, du weißt schon, mein ehemaliger Schüler - wir haben ihn, als wir aus dem Kaffeehaus gegangen sind, so aufgefunden." Passte das so? Mr. White konnte sich nicht vorstellen das seine Frau ihm das so leicht abkaufen würde. Nicht Skyler. Nicht in letzter Zeit.

Plötzlich regte sich etwas auf seinem Schoß. Jesse hob den Kopf.

»Verdammt. Wo zur Hölle bin ich? Mr. White... Yo, Hey, was machen Sie denn hier? Auuu, mein Schädel...«

»Jesse!« Mr. White packte Jesse bei den Schultern und blickte ihm in die Augen. Jesses hellblaue Augen blinzelten ihn schwach an. »Was ist das letzte, an das du dich erinnern kannst?«

Jesse griff sich nachdenklich auf den Kopf und fuhr blitzartig wieder weg. »Mann ich blute ja!« schrie er.

»Jesse, Greif nicht auf die Wunde!«

»Welche Wunde, yo?«

Mr. White schluckte heftig und nahm Jesses Hände. In seinem Kopf ratterte es. Sie kamen seinem Haus immer näher. Offenbar hatte Jesse eine leichte Gehirnerschütterung. Er erinnerte sich an nichts - oder vielleicht noch nicht. Mr. White würde später mit ihm darüber reden.

»Du hast eine Platzwunde am Kopf.« sagte er ruhig und Jesses Augen weiteten sich ängstlich, »Du kommst jetzt mit mir nach Hause und ich kümmere mich um dich.«

»Okay... Danke, Mr. White.«

»So, ich lasse Sie hier raus, in Ordnung. Das ist die Straße.«

Mr. White hob den Kopf. »Danke vielmals.«

Sie stiegen aus. Mr. White blickte kurz auf seine Armbanduhr: es war bereits 18:21. Der Himmel vergraute sich schon. Er stützte den schwachen Jesse und sie gingen die Straße entlang zum Haus der Whites.

»Yo... Ich glaub ich erinnere mich schon langsam...« murmelte Jesse plötzlich.

»Ach ja?«

»Ja... Da war dieser Deal, yo. Fünftausend Dollar. Dann sind wir gerannt.«

»Genau. Sehr gut, Jesse. Dir geht's bald wieder besser.«

Sie betraten das Grundstück. Jesse schnaufte. Mr. White schluckte als er Skylers Wagen sah. Im Wohnzimmer brannte Licht.

»Yo, Mr. White, mir fällt ein - ihre Frau. Ist das cool, ich meine geht das in Ordnung das ich mitkomme?« sagte Jesse.

»Ehm, ich schätze sie wird nichts dagegen einwenden können. Du bleibst bitte still und redest nur wenn sie dich fragt. Ich hab dich so gefunden, okay? Überlass das meiste Reden mir. Vielleicht geht ja alles gut.« Mr. White kramte nach dem Hausschlüssel, drehte ihn im Schloss um und öffnete die Tür.

Skyler saß am Sofa und sah fern. Vor ihr am Couchtisch stand eine Tasse aus der es dampfte. Sie blickte zur Tür - nicht schnell genug, als wäre sie besorgt über seinen Verbleib gewesen.

»Hallo Schatz!« Mr. White bugsierte Jesse herein und schloss die Haustür.

»Wer ist das?« fragte Skyler schockiert.

»Das ist Jesse Pinkman.« sagte Mr. White, »Er-«

»Hi Mrs. White.«

»Er-«

»Wieso blutet er am Kopf?«

»-Das wollte ich gerade erklären. Du weißt ja - hast du die SMS gelesen?«

»Was? Ja gerade eben.« sagte Skyler nebensächlich, »Ich bin gerade erst heimgekommen.«

»Hat die Maniküre länger gedauert? Diese Dame tratscht immer so viel.« sagte Mr. White und lächelte.

»Nein tut sie nicht. Und nein, hat sie nicht.«

»Wo warst du denn?«

»Fort.« sagte Skyler kalt.

»Ach so...« kurz fehlten Mr. White die Worte. »Ich hab Jesse jedenfalls verletzt gefunden, und musste ihn mitnehmen. Er hat eine Platzwunde am Kopf.«

»Hast du kein Zuhause? Wo sind deine Eltern?« fragte Skyler und trank von ihrer Tasse.

Stille. Mr. White schämte sich für Skyler - wie konnte sie so etwas fragen? Jesse schwieg und blickte zu Boden.

»Seine Eltern wohnen ganz weit weg - Skyler ich musste dem Jungen doch helfen! Er blutet, er ist am Kopf verletzt!«

»Schon klar. Leg dich hin.« sagte sie gleichgültig, »Ich hole etwas Eis.«

Skyler ging aus dem Wohnzimmer um Eis zu holen.

»Leg dich auf die Couch.« sagte Mr. White, »Warte, ich zieh dir das Gelee aus.« Er half Jesse aus der Kleidung und legte ihm einen Polster unter den Kopf. Skyler kam mit dem Eis und sie legten es kühlend auf die Wunde. Dann ging sie in die Küche, als ob sie Jesses Gegenwart entfliehen wollte. Mr. White ging ihr nach. Er hoffte, sie würde jetzt mit ihm reden.

»Was ist los?« fragte er.

Skyler drehte sich um. Sie blickte ihm direkt in die Augen. »Du fragst mich - du fragst mich was los ist?«

Mr. White öffnete den Mund.

»Du kreuzt hier mit einem fremden Typen auf, der eine Platzwunde am Kopf hat - warum auch immer - und den du glücklicherweise getroffen hast und dich jetzt entschlossen hast, mit nach Hause zu schleppen? Und - und Michael - Michael wohnt in South Carolina! Du hast ihn also ganz zufällig hier getroffen und ihr seid in ein Kaffeehaus gegangen? Und wenn ich jetzt frage in welches?«

»Skyler...«

»Vergiss es. Ich brauch eine Zigarette.«

»Skyler -« Mr. White langte nach Skylers Armen.

»Fass - mich nicht an!« fauchte sie. »Ich weiß nicht was aber irgendetwas stinkt hier gewaltig.«

»Bitte Schatz, ich lüge doch nicht!« flüsterte Mr. White.

»Und warum fühlt es sich dann so an?« fragte Skyler leise.

»Lass uns reden.«

»Worüber denn? Worüber Walt? Und ganz bestimmt nicht hier und jetzt wenn dieser Typ auf der Couch liegt und wahrscheinlich jedes einzelne Wort mithört!« die letzten Worte flüsterte sie.

»Das ist das nächste - wie stellst du dir das überhaupt vor mit ihm? Soll er heute hier übernachten? In-« Skler schnappte nach Luft, »in meinem Wohnzimmer? Und wenn Walter Junior morgen heimkommt? Und ihn da schlafen sieht? Was erzählst du ihm dann?«

»Das was ich dir erzählt habe - die Wahrheit!« sagte Mr. White energisch.

Im selben Moment fing Holly an zu weinen. Skyler schloss die Augen und atmete tief aus.

»Ich mach das schon.« sagte Mr. White ruhig, »Geh von mir aus raus eine Zigarette rauchen. Ein wenig frische Luft tut dir bestimmt gut.«

Skyler wandte sich ab ohne ihm einen letzten Blick zu schenken, fischte die Zigarettenschachtel von der Kommode, riss die Haustür auf und warf sie hinter sich zu.

Mr. White fuhr sich über den Kopf. Er nahm die Brille ab und drückte sich mit Daumen und Zeigefinger fest auf den Nasenrücken. Dann setzte er sie wieder auf und ging zu Holly ins Kinderzimmer.

»Hallo Schatz« er griff ins Gitterbett und hob sachte das Baby heraus, »Kleine Maus. Was ist denn? Hast du Hunger?« Mr. White gab ihr einen Kuss auf den kleinen, runden Kopf, »Oder - oh oh« er fasste nach der Windel, »Hatten wir ein kleines Missgeschick? Ich mach das schon...«

Während er Holly wickelte dachte Mr. White nach. Er dachte an Skyler. Und er überlegte, wann der Zeitpunkt gewesen war, von wo an Skyler nicht mehr war wie früher. Von wo an sie angefangen hatte, ihm zu misstrauen.

Als Holly frisch gewickelt war, war sie so fit, das Mr. White sie mit ins Wohnzimmer nahm. Er setzte sich neben Jesses Füße auf die Couch. Der Fernseher lief noch immer. Irgendeine dumme Talkshow. Mr. White nahm mit der einen Hand die Fernbedienung und switchte durch die Sender. Bei einer Tierdokumentation hielt er an, legte die Fernbedienung zurück auf den Tisch und drückte Holly an sich.

»"Wie bei allen Menschenaffen mit Ausnahme des Menschen sind die Arme deutlich länger als die Beine, die Spannweite der ausgestreckten Arme beträgt 2 bis 2,75 Meter. Gorillas haben sehr breite Hände mit großen Daumen. Auch die Füße sind breit, die Großzehe ist wie bei den meisten Primaten opponierbar."« sprach der Moderator und es wurden Bilder von Gorillas gezeigt, die durch den Urwald streiften.

»Die haben's einfach, was?« Mr. White gab Holly einen Kuss.

Plötzlich regte sich Jesses Fuß, dann drehte er sich und setzte sich aufrecht hin. »Yo... Danke für das Eis.« sagte er und starrte mit glasigen Augen auf den Fernseher, »Mir geht's schon besser, ich - Hey, wer bist denn du, yo?« sagte er mit veränderter Stimme und blickte freudig zu Holly.

»Das ist Holly, meine kleine Tochter.«

»Sie haben nie was erzählt, yo!«

»Du hast nie gefragt.« sagte Mr. White und schmunzelte.

»Ach kommen Sie.« Jesse strahlte von Holly zu Mr. White, »Darf ich sie mal nehmen, yo? Ganz kurz?«

»Aber sicher.« Mr. White nahm Holly unter den Achseln und reichte sie Jesse.

Als Jesse sie nahm fing sie nicht zu weinen an. »Hey Holly... Wie geht's dir, yo? Ich bin's, Onkel Jesse!« redete er.

Mr. White lächelte. »Onkel stimmt hier nicht ganz, aber sie scheint dich sehr zu mögen.«

»Echt, yo?«

»Na sicher, sie nur, sie strahlt. Ich bin mir sicher du-«

Die Haustür ging auf. Skyler war zurück. Jetzt stand sie da und starrte mit einem nicht hundertprozentig deutbaren Ausdruck im Gesicht zu Jesse.

»Walt.«

»Skyler bitte.«

»Warum ist sie nicht im Bett?«

»Sie ist gar nicht müde, yo!« sagte Jesse, »Ich glaub sie will noch ein bisschen aufbleiben-«

»Nein, das kannst du nicht wissen, yo.« sagte Skyler angespannt und nahm Jesse Holly weg, »Und ich bring sie jetzt ins Bett, yo!« Dann schritt sie in Richtung Kinderzimmer.

Peinliche Stille herrschte.

»Ich hole dir eine Decke.« sagte Mr. White und stand auf.

»Okay.« Jesse nickte.
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