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Das Herz der sieben Schwestern

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
Asuna Kirito Leafa Sinon Yui
11.07.2015
25.03.2018
20
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19.02.2017 3.035
 
Eigentlich hatten sie beschlossen, heute von Pranta aus aufzubrechen und gemeinsam mit Agil die ersten Kilometer ihrer Reise anzutreten. Nur war ihnen dieses Vorhaben glatt vergangen, nachdem sie die heutige Tageszeitung auf dem Tisch liegen hatten.
Mit besorgtem Blick beugten sich die drei Jungs über die Titelseite, auf der in großen Lettern die Schlagzeile „Königspaar kaltblütig ermordet!“ prangerte. Und darunter war direkt ein altes Bild der ehemaligen Herrscher abgebildet. Kirito war jetzt schon flau im Magen, wenn er nur daran dachte, was das mit Asuna machte, sobald sie es zu Gesicht bekam. Er wusste selbst, was für eine große Bürde es war, mit dem Tod seiner Familie umgehen zu müssen. Und auch wenn er sich nicht direkt in ihre Lage versetzen konnte, wusste er genau, was das für eine Belastung sein würde, nun von Seiten der Medien immer wieder daran erinnert zu werden. So ganz konnte er die Prinzessin nicht einschätzen. Erst wirkte sie depressiv und in sich gekehrt, doch seit ihrem letzten Kampf hatte sich etwas in ihr gewandelt. Was auch immer es letztendlich war, er hoffte, es würde noch eine Weile anhalten. Denn so sehr er sich auch bemühte, war Kirito nicht ganz klar, ob es im Bereich seiner Möglichkeiten lag, ihr Herz von diesem Kummer zu befreien.
Jedenfalls kehrte er mit seinen Gedanken relativ schnell zurück zu dem Problem, vor dem sie hier standen. Bei einer solch großen Angelegenheit würde einfach jeder darüber sprechen. Dieses Thema war mit Sicherheit bereits in aller Munde, während sie sich beratschlagten.

„Vielleicht sollten wir uns noch ein paar Tage gedulden. Für den Fall, dass wir unseren Verfolgern nur allzu bald wieder über den Weg laufen, müssen wir gefestigt sein. Und dass man das hier nicht so leicht verdaut, dürfte wohl auf der Hand liegen.“ Agils Einwand klang schon gerechtfertigt und doch herrschte bedauernde Stille. Bislang hatten sie zwar keine Zeitvorgabe, wie schnell sie die anderen Mädchen finden mussten, doch eines war dabei klar: Je länger sie brauchten, desto mehr würde Queen Titania unter diesem Oberon leiden müssen, dem sie schutzlos ausgeliefert war.
„Ich weiß ja, ich weiß“, unterbrach Agil die Trauerstimmung, „Aber sich Hals über Kopf und unüberlegt in Gefahr zu stürzen, wird auch niemandem helfen. Seid euch dessen bewusst. Ihr habt euch dieser Aufgabe freiwillig angenommen, also müsst ihr auch mit den Konsequenzen leben.“

Die Hand, die sie nach der Türklinke ausgestreckt hatte, ließ sie kraftlos wieder sinken, nachdem sie diese Worte gehört hatte. Eigentlich war Asuna drauf und dran gewesen, vor die Jungs zu treten und ihnen mit einem Lächeln zu versichern, ihr ginge es gut. Sie müssten keine Rücksicht darauf nehmen, was der Medienrummel verursachte. Doch irgendwas hatte sie in letzter Sekunde davon abgebracht.
Ob sie in ihr nicht viel mehr als ein kleines Mädchen sahen, das es zu beschützen galt? War sie für die Gruppe nur eine Last, die unnötigerweise mitgetragen werden musste? Einen Augenblick verharrte sie vor der angelehnten Tür, ehe sie hastig kehrt machte und zurück zum Wohnzimmer lief. Sie musste dringend an die frische Luft.
Yui, die im Augenwinkel einen Schatten an der Tür vorbeihuschen sah, tippte ihrem Papa vorsichtig an die Wange.
„Duuu, Papa? Ich glaube, sie hat euch gehört.“
„Wie?“

~

Es dauerte einige Minuten, bis sich Kirito ebenfalls über die Veranda nach draußen in den Garten traute. Zwar hatte er nichts Falsches gesagt, trotzdem kam er sich wie ein Schwerverbrecher vor, hinter ihrem Rücken über Asuna geredet zu haben. Vor allem, weil sie ja anscheinend alles mitbekommen hatte. Regungslos stand sie dort und schaute in die Ferne. Ihr Blick wirkte tiefgründig, so als könnte keiner sagen, was in diesem Moment in ihr vorging. Und der Spriggan wagte auch nicht, sie anzusprechen. Was sollte er auch sagen? „Nimm’s nicht so schwer“? „Kopf hoch, wir sind alle nur Menschen“? „Es kommen bessere Zeiten“?
Irgendwie wirkte alles so seltsam abartig und unpassend auf ihn. Als könnte ein falsches Wort dieses gebrechliche Wesen vor ihm, dessen blaues Haar in der leichten Frühlingsbrise tanzte, mit einem gezielten Schlag zerstören.
„Sag, Kirito-kun“, nahm sie ihm diese schwere Entscheidung letztendlich ab, aber ohne ihn dabei anzusehen, „ Glaubst du, wir haben eine Chance?“
Er antwortete nicht, blieb nur stumm auf der Stelle stehen und beobachtete sie.
„Ich meine, ich möchte damit nicht dich, Klein-san oder sonst irgendjemanden kritisieren. Ich verdanke euch schließlich alles und ohne eure Hilfe wäre ich bestimmt schon nicht mehr da. Aber irgendwie werde ich den Gedanken nicht mehr los, dass das alles total unwirklich ist.“
Ihre Augen spiegelten etwas Trauriges wider. Hatte das mitgehörte Gespräch sie doch mehr getroffen als er zu Anfang dachte? Doch wieder hüllte er sich in Schweigen.

„Du hast meine Schwester gehört. Sie sagte uns, in mir würden die Kräfte einer Anführerin, einer wahren Heldin, schlummern. Dabei bin ich nicht mehr als ein verzogenes Balg, das nichts allein auf die Reihe bekommt. Es ist so wahnsinnig.“
Ein unsicheres Lachen kam ihr über die Lippen, obwohl sie so verzweifelt aussah.
„Bis vor ein paar Tagen war meine größte Sorge noch, mit wem meine Eltern mich wohl in einer schwachen Minute verloben wollen. Insgeheim hat es mich immer aufgeregt, weil ich nicht selbst über mein Leben bestimmen darf. Und jetzt, wo ich plötzlich alle Karten selbst in der Hand halte, will ich diese Verantwortung gar nicht mehr. Ob es eine gute Idee ist, jemandem wie mir solch eine Aufgabe anzuvertrauen? Ich möchte niemanden enttäuschen, aber wie kann ich sicher sein, jedermanns Erwartungen zu erfüllen?“

Endlich drehte sie sich zu ihm um, musterte ihn mit einer Mischung aus Trauer und Hilflosigkeit im Blick. Ihre Finger klammerten sich um einen Anhänger, den sie um den Hals trug und erst jetzt fiel ihm auf, was genau sie da überhaupt in den Händen hielt. Kiritos Herz schlug spontan ein paar Takte schneller, als er auf Anhieb den kleinen Schmuckstein erkannte, den er ihr damals zum Trost und als Glücksbringer geschenkt hatte, um ihre Tränen zu trocknen. Dieses kleine Ding, was bedeutungsloser nicht sein könnte, war immer noch bei ihr. Sie warf ihn nicht weg oder tauschte ihn gegen ein schöneres Collier, wie es einer Prinzessin wie ihr würdig wäre, sondern klammerte sich in Augenblicken der Unsicherheit an diesem Präsent von ihm fest. Er öffnete den Mund, wollte sie darauf ansprechen, bremste sich aber gerade noch so. Nein. Noch nicht. Er dürfte sich noch nicht zu erkennen geben, denn er war noch nicht stark genug.

„Es sollte nicht dein Ziel sein, die Erwartungen von irgendjemandem zu erfüllen. Sondern nur deine eigenen. Du hast diese Verantwortung nun, ja. Und du würdest sie an solchen Tagen gerne weiterreichen, wenn dich deine Notlage wieder in die Ecke drängt. Aber du darfst nicht vergessen, wieso du das hier tust. Du hast dich nicht überreden lassen, weil du es musst oder du die Einzige bist, die das kann, Asuna. Sondern weil du es selbst aus tiefstem Herzen willst. Mag sein, dass du etwas ungeschickt bist, nicht viel von der Welt da draußen weißt und dich nicht für gut genug hältst, um deinen eigenen Anforderungen gerecht zu werden. Das verlangt aber auch niemand von dir.“
Auf sein Gesicht legte sich ein warmes Lächeln und es war, als würde er damit all ihre Sorgen, all ihre Ängste, die bis eben noch so schwer auf ihr lasteten, mit einem Mal fortjagen.
„Wir sind schließlich Freunde und du kannst jederzeit auf unsere Hilfe bauen. Gemeinsam kriegen wir das schon irgendwie hin.“
Freunde...
„Kirito-kun...“

Gerade als sie die Hand nach ihm ausstrecken wollte, zog ein Kind ihre Aufmerksamkeit auf sich, das sich neugierig über den Gartenzaun beugte, was vom angrenzenden Gehweg aus gut möglich war. Es blinzelte die beiden aus seinen kugelrunden Telleraugen an und fragte anschließend: „Kommt ihr gar nicht mit zum Festplatz?“
„Zum Festplatz?“, wiederholte Kirito etwas dümmlich und tauschte verwunderte Blicke mit Asuna aus, die nur ratlos mit den Schultern zuckte.
„Ihr müsst unbedingt mitkommen! Die anderen sagen, das muss man gesehen haben!“
Mehr verriet der kleine Schlingel allerdings nicht, da er es anscheinend selbst sehr eilig hatte, zu besagtem Ort zu kommen.
Unschlüssig stand der Schwarzhaarige da und überlegte, was er davon halten sollte. Die Entscheidung nahm ihm seine Begleiterin aber recht zügig ab, indem sie seinen Ärmel schnappte und ihn mit sich zog.
„Komm schon, Kirito-kun! Lass uns Klein-san und Agil-san holen gehen und dann sehen wir uns an, was der Kleine gemeint hat.“

~

Gesagt, getan. Kurze Zeit später fand sich das Vierergespann auf dem Festplatz wieder, der in Pranta als zentraler Versammlungsort galt. Und tatsächlich hatte sich bereits eine beachtliche Menschentraube gebildet. Unzählige Elfen drängelten sich aneinander und tuschelten über die wildesten Vermutungen, was wohl der Anlass für diesen Auflauf sein möge. Anscheinend wusste niemand so recht, was hier stattfinden sollte. Es hatte wohl nur jemand die Botschaft verbreitet, sich hier zusammenzufinden.
Asuna schluckte und rückte unbewusst ein Stückchen näher an ihre Freunde heran. Solche Menschenmassen hatte sie noch nie zuvor gesehen. Zumindest nicht aus nächster Nähe. Ihre Eltern gaben vor einigen Jahren in unregelmäßigen Abständen noch Tanzveranstaltungen, auf denen sich auch immer zahlreiche Gäste aus gutem Hause einfanden. Da sie aber nie direkt dabei sein durfte, hatte sie den Anblick nur durch eine entfernte Fensterscheibe auf sich wirken lassen. Umso eindrucksvoller fühlte es sich an, einmal selbst Teil eines solchen Spektakels zu sein. Nur der gegebene Anlass hätte ein anderer sein können.

Denn nur wenige Sekunden, nachdem die große Turmuhr Sechs geschlagen hatte, kehrte auf einmal Ruhe in das Stimmengewirr und die Blicke richteten sich auf ein Podest, direkt vor dem Rathaus. Zuerst erschien ein heller Lichtstrahl, der aber mindestens genauso schnell wieder verblasste, wie er aus dem Nichts aufgetaucht war. Und aus dessen Ursprung zeichneten sich allmählich die Umrisse einer blassen Gestalt ab.
„Ein Hologramm?“, stellte Agil darauf fest und prompt meinte Asuna, ihr Herz würde vor Schreck einen Schlag aussetzen. Ein Hologramm? Könnte es sein...
Instinktiv griff sie nach dem Glücksbringer um ihren Hals und betete. Sie betete, gleich das Gesicht ihrer geliebten Schwester zu erblicken, die sich mit einem Hilferuf an das Volk wandte. Dass sich diese Welt nun auf einmal doch nicht mehr so leer und kalt anfühlte und sie auf einen Schlag Hunderte von Kameraden gewann, die ihr dabei halfen, den Kampf gegen die Feinde aufzunehmen.
Doch ihre Hoffnung wurde im Keim erstickt, als sie blondes Haar erkannte und diese stechend grünen Augen, die sie förmlich durchlöcherten. Sämtliche Kraft schwand ihr aus den Armen, die sie daraufhin nur schlaff herunterhängen ließ, wie versteinert die Silhouette von Oberon anstarrte, wie er sich vor der Menge verbeugte.
„Stimmt was nicht, Asuna?“
Kirito bemerkte erst jetzt das feine aber doch beständige Zittern ihres Körpers und legte ihr vorsichtig eine Hand auf die Schulter. Das schien sie gar nicht zu registrieren. Sie fokussierte nur gebannt den Elf auf dem Podest.

„Es freut mich sehr, dass Sie alle so zahlreich erschienen sind. Und nicht nur hier. In ganz Aincrad- Nein... In ganz Alfheim haben sich die Elfen versammelt, um meine Worte zu hören und dafür bin ich Ihnen zutiefst dankbar. Ich war lange Zeit selbst nur ein unbedeutender Sohn eines Bürokraten und lebte ein relativ bescheidenes Leben. Jedenfalls bis zum heutigen Tag. Mein Name lautet... Oberon.“
In diesem Moment fiel es Kirito und Klein wie Schuppen von den Augen. Oberon. Der Name des Mannes, der den Weltenbaum Yggdrasil bestieg, um Alfheims Schicksal komplett auf den Kopf zu stellen.
„Sie haben sich heute hier versammelt, damit ich Ihnen zunächst eine sehr traurige Botschaft übermittele. Wie Sie vielleicht bereits durch die Medien erfahren haben, ist das Königspaar um Ihre Majestät Shouzou-sama und seine Angetraute Kyouko-sama tödlich verunglückt. Ich kann mit Worten überhaupt nicht ausdrücken, was für eine grausame Laune Gottes es gewesen sein muss, die die beiden in der Blüte ihres Lebens aus unserem trauten Kreise riss und in die Ungewissheit des Todes gezogen hat. Deshalb möchte ich auch hier noch mal mein tiefstes Mitgefühl und Beileid für alle Elfen aussprechen, die zu den Herrschaften aufgesehen haben. Sie hinterlassen eine klaffende Lücke. Sowohl in unseren Herzen, als auch in Alfheim. Und so sehr uns die Gewissheit quält, uns nun endgültig verabschieden zu müssen, möchte ich Sie alle daran erinnern, dass auf ein Ende gewiss ein neuer Anfang folgt. Und mit dem Tod Ihrer Hoheit steigt ein neuer Herrscher wie der Phönix aus der Asche empor, um den freigewordenen Platz gebührend einzunehmen und alle Wesen dieser Welt in eine glorreiche Zukunft zu führen.“
Klein machte nur ein abschätziges Würgegeräusch und flüsterte ein leises: „Er wird es doch nicht wagen, das auszusprechen.“

Wieder erhoben sich die Stimmen der Zuschauer und ein allgemeines Gemurmel setzte ein, erschien neben dem Blonden doch tatsächlich das Abbild ihrer Wächterin, Titania. Ihr leerer Blick war stur nach vorne gerichtet und nicht ein Ton kam über ihre Lippen. Oberon stattdessen grinste siegessicher und lege einen Arm um die zierliche Gestalt neben sich.
„Ich, Prinz Oberon, werde Seite an Seite mit meiner geliebten Frau, Queen Titania, die Zügel in die Hand nehmen und die Folgen dieses gravierenden Unglückes in etwas Neues, etwas Einzigartiges wandeln. Dies, meine Damen und Herren, ist die Geburtsstunde einer neuen Ära und Sie alle sind Zeuge unseres gemeinsamen Aufstiegs geworden. Ich verspreche hiermit feierlich, Alfheim auf einen neuen Weg zu führen und diese Welt zu einem besseren Ort zu machen!“
Wie bei einer Art Hypnose zweifelten die Leute nicht eines seiner Worte an. Die Hände gingen in die Höhe und Jubelschreie tönten über den gesamten Platz. Es war, als hätte sich die Welt für einen Moment aufgehört zu drehen. So kam es jedenfalls Asuna vor, die permanent die leeren Augen ihrer Schwester vor sich sah. Spätestens jedoch bei dem  Geschrei um sich erwachte sie aus ihrer Schockstarre, drehte um und suchte schnellen Schrittes das Weite. Sie musste weg von hier. Nicht eine Sekunde länger hielt sie diesen Anblick aus, wie dieser Widerling Titania an sich drückte und sie es sich gefallen ließ, wie eine willenlose Puppe. Dieses geheuchelte Mitleid und die angebliche Trauer, die er verspürte, war doch nichts weiter als eine Schmierenkomödie für die, die nicht hinter seine schmutzige Fassade blickten oder wussten, dass in Wahrheit Oberon allein Schuld an dem Verscheiden der Königsfamilie hatte.

Wie von Sinnen marschierte sie durch die menschenleeren Straßen, befanden sich doch noch alle auf dem Festplatz, um dem selbsternannten Herrscher und König ihre Glückwünsche zu übermitteln. Nur die Rufe ihrer Freunde, die ihr hinterherliefen, kamen bei ihr an, doch auch die ignorierte sie geflissentlich.
Die junge Prinzessin fühlte sich, als sei eine Sicherung bei ihr durchgebrannt. Wo sie vorhin noch Unsicherheit und aufsteigende Trauer zu verdauen versuchte, war es nun geballte Wut.
„Asuna, jetzt warte doch!“
Selbst Kirito konnte ihre zügellosen Gefühle nicht besänftigen, obwohl er doch sonst wie ein Ruhepol auf sie wirkte. Dieser Anblick hatte ihr endgültig die Tragweite der ganzen Sache vor Augen geführt und es hinterließ einen ekelhaften Brechreiz bei ihr. Das widerwärtige Gefühl, hintergangen worden zu sein.
Zielstrebig trat sie auf einen mit Gras bewachsenen Hügel, der sich in der Nähe ihrer Unterkunft befand, blieb erst an der äußersten Stelle stehen und holte einmal tief Luft, bevor sie einen markerschütternden und für sie ungewöhnlich lauten Schrei in die aufkommende Nacht entließ.
Agil, Klein und Kirito hatten nur verblüfft hinter ihr angehalten und beobachteten das Schauspiel stumm. Zum ersten Mal war Asuna aus ihrer Haut gefahren, seit sie ihr begegnet waren.

Und als wolle der Himmel auf ihre nicht ausgesprochene Kampfansage antworten, blies ein Windstoß ihr die Kapuze vom Kopf, die sie schon seit ihrem Aufbruch vorhin getragen hatte. Wie bei einer Explosion traten ihre hellblauen Haare hervor, die in der untergehenden Sonne blitzten wie es sonst nur der Himmel am Tag schaffte.
Sekundenlang herrschte Stille und nur der Wind peitschte ihre Gesichter. Sekunden, in denen Asuna sich ihrer Entscheidung ein für alle Mal bewusst wurde.
So drehte sie sich zu den dreien um und schaute sie aus starken und selbstbewussten Augen an, wie man es von ihr gar nicht kannte.
„Oberon hat meine Schwester das letzte Mal verletzt. Anstatt Reue für den Tod meiner Eltern zu zeigen, stellt er auch noch offen vor der ganzen Welt seine Gier und die Freude über seinen angeblichen Sieg zur Schau. Bis vorhin war ich noch skeptisch, ob ich dieser Sache überhaupt gewachsen bin, aber ein Blick und ein Wort haben genügt, um mich sofort vom Gegenteil zu überzeugen. Ich werde Oberon stürzen und wenn es mich noch so viel kostet. Wenn ich dafür auf dem Zahnfleisch krieche, durch das ganze Land reise, um meine Kameraden zu finden oder ob ich mich jedem noch so starken Gegner in den Weg stelle, um das zu erreichen. Aber das hier wird sein letzter Siegeszug gewesen sein. Dieser Mann wird nicht das letzte Bisschen zerstören, was mir auf dieser Welt noch geblieben ist und ich schwöre bei Gott, er wird es bitter bereuen, sich mir jemals in den Weg gestellt zu haben!“

Wieder wurde sie nur wortlos angestarrt, fehlten den Jungs doch zuerst die Worte. Nur Kirito schluckte seine Überraschung herunter und ging ihr ein paar Schritte entgegen.
„Ich bin nicht sonderlich stark und vielleicht nicht die größte Hilfe, aber ich werde all meine Kraft dazu aufbringen, Euch bei diesem Vorhaben zu unterstützen und Euch treu zu dienen, Asuna-hime.“
Ganz ritterlich fiel der Spriggan vor ihr auf die Knie und verbeugte sich, was ihr Klein und selbst Agil nach kurzer Bedenkzeit gleichtaten. Auf einmal strahlte Asuna eine solche Stärke aus, dass es ihnen förmlich die Sprache verschlug. Als sei etwas erwacht, was tief in ihr geschlummert hatte bislang. Ihr Ernst wich einem liebevollen Lächeln, nachdem die anderen ihr diese Form der Zustimmung und des Respekts entgegenbrachten. Endlich verschwand dieses Gefühl, so schrecklich einsam zu sein. Und das, obwohl Kirito schon seit Anbeginn dieser Reise an ihrer Seite stand.
„Habt vielen Dank, von ganzem Herzen. Ich verspreche, eure Hilfe und Unterstützung wird nicht umsonst gewesen sein. Wir werden morgen aufbrechen, um die anderen sechs Schwestern ausfindig zu machen und gemeinsam werden wir es sein, die den Frieden nach Alfheim zurückbringen.“
Als Zeichen seiner bedingungslosen Loyalität ergriff Kirito noch einmal die Hand seiner Prinzessin und drückte einen sanften Kuss darauf. Er würde ihr folgen, egal wohin. Ihre gemeinsame Geschichte hatte gerade erst begonnen und er würde mit seinem Leben dafür kämpfen, damit sie mit einem Happy End endete.
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