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Alte Wölfe sterben ohne Würde

von Mephisto
Kurzbeschreibung
GeschichteÜbernatürlich, Tragödie / P12 / Gen
Yuka Kazami Yukari Yakumo
11.07.2015
11.07.2015
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Ein kleiner Oneshot im Rahmen meiner Initiative: "Touhou für Deutschland."
Ich habe ehrlich gesagt nur mit der Ich- Perspektive experimentiert und dabei diese kleine Fic geschrieben.
Ich halte Yuuka Kazami für einen genialen Charakter, ihre vielen Faninterpretationen mal beiseite ist sie wirklich ein Youkai der alten Schule, gefährlich und mysteriös.
Viel Spaß!

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Alte Wölfe sterben ohne Würde.

Ihr Leben lang sind sie Krieger gewesen und wenn ihre Knochen spröde werden und ihre Muskeln ihre Kraft verlieren wissen sie nichts mehr mit sich anzufangen.

Ihnen bleibt dann nichts anderes als sich in einer Höhle zu verkriechen und elendig zu verrecken, den Schlachten und Taten ihrer Jugend nachtrauernd.

Einstmals, lang ist’s her, da konnte mir niemand das Wasser reichen. In einer wilderen, besseren Zeit, einer älteren Welt, als die Menschen die Dunkelheit noch fürchteten und die Menschen noch träumten, da hatte ich noch Macht.

Ja, damals wagte es niemand meinen Namen auch nur zu flüstern, aus Angst ich würde sie in ihren Träumen besuchen. Die Sonnenblume, mein Symbol, wurde zu einem Zeichen des Schreckens, gehasst, aber niemand wagte es eine zu zerstören, aus Angst meinen Zorn auf mich zu ziehen.

Die Schreckliche, nannte man mich, ein sadistisches Monster, den Blumenmeister der vier Jahreszeiten, den Youkai, der in den Träumen lauert, sie, die mit einem freundlichen Lächeln auf dem Gesicht tötet.

Ich habe die Jahrhunderte überdauert, Siege errungen, Niederlagen eingesteckt und mir viele Feinde gemacht. Ich habe Schlachten und Naturkatastrophen überlebt, ich wurde angebetet, gehasst, gejagt und verehrt.

Ich habe überlebt und ich bin stark geworden. Ich habe Armeen ausgelöscht und mich wochenlang an ihren Leibern gelabt und ich habe die mächtigsten Youkai ihrer Zeiten herausgefordert und verschlungen um meine eigene Kraft zu nähren.

Ich bin Yuuka Kazami, die Blume die niemals verwelkt und wehe dem Narren, der es wagt meinen Unmut zu erregen.

Aber das war damals und heute, ja heute…

…heute tat ich was ich immer tat, ich saß alleine an einem runden Tisch inmitten meines Sonnenblumenfeldes und trank eine Tasse Tee, während ich in den blauen Himmel hinaufstarrte und vergangenem Ruhm nachhing.

Das ist wohl der Fluch von uns langlebigen Wesenheiten, wir neigen zur Melancholie. Als Yukari Yakumo Gensokyo erschuf, formte sie einen sicheren Hafen für Youkai, einen Ort, wo Menschen träumten und Logik keinen Platz hatte, einen Ort an dem Magie noch frei und ungebunden existieren konnte.

Was sie nicht bedacht hatte, war dass es so verdammt langweilig werden würde.

Da Gensokyo recht klein ist und die Menschen benötigt werden um das Gleichgewicht aufrechtzuerhalten ist es den Youkai verboten sie zu fressen und auch die Spruchkartenkämpfe sind nur zu einem gewissen Grad unterhaltsam.

Es fehlt einfach etwas, wenn man nicht triumphierend über der blutigen Leiche seines Gegners stehen und sich an seinem Fleisch laben kann.

In dieser neuen Welt geht es nicht mehr um Stärke, die Glorie der alten Welt ist vergangen und zurück blieb ein friedliches Paradies, ein Hafen für die Youkai, die in der Außenwelt keinen Platz mehr hatten, ein Ort endloser Festivitäten und Muße.

Es macht mich krank.

Viele der älteren Youkai fühlen es, der Vampir vom roten Herrenhaus, die vier Devas der Oni, der alte Tenma vom Berg und vielleicht sogar Yakumo und dieser neunschwänzige Fuchs, der ihr überall hin folgt.

Wir alle sind in der alten Welt geschmiedet worden, zu den Youkai der Legenden die wir heute sind. Frieden und Sicherheit liegen nicht in unserer Natur, dafür haben Jahrhunderte des Überlebenskampfes gesorgt.

Ich fühle, dass hier zu sein meine Sinne einlullt, an meiner Stärke zehrt und mich in eine Tee trinkende Närrin verwandelt. Ist das vielleicht eine Falle der Yakumo? Ein Plan die Mächtigsten der Youkai in Sicherheit zu wiegen und sie unterwerfen?

Nein. Ich war dort.

Auch ich habe den Verfall gesehen, das Ende so vieler mächtiger Youkai und das stetige Verschwinden der Magie. Zuerst verschwanden die schwächeren von uns, diejenigen, die nicht als Menschen durchgehen konnten.

Als die Magie immer weniger wurde starben sie einer nach dem Anderen.

Dann kamen die Feen. Nervig mögen sie sein, doch sie sind Verkörperungen der Natur in ihrer reinsten Form, Avatare des Quellwassers oder des Waldes selbst, ja sogar des Schneefalls oder des Lichtes.

Ich bin wahrscheinlich einer der wenigen älteren Youkai, der eine gute Beziehung mit den kleinen Plagegeistern hat, und sei es auch nur weil auch ich eine Art Naturgeist bin.

Es ist unmöglich eine Fee zu töten, denn sie sind Aspekte der Welt selbst und werden dauern, solange die Natur dauert.

Als die Menschen immer dominanter wurden, die immergrünen Wälder verschwanden, das reine Wasser verschmutzt und selbst das Sternenlicht schwächer und schwächer wurde, starben auch sie eine nach der anderen.

Die fröhlichen, kindlichen Plagegeister und Scherzbolde zuerst, dann die höheren Elementare und Naturgeister bis zuletzt sogar Oberon, der Feenkönig in den Armen seiner geliebten Titania starb.

Ich war dabei, als die vor Trauer halb wahnsinnige Feenkönigin ewige Rache an der Menschheit schwor und sich die Mächte der Natur selbst gegen sie auflehnten und ich war dabei als sie ihren letzten Atemzug tat.

Die Tengustämme, stets die Gemeinschaft über sich selbst stellend, wurden aus dem Himmel geschossen und von Klippen getrieben.

Die Oni, brutal aber ehrenhaft, wurden einer nach dem anderen durch überlegene Zahlen niedergeworfen und ihre Hörner als Schmuck getragen.

Die Inugami, stolz und königlich, weigerten sich zu fliehen und die Herrschaft über ihre Lande aufzugeben, bis auch der letzte Inu no Taisho kraftlos zu Boden fiel.

Die Kitsune und die Tanuki, Trickster und Lügner versuchten sich unter die Menschen zu mischen, doch das Verschwinden der Magie lies auch sie nicht kalt und sie starben langsam aus, als ihre Welpen tot und ohne Magie geboren wurden.

Die alten Götter verlieren ihre Anhänger und verschwinden aus der Welt, da kein Glaube sie mehr Realität werden lässt.

Es ist Jahrhunderte her, dass ich zuletzt einen Drachen gesehen oder einen Gott in seinem eigenen Tempel herausgefordert habe um seine Anbeter nach seinem Tod der Verzweiflung erliegen zu sehen.

Deshalb bin ich hier in Gensokyo, sitze in einem Sonnenblumenfeld und trinke Tee, während ich meiner glorreichen Jugend nachtrauere.

Weil Yukari Yakumo Recht hatte.

Ich bin nicht mehr so ungeduldig und wild wie ich einmal war und Yakumo ist der einzige Youkai dessen Stärke ich niemals erreichen kann. Ich habe Drachen getötet, mit dem Inu no Taisho gekämpft uns Vampire endgültig vernichtet. Ich habe einst sogar gegen Titania gekämpft und die Macht der Natur selbst gespürt, doch niemand hatte mich je so erniedrigend besiegt wie der Youkai der Grenzen.

Sie ist die einzige die ich jemals wirklich als stärker anerkannt habe, jemand den ich auch nach Jahrhunderten noch nicht besiegen kann und wahrscheinlich niemals werde.

Es scheint gegen meine Natur so etwas zuzugeben, doch Yukari Yakumo selbst ist gegen alle Natur. Deshalb bin ich ihr gefolgt, nach Gensokyo. Und ich gebe zu, es war was mein Leben rettete.

Dennoch, mein heißes Youkaiblut ruft nach Krieg, nach Herausforderung und nach Nahrung. Selbst für einen so alten Youkai wie mich ist es schwer diesen Ruf zu ignorieren.

Für viele bin ich der Youkai der Blumen, fähig jede Art von Pflanze blühen zu lassen und Hüterin der Schönheit aller vier Jahreszeiten.

Das ist nur die halbe Wahrheit.

Ich bin ein Youkai, geboren aus einem Blumentraum, ein Youkai des Schlafes, der Vergessenheit und der unrealen, blumigen Welt des Traumes.

Die Traumwelt spannt sich über alle Universen und jene die dort verloren gehen kehren nie wieder zurück. Die Meisterin von Mugenkan, die Hüterin des Traumes und die Personifikation des smaragdenen Traumes, aus dem alle anderen Träume geboren werden, ob sie nun Menschen oder Youkai gehören.

Aber gewiss bin ich auch ein Youkai der Blumen. Schöne unschuldige, liebliche Blumen. Schließlich ist es die Unschuld aus der die schlimmsten Monster geboren werden, nicht wahr?

Ein schreckliches Grinsen schleicht sich auf mein Gesicht, als ich an jenen Moment zurückdenke. Scharfe, haifischähnliche Zähne glitzern im Sonnenlicht und die Sonnenblumen rascheln, als sie die grausame Freude ihrer Herrin fühlen, die grausame Freude als ich mich erinnere, an den Augenblick meiner Geburt, einen glorreichen Augenblick der absoluten Verzweiflung und dem schrecklichen Ende eines unrealen Traums.
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Wie alle Geschichten beginnt diese mit etwas einfachen, etwas so unschuldigem wie einer Blume. Keiner gewöhnlichen Blume natürlich, dass wäre dann doch zu einfach.

Es war eine Sonnenblume, umgeben von vielen anderen Sonnenblumen. Man sagte diese Sonnenblumen seien von einem guten Gott gesegnet, denn sie strahlten das ganze Jahr über heller als jede gewöhnliche Sonnenblume. Wenn die Sonnenstrahlen auf sie fielen dann warfen sie das Licht zurück und warfen es zurück, als seien sie selber kleine Sonnen.

Der Gott der Jahreszeiten war in diese Blumen gefahren und hatte sie mit seiner Wärme gesegnet. Auch die Menschen erkannten dies und sie verehrten diese wunderschönen Blumen für ihren anderweltlichen Schein.

In der Nähe lebte nun ein mächtiger Fürst der Menschen, ein edler und stolzer Mann, der mit dem Segen des Gottes ein reiches und erfülltes Leben hatte. Seine Samurai waren ihm treu ergeben, seine Ländereien warfen üppigen Tribut ab und seine Untertanen waren glücklich.
Der Segen dieses guten Gottes ließ das Land gedeihen und der Fürst erntete die Lorbeeren dafür.

Deshalb kann ich Menschen nicht leiden, sie vergessen nur all zu schnell, dass es Dinge in dieser Welt gibt, die ihr erbärmlicher Verstand niemals begreifen kann.

Nun hatte dieser Fürst eine Frau, eine zwar hübsche, aber furchtbar oberflächliche Person, die sich nichts mehr wünschte als ihre eigene Macht und ihren Einfluss zu vergrößern.

Der Fürst wünschte sich nichts mehr als ein Kind, doch egal was er und seine Frau auch versuchten, sie wurde nicht schwanger. Was der Fürst nicht wusste war, dass seine Frau heimlich Kräuter nahm um die Kinder zu töten, ehe sie in ihr wachsen konnten, denn sie selbst wollte ihre Schönheit und ihre Position an der Seite des Fürsten nicht mit einem Kind teilen.

Nun begab es sich, dass ein Youkai durch das Gebiet wanderte, eine Hexe von beträchtlicher Macht. Kazami nannte man sie und sie war eine Kreatur, die aus den Träumen von Menschen entstanden war.

Natürlich nichts so stark wie ich, denn ich bin die Herrin von Mugenkan und kontrolliere damit einen großen Teil der Traumwelt, die viel komplizierter und größer ist als alles was sich ein sterblicher Verstand vorstellen kann, weshalb eine Erklärung dazu müßig wäre.

Kazami war eher ein Aspekt von Wunschträumen und wie wir alle wissen sind es die, die eigentlich alles haben, die, die sich am Meisten wünschen. Und so wurde sie vom Kinderwunsch des Fürsten und den Machtträumen seiner Frau angezogen wie eine Motte vom Licht, denn als niederer Traumyoukai ernährte sie sich von der Verzweiflung der Menschen, denen ihre Träume erfüllt werden.

So hörte auch der Fürst von ihrer Hexenkunst und flehte sie an seiner Frau zur Empfängnis zu verhelfen. Kein Youkai der diesen Namen verdient würde jemals einem Menschen aus reiner Herzensgüte helfen und deshalb schlug sie einen Handel vor.

Sie verlangte, das Kind an seinem sechzehnten Geburtstag zu heiraten.
Ehrlich gesagt habe ich nicht die leiseste Ahnung warum genau sie das verlangt hat. Vielleicht war ihr langweilig? Oder wollte sie dem Menschen schaden?

So oder so, der Fürst war verzweifelt genug um auf den Handel einzugehen, obwohl Erfahrung die Menschen gelehrt haben sollte, dass es unklug ist einen Handel mit einem Geistwesen egal welcher Art einzugehen und schon gar nicht mit einem Youkai wie Kazami, deren ureigenste Natur bestenfalls trügerisch war.

Also belegte Kazami die Frau des Fürsten mit einem Zauber, der das Kind am Leben halten würde, wenn es empfangen war und machte sich wieder auf den Weg, mit dem Versprechen am sechzehnten Geburtstag des Kindes zurück zu sein.

In seiner Freude hatte der Fürst seiner Frau nichts davon gesagt, aber auch Kazami wusste nicht, dass die Frau die ungeborenen Kinder selbst tötete.

Als also die Fürstenfrau bemerkte, dass sie schwanger war, da versuchte sie wieder mit bestimmten Kräutermischungen das Kind zu töten. Der Zauber aber, den Kazami gewoben hatte kämpfte dagegen an und hielt das Kind am Leben. Die Mutter bekam Panik und versuchte es immer wieder, sodass sie nicht nur das Kind, sondern auch ihren eigenen Körper schädigte. Der Zauber war nicht stark genug um all diese Angriffe abzuwehren, also fraß er die Lebenskraft der Mutter um das Kind am Leben zu halten.

So ging es weiter, bis die Mutter die ständigen Kräuter und den Kraftverlust durch den Zauber nicht mehr ertrug und krank wurde. Der Zauber aber, willig das Kind um jeden Preis am Leben zu erhalten ließ das Kind zu früh geboren werden um es zu retten, wobei die Mutter starb.

Das Kind selbst aber, ein kleines Mädchen, wurde schwach und kränklich geboren. Es war sehr unwahrscheinlich, dass sie ihren ersten Geburtstag erleben würde, denn die Kräuter und die frühe Geburt hatten sie enorm geschwächt.

Verzweifelt vor Trauer verfluchte der Fürst Kazami und gab ihr die Schuld an dieser Tragödie. In seiner Verzweiflung suchte er eine Rettung für sein einziges Kind und brachte sie zu dem Sonnenblumenfeld, in dem der Gott der Jahreszeiten wohnte und flehte den Gott an sie zu retten.

Der Gott entschied sich dem Fürsten zu helfen und sagte er wolle seine Tochter retten, wenn er ein geeignetes Opfer darbringen würde. Und der Fürst sagte: „Was auch immer du verlangst, von allem was mein ist, es sei dein.“

Da wünschte der Gott sich die Hand der Fürstentochter, denn er wusste, dass sie einst zu großem bestimmt war.

Das war sie gewiss aber nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte, denke ich.
Und der Fürst akzeptierte, denn er fühlte sich von Kazami verraten und hoffte, dass die Kraft des Gottes sie fernhalten würde.

Außerdem war das Kind ein Mädchen. Nun verstand er aber nicht, dass für Geistwesen menschliche Werte bestenfalls wertlos sind. Kazami wollte das Kind und das Geschlecht des Kindes war für sie vollkommen gleichgültig.

Das Mädchen überlebte, ein fröhliches und aufgewecktes junges Ding mit dunkelgrünem Haar und schönen, braunen Augen. Sie war sehr intelligent und voller Träume, ein wahrhaft niedliches Kind.
Er nannte sie Yuuka.

Kazami war verständlicherweise zornig, Äußerst zornig sogar. Es ist schon dumm genug einen Deal mit einem Youkai zu machen, aber diesen Youkai dann auch noch zu betrügen ist ein sicheres Todesurteil. Und es ist gewiss auch kein schöner Tod, sondern ein langer und verfluchter Pfad der Rache an dessen Ende Verdammnis liegt.

Kazami drang in die Träume des Fürsten ein, wisperte ihm grausame Lügen und Halbwahrheiten zu und zeigte ihm das Gesicht seiner toten Frau, die er mit seiner Narrheit getötet hatte. Sie trieb ihn an den Rand des Wahnsinns, so sehr, dass er es nicht einmal mehr ertragen konnte die kleine Yuuka auch nur anzusehen, die deshalb als Kind äußerst einsam war.

Nun drang Kazami auch in ihre Träume ein, schickte ihr Träume von Blut und Tod, von furchtbaren Schrecken und jedes Mal, wenn die einsame kleine Yuuka sich wieder in den Schlaf weinte, kamen die Träume erneut, flüsterten von schrecklichen Dingen und brachen das kleine Mädchen vor ihrem zehnten Geburtstag.

In ihrer Einsamkeit und schützte sie nichts vor den Einflüsterungen des Youkai, der dem Mädchen von frühester Kindheit an als einzige Bezugsperson blieb. Yuuka wurde grausam und einzelgängerisch und ihre gebrochene Psyche nach Kazamis Bildnis aufgebaut als sie aufwuchs.

Sie war nach außen hin immer noch wunderschön und freundlich. Gäste des Fürsten bezeichneten sie als eines der süßesten Mädchen die es gab und obwohl Kazami ihren Vater von ihr fernhielt, wurde sie von den Bediensteten geliebt.

Im Inneren jedoch war sie verdorben bis ins Mark. Ihren ersten Menschen tötete sie mit zwölf Jahren. Es war ein Dienstmädchen, nur ein paar Jahre älter als sie. Ein süßes Ding, so nervös und glücklich über die Ehre der Prinzessin aufwarten zu dürfen. Yuuka ließ sie leiden. Sie fühlte sich mächtig, so absolute Kontrolle über das Leben zu haben.

Dieses Kind war zwar ein Mensch, aber ihr Verstand war der eines Youkai. Macht ist alles. Natürlich war die Ausführung schlampig, zu töten um Macht zu haben ist etwas was Menschen tun, es ist erbärmlich und peinlich für jeden höheren Youkai, aber Yuuka war noch ein Kind.

Kazami nun war ein ziemlich niederer Youkai und sie hatte die Eigenständigkeit des Kindes unterschätzt. Sie hatte ihre Manipulationen zu weit getrieben und die Kontrolle verloren.

Das Kind sollte kein gewalttätiger Mörder werden, nur ein einsamer kleiner Soziopath. Das war sie zwar immer noch, aber jetzt hatte die Unabhängigkeit des Mädchens Kazamis Pläne durcheinander geworfen.

Die Barrieren im Verstand des Mädchens wurden durch ihren Wahnsinn noch verstärkt und so wurde Kazami in Yuukas Träumen gefangen. Blutige, schreckliche Träume, die von Yuuka selbst so viel schlimmer waren als die, die sie ihr eingeflößt hatte.

Ein stümperhafter Amateurfehler. Jeder macht Fehler, das ist normal aber dann sollte man wenigstens präsent sein um sie auszubügeln. Kazami war gefangen und so setzte Yuuka ihre gewalttätigen Eskapaden fort.

Sie war ein Kind und machttrunken und deshalb war sie weder besonders subtil, noch besonders vorsichtig. Ihr Vater und Kazami, ausnahmsweise mal einer Meinung versuchten die ersten paar Vorfälle zu vertuschen, doch schon bald wurden die Morde immer grausamer und die Menschen schrieen nach Vergeltung.

An ihrem sechzehnten Geburtstag wurde Yuuka unvorsichtig und sie wurde gesehen, als sie gerade versuchte ein Mädchen aus der Gegend zu töten. Der Gott der Blumen, der gekommen war um seinen Preis abzuholen hinderte sie an ihrem Mord. Er selbst war erschüttert und verwirrt, die Situation nicht verstehend und fassungslos auf das panische, wie ein Tier knurrende Mädchen blickend.

In ihrer Panik senkten sich die Barrieren um ihren Verstand und Kazami unternahm einen Versuch zu entkommen. Hätte sie einfach versucht freizubrechen, hätte ihren Geist befreit und wäre geflohen wäre wohl alles anders gekommen. Sie hätte ihren Körper neu formen und ihre Rache planen können.

Doch Kazami versuchte in diesem Moment von Yuuka Besitz zu ergreifen, den Verstand des Mädchens zu zerstören und mit ihrem eigenen zu ersetzen. Der Gott war vielleicht ein bisschen langsam, aber er war nicht dämlich und auch ein niederer Gott wird einen Youkai erkennen, wenn er ihn sieht. Also griff er an.

Während Kazami also noch mit Yuuka mental rang, sammelte der Gott seine Kraft um beide mit einem Streich zu töten.

Kazami war zu beschäftigt um es zu bemerken, doch Yuuka sah es und das gab ihr die Kraft Kazami nicht nur wieder einzusperren, sondern dabei ihren Verstand vollkommen zu zerstören. Die Traumwelt in der Kazamis Macht gefangen war zerbrach und diese Macht wurde in Yuukas Körper entladen.

Selbstverständlich ist die Macht eines Youkai viel zu groß für ein menschliches Gefäß, was in der Zerstörung des Gefäßes und, wenn der Wille des Menschen stark genug ist dem Wiederaufbau des Körpers als Youkai endet.

Bei Magiern passiert das zum Beispiel und es ist für ihre Evolution natürlich. Werden aber andere Youkai auf diese Weise geboren ist die Prozedur mit einer Menge unkontrollierter Magie und starken Schmerzen verbunden, was zu einem wilden Blutrausch führt.
Bei Halbyoukai, deren dämonische Natur sehr stark ist, kann das sogar recht häufig vorkommen.

Allerdings war Yuuka nur ein Mensch und drehte komplett durch. Sie sprang also dem Gott an die Kehle und begann sich an seinen Eingeweiden zu laben. Aus reinem Instinkt drag sie in seinen Kopf ein und entriss ihm die Macht, die er gesammelt hatte und als die dämonische und die göttliche Energie mit dem verdrehten und wahnsinnigen Verstand des Mädchens zusammentrafen, da war es zuviel.

Das ganze Gebiet explodierte. Fürst, Land, Menschen, Blumen und Yuuka vergingen in einer einzigen gigantischen Explosion. Und am Ende wachte ein Youkai auf.

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Nette Geschichte nicht wahr? Ich habe mir die Stücke von Erzählungen und den Geschichten der wenigen Überlebenden zusammengereimt.

Ich selbst bin nur eines Tages in einem gigantischen Krater erwacht und ich kannte meinen Namen und meinen Sinn. Yuuka Kazami. Der Youkai eines blumigen Traumes. Der Youkai von Träumen, die niemals in Erfüllung gehen, von Blumen die keine Bedeutung haben und jenen Träumen, die noch vor dem Erwachen vergessen werden.

Natürlich war ich das nicht sofort. Lange bevor ich die Herrschaft über Mugenkan erlangt habe und die Meisterin über die Grenze aller Träume wurde, da war ich ein einfacher Youkai, mit der Kraft über Blumen. Eine so unschuldig klingende Kraft und doch so einfach verdorben.

Ich habe überlebt weil ich mich anpasste, weil ich grausamer war, gerissener und brutaler als alle anderen und heute bin ich alt. Alt und stark.

Eine wirklich interessante Geschichte.

„Und dennoch ist der Großteil davon gelogen.“

Ohne mich umzudrehen feuere ich einen magischen Energiestrahl in die Richtung ab aus der die Stimme kam, stark genug um ein kleineres Dorf niederzureißen. Meinen Sonnenblumen macht meine Magie nichts aus und alles andere was im Weg stand war Kollateralschaden.

Wieder erklang die Stimme und ich seufze hörbar.
„Sei vorsichtig damit, du hättest mich töten können, weißt du?“

Vielleicht sollte ich sie einfach ignorieren? Nein, das funktioniert nie.
„Wenn dich das getötet hätte wärst du deines Titels nicht mehr würdig, Yakumo“, antworte ich stattdessen.

„Stimmt wohl“, sagte die hochgewachsene, blonde Frau, als sie aus einem Riss in der Realität tritt und sich in den Stuhl mir gegenüber setzt.

Ich hebe nicht einmal mehr eine Augenbraue. Wenn man zu den wichtigeren Personen in Gensokyo gehört, dann gewöhnt man sich früher oder später an Yakumos unverschämtes und kindisches Benehmen.

Was man nur niemals vergessen darf ist, dass unter diesem spielerischen und irritierenden Benehmen ein Verstand steckt, der auf mehreren Ebenen gleichzeitig denkt, deren simple Existenz ich nicht einmal begreifen könnte. Hinter ihren violetten Augen glitzert eine Gefahr die mit mehr zu tun hat als nur mit roher Kraft.

Augen die sich nun mit einem verschmitzten Feuer hinter ihnen in meine eigenen roten bohren.
„Du bist eine Lügnerin, Yuuka“, sagt sie unverblümt.

Ich zucke mit den Schultern. „Ich bin ein Youkai. Es ist unklug uns zu vertrauen.“

Sie hebt eine Augenbraue. „War überhaupt irgendetwas deiner Geschichte wahr?“


Ich blicke hinauf in den Himmel und trinke noch einen Schluck Tee, der aber inzwischen kalt geworden ist.
„Wer weiß? Vielleicht gab es einmal ein kleines Mädchen namens Yuuka. Vielleicht war aber auch nur alles ein Traum. Vielleicht habe ich es mir alles nur ausgedacht.“

Ich blicke zurück auf Yakumo.
„Wie kommst du eigentlich ständig durch meine Barrieren durch?“

Das Sonnenblumenlabyrinth in dem ich wohnte und in dem der Eingang zu Mugenkan versteckt war, war nicht nur ein gewöhnliches Labyrinth. Viele mächtige Zauber waren in diese Blumen gewoben, die jeden Wanderer in sein Verderben führen sollten.

Yukari lacht. „Es sind Barrieren Yuuka und damit Grenzen. Sie fallen also in meinen Machtbereich.“

Ich zucke erneut mit den Schultern. Dagegen kommt man einfach nicht an.
„Du bist eine Lügnerin, Yuuka, ein Monster, ein uralter Youkai. Deine Titel und Namen sind ebenso zahlreich wie beeindruckend und dennoch bist du absolut hilflos. Welch ein schreckliches Gefühl. Alte Wölfe, wahrlich.“

Ihr Lächeln hat nun etwas Grausames an sich. Ich knurre und fletsche meine scharfen Haifischzähne. Wenn Youkai eines sind, dann stolz und keiner von uns mag es als schwach bezeichnet zu werden, ich am allerwenigstens. Wie kann diese alte Hexe es wagen hierher zu kommen und mich auch noch zu beleidigen?

Doch dann spricht sie weiter, mit einer Art tiefer Trauer in der Stimme, die mich innehalten lässt.

„Wir alle sind so hilflos, selbst ich. Was bleibt uns denn noch? Gensokyo? Aber für wie lange kann ich dieses System aufrechterhalten? In dieser Welt gibt es keinen Platz mehr für uns. Sie ist zu klein geworden.“

Ich sehe in Yukaris Augen und sehe dort dieselben Gedanken die auch mich plagen. Den Youkai bleibt nichts als die Erinnerung an vergangene Größe. Unsere Zeit ist vorüber und wird niemals wiederkehren. Die Menschheit braucht und nicht mehr und uns bleibt nichts anderes übrig als einer nach dem anderen zu vergehen.

„Die Welt ist groß genug“, sage ich. „Sie hat nur weniger zu bieten.“

Yukari schnaubte. „Mir war nicht bewusst, dass du ein Freund von menschlichen Filmen bist, Yuuka. Wie kommst du hier überhaupt daran?“

„Mugenkan grenzt an alle Welten. Ich wandere durch die Träume von Menschen und Youkai. Das eine oder andere schnappt man dabei schon einmal auf“, antworte ich.

„Mugenkan, ja“, sagt Yukari. „Die Grenze aller Träume, der smaragdene Traum, aus dem alle Träume selbst hervorgehen. Es war gut ihn dir anzuvertrauen Yuuka. Ich könnte mir keinen besseren Wächter vorstellen.“

„Der Traum ist mit allen Welten verbunden“, sage ich. „Er ist allerdings näher an der Welt der Toten als der der Lebenden. Ich kann die Geister der Vergangenheit singen hören und sehe in unserer Zukunft nichts als Schwärze. Früher oder später werden selbst wir Unsterblichen vor den Yama treten müssen. Als Letzte, wie wir einst die Ersten waren.“

Yukari nickte. „Ich kann Shikieikis Genörgel schon jetzt hören.“

Wir beide schauderten. Die Richterin der Toten, der Yama Shikieiki Yamaxanadu war eine Nervensäge, insbesondere gegenüber uns älteren Youkai, die wir viele schlimme Taten in unseren Leben begangen hatten und wirklich nicht vorhatten damit aufzuhören.

Wir können sie nicht leiden und sie mag uns nicht.  
Obwohl ich selber eine Vorliebe für ihre Shinigami habe. Sie sind würdige Gegner und nur wenige Kämpfe haben mein Blut je so zum Kochen gebracht wie die gegen Shinigami. Ich habe sogar einen davon behalten, sie dient mir jetzt als Wächterin für Mugenkan.

Ein Grinsen legt sich über mein Gesicht, als ich mich an den glorreichen Kampf erinnere und an ihre besiegte und gebrochene Form nach unserem tagelangen Kampf, als sie mir Treue schwor.

Yukari schüttelt traurig den Kopf. „Vielleicht ist das wirklich alles was und bleibt. Leb wohl Yuuka.“

Mit diesen Worten öffnet sie einen Riss in der Realität und verschwand.
Für einen Moment bleibe ich sitzen, ehe mir dämmert as sie gesagt hat, was ich schon wieder getan habe.

Mit einem frustrierten Schrei hebe ich die Hände und feuere einen Bogen aus zerstörerischer Macht in die Gegend, alles zerfetzend was in seinem Weg lag, seien es Tisch oder Sonnenblumen. Selbst meine Schutzzauber werden von der zerstörerischen Energie weggefegt.

Alles was bleibt ist ein tiefer, rauchender Krater von mehreren hundert Metern Durchmesser, in dessen Mitte ich den Kopf in den Händen vergrabe und zum Ersten Mal in meinem langen Leben blutige Tränen weine.

Langsam läuft die rote Flüssigkeit über meine Wangen, tropft auf meine Hände und auf die verbrannte Erde, wo das Blut in der noch immer schwelenden Hitze der Magie mit einem Zischen verdampft.

Ich weine um unsere verlorene Vergangenheit und unsere Verschwundene Zukunft, ich weine über meine eigene Schwäche, die Schwäche aller Youkai deren Zukunft langsam verschwindet, während wir nur noch unserer glorreichen Vergangenheit nachhängen.

Und ich weine um Gensokyo, dessen paradiesische Idylle nichts als eine Illusion ist um seinen wahren Zweck zu verschleiern.
Es ist ein Grab.
Ein Grab für Träume, für Legenden, für Magie, für Götter und Youkai, für all jene, für die kein Platz mehr in der neuen Welt der Menschen ist.
Ein Grab für mich.

Alte Wölfe sterben ohne Würde. Ihr Leben lang sind sie Krieger gewesen und wenn ihnen dann ihre eigene Machtlosigkeit vor Augen geführt wird, bleibt ihnen nur noch die Verzweiflung.
Sie sterben einsam und vergessen.

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Gensokyo ist kaum eine Dauerlösung. Solange Yukari die Menschen wie Vieh für ihren Glauben melkt können die Youkai dort weiter bestehen, aber kann man das wirklich als Leben bezeichnen für die Youkai, deren alte TAge so glorreich waren und die einst so zahlreich die Furchtd er MEnschen betrafen.
Ich würde sagen Yuuka, als traditioneller, aber gleichzeitig ungewöhnlicher Youkai wäre am schwersten von der Stagnation betroffen, die Gensokyo besitzen muss um die Magie am Leben zu erhalten.
Ist aber nur meine Vorstellung.
Bis dann, euer Mephisto
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