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Tiger Lily

KurzgeschichteDrama, Freundschaft / P18 / Gen
Abraham Blutrippe Peter/Peter Pan Sekeu
11.07.2015
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Song: Hozier – Arsonist's Lullaby


Tiger Lily


When I was a child, I heard voices, some would sing and some would scream.

Sie träumt nicht oft, doch wenn, dann immer von diesem Ort.
Diesem längst verlorengegangenen Ort, der nur noch in Sekeus Herzen und ihrer Erinnerung existiert …

Das weite, braune Land zieht sich wie eine Leinwand durch ihren Kopf.
Sie kann die Bäume sehen, diese starken, breiten Bäume, deren Arme Vogelnester, spielender Kinder und Früchte beherbergen.
Sie kann den Wind in den Zweigen rascheln hören, kann den Sand und den vergangenen Regen der gestrigen Nacht riechen, ja, sogar auf ihrer Zunge schmecken.
Wenn Sekeu lang genug träumt, der Schlaf lang genug anhält, dann kann sie sogar die Zelte sehen.
Die Zelte aus gegerbten Tierhäuten, mit bunten Zeichen bemalt, wie sie tapfer in der Weite stehen.
Ihr Dorf, das Zuhause ihres Stammes.
Wenn sie weiter in die Dunkelheit hinab watet, wenn sie es wagt, dann hört sie das Gelächter der Kinder mit denen sie aufgewachsen ist.
Sie hört die rauen Stimmen der Männer, die in ihrer Muttersprache miteinander diskutieren und sie hört wie die Frauen am Feuer und am Fluss singen und sich besprechen.
Auf dem Feuer wird frisches Fleisch gebraten.
Würzige Funken steigen auf, Rauch verteilt sich wie Nebel in der Nacht.
Die Pferde schnauben, einige Hühner gackern noch und schwach kann sie auch ihren Dung in der Entfernung wahrnehmen.
Heimat, süße, warme Heimat.
Sie liegt irgendwo in der Finsternis verborgen, doch lange mag sie dort nicht verweilen, weil nicht alle Erinnerungen so lieblich und schön sind.
Manchmal jedoch erlaubt sie es sich, durch die vertrauten Zeltreihen zu wandern, wenn sich ihr die Chance dazu bietet.
Es fühlt sich echt an, so täuschend echt, das sich Sekeu in der Erinnerung verlieren könnte, es sich oft sogar wünscht.
Ihr begegnen so viele bekannte Gesichter.
Sie wird gegrüßt, zärtlich am Kopf berührt und hört seit langer Zeit zum ersten Mal wieder ihre Muttersprache.
Diese kehligen, uralten Worte, die von niemanden in Avalon gesprochen werden und auch ihr in all dieser Zeit ein wenig fremd geworden sind.
Doch ihr Herz erkennt die Melodie hinter den einzelnen Silben und auch wenn ihre Ohren den wilden Rhythmus einmal verlernen sollten, so würde Sekeu ihn in ihrer Brust immer wieder finden.
Die Sprache klingt wie die Musik von Trommeln, wie trampelnde Hufe auf heißem Sand.
Wild, unbezähmbar, genau wie ihr Volk.
Sie tritt an des Zelt welches den Duft von Heimat versprüht, tritt durch den mit Federn bezogenen Eingang geduckt hinein und wird im Inneren von ihrer Familie begrüßt.
Ihr Vater ist auf Jagd, doch ihre Mutter und ihre Geschwister sitzen im Schlafbereich beieinander.
Sekeu ist das älteste der Kinder, doch es gibt noch drei andere.
Eine kleine Schwester, einen kleinen Bruder und das Baby, welches ihre Mutter noch im Bauch trägt.
Die Schwester mit den geflochtenen, schwarzen Haaren und der Kette aus bunten Holzperlen um den Hals, bemerkt sie als Erste.
Ihr Gesicht wird von einem strahlenden Lächeln erhellt und sie fällt Sekeu um den Hals.
„Große Schwester!“, sagt sie begeistert und legt ihr eine warme, sternenförmige Hand auf ihre Wange, deren Finger Sekeu einzeln küsst, was ihre Schwester herzlich zum lachen bringt.
Ihr Bruder liegt am Boden, den Kopf auf den Knien der Mutter, die ihm über das Haar streichelt, während sie zeitgleich eine Hand nach ihrer Ältesten ausstreckt.
Die beiden Töchter kommen zu ihr.
Die Jüngere legt sich ebenfalls hin, steckt sich den Daumen in den Mund und döst vor sich hin, als Sekeu vor der dickbäuchigen Mutter in die Knie geht.
Sie hat ganz vergessen, wie schön sie ist.
Wie jung, wie lebensfroh und ihre Hand gleitet zittrig über die nackte Schultern, die bemalten Arme und die schönen, glänzenden Zöpfe.
Sie riecht nach Feuer und nach Stroh und Sekeu drückt ihr Gesicht an die Halsbeuge ihrer Mutter.
Sekeu flüstert ihren Namen, berührt den prallen Bauch in welchem ihr jüngstes Geschwisterkind müde vor sich hin strampelt.
„Sekeu“, sagt die Mutter, liebevoll, traurig, herzzerreißend und liebkost ihr Haar. „Meine kleine Tigerin.“


Weiter traut sie sich nicht, weil alles danach ist, als würde sie innerlich verbluten …

I learned the voices died with me.

Wie immer ist Sekeu der erste Teufel, welcher an diesem Morgen erwacht.
Die Jung liegen um sie herum verteilt.
Einige in Käfigen, sicher vor den frechen Streichen der Pixies, andere arglos am Boden, eingewickelt in Lacken und Stofffetzen und ein paar von ihnen dösen in Hängematten.
Sie erhebt sich von ihrem eigenen Schlafplatz, leise wie eine Katze, tapst auf nackten Füßen durch den Teufelsbau, in welchem eine warme Hitze steckt, tritt großzügig über die schlafenden Kinder hinweg und schöpft ein wenig Wasser aus einem Fass.
Sie benetzt ihr Gesicht, wäscht sich die Arme und genießt die Kühle des Nass, welches die Erinnerungen vertreibt.
Wie es aussieht ist Peter noch nicht zurückgekehrt.
Ärgerlich, denn ihnen gehen langsam aber sicher die Vorräte aus wie Sekeu feststellt, als sie die leeren Körbe durchgeht, in denen sich sonst Beeren und Kräuter befinden.
Auch die blank geschrumpften Töpfe sind leer, kein Rest Grütze mehr übrig.
Sie schaut seufzend zu den Kindern, die noch vor sich hin schnarchen.
Peter hat ihnen vor einiger Zeit wieder drei Neuzugänge gebracht, als hätte sie nicht schon genug Probleme damit die Mäuler zu stopfen, die schon länger hier bei ihnen in der Feste hausen.
Als sie damals in Avalon ankam, waren die Wälder noch voll und reif, als hätten sie darauf gewartet von ihren gierigen Händen endlich abgeerntet zu werden.
Doch diese Zeiten liegen inzwischen schon lange zurück, länger als ein natürliches Menschenleben anhalten könnte.
Doch sie ist Kind geblieben, zumindest äußerlich.
Innerlich fühlt sich Sekeu uralt.
Und müde.
Aber weil sie Peter so viel, im Grunde genommen alles zu verdanken hat, beschwert sie sich nicht.
Das Leben hier ist gut, weil es ebenso schlechter sein könnte, wie Sekeu weiß.
Die Geißel mag durch Avalon streifen und das Land verderben, doch sie sind die Teufel dieses magischen Landes und ihr Widerstand bleibt ungebrochen.
Entschlossen schiebt Sekeu die Pixies von sich, welche neckend an den schwarzen Federn in ihren Haaren ziehen, bevor sie die übrigen Kinder weckt.
Wie immer steht viel Arbeit an.
Die Ausbildung darf nicht ausgelassen werden, wenn die Neulinge in dieser Welt überleben wollen.
Es ist Sekeus Aufgabe sie kampfbereit zu machen und sie hat nicht die Absicht Peter zu enttäuschen, weswegen sie die gemurmelten Flüche der Bande ignoriert, die wohl lieber noch ein Weilchen in den Federn liegen bleiben würde, als mit ihren Speeren an Strohpuppen zu üben.
Während sie so dasteht, die unbeholfenen Bewegungen der Kinder beobachtet, abschätzt und Tipps verteilt, kann sie nicht anders als einen Hauch Mitleid und eine Spur Neid zu empfinden.
Mitleid deshalb, weil die Hälfte bei einem Angriff wahrscheinlich nicht überleben wird und Neid aus dem Grund, weil sie noch so sehr Kind sind.
Ihre Augen mögen nicht golden sein, doch sie wissen noch nicht was sie in diesem ewigen Leben erwarten wird – was für Opfer sie bringen werden, wofür sie sich selbst aufopfern werden.
Manche sehen das Training noch als Spiel an, nehmen es nicht wirklich erst und das sind meist die Ersten die den Fleischfressern in die Hände fallen.
Traurig, ohne Frage, aber Sekeu hat sich bereits an diesen Gedanken gewöhnt.
Im Wandel der Jahre hat sie so viele Kinder kommen und gehen sehen.
So viele, das sie die Gesichter kaum noch auseinanderhalten kann.
Mädchen und Jungen, manche älter, manche noch viel zu jung.
Nur wenige haben sich gehalten, noch weniger haben sich bewährt.
Nicht jeder hat das Zeug zum Teufel. Vielleicht ist das aber auch gut so.
Trotzdem hat sich Sekeu vorgenommen diesmal keine Verluste zu machen.
Ihre Reihen brachen frisches Blut, brauchen junge, mutige Krieger.
Sie geht durch die Reihen, weist die Neulinge an ihre Positionen zu verändern oder sich mehr ins Zeug zu legen.
Der Blick ihrer schwarzen Augen ist distanziert und argwöhnisch, aber nicht kalt.
Diese Kinder, diese Teufel sind ihr Clan, ihre Familie, ihr neuer Stamm und sie wird nicht ein weiteres Opfer dulden.
Nicht diesmal.
Sie ist schon einmal der Teil eines Stammes gewesen.
Damals, in ihrem alten Leben, bevor die weißen Dämonen kamen.
Jemand zwickt sie frech in den Po.
Sekeu schreckt auf und schaut in das grinsende Gesicht von Blutrippe, der unbemerkt an ihre Seite getreten ist.
„Du Arsch!“, zischt Sekeu hitzig.
„Wie schön, das er dir aufgefallen ist“, versetz Blutrippe, aufreizend mit den Wimpern klimpernd. „Ich habe nämlich den knackigsten in ganz Avalon, wenn du mich fragst!“
„Dich fragt aber keiner“, ruft Abraham, der ebenfalls wie aus dem Nichts aufgetaucht zu sein scheint und fängt sich dafür prompt von Blutrippe den ausgestreckten Mittelfinger ein, der ihn jedoch ziemlich kalt lässt.
„Hol deine zwei Backen doch 'mal raus, Abe, wenn du dir da so sicher bist!“
„Forderst du mich gerade heraus, Rotschopf?!“
„Wonach hört es sich denn für dich an?“
„Die Hosen bleiben an!“, unterbricht Sekeu die Streithähne mit der eisernen Miene einer erwachsenen Frau. „Und zwar alle beide!“
Blutrippe zwinkert vielsagend in ihre Richtung.
„Da verpasst du aber was, Rothaut! Wie sieht's denn mit den Vorräten aus?“
„Sie werden knapp“, meint Sekeu.
„Dann sollten wir vielleicht heute noch auf großen Beutezug gehen“, gibt Abraham zu bedenken. „Es sieht ohnehin nicht so aus, als würde Peter heute noch zurückkommen.“
Sekeu denkt einen Moment nach, dann nickt sie.
„Gute Idee, ja. Wir nehmen die Neuen mit und sind vor Sonnenuntergang zurück.“
„Ausgezeichnet!“, ruft Blutrippe begeistert. „Hier fing es schon langsam an langweilig zu werden, wenn ihr mich fragt.“

When I was a child, I' sit four hours, staring into open flames.
Something in it had a power, could barely tear my eyes away.


Durch Avalon zu streifen ist immer eine gefährliche Angelegenheit, ganz gleich wie oft man die dicht bewachsenen Pfade schon entlang gewandert ist.
Verfall liegt wie Nebel in der Luft, schwer und allgegenwärtig.
Er durchdringt alles Lebendige und frisst es von Innen heraus auf.
Wie ein Alptraum, den man nicht loswird.
Wie Erinnerungen, die einmal warm und schön waren, doch jetzt nur noch wehtun.
Sekeu geht in die Hocke und lässt eine handvoll Erde langsam durch ihre braunen Fingern rieseln. Sie bläht die Nüstern auf als sie den charakteristischen Geruch von Avalon einatmet.
Modrig, wie etwas, was lange in einem Grab gelegen hatte.
Faulig, unfruchtbar, tot.
Die Erde in Avalon ist so grau wie der Rest des Landes und langsam aber sicher verliert Sekeu die Hoffnung das sie und die Teufel in der unmittelbare Nähe ihres Unterschlupfs auf Nahrung stoßen werden.
In letzter Zeit hatten sie immer tiefer und tiefer in den Wald vordringen müssen und waren doch nur mit wenig Beeren, halbfaulen Nüssen und trockenen Wurzeln belohnt worden.
Die Kinder hungern, denk das Indianermädchen trotzig, wirft den letzten Rest Erde beiseite und erhebt sich aus der Hockstellung.
Zwischen den schmalen, braunen Baumstämmen fällt sie mit ihrer sehnigen, schlanken Statur kaum auf.
Das fahle Licht des Himmels bringt ihr geflochtenes Haar zum glänzen und in ihren alten Kinderaugen liegt das tiefe Wisse verborgen, das ihre Teufel auch heute wieder mit leeren Mägen zu Bett gehen werden.
Nicht gut.
Das ewige Hungern zehrt an ihren Kräften, macht sie schwach und leicht reizbar.
Peter braucht kräftige Teufel, kräftiges Blut für den Clan und für Avalon.
Sekeu sieht es als persönliches Scheitern an, das sie nichts gegen diese Lage tun kann.
Sie wirft einen Blick über ihre nackte Schulter und sieht in die leeren, müden Augen der Neuankömmlinge, die Peter im Laufe der letzten Wochen zu ihnen gebracht hat.
Ein Mädchen, zwei Jungen., etwa alle im Alter von 13 Jahren.
Binnen weniger Tage hat der Hunger das Fleisch von ihren Knochen genagt wie ein eifriger Geier.
Sie sehen schlaff aus, als könnte schon der geringste Windzug sie von den Beinen hauen.
Selbst mit den Speeren bewaffnet, die sie ihnen zur Verteidigung gegeben hat, machen sie keinen wirklich gefährlichen Eindruck.
Keine Teufel, geht es Sekeu durch den Sinn, während sie dabei zusieht wie die Kinder sich durch das Unterholz des düsteren Waldes kämpfen. Sie sind Geister, nur kleine Geister.
Sie legt eine Hand an ihren Waffengürtel und setzt eine ernste Miene auf.
„Macht schon!“, ruft sie nüchtern, denn es ist nicht ihre Aufgabe Mitgefühl zu zeigen, sondern sie stark zu machen. „Wir haben nicht ewig Zeit und wenn es dunkel wird wollt ihr sicher wieder in der Feste sein, das könnt ihr mir glauben!“
„Alles klar, Häuptling!“, grinst Blutrippe und innerhalb der Gruppe ist er das einzige, strahlende Gesicht.
Es ist beinahe tröstlich ihn dabei zu haben.
Das Feuer in seinen Augen brennt unentwegt und Sekeu weiß, dass er nicht nur der loyalste der Teufel ist, sondern auch Peter in Sachen Kühnheit in nichts nachsteht.
Er schiebt sich an ihr vorbei, kneift ihr dabei einmal mehr frech in den Hintern und zwinkert, als Sekeu mit der geballten Faust nach seinem Schädel schwingt.
„Hey, hey, hey! Kein Grund gleich das Kriegsbeil auszugraben!“, ruft der Junge lachend und ggeht in Deckung, bevor er aus ihrer Reichweite tänzelt.
Sekeu seufzt.
So nervig Rippe auch sein konnte, ein wenig mehr von seiner Sorte hätten dem Clan gut getan, denn wenn sie sich so die Kinder ansieht die ihm den Hügel hinauf hinter hertrotteten, hatte sie große Zweifel daran, das auch nur einer von ihnen es besonders lange bei ihnen aushalten würde.
Das Mädchen, milchig, leicht aufgedunsen mit welligen, blonden Haaren, die ihr klamm ins Gesicht fallen und die beiden schlaksigen Jungen, der eine mit der Brille und der andere mit den schiefen Zähnen.
Obwohl Sekeu sich ihre Namen gemerkt hat – wahrscheinlich als einzige von den Teufeln, verbietet sie es sich selbst diese in den Mund zu nehmen.
In all den Jahren die sie Avalon nun schon ihr Zuhause nennt, hatte sie diese Lektion auf die harte Tour lernen müssen.
Gewöhn' dich nicht an sie, bevor du sicher bist, das sie auch überleben.
Alles andere tat zu sehr weh.
„Kommt!“, spornt Sekeu die kleine Truppe weiter an. „Bewegung, Leute!“
Sie geht vorne an Blutrippes Seite, dicht gefolgt von den Neuankömmlingen auf Vorratssuche, den Abschluss bildet der besonnene Abraham, der mit seinem hohen Zylinder auf dem Kopf alle anderen überragt.
Es gibt keinen Stein den sie nicht umdrehen, keinen Strauch der nicht bis auf den letzten Zweig auf Früchte untersucht wird, doch es gibt wirklich nicht viel zu holen und ihr Korb bleibt größtenteils leer.
Nur ein paar vereinzelte, halb vertrocknete Beeren in der Farbe von geronnenen Blut haben sich am Boden eingefunden und rollen dort herum wie winzige Murmeln.
„Essen wird ohnehin überbewertet“, meint Blutrippe leichthin, als er den betretenen Blick des Mädchens bemerkt, doch Sekeus Miene erhellt sich nicht für eine Sekunde.
Ihr bleibt nur noch die Hoffnung, das Peter vielleicht aus der anderen Welt ein paar Kleinigkeiten mitbringen würde, wie er es häufig tat.
Manchmal Schokoriegel, selten etwas größeres wie Pizza oder Hamburger, denen Sekeu jedoch nicht viel abgewinnen kann.
All dieser Fraß ist lange nach ihrer Zeit in Mode gekommen und für sie bleibt das fettige Zeug einfach ungenießbar.
Blutrippe und die anderen Jungs hingegen schwärmen davon und so sehr sie Peter auch lieben, sie liebten ihn sogar noch mehr wenn er Essen dabei hatte.

Sie folgen dem Bach eine Weile, der nahe ihrer Feste verläuft, als Blutrippe wieder zu ihr spricht.
Er sieht sie nicht an, doch im Profil kann sie die Narbe sehen, die sich beinahe über sein gesamtes Gesicht erstreckt.
„Weißt du, das Mädchen könnte es echt schaffen. Sie ist ziemlich zäh, auch wenn es nicht so aussieht.“
Er klingt ernst und das ist eine Seltenheit bei Blutrippe.
Sekeu kann nicht genau sagen was er mit seinen Worten beabsichtigen will, aber es hört sich beinahe so an, als wolle er sie aufheitern.
„Womöglich“, bemerkt das Mädchen trocken. „Sie hat durchaus Feuer.“
„Und Feuer ist alles was uns bleibt, mh?“
Jetzt grinst er wieder und dieses Grinsen weiß Sekeu schon besser zu deuten.
Ja, nur das Feuer.
Das goldene Feuer der Magie in ihren Augen und ihren Herzen.
Für manche war es schon fast erloschen, doch Peter hatte es wieder ihnen entfacht.
Er ist der Funke auf dem trockenen Laub, der einen Waldbrand entfachen kann.
Sie schaut sich um, nun ein wenig hoffnungsvoller und als hätte das Mädchen ihre Gedanken lesen können, hebt es nun auch den Kopf und schaut sie direkt an.
Jung ist sie, in ihrer Welt wahrscheinlich kein besonderer Blickfang, doch hier ist sie alles.
Alte Narben zieren ihre Unterarme und Sekeu nickt ihr wissend zu.
Du hast Streifen, weil du ein Tiger bist.
Sie erkennt sich selbst ein wenig in den Augen des Mädchens wieder.
Dieser Ausdruck von Angst und gleichzeitig die Bereitschaft sie zu überkommen.
Dieses stille, glimmende Feuer.
In diesem Augenblick lächelt das Mädchen kaum merklich und noch bevor Sekeu dasselbe tun kann, löst sich eine Gestalt aus ihrer Deckung hinter den Büschen und springt dem Kind an den Hals.
Eine schwarze, nicht besonders große Gestalt, die dafür jedoch keine Zeit verliert und ihre rasiermesserscharfen Zähne im Genick des Mädchens verbeißt.
Blut schießt hervor, noch bevor es zu Boden gerissen wird.
Die zwei Jungen an ihrer Seite schreien laut und aus ihren Gesichtern weicht jede Farbe.
Barghests, begreift Sekeu und gleichzeitig zückt Abraham sein Messer, denn Barghests sind nur selten allein unterwegs und es vergeht keine Minute, bevor zwei weitere auf den Pfad springen, in ihre Richtung fauchen und hungrig die Zähne blecken.
Abraham holt mit der Klinge in ihre Richtung aus und brüllt dabei so laut, als wäre auch er ein wildes Tier.
Er erwischt die eine Kreatur am Auge und daraufhin jault die katzenhafte Gestalt noch lauter.
Auch Sekeu und Blutrippe zücken ihre Waffen.
„Abraham!“, ruft das Mädchen. „Bring' die Neuen hier weg, sofort!“
„Kommt her, ihr Dummköpfe! Habt ihr nicht gehört?!“
Einer der Barghests holt mit der Pranke nach den Kindern aus, die zitternd in Richtung Abraham flüchten und sich hilflos an ihre Speere klammern, ohne von ihnen Gebrauch zu machen, während ihre Freundin am Boden zerfleischt wird.
Abraham rennt los, die Jungs folgen ihm und die beiden anderen Barghests bewegen sich kurz in ihre Richtung, wollen die Verfolgung aufnehmen, als Blutrippe wie ein Irrer einen großen Satz auf sie zumacht und seine Klinge zwischen den Schulterblättern des Geschöpfes versenkt.
Der Stachel auf dem Rücken des Barghests zuckt in wilder Verzweiflung, erwischt aber nur den hartnäckigen Stoff der rotbraunen Lederjacke und lässt den Teufel darunter unversehrt.
Sekeu stellt sich dem zweiten Bargehst, der ihr tief und wild in die Augen schaut.
Für einen Moment stehen die beiden sich still gegenüber, zwei Raubtiere, die bereit sind hier ihr Leben zu lassen, weil sie nicht viel mehr zu verlieren haben.
Sekeu spreizt ihre Beine hüftbreit, spürt ihr Gewicht auf der trockenen Erde unter ihren Füßen und umklammert fest den Griff ihrer Klinge.
Der Barghest reißt das Maul auf, schreit sie an.
Sekeu tut es ihm gleich und stürzt sich mit einem furchteinflößenden Heulen auf das wilde Tier.
Eine Pranke rauscht haarscharf an ihr vorbei, sie kann den Windzug auf ihrer Haut spüren als die scharfen Krallen die Luft zerteilen und ihre Klinge schnellt nach vorne, weil auch sie Krallen und Stacheln hat.
Der kalte Stahl verbeißt sich im Hals des Wesens, welches noch einmal mit dem schwanzartigen Stachel nach ihr schnappt, jedoch nur die Luft trifft, weil das Mädchen zu schnell ist, bevor schwarzes Blut die Erde von Avalon tränkt.
Der Barghest ist tot, noch bevor sie ihre Klinge aus seinem Fleisch gezogen hat und in diesem Moment holt auch Blutrippe zum letzten Schlag aus, welcher seinem Feind den Kopf kostet.
Blut tropft von seiner Schläfe und an seinem Hals sieht sie einen tiefen Kratzer, doch er lächelt trotz allem noch immer.
Sie will fragen, ob er schwer verletzt ist, doch da streckt er schon seine bluttriefende Klinge in die Luft, legt den Kopf weit in den Nacken und kräht wie ein Hahn.
„Blut für die Teufel!“
Sein Lachen ist wild und hat etwas wahnsinniges an sich, doch Sekeu kann nicht anders als ebenfalls zu lachen, weil die Gefahr ihr noch in den Knochen steckt und sie sich wieder so lebendig fühlt.
Sie tut es Blutrippe gleich, hebt ebenfalls ihr Messer und heult wie ein Wolf, woraufhin die beiden Teufel lachen und ihre goldenen Augen vor Verzückung glitzern.
Dann ist es wie ein Faust in den Bauch, als Sekeu wieder zu Boden blickt, das Adrenalin langsam abklingt und sie dieses Mädchen tot und blutend am Boden liegen sieht, welchem sie vorhin beinahe zugelächelt hätte.
Das blonde Haar ist nun nicht mehr blond, sondern nur noch furchtbar rot.
Blaue Augen starren zu den Baumkronen hinauf und ihre Eingeweide hängen wie zermatschte Früchte aus ihrem Leib heraus.
Zwischen den Barghests bildet sich ein Meer aus schwarzem Blut, in welchem sie zu versinken droht und spürt Sekeu eine warme Feuchtigkeit auf ihrer Wange.
Sie hebt die Hand, berührt zaghaft ihr Gesicht und stellt fest, das sie tatsächlich weint.
Es ist lächerlich, absolut sinnlos und sie hat schon vor langer Zeit aufgehört wegen toten Kindern zu weinen, obwohl der Schmerz so tief sitzt.
Blutrippe bemerkt die Veränderung und er hört auf zu lachen.
„Vielleicht sollten wir … zurückgehen.“
Sekeu verzieht das Gesicht zu einer grässlichen, verzweifelten Fratze und das Messer fällt ihr aus der Hand, als diese zitternd verkrampft.
„Ich … kann nicht.“
Sie braucht einen Moment, vielleicht auch eine ganze Reihe von Momenten, weil das Herz in ihrer Brust nun so unglaublich schwer wiegt.
Die Teufel dürfen sie nicht so sehen, niemand darf sie so sehen!
Blutrippe senkt atemlos sein Messer und an dem Ausdruck seines blutverschmierten Gesichts kann sie sehen, wie erschrocken er ihr über ihren Anblick sein muss.
Dann holt er tief Luft, geht auf sie zu und legt ihr eine Hand auf die Schulter.
„Komm, wir gehen ein Stück.“

All you have is your fire.

Nun sitzen sie schon seit einer Weile still beieinander und nur die Baumkronen ihren köpfen flüstern leise raschelnd miteinander.
Blutrippe kratzt sich verlegen am Hinterkopf und weiß nicht was er sagen soll, wenn er denn überhaupt etwas sagen soll.
Noch nie hat er Sekeu weinen sehen und auch wenn ihre Tränen inzwischen wieder getrocknet sind, sieht er doch noch die restlichen Spuren ganz deutlich auf ihren kupfernen Wangen schimmern.
Sie sitzen Seite an Seite auf einem umgestürzten Baumstamm, der langsam aber sicher von Moos und Efeu überwuchert wird.
Sekeus dunkle Augen starren entrückt in die Ferne, als wäre sie in Gedanken ganz weit weg und in der Tat ist sie das auch.
Sie ist in Gedanken noch bei diesem kleinen Mädchen mit den kindlichen Augen, aber sie ist auch ganz bei sich selbst und denkt darüber nach, was für eine Vergangenheit hinter ihr liegt.
Sie selbst ist einmal ein verängstigtes Mädchen gewesen, dass sich blutend im Staub und vor den Füßen ihrer Feinde gewunden hat.
Das liegt schon so lange zurück, doch die Erinnerungen sind noch bunt und lebendig in ihrem Kopf.

Die weißen Dämonen kommen in der Nacht und sie kommen mit Waffen die donnernde Kugeln abfeuern.
Sie zerfetzen die Körper jener Menschen, mit denen sie ihr ganzes Leben beisammen gelebt hat.
Alte Frauen, junge Frauen, tapfere Männer, feige Kinder.
Es spielt keine Rolle, niemand scheint vor ihnen sicher zu sein.
Sie stecken die Zelte in Brand, zerren ihre Beute an den Haaren aus ihren Hütten und stellen sie im Schein eines großen Feuers zu Schau, auf dem sie alle verbrennen, die sich ihnen entgegensetzen.
Die Luft ist voller Qualm und dem Gestank toten, verbrannten Fleischs.
Sie packten den Häuptling, einen muskulösen mit Federn und Knochen behangenen Mann in die Mitte, in seinem Rücken stecken bereits mehrere Pfeile und sie hacken ihm den Kopf zur Warnung für alle ab.
Sekeu erinnert sich an den Gesichtsausdruck ihres Vaters als das Beil fällt und sein Kopf in Richtung Feuer rollt.
Die Frauen schreien, die Kinder weinen.
Ihre eigene Familie am lautesten, doch Sekeu kann nur starren und sich im griff des Dämons winden, der sie am Nacken festhält.
Danach werden die übrigen Überlebenden gefesselt und die Dämonen feiern ein großes Fest, in dem sie sich betrinken und großzügig speisen.
Die Tiere, die sie getötet haben, werden nun auf dem Feuer und über der Asche der Toten geröstet.
Der Rauch legt sich wie schwarzer Nebel über das Land und ihr Stamm wimmert am kalten Boden.
Sekeu robbt neben ihre schwangere Mutter, doch sie rührt sich schon nicht mehr und ihre Geschwister sind nirgendwo zusehen.
Das Mädchen weint, riecht das Blut in der feuchten Erde und wünscht sich, das es auch für sie bald zu Ende sein wird.
Der Tod wäre nun eine Gnade gewesen, doch so weit kommt es nicht.
Stattdessen löst sich eine merkwürdige Gestalt aus den Schatten im Wald.
Ein schlanker Junge, mit milchweißer Haut, weswegen Sekeu zunächst vermutet, das er zu den weißen Dämonen gehört, doch irgendetwas an ihm ist anders.
Seine Augen funkeln golden wie die Sonne und seine Ohren sind ungewöhnlich spitz.
Die Dämonen sind am Feuer so betrunken, das sie ihn überhaupt nicht bemerken und der Junge geht an allen Gefesselten vorbei, tritt an ihre Seite und geht bei Sekeu in die Knie.
Er legt den Kopf leicht schief, das feuerrote Haar fällt ihm locker auf die Schultern und er lächelt.
Sekeu windet sich in ihren Fesseln, denn der Blick des Jungen ist wild und gefährlich.
Er streicht mir schlanken Fingern über ihre schwarzen Zöpfe und schreckt nicht zurück als sie wie eine Raubkatze zu fauchen beginnt.
Im Gegenteil, der Junge lächelt weiter.
„Wie ein Tiger“, murmelt er. „Kleine Tiger Lily!“
Als er eine Klinge aus seinem Ärmel zieht, die fast genauso lang ist wie sein Unterarm, zuckt Sekeu zusammen, doch er schneidet nur die Seile um ihre Hand- und Fußgelenke durch, ohne sie zu verletzen.
Sekeu kauert sich neben ihrer Mutter zusammen, legt ihr ein Ohr auf die Brust und sucht nach ihrem Herzschlag, doch da gibt es nichts mehr zu finden.
Sie ist tot und das Kind in ihrem Inneren rührt sich nicht mehr.
Als Sekeu zu weinen beginnt, wird der Wunsch nach dem Tod immer größer, denn nun ist sie ganz allein.
Doch da ist noch dieser Junge, der sie noch immer anschaut und er reicht ihr ein Messer.
„Blutrache“, flüstert er ihr zu und obwohl er eine andere Sprache spricht, die für Sekeus Ohren nicht zu verstehen ist, versteht doch ihr Herz und sie nickt mit brennenden Tränen auf beiden Wangen.
Der Junge grinst breit und zeigt ihr somit seine funkelnden Raubtierzähne.
„Lass uns Spaß haben, Tiger Lily!“


Don't you ever tame your demons.
But alway keep them on a leash.


„Habe ich dir eigentlich jemals erzählt, wie ich Peter getroffen habe?“
Blutrippe blinzelt fragend in Sekeus Richtung.
Sie ist meist so wortkarg, das es schon fast unheimlich ist, sie so viele Worte auf einmal sprechen zu hören und das auch noch, wenn es um ihre eigene Vergangenheit geht.
Blutrippe weiß eigentlich nicht viel über Sekeu, nur das sie von einem alten Indianerstamm kommt und länger hier ist, als er und die meisten der anderen Kinder.
Sie ist tapfer, das einzige Mädchen welches sich über die Jahre gehalten hat und Peter vertraut ihr ohne jeden Zweifel.
Sekeu schaut ihn an und ihr Blick hat etwas Geisterhaftes an sich.
Blutrippe schluckt schwer, schüttelt den Kopf.
„Er kam, wie bei uns allen, in der Stunde meiner größten Not. Die Pilgerer kamen und sie töten meinen Stamm, bis nur noch ein paar von uns übrig waren. Peter kam und er rettete mich“, sie lächelt finster, ohne es selbst zu merken. „Und gemeinsam töteten wir die weißen Dämonen und befreiten jene Mitglieder des Stammes, die noch geblieben waren.“
Blutrippe teilt ihr Schweigen, bevor er eine Frage einwirft:
„Aber du bist mit Peter gegangen? Du hättest auch bei dem Rest deines Stamm bleiben können, richtig?“
Es dauert einen Moment, bis Sekeu antwortet:
„Nein, in dieser Welt gab es keinen Platz mehr für mich, verstehst du?“
„Scheiße, irgendwie nicht“, schmunzelte Blutrippe trocken, griff in die Innentasche seiner Lederjacke und holte eine halbvolle Packung Zigaretten hervor, von denen er eine anzündete und sich in den Mundwinkel schob. „Das ist harte Kost, Rothaut. So viel steht fest!“
Bei den Teufeln hat jeder sein Päckchen zu tragen, dass wissen sie beide.
Sekeu glaubt häufig, sie hätte ihr Last vor langer Zeit hinter sich gelassen, doch das stimmt nicht ganz.
Das Mädchen von damals mag im Staub neben ihrer Familie gestorben sein, aber ihr Geist ist noch allzu lebendig in ihrer ewigen Hülle, hier in Avalon.
Sie legt den Kopf in den Nacken zurück und schaut durch die Blätter der Bäume hindurch zum Himmel.
Sie sehnt sich nach dem Funkeln der Sterne, nach ein wenig Mondlicht.
Zuletzt hat sie einen beleuchteten Nachthimmel gesehen, als sie die menschliche Welt gemeinsam mit Peter verlassen hatte.
Ihre Mutter, ihr Vater und ihre Geschwister sind unter einem Sternenhimmel gestorben und sie glaubt, das ihre Seelen nun irgendwo da oben sind und alle anderen Sterne überstrahlen.
Ich kann euch nicht sehen, aber ihr seid immer bei mir.
Sie richtet ihren Blick auf Blutrippe, der neben ihr seine Kippe raucht.
„Wenn du jemanden erzählst, das ich geheult habe, schneide ich dir im Schlaf die Kehle durch.“
Ihr Lächeln ist mehr als unfreundlich und Blutrippe kichert.
„Würde mir nicht im Traum einfallen, Häuptling Griesgram!“ Dann streckt er ihr die Zigarette zwischen zwei Fingern entgegen. „Friedenspfeife?“
Sekeu zieht einmal und bläst einen Ring aus Qualm in die Luft, der sich schnell wieder verflüchtigt und sie sich auf dem Rückweg zur Fest begeben.
Am Ort des vergangenen Kampfes ist keine Spur mehr vom Körper des Mädchens zusehen, welches hier sein Ende gefunden hat.
Nur noch Blut, dass von der Erde aufgesogen wird.
Blutrippe geht vor und Sekeu bleibt einen Augenblick stehen, fasst sich an die Brust und verabschiedet sich, bevor sie ihm durch das Gestrüpp in Richtung Feste folgt.

Trotz der Unterbrechung sind sie noch vor Sonnenuntergang zurück und in der Sicherheit ihrer Feste werden sie bereits von Peter erwartet.
Sekeu ist überrascht ihn so früh wiederzusehen.
Die übrigen Teufel haben sich bereits um ihn herum versammelt, doch er entdeckt sie trotzdem, schaut sie lächelnd an und nickt ihr zu.
Sekeu erwidert die Geste und fühlt wie ihr Herz wieder einen Hauch weicher wird, als ließe es sich nun leichter tragen.
Mein Zuhause, mein Stamm, mein Häuptling.
Blutrippe stupst sie aufmunternd mit dem Ellenbogen in die Rippengegend und zusammen lassen sie sich zu den übrigen Teufeln auf den Boden sinken, die sich um Peter herum zusammengefunden haben, weil er gerade wieder einer seiner Geschichten erzählt.
Es sind Geschichten voller Halbwahrheiten, grausigen Abenteuern, von Blut, Helden und besiegten Gefahren.
Es sind Geschichten die davon erzählen, das es immer etwas zu verlieren, aber auch immer etwas zu beschützen gibt, wenn man mit dem Herzen dabei ist.
Nach dem heutigen Tag kann sie so eine Geschichte gebrauchen und als hätte Peter ihre Gedanken lesen können, beginnt seine neue Geschichte mit vertrauten Worten:
„Die nächste Geschichte handelt von einer Prinzessin und ihrem Volk. Von bösen Fleischfressern und einer blutigen, blutigen Nacht. Teufel, habe ich euch eigentlich schon einmal von Tiger Lily erzählt?“
Ein Raunen geht durch die Reihen.
„Nein!“, kommen die Kinder schließlich überein. „Erzähl' uns von Tiger Lily, Peter!“
„Mh“, der Kinderdieb lässt sich gerne bitten. „Ich weiß nicht. Habt ihr euch das überhaupt verdient?“
„Oh ja!“, rufen einige Jungen.
„Bitte, Peter!“, bettelt der Rest.
„Ich schätze, das geht in Ordnung. Also hört gut zu, Teufel, denn von Tiger Lilys Geschichte könnt ihr einiges lernen. Sie ist eine tapfere Kriegerprinzessin gewesen, die selbst den grauenhaftesten Bestien ins Auge geblickt hat!“
„War sie so mutig?“, fragt ein dicklicher Junge, der im Clan nur als Bär bekannt ist.
Peter grinst unwiderstehlich und zwinkert vielsagend in Sekeus Richtung.
„Mutig wie keine Zweite es jemals war“, versichert ihnen ihr Anführer und beginnt mit bunten Worten von der Nacht zu erzählen, in welcher er die Tigerin traf, die sie alle im Geheimen als Sekeu kennen.
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