Blood,  sweat and tears

von Sanji
GeschichteRomanze, Thriller / P18 Slash
Izaya Orihara Shizuo Heiwajima
08.07.2015
07.02.2016
31
73.561
22
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08.07.2015 3.230
 
Eine Verlobungsfeier sollte Spaß machen. Immerhin hieß das, dass zwei geliebte Menschen zueinandergefunden hatten und für immer zusammenbleiben wollte. Oder jedenfalls so lange, bis die Scheidung anstand, was er bei den beiden ja nicht hoffte.
Na gut, um genau zu sein, handelte es sich hierbei um einen Menschen und eine Dullahan aus Irrland. Das spielte, wenn man Shizuo fragte, allerdings keine Rolle. Wenn sich zwei gefunden hatten, dann sollten sie auch glücklich miteinander werden.
Es wäre auch für ihn ein erfreuliches Ereignis gewesen, wenn da nicht ein gewisser schwarzhaariger Floh wäre, der ihm von der anderen Seite des Raumes frech angrinste.
Wütend zerdrückte Shizuo den Pappbecher in der Hand zu einem kleinen Ball. Zum Glück hatte er sich eben nicht noch nachgeschenkt, wie er es eigentlich vorgehabt hatte.
Warum musste Shinra diese kleine Ratte einladen?
Reichte es nicht, dass der Andere sich immer schon in Ikebukuro herumtrieb? Musste er auch noch hier auftauchen?
Scheinbar blieb ihm nichts erspart ...

Doch weil Celty ihn gebeten hatte, nichts aus Wut zu zerstören oder Izaya gar zu töten, musste er gute Miene zu bösem Spiel machen. Dies war auch der einzige Grund, warum der Bastard immer noch unter den Lebenden weilte.
Aber nein, das stimmte nicht.
Er sagte zwar immer, dass er ihn töten würde, sobald er die Gelegenheit dazu hatte, in die Tat umsetzen würde er sein Vorhaben allerdings nie.
Die Wahrheit war nämlich, er hasste den Informanten Orihara Izaya, weil er ihn liebte. Und das von Anfang an. Peinlich, aber wahr ...
Shizuo hatte zwar schon Mal von der Liebe auf den ersten Blick gehört, doch nie so recht daran geglaubt. Jedenfalls, bis er Izaya kennengelernt hatte. Er hatte sich auf Anhieb in ihn verliebt.
Einfach so!
BAM!
Auch als er den verdorbenen Charakter besser kennengelernt hatte, waren seine Gefühle nicht verschwunden.
Es war einfach zum verrückt werden!
Dabei war ihm klar, das diese Liebe immer einseitig sein würde. Darüber hatte er nicht lange nachdenken müssen. So ein Kerl wie Izaya würde sich doch nie mit einem Mann einlassen.
Und von da an hatte er einfach beschlossen, den Floh zu hassen. Das war das Bequemste für alle gewesen, vor allem für ihn selbst.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er nicht mal vermutet, dass er vielleicht auf Kerle stand. Wie auch? Vorher hatte ihn ja niemand interessiert, nicht mal Frauen. Jedenfalls keine Bestimmte. Auch wenn er gerne eine Freundin gehabt hätte.

Wütend über sich selbst warf er den zerdrückten Pappbecher in den Abfalleimer und wand Izaya so den Rücken zu.
Er sollte sich einfach von ihm fernhalten und den Abend so gut es unter diesen Umständen möglich war genießen.
Gerade als er zu Celty und Shinra gehen und ihnen gratulieren wollte, tippte ihm jemand mit dem Finger von hinten auf die Schulter.
Seine Hände ballten sich zu Fäusten. Man musste wirklich kein Genie sein, um zu wissen, wer es war.
Doch natürlich musste sich der Floh extra bemerkbar machen, indem er ihm spöttisch entgegen schleuderte: »Shizu-chan ~. Schön dich mal wo anders zu sehen als auf den Straßen Ikebukuros. Wir hatten noch gar nicht die Gelegenheit uns zu unterhalten, ne!«
»Wenn es nach mir geht, brauchen wir auch erst gar nicht damit anfangen!«, knurrte der Blonde und drehte sich mühsam beherrscht um.
Ich hab versprochen mich zu beherrschen. Ich hab versprochen mich zu beherrschen. Ich hab versprochen mich zu beherrschen. Ich hab versprochen mich zu beherrschen.
Mit diesem Mantra im Kopf musterte er den Schwarzhaarigen vor sich.
Izaya war nur höchstens zehn Zentimeter kleiner als er, weshalb es ihm keine Probleme bereitete, dem Informanten in die Augen zu blicken. Das spöttische Funkeln darin kannte er nur zu gut.
Auch das belustigte Kichern war für ihn nichts Neues. »Ach Shizu-chan ~«, säuselte er und wackelte tadelnd mit seinem Finger. »Wir sollten uns heute nicht streiten, findest du nicht auch?«
»Ja, deshalb reden wir ja nicht miteinander!«, bestimmte er und drehte sich um, auf der Suche nach Shinra und Celty.

Er konnte die Verlobten auf der Couch sitzen sehen. Die Dullahan schmiegte sich gerade an Shinras Schulter und aus ihrem Hals strömten herzförmige Schatten.
Scheinbar war es im Moment keine passende Gelegenheit, um ihnen zu ihrem Glück zu gratulieren.
Dann würde er eben noch etwas trinken. Doch als er sich umwand, wäre er beinnah gegen Izaya geprallt, der direkt hinter ihm Stellung bezogen hatte.
Sofort legte sich wieder ein Grinsen auf seine Gesichtszüge und er sah ihn provokativ an. So als würde er es darauf anlegen, dass er ihn hier und jetzt eine reinhaute.
Sie waren sich in diesem Moment wieder einmal so nahe. Er meinte fast, die Wärme, die von dem Körper des Flohs ausging, spüren zu können.
Er versuchte immer so viel Abstand wie möglich zu ihm zu halten, das war aber auf diesen beengten Raum einfach nicht drin. Shinras Wohnung war nicht groß genug, auch wenn sie nur eine Handvoll Gäste waren.
Wie immer unterdrückte er den Drang, ihn zu packen, an die nächstbeste Wand zu nageln und so leidenschaftlich zu küssen, dass ihm hören und sehen verging. DAS würde niemals geschehen.
»Willst du heute unbedingt eine Gesichtskorrektur«, knurrte er herausfordernd und trat einen Schritt zurück um etwas Abstand zwischen sie zu schaffen.
Izaya lachte und wedelte mit der Hand in der Luft herum. »Heute nicht Shizu-chan! Aber das weißt du wohl so gut wie ich, ne!«
Dieser ...!
Er nutzte es schamlos aus, dass er an Celtys Versprechen gebunden war.
Grummelnd wand er sich ab und strebte auf die Tür zu.

»Wo willst du hin, Shizu-chan?«, fragte Izaya ihn, während er dreist hinter ihm herging.
»Aufs Klo, alleine!«
Wenigstens da würde er ein paar Minuten ruhe bekommen, jedenfalls hatte er das gedacht.
Aber nein, Izaya blieb frech vor der Tür stehen und lehnte sich scheinbar dagegen, um weiter mit ihm reden zu können. Wie sollte man sich denn so erleichtern?!
»Es ist ewig her, dass wir zusammen im selben Raum waren, ohne uns umzubringen, ne Shizu-chan! Das erinnert mich an unsere Schulzeit.«
Ein gedämpftes Kichern drang durch die geschlossene Badezimmertür.
Shizuo seufzte. An ihre Schulzeit wollte er jetzt bestimmt nicht denken. Sie war nämlich alles andere als leicht für ihn gewesen. Je mehr er versucht hatte, sich von Izaya fernzuhalten, desto weniger Freiraum hatte ihm dieser Bastard gelassen. Dazu kamen noch die zahlreichen Schläger, die er ihm auf den Hals gehetzt hatte.
Von da ab hatte er beschlossen, er hasste diese Made nicht nur, sondern er würde ihn töten. So war immerhin niemand auf den Gedanken gekommen, dass er etwas für den Floh übrig hatte. Gut so. Es sollte auch niemand erfahren. Das war seine Sache. Und er musste damit auch klarkommen.

»Bist du ins Klo gefallen, Shizu-chan?«, rief Izaya ihm zu und der Blonde schloss genervt seine Augen.
Er antwortete nicht und versuchte sich bewusst zu entspannen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte er es geschafft sich zu erleichtern und verlies das Badezimmer wieder. Davor nahm ihn sogleich Izaya in Empfang. Ein dreckiges Grinsen umspielte seine Lippen.
Er reckte angriffslustig sein Kinn vor und sagte höhnisch: »Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr raus, Shizu-chan! Es ist aber nicht sehr nett, mich warten zu lassen ~.«
Shizuo schnaubte und steckte sich eine Zigarette zwischen die Lippen. »Ich habe dich nicht gebeten vor der Tür zu warten«, murrte er und lies den Daumen über das Zündrad gleiten, bis der Docht aufflammte.
Tief inhalierte er den Zigarettenrauch und fühlte kein bisschen die Beruhigung, die das Nikotin immer mit sich brachte. In Izayas Nähe half so etwas Einfaches scheinbar nicht. Da müsste er allem Anschein nach auf harte Drogen und Alkohol zurückgreifen.
»Zisch ab!«, fuhr er ihn ruppig an, doch Izaya zog nur belustigt die Schultern hoch.
»Warum sollte ich? Ich bin genauso eingeladen wie du, ne?«
Shizuo zwang sich, einmal tief durchzuatmen.
Nicht aufregen. Denk dran, du hast es versprochen.

Mühsam beherrscht sah er den Floh an. Zorn funkelte in seinen Augen.
Izayas Zunge hinterließ eine glänzende Spur auf seinen Lippen und Shizuos Augenbraue zuckte.
Was war nur mit diesem Bastard nicht in Ordnung?! Warum konnte er ihn denn nicht einfach in Ruhe lassen?! Immer wieder musste er ihn nerven und mit seiner Anwesenheit aus der Fassung bringen! Vielleicht hätte er es längst geschafft, seine Wut besser im Zaun zu halten, wenn dieser Kerl nicht wäre!
Schnell wand er sich ab, bevor dieser Floh ihm noch ansehen konnte, dass sein ganzes Blut gerade auf dem Weg in südliche Regionen wanderte.
Scheiß Körperchemie!
Das war schon immer ein Problem gewesen. Doch sonst waren sie draußen und er konnte es gut verbergen.
Wer achtete schon auf solche Details, wenn ihm gerade ein voller Getränkeautomat um die Ohren flog?
»Halts Maul und lass mich gefälligst in Ruhe!«, verlangte er und ging mit ausgreifenden Schritten zurück in das Wohnzimmer seines alten Schulkameraden. Nur bloß weg von Izaya.


Während Shizuo das Weite suchte, stand Izaya allein im Flur und schaute dem Blonden grinsend hinterher.
Shizu-chan. Empfindlich wie eh und je!, dachte sich der Informant und unterdrückte ein Lachen.
Als Shinra ihn gebeten hatte, sich heute Abend mit Shizu-chan zu vertragen, hätte er ihm beinnah ins Gesicht gelacht. Er und Shizuo sollten sich vertragen? Lachhaft!
Doch dann hatte er für sich einen Vorteil aus ihrem unfreiwilligen Waffenstillstand gesehen. Er konnte Shizu-chan so schön ärgern!
Er liebte es, seine Reaktionen zu beobachten. Besonders, weil er den Blonden einfach nicht richtig einschätzen konnte. Er konnte nie nachvollziehen, was der Andere gerade dachte. Bei normalen Menschen bereitete dies ihm keinerlei Schwierigkeiten. Weshalb es auch nur einen logischen Schluss geben konnte. Shizu-chan war kein Mensch, sondern ein Monster. Das würde auch seine unmenschliche Stärke erklären.
Es konnte also noch ein interessanter Abend werden. Er fühlte sich wie ein Kryptozoologe, der endlich die Existenz von Big Foot bewiesen hatte und nun seine Entdeckung genau studieren wollte.
Kopfschüttelnd setzte er einen Fuß vor den Anderen, um Shizu-chan zu folgen.
»Heute, mein lieber Shizu-chan, wird ein verdammt langer Abend für dich werden, das verspreche ich dir~«, flüsterte der Informant und kicherte leise. Und vor allem sollte ihm dieser Abend auch für immer im Gedächtnis haften bleiben. Das dürfte für ihn aber kein Problem darstellen.
Im Shizu-chan auf die Palme bringen hielt er immerhin den Weltrekord. Hundert von hundert Mal!
Kichernd ging er zurück in das Wohnzimmer, um Shizuo das Leben schwer zu machen.

Der Blonde unterhielt sich gerade mit Shinra und Celty, also schlich Izaya zur Bowle. Er füllte zwei Becher voll und zog ein kleines Fläschchen aus der Jackentasche. Kurz warf er noch einen Blick darauf.
K.O. Tropfen ...
Er wollte schon immer mal ausprobieren, wie Shizu-chan auf so etwas reagierte. Und heute war die passende Gelegenheit!
Einige Tropfen davon sollten genügen, Izaya wollte aber auf Nummer sicher gehen, schraubte den Deckel ab und schüttete den gesamten Inhalt in das Getränk. Das sollte selbst so ein Monster wie Shizu-chan lahmlegen!

Mit den Bechern in der Hand drehte er sich um und sah, dass es die perfekte Gelegenheit war, um wieder zu dem Blonden zu stoßen. Shizu-chan war nicht der Einzige, der dem Paar gratulieren wollte, weshalb er auch das Feld räumen musste.
Sofort war Izaya an seiner Seite und hielt ihm das Getränk ohne K.O. Tropfen entgegen.
»Hier Shizu-chan«, sagte er grinsend, während er aus zusammengekniffenen Augen gemustert wurde.
Er tat so, als würde er einen Schluck von dem präparierten Becher nehmen und Shizuo reagierte prompt so, wie er es vorhergesehen hatte. Er riss ihm den Becher aus der Hand, aus dem er gerade vorgegeben hatte, zu trinken und brummelte nur etwas in seinen nicht vorhandenen Bart.
Der Informant musste sich zusammenreisen, damit er nicht durch sein Grinsen aufflog. Er konnte Shizu-chan zwar schlecht deuten, da allerdings war ihm klar gewesen, dass er niemals etwas nehmen würde, was er für ihn geholt hatte. Dabei hatte er nicht einmal vor diese süße Plörre zu trinken. Er hielt sich lieber an das Bier, welches Shinra im Kühlschrank stehen hatte.
Er wand sich ab, um Selbiges zu holen. Sobald er Shizuo den Rücken zugedreht hatte, erlaubte er sich ein schadenfrohes Grinsen.
Die Tropfen wirkten recht schnell, schon in zehn Minuten würde er erfahren, was für eine Wirkung es auf Shizuo hatte.
Voller Vorfreude verschwand er in die Küche.

Mit dem Bier hatte er sich extra Zeit gelassen und war anschließend mit Ungeduld angefüllt wieder zurückgekommen. Doch mittlerweile waren bereits mehr als fünfzehn Minuten verstrichen und das Einzige, was er Shizu-chan mit den Tropfen entlocken konnte, war ein Gähnen.
Mist! Er hätte sich auch denken können, dass bei einem unmenschlichen Wesen wie dem Blonden nicht die gewünschte Wirkung hatte. Vielleicht brauchte er einfach größere Mengen ...
Auch die Annahme, dass das Resultat später eintrat, erwies sich als falsch. Shizuo war in dieser Beziehung scheinbar nicht klein zu kriegen.
Seufzend malte der Jüngere mit dem Finger kreise in die Luft. Dann musste er sich eben etwas anderes einfallen lassen, womit er Shizu-chan heute Abend noch mal so richtig auf die Nerven gehen konnte!


Shizuo spürte die stechenden Blicke im Nacken, versuchte es aber, soweit es ging, zu ignorieren. Er wusste genau, dass dieser Bastard ihn beobachtete, das tat er bereits den gesamten Abend hinweg.
Seine Hand begann vor unterdrückter Wut zu zittern und er stellte schnell sein Glas auf dem Tisch vor sich. Gerade rechtzeitig, wie die feinen Risse bewiesen. Noch eine Sekunde länger und vor seinen Füßen hätte sich ein Scherbenhaufen gebildet.
Tief durchatmend lehnte er sich auf der Couch zurück und schloss für einen Moment die Augen.
Doch als er an der Schulter angestupst wurde, hob er den Kopf wieder und sah auf Celtys PDA.
›Danke das du dich zusammenreist.‹
Shizuo nickte. Sie wusste, wie sehr er Izaya hasste und wie viel Überwindung ihn dieser Abend kostete.
Und dabei weiß sie nur die halbe Wahrheit ..., dachte sich der Blonde wehmütig.
Und genauso würde es auch bleiben. Dieses Geheimnis würde er mit ins Grab nehmen.

»Hey Shizu-chan~. Wie siehts aus, trinkst du ein Bier mit mir?«
Shizuo zuckte zusammen und schaute über die Schulter zu seinem Langzeitfeind zurück. »Nein!«, war die einzige Antwort, zu der er sich herabließ. Dieses widerliche Zeug würde er niemals anrühren, viel zu bitter für seinen Geschmack.
»Aww ~.« Izaya verzog schmollend das Gesicht und lies sich neben ihm auf die Couch plumpsen. Somit war das Sofa voll belegt und Shizuo hatte keine Möglichkeit auszuweichen. Es seiden er stand auf, aber dann würde es wie eine Flucht aussehen und soweit würde er es bei diesem Floh nicht kommen lassen!
»Immer ist Shizu-chan so verklemmt!«, beschwerte sich der Informant und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
Shizuo würdigte ihn nicht mal einer Antwort. Er war viel zu sehr damit beschäftigt zu ignorieren, dass sie so dicht beieinandersaßen, dass sich ihre Oberschenkel berührten.
Er spürte die Körperwärme des Flohs und saß verkrampft da. Aus den Augenwinkeln warf er einen Blick auf Izaya, der an seiner Bierflasche nuckelte und gedankenverloren in die Runde blickte. Aus Adleraugen beobachtete er alles und saugte jedes Detail aus dem Raum in sich ein. Ja, der Jüngere war ein Informant durch und durch.
Leicht biss sich Shizuo auf die Unterlippe. Wie oft hatte er diesen durchdringenden Blick schon auf sich gespürt? Viel zu oft! Und doch waren es nicht die Blicke, die er sich wünschte. Aber der Floh würde nie mehr in ihm sehen als Shizu-chan, Langzeitfeind für immer und ewig. Außerdem bezweifelte er, dass Izaya überhaupt dazu fähig war, zu einem menschlichen Wesen eine Bindung aufzubauen. Dafür kannte er den Schwarzhaarigen zu gut. Izaya würde es sich mit seiner Art sicher schnell wieder verscherzen. Wer konnte es schon lange mit dieser kleinen Ratte im selben Raum aushalten?
»Eh? Shizu-chan!«, rief der Schwarzhaarige aus und kicherte leise. »Du zitterst ja! Ich wusste gar nicht, dass die Haut von Monstern so dünn ist!«
Shizuo knurrte, Izaya lachte. Scheinbar amüsierte sich der Floh prächtig!
Vielleicht sollte er ihm eins über die Rübe geben, damit er selbst etwas zu Lachen hatte. Diesen Wicht am Boden liegen zu sehen wäre zur Abwechslung mal was Neues.
»Halt dein Maul und lass mich in Ruhe!«, ranzte er ihn an und wand den Oberkörper ab, damit er ihn nicht mehr ansehen musste. Fühlen konnte er ihn natürlich trotzdem noch, besonders als sich der Schwarzhaarige auch noch begann, neben ihm zu bewegen.
»Hör auf so herumzuzappeln!«, knurrte er, wand sich Izaya wieder zu und drückte ihn mit der Hand auf der Brust in die Polster der Couch.
Ächzend stieß der die Luft aus und griff nach Shizuos Hangelenk.
»Willst du mir die Rippen brechen?«, keuchte er, klang dabei aber nicht beunruhigt, sondern eher belustigt. Er wusste, dass er hier von ihm nichts zu befürchten hatte.
Knurrend übte er einen Moment noch mehr Druck aus, bevor er wieder von ihm abließ. Seine komplette Handinnenfläche kribbelte, auch nachdem er den Kontakt zu Izayas Körper unterbrochen hatte. Unauffällig rieb er damit über sein Knie, doch das Gefühl blieb weiter bestehen.
Als der Floh zu lachen begann, wurde es dem Blonden zu viel. Abrupt stand er auf und schritt zielstrebig auf die Balkontür zu. Mit einem Ruck riss er sie auf und ging nach draußen. Er warf die Tür hinter sich zu, und kurz bevor sie wieder schloss, schlüpfte Izaya ihm nach und grinste ihn dämlich an.
»Was gibts da so blöd zu grinsen?«, wollte er gereizt wissen und drehte ihm den Rücken zu. Eigentlich wollte er vor Izaya fliehen, jetzt war er sogar mit ihm alleine!
»Nichts besonderes, Shizu-chan~«, flötete er und lehnte sich mit dem Rücken gegen das Geländer, beobachtete den Blonden weiter.
Natürlich spürte Shizuo die Blicke wieder nur zu deutlich in seinem Nacken, doch er versuchte, es so gut es eben nur ging zu ignorieren.
»Geh wieder rein und verpeste dort die Luft«, brummelte er und zündete sich eine Zigarette an. Nikotin war gut. Nikotin beruhigte die Nerven.
Doch ob es auch in dieser Ausnahmesituation helfen würde? Er wagte es zu bezweifeln, aber einen Versuch war es wert.
Er hörte hinter sich rascheln von Stoff, gefolgt von einem leisen Schnüffeln. »Ich stinke gar nicht«, bemerkte der Schwarzhaarige und Shizuo musste sich zusammenreisen, damit er nicht die Zigarette zwischen seinen Fingern zerbrach.
Natürlich stank er nicht, im Gegenteil. Aber das konnte er natürlicherweise nicht zugeben. Sonst müsste er dem Floh sagen, dass ihm sein Geruch gefiel, regelrecht um den Verstand brachte. Deshalb war es umso schwerer für ihn, sich in dessen Gegenwart aufzuhalten.
Und wieder dachte er daran, wie einfach es auf den Straßen Ikebukuros war. Von dort konnte er ihn verjagen, hinter ihm herhetzen, bis er ihn nicht mehr sehen konnte. Aber hier? Keine Ausweichmöglichkeit, nada!
Der Floh legte es scheinbar darauf an, in seiner Nähe zu sein. Dabei wäre es nicht verwunderlich, dass er die Kontrolle verlor und die ganze Wohnung kurz und klein schlug. Beherrschung war niemals seine starke Seite gewesen. Schon als er jung war, hatte er seiner Wut freien Lauf gelassen. Sie hatte sich so lange in ihm gestaut, bis er regelrecht explodiert war. Von da an hatte er beschlossen, einfach alles direkt herauszulassen. Leider ging das hier nicht und er spürte den Druck in seinem Inneren immer weiter ansteigen. Früher oder später musste es zu einer gewaltigen Entladung kommen ...

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Sooo soviel zum ersten Kapitel.  Das ist mal etwas Anderes :D
Würde mich freuen, wenn ihr mir ein Feedback geben könntet, ob dieses Szenario bei euch ankommt, oder nicht ;)
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