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A heart that hurts...

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 Slash
Don Quichotte de Flamingo Eustass 'Captain" Kid Killer Trafalgar Law
07.07.2015
30.11.2020
37
79.045
24
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22.11.2020 2.448
 
Kapitel 28: Kids Sicht


Kiraas Worte hallten mir die nächsten Tage unangenehm in den Ohren nach. Wann immer ich ihn sah, musste ich an das denken, was wir besprochen hatten, als er bei mir zuhause gewesen war. Ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich ihm zustimmte oder seine Worte tatsächlich nur für Schwachsinn hielt. War es wirklich so, dass Law Hilfe brauchte?
Sollte ich mich wirklich bei ihm melden, um Dinge wie den Mietvertrag zu klären? Sachen, wie Kiraa es nannte, die Vorwände waren aus dem Weg schaffen und Platz für etwas Neues machen?
Er hatte zumindest Recht, dass die alleinige Tatsache, dass ich noch immer in der Wohnung lebte, mehr als nur dafür sprach, dass ich irgendwie glaubte, dass es noch etwas zwischen Law und mir gab. Ich war mittlerweile auch überzeugt, dass ich selbst keinen Neuen finden würde, wenn ich weiter dort wohnen würde. Der Gedanke, jemanden in das Bett zu bringen, das Law und ich uns geteilt hatten, widerte mich an.
Es war Mittagspause auf der Arbeit, ungewöhnlich kalt für Ende März. Ich zog an meiner Zigarette, die ich mir soeben angesteckt hatte und starrte in den grauen Himmel, die Augenbrauen etwas zusammengezogen.
„Woran denkst du?“, fragte Kiraa, der sich in dem Moment zu mir gesellte und eine Flasche Wasser aufschraubte. Dann ließ er sich auf die Bank fallen, die neben mir stand.
Ich sah flüchtig zu ihm und zuckte mit den Schultern. „Hab überlegt, wie ich den grünen Polo am besten fertig machen kann. Der halbe Kabelbaum hinten links ist durchgeschmort“, log ich glatt und sah zu, wie der Rauch in der Luft verfliegt.
„Du kannst gut lügen, aber nicht gut genug, um mich zu täuschen“, meinte der Blonde dann plötzlich und grinste schief. „Er sagt es geht ihm gut.“
Meine Augen weiteten sich für den Bruchteil einer Sekunde, dann schaute ich ihn neugieriger, als es mir lieb war, an. „Du hast mit ihm gesprochen?“
Kiraa neigte den Kopf und nickte dann. „Ich habe ihn angerufen. Ich hatte mir gedacht, dass du es nicht tun würdest, aber ich glaubte, dass es besser wäre, wenn sich mal irgendjemand nach seinem Wohlbefinden erkundet. Keine Sorge – er glaubte nicht, dass du mich als Posteule vorgeschickt hast.“
Er schwieg und ich ebenfalls, senkte vielleicht etwas den Blick und musterte nun die Linien des schlecht gelegten Kopfsteinpflasters. Ich atmete etwas genervt aus. „Muss ich dir aus der Nase ziehen, was er sonst noch erzählt hat, oder machst du das von selbst?“
Der wissende Gesichtsausdruck meines Freundes gefiel mir überhaupt nicht. „Er sagte, er habe eine nette Wohnung in der Innenstadt gefunden, er hätte viel zu tun, aber es ginge ihm im Großen und Ganzen gut. Dann… hat er gefragt, warum ich ihn anrufe, und ich meinte, dass ich lange nichts von ihm gehört hätte und gerne wissen wollen würde, wie es ihm geht und was er so macht. Er wirkte… etwas beunruhigt, dass ich ihn angerufen habe. Wir haben also nicht lange gesprochen. Er meinte bloß noch, dass ich mir keine Sorgen machen soll und dass ich dich grüßen soll, wenn ich dich das nächste Mal sehe.“
„Das hat er gesagt?“ Eine meiner Augenbrauen wanderte steil in die Höhe. Das klang eher nach einer eiskalten Absage, als nach einem ansatzweise freundlichen Gespräch. Die Tatsache, dass er meinte, Kiraa solle mich grüßen, machte mich noch stutziger. Irgendetwas in mir schrie, dass es nicht Laws Art war, dass irgendetwas merkwürdig war.
Kiraa seufzte leise. „Es wäre mir lieb, wenn ich dich einfach nur von ihm grüßen könnte und dir sagen könnte, es ginge ihm gut. Aber… er klang überhaupt nicht danach.“
„Inwiefern?“, hakte ich nach drückte dann meine Zigarette in dem Aschenbecher auf dem kleinen Tisch aus, der auf dem Hinterhof der Werkstatt stand.
„Er klang…. Müde. Noch mehr als sonst. Seine Stimme kam mir irgendwie auch anders vor. Ich habe ihn zwar lange nicht mehr gesprochen, aber sie klang rauer als sonst, heiser. Nicht, als hätte er geweint, aber so, als hätte er schon länger nicht mit jemandem gesprochen, falls das irgendwie Sinn ergibt. Und als er meinte, ich solle dich grüßen, hat sie plötzlich einen ganz eisigen Ton angenommen, als würde er das von sich abgrenzen wollen. Ich weiß nicht… Es war eigenartig. Ich hab mich ganz und gar nicht wohl gefühlt bei dem Telefonat.“
Ich setzte mich neben Kiraa auf die Bank, lehnte mich zurück und atmete dabei tief aus, starrte wieder in den Himmel und versank in meinen eigenen Gedanken. Es passte zu Law, dass er kalt und abweisend wurde, wenn es um mich gehen würde, nach der Trennung. Aber ich fragte mich, wieso er das dann überhaupt ansprechen würde. Er hätte auch einfach nichts sagen können. Wollte er vielleicht, dass Kiraa mit mir darüber sprach, um meine Aufmerksamkeit absichtlich auf ihn zu lenken? War das vielleicht seine Art, mir mitzuteilen, dass er doch wieder mit mir zu tun haben wollte, oder mit mir reden wollte, warum auch immer?
Nein, das konnte ich mir nicht wirklich vorstellen. Zumal ich nicht glaubte, dass er das auf diese Art über Kiraa tun würde. Ich fragte mich, ob vielleicht etwas passiert war, weswegen es ihm grundsätzlich unangenehm war, mit ihm zu sprechen, aber ich konnte mir nichts vorstellen. Zwischen mir und ihm, ja, aber Kiraa?
„Ich würde ihn gerne besuchen“, meinte Kiraa dann aus dem Nichts. Ich gab ein leises Schnauben von mir und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Wenn es wirklich genau so war, wie du es beschrieben hast, dann ist er sicherlich auch aus dem Häuschen, dich zu sehen“, höhnte ich. Der Blonde neben mir schmunzelte.
„Genau das hatte ich auch im Kopf“, erwiderte er also. „Ich wüsste nicht, unter welchem Vorwand ich ihn besuchen könnte. Aber… so wie ich ihn kenne...“  
Ich nickte leicht. „Vielleicht hast du Recht… Weißt du, ich habe mir viel Gedanken darum gemacht, wie es ihm wohl geht und wie er mit der Situation umgeht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er besonders gut damit klarkommt… Auch wenn es jetzt schon eine ganze Weile her ist.“
„Ich persönlich halte es immer noch für das Beste, wenn du auf ihn zugehen würdest, Kid.“ Die blauen Augen meines Freundes waren durchdringend auf mich gerichtet und mir entging der scharfe Unterton in seiner Stimme nicht.
„Ich habe dir schon gesagt, was ich davon halte“, gab ich zurück und reckte energisch etwas das Kinn. „Er hat gesagt, er meldet sich, wenn er einen klaren Kopf hat, und solange er das nicht tut, werde ich nicht provozieren, ihn zurückzuwerfen – wo auch immer er gerade steht. Möglicherweise war das genau der Grund, weshalb er dir so kalt gegenüber war. Eventuell war er gerade an einem Punkt angekommen, an dem er damit umgehen konnte und du hast ihn wieder zu stark an alles erinnert.“
„Problemen derart aus dem Weg zu gehen ist doch keine Lösung!“ Es war unübersichtlich, dass meine Antwort Kiraa überhaupt nicht zufrieden stellte. „Weder deine, noch Laws Einstellung ist für irgendjemanden hier gesund.“
„Ich bleibe dabei.“ Ich erhob mich wieder, da meine Schicht bald wieder anfing und weil ich der Konversation ein Ende setzen wollte. „Ich werde ihn nicht anrufen, das ist mein letztes Wort.“
Ich sah, wie Kiraa die Hände erhob, zum Widerspruch ansetzte, aber es dann doch ließ. „Musst du wieder los?“, fragte er stattdessen.
„Der grüne Polo repariert sich ja nicht von selbst“, erwiderte ich. „Und Kiraa…. Mir ist egal, was du tust, aber wenn du unbedingt Detektiv spielen willst und Law hinterher schnüffeln musst… Was ist mit Penguin und Shachi, seinen Freunden aus dem Krankenhaus? Die müssten ihn doch bestimmt gesehen haben.“
Mit diesen Worten machte ich kehrt und ging zurück in die Werkstatt, in der es kaum wärmer war, als draußen. Ein unangenehmes Gefühl machte sich in  meinem Magen breit. Mir war schon klar, warum ich Kiraa auf Penguin und Shachi angesetzt hatte. Insgeheim wollte ich ja, dass er mehr über Law herausfand. Ich scheute mich zu sehr, selbst zu fragen. Weil ich zu stolz war auf der einen Seite – andererseits tatsächlich, weil ich Sorge hatte, dass ich ihn zurückholen würde, dass ich seinen ganzen möglichen Fortschritt zunichte machen würde. Ich wollte, dass es ihm gutging, schließlich war er mir nie egal gewesen. Der Gedanke, dass er ohne mich glücklich sein könnte oder ist, tat zwar noch immer weh, aber längst nicht mehr so sehr wie am Anfang. Ein Teil von mir hatte sich einfach damit abgefunden, dass es weitergehen musste, auch ohne ihn und dass es unfair wäre, ihm zu wünschen, unzufrieden zu sein, nur weil ich ihn nicht haben konnte. Wenn ich ihn wirklich liebte, dann wäre ich ein schlechter Mensch, meine Schadenfreude über sein Wohl zu stellen. Das war etwas, das ich auf keinen Fall wollte.
Aber da war noch dieser andere Teil, dieses kleine bisschen Hoffnung, denn ich wusste, dass es zwar nicht mehr schmerzte, ihn zu vermissen, aber ich es immer noch tat. Ich dachte noch immer viel zu viel an ihn. Ich wollte ihn noch immer in den Arm nehmen, mich für alles entschuldigen, das passiert war, oder einfach die Zeit zurückdrehen und es ungeschehen machen. Ich war nicht immer gut zu ihm gewesen, auf keinen Fall – aber er war auch nicht immer fair mir gegenüber.
Trotzdem gab es so viele Kleinigkeiten, so viele Situationen, in denen ich mir nun wünschte, nicht ganz so eigensinnig oder kindisch gewesen zu sein. Wenn ich an all die Sachen dachte, die ich mit ihm vorhatte, die wir gemeinsam erleben wollten, die wir geplant hatten, dann wurde mir schlecht und ich wollte mich einfach nur irgendwo einschließen, die Augen schließen und wegrennen. Weit fort, mit ihm.
Ich schüttelte den Kopf, versuchte, die trüben Gedanken loszuwerden und versuchte, mich wieder auf den grünen Polo zu konzentrieren. Die Motorhaube stand offen, der Kofferraum ebenfalls und ich hatte schon wieder vergessen, was der Kunde überhaupt als Problem genannt hatte.
Hinterer Kabelbaum, Rücklicht, Bremslicht, der Kofferraum benahm sich seltsam. Mechanisch machte ich mich wieder an die Arbeit, fokussierte mich voll und ganz auf den Wagen und wagte es nicht, einen einzigen Gedanken Law zu widmen, ehe das Auto wieder einwandfrei war.

Als ich zuhause in der Wohnung ankam, wurde mir wieder bewusst, wie leer diese war, seitdem Law weg war, aber ich versuchte, nicht weiter darüber nachzudenken. Ich machte mir ein paar Nudeln mit Ketchup, da ich keine Lust hatte, großartig zu kochen und setzte mich mit meinem Essen auf das Sofa, schaltete den Fernseher ein und landete bei einem Nachrichtensender. Die internationalen Nachrichten handelten wie immer nur von einem Haufen beschränkter Politiker. Zunächst glaubte ich, dass in den lokalen Nachrichten ebenfalls nichts Spannendes berichtet würde. Ich nahm nur am Rande wahr, dass ich aufhörte zu essen, während ich dann gebannt der nasalen Stimme der Reporterin lauschte.
„Kommen wir nun zu den guten Nachrichten: Ein Chirurg aus dem St. August Hospital rettete heute unerwartet einem kleinen Jungen das Leben. Im morgendlichen Gedränge an der U-Bahnstation King‘s Cross wurde der achtjährige James durch die Menschenmasse von seiner Mutter getrennt und in Richtung der Gleise gedrängt, wo er von einer einfahrenden Bahn erfasst worden ist, gerade bevor diese zum Stillstand kam. Der Junge wurde von zwei Passanten aus dem Gleisbett gehoben, was dem Herzchirurgen Trafalgar Law nicht entgangen war. Mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln machte er sich daran, den Jungen zu behandeln, noch bevor der Krankenwagen eintreffen konnte. Dem Bericht des Krankenhauses zufolge war es dem Chirurgen gelungen, den Arm des Jungen zu retten, der durch die Bahn wohl beinahe abgetrennt worden war. Der Junge müsse wohl einen längeren Aufenthalt über sich ergehen lassen, würde den Unfall aber ohne großartige Folgeschäden überstehen.“
Als nächstes wurde die Mutter des Jungen eingeblendet, zumindest stand das in der Beschreibung unter ihr. „Ich wusste überhaupt nicht, was los war! Ich hatte James eben noch an der Hand, da war er plötzlich verschwunden. Ich habe nach ihm gerufen, aber keine Antwort bekommen, dann habe ich nur Menschen schreien hören, die Bahn stand dann endlich und die Leute sind plötzlich vom Gleis gewichen, ich habe nur zwei Männer einen Jungen tragen sehen. Erst dachte ich: Bitte, lass das nicht meinen James sein, aber dann habe ich ihn erkannt. Mir ist das Herz beinahe stehen geblieben, ich habe nach ihm geschrien. Bevor ich ihn erreichen konnte, stand Mister Trafalgar auch schon über ihn gebeugt und hat ihn behandelt. Ich werde diesem Mann für immer dankbar sein, ich weiß gar nicht, wie ich ihm das je zurückgeben kann, was er heute für mich und meinen Sohn getan hat.“ Die Frau war ganz aufgelöst und hatte Tränen in den Augen, was ich ihr auch überhaupt nicht verübeln konnte, aber etwas Anderes machte sich in meiner Brust breit: Stolz. Doch das beflügelnde, warme Gefühl wurde sofort zerstört, als eine Aufnahme von Law eingeblendet wurde. Sie mussten ihn im Krankenhaus interviewt haben, denn er trug einen schneeweißen Kittel und die Wand hinter ihm war ebenfalls stechend weiß. Die Reporterin mit der nasalen Stimme stand ihm gegenüber und fragte ihn nach dem Vorfall. Laws Stimme hörte sich durch das Mikrofon des Nachrichtensenders anders an, irgendwie tiefer, distanziert. „Ich kann Ihnen ehrlich gesagt nicht wirklich sagen, was ich in dem Moment dachte… Ich habe nur mitbekommen: Da gibt es einen Unfall, ich bin Arzt, lasst mich durch. Wenn… Etwas passiert dann bin ich einfach im Arbeitsmodus, ich weiß, dass es Erste-Hilfe-Kästen bei den Feuerlöschern an der Wand gibt, habe jemanden angeschrien, er solle einen bringen. Dann habe ich mir die Wunden des Jungen angesehen, versucht, das Schlimmste zu verhindern und war glücklicherweise trotz der begrenzten Mittel recht erfolgreich.“
Die Reporterin sagte noch etwas und Law deutete etwas an, das zwar ein Lächeln sein sollte, aber es wirkte so gezwungen, dass ich schlucken musste. Ich war mir nicht sicher, ob es an der weißen Wand und der weißen Kleidung lag, aber sein Gesicht wirkte grau, die Wangenknochen zeichneten sich so ausdrücklich unter seiner Haut ab, dass er sicherlich Gewicht verloren haben musste und die Schatten unter seinen Augen waren gespenstisch genug, dass ich mich wunderte, dass sie ihn überhaupt im Fernsehen zeigten. Seine Haare waren einige Zentimeter gewachsen und es irritierte mich, dass er seinen Bart zwar gestutzt, aber voll trug. Er sah aus, als wäre er im letzten halben Jahr mehr als ein Jahrzehnt gealtert.
Das Bild zeigte nun wieder das Studio des Senders und das Thema wurde gewechselt, doch ich griff nur nach der Fernbedienung und schaltete das Fernsehen wieder aus. Meine Nudeln aß ich an dem Tag nicht mehr auf, ich ging heiß duschen und legte mich dann ins Bett, ohne bis zum Morgen auch nur ein Auge zu tun zu können, oder das Bild von Law aus dem Fernsehen auch nur eine Sekunde auszublenden.
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