The girl who wouldn't grow up

OneshotFantasy, Freundschaft / P12
Krampus OC (Own Character)
04.07.2015
04.07.2015
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The girl who wouldn't grow up


Nice to meet you
Where you been?

Taylor Swift - Blank Space


Für bonesbuddy.



Wie ein orangeroter Feuerball hing die untergehende Sonne am Horizont und tauchte das zweistöckige Gebäude davor in ein flammendes Lichtermeer, als Lola Parker aus dem silbernen Auto ihrer Eltern ausstieg.
Die 10jährige schirmte ihre grünen Augen gegen das helle Licht ab und lächelte, während sie sich begeistert dem Haus näherte.
Auf der großzügig angelegten Veranda baumelte eine hübsche, weiß gestrichene Holzschaukel sanft im Wind vor sich hin und her. Ihre Eltern hatten das gesamte Haus aufwendig restaurieren und neu einrichten lassen und es bildete einen harten Kontrast zu all den anderen Behausungen, welche Lola während der langen Autofahrt durch Boone County zu Gesicht bekommen hatte. Es wirkte wie das perfekte, idyllische Vorstadthäuschen mit dem angrenzendem Garten, den violetten Veilchen in den Blumenkübeln und der mit Kies bedeckten Auffahrt.
Lola ließ sich auf der Schaukel nieder und dachte an den Moment zurück, als ihre Mama ihr von dem Umzug erzählt hatte.

„Es wird dir gefallen, Liebling“, hatte ihre Mom gesagt, während sie selbst ihre geliebten Bücher in unzähligen Kisten verstaut hatte. „Wir haben alles renovieren lassen und dein Zimmer hat sogar ein eigenes Bad! Ist das nicht toll?!“

Lola war zunächst skeptisch gewesen. Immerhin war Boone County so ziemlich das genaue Gegenteil von ihrer eigentlichen Heimat Chicago.

In Chicago konnte man selbst nachts noch das Hupen der Autos und das rege Treiben der Menschen auf den Straßen vernehmen, während es hier weit und breit nur Felder, Berge und Waldgebiete gab.
Aber ihre anfänglichen Zweifel hatten sich schnell gelegt und in Begeisterung umgewandelt, als sie einen ersten Blick auf den kleinen Fluss hatte erhaschen können, der ihr neues Heim umgab.
Und bereits jetzt, als Lola auf der Schaukel saß und in den angrenzenden Wald schaute, fühlte sie sich Zuhause. Als würde sie genau hier und nirgendwo anders hingehören.
Als hätte dieser Ort nur darauf gewartet, dass sie – Lola Parker – ihn aufsuchen würde.
Es fiel dem rothaarigen Mädchen leicht, sich vorzustellen, welch schaurig-schöne Fabelwesen wohl des Nachts durch die Wälder streiften und welche Geheimnisse hinter den großen Tannen und Fichten auf sie warteten.
Lola konnte es gar nicht erwarten, die Gegend zu erkunden und all die wundersamen Wesen zu entdecken, an die sie fest glaubte. In Chicago gab es zwar auch Parkanlagen, doch sie wirkten künstlich und gestellt und nicht so wild und ungezähmt wie die Natur hier. Zwischen den dichten Baumreihen vor ihr konnten sich allerhand Märchen- und Sagengestalten verstecken.
Trolle, Feen oder gar Werwölfe!

Lola Parker fürchtete die Monster und Schatten unter ihrem Bett nicht, sie sehnte sich danach und während die glühende Sonne allmählich verschwand, meinte sie zwei kleine Kobolde in der Ferne zu erkennen, welche hastig im Unterholz verschwanden.
Sie hatte schon immer eine sehr lebhafte Fantasie gehabt und ihre schönsten Erinnerungen waren eben solche, in denen sie sich der Magie um sich herum nur allzu bewusst war.
Im Zwielicht, wenn die Elfen aus ihren Hainen kamen, tanzten oder Fangen miteinander spielten. Wenn die Uhr Mitternacht schlug und die Geisterstunde ankündigte. Wenn sich für den Bruchteil einer Sekunde die Welten verschoben und sich die dunklen Schatten aus ihren Verstecken wagten.

„Sie zeigen sich nur jenen, die an sie glauben“, hieß es in einem ihrer Bücher und Lola glaubte.
Das kleine Mädchen holte neuen Schwung und lächelte, während es nach und nach dunkler wurde und die ersten Sterne am Firmament erstrahlten.

Lolas Zimmer lag im Erdgeschoss und ihre Mama hatte ihr nicht zu viel versprochen.
Ihr Reich besaß hohe Decken und helle Wände, der Boden war mit schwarzbraunem Parkett und flauschigen Teppichläufern bedeckt. Es gab genug Regale, um all ihren Lieblingsbüchern ausreichenden Platz einzuberäumen und anschließend in Traumwelten abzutauchen.
Während die eine Zimmerhäfte mit jedem nur erdenklichen Schnickschnack ausgestattet war – angefangen bei einem mit seidenen Vorhängen versehenem Himmelbett und einer edlen Nachttischlampe daneben, über einen brandneuen Flachbildschirmfernseher bis hin zu der Spielekonsole davor – hatte Lola doch nur Augen für eines:
Die gepolsterte Sitzecke vor dem Erker, dessen Fenster den Blick auf den dahinter liegenden Wald frei gaben.

Die Rothaarige konnte sich bereits mit einem dicken Buch auf dem Schoß dort sitzen sehen, während sie mit geöffnetem Fenster auf Peter Pan wartete.
„Peter“, flüsterte Lola und schüttelte gedankenverloren den Kopf. „Wann kommst du mich endlich besuchen, damit ich dir all die Geschichten vorlesen kann, die ich für dich geschrieben habe?“

Den restlichen Abend verbrachte das kleine Mädchen damit, ihre Habseligkeiten auszupacken und ihr neues Heim zu erkunden.
Sie fühlte sich wohl und als es an der Zeit war, schlafen zu gehen, öffnete sie wie jeden Abend das Fenster. Es war eine klare Nacht und die Aussicht war atemberaubend. Dutzende Sterne leuchteten am Himmelszelt und irgendwo in weiter Ferne konnte Lola den Polarstern ausmachen.


Zwei Wochen später hatte Lola Parker sich bereits eingelebt und ihr erster Tag in der neuen Schule war nur halb so schlimm verlaufen, wie sie sich ihn ausgemalt hatte.
Die meisten Kinder kannten sich bereits seit ihrer frühesten Kindheit und standen Neuankömmlingen nicht gerade aufgeschlossen gegenüber, doch selbst das kümmerte sie nicht wirklich.
Warum sollte sie Freundschaften mit ihnen schließen, wenn direkt vor ihrer Nase eine ganze Waldlandschaft voller Wunder auf sie wartete?
Ohnehin standen nun erst einmal die Winterferien vor der Tür und begierig wartete sie auf den ersten Schneefall in diesem Jahr. Lola betete, dass ihre Eltern sie nicht wieder zu ihrer Tante nach New York City abschieben würden, wie es an den vergangenen Weihnachtstagen meist der Fall gewesen war.

Die anderen Kinder hatten hinter vorgehaltener Hand darüber getuschelt, dass in der Nacht vor Nikolaus ein gehörnter Teufel sein Unwesen in Boone County trieb und man ihn nur besänftigen konnte, indem man ihm Leckereien und Süßigkeiten anbot.
Lola wollte diesen sogenannten Teufel unbedingt treffen und so stellte sie am Abend des 05. Dezembers einen Teller mit tiefroten, kandierten Äpfeln und mit Zuckerguss überzogenen Plätzchen auf die Fensterbank.
Glücklicherweise hatten ihre Eltern Cagador und Skylar Parker dieses Jahr keine Anstalten gemacht sich zusammen mit ihr in den Flieger zu setzen und die Verwandschaft zu besuchen. Es würden ruhige Weihnachten werden, wahrscheinlich sogar die Ruhigsten seit Lola denken konnte. Es war schön, nicht von einer Schwester ihrer Mutter an die Nächste weitergereicht zu werden, nur um sich anhören zu können, wie erwachsen sie doch geworden sei.
Erwachsen werden gehörte definitiv nicht zu Lolas Zielen und obwohl sie mit ihren zehn Jahren weitaus intelligenter als ihre vielen Cousinen und Cousins war, hatte sie sich vorgenommen in ihrem Herzen immer ein Kind zu bleiben.

Das rothaarige Mädchen machte es sich in ihrem Bett bequem, kuschelte sich in die gepunktete Bettdecke und sah liebevoll von dem geöffnetem Fenster zu ihren Büchern, welche sich auf dem Boden türmten.
Alice im Wunderland, der Zauberer von Oz und natürlich Peter Pan gehörten zu ihren ungeschlagenen Lieblingen.
Sie kannte jedes dieser Bücher auswendig und dennoch wurde sie nicht müde, abermals die Geschichten von Alice, Dorothy oder Wendy durchzublättern und in fremde Welten abzudriften.
Lola angelte nach J. M. Barries „Peter Pan“ und schlug die Stelle im Buch auf, wo Wendy Darling von Kapitän Hook über die Planke geschickt wurde, nur um im nächsten Augenblick von Peter Pan höchstpersönlich gerettet zu werden. Sie verlor sich in den Zeilen und vergaß dabei alles andere um sich herum, bis sie schließlich einschlief und selbst nach Nimmerland flog.

Lola wurde von einem leisen Blöken wach, welches aus dem Garten zu kommen schien. Neugierig öffnete sie ihre grünen Augen und sah sich in ihrem Zimmer um. Ihr Nachtlicht brannte noch und als sie bereits dachte, sie hätte sich den seltsamen Laut nur eingebildet, erklang das Blöken erneut.
Auf Zehenspitzen schlich sie zu dem Fenster und schlang die Arme um ihre Körpermitte. Die Temperatur war deutlich gesunken und es schneite draußen.

Allumfassende Schwärze herrschte im Garten und winzige Schneeflöckchen - jede einzigartig und wunderschön in ihrer Form - fielen beinahe tänzelnd vom dunklen Sternenhimmel.
Und dann sah sie ihn – eine große Gestalt, die gekonnt mit den Schatten der Nacht verschmolz und sich nur durch seine geschmeidigen Bewegungen verriet.
Die Schattengestalt kam stetig näher und als Lola ihr Antlitz erkennen konnte, verzogen sich ihre Lippen zu einem breiten Grinsen.
Das Wesen vor ihr war riesig, gewundene Hörner sprossen aus der zerzausten Mähne und die Augen erinnerten an glühende Kohlen. Der Rumpf war mit tintenschwarzem Fell bedeckt und fasziniert nahm sie wahr, dass das Wesen ganz offensichtlich einen Teufelsschweif besaß. Wie der Körper einer Schlange zuckte der Schwanz wild fort und zurück.

Die teufelsgleiche Gestalt erwiderte ihr Grinsen, während die flammenden Augen an dem Teller mit den Süßigkeiten haften blieben und diesen inspizierten. „Sind diese Leckereien für mich?“
Lola nickte eifrig und eine Klauenhand schnellte hervor, schnappte sich einen der kandierten Äpfel und als das Wesen hinein biss, erkannte Lola die spitzen Eckzähne. „Bist du der Teufel, von dem die anderen Kinder in der Schule reden?“
Das Wesen hielt inne, zog eine Augenbraue in die Höhe und schenkte ihr einen missbilligenden Blick. „Ich bin weder der Teufel noch bin ich ein Dämon. Ich bin Krampus, Sohn der Hel, der Herr und Gebieter über die Julzeit. Da du mir Tribut gezollt hast, verzeihe ich dir diese Beleidigung. Wie lautet dein Name, liebes Kind?“
„Lola. Lola Parker“, stellte sie sich vor. „Es tut mir leid, wenn ich Sie beleidigt haben sollte, Herr Krampus. Ich habe noch nie so tolle Hörner gesehen!“
Sie meinte es ernst und scheinbar erheiterte ihre Bemerkung den Herrn der Julzeit, denn er brach in lautes Gelächter aus. Lola hoffte, dass er ihre Eltern nicht aus dem Schlaf reißen würde.
Ein amüsierter Ausdruck stahl sich auf sein Gesicht. „Du bist ziemlich gerissen, kleine Lola. Sag mir, was hat man dir über mich erzählt?“
„Ein Junge meinte, du kommst zu den Kindern, die dir Süßigkeiten vor die Tür stellen“, sagte sie und deutete auf den angebissenen Apfel. „Sie haben behauptet, du wärst groß und hässlich und würdest Kinder verprügeln. Groß bist du auf jeden Fall, aber nicht hässlich. Und ich glaube auch nicht, dass du Kinder schlägst.“
„Und was genau macht dich da so sicher?“, grinste Krampus.
Für einen kurzen Moment überlegte Lola, ob es so eine gute Idee von ihr gewesen war, den Julherrn anzulocken, doch ihre Neugier überwiegte und sein amüsiertes Grinsen sprach Bände. „Weil du nicht der Teufel bist.“
Es war mehr eine Feststellung als eine Frage und Lola zuckte nicht zurück, als er ihr mit seiner Klauenhand das rote Haar verwuschelte.
„Du bist nicht nur gerissen, sondern auch schlau für dein Alter. Du beweist Mut, mein liebes Kind. Du würdest einen hervorragenden Belznickel abgeben“, lachte er und kletterte elegant durch das offene Fenster in ihr Zimmer.
„Was ist ein Belznickel?“ Lola sah ihn mit großen Augen an und weder Angst noch Abneigung spiegelten sich darin wider.

Auf ihre Frage nach den Belznickeln folgten viele, viele Weitere.
Krampus erzählte ihr von den Wundern der Julzeit, den Festen, welche gefeiert wurden und was geschah, wenn man ihm keinen Tribut zollte. Sie sog Krampus Worte auf wie ein trockener Schwamm und vor ihrem innerem Auge entstanden die fantastischsten Geschöpfe und wundersamsten Welten.

Der hochgewachsene Teufel ermahnte die kleine Lola, stets am Krampustag eine Kleinigkeit für ihn herauszustellen, falls er ihr einen Besuch abstatten sollte. Er nahm einen schwarzen Samtsack zur Hand, welchem sie vorher keinerlei Beachtung geschenkt hatte und griff hinein. Eine eckige Goldmünze lag in seiner offenen Handfläche, als er seine Hand wieder hinauszog.
„Damit du nicht vergisst, mir Tribut zu zollen. Ich habe wirklich keine Lust, dich jemals verprügeln zu müssen, kleine Lola“, zwinkerte Krampus.

Es dämmerte bereits, als Lola etwas einfiel, was ihr seit sie den Herrn der Julzeit vor ihrem Fenster gesehen hatte, auf dem Herzen lag. Sie hob ihr liebstes Buch auf und hielt es Krampus hin. „Kennst du Peter Pan?“


Der Gehörnte blätterte schweigend durch die Seiten und ein Lächeln erhellte seine Züge, als er es ihr zurückgab. „Nicht persönlich, aber …“
Ihr Gesicht war so voller Hoffnung, so voller Glaube, dass es Krampus bald das Herz brach. Dieses Kind glaubte und er würde den Teufel tun, um ihr die bittere Wahrheit vor die Füße zu werfen.
„Aber es gibt ihn?“, unterbrach das kleine Mädchen ihn prompt.
Er begab sich auf Augenhöhe mit ihr. „Möglicherweise.“
Es war nicht die Wahrheit, aber auch keine richtige Lüge. Vielleicht gab es diesen seltsamen Peter Pan ja tatsächlich.
Lola fiel ihm um den Hals und ihre Geste überrumpelte ihn. Es hatte sich gelohnt, dieses Haus zu besuchen und wer weiß, ob sie irgendwann nicht wirklich zu seinen treuen Belznickeln gehören würde?


Lola erzählte Krampus alles von dem Jungen, der niemals erwachsen werden wollte und in einem weit entfernten Reich namens Nimmerland lebte. Sie erzählte von den verlorenen Jungen, von dem bösen Hook und seinen Piraten, beschrieb ihm die eifersüchtige Fee Tinkerbell und die tapfere Tigerlily. Jedes noch so kleine Detail baute sie ein und zu ihrer Verwunderung schien dem Teufel ihre ausschweifende Geschichte zu gefallen.

„Wenn du ihn triffst, kannst du ihm dann von mir ausrichten, dass ich schon immer das erste verlorene Mädchen sein wollte?“, bat Lola.
Krampus nickte und versprach es ihr. Lola konnte es gar nicht erwarten, dass es wieder der fünfte Dezember war.


Im darauffolgendem Jahr stattete ihr neugewonnener Freund ihr keinen persönlichen Besuch ab, doch die Süßigkeiten auf dem Teller waren verschwunden. Stattdessen lag eine weitere, dreieckige Goldmünze auf ihrem Nachttischchen.
„Krampus sucht bestimmt nach Peter“, dachte Lola sich und dieser Gedanke reichte allemal aus, um Krampus seine Abwesenheit in der letzten Nacht zu verzeihen.

Im nächsten Jahr hätte Lola am liebsten geweint. Sie war mittlerweile zwölf Jahre alt und ihre Eltern hatten über ihren Kopf hinweg entschieden, dass sie Weihnachten gemeinsam in New York City verbringen würden. Schweren Herzens hievte Lola ihren Koffer die Verandastufen hinunter und stieg in den silbernen Wagen ihrer Eltern ein, welcher sie Stück für Stück von Krampus fortbringen würde.

Die Tage in New York vergingen schleppend und die Zeit kroch förmlich dahin. Lolas Laune war auf ihrem Tiefpunkt angekommen und erst als der vertraute Waldrand, die vielen Maisfelder und kleinen Häuschen in Sichtweite kamen, konnte sie wieder lächeln.
Boone County war ihre Wahlheimat geworden und Lola atmete erleichert auf, als der Wagen den schmalen Fluss passierte.
Kaum, dass der Wagen richtig stand, sprang sie bereits vom Sitz und raste zu ihrer Zimmertüre. Dort angekommen blieb sie stehen und sprach sich selbst Mut zu. „Er hat dich nicht vergessen.“

Der obligatorische Teller war leer und dennoch konnte sie keine Goldmünze oder dergleichen finden.
War Krampus etwa sauer, weil sie an seinem Ehrentag nicht hier gewesen war?
Und dann fiel es ihr auf: Zwischen all den Kissen und Decken in ihrer Leseecke am Erkerfenster lag ein Geschenk, gehüllt in grünen Samt und mit einer schwarzen Schleife verziert. Ein kleiner Zettel lag daneben.
Lola war sich sicher, dass es von Krampus war und als sie den Zettel in ihre zittrigen Hände nahm, stahlen sich Freudentränen in ihre Augen.
In geschwungenen Lettern stand dort:

Für das erste verlorene Mädchen.

Fünf kleine Worte, zusammengefasst als Widmung.
Lola strich sich gerührt das kurze, rote Haar zurück und öffnete die Schleife. Der grüne Samt fühlte sich weich unter ihren Fingerspitzen an, als sie ihn vorsichtig entfernte. Ein in schwarz gehaltenes Buch kam zum Vorschein.

BROM – Der Kinderdieb


Das Cover dieses Buches zog sie in einen Bann.
Ein blasser Junge mit einem sommersprossigem Gesicht und spitzen Ohren, die zwischen ebenso rotem Haar wie ihr eigenes hervorlugten, schwebte in eindrucksvoller Pose durch die Luft. Mit ausgestreckten Armen schien er sie in seinem Reich Willkommen zu heißen und lud sie ein, seine Geschichte zu erfahren.
Es war Peter. Ihr Peter.

Lola Parker verschlang das Buch innerhalb der nächsten drei Tage.
Drei wunderbare Tage, an denen ein Peter, wie sie ihn zuvor nicht kannte, sie in eine ebenso fremde Welt entführte. Sie legte das Buch nur aus der Hand, um etwas zu trinken oder zu essen.
Es war eine düstere Geschichte, voller bösartiger Kreaturen und dunkler Sagengestalten. Sie liebte es. Sollte Krampus im kommenden Dezember bei ihr auftauchen, so würde sie ihn mit Süßigkeiten überhäufen.


Die Monate vergingen, es wurde zunehmend kälter und bereits am letzten Schultag schneite es.
Lola hatte es sich angewöhnt, mit ihrem Fahrrad zur Schule zu fahren und als der Gong die Winterferien einläutete, sauste sie schnell wie der Blitz nach Hause.

Voller Vorfreude tanzte sie den lieben langen Tag durch das Haus und schmiedete große Pläne für die kommende Krampusnacht. Lola wollte Krampus nicht nur Süßigkeiten schenken, sie brauchte etwas Ausgefalleneres. Etwas, dass ihm zeigen würde, wie sehr sie sein Geschenk zu schätzen wusste. Da würde ein Teller voller Leckereien nicht ausreichen.

Tag für Tag grübelte sie darüber nach, verwarf eine Idee nach der nächsten und zerbrach sich den Kopf darüber, welches Geschenk dem Teufel wohl gefallen würde.
Umso schlimmer war es, als ihre Mutter Anfang Dezember an ihre Zimmertüre klopfte.
„Schatz, hast du schon gepackt?“
Lola fiel aus allen Wolken und ihr Herz machte einen schmerzhaften Satz. „Gepackt?“
„Ja, gepackt. Wir wollen übermorgen Abend zu deinen Großeltern. Du hast es doch nicht vergessen, oder? Wo bist du nur immer mit deinen Gedanken.“
Mit diesen Worten verschwand sie auch wieder und ließ eine verzweifelte Lola zurück.

Alles Bitten und Betteln brachte nichts. Lola schloss sich in ihrem Zimmer ein, sprach nur noch das Nötigste mit ihren Eltern und verfiel sogar in einen Hungerstreik.
Ihr Vater zerrte sie zum Auto, ließ sie am Flughafen nicht eine Sekunde aus den Augen und bugsierte sie bis zu dem wartendem Taxi, welches sie zu dem Haus ihrer Großeltern bringen würde.


Der Herr der Julzeit flog in seinem grünen Schlitten durch die kühle Dezembernacht. Der Fahrtwind zerrte an seiner wilden Mähne und er lächelte noch immer über die vielen verdutzten Gesichter der Jungen und Mädchen, die er mit seiner Anwesenheit beehrt hatte.
Eine letzte Wohnstätte lag noch vor ihm. Lola Parker war ein aufgewecktes Mädchen, dass mindestens genauso gerne Geschichten erzählte wie er selbst. In der letzten Krampusnacht war ihr Zimmer verwaist gewesen und der gehörnte Teufel hoffte, dass er dieses Jahr mehr Glück haben würde.
Wie ihr wohl sein kleines Geschenk gefallen hatte?
Das Buch beinhaltete eine düstere Version ihres geliebten Peter Pans und eine derbe Sprache, doch er war zuversichtlich, dass der kleine Rotschopf es trotzdem gelesen hatte.

Die Julböcke näherten sich dem Grundstück der Parkers und landeten elegant am Waldrand. Krampus stieg aus dem Schlitten, schulterte den Zaubersack und begab sich guter Dinge zu dem luxuriösen Anwesen, dass so gar nicht in ein verschlafenes Nestchen wie Boone County passte.
Kein Licht brannte und auch der Wagen stand nicht in der Einfahrt. Es war kein gutes Zeichen, dass das Fenster zu Lolas Schlafzimmer geschlossen war.
Nichtsdestotrotz klopfte er an die gefrorene Scheibe und spähte in das dahinterliegende Zimmer. Der Raum lag im Dunkeln und mit unbewegter Miene holte er einen Schlüsselbund hervor. Sechs kleine Schlüssel baumelten daran, geschliffen aus Knochen. Sie waren ein Geschenk von seinem Großvater Loki und in der Lage, jedes Schloss auf dieser oder den anderen neun Welten zu öffnen. Krampus umrundete das Gebäude und verschaffte sich Zutritt. Kein Geräusch drang an seine Ohren und es beschlich ihn in die vage Vermutung, dass er erneut kein Glück haben würde.

Seine Vermutung erwies sich als wahr.
Der kleine Rotschopf war nicht in seinem Zimmer, doch an eine Flasche Honigwein war ein Briefumschlag gelehnt. Der Julherr lachte herzlich über die Weinflasche und war erfreut, dass Lola ihn nicht vergessen hatte. Mit dem Brief in der einen Hand und der Flasche in der anderen machte er sich auf ihrem Himmelbett gemütlich.


Krampus,

es tut mir sehr leid, dass ich dieses Jahr wieder nicht Zuhause bin.
Meine Eltern bestehen darauf, dass wir meine Großeltern über die Feiertage besuchen und ich hasse sie dafür.
Warum kann ich nicht einfach hier bleiben? Immerhin bin ich dreizehn Jahre alt und kann auf mich selbst aufpassen!
Ich hoffe, dass der Met dir schmeckt und du nächstes Jahr wieder hier vorbei kommen wirst.
Dein Buch ist das tollste Geschenk, dass mir jemals gemacht wurde!
DANKE!

Fröhliche Krampusnacht!

Lola


Krampus trank den Wein aus und steckte sich das Briefchen ein, bevor er lachend ein paar der Goldmünzen aus dem Reich seiner Mutter Hel gut sichtbar auf ihrem Fenstersims platzierte und in die Nacht verschwand.


Ein weiteres Jahr verstrich und dieses Mal hatte Lola vorgesorgt. Bereits zu Beginn der Winterferien hatte sie ihre Eltern ausgehorcht, ob sie wieder wegfahren wollten. Lola hatte sogar mit dem Gedanken gespielt, eine Magen-Darm-Grippe vorzutäuschen, um hier zu bleiben, als ihre Eltern von selbst einsahen, was sie schon seit Langem wusste:
Sie war kein kleines Kind her, sondern stolze vierzehn Jahre alt. Sie konnte getrost für eine Woche oder auch länger alleine bleiben.

So kam es, dass Lola die nächsten anderthalb Wochen für sich haben würde. Kaum, dass ihre Eltern die Türe hinter sich geschlossen hatten, holte sie die angebrochene Zigarettenschachtel hervor. Die Rothaarige hatte sie ihrem Papa aus der Manteltasche stibitzt und grinste, als sie sich den Glimmstängel anzündete.
„Das habt ihr nun davon, wenn ihr mich immer herumkommandiert“, sagte sie und drehte grinsend die Stereoanlage im Wohnzimmer auf. Laute Musik dröhnte aus den Boxen und Lola trällerte mit, während sie von einem Raum in den nächsten wirbelte.
Sie stöpselte ihre Spielekonsole aus, verfrachtete sie ins Wohnzimmer und verbrachte die nächsten Tagen mit dem zocken diverser Spiele und dem lesen unzähliger Comichefte.

Am Abend des 05. Dezembers stand Lola Parker in der Küche und stellte den Dom Pérignon kalt, welcher ebenfalls ihrem Daddy gehört hatte. Sie hatte den edlen Tropfen im Arbeitzimmer ihres Vaters gefunden und wollte ihn Krampus schenken.
Ihre Eltern hatten genügend Geld - immerhin arbeitete ihr Vater als erfolgreicher Drehbuchautor. Es war die eine Sache, nicht jeden Penny zweimal umdrehen zu müssen, denn dadurch, dass ihre Eltern viel arbeiteten, verbrachten sie nicht besonders viel Zeit mit ihr. Lola lachte bitter und humorlos auf.
„Wahrscheinlich wollen sie deshalb jedes Jahr zu unserer ach so lieben Verwandschaft“, sinnierte sie und äffte gekonnt die Stimme ihrer Mama nach. „Seht euch nur unsere tolle Lola an! Wir sind erfolgreich, haben eine Menge Kohle und schaffen es trotzdem unser Kind großzuziehen!“

Auf ihrem Shirt war der Kinderdieb aus Broms gleichnamigen Buch abgebildet. Sie hatte Krampus großzügiges Geschenk nicht vergessen und heute Nacht würde sie sich endlich persönlich bei ihm dafür bedanken können.

Gegen halb Zehn gönnte sie sich eine weitere Zigarette.
Sie lehnte sich aus dem Fenster, pustete kleine Rauchwölkchen in die kalte Luft und beobachtete den wirbelnden Dunst. Manchmal, wenn sie minutenlang in den Wald starrte, meinte sie den rothaarigen Jungen mit den goldenen Augen aus ihrem Buch dort stehen zu sehen. Lola liebte diese kleinen Fantastareien und Tagträume.

Sie hing ihren eigenen Gedanken nach, während sie auf Krampus wartete und kaum, dass die Zigarette ausgedrückt war, erkannte sie seine riesige Gestalt zwischen den Baumreihen.
Lola blinzelte. Neben dem Herrn der Julzeit standen drei weitere, dunkel gekleidete Gestalten.
„Er hat Peter gefunden. Peter und die verlorenen Jungs“, dachte sie aufgeregt und sprang kurzerhand aus dem Fenster.

Sie legte die Entfernung zu Krampus und den Unbekannten im Laufschritt zurück, scherte sich nicht um die aufgeschürften Knie, welche sie sich bei ihrem voreiligen Sprung aus dem Fenster zugezogen hatte, und machte erst halt, als die drei Kerle in ihre Sichtweite gekommen waren.
„Wen hast du mir da mitgebracht, Krampus?“ rief sie dem Julherrn entgegen.
„Meine Belznickel“, antwortete er und sah sie grinsend an. „Das sind Nick, Luke und Peter. Du erinnerst dich doch noch daran, was ich dir über die Belznickel erzählt habe?“
Lola nickte abwesend und nahm die drei genauer unter die Lupe. Sie waren wesentlich älter als sie selbst – zu alt und zu groß, um noch als verlorene Jungen durchzugehen. Ihre Haut war aschgrau und ihre Augen ähnelten denen von Krampus. Drei glühende Augenpaare schauten sie teils ratlos, teils belustigt an.
„Hi, ich bin Lola“, stellte sie sich vor und versuchte zu erraten, welcher von ihnen wohl auf den Namen Peter hörte.
Sie alle trugen schwarze Kleidung, doch einer von ihnen stach hervor. Er trug als Einziger eine Lederjacke über seinem Hoodie und irgendetwas sagte Lola, dass er Peter sein musste. Seine Haare waren zu einem Sidecut frisiert und trotz der grauen Haut entdeckte sie hier und dort eine Tattoowierung.
Lola war restlos begeistert von Krampus Freunden und ihre Begeisterung steigerte sich, als ihre Vermutung sich als richtig herausstellte. Peter war der mit der Lederjacke.

Die 14jährige kletterte durch das offene Fenster zurück in ihr Elternhaus und schloss ihnen die Haustüre auf. Sie warf einen flüchtigen Kontrollblick in den länglichen Spiegel im Flur und atmete tief durch. „Cool bleiben, Lola.“
Krampus trat zuerst ein, schüttelte sich den geschmolzenen Schnee aus der Mähne und verzog kurz darauf den Mund. „Du rauchst doch nicht etwa heimlich?“
Lola konnte sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen. „Manchmal.“
„Das ganze Haus stinkt danach. Du solltest damit aufhören, wenn du nicht möchtest, dass ich dich eines Tage doch noch in Lokis Sack stecke und verprügel.“
Sie verdrehte die grünen Augen und tat so, als hätte sie die Worte des Julherrn nicht gehört. Einer der Belznickel kicherte – es war Luke. Er schenkte ihr ein Lächeln, welches sie erwiderte.
„Möchtet ihr etwas trinken?“, bot sie ihren Gästen an und führte sie in die Küche.
„Kommt drauf an, was du da hast“, meinte Nick und sah auf sie herab.
„Bedient euch selbst“, gab Lola zurück und erntete dafür einen Lacher von Peter.
„Du bist ganz schön frech, Kleine“, sagte Nick, bevor er den Kühlschrank öffnete und mit einer der Cognacflaschen in der Hand, welche ihr Papa für Notfälle und Schreibblockaden aufbewahrte, auf die Hängeschränke über der Küchenzeile deutete. „Gibt es dazu auch die passenden Gläser?“
„Zweiter Schrank von rechts, oberstes Fach“, informierte sie ihn und wandte sich an Krampus. „Ich wollte dir nochmal für das Buch danken. Es ist mein absolutes Lieblingsbuch. Danke.“
Krampus machte eine wegwerfende Handbewegung. „Es freut mich, wenn es dir gefällt.“
Nick versorgte die anderen Belznickel mit Alkohol und übergang Lola dabei geflissentlich. Sie schüttete sich ein Glas mit Cola ein und streckte ihm die Zunge raus.
Lola war neugierig. „Und ihr seid also Krampus Anhänger? Hattet ihr schon immer graue Haut?“
„Ja und wenn du nicht aufpasst, beiße ich dich“, scherzte Nick und schwang die bernsteinfarbene Flüssigkeit in seinem Glas hin und her. „Dann hast du im Handumdrehen auch so einen netten Teint.“
„Das könnt ihr? Darf ich dann mit euch um die Häuser ziehen?“
Nick prustete in sein Cognacglas.
Krampus antwortete für den Belznickel. „Vielleicht in ein paar Jahren, wenn du etwas älter bist. Du wärst wahrlich eine Bereicherung für unsere Runde.“
„Warum nicht jetzt? Warum muss man für alles immer älter sein?“, regte Lola sich auf. „Ich könnte mit euch kommen und euch helfen!“
Krampus sah sie einen Augenblick lang nachdenklich an, sein Zeigefinger ruhte auf seiner Unterlippe. „Später, mein Kind. Außerdem musst du dafür aufhören zu rauchen.“
Seine nachdenkliche Miene wich einem spöttischen Grinsen.
„Peter raucht doch auch.“ Sie zeigte auf den Belznickel, welcher am Küchenfenster stand und gerade imstande war sich eine Kippe anzuzünden.
Nick grinste. „Da hat sie recht, Boss.“
Krampus orangerote Augen verengten sich, ehe er überheblich lächelte. „Offensichtlich verstehst du dich ausgezeichnet mit meinen Belznickeln. Euer Qualm beleidigt meine Nase. Ich hole euch später ab – es wartet noch jemand in Boone County auf mich.“
Krampus rauschte aus der Küche und für einen Moment tat es Lola leid. Der Herr der Julzeit war ziemlich empfindlich und offenbar gefiel es ihm nicht sonderlich, wenn er nicht im Mittelpunkt stand. Lola kicherte über ihren gemeinen Gedanken und blickte zu Peter.
Er war vielleicht nicht Peter Pan oder der Kinderdieb. Aber sie mochte ihn schon jetzt.

Nach Krampus überstürztem Abgang herrschte Schweigen in der Küche.
„Ich hoffe, ihr bekommt wegen mir keinen Ärger mit Krampus.“ Lola trank einen Schluck ihrer Cola.
„Ach, mach dir keine Sorgen. Krampus regt sich genauso schnell wieder ab, wie er sich aufregt“, versichterte ihr Luke.
„Wenn ihr mich fragt, war das sowieso nur eine Ausrede damit er zu Mary fliegen kann“, warf Nick ein und kicherte. „Alleine. Wenn ihr versteht, was ich meine.“
„Mary? Wer ist das?“, wollte Lola wissen. „Ist sie Krampus Freundin?“
„Keine Ahnung. Die zwei bekommen es nicht auf die Kette.“ Nick zuckte mit den Schultern. „Wenn du ein Belznickel bist, wirst du sie vermutlich irgendwann einmal kennenlernen.“
„Was muss man dafür eigentlich machen? Ich meine, um ein Belznickel zu werden?“, hakte Lola nach und dachte darüber nach, wie es wohl wäre mit den Jungs und Krampus im Schlitten durch den Himmel zu fliegen.
„Krampus muss dich verwandeln“, kam es von Peter. „Ich bin mir nicht sicher, wie das funktioniert. Ich kann mich kaum mehr daran erinnern.“
„Deine Tattoos sind echt cool“, rutschte es Lola plötzlich heraus.
„Danke“, lächelte er und blies grinsend den Rauch aus dem angelehnten Fenster.

Die Zeit verging viel zu schnell und am liebsten hätte Lola sich an den Schlitten geklammert, als Krampus seine Belznickel einsammelte. Doch die drei versprachen ihr, dass sie wieder zu Besuch kommen würden.

Und Nick, Luke und Peter hielten sich an ihr Versprechen. Mal setzte Krampus sie nur ab, mal gesellte er sich zu ihnen.

Peter hatte bei einem Besuch Lolas Comicheft-Sammlung entdeckt und gemeinsam fachsimpelten sie über die Vor- und Nachteile von Marvel und DC. Es folgten hitzige Diskussionen darüber, welcher der beste Superheld und welcher Schurke am überzeugensten war. Nick und Luke beschäftigten sich währenddessen mit ihrer Konsole und warfen sich gegenseitig Schimpfwörter an den Kopf.

Ein anderes Mal hatten die Belznickel ihre Instrumente mitgebracht und Peter hatte sich hinter sie gesetzt, um ihr ein paar Griffe auf der Gitarre zu zeigen.
Lola hatte sich extra dumm angestellt, um die Momente, in denen er ihr seine gesamte Aufmerksamkeit schenkte, hinauszuzögern. Ihr gefiel die Art, wie er grinste und seine Hand auf der ihren platzierte, wenn sie einen Fehler machte.
Noch immer flatterte ihr Herz bei der Erinnerung daran.

Mit jedem Jahr wurde Lola bewusster, was für ein Glück sie doch hatte, solche Freunde an ihrer Seite zu haben.
Sie war immer eher eine Einzelgängerin gewesen und hatte nicht viel auf die Worte anderer gegeben. Doch durch Luke, Nick und Peter hatte sich ihre Einstellung geändert und sie fieberte dem Tag entgegen, an dem sie endlich achtzehn Jahre alt wurde und mit ihnen durch die Stadt ziehe konnte. Trotz ihrer aschgrauen Haut und den leuchtenden Augen, welche so faszinierend auf sie wirkten, gingen sie aus und hatten ihren Spaß.
Ein Leben in den Schatten, hatte Peter es einst genannt.
Lola war es ganz gleich, ob sie dafür ihr altes Leben opfern müssen würde. Ihre Eltern waren selten daheim und noch immer hatte sie den Traum, irgendwann einmal ein Belznickel zu werden.


An dem Abend ihres achtzehnten Geburtstages stand Lola Parker vor ihrem großzügigen Kleiderschrank und suchte nach einem passendem Outfit.
Krampus und die Belznickel hatten ihr im letzten Jahr hoch und heilig versprochen, sie um kurz vor Mitternacht abzuholen, um mit ihr zu feiern. Stundenlang hatte die Rothaarige dem Jullord in den Ohren gelegen und ihm schließlich das Versprechen abgerungen, gemeinsam mit seinen Belznickeln das Horton's aufzusuchen, und nun hatte sie nicht die leiseste Ahnung, was sie bloß anziehen sollte.
Letztendlich fiel ihre Wahl auf eine schwarze Lederjacke, eine ebenso schwarze Leggins und ein gesteiftes Oberteil. Eigentlich spielte es keine große Rolle, was sie anziehen würde, denn Lola war zu der festen Überzeugung gekommen, heute endlich der erste weibliche Belznickel in der vertrauten Runde zu werden.
Wie lange hatte sie auf diesen einen Tag gewartet!

Gegen halb Elf stahl sie sich durch ihr Fenster in den dahinterliegenden Garten und band sich eilig die ausgetretenen Converse zu. Schon von ihrer jetzigen Position aus, konnte sie die Umrisse des grünen Schlittens ausmachen und mit einem wissendem Grinsen auf den Lippen ging sie auf ihre Freunde zu.



In dieser Nacht hatte sich das Leben von Lola Parker für immer verändert. Sie gehörte nun endgültig zu ihnen und ein neues Abenteuer, welches ihr vorheriges Leben wie einen blassen Traum erschienen ließ, begann.
 




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Meine liebe Lola,

ich hoffe, dass der kleine Oneshot dir gefällt ♥
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