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Tödliche Bruderliebe

GeschichteKrimi, Familie / P12 / Gen
29.06.2015
29.06.2015
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Nach der Behandlung und nach einem kurzen Zwischenstopp an Kevin’s Arbeitsplatz fuhren sie in dessen Wohnung. Konny hatte in der Zentrale angerufen und Bescheid gesagt, dass er am nächsten Morgen in die Zentrale kommen würde und über Nacht in Düsseldorf blieb.
Kevin’s Wohnung war klein, aber gemütlich eingerichtet. Die Einrichtung ließ nicht erahnen, dass dessen Vater vermögend war und dies auch gern zur Schau stellte. Lange Zeit hatte Kevin zwar die Vorteile genossen die sich ergaben wenn man viel Geld besaß, aber es war ihm persönlich nie wichtig gewesen. Konny war in den letzten Wochen öfter hier gewesen, wenn sie sich getroffen hatten. Obwohl sie sich erst so spät wirklich kennen gelernt hatten, hatten sie eine sehr enge und brüderliche Beziehung aufgebaut. Er war auch ohne zögern für Kevin da gewesen, als der sich endgültig von seinem Vater abgewandt hatte und ihm umgehend der Geldhahn zugedreht wurde. Sein Bruder hatte so schnell wie möglich das geliehene Geld zurück gezahlt und war inzwischen stolz auf seine Selbstständigkeit.
Seine Zeit als Zivildienstleistender lief in einigen Monaten ab und er hatte bereits eine Bestätigung für den Ausbildungsplatz in der Hand. Sein Leben hatte sich stark verändert seit er seine Zivi Zeit begonnen hatte. Er war erwachsen geworden und hatte die Rolle des rebellierenden Anwaltssohn abgelegt.
Kevin war der einzige der wusste, dass sein Bruder und seine Kollegin Petra mehr als nur Freundschaft verband. Nur durch dessen zureden hatte Konny es überhaupt gewagt sie einzuladen. Auch wenn sie es geheim halten mussten, waren Konny und Petra inzwischen ein schwer verliebtes, glückliches Pärchen. Petra wusste das sie ihr Glück Kevin zu verdanken hatte und war auch mit diesem gut befreundet. Die Beiden Brüder waren sich sehr ähnlich und waren sehr angenehmer Umgang.
Mit einer Pizza machten sie es sich auf dem Sofa des Jüngeren bequem und Kevin erzählte, dass er Gefühle für seine Kollegin Anna entwickelt hatte. Diese machte ein freiwilliges Soziales Jahr und war den Kollegen der Feuerwehr zugeteilt. Anfangs hatte er sie einfach nur absolut nervig gefunden, weshalb ihn diese Wendung selbst am Meisten überraschte.  
Später kam auch Petra noch dazu und überraschte ihren Verletzten Freund. Sie hatte sich mit Kevin heimlich abgesprochen. Petra hatte Konny zu Kevins Geburtstag und einem gemeinsamen Ausflug begleitet. In Düsseldorf war die Chance von ihren Kollegen enttarnt zu werden deutlich geringer. So verbrachten sie einen gemütlichen Abend und Kevin erhielt wertvolle Tipps wie er Anna erobern konnte. Nachdem es spät geworden war, blieb auch Petra in Düsseldorf und schlief an ihren Freund gekuschelt auf dem Sofa.
Nach einem gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen fuhren Petra und Konny zurück nach Potsdam. Nachdem beide geduscht, umgezogen und in Konny‘ s Fall neu verbunden waren, fuhren sie zur Arbeit.  
In der Zentrale trennten sich ihre Wege wieder und Konny machte sich auf den Weg zu seinen Kollegen. Da ihr Team durch Caspar’s und seine Verletzung das Team schwächte, stand nur Büroarbeit auf dem Plan. Inzwischen lagen die ersten Ergebnisse vor und es war klar das der Reifen zerschossen wurde. Nur deshalb hatte Caspar die Kontrolle über den Wagen verloren und es war zu dem Unfall gekommen. Konny erinnerte sich an den Schuss den er gehört hatte und bestätigte diese Theorie. Ihm fiel auch die Drohung von Daves Vater, Mike ein und teilte diese seinen Kollegen mit. Da sie es oft mit Drohungen zu tun hatten, machte er sich keine größeren Sorgen. Es war fast Standard, dass sie sich am Ende eines Falles Drohungen anhören durften. Pünktlich gingen sie gemeinsam in die Mittagspause und gingen in ein kleines Bistro in der Stadt. Wenn die Zeit es zuließ gingen sie gerne gemeinsam dort hin. Jeder bestellte sein Lieblingsgericht und schließlich wurde Konny mit Fragen bzgl. der Geschichte mit seinem Bruder bombardiert. Da er wusste das sie ihm sowieso keine Ruhe lassen würden, erzählte Konny ihnen schließlich die ganze Geschichte.

Die Ehe seiner Eltern war schon länger nicht mehr so perfekt gewesen wie sie es in der Öffentlichkeit vorspielten. Auf einer Firmenfeier zum Einstand des neuen Partners, Konny war zu dem Zeitpunkt etwa 5 Jahre alt, hatte seine Mutter zu tief ins Weinglas geschaut und am Ende der Feier betrog sie ihren Ehemann mit dessen frischem Partner in der Kanzlei. Nachdem sie gemerkt hatte das sie schwanger war, konnte sie ihren Betrug nicht mehr lange verheimlichen. Konnys Vater war sie raus, aber sie war nicht bereit aufzugeben und wollte weiter für ihren Sohn da sein. Die ganze Schwangerschaft über waren ihre Bemühungen die Beiden Männer zu versöhnen hoffnungslos. Sie hatte gehofft für ihre Söhne ein harmonisches Umfeld schaffen zu können, aber diese Hoffnung war vergebens. Kurz nach Kevins Geburt zog sie schließlich zu dessen Vater, da sie ihm eine bessere Mutter sein wollte. Konny bekam sie kaum noch zu Gesicht, da dessen Vater alles tat um sie von ihm fernzuhalten. An Konnys 7. Geburtstag, einem der wenigen Tage an denen sie etwas mit ihrem Sohn unternehmen durfte gerieten sie schließlich in einen tödlichen Autounfall. Seine Mutter starb noch an der Unfallstelle, während Konny schwer verletzt überlebte. Er musste wochenlang im Krankenhaus liegen und bekam nur selten Besuch von seinem Vater. Die Beerdigung seiner Mutter verpasste er und wurde mit der Trauer allein gelassen.
Seit dem wurden seine Mutter oder sein Halbbruder überhaupt nicht mehr erwähnt. Wenn er seinen Vater doch mal darauf ansprach, wurde er mit tagelangem Schweigen bestraft. Irgendwann gab er es auf und vergaß beinahe das er kein Einzelkind war. Umso älter er wurde um so weniger ließ er sich in die Rolle drängen die sein Vater ihm zugedacht hatte. Die sowieso schon sehr kühle Beziehung wurde immer unterkühlter und seit er sich für eine andere Uni entschied hatten sie praktisch gar keinen Kontakt mehr zueinander. Um den Druck durch seinen Vater zu kompensieren hatte er früh angefangen viel Sport zu treiben. Durch seinen angeborenen Ehrgeiz und seine körperliche Fitness absolvierte er die Uni und auch die Polizeiausbildung mit vorbildlichen Ergebnissen. Auch wenn er sich von seinem Vater abgewandt hatte, wurde ihm immer eingetrichtert das alles perfekt sein müsse und das trieb ihn noch heute an. Vor einem halben Jahr hatte er in den Sachen seiner Mutter eins der wenigen Fotos gefunden auf denen er und Kevin gemeinsam abgebildet waren.  Mit Petras Hilfe hatte er schnell in Erfahrung gebracht wo Kevin lebte und hatte sich mit diesem in Verbindung gesetzt.

Die Jungs waren erstaunt und teilweise schockiert über das was ihnen ihr Kollege da erzählte. Einige Verhaltensweisen, die besonders Demir regelmäßig wahnsinnig machten ergaben so viel mehr Sinn. Sie stellten noch einige Fragen und Konny stellte fest das er doch eine Erleichterung war einmal über alles zu reden. Sie interessierten sich auch sehr für Kevin. Schließlich hatten Demir und Geb ihn kennen gelernt und die Ähnlichkeit zu ihrem Kollegen war nicht zu übersehen. In Kurzfassung hatte ihnen Konny auch erzählt was für Probleme Kevin mit seinem Vater gehabt hatte. Es war doch eine Überraschung für sie, wie schwer es die Beiden gehabt hatten. Waren sie doch immer davon ausgegangen das alle aus reichem Hause ein leichtes Leben hatten.  Während sich die Jungs unterhielten bekam Geb einen Anruf von Anhoff. Caspar hatte sich gemeldet. Er war natürlich noch krank geschrieben und hatte Bettruhe verordnet bekommen, durfte das Krankenhaus aber verlassen. Seine Freundin hatte ihn abgeholt und er war jetzt zu Hause. Sie würden ihn in den nächsten Tagen besuchen, wenn er sich ein wenig erholt hatte. Früher oder später hatte in ihrem Job jeder eine Gehirnerschütterung und sie wussten was Caspar gerade durchmachte. Schließlich war die Pause zu Ende und sie machten sich auf den Weg zurück in die Zentrale. Die nächsten Stunden verbrachten sie damit Akten durch zu arbeiten. Als sie den Feierabend endlich erreicht hatten, ließ sich Konny von seinem Setführer nach Hause bringen. Er hätte sich auch ein Taxi gerufen, aber das wurde laut stark abgelehnt und schließlich hatte er Geb’s Angebot angenommen. Als Dank lud Konny ihn noch ein mit rein zu kommen. Draußen war es drückend heiß und Gebs Wagen hatte keine Klimaanlage. Die angebotene Abkühlung nahm sein Setführer gerne an und entschied sich für eine Cola. Gemeinsam betraten sie die gut klimatisierte Wohnung. „Konny du hast Post“ fiel Geb auf und deutete auf den Briefumschlag der auf dem Boden lag. Er hob diesen auf und reichte ihn seinem Stellvertreter. Dieser überlegte nicht lange und öffnete diesen. „Scheiße“ entfuhr es ihm und geschockt starrte er auf den Inhalt des Briefes. Geb bemerkte sofort das etwas gar nicht in Ordnung war und nahm Konny den Brief vorsichtig aus der Hand. Was er dann erblickte erschütterte auch ihn.  „Du hast mir meinen Bruder genommen, jetzt nehme ich dir Deinen.“ Prangte in großen, schwarzen Buchstaben über einem Foto vom geknebelten Kevin.
 
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