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Neue Liebe

von Misuki
GeschichteRomanze / P12
Ace Alice Liddell
28.06.2015
28.06.2015
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>>Liebe ist nicht verständlich, sie ist paradox, widersprüchlich. Zu versuchen, sie zu verstehen, ist sinnlos. Liebe folgt ihren eigenen Regeln, die keiner kennt. Liebe kann aufbauen, aber gleichtzeitig zerstören. Man kann nicht den richtigen Menschen lieben. Wenn man liebt, liebt man einfach nur. Liebe ist alles, was wir haben.<<


Dieser Entschluss fiel mir nicht leicht, aber ich hatte mich entschieden. Ich wollte in dieser Welt bleiben. Diese Welt, in der ein Menschenleben so wenig zählt, ist grausam. Doch was für mich grausamer als das war, war allein schon der Gedanke, in meine Welt zurück zu kehren und so zu tun, als wäre nie etwas passiert. Als würde meine Schwester mir nicht schaden, als würde sie nicht mit dem Mann zusammen sein, in den ich mich verliebt hatte. Ich wollte und konnte einfach nicht mehr. Es war wohl besser so, dass ich hierher kam. Und doch zweifelte ich manchmal an meiner Entscheidung.
Ich hatte mir eine Wohnung in der Stadt gemietet und arbeitete in einem Café, das zwar nicht besonders groß war, aber in dem ich mich wohl fühlte und das mich ein wenig an mein Lieblingscafé in meiner alten Welt erinnerte und auch wenn ich manchmal melancholisch war, erfüllte es mich mit Freude, dort zu arbeiten. Ich verdiente nicht viel, aber es reichte und machte mich unabhängig von den Rollenträgern. Das war das Wichtigste.

Ich besuchte mal wieder Vivaldi, die nur für mich eine kleine Feier organisierte. Es gab Kekse, Kuchen und Tee und es wurden einige Kunststücke wie Menschenpyramiden aufgeführt und ein paar Akrobaten hatten auch ihren Auftritt. Natürlich bestand die Party nicht aus Vivaldi, mir und den Leuten, die uns die Show lieferten. Peter, Ace, der König und einige Gesichtslose, die in Schloss arbeiteten und mit Vivaldi gut auskamen waren auch dabei.
Ich seufzte, als Peter sich neben mich setzte und mich mit seinem überglücklichen Blick ansah. Ich mied ihn und es war für ihn eine Seltenheit, dass ich ins Schloss kam. Naja, er wusste nicht immer Bescheid, wenn ich kam und einige der gesichtslosen Soldaten halfen mir, ihm aus dem Weg zu gehen, was Peter bisher nicht aufgefallen war. Zum Glück, sonst müssten sie sterben.
"Peter, ich habe mich schon bei dir bedankt, dass du mich in diese Welt gebracht hast, aber das heißt nicht, dass ich in dich oder sonst wen verliebt bin", sagte ich und hoffte, dass er meine Worte ernst nahm.
"Aber Alice, meine Liebe reicht doch für uns Beide!", sagte er daraufhin und umarmte mich.
Ich versuchte, ihn von mir zu schieben, aber er klammerte sich nur umso mehr an mich. Nur leider war Vivaldi nirgendswo zu sehen und sonst traute sich auch niemand, Peter anzurühren, bis auf...
"Ace, hilfe!", rief ich und der Herzritter sah mich verwundert an, dann sah er, in welcher Lage ich war und lachte. Verzweifelt sah ich zu, wie er lachte, doch dann kam her zu uns und sagte:
"Aber Peter, so geht man doch nicht mit einer Lady um, sie kann ja kaum atmen, so fest wie du sie an dich drückst."
"Geh du bloß weg, sie gehört mir!", erwiderte Peter. Jetzt wurde ich wütend.
"Ach ja, ich bin jetzt dein Besitz oder was?!", schrie ich ihn an und stand dabei auf, sah ihn verächtlich an. "Ich habe eine Arbeit in der Stadt und eine kleine, aber schöne Wohnung dort in der Nähe meiner Arbeit, ich bin selbstständig und niemand kann sich für mich beanspruchen! Ich hasse es, wenn man mich wie ein 'Ding' behandelt. Weißt du was, Peter? Ich komme einfach nicht mehr hierher, das war's! Ich werde Vivaldi bitten, mich zu besuchen, damit ich dich nie wieder sehen muss!" Ich hatte vor Wut Tränen in den Augen und rannte hastig Richtung Labyrinth und da ich den Weg kannte, verirrte ich mich auch nicht. Ich hörte nur, wie mir jemand folgte.
Ich drehte mich um und wollte die Person gerade anmeckern, dass ich in Ruhe gelassen werden wollte, weil ich dachte, dass es Peter wäre, doch als ich Ace erblickte hielt ich inne und sah ihn überrascht an.
"Wieso guckst du denn so überrascht, Alice?", fragte der Herzritter Ace und kam auf mich zu. "Es wäre nicht besonders ritterlich, ein Mädchen im Dunkeln allein nach Hause gehen zu lassen."
Ich lächelte. Das mochte ich so sehr an Ace. Er versuchte immer, ritterlich zu sein. Jedoch hasste ich es auch.
"Danke, Ace, das ist lieb von dir", sagte ich und meine Wut war mit einem Mal verflogen.
Wir gingen schweigend nebeneinander her und ich wusste nicht genau, worüber man in so einer Situation sprach, aber die Tatsache, dass ich mir darüber Gedanken machte, machte mir auch klar, dass ich es auf jeden Fall falsch machte. Man denkt nicht darüber nach, was man sagt. Man sagt es einfach.
Ich fühlte auf einmal etwas Warmes auf meinen Schultern und drehte mich zu Ace um.
"Mein Mantel passt dir zwar nicht, aber du zitterst schon die ganze Zeit, ich will doch nicht, dass du dich erkältest... das wäre - "
"Sag es nicht!", unterbrach ich ihn und wandte hastig den Blick ab, damit er nicht sah, wie sehr es mich mitnahm und gleichzeitig war ich verwundert über mich selbst. Warum nahm es mich so sehr mit? Ace sagte nichts mehr und ich war auch froh darüber, denn ich war ganz in meinen Gedanken verloren und grübelte nach, doch ich kam einfach nicht darauf.
Es dauerte nicht lange bis wir vor meiner Wohnung standen.
"Schlaf gut, Alice", sagte Ace.
Ich wollte ihn nicht ansehen, aber es wäre unhöflich, zum Abschied nicht zumindest einmal Blickkontakt aufzubauen, also sah ich auf, doch da hatte er sich bereits umgedreht und hatte sich bereits einige Schritte entfernt.
"Schlaf gut, Ace", murmelte ich mehr zu mir selbst und schloss die Tür zum Treppenhaus auf.
Kaum lag ich im Bett, war ich schon eingeschlafen. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie müde ich war, aber umso besser fühlte ich mich am nächsten Morgen als ich aufwachte, vollkommen ausgeschlafen. Nun gut, um genau zu sein, fühlte ich mich körperlich gut, aber ich war immer noch so gedankenverloren wie letzte Nacht.
Ich beschloss, nach der Arbeit zum Vergnügungspark zu gehen und mit Boris darüber zu reden, denn leider wusste ich nicht, mit wem ich sonst darüber reden sollte.

"Ich habe so ein ungutes Gefühl in der Brust", fing ich an zu erklären. "Ich weiß nicht, wieso, aber es stört, wenn Ace so etwas sagt wie, es wäre sonst nicht ritterlich oder so ähnlich."
Boris sah mich genervt an.
"Das sind doch eigentlich Mädchengespräche, warum redest du dann mit mir über so etwas?"
"Ich habe sonst niemanden, der gerade Zeit hat", gab ich zu. "Aber es ist doch nicht so wirklich ein Mädchengespräch, ich meine, ich bin ja nicht in ihn..."
Ich sah Boris an und er hob eine Augenbraue. Ich vergrub das Gesicht in den Händen.
"Nein", flüsterte ich. "Das ist nicht wahr... das KANN nicht wahr sein!"
"Oh, doch, Alice, oh doch", sagte Boris und ich bemerkte am Rande, dass auch er nicht besonders begeistert davon war.
"Aber- nein!", sagte ich und sah Boris an. "Warum Ace? Warum? Ich mein, ich hatte mir das schon irgendwie gedacht, weil ich Ace ja auch schon irgendwie mag und so, aber... er hat doch eigentlich gar kein Interesse."
"Denkst du das, Alice?", fragte Boris und sah in die Ferne.
"Nicht jeder liebt mich, Boris. Ace hat mich schließlich vor ein paar Wochen noch als Schild benutzt! Er liebt mich nicht."
"Naja, aber vielleicht ändert sich das noch", sagte Boris und sah mir in die Augen. "Ich verstehe nicht, was du an ihm findest und ich bin mir ziemlich sicher, dass er dich nicht glücklich machen kann... aber am Verliebt-Sein kann man nichts ändern. Sag es ihm doch einfach."
"Nein, lieber nicht."
"Wie du meinst."
Boris und ich schwiegen eine ganze Weile und wir verabschiedeten uns schließlich. Ich wollte es nicht wahr haben, ich kam einfach nicht damit klar, dass ich in Ace verliebt sein soll.

Ich stolperte über einen Ast und ratschte mir das Knie auf und dann hörte ich plötzlich ein Rascheln und hielt in der Hocke inne, hoffte, dass es kein wildes Tier war. Zu meiner Überraschung war es Ace, der aus dem Busch hervor kam.
"Oh, Ace...", sagte ich und klang nicht besonders begeistert. Ihn wollte ich jetzt nicht unbedingt sehen... ich wusste nicht, was ich mit meinen Gefühlen für ihn anfangen sollte.
"Du klingst nicht gerade begeistert", sagte er lachend und reichte mir die Hand, um mir aufzuhelfen.
"Ich habe nur eine Entdeckung gemacht und ich weiß nicht was ich mit dem, was ich erfahren habe, anfangen soll", sagte ich.
"Was ist das denn für eine Entdeckung, vielleicht kann ich dir helfen?", sagte er, doch ich schüttelte den Kopf.
"Es hat mit dir zu tun, deswegen kann ich es dir nicht sagen", erwiderte ich und ich wollte eigentlich nicht in seine Augen sehen, doch ich spürte seinen Blick auf mir und wagte es, Augenkontakt aufzunehmen. Mein Herz blieb stehen, als ich sein Lächeln, das schon fast gefährlich aussah, und seine Augen – oh, seine wunderschönen, roten Augen! - sah. Seine Augen fraßen mich fast auf.
"Gerade deswegen...", flüsterte Ace und legte seine Hand an meine Wange, kam meinem Gesicht gefährlich nahe. "...sollte ich es wissen."
Ich sah ihn überrascht an und spürte, wie mir das Blut ins Gesicht schoss, was Ace zum Grinsen brachte und kurz darauf legte er seine Lippen auf meine. In meinem Bauch kribbelte es und mir wurde ganz warm, fast schon heiß und ich schloss die Augen, genoß den Kuss. Doch es sollte nicht bei einem einfachen Kuss bleiben. Ich wusste nicht, wieso, aber wie automatisch öffnete ich meinen Mund und seine Zunge fand den Weg zu meiner und meine Hand zuckte, als ich das Gefühl höchster Euphorie empfand. Ich schlang meine Arme und seinen Nacken und konnte nicht genug von ihm bekommen. Es fühlte sich so gut an, wie er mich küsste, war wohl nicht sein erstes Mal, doch langsam schaltete sich mein Verstand ein und ich dachte darüber nach, was für einen fatalen Fehler ich da gerade machte.
"Ace", sagte ich zwischen zwei Küssen und stöhnte in den darauffolgenden Kuss, doch versuchte, Ace von mir zu schieben. Er beendete den Kuss und sah mich lächelnd an.
"Was ist denn, Alice?", fragte er und sah mich mit einem Lächeln an, bei dem ich fast wieder dahinschmolz.
"Du... ich...", stammelte ich und holte einmal tief Luft, um von vorne anzufangen. "Heißt das alles hier, dass du mich liebst, Ace?" Ich musste es einfach genau wissen.
Ace lachte auf. "Oh, Alice, das würde ich dich am liebsten fragen. Ich habe deinem Gespräch mit dem Kater gelauscht und du liebst mich offensichtlich, denn sonst hättest du den Kuss nicht so sehr genoßen, aber... sag es mir, sag mir, dass du mich liebst. Das ist alles, was ich von dir hören will."
"Ich... Ich liebe dich, Ace... aber ich habe auch Angst."
"Wovor hast du Angst, meine Liebste?"
Tränen stiegen mir in die Augen. "Ich habe Angst, dass du nur mit mir spielst. Oder dass du mich vielleicht jetzt liebst, aber mich wegwirfst, wenn du eine andere, bessere als mich findest. Wer sagt, dass du mich nicht verlassen wirst? Und es sah nicht einmal danach aus, als würdest du mich lieben... es sah eher so aus, als würdest du mich meiden."
"Alice, sag nicht solche grausamen Dinge", sagte Ace und ich begegnete seinem ernsten Blick. "Ich bin dir aus dem Weg gegangen, weil ich dachte, dass du mich nicht liebst, dass du dich in irgendeinen anderen der Rollenträger verliebt hast... deswegen bin ich dir gefolgt."
Ich sah Ace verwundert und misstrauisch an. "Meinst du etwa, dass du nicht nur das Gespräch von vorhin zwischen Boris und mir belauscht hast, sondern..."
"Ja, ich bin dir schon eine ganze Weile gefolgt."
Mir blieb der Mund offen stehen.
"Ich weiß, es ist krank, aber... du sagst so selten, was in dir vorgeht und wenn man dich fragt, weichst du immer aus. Gerade eben doch auch."
Ich wollte gerade widersprechen, als mir klar wurde, dass er recht hatte.
"Ich würde dich für Keine andere verlassen, Alice. Ich bin nicht so, wie dieser Mistkerl aus deiner Welt. Ich will, dass du glücklich bist, ich will dich beschützen und das Letzte, was ich will, ist, dass du wegen mir weinst. Ich liebe dich, Alice."
Er sah so süß aus, dass ich nicht anders konnte, als ihn anzustarren und bekam erst einmal kein Wort raus. Dann kippte ich um.
"Alice, du musst atmen, ein und aus!", rief Ace und kniete neben mir."Atmen!"
Ich tat, wie er sagte und es drehte sich langsam nicht mehr alles um mich herum. Auf einmal lachte Ace auf.
"Was ist denn so lustig?", fragte ich und konzentrierte mich darauf, nicht wieder die Luft anzuhalten.
"Du hast wegen mir zu atmen vergessen!", sagte er und ich sah ihn etwas beleidigt an.
"Du bist gemein", meinte ich und er nahm mich in den Arm.
"Ich liebe dich Alice, ich würde dich am liebsten irgendwo wegsperren, wo nur ich dich sehen kann, aber... ich will nicht, dass du unglücklich bist, deswegen mache ich es nicht."
"Du bist wirklich nicht mehr ganz dicht, Ace, aber gut, dass du meine Wünsche respektierst!", sagte ich und lachte in seine Brust.
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