Alleingelassen

GeschichteRomanze / P18 Slash
27.06.2015
27.06.2015
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Alleingelassen

Farkas war traurig.

Erst vor wenigen Wochen hatten er und sein geliebter Thorgrim einander das Ja-Wort gegeben, und für eine Weile war er der glücklichste Mann auf Nirn gewesen. Doch dann hatte sein Ehemann damit begonnen, immer öfter alleine loszuziehen und dabei tagelang fortzubleiben. War er seines geliebten Nord bereits überdrüssig geworden? Hatte er einen Geliebten irgendwo?

Farkas konnte den Gedanken kaum ertragen, dass ein anderer Mann die Haut seines süssen Nord berührte, in ihn eindrang, so wie es eigentlich nur sein Recht war? Oder gab es gar eine Frau in dessen Leben? Eine Frau, von der er seinem Ehemann nichts erzählt hatte? War er vielleicht sogar der Meinung, mit dieser Ehe einen Fehler gemacht zu haben und fand bei einer Frau etwas, das ihm Farkas nicht geben konnte?

Der dunkelhaarige Nord setzte sich auf einen Stuhl im Schlafzimmer ihres kleinen Hauses in Weisslauf und grübelte. Sollte so sein Leben aussehen? Sich niemals ganz gewiss darüber zu sein, wo sein Thorgrim steckte, wenn er alleine fortging? Vor ihrer Heirat waren sie immer zusammen gewesen, Tag und Nacht, unzertrennlich. Und schliesslich, Thorgrim hatte ihm den Antrag gemacht, und nicht umgekehrt. Worauf hatte er sich bloss eingelassen?

Lustlos ging er am Nachmittag hinauf nach Jorrvaskr in der Hoffnung, sich mit einem Auftrag etwas von seinem Kummer ablenken zu können, aber es lag nichts an. So ging er missmutig in die Beflaggte Mähre und trank einige Becher Met. Der Gedanke an eine weitere, einsame Nacht in ihrem Ehebett liess ihn zögern, nach Hause zurückzukehren, aber da er seine Zeche stets direkt bezahlte und niemals anschreiben liess, zwang ihn der Geldmangel spät am Abend doch dazu, die Schenke zu verlassen und das Brisenheim aufzusuchen.

Als er die Türe öffnete, hörte er Geräusche von oben, das konnte nur sein Ehemann sein, denn nur sie beide besassen einen Schlüssel zu ihrem Häuschen. Schwerfällig kletterte er die Stiege nach oben und betrat ihr Schlafzimmer. Thorgrim stand nackt vor dem Bett, drehte sich nun nach ihm um und breitete seine Arme aus. „Farkas, mein Liebling, ich bin so froh, wieder bei Dir zu sein!“

Auch wenn er ein wenig betrunken war, so war Farkas doch durch jahrelanges Training durchaus noch Herr seiner Reflexe, und so machte er unwillkürlich einen Schritt nach hinten, als sein Ehemann auf ihn zugehen wollte. „Farkas? Was ist denn los? Was ist mit Dir?“ „Was mit mir ist, fragst Du? Wir sind erst seit wenigen Wochen verheiratet, ich glaubte an eine ganz grosse Liebe zwischen uns beiden. Aber bereits jetzt, nach so kurzer Zeit, bist Du immer öfter und immer länger alleine unterwegs und lässt mich hier zurück. Was soll also mit mir sein?“

„Farkas, Schätzchen, glaubst Du etwa, ich hintergehe Dich? Es gibt etwas Wichtiges, das ich zu erledigen habe, aber das kann ich nur alleine tun.“ „Wir sind doch ein Paar, warum erlaubst Du mir nicht, Dir zu helfen?“ fragte der Gefährte traurig. „Das kann ich Dir nicht sagen, Liebes. Bitte hab doch Vertrauen zu mir. Ich werde Dir bald genug alles erzählen können.“

Farkas war nicht glücklich mit dieser Erklärung, aber er hatte keine Energie mehr heute, um weiter nachzufragen. Er zog sich lustlos aus und gab sich seinem Ehemann hin, der ihn so leidenschaftlich liebte wie immer, aber er selbst lag nur da wie ein Stück Holz – und starrte mit Tränen in den Augen an die Decke.

Gleich am nächsten Morgen verabschiedete sich Thorgrim schon wieder von seinem Liebsten, bat ihn inständig, ihm zu vertrauen, in ein paar Tagen würde sich alles aufklären und aus ihnen wieder ein glückliches Paar machen. „Ich vermisse Dich schrecklich, wenn ich unterwegs bin, mein geliebtes Herz,“ versicherte der hochgewachsene Nord seinem finster dreinblickenden Ehemann. „Aber es wird nicht mehr lange dauern, das verspreche ich Dir. Bitte, habe nur noch ein paar Tage Geduld.“ Thorgrim wollte Farkas zum Abschied in die Arme nehmen und küssen, aber der entzog sich ihm und ging leeren Blickes in das kleine Gästezimmer, wo vor Kurzem sein Bruder Vilkas geschlafen hatte. Er beschloss, das Bett im Schlafzimmer so lange nicht mehr zu benutzen, bis er sich sicher sein konnte, dass sein Ehemann wirklich nur ihm alleine gehörte.

Während Thorgrim unablässig schuftete, um alles fertigzumachen, richtete sein mürrischer Ehemann einiges an Schaden an. Er verprügelte Athis, den Dunmer in Jorrvaskr, weil der ihn nach dem Grund für seine schlechte Laune gefragt hatte. Er zertrümmerte das Mobiliar in der Beflaggten Mähre, weil sich der Söldner Sinmir lästerlich über eine Ehe unter Männern geäussert hatte, und er schüttete der Bedienung Saadia einen Becher Met ins Gesicht, weil sie ihm vorgeschlagen hatte, es doch mal mit einer Frau zu versuchen.

Schliesslich wagte es kaum noch jemand, das Wort an ihn zu richten, was dazu führte, dass er sich im Brisenheim einschloss und nicht mehr aus dem Haus ging. Hatte er einen Fehler gemacht, sich in diese Ehe einzulassen? Nacht für Nacht meldete sich sein Trieb, wenn er an seinen prachtvollen Ehemann dachte, Nacht für Nacht befriedigte er sich selbst und schlief griesgrämig ein, was sollte er  tun?

Dann, nach einer Woche, kehrte Thorgrim endlich nach Hause zurück und wollte seinem geliebten Farkas endlich erzählen, dass er mit seinem wichtigen Vorhaben fertig ist. Doch als er den Schlüssel in ihre Haustür steckte, konnte er das Schloss nicht öffnen, Farkas Schlüssel steckte, also war er da. Aber warum hatte er den Schlüssel steckengelassen? Hatte er vielleicht………? Nein, Thorgrim schüttelte energisch den Kopf. Er weigerte sich, seinem Geliebten etwaige Untreue zu unterstellen. Sicher, seine vagen Angaben darüber, warum er so viel Zeit ohne seinen Ehemann verbrachte, und auch wo, mochten bei seinem warmherzigen und manchmal etwas unsicheren Wesen dazu geführt haben, dass er sich einsam fühlte, aber so weit zu gehen, sich sexuelle Erfüllung woanders zu suchen, nein, das traute er seinem Liebsten nicht zu.

Er klopfte einige Male und rief den Namen seines Mannes, aber es blieb totenstill im Haus. Nun ergriff den rothaarigen Hünen die Panik. Was, wenn er im Haus zusammengebrochen war, verletzt vielleicht, bewusstlos, nicht in der Lage, sich bemerkbar zu machen? Was tun? Thorgrim überlegte fieberhaft, wie er ins Haus gelangen konnte, es war mitten in der Nacht. Egal, sein Geliebter konnte theoretisch um sein Leben kämpfen dort drinnen.
So ging er gerade ein Haus weiter, zum Schmied Ulfberth und seiner Frau. Auch dort hämmerte er mit seinen Pranken mehrere Male an die Tür, und dort wurde ihm nach einigen Minuten endlich geöffnet. Der Schmied stand, im Nachtgewand, in der Tür und hielt einen Kerzenständer in der Hand.

„Um aller Göttlichen willen, Thorgrim, was soll denn das? Wollt Ihr uns das Haus über dem Kopf zum Einsturz bringen? Was gibt es denn so Wichtiges mitten in der Nacht?“

Hastig und mit kurzen Worten erklärte der Heimgekehrte, warum er hatte stören müssen, er fürchtete um Farkas Leben. Nun kam sogar in dem etwas trägen Ulfberth Hektik auf. Er schnappte sich einen Hammer und eine Brechstange und folgte Thorgrim zum nächsten Haus. Der Schmied verstand sein Handwerk, und so war die störrische Tür in Windeseile geöffnet. „Ich danke Euch, Herr Schmied, Ihr habt etwas gut bei mir!“

Ohne auf eine Antwort zu warten, stürmte er in das Haus, nahm gleich zwei Stufen auf der Stiege nach oben und rannte ins Schlafzimmer. Sein geliebter Ehemann lag sturzbetrunken im Bett, in seiner Hand eine leere Flasche Met, ihr Inhalt hatte sich über das gesamte Fell verteilt, und Farkas wirkte verschwitzt und verwahrlost. Auch an Gewicht schien er verloren zu haben. Hatte ihm seine Abwesenheit so sehr zugesetzt? Jetzt würde alles wieder gut werden, er hatte alles fertig und bald würde sein Bärchen wieder strahlen.

Als er den nackten Muskelmann vom Bett hob, sah er ein wenig Samenflüssigkeit an seinem Unterleib haften. „Ach, mein armer Liebling,“ flüsterte er dem Bewusstlosen ins Ohr. „Das wird in Zukunft nicht mehr nötig sein!“ Vorsichtig legte er den schweren Körper auf das Bett im Gästezimmer und wandte sich wieder ihrem Ehebett zu, das er sorgfältig reinigte und mit einem neuen, unbenutzten Fell bezog. Dann widmete er sich seinem Liebsten, wusch ihn und kämmte ihm die Haare. Farkas blieb die ganze Zeit über ohne Besinnung und merkte auch nicht, wie er schliesslich wieder ins Schlafzimmer getragen und aufs Bett gelegt wurde.

Für einen Moment blieb der Krieger schwer atmend am Bett stehen und betrachtete seinen Nord. Er hatte so viel Zeit darauf verwendet, so viel kostbare Zeit, die er gerne in den Armen seines Partners verbracht hätte, aber es war gut verwendete Zeit, Farkas würde sich hoffentlich freuen, wenn er erfuhr, warum er so lange und so oft fort gewesen war.

Aber jetzt war er erschöpft. Er legte seine Kleidung sorgfältig auf einen Stuhl, legte sich neben seinen Mann und zog ihn in seine Arme. Kaum, dass sein Kopf ruhte, war er auch schon eingeschlafen.

Am Morgen erwachte er von einer wohlbekannten Bewegung an seiner Seite, Farkas rieb sich im Halbschlaf an ihm. Da sie beide immer nackt schliefen, sorgte diese Berührung für einen wohligen Schauer im Unterkörper von Thorgrim, er drehte sich zu seinem Geliebten und küsste ihn auf die Lippen, und da öffnete er langsam die Augen.. „Guten Morgen, mein Herz.“ Anstatt ihm zu antworten, drehte Farkas sich weg und fragte brummig: „Wie lange gedenken der Herr diesmal zu bleiben? Ist der Herr nur deswegen zurückgekommen, weil er ein wenig Abwechslung braucht und Sehnsucht nach dem Hintern seines Mannes hat?“

Thorgrim war betroffen, hatte er seinen geliebten Ehemann so sehr verletzt? „Farkas, Liebchen. Ich gebe zu, ich habe Dich ein wenig vernachlässigt in der letzten Zeit, aber Du wirst Dich riesig freuen, wenn Du erfährst, warum!“ „Du hast mich so oft alleingelassen, Thorgrim, was kann so wichtig sein, mir tage- und nächtelang fernzubleiben? Ich habe mich so sehr nach Dir gesehnt, nach Deinen starken Armen, nach der Wärme deines Körpers, den süssen Geschmack Deiner Küsse. Wo, in Talos Namen warst Du?“

Endlich hatte sich Farkas seinem Mann wieder zugewendet, sein trauriger Blick traf Thorgrim mitten ins Herz. „Ich mache alles wieder gut, mein Schatz, ich verspreche es Dir.“ Keiner der beiden Männer war mehr in der Lage, die so lange unterdrückte Leidenschaft noch länger zu zügeln, wie die Wölfe fielen sie übereinander her und liebten sich hemmungslos.

Als Farkas schliesslich, gesättigt und zufrieden, in den Armen seines Mannes lag, konnte er seine Neugierde nicht mehr länger im Zaum halten. „Nun sag mir doch endlich den Grund, warum Du Deinen armen, liebeskranken Mann so viel alleingelassen hast!“ Thorgrim lächelte. „Hast Du schon von Morrowind gehört, der Provinz der Dunkelelfen?“ „Ja, vor vielen Jahren brach dort der Rote Berg aus und überzog alles mit einer feinen, grauen Asche. Viele der Dunmer haben deshalb ihre Heimat verlassen, auch hier nach Himmelsrand sind viele geflüchtet. Warum fragst Du? Was hat das mit uns zu tun?“

„Im Nordosten von Windhelm liegt die Insel Solstheim. Sie war einst ein Aussenposten der Ostkaiserlichen Handelsgesellschaft, wurde jedoch verlassen, als die Mine dort kein Erz mehr brachte. Die Dunmer haben sie übernommen und eine kleine Siedlung errichtet. Vor etwa einem halben Jahr war ich einmal dort, um jemanden zu besuchen und konnte eine Verschwörung gegen den ersten Ratsherrn Morvayn aufdecken und zerschlagen. Der Mann war so dankbar für meine Unterstützung, dass er mir ein grosszügiges Geschenk machte. Und dieses Geschenk, mein Schatz, möchte ich Dir zeigen. Ich habe bereits mit Kodlak gesprochen, er hat eingewilligt und uns Urlaub für eine Woche genehmigt.“

„Du nimmst mich mit nach Solstheim?“ Farkas freute sich wie schon lange nicht mehr. „Ja, mein Liebling. Pack ein paar Sachen ein, wir gehen auf Reisen!“ Alle Traurigkeit, alle Verzweiflung der letzten Wochen war vergessen bei der Aussicht, eine ganze Woche mit seinem geliebten Ehemann zusammenzusein, und der Gefährte wieselte in dem kleinen Häuschen herum wie eine Hausfrau.

Nach Windhelm benutzten sie die Kutsche, und von dort aus die „Nordmaid“, einen kleinen Schoner, der unregelmässig Personen zur oder von der Insel beförderte. Nachdem sie das Schiff verlassen hatten, nahm Thorgrim seinen Geliebten an die Hand und brachte ihn zum Severin-Anwesen, einem typischen Haus der Dunmer, das seine Haupt-Wohnräume im Untergeschoss hatte. Thorgrim hatte es mit viel Liebe eingerichtet und ausgestattet, Farkas Augen strahlten, als er sich in dem weitläufigen Gebäude umsah. Vor dem Bett blieb er stehen und grinste seinen Ehemann unverschämt an. „Dieses überaus bequem aussehende Bett hat eine lange und lebhafte Nacht vor sich, mein Schatz, ich werde heute alles nachholen, was mir in den letzten Wochen so sehr gefehlt hat!“ „Soll das etwa eine Drohung sein, mein geliebter Nord?“ „Nein, das ist ein Versprechen! Und das hier gehört alles Dir?“ „Nein, mein Liebes, es gehört uns! Und jetzt möchte ich einen Kuss!“ „Nur einen?“ fragte Farkas lächelnd.

„Oh nein, viel mehr. So viele, wie das Geistermeer Wassertropfen hat!“