Die fünf Finger an Freezers starker Hand

von Ronsen
GeschichteAbenteuer, Humor / P16
Freezer Ginyu Guldo Jeeze Rikoom
27.06.2015
09.11.2019
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Alle Augen ruhten auf Guldo, der immer noch in der Mitte des Raumes schwebte und von der Anschuldigung völlig überrumpelt war. Für einen Moment wirkte die Luft um sie herum elektrisch aufgeladen. Die Anspannung entlud sich schließlich in einem herzhaften Lachanfall des grünen Kommandanten.
„Tehehe, da habt ihr mich ja drangekriegt. Für einen Moment dachte ich wirklich, du meinst das ernst, Jeeze.“
„Das tue ich“, erwiderte der Weltraumpirat ruhig und mit einem kühlen Lächeln auf den Lippen.
Daraufhin plusterte Guldo empört seine Pausbacken auf und verdrehte alle vier Augen gleichzeitig.
„Das ist wirklich lächerlich. Ich bin es schließlich gewesen, der es mit den Schattenghulen aufgenommen hat. Ich bin gekommen, um zu helfen. Auf Befehl des ehrenwerten Lord Freezers hin!“
Jeeze klatschte sich in die Hände.
„Dieser Satz!“
„Was?“, quäkte Guldo dazwischen.
„Auf Befehl des ehrenwerten Lord Freezer“, äffte Jeeze ihn nach, „Wie oft habe ich mir diesen Satz schon anhören müssen? Hey Baata! Ich erzähl dir jetzt mal, wie die Dinge hier im siebten Universum so laufen, also sperr‘ die Lauscher auf!“
Baata nahm den Finger aus seinem Ohr und neigte sich zu Jeeze herüber. So auf dem gemütlichen Sessel sitzend und dem Monolog seines Kameraden lauschend, wäre er schon fast weggenickt, aber jetzt schien es ja tatsächlich spannend zu werden.
„Die Bewohner von Schattenwacht haben den Ort nur verlassen, weil sämtliche Wachen und jeder, der eine Waffe zumindest hochhalten konnte, von Freezers Rekrutierungskorps angeheuert wird. Leute wie Guldo ziehen von einem Planeten zum nächsten und suchen nach den fähigsten Kämpfern. Und wer nicht mitzieht, hat Pech gehabt. Der kann sehen, wie er in dieser rauen Welt überlebt.“
„Ich helfe den Leuten“, grätschte Guldo dazwischen, „Ich gebe ihnen eine Chance, eine Zukunft!“
„Nichts als heiße Luft.“
Jeeze stellte seinen Tee beiseite und griff stattdessen nach seinem Blaster. Er wollte hier zwar keine Schießerei vom Zaun brechen, aber so wie er Guldo kannte, musste er ihm in seinem Handeln nicht nur physisch, sondern bereits gedanklich zuvorkommen.
„Du scherst dich nicht um die Leben deiner Soldaten. Du hast sie völlig planlos in ihr Verderben rennen lassen, als du mit ihnen zu den Vulkanfeldern der Schattenghule spaziert bist.“
„Zugegeben… das war vielleicht eine kleine Fehlkalkulation“, räumte Guldo schließlich mit einem Knurren auf den wulstigen Lippen ein, „Mir gefällt das doch auch nicht. Ich muss jetzt eine neue Mannschaft rekrutieren. Aber immerhin halte ich mich an Recht und Gesetz. Vielleicht sollte ich bei Gelegenheit auch mal etwas aus dem Nähkästchen plaudern, was ich über dich so gehört habe, Weltraumpirat!“
Jeeze wandte sich genervt ab.
„Meine Geschäfte haben mit dieser Sache nichts zu tun.“
„Also mich würde das ja schon interessieren“, platzte Baata dazwischen und grinste.
Aber sein haariger Kumpan schüttelte nur den Kopf.
„Später, ja? Wie wäre es damit, wenn ich dir stattdessen erzähle, warum hier eine Leiche rumliegt?“
„Ist auch okay…“, erwiderte der Isoker etwas enttäuscht und ließ sich wieder in seinen Sessel zurückfallen.

***


„Wir würden dann gern zahlen.“
Jeeze und Oran warteten am Tresen der Blueboy Bar darauf, dass der kleine Bargnom den Scherbenhaufen vor der Jukebox endlich wegfegte und sich um seine Kundschaft kümmerte. Man konnte ihm ansehen, dass ihm der Abgang von Guldo und Martha noch immer mächtig an die Nieren ging. Er stolperte fast über seine eigenen, kurzen Beine, als sie nach ihm riefen.
„G-geht das zusammen oder getrennt?“
„Zusammen“, antwortete Jeeze, „Alles auf meine Rechnung. Auch die Übernachtung des Blaumanns.“
„In Ordnung, das macht dann drei Übernachtungen inklusive Frühstück… 330 Credits.“
„Ich zahle mit Unipay, wie ist Ihre Nummer?“
„Oh“, der Gnom blickte ratlos zu Jeeze auf, „Nein, ich akzeptiere nur Bargeld.“
„Bargeld?! Wer besitzt denn sowas noch? Ich dachte, das hätte man in Soho schon vor 200 Jahren abgeschafft.“
Sein Gegenüber grinste süffisant: „Schon, aber Soho ist immerhin ein Schwarzmarkt. Hier wird nie etwas wirklich abgeschafft. Außerdem funktioniert meine Jukebox nur mit Münzen. Oder besser gesagt, funktionierte…“
„Fein, ich gehe eine Bank suchen und komme wieder. Behaltet Baata einfach als Pfand da. Ehe der wach ist, bin ich wieder hier.“
„Oh, aber Ihr braucht gar nicht zahlen. Eine kleine Gegenleistung würde genügen. Erinnert Ihr Euch daran, was ich gestern sagte? Die wertvollste Gegenleistung wäre für mich, wenn Ihr einen dieser schrecklichen Schattenghule tötet und mir seinen Seelenstein bringt.“
„Ich dachte Guldo kümmert sich schon darum. Und Baata, wenn er ausgeschlafen hat.“
„J-ja, natürlich. A-aber gemeinsam seid ihr gewiss erfolgreicher als allein. Ihr seid doch ein gerissener Kerl. Für Euch sind so ein paar Ghule doch keine Herausforderung, oder? Und Ihr würdet der Stadt wirklich einen großen Dienst erweisen.“
Jeeze zuckte kurz mit der Augenbraue, dann mit den Schultern.
„Von mir aus. Dann machen wir uns mal auf den Weg. Komm Oran. Bis später, Kleiner.“

Als sie die Bar verlassen hatten und außer Hörweite des Gnoms waren, räusperte sich Oran.
„Ssssollten wir nisht auf Baata warten? Ishh bin kein geübter Kämpfer.“
„Ich hab auch gar nicht vor, einen Abstecher in die Wüste zu machen. Das können schön die blaugrünen Spinner unter sich ausmachen.“
Jeeze kramte in seiner Tasche nach einer Packung Galactica-Kaugummi. Die versprach galaktisch-guten Atem für 96 Stunden. Er nahm sich einen Streifen und reichte sie an Oran weiter.
„Auch einen?“
„Nein danke. Ich hab nur vier Zähne, dash verklebt mir nur die Mundwinkel.“
„Und wie zerkaust du dann deine Nahrung?“
„Lash esh mish demoshtrieren.“
Oran sog einmal tief Luft ein, dass es wirkte, als wäre sein langer Schädel eine Luftballon-Schlange und spuckte dann einen schleimigen, grünen Batzen aus. Jeeze machte einen Schritt beiseite.
„Na lecker.“
Bei genauerer Betrachtung konnte er erkennen, dass die grüne Galle dampfte und blubberte. Sie löste sogar einen Teil des dunklen Bodens unter ihr auf.
„Das ist Säure“, stellte der Weltraumpirat verblüfft fest.
„Genau. Wir zershetzen unsher Esshen im Mund. Praktish, findesht du nisht?“
„In der Tat. Und du arbeitest als Makler, sagtest du?“
Oran nickte.
„Das nenn ich mal sauer verdientes Geld. Na komm, ich wollte sowieso den Ersatzteilladen aufsuchen. Vielleicht finden wir da auch eine passende Ausrüstung für dich. Wir wollen doch, dass du sicher in Kath ankommst, nicht wahr?“
Darauf antwortete Oran nichts. Was er und Jeeze in diesem Moment nicht ahnten, war, dass der Bargnom ihre Konversation sehr wohl belauscht hatte und sie auf dem Weg zum Bastelladen verfolgte...

***


Lautes Gerumpel aus der Abstellkammer unterbrach den Weltraumpiraten in seiner Erzählung. Er wechselte einen kurzen Blick mit Oran, dann schnappten sie sich ihre Waffen und verschwanden wortlos nach nebenan. Baata erhob sich auch aus seinem Sessel, eckte dabei allerdings direkt mit seinem Dickschädel an der viel zu tief hängenden Decke an.
„Autsch! Hey Wartner, weißt du, was hier vor sich geht?“
„Nenn mich noch einmal so und ich stülpe deinen Körper von innen nach außen“, erwiderte das Warzengesicht gereizt.

Ehe er eine nützliche Antwort geben konnte, kamen Jeeze und Oran mit der Guldos Adjutantin eingetreten. Martha Rees war aus ihrer Ohnmacht erwacht, doch sie wirkte noch sehr neben der Spur. Ihre Augäpfel waren ganz schwarz. Ob das gesund war?
„Es besteht Grund zur Annahme, dass deine Soldatin von einem Schattenghul besessen ist“, sagte Jeeze nüchtern, „Wir haben sie gefesselt, damit sie sich selbst nichts antun kann, denn das ist die Taktik der Ghule. Sie schlüpfen in die Körper ihrer Opfer und richten dann so viel Unheil an, wie sie können. Sie sind wie Parasiten. Und wenn der Wirt stirbt, suchen sie sich einen neuen.“
„Da erzählst du uns nichts Neues“, erwiderte Guldo, „Aber ich wollte sie noch nicht aufgeben. Vielleicht kennt jemand in Kath ja ein Gegenmittel.“
„Ich habe vielleicht schon eins. Ich hatte es schon ausprobiert, aber das Ergebnis war nicht so zufriedenstellend wie erwartet.“
Jeeze deutete auf die Leiche am Boden.
„Den Kopf wegschießen?“, keifte Guldo empört, „Hörst du mir überhaupt zu? Ich habe gerade gesagt, dass ich sie noch nicht aufgeben will.“
„Kannst du den Ghul nicht einfach mit deinem telepathischen Staubsauger aus ihr herausziehen?“, fragte Baata, der in einer Ecke des Raumes den saugstarken Mike Dyson Pro entdeckt hatte, „Oder damit?“
„Vielleicht solltet ihr mal mir zuhören“, seufzte Jeeze, „Ich habe ein Mittel gefunden, das die Schattenghule auf den Tod nicht abkönnen. Toshley, der Besitzer des Ladens hier, kannte es auch und hat genug davon gehortet: Malyrenbeeren. Wir müssen ihr nur ein bisschen davon verabreichen und der Ghul verlässt den Körper von selbst.“
Baata blickte auf die kopflose Leiche herab.
„Das hat ihm selbst aber nicht viel gebracht.“
„Ihm? Ach du meinst den Toten. Nein, das ist nicht Toshley. Das ist der Bargnom. Er hat uns verfolgt. Er war auch besessen, wenngleich sein Parasit schlauer war, als die anderen oder besser gesagt eine andere Aufgabe hatte. Er sollte nur möglichst viele Leute in die Wüste locken. Nachdem ich ihn überwältigt hatte und die Malyrenbeeren einverleiben wollte, hat er sich eine Waffe geschnappt und sich den Kopf weggeblasen. Darum haben wir deine Adjutantin gefesselt. Übrigens: Die Sache mit dem Seelenstein ist leider auch frei erfunden. Sorry Baata, da gibt es diesmal wohl keine Trophäe für dich.“
Der Blaumann seufzte. Er hatte das Gefühl, diese blöden Schattenghule waren nur eine riesiges Hindernis auf seinem Weg zu neuen, echten Abenteuern. Er wollte diesen Teil seiner Geschichte wirklich langsam hinter sich lassen.
„Nehmen wir mal an, das funktioniert und wir verabreichen ihr Malyrenbeeren“, fasste Guldo zusammen, „Was verhindert denn, dass der Ghul nicht einfach einen von uns befällt?“
„Na, das wird schon nicht passieren“, sagte Jeeze, „Wir haben ja alle vom Malyrentee getrunken.“
„Ooooh, raffiniert“, kam es von Baata, „Worauf warten wir dann noch?“

Oran reichte Jeeze einen durchsichtigen Beutel mit kleinen, rot und schwarz gesprenkelten Beeren. Als Martha den fein süßlichen Geruch des Malyrenzuckers wahrnahm, wurde sie unruhig, kämpfte gegen die Fesseln an Hand- und Fußgelenken. Jeeze nahm seelenruhig ein paar der Früchte auf einen Löffel. Es schien, als wolle er ein aufmüpfiges Kind dazu bringen, sein Gemüse zu essen. Nur war dieses „Kind“ eine ausgewachsene Kriegerin und einen ganzen Kopf größer als er.
„Na komm Süße, Augen zu, Mund auf, ich hab eine Überraschung für dich…“
„Widerlich!“, echauffierte sich Guldo und auch Martha schien von Jeeze‘ Überraschung wenig angetan. Sie spuckte ihm stattdessen in die wohlfrisierte Haarpracht, was Guldo und Baata grölend bejubelten.
„Wenn ihr euch wieder beruhigt habt, wäre dann vielleicht jemand so freundlich, mir zu helfen?“
„Schon gut“, Guldo tupfte sich die Lachtränen aus seinen vier Augen und schnippte dann einmal mit dem Finger. Mit seinen psychokinetischen Kräften zwang er die Soldatin, ihren Mund zu öffnen und als Jeeze ihr endlich die Malyrenbeeren verabreichen wollte, begann sie plötzlich zu husten und zu würgen. Schwarzer Rauch entrann ihrem Körper, genauso wie bei dem Soldaten in den Vulkanfeldern.
„Los Baata, du bist wieder dran!“, raunte Guldo ihn an, „Verpass dem Rauch eins mit deiner Energiekugel!“
Aber Baata hatte eine bessere Idee. Er schnappte sich den Mike Dyson Staubsauger und richtete ihn auf die Rauchwolke. Der Schattenghul konnte der ausgeklügelten Saugkraft nicht widerstehen und durch den patentierten Dreistufenfilter blieben selbst lästige Gerüche im Auffangbehälter. Die anderen blickten fassungslos, als Baata ihnen seine neuste Trophäe präsentierte: einen echten Schattenghul im handlichen Staubsaugerbehälter.
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