I'm only a forever fallen angel

GeschichteSchmerz/Trost, Tragödie / P18 Slash
Andrew Dennies Biersack Ashley Purdy
26.06.2015
20.01.2016
25
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Ich höre das Gekreische der Fans. Höre, wie sie meinen Namen rufen. Ein wohlbekanntes Gefühl macht sich in mir breit: Nervosität, sein Name. Es sind nur noch wenige Minuten bis zu unserem Auftritt. Dem letzten Auftritt der Black Veil Brides. Das habe ich so geplant. Meine Freunde und gleichzeitig auch meine Bandkollegen wissen nichts davon. Sie würden mich ohnehin nicht verstehen.

Neben mir trommelt CC nervös mit seinen Drumsticks auf der Tischplatte des niedrigen Holztisches herum, das vor dem Sofa steht, auf dem wir gerade sitzen. Jake und Jinxx stimmen ihre Gitarren. Nur Ash steht an die Wand gelehnt da und sieht mich an.
Er spürt, dass bei mir etwas nicht stimmt. Das weiß ich, denn normalerweise regt er sich vor einem Konzert immer auf, dass ich zu viel rede. Aber heute ist das anders.
Ich habe beschlossen Schluss zu machen, und zwar mit allem. Da ist mir jetzt gerade nicht nach reden zumute.
Und dass ich nicht rede, ist auch der Grund, warum Ash mich immer wieder mit diesem Blick mustert, den ich so hasse. Ich wende meinen Kopf und sehe ihn an. Ich spüre die Blicke förmlich auf meiner Haut brennen und sehe rasch nach unten auf meine Schuhe. Herrgott, nochmal! Ich kann Ash noch nicht einmal ansehen, ohne nicht sofort das Feuer unter meiner Haut zu spüren, das mich beinahe wahnsinnig werden lässt. Es ist der Grund, warum ich beschlossen habe dem Ganzen heute ein Ende zu bereiten.

Ein Jahr lang geht das nun schon so. Anfangs verspürte ich nur eine leichte Nervosität, die mich befiel, sobald Ash in meiner Nähe war. Und irgendwann kam auch dieses Kribbeln hinzu, sobald Ash mich ansah oder berührte. Auch, wenn es nur rein zufällig war. Und irgendwann habe ich mir selbst eingestanden, was mein Körper schon so lange weiß. Dass ich mich in Ash verliebt habe.
In Ashley Purdy. Den Typen mit den braunen Augen, der mir vom ersten Blick an sympathisch gewesen war. Mein bester Freund.

Das Schlimme an der Sache ist, dass ich mich eigentlich gar nicht in ihn hätte verlieben dürfen. Ich bin ein Mann, verdammt noch mal! Damit haue ich mit meiner Faust auf den Tisch, sodass die Gläser klirren und CC erschrocken zusammenzuckt.
"Sorry, ich...war in Gedanken.", murmle ich und werfe einen raschen Blick in Richtung Ash, der langsam auf mich zukommt und sich neben mich auf die Sofalehne setzt.
"Hey,..." Besorgt beugt er sich zu mir herunter und streicht mir eine Strähne meines Haares aus der Stirn.
"Keine Angst. Du hast das doch schon hundertmal gemacht. Die Fans fressen dich nicht, das weißt du doch.", sagt er um mich zu beruhigen. Ich will den Kopf schütteln, weil Ash mit seiner Vermutung vom Lampenfieber sowas von daneben liegt. Aber dann wäre ich dazu gezwungen, zu sagen, was mit mir nicht stimmt. Und deshalb nicke ich.
Ich spüre seinen heißen Atem an meiner Wange. Das verstärkt meine Nervosität noch und jetzt mischt sich auch die Angst dazu. Angst irgendetwas falsch zu machen. Denn Ash ist perfekt. Und ich bin es nicht. In jeder Hinsicht.
Und dann drehe ich mich von ihm weg.
Ash richtet sich auf und seufzt. Ich kann ihn ja verstehen. Ich bin ihm gegenüber in letzter Zeit immer abweisender geworden. Zum einen, weil Ash mich besser kennt als sonst jemand und ich nicht wollte, dass er meinen Plan durchschaut. Zum anderen, weil ich Angst habe. Angst davor, was passiert, wenn ich ihm die Wahrheit sage. Die ganze Wahrheit.

Sam steht in der Türe. Unsere Betreuerin und Ansprechpartnerin im Backstage- Bereich.
"Es ist so weit. Ihr müsst jetzt auf die Bühne.", sagt sie und hält uns die Türe auf, während einer nach dem anderen, CC vorne weg, die Stufen zur Bühne hochsteigt. CC ist auch der erste, der sie unter dem aufgeregten Gekreische der Fans betritt. Jake und Jinxx folgen ihm, dann ist Ash an der Reihe. Ich bin der letzte, der die Bühne betreten soll. Und während ich hier warte, bis alle ihre Position eingenommen haben, lausche ich dem Gekreische der Fans und augenblicklich wird mir speiübel. Ich habe absolut keine Lust mehr auf dieses Konzert heute.
Aber ich bin der Meinung, dass es sich irgendwie gehört, noch ein Abschlusskonzert zu geben, bevor ich für immer gehen werde.
Weil ich es nicht mehr aushalte Ash in meiner Nähe zu haben und ihn nicht so berühren zu dürfen, wie ich es gerne möchte. Weil mich alle, Ash eingeschlossen, hassen würden, wenn sie von meinen Gefühlen für ihn wüssten. Und so kann ich einfach nicht weiterleben. Ich verbrenne innerlich. Da wähle ich vorher noch lieber den Freitod, als mich bis ans Ende meiner Tage quälen zu müssen, mit der Gewissheit, dass Ash mich niemals so lieben könnte, wie ich ihn. Davon bin ich überzeugt.

"Andy, träumst du? Los, du musst auf die Bühne, schnell!" Mit diesen Worten gibt mir Sam einen leichten Schubs und ich stolpere nicht gerade würdevoll zu meinem Mikrofon.
Ich sehe diese Massen von Menschen, die mich erwartungsvoll anstarren und setze mein schönstes Lächeln auf. Diesen Menschen da unten haben wir es zu verdanken jetzt hier stehen zu dürfen. Und ich bin ihnen dankbar dafür. Deshalb soll mein letzter Auftritt der beste meines Lebens werden. Ich will, dass mich meine Fans so in Erinnerung behalten, wie ich heute auf dieser Bühne stehe.
Ich sehe zu Jake hinüber und er versteht mein wortloses Zeichen. Und als die ersten Klänge von Saviour die Halle füllen, setzt auch zeitgleich das Gekreische der Fans wieder ein.

Der Abend wird ein voller Erfolg und bevor ich den letzten Song ankündige, will ich noch etwas loswerden. Ich nehme das Mikrofon in die Hand. Augenblicklich breitet sich eine angenehme Stille aus. Alle lauschen dem, was ich zu sagen habe.
"Manchmal", beginne ich. "Manchmal fühlt man sich richtig einsam. Manchmal fühle ICH mich richtig einsam. Doch das ändert sich, wenn ich euch alle sehe. Dann fühle ich mich gut, weil ich weiß, dass ich etwas erreicht habe. Dass WIR etwas erreicht haben.", sage ich und deute mit einer ausladenden Geste auf meine Freunde.
"Aber wir wären nichts ohne euch. ICH wäre nichts ohne euch. Und darum möchte ich euch danken. Vielen Dank für die wundervolle Zeit, die ich mit euch genießen durfte."

Und noch im selben Atemzug spielen meine Freunde das letzte Lied für diesen Abend, das letzte Lied für immer, an. Die For You

I'm screaming out
Can you hear me?
I bleed for you
Forever I will lie awake
I would die for you


Während ich das Lied singe, kommen alle Erinnerungen an Ash wieder hoch. Meine Augen Brennen. Das Publikum sieht sie nicht, die Tränen, denn ich lächle immer noch mein falsches Lächeln. Doch Ash, der, als das Lied verklingt, neben mir steht, sieht sie. Ich sehe ihm in die Augen und plötzlich beginnt meine Fassade zu bröckeln und er erkennt, was ich im Begriff bin zu tun, denn Entsetzen breitet sich auf seinem Gesicht aus. Ich werfe ihm einen letzten Blick zu, lasse das Mikrofon fallen, und dann fange ich an zu rennen.
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