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Eine neue Reise

von Anthea
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 Slash
Old Shatterhand Winnetou
25.06.2015
17.11.2016
7
11.474
4
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Dieses Kapitel
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25.06.2015 847
 
---Für Anmi… danke für den Floh im Ohr *lächel*. Für Mountain High, deren Geschichte mich ebenfalls gefangen nimmt, und für Bisa und Izzy, mit denen das Diskutieren so wertvoll ist.---


Meine Gedanken wurden jäh in das Hier und Jetzt geholt, als mein Rappe stolperte. Mein Hengst stolperte nie! Er war eines der trittsichersten und ausdauerndsten Pferde, die ich kannte. Seine klaren, trockenen Fesseln und Sehnen erlaubten ihm, weite Strecken ohne Ermüdung zurück zu legen. Hatte ich zu viel von ihm verlangt? Wie hatte es nur soweit kommen können? Himmel, sogar mein Hatatitla schien müde zu werden. Was hatte ich mir nur dabei gedacht?
Wie lange galoppierte der brave Rappe schon mit stetig gleicher Geschwindigkeit? Zu meinem Erschrecken wusste ich es nicht. Ich war mit meinen Gedanken so weit fort gewesen, und in den Geschehnissen der letzten Tage verhaftet, dass ich mein Pferd gar nicht wahrgenommen hatte. Wie hatte ich nur so wenig auf ihn achten können? Der Hengst hatte seine Aufgabe erfüllt, ohne auch nur auf die Idee zu kommen diese zu hinterfragen. Ich hatte ihn – vor wie vielen Stunden? – in raschem Galopp hinaus auf die Prärie gelenkt – fort vom Pueblo. Und mein treuer Rappe war so ausgebildet worden, dass er eine Aufgabe solange ausführte, bis er eine andere gestellt bekam. Aus tiefstem Herzen entschuldigte ich mich bei ihm, dass ich ihn beinahe an den Rand seiner Fähigkeiten gebracht hatte. Alleine schon auf mein Aufrichten im Sattel reagierte Hatatitla sofort, und fiel mit einem tiefen Schnauben in einen angenehmen Schritt. Ich hatte nicht einmal die Zügel annehmen müssen. Wieder einmal war ich von der Feinfühligkeit, mit der mein Hengst auf meine Hilfen reagierte so angetan, dass ich seinen feuchten Hals immer und immer wieder zärtlich streichelte, was er mit einem weiteren, zufriedenen Schnauben quittierte. Wie froh konnte ich sein, dass mir dieses herrliche Pferd nicht die Freundschaft gekündigt hatte.

Nun ganz im Augenblick, sah ich mich um, und entdeckte unweit von unserer momentanen Position ein kleines Wäldchen, das am äußersten Ausläufer des Berges im Westen ganz eindeutig Wasser verhieß. Ich musste nur an die geänderte Richtung denken, und mein Hatatitla reagierte sofort auf dieses kleinste Anspannen meiner Muskeln. Zielstrebig zog er zu dem Wäldchen.
Als wir dort ankamen, sah ich mich bestätigt, da ich leises Plätschern von einem winzigen Bach vernahm. Durch die Schrittphase hatte sich Hatatitlas Atmung soweit normalisiert, dass ich ihn bedenkenlos am kalten Wasser tränken konnte. Hier würden wir rasten, da sich die Dämmerung bereits über dieses Fleckchen Erde herabsenkte. Ich befreite Hatatitla von Sattel und Zaum und breitete das nass geschwitzte Sattelpad aus, damit es trocknen konnte. Der Hengst zeigte mir seine Freude über diese Pause, indem er sich in dem kurzen, trockenen Gras genüsslich wälzte. Für einen kurzen Augenblick konnte ich ruhig durchatmen, und über das Verhalten meines Pferdes lächeln. Der Rappe blieb vertrauensvoll liegen, als ich näher trat, und ihm sanft die Hand auf den Widerrist legte. Er machte keine Anstalten aufzustehen, also setzte ich mich ein wenig zu ihm ins Gras. Ich hätte mir vor meiner Zeit bei den Apachen nicht träumen lassen, je eine solche Bindung zu einem Pferd zu haben. Er war nicht nur mein Reittier, er war mein Belgleiter, mein Partner, mein Freund.

Aber nur wenige Minuten später, war mein Geist schon wieder aktiv. Da ich, vor allem nach den Ereignissen der letzten Tage, keine unliebsamen Überraschungen hier draußen erleben wollte, streichelte ich noch einmal über das nachtschwarze Fell, stand dann langsam auf, und begann unseren Lagerplatz zu sichern, indem ich einen relativ großen Kreis darum beschrieb und nach eventuell Unheil verheißenden Spuren suchte. Da ich von Winnetou gelernt hatte, bei solchen Unterfangen gründlich vorzugehen, war ich erst nach über einer Stunde überzeugt, dass außer ein paar kleinen Tierchen niemand dieses Wäldchen und den kleinen Wasserlauf in letzter Zeit aufgesucht hatte. Währenddessen hatte Hatatitla friedlich gegrast, und ich konnte in seiner gesamten entspannten Haltung erkennen, dass auch ihm nichts Ungewöhnliches an die Ohren gedrungen war. Dennoch wollte ich kein Feuer machen, und so bestand mein Abendessen aus etwas getrocknetem Büffelfleisch und klarem, kaltem Wasser. Aber das interessierte mich herzlich wenig; ich hatte sowieso keinen Hunger.

Meine Gedanken und Gefühle drehten sich immer noch in wildem Karussell im Kreis. Wie sollte ich nur Herz und Verstand in Einklang bringen? Oder waren sie es vielleicht schon, ohne dass es mir bewusst war? Kam daher meine Verwirrung? Hatte ein Teil von mir es schon lange gewusst, und nur tief in mir vergraben, weil ich nicht dazu bereit gewesen war, es anzuerkennen? Es fühlte sich an, als wären alle Wälle eingerissen worden, die mein Innerstes beschützt und verborgen hatten. Dabei hatte ich mich doch immer für einen offenen Menschen gehalten. Ja, wohl wahr, ich war weltoffen, offen für fremde Länder, fremde Kulturen, Menschen jeder Hautfarbe. Aber hatte ich jemals viel von mir preisgegeben? Anderen gezeigt, wie es tief in mir aussah? In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich immer nur so weit gegangen war, wie ich es die anderen hatte sehen lassen wollen. In dieser Beziehung war ich Winnetou wohl noch ähnlicher, als wir beide je geahnt hatten.
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