Keine Kraft (Oneshot)

von Lemming01
KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
22.06.2015
22.06.2015
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Also, dass ist mein erster Oneshot, ich hoffe er gefällt euch.
Die Rechte für Naruto und den Figuren liegen natürlich bei Masashi Kishimoto.

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Keine Kraft


Ich schließe die Tür hinter mir und rutsche langsam mit dem Rücken die Wand hinunter, bis ich schließlich am Boden sitze. Ich halte mir die Ohren zu und kneife die Augen zusammen. Ich kann sie nicht mehr hören, diese Worte, die mich immer wieder Monster nannten. Ich kann sie nicht mehr sehen, diese Blicke, die mich töten wollten.

Ich weiß, wieso sie mich Monster rufen, denn in mir ist eines versiegelt worden. Der neunschwänzige Fuchs hatte vor 15 Jahren das Dorf angegriffen und dabei vielen Menschen das Leben genommen. Damals hat der Hokage der vierten Generation unter Aufopferung seines Lebens dieses Monster in mir versiegelt. Sie gaben und geben immer mir die Schuld, denn in ihren Augen war ich ER. Doch ich bin nur sein Gefäß, der Gefängniswärter, der ihn hindert auszubrechen, derjenige, der seit Jahren gegen ihn ankämpft. Still und heimlich, im Verborgenen, ohne, dass jemand weiß, wie sehr ich leide.

Wie sehr mich die Bilder quälen, die er mir zeigt, die Albträume die er mir schickt, in denen alle die ich kenne umgebracht werden. Doch zu meinem Entsetzen lösen sie immer mehr Wut aus – und irgendwann begannen sie mir zu gefallen. Die Leute leiden zu sehen, die mich leiden ließen. Die mir niemals eine Kindheit geschenkt haben, die mich als Blitzableiter ihrer Trauer und Wut benutzt hatten. Die mich immer wieder geschlagen haben, bis ich um Gnade winselnd zusammengebrochen bin.

Immer wieder frage ich mich, warum ich hier bin, warum ich dort blieb. Der Einzige, bei dem ich das Gefühl hatte, dass er mich mochte, war gegangen, hatte mich im Stich gelassen um seinen Rachegedanken hinterherzujagen. Seit er weggegangen ist, hat sich alles nur noch mehr verschlechtert…

Sakura will nichts mehr von mir wissen, bis ich mein Versprechen eingelöst habe, Sasuke zurückzubringen. Die anderen hielten, damals sowie heute, zu ihr und Kiba und Ino gingen regelmäßig auf mich los. Mein Sensei hatte sich zurückgezogen und ich wurde von Jiraiya trainiert.

Ich war so hoffnungsfroh, dachte, ich könnte stark genug werden, um meinem Traum Hokage zu werden verwirklichen zu können. Doch mein neuer Sensei verbrachte seine Tage in Bädern und die Nächte in Bars oder Pubs, um sich nachher mit diversen Frauen zu vergnügen. Beigebracht hat er mir kaum was. Ich trainierte hart, doch alleine blieb ich schwach. Ich wollte unbedingt stärker werden und versuchte ein neues Jutsu zu entwickeln – das Rasen Shuriken. Als ich es nach so viel harter Arbeit endlich geschafft hatte, wurde es als verboten erklärt, zu gefährlich waren die Nebenwirkungen. Es half nichts, egal was ich tat, ich kam nicht weiter.

Immer wieder tappe ich im Dunkeln, nur um jeden Lichtstrahl entgegen zu laufen, den ich entdecke. Doch bevor ich ankomme, verschwindet er, jedes mal aufs Neue. Er verschwindet und lässt mich erneut in völliger Dunkelheit zurück.

Dann war der heiß ersehnte Tag gekommen. Endlich war ich wieder in Konoha, endlich würde ich meine ‚Freunde‘ sehen, die mich damals einfach stehen ließen, da ich es trotz Einsatz meines Lebens nicht geschafft habe, Sasuke zurückzuholen. Obwohl sie sich so schrecklich gegenüber mir verhalten, kann ich nicht anders, als sie als meine Freunde zu sehen, meine Familie. Sie sind alles, was ich habe, und ich würde alles für sie aufgeben. Ich hoffte so sehr, dass sie mich vermisst hätten, dass sie sich freuen würden, mich zu sehen, dass sie mich begrüßen und akzeptieren würden.

Doch ich hatte mich geirrt…

Als ich durch das Tor trat, spürte ich wie die Leute tuschelten. Immer wieder spotteten sie über mich und riefen mir zu, ich solle wieder verschwinden. Es tat weh, so weh, doch ich ignorierte es. All die Jahre kannte ich nichts anderes. Ich war bereit, den Schmerz zu ertragen, zu ertragen, um meiner Freunde willen. Tsunade empfing mich erfreut und ich war froh wieder da zu sein, doch das hielt nicht lange an, da Sakura ins Büro stürmte. Sie blieb wie von einer Tarantel gestochen stehen als sie mich sah, drehte sich um und machte auf den Absatz kehrt. Ich hätte schreien können. Warum tat sie das? Hatte ich nicht alles für sie getan? Hatte ich sie nicht mit meinem Leben beschützt? Als sie mich gebeten hatte, Sasuke zurückzubringen habe ich ihr das versprochen, obwohl es mein Herz gebrochen hat. Doch ich habe nichts gesagt, mein Bestes gegeben und doch versagt. Mir wurde kalt. Eisige Kälte breitete sich in mir aus. Ich ging, ohne ein Wort, ich wollte einfach nur weg. Tsunade rief mir etwas hinterher, doch ich verstand sie nicht. Zu laut waren meine Gedanken, zu laut mein hämmerndes Herz.

Als ich aus dem Gebäude kam, sah ich wie Sakura mit Ino und den anderen auf mich zuliefen. Ino schrie mich an, sagte mir, wie ich Monster es wagen könnte, noch einen Schritt in dieses Dorf zu setzen. Sie hatten es erfahren. Sie alle. Ein Dorfbewohner hatte es betrunken herum geschrien, während Ino in der Bar saß. Sie hatte es den anderen erzählt. Ich drehte mich um und lief weg.

Mir wird schlecht. Alles fängt sich an zu drehen. Ich sehe vor mir, wie meine Welt in Stücke bricht. Meine Welt, die von jeher nur durch meine Willenskraft gehalten wurde.
Doch ich habe diese Kraft nicht mehr. Ich kann nicht mehr weitergehen. Zu viel hat man mir angetan, zu sehr hat man mich verletzt. Ich kann einfach keine Kraft mehr aufbringen, um weiterzugehen. So oft war ich hingefallen und wieder aufgestanden, doch das würde das letzte Mal sein, dass ich hinfalle. Hinfalle, und nicht wieder aufstehe.

Meine Hände zitterten, während ich kraftlos das Kunai aus meiner Waffentasche zog. Glatt und kalt liegt das Stück Metall in meiner Hand. So viele Leute habe ich schon mit dieser Waffe umgebracht, doch heute werde ich das letzte Mal töten. Tränen kullern meine Wangen hinunter. Ich weine, um die schöne Kindheit, die ich hätte haben können und um die Zeit, die noch vor mir hätte liegen können.

Was wäre wenn...

Eine Frage, die ich mir schon so oft gestellt habe.
Eine Frage, die niemals beantwortet werden würde.
Eine Frage, die mir immer vor Augen halten würde, wie es hätte sein können.
Eine Frage, deren Antwort mich immer nur noch unglücklicher machen konnte.

Ich setze das Kunai auf der Höhe meines Herzens an.

Ein kurzer Moment, dann würde es vorbei sein.
Ein kurzer Moment, und ich wäre mein Leid los.
Ein kurzer Moment, und ich würde frei sein.

Ich drückte das Kunai gegen meine Brust, während der erste Blutstropfen austrat und meine Weste rot färbte.

Ein kurzer Schmerz, dann würde es vorbei sein.
Ein kurzer Schmerz, und ich würde nie mehr Schmerzen haben.

Es tat weh, als ich das Kunai immer weiter in meinen Körper trieb, bis es mit einem Ruck bis zum Ansatz in mir steckt. Ich keuche auf, während das Blut nur so aus meiner Wunde schießt und mich in einem roten See sitzen lässt. Schwarze Punkte tanzen mir vor den Augen. Ich lächle.

Ein paar Sekunden, und ich würde frei sein.

Schwärze legt sich um mich und ich spüre, wie die Wärme aus meinem Körper weicht. Ich spüre, wie mein Herz angestrengt versucht weiter zu schlagen und mir Blut aus dem Mundwinkel rinnt. Ich merke, wie mich die Dunkelheit warm und tröstend in ihre Arme zieht. Ich bin daheim angekommen.
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