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Wir sahen die Welt

von Verblasst
GeschichteAbenteuer, Humor / P16 / Gen
22.06.2015
24.06.2015
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Hallöchen, schön das du dich hierher verirrt hast. Dies ist ein gemeinsames Projekt von mir und meiner besten Freundin. Wir hoffen es gefällt dir. Sollten dir Rechtschreib- oder Grammatikfehler auffallen bitten wir uns Bescheid zu geben. Über Reviews freuen wir uns natürlich immer. Auch Vorschläge und Spekulationen sind erwünscht :D Viel Spaß beim lesen.


Als mein Wecker klingelte, war der Himmel noch in ein tiefdunkles Blau getaucht. Ich drehte mich noch einmal herum, um auf den nächsten Weckruf zu warten, jedoch schlug mein Herz so unruhig, dass ich die Augen nicht lange geschlossen halten konnte. Seufzend erhob ich mich also und schwang die Beine aus dem Bett. Auf nackten Füßen schlich ich über die kalten Fließen ins Badezimmer, schnappte mir auf dem Weg meine bereits am Abend zurecht gelegte Kleidung und bereitete mich auf den Tag vor. Im Spiegel blickte mir eine junge Frau mit müden, grünen Augen entgegen und auch die vielen Grimassen die ich mir ausdachte ließen sie nicht wirklich aufgeweckter wirken.  ‚Ich sollte mehr schlafen‘, stellte ich lustlos fest und klatschte mir etwas eiskaltes Wasser ins Gesicht. ‚Wach werden‘, mahnte ich mich selbst und legte schließlich los. Auf dem Weg zur Haustür warf ich noch einen Blick zur Zimmertür meiner Zwillingsschwester. Alles schien dunkel, so stolperte ich fluchend herüber und stieß die Tür auf.
„Senna, du wirst noch zu spät kommen!“, motzte ich und hoffte sie hatte mich gehört. Ein unverständliches Gemurmel bestätigte meine Hoffnung.
„Wieso denn?“ quiekte das unter braunen zerzausten Haaren versteckte etwas.
„Ich jumpe einfach, dann bin ich pünktlich, solltest du auch tun, dann könntest du länger schlafen.“ Ich blickte sie missbilligend an und presste die Lippen zusammen.
„Oh ja, ich vergaß, Madam Ich-bin-zu-faul-um-eine-viertel-Stunde-früher-aufzustehen, Ihr habt ja das Laufen verlernt.“ Wütend ließ ich die Tür hinter mir zukrachen und stürmte aus dem Haus zu meinem Auto. Für gewöhnlich war ich die unvernünftigere von uns Beiden, doch seit einer Weile, schien Senna mich unbedingt übertrumpfen zu wollen. Es war gefährlich zu viel zu jumpen, dass wussten wir beide schon lange, genau genommen, seit wir vor drei Jahren in Peru direkt einem Paladin in die Arme gejumpt waren und doch reizte sie es neuerdings so viel aus wie nur möglich. Mir fehlte die Zeit noch länger darüber nachzudenken, also fuhr ich hart an der Geschwindigkeitsgrenze zur Arbeit.
Wie zumeist, war ich die erste im Büro. Das Licht eingeschaltet, die Fenster geöffnet setzte ich mich an meinen PC und fuhr in hoch. Während die ersten Zeichen über den Bildschirm flackerten lehnte ich mich in meinem Stuhl zurück.  Den Blick an die Decke gerichtet ließ ich mir mein bisheriges Leben durch den Kopf gehen. Vor knapp einem Jahr hatte ich das Abitur an einem Gymnasium gemacht, dass einen ziemlich guten Ruf hatte. Noch im selben Sommer begann die Ausbildung, mit der ich auch jetzt noch beschäftigt war. In einer großen Behörde, mit wunderbaren Kollegen, auch meine Schwester hatte letztes Jahr an eben jenem Gymnasium ihren Abschluss gemacht, hatte sich jedoch noch nicht für einen Beruf entscheiden können und so hatte sie das Jahr mit einem Bundesfreiwilligendienst in wiederum genau dem Gymnasium überbrückt. Im August würde sie in eine größere Stadt ziehen um dort zu studieren und ich würde hier bleiben und meine Ausbildung fortsetzen. Klar, wir ärgerten uns viel und waren auch öfters nicht einer Meinung, doch ich vermisste sie jetzt schon schrecklich.
Heute war der 22. Juni.
Also noch knapp zwei Monate bis zu ihrem Umzug.
Die Tür ging auf und mein Ausbilder betrat den Raum.
„Guten Morgen.“, begrüßte er mich verschlafen. Ich antwortete nur mit einem knappen „Morgen“ und beschäftigte mich wieder mit dem Computer.
Es wurde zwölf und ich verließ das Büro um in die Pause zu gehen, als ich aus der Damentoilette gegenüber ein Poltern vernahm. ‚Bitte nicht‘, schoss es mir durch den Kopf, doch es war zu spät. Die Tür wurde von innen geöffnet und gab den Blick auf meine Schwester frei, welche sich nebenbei die Kleidung zurecht zupfte.
„Alles klar?“, fragte sie überschwänglich und schlenderte gelassen auf mich zu. Mit hochgezogener Augenbraue beobachtete ich sie dabei.
„Was zum Henker machst du hier?“, fragte ich sie misstrauisch.
„Na dich besuchen, offensichtlich.“, antwortete sie grinsend.
„Warum….SO?“ Es war kaum zu fassen, wie unvorsichtig sie manchmal war. In einer so großen Behörde, war die Wahrscheinlichkeit, dass sich gerade jemand im Waschraum befand ziemlich groß. Senna verdrehte theatralisch die Augen.
„Stell dich nicht so an.“, bestimmte sie und zog mich am Arm in Richtung Treppenhaus.
„Gibt’s hier Kameras?“, fragte sie, nachdem sie sich gründlich umgesehen hatte, ob es auch keine Zuschauer gab.
„500 plus Audioüberwachung.“, erwiderte ich sarkastisch und schon spürte ich den mir nur allzu bekannten sog, der mich an einen anderen Platz schickte.
Wir standen hinter einem Haus an einer Kreuzung, die ich nicht kannte, doch nachdem ich mich nach Hinweisen unseres Aufenthaltsortes gesucht hatte stöhnte ich genervt auf.
„Seoul? Was willst du denn bitte JETZT in Südkorea?“ Meine Schwester zog eine Schnute.
„Ich will IMMER nach Südkorea, aber jetzt sind wir aus einem bestimmten Grund hier.“ Bei der Geschwindigkeit die sie nun an den Tag legte, fiel es mir schwer mitzuhalten, ich war zwar nicht unsportlich und dick war ich auch nicht, aber sie war eben besser, wie in so vielem. Als wir zu stehen kamen, standen wir vor einer Boutique und mir wurde klar, warum wir hier waren.
„Du möchtest Klamotten kaufen.“, stellte ich nüchtern fest und rieb mir mit der Hand über die Augen.
„Ein Kleid für den Abiball.“ Hier bedarf es vermutlich einer Erklärung, obwohl unser eigener Abiball bereits ein Jahr zurück lag, würden wir auf dem diesen Jahres auch auftauchen, da sie ja immerhin zum „Kollegium“ gehörte. Zwar gab es dann eigentlich noch keinen Grund für mich dort zu sein, aber sie hatte so lange gebettelt, bis ich zugesagt hatte und ich vermutete aus einem bestimmten Grund, dass sie dies zum Großteil tat um mich zu ärgern. Neben uns beiden würde noch eine sehr gute Freundin von uns mitkommen. Im Grunde freute ich mich auch darauf, aber dann war da auch wieder diese Angst einer bestimmten Person zu begegnen und wenn ich noch genauer nachdachte, dann würde es auch ziemlich anstrengend werden, denn Jumper vertragen kein Alkohol und wer (außer mir im vergangenen Jahr) trinkt denn bitte beim Abiball keinen Alkohol?
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Ein Jahr zuvor Abiball
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„Finja? … Erde an Finja, noch da? Du hast doch gar nichts getrunken?“ Ich blinzelte einige Male und versuchte die Röte, die sich in meinem Gesicht ausbreitete zu verbergen, hoffentlich hatte sie nicht es nicht bemerkt.
„Was ist?“, fragte ich möglichst unauffällig und sah Lilia in die blauen Augen.
„Also… das klingt jetzt verrückt, aber … Senna… sie ist einfach verschwunden….“, brachte sie stockend heraus und ich rollte mit den Augen, war ja klar, dass es nicht den ganzen Abend gut gehen konnte. Ich stand von meinem Stuhl auf, strich mein rotes  Cheongsam glatt und ging meiner blonden Freundin nach.
„Wo genau ist sie …“ Ich räusperte mich. „…Verschwunden?“
Sie führte mich auf den Parkplatz vor der Halle und zeigte auf einen der niedrigeren Pfeiler.
„Sie stand da drauf und plötzlich, war sie …weg.“ Mein Gesichtsausdruck musste Bände sprechen, doch das kümmerte mich gerade nicht und als sie einen Moment weg sah, folgte ich meiner Schwester. Von Busan, nach Rom, nach Stuttgart, nach Santa Fee und vielen weiteren Städten.  Das konnte ja wohl nicht wahr sein. In ihrem Zustand sprang sie scheinbar unkontrolliert umher und in meinem Aufzug, war ich nicht unbedingt unauffällig und sie auch nicht. Offenkundig genervt rannte ich die ein oder andere Person um und musste das dringende Bedürfnis unterdrücken jemanden zu schlagen.
‚Wenn ich die in die Finger bekomme‘, dachte ich mir und sprang in die nächste Jumpscar.
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Am Ende war sie wieder am Ausgangsort angekommen und ich war völlig entnervt nach Hause gegangen.
Senna hatte ihren Spaß. Ihre Private Modenschau dauerte nun schon drei Stunden an und ich hatte irgendwann zwischendrin beschlossen einfach bei der Arbeit zu behaupten, ich sei plötzlich krank geworden und nach Hause gegangen, so schnell würde das hier wohl nicht vorbei gehen.
Am frühen Abend würde ich mich mit Lilia treffen, zumindest hatte ich noch Hoffnung, dass es so sein würde.
„Wie findest du dieses Kleid?“ Meine zierliche Schwester drehte sich vor mir einige Male, um mir das Kleid von allen Seiten zu demonstrieren.
„Es steht dir sehr gut, ist hübsch und betont deine Figur.“, analysierte ich.
„Dann nehme ichs.“ Sie nickte sich zufrieden zu.
In meinem Blick stand Unglaube geschrieben.
„Das hättest du zuhause auch bekommen.“ Meinen Kommentar nicht beachtend zog sie es wieder aus. Die Verkäuferin hängte die anderen Kleider wieder weg. Senna bezahlte und schon waren wir wieder verschwunden.
Wieder daheim, machte ich sie darauf aufmerksam, wie unnötig diese Aktion gewesen war und erntete dafür mal wieder einiges an Spott. Natürlich wollte sie mich nicht verstehen.
Um einen klaren Kopf zu bekommen, machte ich mich schließlich auf den Weg Lilia zu treffen, wir hatten uns verabredet um Stoffe zu kaufen, da ich beschlossen hatte, dass ich nähen lernen wollte.

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Hoffen es hat dir gefallen :D
Bis zum nächsten Mal!
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