Das Wesentliche

von Gwenny
GeschichteRomanze / P12
22.06.2015
22.06.2015
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Hier ist mein Beitrag zur Anti-Hass-Challenge von Helge. Die Anforderungen findet ihr hier :)


Das Wesentliche
Für Helge (Ich liebe dich.)



Warmer Sommerwind weht mir die Haare ins Gesicht, während wir ruhig und gemütlich am Ufer der Elbe entlang spazieren. Meine Hand liegt in deiner und du redest davon, welche Themen du in kommenden Blogeinträgen näher beleuchten willst. Ich muss gestehen, dass ich dir grade nicht besonders aufmerksam zuhöre. Viele Dinge gehen mir durch den Kopf, die mich ablenken. Ein junges Pärchen kommt uns entgegen, das Licht der Straßenlaternen offenbart ihre ineinander verschlungenen Hände und ihre glücklichen Gesichter. Die Frau ist etwas größer als ich, sie hat ein hübsches Gesicht und große blaue Augen... Die einen Moment auf dir ruhen, als wir aneinander vorbeigehen. Unwillkürlich frage ich mich, was sie sieht. Einen großen Mann, mit dunklen Haaren, der begeistert auf seine Begleiterin einquasselt, wahrscheinlich. Lächelnd sehe ich dich an. Ich weiß, was ich sehe...

Ich sehe einen Mann, der mich vor vier Jahren mit seiner ehrlichen und direkten Art aus der Reserve gelockt hat. Einen Mann, der mich nach unserem ersten gemeinsamen Gespräch verwirrt und glücklich zurückgelassen hat. Weggepustet hast du mich. Und du hast meine Welt komplett auf den Kopf gestellt. Eine Welt, die es ganz bitter nötig hatte, auf den Kopf gestellt zu werden. Nie zuvor war mir ein Mensch begegnet, der so frei heraus sagen konnte, was er meinte und der gleichzeitig aufmerksam und interessiert lauschte, wenn andere sprachen. Ich erinnere mich daran, wie ich war, bevor wir uns zum ersten Mal trafen. Nicht in der Lage, Schwäche zu zeigen, war ich immer und ununterbrochen unter Strom. Meine Tage waren randvoll gefüllt mit Stress, den andere Menschen verursachten und den ich suchte, ohne mir dessen bewusst gewesen zu sein. Stress bedeutete, keine Zeit zum Nachdenken zu haben. Ruhe bedeutete, das Gedankenkarussel anzuschmeißen, sich ununterbrochen Sorgen zu machen und Angst vor der Zukunft zu haben. Die Angst hast du mir genommen, Stück für Stück hast du mir eine Zukunft gegeben, bei der jede Angst unbegründet ist und auf die ich mich freuen kann. Du hast Ruhe in mein Leben gebracht mit deiner unerschütterlichen Zuversicht und deiner Art, die Dinge zu sehen wie sie sind.

Ich erinnere mich daran, wie es sich anfühlte, als du mich zum ersten Mal in den Arm nahmst und daran, wie nervös und aufgeregt ich war als du mich das erste Mal geküsst hast.

Wenn ich dich ansehe, sehe ich nicht einfach irgendeinen Mann. Ich sehe den Mann, der mich tröstet, wenn ich traurig bin und mich manchmal so sehr zum Lachen bringt, dass ich Bauchschmerzen bekomme. Du bist der Mann, der mich antreibt, wenn ich mich nicht aufraffen kann und der mich bremst, wenn ich zu übereifrig bin. Manchmal kann ich mich selbst nicht besonders gut leiden. In solchen Momenten bist du derjenige, der mir zeigt, dass meine Fehler menschlich und in Ordnung sind. Du hast mir eine Beziehung geschenkt, die so felsenfest und unerschütterlich ist, dass ich mich niemals ernsthaft um sie sorgen muss. Wo mir Hass begegnet, da denke ich an die Liebe zu dir, die mich ausfüllt und mir zeigt, wie schön das Leben eigentlich sein kann. Diese Liebe zu dir ist überall. In jedem Schritt, den ich gehe und in jedem Atemzug.

Wie oft schon habe ich gesehen, wie du dich für Menschen eingesetzt hast, die es nötig hatten, dass sich jemand schützend vor sie stellte. Dein Glaube daran, dass in jedem Menschen etwas Gutes steckt ist bewundernswert und macht mich so stolz, dass ich es nicht auszudrücken vermag.

Aber ich sehe nicht nur meinen Mann, wenn ich dich ansehe. Ich sehe auch den Vater der du bist und der ohne zu zögern die Verantwortung für einen kleinen Jungen übernommen hat und mit unendlicher Geduld und Liebe die Dinge wieder geraderückt, die andere in die falsche Position gebracht haben. Wenn du Stunde um Stunde mit meinem Bruder am Esstisch sitzt und versuchst, ihm Mathematik beizubringen, sehe ich was du ihm bedeutest. Ich sehe es in seinen Augen, wenn er abends an seinem Zimmerfenster steht und darauf wartet, dass du nach Hause kommst und ich sehe es an der Bewunderung und Liebe, die er dir entgegenbringt.

Was du tust, das tust du mit Hingabe und Begeisterung. Deine Intelligenz und deine Empathie sind nur zwei der unfassbar vielen Dinge an dir, die mir die Gewissheit geben, dass ich mich immer wieder für dich entscheiden würde.

Wenn du bei mir bist, fühle ich mich sicher und geborgen. Du gibst mir den Raum, zu sein wer ich bin. Manchmal fühle ich mich klein und überfordert, das sind die Momente, in denen du mich trägst, bis ich mich wieder groß und stark fühle. Meistens stehst du neben mir, aber manchmal, wenn die Situation es erfordert, auch hinter mir. Und zwischendurch,da muss ich beschützt werden und dann stellst du dich vor mich und gibst mir die Zeit, die ich brauche, um wieder auf die Beine zu kommen.

Wenn ich dich ansehe, dann sehe ich alles was wichtig ist. Du hast mir und unserem Jungen gezeigt, was Familie tatsächlich bedeutet. Nie habe ich mich so frei gefühlt, wie mit dir an meiner Seite. Du bist mein Leben und alles drumherum.

„Hörst du mir eigentlich zu?“, fragst du plötzlich und reißt mich aus meinen Gedanken. Ertappt verziehe ich das Gesicht und schüttel leicht den Kopf.
„Toll. Ich erzähl hier einen halben Roman und du bist mit den Gedanken sonst wo. Wo eigentlich?“

„Och“, sage ich. „Beim Wesentlichen natürlich.“
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