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...denn sie wissen nicht, was sie tun.

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Amber Armin Castiel Debrah Lysander Rosalia
21.06.2015
07.07.2015
2
9.121
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07.07.2015 5.790
 
Dienstag, 07. Juli, 2015


Kapitel 2: Hurra! Hurra! Der Pumuckel mit dem roten Haar!

BEEP. BEEP. BEEP. Verärgert schlug ich die Augen auf und grummelte. Ich versuchte mit der flachen Hand auf mein Handy drauf zu hämmern, doch es klappte nicht so richtig. "Oh. Du blödes Drecksding!", schrie ich aufgebracht durch die ganze Wohnung und Pixie, die mich verschlafen ansah, zuckte zusammen. Ich murmelte eine Entschuldigung an meine Hündin. Endlich hatte ich es geschafft diesen lästigen Wecker auszuschalten und wollte partou nicht aufstehen. 7:00 morgens, Montag. Mein erster Schultag. Gerne wäre ich noch länger im Bett geblieben, um die zweite Nacht in meinem Apartment fortzusetzen. Aber da sonst niemand da war, der für mich zur Schule gehen konnte, musste ich mich wohl oder übel doch dazu aufraffen, aufzustehen. Eigentlich hatte ich keine Lust dazu. Wer hatte schon Lust darauf in die Schule zu gehen? Es war nicht einmal die Tatsache, dass ich die Neue sein würde. Nein, es war einfach nur die Tatsache, dass es eben doch nur eine Schule, wie jede andere auch war. Den gestrigen Tag hatte ich damit verbracht, mein Wohnzimmer zu renovieren. Ganz fertig wurde ich damit allerdings nicht und am Samstag hatte ich in all meiner Schusseligkeit vergessen, für's Wochenende einzukaufen. Und was macht man, wenn man nicht einkaufen war? Genau. Man klappert sämtliche Fast Food Restaurants ab. Demnach fiel meine Ernährung gestern nicht sonderlich gesund aus, aber das tat sie sowieso nie. Ich hatte gestern beschlossen mein Wohnzimmer mit der restlichen Backsteintapete zu tapezieren und das Mobiliar schwarz gehalten. Alles in allem sah es nicht schlecht aus, mit dem abgenutzten, schwarzen Sofa und dem rustikalen Steinhintergrund. Den restlichen Tag hatte ich damit verbracht meinem werten Aufreißer Nachbarn aus dem Weg zu gehen. Es würde dermaßen peinlich für mich werden, wenn er mich darauf ansprach, dass ich ihn "bespannt" hatte, wie er gerade eine Tussi penetrierte.

Rückblick:

Es war früh am morgen. Vielleicht neun Uhr. Ich war gerade auf dem Weg zu einer Bäckerei und lief dabei eine kleine Runde mit Pixie. Wir liefen durch einen nahe gelegenen Park, der die Aussicht auf einen kleinen Fluss und leuchtend grüne Bäume bot. Das Wasser glitzerte klar und seegrün im Licht der Morgensonne und die Äste wogen sich im leichten Wind. Pixie dackelte fröhlich vor mir umher und hechelte was das Zeug hielt. Bereits eine geschlagene Stunde hatte ich mich mit der kleinen auf den großflächigen Wiesen ausgepowert und war nun verdammt erledigt. Leider war ich nämlich so ziemlich der unsportlichste Mensch überhaupt und hatte für lange Sparziergänge keinerlei Ausdauer. Also einen Marathonlauf konnte ich schon mal definitiv von meiner To-Do-Liste streichen. Trotzdem hatte ich bis eben noch mit Pixie fröhlich gespielt und ihr ein Stöckchen hingeworfen, das sie immer wieder zu mir zurück brachte. Dennoch wurde ich langsam hungrig und entschloss mich dazu zum Bäcker zu gehen. Ich hatte die gestrige Nacht kaum geschlafen. Jedesmal hingen mir die Bilder von Pumuckel und Goldlöckchen im Kopf, wie sie an der Fensterscheibe...ihr wisst schon. Und wenn ich raus ging wurde es auch nicht besser. Als ich eine Stunde später eine rauchen ging, standen sie da immer noch. Nur eben in einer anderen Position. Und das was ich gesehen hatte, glich einem absolut widerlichen Porno. Zu meinem Leidwesen hatte er mich allerdings entdeckt und von draußen waren besonders laute Stöhngeräusche zu hören. Als würde er mich provozieren wollen. Aber nicht mit mir! Demonstrativ hatte ich dann an meiner Zigarette gezogen und mich weggedreht. Meinetwegen soll er machen was er will. Nur bitte nicht vor meinen Augen, das war ja verstörend! Vor allem die Geräusche die dieses Mädchen von sich gab. Eine Mischung aus tausend sterbender Seekühe und einem kreischenden Esel. Furchtbar. Da konnte dieser Typ einem ja schon fast Leid tun. Ich leinte Pixie kurz an der Straßenlaterne vor der Bäckerei an und ging hinein.

Glücklich und zufrieden konnte ich nach dem Bäckerei Besuch nun bereits unser Haus sehen. Innerlich freute ich mich schon richtig auf mein Käsebrötchen und meinen schwarzen Kaffee. Plötzlich wurde die Tür nebenan aufgerissen und zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Mit einer derartigen Wucht ging die Tür auf und viel ebenso laut ins Schloss. Heraus trat eine schlanke Blondine auf hohen Stöckelschuhen und lief, nein stolperte eher den Vorgarten entlang. Sie lief so, als  wäre sie eine sturzbetrunkene Gans. Ich erkannte, dass das die Tussi von gestern Abend war!  Schnell sah ich zu ihr herüber. Ich musste einfach das Gesicht dieses Mädchens sehen! Gespannt wartete ich darauf, dass sie ihr Haar aus dem Gesicht entfernte und ehe ich mich versah versuchte sie diese in einer mehr, oder weniger eleganten Bewegung aus diesem zu streichen. Oh Schreck! Die Tante sah übel aus. Und zwar richtig übel. Mit dem Gesicht eines Pavians und Beinen eines Storchs war die Dame nicht sehr gesegnet.
"Was starrst du mich so blöd an? Hat dir deine Mama nicht beigebracht, dass das unhöflich ist?", fragte sie zickig. Ich zuckte zusammen als ich die Stimme vernahm. Oh Gott! Wie betrunken war der Typ eigentlich, als er die aufgegabelt hatte?
"Oh. Äh...Ich-Ich hab dich...für sehr hübsch gehalten!", log ich schnell drauf los und blieb abrupt stehen. Irgendeine Ausrede musste mir ja einfallen. Sie grinste und warf ihre Haare nach hinten zurück.
"Tja, in dem Fall vergiss deine Mutter und starr nach herzenslust weiter!". Ihre Gesichtszüge ließen mich mittlerweile allerdings gar nicht mehr so sicher sein, ob sie überhaupt ein Mädchen war. Meine Kinnlade klappte nach unten. Wie konnte ein derart seltsam-aussehendes Mädchen so dermaßen eingebildet sein? Oh, wie gerne ich ihr jetzt in ihr Gesicht kotzen würde. Glaubt mir da mal, das wäre eine drastische Verbesserung ihres Erscheinungsbildes.
"Es würde echt nie jemand drauf kommen, dass du 'n Kerl bist!", stieß ich meine Gedanken laut aus und wollte mich am liebsten selbst treten. Obwohl, eigentlich hatte die eingebildete Kuh es ja verdient. Vor allem, nachdem sie mich um den Schlaf gebracht hatte. Ich lief beschämt schnell weiter zu meinem Haus und hörte sie noch wütend schnauben und fluchen. Ups. Aber wirklich die Tante sah richtig... furchtbar aus. Man muss sich das so vorstellen: Ihr Gesicht glich dem...eines Pavians - oder auch dessen Hintern -, oder eines zerrupften Vogels mit harten männlichen Zügen. Als hätte man ihr Stroh auf dem Kopf gesetzt hingen die vermeintlichen Haare in ihrem Gesicht. Ihre Beine wirkten so dürr, dass sie damit einem Flamingo, oder einem Storch Konkurrenz machen und das war ein unterschied zu ihrem gewaltigen Untertassen Arsch! Und von ihrer Hyänen Stimme und dem Seekuh Gegrunze fang ich erst gar nicht an. Fazit: Mein Nachbar litt unter Geschmacksverirrung, Blindheit und einem Alkoholproblem.


Ich sah ein, dass es nichts bringen würde, wenn ich hier weiterhin rumsaß und grübelte. Doch der Gedanke an die Seekuh brachte mich schon früh am morgen zum grinsen. Innerlich fragte ich mich gerade, ob dieses Mädchen mit ihrem riesigen Arsch zwei Sitzplätze im Bus beanspruchte und lachte drauf los. Zum Glück wohnte ich alleine, jeder andere hätte mich sofort für Schizophren erklärt. Ich suchte in einer meiner Playlisten nach einem geeigneten Song, der es mir unmöglich machen würde, wieder einzuschlafen. Aus dem Lautsprecher meines Handys ertönte Rock of Ages von Def Leppard und ich machte mich drauf und dran aufzustehen. Ich machte mich daran meine Klamotten für den Tag auszusuchen. Im Gegensatz zu anderen Mädchen verbrachte ich damit zum Glück nicht so viel Zeit. Der Großteil meiner Garderobe hielt sich in schwarz beziehungsweise dunklen Tönen. Aus den Regalen zog ich eine enge, schwarze Jeans mit löchrigen Knien, ein schwarzes T-Shirt mit dem typischen Guns 'n Roses Logo darauf, und Unterwäsche. Genauso wenig wie die meisten Mädchen, mochte ich auch keine grellen Farben, oder rannte den Trends nach. Allerdings war ich sowieso nie die Person, die anderen hinterher rannte und hatte schon immer eher meinen eigenen Kopf. Doch genau das, war etwas was mir schon immer Schwierigkeiten bereitete. Ich konnte mich nicht unterordnen und tue nur das, was ich will. Außerdem hatte ich nur dann Respekt vor einer Person, wenn sie sich den bei mir verdient hatte. Und das war eine wahre Seltenheit. Fertig angezogen tanzte ich wie wild aus dem Zimmer, wobei ich eher so aussah, als hätte ich einen epileptischen Anfall und machte mich drauf und dran mir Kaffee zu machen. Moment mal! Dadurch, dass ich nicht einkaufen war, hatten wir auch keinen Kaffee da. Augenblicklich knallte meine Laune wieder nach ganz unten und ich ging mit grimmiger Miene in's Badezimmer.

In Eile wusch ich mein Gesicht und sah in den Spiegel. Meine grünen Augen funkelten in die Reflektion des Spiegels und sahen ziemlich ermüdet aus. Viel Schlaf hatte ich gestern auch nicht abbekommen, da es wegen den Renovierungsarbeiten doch später wurde, als gedacht. Ich begann meine violett gefärbten Haare zu kämmen, die mir wild zu Berge standen und nicht so liegen wollten, wie ich es gern hätte. Ich musste unbedingt daran denken, Pixie noch zu Mrs. Marceau vorbei zu bringen. Mrs. Marceau war meine Nachbarin und wohnte im Erdgeschoss. Sie war eine freundliche, ältere Dame, die mir gestern über den Weg gelaufen ist. Wir kamen in's Gespräch und sie bot mir an, in meiner Abwesenheit auf Pixie aufzupassen. Leider zweifelte ich stark daran, dass sie in der Lage war Pixie zu hüten. Denn Pixie war ein wahrer Wildfang und ein Wolfshund war sowieso nichts für unerfahrene Hundehalter. Allerdings versicherte sie mir, dass sie mit ihr zurecht kommen würde und ich konnte die Hündin auch nicht alleine zuhause lassen. Also blieb mir wohl nichts anderes übrig. Nach dem anstrengenden Kampf mit meinem Haar, fielen diese mir nun endlich gewollt glatt über die Schultern. Einen Haarschnitt hatte ich auch mal wieder nötig. Mittlerweile reichte mir meine voluminöse Mähne nämlich bis zur Hüfte und das war wirklich zu viel des Guten. Ich steckte mir meinen Augenbrauenstecker und den Nasenring wieder an ihre Stelle zurück, da ich diese für's Gesicht waschen raus genommen hatte und begann mich zu schminken. Diese Routine bestand allerdings nur aus schwarzem Kajal und Eyeliner und etwas Wimperntusche in selbiger Farbe. Als ich auf die Uhr blickte merkte ich, dass es bereits halb acht war und ich allmählich los sollte, wenn ich keine Lust hatte direkt am ersten Tag zu spät zu kommen. Rasch zog ich meine schwarzen Springerstiefel an und schulterte mir meinen Rucksack um. Ich versicherte noch einmal, dass ich meine ach so wichtigen Schulsachen und am wichtigsten, meine Zigaretten nicht vergessen hatte.
"Pixie, komm her!", rief ich die Hündin herbei, die wenige Minuten später schwanzwedelnd vor mir stand und mich aus ihren großen, braunen Augen freudig ansah. Ich schnappte mir nur noch meine Schlüssel und schon war ich zur Tür raus.

Oh Gott, die Frau labert ja wie ein Wasserfall. Geschlagene zehn Minuten hatte mich Mrs. Marceau aufgehalten und vollgequasselt. Nachdem ich ihr mehrmals verklickert hatte, dass Pixie noch nicht draußen war und ich dringend zur Schule musste, ließ sie mich in Ruhe und beteuerte mir, dass sie so gleich mit ihr rausgehen würde. Ich hoffte nur, dass sie sich benahm und der alten Dame nicht zu viele Schwierigkeiten bereiten würde. Ich setzte mich in mein riesiges Auto und startete die Zündung, dabei ließ ich bereits das Fenster runter. Ich liebte es den Fahrwind im Gesicht zu spüren, auch wenn meine Haare dann wieder total zerzaust aussahen. Gerade als ich losfahren wollte, fuhr ein Mototrad mir mitten in den Weg.
"Erst den Kopf aus der Erde ziehen und dann fahren, du verdammter Penner", fluchte ich laut und wartete darauf, dass dieser Mistkerl sich endlich verzog. So ein Idiot. Wo hatte der denn bitte seinen Führerschein gemacht? Oder hatte er den in der Lotterie gewonnen? Er starrte zu mir herüber, schien zu grinsen und fuhr los. Genau konnte ich sein Gesicht nicht erkennen, schließlich trug er einen Helm, aber ich war mir hundert prozentig sicher, dass er gegrinst hatte. Oder ich bekam langsam wirklich Wahnvorstellungen! Unterwegs hielt ich bei einer Bäckerei um mir mein Frühstück zu holen. Meine beste Freundin, Lola, die ich leider Gottes in Paris zurück lassen musste, taufte es "Nuttenfrühstück". Und das sogenannte "Nuttenfrühstück" bestand aus schwarzem Kaffee und einer Zigarette. Ich parkte mein Auto auf einem der vorgesehenen Parkplätze und stieg samt Rucksack und Kaffee aus. Mein Handy verriet mir, dass in fünf Minuten der Unterricht beginnen würde. Genug Zeit um noch eine Kippe zu rauchen beziehungsweise zu 'frühstücken'. Grinsend zündete ich mir meine Kippe an, als mich fast ein Motorrad über den Haufen fuhr. Und als wäre das nicht genug gewesen, war das derselbe Idiot von heute morgen.
"Hast du deinen Führerschein in der Lotterie gewonnen, oder was, du Spinner?", zischte ich und blies den Rauch in die Morgenluft. Ich vernahm urplötzlich ein raues, tiefes, aber dreckiges Männerlachen. Rote Haarsträhnen prangten unordentlich aus dem schwarzen Helm, als der Typ an mir vorbei fuhr. Das kommt mir bekannt vor...

Es war kühl. Nicht unangenehm kalt, sondern eher erfrischend. Ich hatte gerade zu Ende geraucht und betrat nun das Schulgelände. Es war ziemlich groß, größer als ich es in so einer kleinen Stadt erwartet hatte. Ich lief über den grauen Asphalt als mir einige grüne Blätter entgegen wehten, die wohl der Herbstwind von den Baumkronen vertrieb. Auf dem Schulgelände standen einige, etwas mitgenommen aussehende Holzbänke, die eine Sitzmöglichkeit boten. Als ich vorbei lief konnte ich ein gläsernes Gewächshaus entdecken und drum herum ganz viele blühende Beete. Fast Gegenüber davon, lag ein weiß gestrichenes, einstöckiges Gebäude, welches ich als Turnhalle abstempelte. Sie lag etwas hinter dem eigentlichen Schulgebäude. Super, damit hatte ich auch schon meine Raucherecke gefunden. Das Schulgebäude war ein cremefarbenes Gebäude, mit einem flachen Dach. Von da oben würde ich gerne mal die Aussicht sehen! Für meinen Geschmack sah die Schule allerdings viel zu protzig und angeberisch aus. Als ich das Gebäude betrat hörte ich eines Gemurmel, von dem ich vermutete, dass es nur von den Schülern kommen konnte, die gerade alle in ihre Klassen gelangten. So jetzt musste ich aber erstmal das Direktorat finden. Das Schulgebäude war nicht viel anders, als mein Eindruck es zuließ. Protzig. Die Wände waren ebenfalls Cremefarben und im Kontrast dazu, waren die Schließfächer violett und passten sich wunderbar meiner Haarfarbe an. Zugegeben sah es schon ziemlich seltsam aus. Nach mehreren Minuten des verzweifelten Suchens hatte ich es gefunden. Allerdings machte ich mir nicht einmal annähernd die Mühe pünktlich zum Unterricht zu erscheinen. Wieso sollte ich auch? Ich konnte schließlich irgendeine Ausrede erfinden, zum Beispiel, dass ich mich verlaufen hätte. Ich öffnete die Türe ohne jegliche Vorwarnung und stürmte einfach so hinein.

Eine rundlichere Frau, circa Anfang 50 mit einem streng nach hinten gebundenen Dutt musterte mich eindringlich. Schon fast missbilligend fiel ihr Blick auf mich. Es freut mich auch Ihre Bekanntschaft zu machen, blöde Kuh. Eine ihrer gräulichen Haarsträhnen fiel ihr ins Gesicht und sie zwang ihre Mundwinkeln zu einem Lächeln. So sah es dann allerdings auch aus - steif und gewollt.
"Sie müssen sicher Violet Rácz sein. Es freut mich dermaßen sie an unserer Schule begrüßen zu dürfen", sagte sie überschwänglich freundlich. Sie machte sich eine verdammt anstrengende Mühe, freundlich und zuvorkommend zu klingen. Dabei scheiterte sie kläglich. Ich schnaubte leise und zwang mich zu einem aufgesetzten Lächeln.
"Ja, gleichfalls", antwortete ich knapp und widmete mich meinen Schuhspitzen, die ich nun interessiert musterte. Ich sollte meine Stiefel mal wieder putzen, die waren ja fürchterlich dreckig!
"Mein Name ist Mrs. Bijou, ich bin übrigens die Direktorin der Schule. Margarine, die Sekretärin wird dir gleich deinen Stundenplan und deine Bücher aushändigen, so wie den Schlüssel für dein Schließfach. Anschließend geleite ich dich in deinen Klassenraum!", erklärte sie schnell, so dass ich einfach nickte und Interesse vorheuchelte. Ich hatte keine Lust es mir am ersten Tag mit der Direktorin zu verscherzen. An meiner alten Schule hatte ich nämlich nur Stress mit meinen Lehrern, wobei meine Direktorin mich auch wirklich zu hassen schien. Das beruhte allerdings auf Gegenseitigkeit. Die nervige Sekretärin, die mich übrigens ebenfalls wenig begeistert anstarrte, händigte mir meinen Stundenplan aus, warf mir einige Bücher vor die Füße und überreichte mir den Schließfach Schlüssel und die dazugehörige Kombination. Danach schliff mich die Direktorin durch die halbe Schule, da mein Klassenzimmer offenbar hinter'm Mond lag. Nachdem wir einen endlos langen Flur entlang schritten, schien sie diesen gefunden zu haben.
"Hier ist auch dein Schließfach. Ich werde kurz Mr. Faraize Bescheid geben und dich dann herein bitten!", sagte sie an mich gewandt, machte auf dem Absatz kehrt und riss die Tür aus ihren Angeln, nur um sie ebenso laut wieder ins Schloss fallen zu lassen. Ich schritt derweil auf mein Schließfach zu, gab die vorgegebene Kombination ein und stopfte alle Bücher hinein. Wenn ich mich nicht vertan hatte, würde ich jetzt Biologie haben. Na ganz toll. Einzig und allein das Biologiebuch umschlugen, wartete ich vor der Tür.

Die Minuten verflogen und ich fühlte mich so, als würde ich ewig darauf warten mein Klassenzimmer betreten zu können. Als könnte die schrulle Oma meine Gedanken lesen, öffnete sie die Tür und deutete mir an, zu ihr herein zu kommen. Achselzuckend folgte ich ihr in den Klassenraum. Sofort merkte ich wie sich die Augenpaare der Schüler auf mich richteten.
"Mr. Faraize, ich überlasse sie nun weiterhin Ihrem Unterricht", sagte Mrs. Bijou und verließ damit den Saal. Toll, allein ausgeliefert bei diesen Testosterongesteuerten Hirnakrobaten. Das konnte ja heiter werden. Ich ließ meinen Blick durch die Klasse schweifen. Nun hatte sich auch das letzte Augenpaar auf mich gerichtet. Eines stach mir sofort ins Auge. Dieses dreckige, schadenfrohe Grinsen. Das konnte doch nicht wahr sein... Ein schwarzhaariger Mann mit stechend pinken Augen sah unsicher durch die Gegend und zupfte nervös den Kragen seines blauen Pullovers zurecht. Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als der vermeintliche Lehrer mich ansprach.
"Äh-Ähm also, m-möchtest du dich nicht erst einmal vorstellen?", fragte er unsicher. Oh mann, was 'n das für 'ne Flachpfeife? So wie ich das beurteilte, konnte der bei seiner Klasse null durchgreifen. Und sowas ist dann Lehrer...Falsche Berufswahl, definitiv. Ich murrte genervt vor mich hin und rollte mit den Augen.
"Mein Name ist Violet Rácz. Ich bin 18 Jahre alt und mehr müsst ihr nicht wissen!", ich verschränkte die Arme vor der Brust und stellte mich mit monotoner Stimme knapp vor.
"D-Danke, du kannst dort drüben neben Rosalia Platz nehmen", er deutete auf ein Mädchen mit silbrigem Haar und bernsteinfarbenen Augen, die mich bereits angrinste. Lustlos schlenderte ich zu ihr in die letzte Reihe rüber. Die Sitzreihen waren schon ein wenig seltsam angeordnet. Es waren immer vier Tische nebeneinander zusammen geschoben. In der Mitte bildete sich wiederum eine Lücke, so dass man hindurch laufen konnte. Zu meinem Leidwesen ließ ich mich auf den Platz neben Rosalia fallen und bemerkte aus dem Augenwinkel schon den selbstgefällig grinsenden Rotschopf.
"Du hast wohl 'n ganz schönen Eindruck hinterlassen", bemerkte die silberhaarige frech und stützte dabei ihren Kopf mit dem Arm ab.
"Ach selbst wenn, das interessiert mich nicht besonders", gab ich achselzuckend von mir und drehte mich zu ihr um. Sie grinste und ließ kurz einen lachen-ähnlichen Laut von sich hören. "Deine Einstellung gefällt mir".

Rosalia und ich waren die restliche Biologiestunde damit beschäftigt miteinander zu quatschen. Mr. Faraize hatte versucht uns zu stoppen, scheiterte aber kläglich. Schließlich hatte er die Rechnung mit den falschen Mädchen gemacht. Das ganze ging soweit, bis wir aus dem Unterricht rausgeschickt wurden. Rosalia hatte mir eine halbe Stunde das Ohr über ihren Freund abgekaut. Sein Name war Leigh und der Besitzer eines Kleidungsgeschäfts in der Innenstadt. Er war schon ein bisschen älter, als wir. 21, wenn ich mich nicht irrte. Außerdem hatte sie beiläufig erwähnt, dass er einen Bruder hatte und eben dieser mit uns zur Schule ging. Leonard oder so hieß er. Und selbst wenn nicht, auch egal! Ansonsten spielten wir eine Partie Tick Tack Toe auf dem Flur, während wir auf das Ende der Stunde wartete und unterhielten uns über alles mögliche. Über Schulkram, woher ich kam und warum ich hierher gezogen war, lästerten über Mr. Faraize Inkompetenz und einige an uns vorbei laufenden Schülern.
"Du hast also wirklich in Paris gewohnt?", Rosalia sah mich aus ihren bernsteinfarbenen Augen begeistert an. Sie schien auf einmal Feuer und Flamme zu sein, für die berühmte Stadt der Liebe und der Haute Couture. Ich nickte nur weniger begeistert, als meine Gegenüber. Paris war wirklich eine schöne Stadt, schnelllebig, laut und es war immer sehr belebt. Dennoch konnte ich mich der Leidenschaft und dem Charme dieser Stadt nicht so hingeben, wie Rosalia es offenbar tat. Mein Geschmack traf dann schon eher London, oder New York.
"Oh! Das muss traumhaft gewesen sein. All die eleganten Kleider, die Kultur und die Geschäfte. Ich war schon ein paar Mal in Paris gewesen, allerdings nicht oft genug", gab Rosalia schwatzend zu und auf ihr Gesicht legte sich ein verträumtes Lächeln.
Unsere Unterhaltung wurde von einem schwarzhaarigen Mädchen unterbrochen, deren Stöckelschuhe einen klappernden Hall auf dem Fließboden wiedergaben. Rosalia musste urplötzlich grinsen und sah mich verschwörerisch an.
"Hast du die gesehen? Mit dem roten Oberteil?", fragte Rosalia mich aufgeregt grinsend und starrte dem schwarzhaarigen Mädchen auf den Mörderabsätzen nach, welche gerade an uns vorbei schritt.
"Jep. Die fällt noch auf die Schnauze, wenn sie nicht aufhört in den Schminkspiegel zu glotzen", lachte ich erfreut auf, als ich mir die Asiatin vorstellte, wie sie über ihre fünfzehn Zentimeter hohen Stöckelschuhe stolperte.
"Das wäre zu witzig!", kommentierte sie meine Vorstellung. Plötzlich ertönte die Schulglocke und Rosalia und ich zuckten zusammen. Wir erhoben uns vom Fließboden und stürmten in die Klasse hinein. Das war allerdings keine gute Idee, denn zwanzig Schüler drängten sich uns entgegen und wollten den Schreckensort schnell verlassen. Ehe ich mich versah hatte ich mehrere Ellenbögen und Schultaschen in die Rippe  gestoßen bekommen. Nicht zu vergessen, die unzähligen Leute, die mir auf die Füße trampelten! Hastig packte ich meinen Schulkram zusammen und stürmte mit der silberhaarigen aus dem Klassenzimemer.
"Komm mit, wir haben jetzt Pause!", erwiderte Rosalia an mich gewandt und schleifte mich nach draußen. Die angenehm kühle Morgenluft strömte mir entgegen, als ich das Schulgebäude hinter mir ließ und den Hof betrat.
"Wenn du mich fragst, brauch ich jetzt erstmal 'ne Kippe!", meinte ich an sie gewandt. Sie nickte mir zu.
"Geht klar. Ich warte hier auf dich. Und lass dich nicht erwischen!", zwinkerte sie mir frech zu.

Links bog ich in Richtung Turnhalle ab. Schließlich hatte ich von vornherein gesagt, dass dies mein Raucherplätzchen werden würde. Einige Mülltonnen lehnten hier im Schatten an der Hauswand. Es wäre bestimmt ein geeigneter Ort, mich hinter diesen zu verstecken. Gerade zündete ich mir bereits die Kippe an, da freute ich mich schon zu früh.
"Verpiss dich, Muttersöhnchen", hörte ich jemand von der hintersten Ecke grummeln.
"Na, da hat jemand aber einen Clown gefrühstückt", kommentierte ich seine Bemerkung nur kühl und zog an der Zigarette.
"Oh, du bist's. Ich dachte diese lästige Klette von Schülersprecher will mich verpetzen. Wobei ich auf deine Anwesenheit genauso gut verzichten könnte!", grinste er selbstsicher und pustete mir seinen Qualm demonstrativ ins Gesicht. Schmerzverzerrt kniff ich die Augen zusammen. Der Scheiß brannte wie die Hölle!
"DU IDIOT", stieß ich aus und versuchte die Tränen zurück zu halten, die sich in meinen Augen bildeten.
"He, du musst ja nicht gleich flennen!", kommentierte er dies belustigt und verschränkte lächelnd die Arme vor der Brust, während er am Filter nuckelte.
"Wenigstens nuckel ich nicht am Filter wie ein Kleinkind!", gab ich patzig als Antwort und versuchte meine Tränen nach wie vor zurück zu halten, weil meine Augen immer noch wie Feuer brannten.
"Von 'ner halbstarken, wie dir muss ich mir gar nichts sagen lassen", keifte der Rotschopf zurück. Ich hatte eigentlich besseres vor, als mich mit diesem Idioten zu unterhalten, aber ich hatte sowieso noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen. WAS ERLAUBTE DER SICH EIGENTLICH VOR ALLER WELT - UND VOR ALLEM VOR MIR MIT EINER TUSSI ZU VÖGELN? Ich bin doch noch ein zartes, sensibles Kindchen. Okay, nein, das war maßlos übertrieben.
"Und ich lass mich nicht von 'nem Pumuckel mit Geschmacksverirrung so blöd von der Seite anmachen!", - "WIE HAST DU MICH GENANNT?", zischte er wütend. Oh je, ich hatte direkt ins schwarze getroffen und ihn zur Weißglut getrieben. Zugegeben, ich hatte nicht ganz Unrecht  und meinen sichtlichen Spaß daran!
"Du hast schon verstanden!", ich zog an meiner Zigarette und sah ihn kühl aus meinen grünen Augen an. Er begann ein hämisches Grinsen aufzusetzen, das mich erschaudern ließ. Was hatte der Typ vor? Sofort machte sich ein Gefühl der Unbehaglichkeit in meiner Magengrube breit.

Er schritt einige Schritte auf mich zu und kam mir näher. Viel zu nah. Ich wurde gegen den Drahtzaun gedrängt und er stützte seine Arme links und rechts neben meinem Gesicht ab. Damit hätte ich nun auch alle Teenager-Film-Klischees bedient! Ich konnte seinen Atem auf meiner Haut spüren und vernahm den Rauch seiner noch glühenden Kippe. Er selbst roch nach einer Mischung aus Benzin, Zitronen und Zigarettenqualm. Selbst sein Duft gefiel mir. Und wenn er nicht so ein aufgeblasener Holzkopf wäre, wer weiß... Aber im Augenblick beunruhigte er mich einfach nur. Er legte ein laszives Grinsen über sein Gesicht und flüsterte mir ins Ohr.
"Hm... Sag mal, hat dir gestern gefallen was du gesehen hast?", er hatte eine tiefe, rauchige Stimme, die so unvollkommen rau klang, dass es schon wieder verdammt anziehend wirkte, wenn er wisperte. AGH ICH HASSE IHN! Sofort hatte ich mich wieder gefasst, mich aus meiner Starre gelöst und heftig mit dem Kopf geschüttelt. So heftig, dass ich ihn mit meinen Haaren auspeitschte. Unbeabsichtigt mit Pumuckel Domina und Sklave zu spielen entfernte ich mich einige Meter von ihm, zog an meiner Kippe und trat sie auf dem Asphalt aus.
"Spinnst du? Das war absolut widerwärtig! Deine dämliche Freundin sieht aus wie ein zerrupfter Kakadu! Außerdem macht Geräusche wie eine sterbende Seekuh und ihr Arsch könnte man als verdammten LKW Parkplatz nutzen!", stieß ich nun in Rage aus und gestikulierte wild mit den Armen und verzog auch mal angewidert das Gesicht.
"Jetzt mal ehrlich. Was für harte Drogen nimmst du, damit aus dieser Vogelscheuche eine Strandschönheit wird? Heroin C+ mit Wodka und Ritalin?", fragte ich weiterhin und blieb trotz spöttischen Untertons todernst. Nur er fasste das wahrscheinlich nicht so auf. Gerade wollte er zu Wort kommen, doch ich ließ ihm dazu keine Gelegenheit.
"Oder leidest du wirklich an so einer starken Geschmacksverirrung?", frech grinste ich ihn an. Er sah nun wirklich sehr schockiert aus. Anscheinend war er doch betrunkener gewesen, als er vermutet hatte. Dass er  Sex mit einer Tussi vor meinen Augen hatte wusste er. Dass dieses Mädchen aber aussah, wie ein Wal mit Stroh auf dem Kopf war ihm aber entgangen. Das nenn' ich ein Talent! Verdattert ließ ich Pumuckel in der Raucherecke stehen und machte mich auf den Weg Rosalia zu suchen.
"Bis später, Pumuckel!", rief ich ihm im Gehen über die Schulter zu und machte eine winkende Handbewegung dazu.

"Du sag mal, Rosa?", fragte ich die jüngere neben mir, die gerade eine Matheformel von der Tafel abschrieb und die Augen auf ihr Blatt heftete.
"Wer ist 'n eigentlich dieser Pumuckel da?", fragte ich sie unverblümt und zeigte unauffällig auf meinen Nachbarn.
"Das? Das ist Castiel. Wieso? Gefällt er dir etwa?", fragte sie nun neugierig und hatte ihre Aufmerksamkeit voll und ganz auf mich gerichtet. Es schien für sie interessant zu werden. Castiel, so so. Pumuckel würde ich aber weiterhin bevorzugen.
"Nein, nein. Bloß nicht. Ich steh nicht so auf möchtegern halbstarke, feminine Jungs. Es hat mich nur interessiert!", gab ich offenkundig als Antwort und blickte kurz zu ihm herüber. Er starrte gelangweilt aus dem Fenster. Dann fiel sein Blick auf mich. Ihm schien nicht entgangen zu sein, WER ihn anstarrte. Castiel zwinkerte mir grinsend zu und wandte sich wieder dem Treiben außerhalb des Schulgebäudes zu.
"Wie's aussieht gefälltst du ihm aber!", sagte sie begeistert und stupfste mich mit ihrem Kugelschreiber an.
"So 'n Blödsinn, er hat nur Spaß dran mich zu quälen, seit wir Nachbarn sind!", sie sah mich überrascht an, während ich die Formel in mein Matheheft abschrieb.
"Was? Du und Castiel seit Nachbarn? Ich fass es nicht!", ich nickte daraufhin nur kurz, wandte meinen Blick aber vom Heft an um sie anzusehen. War ja nur zu unhöflich, wenn ich meiner Gegenüber nicht in die Augen gucken würde. Etwas unsicher entschied ich mich, ihr von allem zu berichten. Ich erzählte ihr alles, was am Wochenende geschehen war. Von meinem Zusammenstoß mit Pumuckel, seiner Bemerkung über meinen 'Oma-Schlüpfer', seinem öffentlich zur Schau gestellten Sexleben, dem Treffen mit Madame Strohkopf-Seekuh und schließlich unserer Unterhaltung bei den Müllcontainern.
"Okay. Erstens: Ich glaube ich muss kotzen. Zweitens: Castiel kann manchmal ein riesiger Idiot sein und drittens: Wenn das mit der Oma Unterwäsche stimmt, müssen wir zwei unbedingt mal shoppen gehen!", meinte sie bei letzterem nun begeistert. Ich hatte ja mitbekommen, dass Rosalia eine Leidenschaft für Mode hegte, aber ich hätte mir ehrlich gesagt eine andere Reaktion gewünscht, als diese.
"Rosa, ich bitte dich... Darum geht's doch gar nicht!", quengelte ich nun auf meinem Stuhl herum. Sie seufzte intensiv. "Na schön, na schön".

Endlich war Schulschluss und ich konnte nachhause gehen. Rosalia hatte mich während des  Schultages noch ihrem besten Freund Alexy und ihrer Freundin Viola vorgestellt. Die beiden wirkten ebenso nett, wie Rosa selbst. Wobei Viola verdammt schüchtern war. Na da konnte ich noch einiges draus machen! Mir wurde schon immer nachgesagt, dass ich einen gewissen Einfluss auf Menschen hatte. Dies machte ich mir zugegebenermaßen oft zu nutze. Wir hatten vereinbart, dass wir morgen zusammen ins Café gehen würden, denn ich kam bei Rosalia doch nicht um den Shoppingtrip davon. Und bei der Gelegenheit erfuhr ich, dass Alexy genauso Shopping besessen war, wie Rosa. Nur Viola und ich standen etwas unbeholfen daneben. Wobei ich eher lustlos war und Viola nicht so recht wusste, was sie sagen sollte. Sie wusste wohl ganz genau, dass Widerstand zwecklos war. In diesem Moment hatte ich still gehofft, arbeiten zu müssen. Rosalia und ich standen vor dem Eingang der Schule, da sie auf ihren Freund wartete. In dem Moment riss ich weit die Augen auf. Das konnte doch nicht wirklich real sein! Das war ein schlechter Film, der sich hier abspielte!
"Rosa! Rosa! Ey, Rosa!", tippte ich die silberhaarige schnell an und flüsterte ihren Namen.
"Mensch, Vi! Was ist denn?", fragte sie etwas genervt und sah mich an. Ich deutete in die Richtung einer Mädchenclique. Die eine hatte braunes Haar, welche sie sich zu einem Pferdeschwanz nach oben gebunden hatte. Ihre ebenso bruanen Augen blitzen arrogant auf und ihre Kleidung hielt sich in grün und brauntönen - es sah schlimm aus. Das Mädchen vom Flur, die Asiatin, der ich wünschte, sie würde auf die Fresse fallen, konnte ich unter dieser Gruppe auch ausfindig machen. Doch da stand das größte übel! Der zerrupfte Kakadu!
"Guck doch mal da rüber!", stieß ich aus. Ihre Augen folgten meiner Bewegung und sie sah zu ihnen herüber.
"Der zerrupfte Vogel da! Mit dem Stoh auf dem Kopf! Das ist die Tussi, die Castiel gevögelt hat!", wisperte ich zu ihr herüber und sie verzog angewiedert das Gesicht und brach dann in schallendes Gelächter aus.
"HA-HA-HA-HA!", sie wischte sich eine Lachträne aus dem Augenwinkel.
"Nicht zu fassen AHAHA-HA-HA!", Rosalia hatte sich nun einigermaßen beruhigt.
"Castiel muss ja ganz schön tief gesunken sein, wenn er sich mit Amber abgibt. Der Typ hasst sie unfassbar!", mutmaßte Rosalia an mich gewandt.
"Der Typ hat wohl einfach zu viel gebechert!", stellte ich bei ihrem Anblick. Amber hieß die Schnalle also. Das passte ja zu ihr - ein typischer Zickenname, für eine typische Zicke.
"Ich geh dann mal!", Rosalia verabschiedete sich von mir, als ein schwarzes Auto vor fuhr und wandte sich zum gehen ab. Nicht, ohne mir noch ein weiteres Mal ihre Handynummer einzutrichtern und ließ mich vor dem Schultor stehen.

Ich lief den Weg zum Parkplatz hinauf um mich auf meinen verdienten Heimweg zu machen. Als ich das Schulgelände verlassen hatte, zündete ich mir auch direkt die nächste Zigarette an. Welch eine Wohltat.
"Pass doch auf, wo du deinen Qualm hinpustest!", zischte eine raue Männerstimme hinter mir. Belustigt drehte ich mich um.
"Sag mal, verfolgst du mich? Kannst du bereits jetzt schon nicht mehr ohne mich leben?", fragte ich mit einem Hauch Spott in der Stimme und grinste Castiel überlegen an.
"Ja, klar. Träum weiter, Prinzessin!", ich drehte mich um und wollte meinen gewohnten Weg fortsetzen, als besagter Pumuckel neben mir auftauchte und mich anstarrte. Ich blieb abrupt stehen und sah ihn fragend an.
"Haste mal 'ne Kippe für mich?", fragte er mit hochgezogener Braue. Ein weiteres triumphales Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen. Der ach so coole, super tolle Castiel war also auf mich angewiesen. Tja, wie die Dinge sich ändern können. Die Tatsache, dass es nur um eine Zigarette ging, ließ ich komplett außen vor.
"Du scheinst ohne mich ganz schön aufgeschmissen zu sein", sagte ich grinsend und hielt ihm eine der Zigaretten hin. Entgegen meiner Erwartungen lachte er leicht auf und grinste selbstsicher.
"Oh, aber natürlich. Ich glaube eher, dass du ohne mich ganz schön aufgeschmissen bist!", wütend funkelte ich ihn an, zog an der Zigarette und setzte meinen Weg fort.
"Glaub was du willst, lieber Pumuckel!". Ich kam vor meinem Auto zum stehen und lehnte mich gegen die Beifahrertür um meine Zigarette zu Ende zu rauchen. Ich schippste sie weg und stieg in mein Auto ein. Ich sah, dass Castiel bereits auf sein Motorrad gestiegen war. Moment, Motorrad? Jetzt dämmerte es mir. Pumuckel war der Idiot, der nicht fahren kann. Ich musste unwillkürlich grinsen und ließ das Fenster meines Wagens runter.
"Hoffentlich fährst du diesmal besser als heute morgen. Da holt dich ja selbst meine Großmutter mit ihrer 60er Jahre Schrottkarre ein!", ich starte den Motor und fuhr nachhause. Ich hatte mich noch nie, nie in meinem ganzen Leben so erledigt gefühlt.
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