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...denn sie wissen nicht, was sie tun.

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Amber Armin Castiel Debrah Lysander Rosalia
21.06.2015
07.07.2015
2
9.121
1
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Dieses Kapitel
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21.06.2015 3.331
 
21. Juni, 2015


Kapitel 1: Versteckt eure Oma Schlüpfer!

Wäre mein Leben eine TV-Sendung, würde jetzt der Theme-Song kommen. Da ich keins habe, müssen wir wohl ohne auskommen. Alles Unsinn, mein Leben ist keine Serie im Fernsehen, und wäre das so, würde ich wohl niemals wollen, dass sie auf einem traschigen Reality TV Sender lief. Und ich hätte ein Intro. Wir hätten ein Intro. Lange, lange habe ich darüber nachgedacht was ich dir schreiben könnte. Habe tausend Mal angefangen mit irgendwelchen alten Details, aber das soll uns nicht wirklich interessieren, darum geht's auch überhaupt nicht. Der Grund, warum ich hier wie ein deprimierter, D-formierter, schwabbeliger Teenager im dunkeln um drei Uhr Nachts schreibe, ist ein ganz besonderer, und ich werde jetzt anfangen, davon zu erzählen. Du wirst sicher schon wissen, was ich meine, also wollen wir doch einfach mal anfangen. Aber Vorsicht! Für meine verdrehten, oder gar mal kitschigen Gedanken übernehme ich keine Haftung. Los geht's!

Zwei Jahre zuvor:

Violet POV:


Ich ließ Creedence Clearwater Revival mein Gehirn vollkommen berieseln, während ich stark schwitzend meine Autofahrt fortsetzte. Es war verdammt heiß! Dafür, dass gerade der Herbst hätte anfangen sollen, wurden wir mit krassen fünfundzwanzing Grad beschenkt und ich  könnte mir schönerers Vorstellen, als auf den glühenden Polyestersitzen meines geräumigen VW Busses zu hocken und an der Hitze zu sterben. Ich mochte Wärme und Sommer überhaupt nicht. Kühle Temperaturen waren da schon eher mein Fall. Allerdings zog ich diesen Entschluss nur, weil ich selten fror. Ich mochte meinen VW und war stolz auf meinen typischen "Hippie Bus" wie die meisten ihn wohl bezeichnen würden. Er war groß, hatte hinten sehr viel Platz und war ursprünglich in einem wunderschönen Himmelblau lackiert. Zumindest bis ich die Idee hatte ihn mit Bandlogos anzusprayen. Ich hatte dort sogar eine Matratze deponiert, dass ich im Auto schlafen konnte und viele LED Lichterketten hingen an den Innenwänden. Ja, ich hatte es mir in meinem Auto schon ziemlich gemütlich gemacht, weshalb es auch nur zwei Sitze darin gab. Für meine Matratze musste hinten, musste ich eben die anderen Sitze ausbauen lassen, doch damit war ich absolut zufrieden. In meinem Bus rutschten die Kartons hinten nur so umher, während ich um eine scharfe Rechtskurve fuhr. Ich zog Schrottkarren schon immer diesen neuen, schnellen Schlitten vor, die waren für meinen Geschmack einfach zu protzig. Ob es sich jetzt um einen  VW Bus T1, wie meinen, oder ein Audi 100 handelte.
"Nach 500m rechts abbiegen!", navigierte mich die kleine Maschiene an meinem Auto und ich begann während des Autofahrens lautstark den Refrain von "Have you ever seen the Rain?" mit zu singen.
"Sie haben Ihr Ziel erreicht", seufzend fuhr ich einen Gang runter, bremste und nahm den Fuß vom Gaspedal. Das Auto blieb vor einer riesigen Wohnanlage stehen. Ich nahm  den Schlüssel aus der Zündung und stieg aus. Vor mir stand ein prachtvolles, riesiges Haus das ich ab sofort mein Zuhause nennen würde. Amoris...wie lange war ich nun nicht mehr hier gewesen?! Nicht lange, drei Jahre, aber das war genug Zeit. Zeit, in der ich mich gehörig verändert hatte. Ich wollte schon länger ausziehen, weil ich von allem genervt war. Meine Mutter, die mich täglich zur Weißglut brachte mit ihren Stimmungsschwankungen und ihr Freund, der mich sowieso noch nie leiden konnte und dachte ich würde es nie zu etwas bringen und wäre nichtsnutzig. Aber das beruhte ganz auf Gegenseitigkeit. Nicht zu vergessen wäre da meine Cousine, die in unserem Keller mit ihrer Tochter lebte. An sich mochte ich meine Cousine - allerdings konnte ich Kinder nicht ausstehen. Ihre kleine Tochter Mariella war gerade mal 3 Jahre alt, aber sie schrie permanent, sog die Aufmerksamkeit auf wie die Luft zum atmen und war an sich einfach nur eine Plage. Vor allem, wenn man für die anstehende Matheprüfung lernen sollte und die kleine um 2 Uhr Nachts nichts besseres zu tun hatte, als die gesamte Bude zusammen zu kreischen. Da blieb der Schlaf auch gerne mal aus. Das einzige Glück das ich hatte war wohl, dass ich Einzelkind war. Viele beneideten mich darum, weil sie von ihren Geschwistern total genervt waren. Andere dachten ich wäre schrecklich einsam gewesen. Stimmt nicht. Ich hatte einerseits meine Mutter, andererseits meine Cousine und ab und zu schaute mein Cousin vorbei, mit dem ich mich wohl am allerbesten verstand. Doch dieser hatte nun beschlossen zum Militär zu gehen, also wurde der Kontakt zwischen uns beiden auch immer weniger. Drei Jahre hatten wir nun in Paris gelebt, alle unter einem Dach. Deswegen wollte ich so schnell wie möglich in meine eigene Wohnung, dass dieser Zeitpunkt allerdings schon so schnell kommen würde, hätte ich nie gedacht.

Und so stand ich nun hier vor dem Vorgarten des prächtigen Reinhaus und versuchte verzweifelt meinen Schlüssel zu finden, den mir der Markler gegeben hatte. Die Hitze strömte mir nur so entgegen und ich spürte wie nass mein Rücken war, da ich mich ja über die lange Autofahrt permanent an den heißen Autositz gekuschelt hatte. Ich wohnte in einem Haus mit mehreren Apartments darin. Die Vermieter waren ein sehr nettes Ehepaar und wahrscheinlich die einzigen Mieter, die keine drei Monatsmieten im Voraus verlangten. Oder sie hatten einfach Mitleid mit mir, weil ich nur eine einfache Schülerin war. Bei dem riesigen Haus nebenan staunte ich allerdings auch nicht schlecht. Es war schneeweiß, hatte einen blühenden, gepflegten Vorgarten und war auch nicht zu groß. Ein stinknormales Haus eben. Wir hatten schon einmal in Amoris gelebt, das war bevor meine Mutter ihren Freund kennengelernt hatte und aus heiterem Himmel beschloss, deswegen nach Paris zu ziehen Versteht mich nicht falsch, ich war der absolute Großstadtmensch, doch ein großes Problem damit umzuziehen, hatte ich irgendwie doch nicht. Und ich wusste auch ganz genau, wieso. Doch hier war ich nun wieder. Hatte mir einige Monate zuvor einen Job als Kellnerin in einer Bar organisiert, damit ich über die Runden kam und mir eine Wohnung gesucht. In Amoris fand ich dann preis-technisch ein passendes Angebot, das absolut in meinem Budget lag. außerdem musste ich kaum weit fahren, um zu meiner Arbeit zu gelangen. Das dürften vielleicht 10 Minuten Autofahrt sein. Zum Glück befand sich diese ebenfalls in Amoris, denn ich war nicht sonderlich erpicht darauf, zweieinhalb Stunden nach Paris zu fahren. Leider musste ich nichtsdestotrotz mein Abi beenden. Dies würde mein letztes Schuljahr sein und hier war ich nun. Zurück in Amoris.

Grübelnd lief ich doch nochmal an mein Auto zurück aus dem ich schon ein Kratzen hörte wobei ich augenblicklich anfing zu grinsen. Ich schob die Tür beiseite und entdeckte meine Hündin schwanzwedelnd am Zwinger kratzend. Erfreut bellte sie mir entgegen, als sie mich erblickte.
"Hallo meine Süße! Na, hast du ausgeschlafen?", lächelte ich erfreut, als ich mich der "Tragbox" näherte und den Riegel des Zwingers öffnete. Pixie bellte erfreut und hechelte mir entgegen, als sie schließlich aus dem Zwinger sprang und mir auf Schritt und Tritt folgte. Eigentlich hieß meine Hündin Gina Pixie. Eine Anspielung auf unzählige Bon Jovi Songs, wie Livin' on a Prayer und den Disney Film "Peter Pan" und Tinker Bell. Als wir das Haus betraten empfingen uns graue, triste Wände und ein Fahrstuhl, der äußerlich sicher auch schon bessere Zeiten gesehen hatte. Ich drückte auf den Knopf und wartete, bis die Fahrstuhltüren sich vor mir öffneten. Normalerweise würde ich eher sterben, als einen Fahrstuhl freiwillig zu betreten, aber ich hatte keine Lust darauf, dass Pixie und ich nach ganz oben in den letzten Stock laufen mussten. Zwar hab es in diesem Haus nur 2, aber ich hatte beim besten Willen keinen Nerv dafür. Insgesamt lebten hier nur noch zwei andere Personen, da es sowieso im ganzen Haus nur drei Apartments gab. Das im Erdgeschoss, das im ersten Stock, und meines. Also stellte ich mich meiner panischen Platzangst und dem Horror Aufzug zu fahren. Pixie trat erst nach mir in den leeren Aufzug und ehe wir uns versahen waren die Türen geschlossen. Ich drückte auf den Knopf mit einer großen 2 und wartete auf den Horror. Seufzend betrachtete ich meine Hündin die ruhig vor mir saß. Ihr wolfsgraues Fell sah gebürstet aus, was ich vor meiner Abreise auch getan hatte und ihre unschuldigen, braunen Augen sahen mich liebevoll an. Sie war ein Saarloos-Wolfhund-Mischling. Zunächst wollte mir meine Mama die kleine ungarische Hündin ausreden, da ein Wolfshund-Mischling doch sicher zu gefährlich war und wollte lieber einen Spitz. Doch ich hatte mich vom ersten Moment als ich Pixie gesehen hatte in das kleine Fellknäul verliebt und das schien auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Wir hatten sie damals, als sie noch relativ jung war - um genau zu sein 8 Monate alt - aus dem Tierheim adoptiert. Ihre Mutter wurde hochschwanger in Ungarn vor dem Tod gerettet und nun waren sie hier bei mir. Und ich könnte mich kaum glücklicher schätzen. Sie hatte mich nie enttäuscht, war immer für mich da. Mittlerweile war sie bereits zwei Jahre alt, aber immer noch genauso wild und ungestüm. Pixie war allerdings von all meinen Familienmitgliedern am meisten auf mich fixiert, weshalb ich sie nie und nimmer zurück bei meiner Mutter lassen konnte. Nichts gegen meine Mutter, nun wirklich nicht, allerdings war es das beste für Pixie.

Das Geräusch des sich öffnenden Aufzugs riss mich aus meiner Gedankenwelt und ich lief zielstrebig auf meine Tür zu und öffnete diese mit einer einfachen Handbewegung. Die Tür öffnete sich mit einem Klacken und Pixie rannte augenblicklich in die Wohnung ein. Es blieb leider keine Zeit mich genauer um zu sehen, denn ich wollte so schnell wie möglich die paar Kartons nach oben geschleift haben, die ich in meinem Auto hatte und mit der Gestaltung meines Zimmers anfangen, darauf hatte ich mich schon die ganze Zeit gefreut.
"Pixie, ich bin gleich wieder da!", rief ich ihr zu und schloss die Tür wieder, nur um mit der Arbeit zu beginnen, meine Kartons bereits aus dem Auto zu schleppen. Später würden dann noch die Umzugsleute kommen, um mir meine Möbel zu liefern. Schließlich konnte ich die nicht auch alle noch in meinen "kleinen" VW Bus T1 packen.
Nach einer Viertelstunde hatte ich fast alle Kartons nach oben gebracht und war nun drauf und dran den letzten zu tragen. Leider war der letzte auch der größte und schwerste, denn darin hatte ich irgendwie und ich weiß wirklich nicht wie all meine Klamotten verstaut. Der Karton beraubte mir die komplette Sicht und so lief ich einfach auf gut Glück gerade aus und versuchte irgendwie mein Auto abzuschließen. Doch da hatte ich die Rechnung ohne meine Tollpatschigkeit gemacht und fiel im hohen Bogen samt Karton rückwärts auf die Schnauze.
Ich vernahm ein amüsiertes Lachen und sah kopfschüttelnd auf. Mit einem erbosten Blick stand ein recht großer Schatten vor mir, der die Sonne daran hinderte in mein Gesicht zu scheinen. Vor mir stand ein ziemlich großer Typ, um die 1.80, schätzte ich mal. Er wirkte ziemlich muskulös, trotz seiner eher schmal auftretenden Statur. Wirklich, der Kerl sah ziemlich schlank aus. Doch durch seine schwarze Lederjacken zeichneten sich deutlich die Muskeln seiner Oberarme ab. Seine grauen Augen funkelten mich belustigt an und sein etwas längeres, rotes Haar hing ihm lässig ins Gesicht. Meine Augen blitzten sofort verärgert auf. Zugegeben, im großen und ganzen sah er eigentlich ziemlich gut aus. Eine Weile sagte ich nichts, sondern starrte ihn nur sprachlos an, bis ich merkte, wie er erneut lachte.
"Lach nich so behindert!", zischte ich ihn an und stand auf, um mir den Dreck von den Klamotten zu reiben. Die Belustigung in seinen Augen entglitt ihm und funkelten mich nun wütend an.
"Is doch nich meine Schuld, wenn du in mich rein läufst!", blaffte er kühl und verschränkte überzeugt die Arme vor der Brust. Entsetzt sog ich die Luft ein und lachte auf.
"MEINE Schuld? Du bist doch derjenige, der in MICH rein gerannt ist. Wenn du etwas mehr auf den Weg geachtet hättest, wäre das alles nicht passiert", absolut überzeugt von meiner genialen Antwort setzte ich ein triumphales Grinsen auf. Wäre ich doch nur mal schlauer gewesen. Sein Gesichtsausdruck änderte sich sofort in ein süffisantes Grinsen.
"Von jemandem der einen Oma-Schlüpfer trägt, muss ich mir gar nichts sagen lassen!", bitte WAS?! Mit weit aufgerissenen Augen sah ich hektisch neben mich. Aus dem Karton mit meiner Unterwäsche war doch tatsächlich der weiße Slip gefallen, den mir Mama mal gekauft hatte. Oh Gott, war das peinlich.
"D-Du bist so ein Idiot!", stieß ich verzweifelt auf. Doch ich hatte versagt. Er wusste genau, dass er gewonnen hatte und das ließ er sich deutlich anmerken. Er lächelte schief.
"Nachdem du mich vorhin so angestarrt hast, würde ich das eher nicht denken!", oh verdammt, ich war aufgeflogen! Denn zu meinem Bedauern sah der Typ nicht nur unverschämt gut aus - nein. Er war sich dessen auch ziemlich bewusst. So eine Verschwendung - ein so hübscher Kerl, mit einem so miesen Charakter. Von mir war nur ein verächtliches Schnauben zu hören.
"Ja klar, träum weiter!", sagte ich mit einer abfälligen Handbewegung und begann meine Klamotten aufzuheben und wieder in den Karton zu verstauen. Doch als ich mich umdrehte, stand der Kerl immer noch vor mir. Er hatte das breiteste Grinsen aufgelegt, das ich je gesehen habe. Sogar größer als das von mir aus Kindheitstagen zu Weihnachten!
"Was grinst du denn so dämlich?", keifte ich ihn genervt an. Der hielt mich wirklich von meinem ganzen Tagesablauf ab. Aber Moment mal! Wieso stand ich überhaupt noch hier und unterhielt mich mit diesem Idioten? Ich hatte viel wichtigeres zu tun, als Kindergärtnerin zu spielen. Violet, manchmal bist du so unfassbar dämlich!
"Also wenn ich mir dein Gesicht so ansehe, hat mir deine Rückseite besser gefallen. Der hatte wenigstens Aussichten auf etwas...besseres zu bieten", grinste er nun noch breiter, falls das überhaupt möglich war. WIE BITTE? WAS? Was erlaubt dieser Heini sich eigentlich? Wer denkt er ist er?
"Bist du bescheuert, oder was?", schrie ich dem Kerl nach, der sich gerade zum gehen wandte und sah entsetzt um mich herum, ehe schnellen Schrittes in das Haus zurück begab. So ein dämlicher Idiot!

Den Rest meines Tages hatte ich damit verbracht mein Zimmer zu streichen und einzurichten. Die Möbelpacker waren ebenfalls hier gewesen und bauten einiges an Mobiliar auf. So dauerte es nicht lange bis meine zwei Zimmer Wohnung ganz passabel aussah. Wenn auch nur mein Zimmer bisher fertig wurde. Ich hatte mich dazu entschieden es komplett weiß zu streichen. An den Wänden hingen mehrere Poster meiner Lieblingsbands, ja sogar ein originales Festival Poster vom Woodstock 1969 von meiner Oma! Nicht zu vergessen drei meiner liebsten Schallplattencover, die nun dieselbe Wand zierten. Nebendran stand nur ein kleiner Schrank mit vier Fächern, den ich so platziert hatte, dass er von der einen Wand in die nächste schräg überging. In den zwei unteren davon hatte ich meine Konsolen verstaut und in den anderen beiden meinen Schallplattenspieler und meinen DVD Player. Ganz oben auf diesem Schrank stand mein TV. Daneben war die Wand mit den Fenstern und der Heizung. Diese Wand hatte ich das gewisse etwas mit einer hellen Backstein Tapete gegeben. Die Backsteine auf dem Tapetenmuster sahen herrlich abgenutzt aus, was ich aus irgendeinem Grund besonders mochte. Vor der Heizung, welche sich unter meinem Fenster und dem dazugehörigen Fensterbrett befand hatte ich mein weißes Doppelbett positioniert. Ansonsten hatte ich nur einen weißen Schreibtisch und ein weißes Regal in dem ich die meisten meiner Bücher, CDs und DVDs aufbewahrte und an der linken Seite- vom Bett aus gesehen - des Zimmers stehen und an derselben Wand zwei Poster von Kurt Cobain angebracht - meinem absoluten Idol. Das einzige was man sonst vorfinden konnte, waren mein weißer Kleiderschrank, eine weiße Kommode auf und in der ich Accessoires und Schminkzeugs aufbewahrte, darüber ein normaler Spiegel und schwarzes Dekozeugs mit dem ich Akzente im Zimmer setzte - wie beispielsweise Gardienen und Bettwäsche. An meiner Tür befanden sich zwei Poster meiner Lieblingsfilme und ein paar bekritzelte CDs in der Innenseite der Tür. Was mir besonders gefiel war der  Schriftzug den ich gerade an eine meiner Wände gemalt hatte. Stolz betrachtete ich das Werk nachdem ich fertig war. Der Nirvana Songtitel "Come as you are" zierte nun in schwarzen Buchstaben meine Wände. Erschöpft beschloss ich mich um die anderen Zimmer und das Auspacken morgen zu kümmern.

Ich lief auf den Balkon hinaus um eine Zigarette zu rauchen, woraufhin mir Pixie nach draußen folgte. Sie ließ sich auf dem kühlen Marmorboden nieder und genoss die Abendluft. Ich inhalierte tief das Nikotin und sah mich um. Mein Balkon lag direkt gegenüber vom Balkon meines Nachbarn, wie mir auffiel. Er war größer und schöner. Das Geländer war weiß und vermutlich Metal, oder Gestein und sah sehr aufwändig gestaltet aus. Das Geländer meines Balkons war aus dunkelbraunem Holz. Die Türen des gegenüberliegenden Balkons waren komplett verglast und sahen märchenhaft aus. Kein Rahmen drum herum, einfach nur glänzendes Glas. Aber über meine Wohnung konnte ich im großen und ganzen nicht klagen. Meine Küche war zwar nicht sonderlich groß und um ehrlich zu sein, hätten darin auch nur zweieinhalb Personen Platz, doch das machte mir nichts. Die Küche war beige und in Kaffeetönen gehalten, die Schränke und der Kühlschrank, sowie der Backofen und so ziemlich alles andere waren weiß, was einen schönen Kontrast bildete. Das einzige was mich störte, waren die ebenfalls Kaffeefarbenen Fließen über dem Waschbecken bzw der Spüle und der blaue Linoleumboden. Aber das war nun wirklich mein kleinstes Problem. Ich hörte ein weit entferntes Poltern und Stimmengewirr. Ich zog an meiner Zigarette und blickte auf, nachdem ich wohl gedankenverloren die ganze Zeit meine Füße angestarrt hatte. Vor der Balkontür meines Nachbarn erschien nun ein Hinterkopf eines Mädchens mit lockigem blonden Haar. Die Gestalt vor ihr war ziemlich groß und durch den Schatten und das nicht beleuchtete Zimmer nicht zu sehen. Allerdings konnte ich anhand seiner Statur erkennen, dass es sich um einen Mann handelte. Die beiden knutschten wie wild vor der Tür herum und ich wünschte sie würden aufhören sich gegenseitig auszuziehen. Wobei ausziehen eher relativ war. Die blonde Tussi stand nur noch im BH vor der Glasscheibe und er hatte ihren Rock hochgezogen, der so kurz war, dass das schon fast nicht mehr nötig gewesen wäre. Der Typ stand vor ihr und seinen Bewegungen zu urteilen, öffnete er gerade seine Hose. Oh Gott! Was mach ich hier nur? Wann war ich zu einer gnadenlosen Spannerin geworden? So krass nötig hatte ich es doch auch wieder nicht! Das Licht der Straßenlaterne warf dunkle Schatten auf die beiden und ich konnte das Gesicht des Mannes erkennen. Graue Augen, längeres, rotes Haar und eine große, muskulöse Statur. Kein Zweifel - mein Nachbar war der Idiot von heute Nachmittag der mich umgerannt hatte. Na klasse! In dem Moment blickte der Kerl von seiner Schnalle auf und sah genau herüber. Er starrte mich direkt an. Angewidert und peinlich berührt stand ich nun auf, drückte meine Zigarette in meinem Aschenbecher, den ich schon vorher auf der Terrasse deponiert hatte aus und ging mit Pixie rein. Oh wie ich wünschte, der Kerl würde das einfach ganz schnell vergessen. Doch eigentlich war ich hier die leidtragende. Ich würde Jahre brauchen um diese widerlichen Bilder - weiß der Teufel, was die beiden da anstellten - aus meinen Gedanken verbannen zu können.

Ich war mir zwar zu einhundert Prozent sicher, dass ich voll mit Farbe bekleckert war, doch das interessierte mich herzlich wenig. Ich hatte morgen noch genug Zeit mich zu waschen. Es war dann ja gerade Mal Samstag! Ich schlüpfte nur schnell in meine Schlafklamotten, die aus einem übergrößen T-Shirt und einer Boxershorts bestanden und kuschelte mich sogleich in mein Bett und dies bildete den schönsten Teil meines gesamten Tages. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass wir bereits halb drei hatten, also wurde es wirklich höchste Zeit schlafen zu gehen. Kurze Zeit später hüpfte Pixie ebenfalls zu mir ins Bett und kurzerhand schliefen wir ein.
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