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Im Nebel sind alle gleich

von samphira
GeschichteMystery, Fantasy / P16 / Gen
D OC (Own Character)
21.06.2015
01.07.2020
45
46.034
4
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Dieses Kapitel
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30.06.2020 1.273
 
D mustert die junge Frau unter sich genau, streichelt zart über ihre Wange, bevor sich seine Hand locker um ihren Hals legt.
Jedoch schreit sie nach wie vor nicht, sondern erschaudert nur heftig unter seinen Berührungen.
Beide Personen wissen, dass er ihr den Tod bringen kann, daher kann man ihr Vertrauen einfach nicht erklären.

D traut sich selber kaum über den Weg.

Scharf schießt die Lust durch seinen Körper, als die kleine Nebelprinzessin einfach ihre Beine um seinen Leib schlingt.
Ihr Blick ist pure Sünde, kommt einer Einladung gleich.

Er, schon immer mehr Sünder als Heiliger, kann dem einfach nicht widerstehen.

Seine vampirschen Sinne werden von ihr ungemein angezogen.
Nicht nur ihr berauschender Duft, das köstliche Pochen ihres Herzens und das schwere Atmen, sondern auch diese seltsame Dunkelheit in ihrer Seele machen ihn deutlich an.

Der Jäger versucht noch immer, nicht die komplette Kontrolle zu verlieren, als Samphira mit beiden Händen durch seine Haare fährt, seine Wangen umfasst.

„Ich vertraue dir vollkommen.
Du wirst mich nicht töten, D.“

Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, streichelt die Sprecherin mit einem Zeigefinger verspielt über seine schönen, verführerischen Lippen.
Ihre Augen werden riesengroß, denn die Zunge des Angesprochenen schnellt plötzlich hervor,  berührt kurz ihren Finger.
Ein elektrischer Schlag scheint direkt durch die Haut in ihren Unterleib zu schießen.

„Du solltest mich nicht anfassen“, meint D mit gefährlich dunkler Stimme, die Samphira mehrere Schauer über den Rücken jagt.
Vorsichtig nickt sie, will um keinen Preis der Welt das zerbrechen, was sich da so zwischen ihnen entwickelt.

Lieb lächelnd lässt Samphira zu, dass er ihre Hand packt und sich sanft auf die Wange legt, so auch mit ihrer anderen verfährt.
Seine Hand um ihren Hals jedoch rührt sich keinen Zentimeter.

Ein Teil der Nebelprinzessin will in echte Panik verfallen, aber der weitaus größere Teil, besonders ihr Herz und ihre Seele, vertraut dem Jäger, ihrem selbstgewählten Champion.

„Lasse die Hände genau so“, hört sie ihn flüstern, regelrecht bitten.

Zur zustimmenden Antwort streicheln ihre Daumen vorsichtig seine Wangenknochen entlang und ihre Handflächen schmiegen sich komplett an seine Haut.

Wir wissen alle beide, dass es nicht zum Äußersten kommen darf, denkt sie, aber bitte, lasse uns die Illusion aufrecht erhalten.
Wenn auch nur noch für wenige Stunden.

„Nicht denken“, wispert der Jäger, scheint in ihren hellgrauen Augen die einsetzende Trauer gesehen zu haben.
Oder aber er versucht sich selber gut zu zureden.

Denn sein Erbe scheint sich immer mehr durchzusetzen.

Wir müssen aufhören, sie darf sich mir nicht komplett hingeben.
Geschweige denn sie tief mit sich in die Dunkelheit reißen.
So finster wie sein Leben ist, kann er es in keinster Weise zulassen, dass es eine Frau an seiner Seite gibt.
Besonders keine mit einer echten Zukunft in Aussicht.

Auf lange Sicht kann es einfach nicht funktionieren, egal wie sehr sie beide es auch ersehnen mögen.

Ihr kleiner, warmer, eindeutig weiblicher Körper unter seinem quält ihn, ebenso ist ihr ganz eigener Geruch und der rasche Herzschlag sind Angriffe auf seine Sinne.

D beißt die Zähne heftig zusammen, will am liebsten dringend Abstand von der Nebelprinzessin gewinnen.
Doch sie hält ihn vertrauensvoll mit ihren Beinen umklammert, hat sich auch weiterhin an seine Anweisung gehalten, weil ihre Hände noch immer an seinen Wangen liegen.

Das Hellgrau ihrer Augen ist von keinem einzigen Schatten gezeichnet.

Plötzlich jedoch reißt Samphira die Augen weit auf, blanke Furcht macht sich in ihnen breit.
Ebenso erstarrt ihr ganzer Körper.

D lauscht auf ein seltsames Geräusch, was durch die Wälder hallt. Die Mischung aus Kreischen, Lachen und Brüllen wiederholt sich.
Sofort will der Jäger kampfbereit aufspringen, diese Gefahr ausschalten.

Samphira lässt ihn tatsächlich frei, doch packt seinen Arm fest, krallt sich regelrecht in diesen.

„Wendigo“, stolpern die Buchstaben über ihre farblosen Lippen. Ihre Wangen sind kreidebleich geworden, aber noch immer hält sie D fest.

Aus einem mehr als guten Grund.

Denn dieser schaut sie erst fragend an, bevor er leise spricht: „Samphira, ich passe auf mich auf.“

„Darum geht es hier doch gar nicht!
Ich kann dich nicht in den sicheren Wahnsinn laufen lassen!

Außerdem ist das gesamte Zigeunerlager in schrecklicher Gefahr.
Sobald das Wesen die Menschen wittert, gibt es ein Massaker.“

Die Sprecherin hat sich während ihrer Worte aufgesetzt, packt sein Kinn, als er den Kopf in Richtung der Geräusche dreht, so die Quelle ausmachen will.

„Nein, D“, spricht Samphira mit fester Stimme, klingt regelrecht befehlend, „du musst zum Lager, dafür sorgen, dass die Feuer hoch auflodern.
Alle sollen in der Nähe des Lagers bleiben, keiner darf sich davon entfernen.“

Der Angesprochene spürt die Furcht, welche ihre Stimme im Unterton zittern lässt.
Auch ihre Hand zuckt unruhig an seinem Kinn.

„Ich bin dein Champion, dementsprechend bin ich dafür zuständig, jegliche Gefahr von dir abzuhalten.“

Er fasst ihr schmales Handgelenk, will so ihre Hand von seinem Gesicht  lösen.

„Du wirst dem Wahnsinn verfallen“, kommt es unheimlich tonlos von ihr.

Sie lässt ab von ihm, weicht sogar mehrere Schritte zurück.
Ihre gesamte Gestalt drückt Furcht und auch schlechtes Gewissen aus.

„D, da auch Menschlichkeit in deinen Genen schlummert, wirst du irre werden, solltest du dich dem Wendigo in den Weg stellen.
Was dann rauskommt, wird den allerdunkelsten Alpträumen entsprungen sein.
Daher bitte ich dich aus tiefster Seele, warne die Zigeuner.“

Der Angesprochene stellt sich normalerweise jeder Herausforderung und weicht vor keinem Gegner zurück, nur etwas im Tonfall der Sprecherin lässt ihn zögern.
Wahrscheinlich das halbe Flehen.

Oder auch sein Hut, der vergessen auf der Erde liegt.
Sie hatte ihn so erfurchtsvoll berührt, zeigte absoluten Stolz darüber, ihn zu tragen

.„Dann verlieren wir besser keine Zeit“, spricht der Jäger, fällt so die Entscheidung.

Jedoch anders als erwartet greift Samphira nicht nach seiner Hand, weicht ihm sogar noch aus.

„Du musst allein gehen“, erklärt sie kopfschüttelnd mit Tränen in den Augen, macht immer mehr Schritte rückwärts.

Erneut erklingt das seltsame Geräusch, scheint näher gekommen zu sein.

„Ich lasse dich bestimmt nicht allein hier.“

Der harte Tonfall duldet keine Widerworte, aber die Nebelprinzessin schüttelt den Kopf.
Hellgrau verwebt sich mit Blaugrau.

„Du musst“, flüstert Samphira, „ich habe den Tod auf den Fersen, bringe ihn den Unschuldigen.“

Tiefste Schuld klingt aus jedem einzelnen Wort, echte Seelenqualen trüben ihre Augen wie Gewitterwolken.
D fragt sich, was genau sie damit meint oder was ihre Tat war.

„Wir haben keine Zeit mehr“, drängt sie ihn erneut zum Aufbruch.

Ihr Kopf zuckt in die Richtung des Geräusches, aus der auch das Krachen eines Baumes ertönt.

„Entweder kommst du mit zurück zum Lager oder ich stelle mich der Gefahr.“

„Du Idiot“, platzt es aus Samphira heraus mit dunkler, gequälter Stimme, „meine Fähigkeiten haben ihn angelockt, der Wahnsinn in meinem Blut lockt ihn an wie Totes die Aasfresser.
Genau deswegen muss ich den Anderen fern bleiben, sonst klebt ihr Blut an meinen Händen.“

Die Lippen der Sprecherin zittern verdächtig, scheinen die nächsten Worte zurückhalten zu wollen: „Ich weiß, dass Menschenfleisch zart sein soll, besonders solches von Kindern.
So zart und vollkommen hilflos.
Ihre Knochen sind noch lange nicht so fest wie die der Erwachsenen.
Trotzdem gibt es auch in deren Körper schwache Knochen, welche zerbrechen wie vertrocknete Zweige.“

Samphira sieht ein gewisses Erkennen in den blaugrauen Augen aufflackern, doch der Wahnsinn sickert wie Gift von ihren Lippen, direkt aus den finsteren Adern ihrer Seele, als ob diese einen Riss haben, aus dem es tropft.

„Die Augäpfel, kleine, seltsamerweise recht feste Glibberbälle, lassen sich auf zwei Arten entfernen.
Entweder hereindrücken in den Kopf bis zum Gehirn, dass das Blut tränengleich an beiden Wangen hinabrinnt oder mit einem Finger geschickt am Knochen angesetzt, dann mit einer winzig kleinen Drehung heraushebelt.“

Die Sprecherin packt den eigenen Kopf und schreit schrill: „Los!
Rette die Menschen!

Sei wahrhaftig mein Champion, Vampire Hunter D!“
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