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Im Nebel sind alle gleich

von samphira
GeschichteMystery, Fantasy / P16 / Gen
D OC (Own Character)
21.06.2015
01.07.2020
45
46.034
4
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Dieses Kapitel
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28.03.2016 911
 
„Wo ist sie?“, fragt Nyx und folgt Samphira, welche Herbert an der Hand hat und sich von ihm führen lässt.

„Wir sind in ein Gasthaus.
Papa und ich haben die Bühne soweit aufgebaut.
Mama meinte, ihr sei zu warm und sie fühle sich schwach.
Papa hat ein Gasthauszimmer für sie bezahlt, damit sie sich hinlegen kann.
Und jetzt geht es ihr richtig schlecht.“

Während des Sprechens ist die Gruppe bei einem Gasthaus angekommen, aus dem bereits die laute, schlechtgelaunte  Stimme des Wirtes erklingt.

Er käme wohl in Teufelsküche, wenn einfach so eine schmutzigen Zigeunerhure in seinen Zimmer verrecke.

Samphira atmet tief durch und tritt neben den verzweifelten Hendrik.
Mit hoheitlicher, stolzer Ausstrahlung und entschlossen spricht sie: „Sie stehen unter meinen Schutz!
Doch da Ihr, verehrter Wirt, sicherlich dem schnöden Mammon anheim fallt, bezahle ich Euch dafür, die Zigeunerin und ihre Familie hier zu beherbergen!“

Nyx hat den Wink verstanden und drückt dem verdatterten Mann das restliche Gold im Beutel in die schwielige Hand.

Seine Prinzessin unterdessen ist Hendrik nach oben in das Zimmer gefolgt.
Sie zuckt bei dem sich bietenden Anblick innerlich heftig zusammen.

Liese liegt mit kreidebleichen Wangen auf dem Bett.
Ihre Beine sind von Flüssigkeit und Blut besudelt und umgeben.
Halb bewusstlos wimmert sie den Namen ihres Mannes, welcher sofort zu ihr stürzt und ihre kalten Finger in seine Hand nimmt.

„Gehe nach unten, Prinzessin“, spricht Nyx,“ ich kümmere mich um sie.
Aber Herbert hat noch ein weiteres Problem.“

Der Sprecher schenkt seiner Prinzessin ein beruhigendes Lächeln und geht zu Liese.
Er redet sanft zu ihr, erklärend, dass ihm eine Heilerausbildung zuteil wurde, streicht kurz über ihr verschwitztes Haar und untersucht sie danach  gewissenhaft.

Samphira wird es bereits leichter ums Herz, denn ihr Freund gibt den aufgeregten Mann Anweisungen und redet beruhigend mit der zitternden, noch immer kreidebleichen Frau.

Das Mädchen schließt die Tür hinter sich und geht nach unten, wo sie sofort die Wirtin anspricht: „Euer Gemahl hat ein stattliches Sümmchen Gold erhalten.
Dafür erwarte ich, dass Ihr den Anweisungen meines Begleiters Folge leistet.“

Die Angesprochene nickt eher eingeschüchtert, nicht sonderlich hilfsbereit, und gibt Anweisungen, was wärmeres Wasser und saubere Tücher angeht.

Samphira schaut sich suchend nach D um.

Dieser spricht mit Herbert, welcher pure Sorge und Verzweiflung ausstrahlt.

Sofort führen ihre Schritte zu ihnen.

„Dame Samphira“, bittet er flehend,“ wie geht es meiner Mama?“

„Sie wird wieder“, beruhigt die Angesprochene,“ Nyx meinte, es gebe da noch ein Problem.“

Der Junge nickt: „Wenn wir heute nicht auftreten können, haben wir kein Geld für die Stadtwachen.
Dann werden sie unseren Wagen einkassieren.  
Und wie es dann weitergehen soll, weiß  ich nicht.“

Samphira umarmt den Jungen mitfühlend.

Ihr Blick sucht den des Jägers.
Dessen kühle Miene verbirgt jegliche Emotion.

Ich werde Herbert helfen, egal ob du einverstanden bist, sprechen ihre hellgrauen Augen.

D liest diese Entschlossenheit auch aus ihrer gesamten Haltung.
Er erkennt die zukünftige Königin deutlich in ihren Zügen.

Sie wird immer kämpfen, egal was es auch kostet.

Samphira hat Herbert an die Hand genommen und meint: „Führst du mich bitte zu dem Wagen?
Wir lassen uns etwas einfallen.“

Herbert lächelt etwas und geht mit ihr schnell zu dem aufgebauten, hübsch dekorierten Planwagen.
Dieser erinnert an eine Bühne.

„Mama und Papa führen immer eine Art Theaterstück auf.
Meistens geht es dabei um eine verbotene Liebe zwischen Personen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten.
Ich lese die Geschichte vor und meine Eltern stellen dies dann dar.“

„Also bräuchten wir einen Mann, der den Part deines Vaters übernimmt.“

Ihre blassgrauen Augen wandern etwas über die Schulter und richten sich auf den entfernt dastehenden D.
Dieser wirkt teilnahmslos, was sie richtig ärgert.

Ein wunderbarer Bodyguard und Aufpasser, kommt ihr der Gedanke, nur sein Auftrag im Blick. Mich zurück bringen.
Das aber ist nicht länger eine Option, die zur Auswahl steht.

Den dumpfen Schmerz im Herzen überstreicht das Mädchen mit purer Verachtung und reinem Zorn.
Entschlossen werden alle schönen Erinnerungen wie die Geschehnisse im Gastzimmer oder das Erklären von Vampirkräften verdrängt.

„Du hast alles vermasselt.
Sie scheint dich regelrecht zu verachten“, wispert der Parasit so leise, dass nur der Jäger es hört.

Dieser ballt die Hand zur Faust.
Natürlich ist ihm das neue Verhalten nicht verborgen geblieben.

Innerlich seufzt er auf.

So ist es das beste für alle.

„Aber dir sollte schon bewusst sein, dass die kleine Prinzessin  dann sicher den ein und anderen Fluchtversuch unternehmen wird.
Du musst dich gut mit ihr stellen.
Oder magst du es etwa, ihr hinterher zu jagen? Wird das dein neues Hobby?
Vielleicht hast du dich aber auch verguckt.
Nein, so dumm bist du wirklich nicht.“

„Klappe jetzt“, knurrt D regelrecht und angenervt.

Ihm ist sehr wohl bewusst, dass Samphira weiterhin dem Jungen helfen will.  

Wenn er nicht aufpasst, wird sie wirklich noch komplett gegen ihn sein, entsprechend handeln. Im allerschlimmsten Fall bekommt das Mädchen entweder einen wirklichen Anfall mit dieser Dunkelheit, was D schon zweimal mitbekommen hat, oder aber Samphira wird mit ihrem Freund allein ins Nebelreich reisen.

Das Eifersucht, ebenso Trauer und Verlust, bei diesen Gedanken in ihm aufsteigen, verdrängt der Jäger mit aller Macht.
Denn Samphira wird eine großartige Königin an der Seite eines anderen Mannes werden.

Er hingegen sucht weiter nach seinem Erzeuger, bringt diesen um.
Lebt weiterhin das Leben eines Hunters.

So wird die unwiderrufbare Zukunft aussehen.

Deshalb überraschen nicht nur den Sprecher selbst die nächsten Worte, als seine Schritte zu Samphira und Herbert führen: „Ich würde das übernehmen, Samphira.“

„Bist du dir da absolut sicher, D?“
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